Serie•Teil 1 / 2Einführung in den 2. Timotheusbrief
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Einordnung des Briefes und seine besondere Dringlichkeit
Heute Nachmittag werden wir uns mit dem zweiten Timotheusbrief beschäftigen.
Der zweite Timotheusbrief trägt einen besonders feierlichen Charakter. Er ist das letzte Schreiben von Paulus im Neuen Testament. Verfasst wurde dieser Brief in seiner Todeszelle in Rom. Paulus sah, wie sein Lebenswerk begann, unter schlechten Einflüssen zu degenerieren, ohne dass er noch etwas dagegen durch persönliche Intervention hätte unternehmen können.
In 2. Timotheus 1,15 schreibt er: Du weißt dieses, dass alle, die in Asien sind, sich von mir abgewandt haben, unter ihnen Phygelus und Hermogenes.
Asien war eine Provinz in der heutigen Türkei, in Westtürkei, also jene Provinz, in der Ephesus, Smyrna, Pergamos und all die Gemeinden aus Offenbarung 2 und 3 lagen. Es war ein Gebiet so groß wie die Schweiz. Dort hat Paulus besonders lange gewirkt, mehrere Jahre, wie Apostelgeschichte 19 berichtet. Und jetzt sagt er in diesem Brief: Alle, die in Asien sind, haben sich von mir abgewandt.
Also bricht sein Lebenswerk zusammen, ohne dass er etwas dagegen durch persönliche Intervention hätte unternehmen können. Dies nimmt er zum Anlass, um die letzten Tage, die Endzeit der Christenheit, zu beschreiben, wenn der totale Zusammenbruch des Zeugnisses kommt.
Ich lese ganz kurz aus 2. Timotheus 3,1: Dieses aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten da sein werden. Denn die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, heillos, ohne natürliche Liebe, unversöhnlich, verleumderisch, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, Verräter, verwegen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott, die eine Form der Frömmigkeit haben, ihre Kraft aber verleugnen; und von diesen wende dich weg.
Was sich in der Zeit des Paulus im Ansatz entwickelte, sollte in großem Maße die Christenheit in der Zeit vor der Wiederkunft Christi kennzeichnen. Dieser Brief gibt viele ganz konkrete und persönliche Verhaltensanweisungen in einer Zeit des allgemeinen Abweichens von den Belehrungen der Bibel. Damit ist dieser Brief ein hochaktuelles Dokument in einer Epoche der Verführung und des unaufhaltsamen Niedergangs.
Absender, Empfänger und geschichtlicher Rahmen
Zunächst schauen wir uns an: Wer ist der Adressat? Ich lese 2. Timotheus 1,1:
Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen nach Verheißung des Lebens, das in Christus Jesus ist, an Timotheus, mein geliebtes Kind: Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.
Also: Der Brief richtet sich an Timotheus. Es ist ein persönliches Schreiben und nicht an eine Gemeinde gerichtet, wie viele andere Briefe von Paulus. Und Paulus selbst ist der Autor.
Timotheus war damals in Ephesus, also in der Provinz Asia. Das wird im Brief selbst nicht gesagt, aber in vielen griechischen Manuskripten gibt es am Schluss einen Zusatz durch die Abschreiber. Dort wird vermerkt, dass dieser Brief nach Ephesus geschickt wurde und dass er aus Rom geschrieben worden war. Diese Information gehört also nicht zum Bibeltext, ist aber bei vielen griechischen Manuskripten am Schluss noch zugefügt worden.
Zeit der Abfassung: 66, 67 nach Christus. Geschrieben im Gefängnis zu Rom, wie man aus der Zusatzbemerkung in den meisten Handschriften sehen kann, kurz vor dem Märtyrertod des Paulus.
Ich lese dazu aus 2. Timotheus 1,16:
Der Herr gebe dem Haus des Onesiphorus Barmherzigkeit, denn er hat mich oft erquickt und sich meiner Kette nicht geschämt, sondern als er in Rom war, suchte er mich fleißig auf und fand mich. Der Herr gebe ihm, dass er von Seiten des Herrn Erbarmen finde an jenem Tage. Und wie viel er in Ephesus diente, weißt du am besten.
Also: Hier wird ausdrücklich Rom erwähnt, Paulus ist dort gefangen. Und der Bezug auf Ephesus ist hier da. Timotheus wird sehr stark mit Ephesus in Verbindung gebracht, und es war tatsächlich so, dass er zur Zeit dieses Briefes dort war.
Kapitel 4, Vers 6 zeigt den Ernst der Situation, in der Paulus war:
Denn ich werde schon als Trankopfer gesprengt, und die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden.
Im Tempel zu Jerusalem wurde ja ganz am Ende des täglichen Brandopfers das tägliche Brandopfer war das erste am Morgen um neun Uhr aufgelegt und das letzte, das Abendbrandopfer, um drei Uhr nachmittags aufgelegt, im Schnitt. Und am Ende des Opfers wurde Wein ausgegossen in ein Gefäß, das auf dem Altar montiert war. Dieses Ausgießen des Weines, auch ein Bild des Blutes, versinnbildlichte gewissermaßen die völlige Hingabe in den Tod.
In Jesus Christus hat sich das erfüllt, so wie es in Jesaja 53 heißt: Er hat seine Seele, also sein Leben, sein Blut, ausgeschüttet in den Tod und ist den Übertretern beigezählt worden. Schluss von Jesaja 53.
Und wenn Paulus hier sagt: Ich werde als Trankopfer gesprengt, dann meint er gewissermaßen, dass jetzt die Zeit da ist, kurz vor seinem völligen Blutvergießen, als gewissermaßen wie ein Schlachtopfer.
Vers 8:
Ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, welche der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tage, nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben.
Also: Da wird ganz klar, Paulus wusste sich unmittelbar vor seinem Märtyrertod.
Paulus’ Weg nach der ersten Gefangenschaft
Wir haben letztes Mal den Kolosserbrief hier miteinander studiert. Dabei haben wir gesehen, dass der Kolosserbrief bereits im Jahr 62 nach Christus geschrieben wurde, zur Zeit der ersten Gefangenschaft von Paulus in Rom. Das ist die Gefangenschaft, die am Schluss von Apostelgeschichte 28 beschrieben wird.
Aus dieser Gefangenschaft wurden auch weitere Briefe geschrieben. Außer dem Kolosserbrief sind das der Epheserbrief, der Philipperbrief, aber auch der Philemonbrief und sogar der Hebräerbrief.
Paulus wurde aber offensichtlich danach wieder freigelassen, nach zwei Jahren Gefangenschaft. Darüber habe ich letztes Mal im Zusammenhang mit dem Kolosserbrief gesprochen und auch beim Epheserbrief. Nach dieser Freilassung ist er dann unter anderem nach Spanien gereist. In Römer 15,24 hat Paulus ja schon Jahre zuvor angekündigt, dass er gerne nach Spanien reisen würde. Es gibt eine frühchristliche Überlieferung, die sagt, dass Paulus bis ans äußerste Ende im Westen das Evangelium gepredigt hat. Und das äußerste Ende im Westen war eben Spanien.
Offensichtlich ist er also nach der ersten Gefangenschaft auch nach Spanien gekommen. Er ging auch nach Kreta, denn in Titus 1,5 spricht Paulus davon, wie er Titus in Kreta zurückgelassen hat, um dort in jeder Stadt Älteste einzusetzen, stellvertretend für Paulus und in Ausübung seiner apostolischen Autorität. Das kann man nicht irgendwo unterbringen in der Apostelgeschichte, in den vier Missionsreisen. Das stammt also aus der Zeit nach der ersten Gefangenschaft, nach Apostelgeschichte 28.
Erwähnt wird auch Nikopolis, eine griechische Stadt im Mittelmeerraum, in Titus 3,12. Dort sagt Paulus, dass er dort überwintern möchte. Auch das kann man nicht in den vier Missionsreisen einordnen; es muss also aus einer späteren Zeit stammen.
Dann war Paulus auch in Mazedonien, was er in 1. Timotheus 1,3 berichtet. Er ist nach Mazedonien weitergereist und hat Timotheus zurückgelassen. Und offensichtlich kann man aus 2. Timotheus 4,13 ableiten, dass er in Troas verhaftet worden ist und dann in die zweite Gefangenschaft kam. In 2. Timotheus 4,13 lesen wir nämlich: „Den Mantel, den ich in Troas bei Carpus zurückließ, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher, besonders die Pergamente.“
Also hatte Paulus in Troas noch verschiedene Dinge, und die sollte er dann unbedingt noch in Rom haben. Das kann man so verstehen, dass Paulus diese Dinge dort gelassen hatte, als er verhaftet wurde und schließlich nach Rom in die Todeszelle kam. So können wir die zweite Gefangenschaft etwa auf 66 bis 67 nach Christus ansetzen.
In Rom, kurz vor dem Märtyrertod, schreibt Paulus dann diesen ernsten, aber sehr bedeutsamen Brief.
Treue in einer Zeit des Abfalls
Man kann den Timotheusbrief schön einteilen, entsprechend den Kapiteln in unserer Bibel. Der erste Teil, Kapitel 1, zeigt Treue inmitten des Niedergangs. Da haben wir bereits gelesen: Paulus sagt, alle, die in Asien sind, haben sich von mir abgewandt. Aber Timotheus war ja auch in Asien, und ihm sagt er in 1. Timotheus 1,13: Halte fest das Bild gesunder Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind.
Bewahre das schöne, anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt. Du weißt dieses: dass alle, die in Asien sind, sich von mir abgewandt haben. Also soll Timotheus treu bleiben inmitten dieses Verfalls.
Interessant ist der Ausdruck: Halte fest das Bild gesunder Worte. Er sagt nicht nur: Halte fest das Wort! Das wäre ja auch richtig und wichtig. Unter dem Abschnitt auf dem Blatt „Charakteristische Ausdrücke und Besonderheiten“ steht zu 1. Timotheus 1,13: „Bild gesunde Worte“. Für Bild steht im Grundtext „Hypotyposis“, und das bedeutet Umriss, Form, Muster. Das will sagen, Timotheus soll nicht einfach nur das Wort festhalten als solches, sondern eben auch das Wort in seinem ganzen Zusammenhang, in seiner ganzen lehrmäßigen Struktur. Das ist wichtig.
Es geht also nicht nur darum, dass man bekennt: Ja, ich stelle mich zur ganzen Bibel. Sondern er soll die Lehre der Bibel auch im Sinn eines Gesamtzeugnisses, einer Gesamtlehre festhalten, diese gesunde Lehre, wie er sie von Paulus vermittelt bekommen hat. Und das nennt er auch das schöne, anvertraute Gut. Das soll Timotheus bewahren, Vers 14, durch den Heiligen Geist.
Also kann der Heilige Geist uns helfen, diese gesunde Lehre der Bibel festzuhalten, gerade in Zeiten der Verwirrung.
Timotheus’ Herkunft und geistliche Prägung
Ich lese jetzt, nachdem wir Verse 1 und 2 schon gelesen haben, am Anfang des Briefes weiter in Vers 3.
Ich danke Gott, dem ich von meinen Voreltern her mit reinem Gewissen diene, wie unablässig ich deiner gedenke in meinen Gebeten, Nacht und Tag, voll Verlangen, dich zu sehen, indem ich eingedenk bin deiner Tränen, damit ich mit Freude erfüllt sein möge, indem ich mich erinnere des ungeheuchelten Glaubens in dir, der zuerst wohnte in deiner Grossmutter Lois und deiner Mutter Eunike. Ich bin aber überzeugt, auch in dir.
Diese Verse zeigen, welche tiefe, schöne Beziehung Paulus als Älterer zu Timotheus als jüngerem Gläubigen hatte. Paulus sagt, er denke daran, wie Timotheus einen ungeheuchelten Glauben hatte. Und diesen hatte er schon von seinen Vorfahren her vermittelt bekommen. Die Mutter und die Grossmutter werden erwähnt.
Gehen wir ganz kurz zu Apostelgeschichte 16. Dort finden wir, wie Paulus auf der zweiten Missionsreise in der Gegend von Derbe und Lystra wirkte.
Apostelgeschichte 16,1:
Ihr gelangte aber nach Derbe und Lystra; und siehe, dort war ein gewisser Jünger mit Namen Timotheus, der Sohn einer jüdischen gläubigen Frau, aber eines griechischen Vaters, der ein gutes Zeugnis hatte von den Brüdern in Lystra und Ikonium. Paulus wollte, dass dieser mit ihm ausgehe, und er nahm und beschnitt ihn um der Juden willen, die in jenen Orten waren; denn sie kannten alle seinen Vater, dass er ein Grieche war.
Also: Auf der zweiten Missionsreise trifft Paulus Timotheus dort in dieser Gegend und nimmt ihn mit auf die zweite Missionsreise. Damals war er also schon gläubig.
Aber Paulus kam ja auf der ersten Missionsreise schon in diese Gegend von Lystra und Ikonium. Das war Kapitel 14, Vers 1:
Es geschah aber zu Ikonium, dass sie zusammen in die Synagoge der Juden gingen und also redeten, dass eine grosse Menge sowohl von Juden als auch von Griechen glaubte.
Und dann geht Paulus weiter, Vers 8, nach Lystra, evangelisiert dort, und so entstehen Gemeinden. Paulus muss aber wegen einer Verfolgung weitergehen. Doch immer noch auf der ersten Missionsreise kommt er dann nochmals zurück. Das ist Kapitel 14,21:
Und als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonium und Antiochien zurück, indem sie die Seelen der Jünger befestigten und sie ermahnten, im Glauben zu verharren, und dass wir durch viele Trübsal in das Reich Gottes eingehen müssen.
Also: Paulus war ein erstes Mal dort auf der ersten Missionsreise, da kamen Menschen zum Glauben. Und auf derselben ersten Missionsreise ging er dann nochmals in diese entstandenen Gemeinden, hat dann Älteste eingesetzt, Vers 23. Auf der zweiten Missionsreise kam er ein drittes Mal dorthin, und da ist dieser gläubige Timotheus, und er nimmt ihn mit.
Nun ist es folgendermassen: Timotheus kam auf der ersten Missionsreise durch Paulus zum Glauben. Darum nennt er ihn in 2. Timotheus 1,2 Timotheus, mein geliebtes Kind. Also er ist durch ihn gewissermassen zum Glauben gekommen, so wie Paulus sagt im Philemonbrief von dem Sklaven Onesimus: Ich habe ihn gezeugt durch das Evangelium. Onesimus kam durch Paulus zum Glauben und wurde so sein geistliches Kind. Und offensichtlich ist Timotheus eben ein Christ geworden auf der ersten Missionsreise von Paulus.
Aber er war kein Atheist. Sondern das war ein jüdisches Kind und wurde auch jüdisch im Glauben unterwiesen, schon von seiner Mutter und von der Grossmutter. Und dieser Glaube im alttestamentlichen Sinn war nicht einfach nichts wert. Darum sagt Paulus hier in diesem Brief: Du hast einen ungeheuchelten Glauben, und dieser Glaube war schon in deiner Mutter Eunike, in deiner Grossmutter Lois.
Sein Vater war Grieche. Also da war irgendwie ein Problem in dieser Ehe. Warum hat die Frau einen Nichtjuden geheiratet? Das hätte sie ja nach jüdischem biblischem Gesetz, 5. Mose 6, nicht dürfen. Aber trotzdem haben Mutter und Grossmutter den jüdischen biblischen Glauben weitergegeben. Und so war Timotheus im alttestamentlichen Sinn ein wahrer Gläubiger, so wie David und Mose und Abraham und die ganze Schar der Gläubigen im Alten Testament.
Aber durch die Verkündigung des Evangeliums ist Timotheus ein Christ geworden. Da hat er das Evangelium und die Erlösung durch den Opfertod des Herrn Jesus Christus erkannt und in Anspruch genommen. Schön ist eben, wie der Glaube da über Generationen schon weitergegeben worden war, und das war die Grundlage für den Glauben ans Evangelium später.
Lesen wir dazu noch aus Kapitel 3, Vers 14:
Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weisst, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die vermögend sind, dich weise zu machen zur Seligkeit durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.
Hier wird erklärt, Timotheus hat die Heiligen Schriften schon kennengelernt, von Kind auf. Das geschah eben durch Mutter und Grossmutter. Und was eindrücklich ist: Das Wort, übersetzt mit Kind, das wäre Punkt 13 hier auf dem Blatt, heisst Präfos. Präfos meint aber Kind im Sinn von Säugling. Das ist stärker. Es gibt ja auch das Wort Technon für Kind, das wäre ganz allgemein, aber Präfos meint wirklich das Kleinkind. Von Kleinkindalter an kennt er die Heiligen Schriften.
Und das ist doch eindrücklich. Gut, in der damaligen Kultur war das ja verbreitet, dass das Stillen eines Kindes länger ging, als das bei uns üblich ist, vielleicht bis vier Jahre. Aber das zeigt: Diese ersten paar Jahre wurden bereits ausgenutzt von Mutter und Grossmutter, um dem Kleinen das Wort Gottes wertvoll lieb zu machen. Das zeigt also, wie wichtig Bibelunterricht ist, bereits für das Kleinkindalter.
Junge Mütter und Väter sollen nicht denken, wir bringen ihm dann die Geschichten bei, wenn er in den Kindergarten geht, wenn er in die Schule geht. Es ist schon zu spät. Ja gut, wenigstens dann. Aber eigentlich sollte man das Einpflanzen viel, viel früher. Und das sehen wir übrigens auch in der Geschichte von Mose.
Als Mose 40 Jahre alt war, war er plötzlich bereit, den ganzen Reichtum Ägyptens zu verachten, aufzugeben, weil er mit dem auserwählten Volk den Weg in Leiden und durch Schmach gehen wollte. Woher kam diese plötzliche Wende als Vierzigjähriger? Nun, wir wissen: Mose durfte ja durch die Erlaubnis der Pharaonentochter bei der Mutter aufwachsen, solange er gestillt wurde. Und dann musste er an einen ägyptischen Hof.
Also diese Zeitspanne von null bis vielleicht vier Jahren, das wurde offensichtlich voll ausgenutzt, um den Samen zu säen im Herzen von Mose, der dann mit vierzig Jahren Frucht gebracht hat. Und so sehen wir das eben auch ganz gleich bei Timotheus: Das Wort Gottes wurde gesät in der Zeit von null bis vier.
Die Gabe des Timotheus und ihre Bestätigung
Jetzt lese ich weiter in 2. Timotheus 1,6:
Um welcher Ursache willen also, weil du so einen ungeheuchelten Glauben hast, erinnere ich dich daran, die Gnadengabe Gottes anzufachen, die in dir ist durch das Auflegen meiner Hände. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Für Gnadengabe steht im Griechischen das Wort Charisma. Es geht hier also um eine geistliche Gabe, um solche Gaben, wie sie erwähnt werden in 1. Korinther 12,14, in Römer 12, in Epheser 4 und an anderen Stellen. Timotheus hatte eine solche Gnadengabe, und Paulus sagt: Du musst diese Gnadengabe anfachen, so wie ein Feuer, das am Erlöschen ist. Da muss man wieder Sauerstoff hineinpumpen, um das Feuer wieder richtig aufleben zu lassen. Timotheus hatte eine geistliche Gnadengabe, um Gott zu dienen, aber sie war in der Gefahr, irgendwie vernachlässigt zu werden. So musste sie wieder neu Feuer bekommen, angefacht werden.
Nun sagt Paulus: Diese Gnadengabe, die ist in dir, und dann sagt er: Durch das Auflegen meiner Hände. Da stellt sich jetzt die Frage: Wie werden geistliche Gaben vermittelt? Braucht es dazu eine Handauflegung, oder bekommt man die Gnadengabe automatisch bei der Wiedergeburt, bei Bekehrung und Wiedergeburt?
Nun, wenn man so liest: Durch das Auflegen meiner Hände, könnte man denken, Paulus hat die Hände aufgelegt, und dann hat Timotheus diese Gnadengabe bekommen. Das ist aber rein sprachlich nur eine Möglichkeit. Ich habe hier unter charakteristische Ausdrücke und Besonderheiten unter Punkt zwei geschrieben: Durch, griechisch Dia, das Auflegen meiner Hände. Das Wort Dia hat mehrere Bedeutungen. Es kann bedeuten, dass das, was folgt, das Mittel ist. Also: Durch das Auflegen meiner Hände. Das Auflegen der Hände war das Mittel, sodass er diese Gnadengabe bekommen hat.
Aber Dia kann auch bedeuten, dass das, was folgt, das Kennzeichen ist. Ich gebe ein Beispiel: Hebräer 9,11, ganz anderer Zusammenhang. Da geht es um das Kommen von Jesus Christus in diese Welt. Und jetzt lese ich ganz wörtlich: Christus aber, gekommen als Hoher Priester der zukünftigen Güter, durch die größere und vollkommenere Hütte, die nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht durch Blut von Böcken und Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut, ist ein für allemal in das Heiligtum eingegangen, als er eine ewige Erlösung erfunden hatte.
Überall, wo ich durchgelesen habe, steht im Griechischen Dia. Also hier, wie gesagt: Christus ist gekommen durch die vollkommene Stiftshütte im Himmel. Er ist nicht gekommen durch das Blut von Tieren, sondern er ist gekommen durch sein eigenes Blut. Was heißt das? Das heißt, sein Kommen ist charakterisiert durch die himmlische Stiftshütte. Er kam also als Hoher Priester, der nichts zu tun hatte mit dem Tempel auf der Erde, sondern als Hoher Priester, der eben zu dem himmlischen Tempel gehört. Sein Kommen war nicht gekennzeichnet durch das Blut der Tieropfer, sondern sein Kommen war gekennzeichnet durch sein eigenes Blut, das er dann gegeben hat. Das ist das Kennzeichen seines Kommens.
Darum wird das in der alten Elberfelder hier übersetzt in Verbindung. Ich lese jetzt nochmals den Text, wie die alte Elberfelder es hat: Christus aber, gekommen als Hoher Priester der zukünftigen Güter, in Verbindung mit der größeren und vollkommeneren Hütte, die nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht mit oder in Verbindung mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern in Verbindung mit seinem eigenen Blut. Also: Dia kann den Charakter von etwas ausdrücken.
Und jetzt, bevor ich zurückkomme auf die Ausgangsstelle, lesen wir noch 1. Timotheus 4,14. Im ersten Brief schon schreibt Paulus: Vernachlässige nicht die Gnadengabe, Charisma, in dir, welche dir gegeben worden ist durch Weissagung mit oder verbunden mit Hände auflegen der Ältestenschaft.
Also hier wird gesagt, Timotheus hat seine Gnadengabe bekommen durch die Weissagung. Ja, wie ist es gegangen? Durch Weissagung etwas bekommen? Das bedeutet hier ganz eindeutig: Deine Gnadengabe wurde bestätigt durch Prophetie. Das heißt, ein Prophet in der Gemeinde hat offenbar gemacht, dass Timotheus diese Gnadengabe hatte. Die Prophetie kann ja nicht das Mittel sein, wie man die Gabe bekommt, sondern der Sinn ist: Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir, welche dir gegeben worden ist in Verbindung mit oder charakterisiert durch Weissagung mit Hände auflegender Ältestenschaft. Das wurde offenbar gemacht, und dann haben die Ältesten der Gemeinde ihm die Hände aufgelegt, um diesen Dienst, der mit dieser Gabe verbunden ist, zu bestätigen.
Denn Hände auflegen bedeutet immer Identifikation. Der Sünder im Alten Testament, der ein unschuldiges Opfer brachte, musste die Hände auflegen. Und dann wechselten die beiden: Die Schuld des Sünders wurde dem unschuldigen Tier zugerechnet. Es wurde mit ihm durch Handauflegen identifiziert. Die Ältesten haben die Hände aufgelegt und haben sich von der örtlichen Gemeinde her mit dem Dienst des Timotheus identifiziert. Durch Weissagung wurde offenbar gemacht, welchen Auftrag Timotheus hat, und jetzt in 2. Timotheus 1 lesen wir, dass auch Paulus seine Hände aufgelegt hat. Das heißt also, sein Charisma, seine Gabe, war apostolisch bestätigt.
Damit hatte Timotheus einen ganz speziellen Dienst, denn alle Christen wussten damals: Er war zwar kein Apostel, aber er war von dem Apostel Paulus in seinem Dienst voll bestätigt. Das gab ihm natürlich eine spezielle Autorität, wie das niemand heute von sich beanspruchen kann, weil wir ja keine Apostel mehr haben.
Aber es stellt sich noch die Frage: Wann bekommt ein Gläubiger seine Gnadengabe? Schlagen wir auf 1. Petrus 4,10. Bedenken wir: Petrus schreibt hier ein Rundschreiben an unzählige Christen in verschiedensten Gemeinden in vielen Provinzen der heutigen Türkei. Ich muss das zuerst beweisen. Hier ist 1. Petrus 1,1: Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der Zerstreuung von Pontus, Galatien, Kappadokien, Asien und Bithynien, also über vier Landstriche hinweg.
Und jetzt sagt er diesen wiedergeborenen Gläubigen in Kapitel 4,10: Je nachdem ein jeder eine Gnadengabe, Charisma, empfangen hat, dient einander damit als guter Verwalter der mancherlei Gnade Gottes. Wenn jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so sei es als aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus, welchem die Herrlichkeit ist und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
In meiner Bibel habe ich besonders angestrichen, hier in Vers 10: ein jeder, nicht einige oder viele, je nachdem ein jeder eine Gnadengabe empfangen hat. Petrus geht also davon aus, dass jeder einzelne Wiedergeborene – er spricht ausdrücklich zu Wiedergeborenen, Kapitel 1,3 – eine Gnadengabe empfangen hat. Ja, kannte Petrus alle diese Gläubigen? Nein. Aber wenn er an all diese Wiedergeborenen überall da hinschreibt, konnte er davon ausgehen, dann hat auch jeder eine Gnadengabe.
Also offensichtlich wird die Gnadengabe von Gott gegeben, zusammen mit der Wiedergeburt. Und so kann jeder Gläubige von sich sagen, dass er eine Gnadengabe hat. Man weiß nicht unbedingt welche. Das wird sich mit dem Wachstum im Glauben deutlich machen, ob jemand eine Gabe hat als Evangelist oder als Lehrer oder als Hirte usw. usf.
Wie kann man das übrigens herausfinden? Ganz einfach: So wie beim Medizinstudium. Wenn man Medizin studiert, muss man einfach alles machen. Und dann merkt man im Verlauf des Studiums, dass einem irgendwie das besonders liegt, irgendwie so Schneiden und Schnitzeln, ja, und dann kann man sich als Chirurg spezialisieren. Einer merkt irgendwie: Ich kann gut mit den Leuten reden, ich kann irgendwie gut auf sie eingehen und habe Verständnis für sie. Dann macht er vielleicht eine Spezialausbildung als Psychiater. Und ein anderer merkt irgendwie: Ich kann einfach alles gut. Dann wird er ein Allgemeinpraktiker. Das sind die, die alles können.
Also so geht das. Wir müssen uns nicht zu viel den Kopf zerbrechen, welche Gnadengabe habe ich? Sondern da, wo der Herr uns Aufgaben zeigt, sollen wir das auch machen, nicht in einer Hyperaktivität, aber da, wo der Herr uns zeigt: Das ist jetzt meine Aufgabe. Und dann merkt man mit der Zeit, wo man eine besondere Begabung hat, und so entdeckt man eben seine Gnadengabe.
Im Fall von Timotheus war das sehr außergewöhnlich, dass das eben sogar durch Prophetie geschah. Denn die biblischen Propheten waren ja immer noch da, Schreiber des Neuen Testaments waren da, und so wurde seine Gabe offenbar gemacht, und sie wurde auch noch apostolisch, nicht nur durch die Ältesten, sondern apostolisch bestätigt durch Paulus. Damit hatte Timotheus einen ganz besonders wichtigen Dienst in der Grundlegung der Gemeinde, und Timotheus wird nun eben ermutigt: Er soll diese Gabe ja nicht vernachlässigen, sondern sie anfachen.
Und diese Ermahnung gilt uns auch. Wir können unsere Begabung oder unsere Begabungen, die wir als geistliche Gaben haben, einschlafen lassen. Das soll nicht geschehen, sondern wir sollen das immer wieder anfachen, dass es auch wirklich aus Inbrunst zu dem Herrn gebraucht wird. Zum Beispiel von Apollos heißt es in Apostelgeschichte 18, dass er die Dinge von Jesus sorgfältig lehrte, mit Inbrunst. Er hatte ein inneres Feuer. Das war nicht einfach so sachliche Abhandlung, sondern man merkte: Das bewegt diesen Mann. Da war die Gnadengabe eben angefacht.
Und jetzt wird begründet, Vers 7: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Timotheus war also offensichtlich ein etwas ängstlicher Mensch. Und wir sehen das auch im ersten Korintherbrief: Da sagte er, er möchte Timotheus zu den Korinthern schicken, und er ermahnte die Korinther: Seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sei. Ich gebe die Stelle kurz an, wir sind hier ähnlich gegangen, weil in Korinth das eine ganz spezielle Gruppe von Gläubigen war. Da konnte es ja sehr wild und chaotisch zu und her gehen.
Und so lesen wir in 1. Korinther 16,10: Wenn aber Timotheus kommt, so seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sei; denn er arbeitet am Werk des Herrn wie auch ich. Es verachte ihn nun niemand, geleitet ihn aber in Frieden, damit er zu mir komme; denn ich erwarte ihn mit den Brüdern.
Also Timotheus hatte ein bisschen Angst vor diesen Leuten in Korinth, und da musste man ihm extra sagen: Also passt auf, dass er nicht in Furcht unter euch sein muss. Und hier wird angespornt: Der Heilige Geist, den Gott uns gegeben hat bei der Wiedergeburt, ist nicht ein Geist, der uns Furcht vermittelt, sondern er ist ein Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Man kann auch übersetzen: Selbstbeherrschung.
Es ist interessant: Diese drei Namen des Heiligen Geistes haben einen Bezug zu 1. Korinther 12,13,14. Das sind ja gerade die Kapitel über die Gnadengaben. In 1. Korinther 12 werden viele Gnadengaben aufgelistet und vorgestellt. Da wird immer erklärt, dass es der Heilige Geist ist, der durch diese Gaben wirkt. Also da geht es um die Kraft bei der Ausübung der Gnadengaben.
Dann kommt Kapitel 13, da wird erklärt: Die Liebe ist das Höchste, und es ist so wichtig, dass diese Gaben in der Liebe zu Gott und den Erlösten ausgeübt werden. Da haben wir dann diese Verse, das Hohelied der Liebe in 1. Korinther 13.
Und dann in 1. Korinther 14 wird erklärt: Diese Gaben muss man mit Verstand anwenden, mit Besonnenheit. Er sagt, ihr könnt Fremdsprachen sprechen. Offensichtlich konnten einige in Korinth in Sprachen reden, also Fremdsprachen sprechen, ohne sie gelernt zu haben. Was nützt das, wenn die in Korinth sagen wir mal Arabisch sprechen und niemand versteht sie? Das bringt überhaupt nichts. Da sagt er: Überlegt euch doch mal, es nützt doch mehr, dass ich fünf Wörter sage in einer verständlichen Sprache für die Anwesenden als zehntausend Wörter in einer Fremdsprache. Da sagt er: Seid doch keine Kinder am Verstand.
Interessant ist: Dort wird auf den Verstand hingewiesen. Man muss mal überlegen, was bringt etwas und was bringt nichts. Darum wird in diesem Kapitel das Sprachenreden als Gnadengabe Gottes und die Weissagung einander gegenübergestellt. Und da wird erklärt: Weissagung, also Reden, wird erklärt zur Ermahnung, Tröstung und Ermunterung. Das ist immer nützlich. Sprachenreden ist nur dann nützlich, wenn man Arabisch kann, als Gnadengabe, wenn solche da sind, die Arabisch verstehen. Sonst bringt das nichts.
Und in Korinth war es halt nicht so wie in Jerusalem bei Pfingsten. Da waren halt viele Juden aus allen möglichen Ländern, aus drei Kontinenten, da, und die konnten diese Fremdsprachen verstehen. Aber Paulus sagt in 1. Korinther 14: Wer in einer Sprache spricht, redet Geheimnisse, redet nicht Menschen, sondern Gott; denn er spricht Geheimnisse, denn niemand versteht es. Ja, in Korinth waren eben die Fremdsprachigen nicht das Normale in der Gemeinde, und so nützt das nichts.
Also gegenübergestellt: Ihr müsst doch besonnen euch überlegen, was bringt etwas. Und das kommt ja aus der Liebe heraus. Ich will nicht mich selber verwirklichen, sondern ich möchte den anderen dienen. Das ist die Liebe. Und wenn ich diese Liebe habe, dann möchte ich ja, dass das, was ich weitergebe, verstanden wird und nicht einfach über die Köpfe hinweggeht. Das ist manchmal schwierig, je nach Thema, aber da muss man sich eben bemühen, verständlich zu sein. Und so sehen wir also in 1. Korinther 14 das Thema der Besonnenheit.
So geben diese drei Namen hier in 2. Timotheus 1,7 die Titel für die drei Kapitel: 1. Korinther 12 der Geist der Kraft, 1. Korinther 13 der Geist der Liebe und 1. Korinther 14 der Geist der Besonnenheit oder Selbstbeherrschung.
Ermutigung zum mutigen Zeugnis
Wie so weiter? So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn, noch meines, eines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium nach der Kraft Gottes.
Merken wir: Wir haben da ganz konkrete Befehle. Wir hatten schon in Vers 6 einen feinen Befehl: Ich erinnere dich, die Gnadengabe Gottes anzufachen. Aber dann, stärker als Befehl, heißt es in Vers 8: So schäme dich nicht! Und im gleichen Vers: Leide Trübsal mit dem Evangelium. Jetzt haben wir da schon drei Aufforderungen oder Befehle.
Ich habe unter Punkt eins geschrieben: Im 2. Timotheusbrief findet man mehr als dreißig persönliche Befehle. Und ich habe das so gemacht: In meiner Bibel habe ich alle diese Befehle mit einer speziellen Farbe angestrichen. Wenn ich so durch den Bibeltext gehe, sehe ich sofort, wo ein Befehl steht. Und es gibt manchmal Leute, die sagen: Was will eigentlich Gott von mir? Da muss man nur schnell mal durch den 2. Timotheusbrief hindurchgehen, da hat man schon dreißig Punkte, die der Herr von mir will, ja?
Und wenn einem das nicht genügt, kann man das Gleiche im 1. Timotheusbrief machen, dann hat man noch einmal etwa dreißig. Und wenn das auch zu wenig ist, kann man noch den Titusbrief dazunehmen, dann hat man noch einmal etwa dreißig. Dann hat man schon neunzig Befehle. Also: Die Bibel ist schon recht konkret.
Und was jetzt eben noch besonders ist am 2. Timotheusbrief: Ich habe gesagt, das ist ein Endzeitbrief, weil hier besonders die letzten Tage der Christenheit im Visier stehen. Und da haben wir also hier Befehle, die besonders wichtig sind für Christen in der Endzeit. Natürlich ist in der Bibel alles wichtig, aber es gibt Briefe im Neuen Testament, die zum Beispiel in der ersten Zeit der Christenheit eine ganz besondere Bedeutung gehabt haben. Sie haben ihre Bedeutung immer noch heute. Aber es gibt auch Briefe im Neuen Testament, die haben in der Endzeit eine ganz besondere Bedeutung, obwohl sie schon damals für Timotheus ganz bedeutsam waren. Merkt man, was ich sagen will?
Also, ich schwäche nichts ab. Aber der 2. Timotheusbrief hat insofern für uns Christen heute eine ganz bedeutende Aussage, weil wir diese Befehle in Verbindung mit der Endzeit anschauen müssen. Also: Befehle, die besonders in unserer Zeit ganz wichtig sind.
In 2. Timotheus 1,8 wird also als Befehl erklärt, dass Timotheus evangelistisch tätig sein soll. Das gilt für uns alle. Und er soll sich eben nicht schämen. Die Menschenfurcht ist immer eine Gefahr, war für Timotheus eine Gefahr und ist für uns eine Gefahr. Und hier werden wir wieder neu ermutigt, uns nicht zu schämen und auch bereit zu sein zu leiden.
Also nichts von einem Wohlstandsevangelium in den letzten Tagen. Christen müssen auch in der letzten Zeit leiden, gerade um des Glaubens willen: Leide Trübsal mit dem Evangelium nach der Kraft Gottes.
Das Evangelium als ewiger Heilsplan Gottes
Dann wird erklärt, was dieses Evangelium beinhaltet: Der uns errettet hat und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor den Zeiten der Zeitalter gegeben, jetzt aber geoffenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, der den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.
Also, hier wird erklärt, was Gott an uns getan hat. Heute, bei der Bekehrung, hat er uns errettet, gerade nachdem er uns berufen hat mit heiligem Ruf. Also der Aufruf zur Entscheidung bei der Evangelisation, das ist Gottes heiliger Ruf, und wer diesem Ruf folgt, kommt zur Errettung. Jetzt sagt Paulus, das hat Gott getan in unserer Zeit.
Aber uns wurde bereits vor Erschaffung der Welt, nämlich vor den Zeiten der Zeitalter, die Gnade bereitgestellt. Das Alte Testament ist ja eingeteilt in verschiedene Zeitabschnitte: von der Schöpfung bis zum Sündenfall, vom Sündenfall bis zur Sintflut, von der Sintflut bis Abraham, von Abraham bis zum Auszug aus Ägypten, vom Auszug aus Ägypten bis zum Kommen von Christus, weiter bis zur Wiederkunft Christi. Das sind verschiedene Zeitalter. Aber hier, wie gesagt, hat Gott uns die Gnade eigentlich schon vor den Zeiten der Zeitalter bereitgestellt.
In Epheser 1,3 heißt es, dass die Gläubigen auserwählt sind vor Grundlegung der Welt. Aber erst jetzt ist es Wirklichkeit geworden, dass Gott uns gerufen und errettet hat. Und das ist geschehen auf der Grundlage, dass Jesus Christus erschienen ist. Darum heißt es hier: jetzt aber geoffenbart durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, der den Tod zunichte gemacht usw.
Also: Vor Grundlegung der Welt hat Gott einen Vorsatz gefasst. Diese Menschen werde ich retten durch das Evangelium, weil er wusste, dass sie dem Ruf folgen werden. Und dann, nach Jahrtausenden, ist der Messias Jesus gekommen, hat das Erlösungswerk vollbracht, und nochmals zu einem späteren Zeitpunkt hat Gott uns ganz persönlich berufen und errettet. So werden die großen Heilstaten Gottes zurückverfolgt bis vor Grundlegung der Welt. Sehr eindrücklich.
Und Christus hat dann eben den Tod besiegt, am Kreuz, und Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht, am Sonntag, am Auferstehungstag. Es ist sehr interessant: Mit welchem Tag beginnt die Bibel? Der erste Tag der Bibel ist der Sonntag. Ich sage das, weil manche die Bedeutung des Sonntags in der Bibel abschwächen. Wir sagen: Der Sabbat hat seine Bedeutung in der Heilsgeschichte, und zwar ganz speziell in Verbindung mit Israel. Nach 2. Mose 31 sagt Gott, dass der Sabbat das Zeichen des Bundes zwischen Gott und Israel ist. Aber der Sonntag, das ist der erste Schöpfungstag. Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Und dann wird berichtet von der Finsternis über der Erde, aber Gott sagt noch an diesem selben ersten Tag: Es werde Licht, und es ward Licht. Und an diesem ersten Tag der Woche ist der Herr Jesus später auferstanden und hat die Grundlage für die neue Schöpfung gelegt. Er hat Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht. Das ist der erste Tag der Woche. Das ist nur so ein Klammer.
Und jetzt von diesem Evangelium sagt Paulus: Zu welchem ich bestellt worden bin als Prediger und Apostel und Lehrer der Nationen, um welcher Ursache willen ich dies auch leide. Also jetzt sagt er: Darum bin ich in der Todeszelle, weil ich ein Prediger bin von dieser großartigen Botschaft, die ihre Ursprünge in der Ewigkeit hat, vor Erschaffung der Welt.
Und er sagt jetzt als Beispiel für Timotheus: Aber ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und bin überzeugt, dass er mächtig ist, das ihm von mir anvertraute Gut auf jenen Tag zu bewahren. Jetzt sagt Paulus, er schämt sich nicht, genauso wie er in Römer 1,16 sagt: Ich schäme mich nicht des Evangeliums. Da ist er uns ein gewaltiges Vorbild.
Aber weiter sagt er: Ich weiß. Als Begründung, warum er sich nicht schämt: Denn ich weiß, wem ich geglaubt habe. Es ist ja schon interessant: In der Bekehrungsgeschichte von Saulus, Apostelgeschichte 9, erscheint ihm der Herr zum ersten Mal, und dann sagt er: Herr, wer bist du? Das war seine Frage: Herr, wer bist du? Und jetzt, in der Todeszelle Jahrzehnte später, sagt er: Ich weiß, wem ich geglaubt habe. Dazwischen liegt das Leben von Paulus.
Und weil er weiß, wer das ist, auf den er das Ganze gesetzt hat, das heißt nicht nur: wem ich geglaubt habe, sondern man könnte es sogar noch stärker übersetzen, in der speziellen Perfektform, die hier verwendet wird: auf wen ich meinen Glauben gestellt habe oder auf wen ich mein Vertrauen gesetzt habe. Das ist eine Handlung, die in der Vergangenheit begonnen hat und nun Wirkung bis jetzt hat. Da ruht mein Vertrauen. Ich weiß, auf wen ich dieses Vertrauen gesetzt habe, und das macht, dass ich mich nicht schäme.
Also: Je größer uns der Jesus wird, je mehr wir bewusst sind, wer er ist, der Sohn Gottes, desto mehr werden wir die Menschenfurcht verlieren. Ja, das Weitere haben wir gesehen. Wir wollen ja nicht jeden Vers bis ins Detail anschauen, es ist ja eine Übersicht heute, aber zum Teil möchte ich etwas ausführlicher werden.
Die Weitergabe des Glaubens über Generationen
Wir gehen jetzt zu Kapitel 2.
Du nun, mein Kind, sei stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist. Jetzt spricht er ihn wieder als Kind an, weil er durch ihn zum Glauben gekommen ist. Aber interessant ist: In diesem Kapitel verwendet Paulus hier sieben Bezeichnungen für Christen. In meiner Bibel habe ich diese Ausdrücke, also die Bezeichnungen der Erlösten, mit einer anderen Farbe angestrichen. Ja, es muss eine andere Farbe sein, sonst verwechselt man sie mit dem Namen Gottes. Aber dann sieht man auf einen Blick, wie die Gläubigen genannt werden.
Also, ich habe es auf dem Blatt hier aufgeführt:
2. Vers 1: Kind,
2. Vers 3: Soldat Jesu Christi,
Kapitel 2, Vers 5: Athlet. Wir finden zwar nicht das Wort Athlet, aber es heißt: Wenn aber auch jemand kämpft. Und das Wort kämpfen ist hier im Griechischen als Athlet kämpfen. Also nicht irgendein kriegerischer Kampf, sondern ein athletischer Kampf.
2. Vers 6: der Ackerbauer,
2. Vers 15: der Arbeiter, und zwar geht es im Zusammenhang um einen Facharbeiter,
dann Kapitel 2, Vers 20: goldene und silberne Gefäße,
und 2. Vers 24: Knecht oder Sklave.
Sieben Bezeichnungen.
Bei dem Ausdruck Kind geht es um jemanden, der zum Glauben gekommen ist, zur Wiedergeburt. Und da sagt er: Du nun, mein Kind, sei stark oder erstarke in der Gnade, die in Christus Jesus ist. Das ist ein Befehl: erstarke. Also er sagt ihm, du musst wachsen im Glauben. Das ist ein Befehl. Wir haben in der Bibel die Befehle, dass wir im Glauben wachsen müssen, denn das ist das Normale bei jedem Kind. Es muss sich entfalten.
Dann sagt er: Und was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Männern an, welche tüchtig sein werden, auch andere zu lehren. Dazu habe ich hier bei diesen Versen geschrieben: Es gibt hier vier Generationen der Weitergabe gesunder Lehre. Das ist interessant.
Also Paulus sagt: Das, was du von mir gehört hast, vertraue treuen Männern an, die selber in der Lage sind, auch wieder andere zu belehren. Also haben wir Paulus, Timotheus, treue Leute, die fähig sind zu lehren, und dann wieder andere. So muss die gesunde Lehre von einer Generation unter den Christen an die nächste weitergegeben werden. So sollte das sein, über zweitausend Jahre hinweg.
Interessant ist in Epheser 3, im letzten Vers, dort heißt es: Gott sei die Ehre in der Gemeinde, über alle Generationen hinweg des Zeitalters der Zeitalter. Dort hat er also im Es heißt nicht „in die Zeitalter der Zeitalter“, da ist es falsch übersetzt, sondern „das Zeitalter der Zeitalter“. Das ist die Gnadenzeit heute, das herrlichste Zeitalter in der Heilsgeschichte. Und da gibt es Generationen von den Aposteln bis heute. Und Gott sei die Ehre über alle Generationen hinweg. So war das Gottes Wille, dass die gesunde Lehre von einer Generation zur anderen weitergegeben werden sollte.
Wir wissen, dass es da einige Probleme gegeben hat. Aber wie steht es heute? Ich habe den Eindruck, dass wir, obwohl ja jeder Generationenübergang kritisch ist, es immer eine ganz kritische Sache ist, dass das wirklich rüberkommt. Es lohnt sich zum Beispiel auch, im Alten Testament solche Generationenübergänge anzuschauen: Elia, Elisa und so weiter und so fort. Es gibt ein Buch auf Französisch: „Le passage des générations“, der Übergang der Generationen, von Georges Andres. Da geht es genau darum, wie kommt von einer Generation etwas rüber zur nächsten, von der geistlichen Botschaft.
Und heute ist dieser Übergang ganz besonders kritisch. Ich denke, das hat es noch nie gegeben, dass ein Sohn zu seinem Vater sagt: Ich verstehe deine Bibel nicht. Ich verstehe die Sprache nicht. Ihr könnt zurückdenken, falls ihr gläubige Vorfahren hattet. Hat eure Mutter jemals ihrer Großmutter gesagt: Deine Bibel verstehe ich nicht? Sie hat die gleiche Bibelübersetzung gelesen, hat sie verstanden oder mit der Zeit verstanden. Ja, durchs Lesen kommt auch das Verständnis, und man lernt neue Wörter, auch die, die man nicht unbedingt auf der Straße gehört hat. Aber so krass, dass die neue Generation derart Mühe hat, die Sprache der Eltern und die Sprache der Bibel der Eltern zu verstehen, das ist wirklich sehr ungewöhnlich.
Oder auch was den Geschmack betrifft: Welche Musik lieben die Eltern und welche lieben die Kinder? Gut, heute ist es natürlich schon so, dass die Elterngeneration bereits diejenige ist, die sich vielleicht als Wut ins Zimmer zurückgezogen hat und Beatmusik gehört hat, damit wirklich mal mit den Eltern abgeschaltet ist. Das war in den Sechziger- und Siebzigerjahren ja richtig, das war die Trennmauer. Wenn man verrückt war mit den Eltern, hörte man diese Musik, und es war ganz klar: Ich habe das gern, und die Eltern hassen das.
Aber heute sind die Eltern bereits diejenigen, die das auch schon geliebt haben. Trotzdem ist im Allgemeinen, wenn man auf die letzten 40 Jahre schaut, der Geschmack von einer Generation zur nächsten völlig verändert worden. So ist der ganze Übergang der Generationen heute sehr, sehr kritisch. Aber wir haben hier diesen Aufruf: erstarke in der Gnade. Und wir müssen das der nächsten Generation weitergeben, und zwar so, dass die nächste Generation wieder fähig ist, als treue Leute das einer weiteren Generation zu vermitteln.
Der Soldat, der Athlet und der Bauer
Wir gehen zu Vers 3: Nimm teil an den Trübsalen als ein guter Soldat Jesu Christi. Niemand, der Kriegsdienste tut, verwickelt sich in die Beschäftigung des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat.
Es geht also hier um einen Söldner, aber jetzt um einen Kriegsmann von Jesus Christus. Wenn man Soldat geworden war, sagen wir in der römischen Armee als Söldner, dann musste man sich im Klaren sein, dass jetzt nicht ein gemütliches Leben kommt. Das war ein Leben, in dem man wusste: Ich lasse mich auf riesige Probleme ein, auf grausige Probleme.
Und so sagt der Apostel Paulus: Nimm teil an den Trübsalen, eben als guter Soldat von Jesus Christus. Du bist in diese Armee eingetreten, aber du wusstest, das bringt Probleme. Denn es geht hier nicht um einen wörtlichen Kampf, sondern um einen geistlichen Kampf. Aber da wirst du sehr viel Enttäuschung erleben und schwierige Situationen. Doch du musst es sein. Wieder ein Befehl: Nimm teil an den Trübsalen.
Und dann erklärt er: Solche, die Soldaten geworden sind, wissen, ich kann mich nicht einfach so quasi in den normalen Ablauf des Lebens verwickeln, wie das die anderen tun. Meine Sache ist, ich muss einfach da sein, wo ich in der Armee gebraucht werde. Also muss ich auf sehr viele normale Dinge des Lebens bereit sein, auch zu verzichten.
Und so sagt jemand, der ein Soldat von Jesus Christus ist, der lässt sich nicht einfach in alle möglichen Dinge des Lebens verwickeln. Der muss ganz klare Ziele haben: Was ist meine Aufgabe, wo ist mein Kampf?
Vers 5: Wenn aber auch jemand kämpft, und zwar eben als Athlet kämpft, so wird er nicht gekrönt, wenn er nicht gesetzmäßig kämpft. Also hier hat Paulus die Athleten von damals bei den Olympiaden oder wo auch immer im Auge. Und er sagt: Man muss als Athlet den Regeln entsprechend kämpfen, sonst bekommt man nicht den Siegeskranz. Heute würde man sagen: die Medaille.
Ja gut, wer dopt, muss wissen, das geht nicht, das ist nicht nach der Regel. Und so ist es also wichtig: Als Athlet weiß man, ich muss mich ganz genau an die Regeln halten. Und jetzt werden wir hier als Athleten gesehen, und da kann man nicht sagen: Ja gut, also der Zweck heiligt die Mittel. Nein, wir müssen uns an die biblischen Gebote halten und die biblischen Regeln halten. Sonst können wir keine Krönung erwarten. Also sehr praktisch, ja.
Nächster Vers: Der Ackerbauer muss, um die Früchte zu genießen, zuerst arbeiten. Oder man kann es auch übersetzen: Der arbeitende Ackerbauer soll zuerst die Früchte genießen.
Bei der ersten Übersetzungsmöglichkeit, Der Ackerbauer muss, um die Früchte zu genießen, zuerst arbeiten, da heißt es also: Wir müssen zuerst investieren, unsere Kraft, und erst dann haben wir die Resultate. Die andere Übersetzung macht eigentlich klar, dass derjenige, der wirklich arbeitet, auch ein Vorrecht hat, dass er als Erster eben auch in den Genuss der Resultate kommen darf.
Also auf jeden Fall macht der Text hier klar: Wir sind alle Bauern, als Erlöste. Und wir müssen investieren. Bauer sein ist nicht eine ganz einfache Sache. Man muss investieren in die Zukunft, aber es wird dann Resultate geben. Aber auch da ist wieder der Unterton: Man muss durchhalten. Beim Soldaten war das so, beim Athleten, beim Bauern.
Nachdenken, Festhalten und recht teilen
Vers 7: Bedenke, was ich sage; denn der Herr wird dir Verständnis geben in allen Dingen. Das ist eine schöne Verheißung, zuerst aber ein Befehl. Ich habe das auch wieder rot angestrichen: Bedenke. Das ist eine Befehlsform, genauso wie Vertraue in Vers 2, nimm teil in Vers 3. Bedenke, was ich sage.
Also, hier bezogen auf den zweiten Timotheusbrief: Wir müssen über das, was Paulus schreibt, nachdenken. Was bedeutet das? Was bedeutet das für mich, für unsere Situation heute? Aber dann gibt es eine Verheißung: Denn der Herr wird dir Verständnis geben in allen Dingen. Das ist ja wunderbar. Wenn wir also das Wort Gottes studieren und das auch wie Timotheus umsetzen wollen, dann dürfen wir wissen, dass der Herr uns ein fortschreitendes Verständnis des zweiten Timotheusbriefes gibt.
Wieder ein Befehl, Vers 8: Halte im Gedächtnis Jesus Christus, auferweckt aus den Toten, aus dem Samen Davids, nach meinem Evangelium, in welchem ich Trübsal leide, bis zu Banden wie ein Übeltäter. Aber das Wort Gottes ist nicht gebunden.
Halte im Gedächtnis – also, was ist eigentlich zentral in unserem bewussten Denken? Wir haben ja hinter dem Stirnknochen diesen Bereich der grauen Zellen, und dort findet das bewusste Denken im menschlichen Gehirn statt. Und so sollen wir also dort ganz zentral Jesus Christus, auferweckt aus den Toten, als Nachkomme von König David, in unserem Denken halten. Das entspricht ganz dem, was wir in Offenbarung 14,1 lesen. Da sieht Johannes den gläubigen Überrest der Zukunft aus Israel, die 144.000, und von denen heißt es, dass sie den Namen des Vaters und des Lammes auf ihren Stirnen geschrieben haben. Was ist der Name des Lammes? Halte im Gedächtnis Jesus Christus.
Interessant ist aber, wenn man in der Offenbarung noch vorher liest: Da kommt der letzte Vers von Offenbarung 13. Da geht es um die Leute, die in der Zukunft das Zeichen des Tieres annehmen werden, auf die rechte Hand oder auf die Stirn, den Namen oder die Zahl des Tieres. Da muss man wahrscheinlich einen Chip unter die Haut bekommen, weil man ohne dieses System in der antichristlichen Zeit nicht mehr kaufen oder verkaufen könne. Ja, aber was haben die da? Sechsundsechzig anstatt achtundachtzig. Der Zahlenwert des Namens Jesus auf Griechisch gibt achtundachtzig.
Ja gut, aber das ist ja alles noch Zukunft. Aber für uns bedeutet das: Was beherrscht unser Denken? Wirtschaftliche Überlegungen? Ja, darum geht es ja mit dem Chip unter der Stirnhaut. Wirtschaftliche Überlegungen oder Jesus Christus, auferweckt aus den Toten. Das ist eine ganz aktuelle Frage. Was ist in unserem Leben so wichtig: das Geld oder der Erlöser?
Das zu diesen Versen. Und dann heißt es: Paulus ist zwar gebunden, aber das Wort Gottes ist nicht gebunden. Das war für ihn ein Trost. Er konnte zum Beispiel nicht mehr von Rom nach Ephesus gehen, um diesen Abfall zu bremsen. Aber er wusste: Das Wort Gottes wird auch dort verkündigt. Und das Wort Gottes hat in sich eine Kraft; das kann man nicht binden.
Leiden, Treue und der feste Grund Gottes
Vers 10: Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Seligkeit erlangen, die in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit.
Also, Paulus sieht die Menschen, die noch nicht errettet sind, bereits als die Auserwählten, für die Gott das Heil vorgesehen hatte, in Vorkenntnis, weil er wusste, dass sie einmal das Opfer Christi annehmen werden. Und er sagt: Für diese Auserwählten erdulde ich alles, damit auch sie einmal errettet werden durch Christus Jesus.
Das ist eine sehr interessante Sicht, also dass man sogar unter den Ungläubigen quasi die sehen kann, die auserwählt sind. Es ist ja so, dass zum Beispiel in 1. Korinther 18 Paulus in Korinth arbeitet und dann spricht der Herr zu ihm durch einen Traum. Und er sagt: Fürchte dich nicht, Paulus, denn niemand wird dir Übels tun. Denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.
Korinth war ja die Kloake der alten Welt, also die primitivste und perverseste Stadt schlechthin. Und der Herr sagt: Habe keine Angst, dort zu wirken. Ich habe ein großes Volk in dieser Stadt. Und so konnte Paulus eben auch die Sicht haben: Da sind viele, die gehören zu denen, die schließlich errettet werden sollen.
Durch Bekehrung und Glauben.
Lies weiter Vers 11: Das Wort ist gewiss, denn wenn wir mitgestorben sind, so werden wir auch mitleben; wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen; wenn wir verleugnen, so wird auch er uns verleugnen; wenn wir untreu sind, er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.
Hier macht sich klar: Jetzt müssen wir als Gläubige leiden und viel Enttäuschung in Kauf nehmen, aber wir wissen, wenn der Herr Jesus einmal herrschen wird, dann werden wir mit ihm auch die ganze Ehre teilen. Wenn wir jetzt seine Verachtung teilen, werden wir einmal seine Ehre teilen. Paulus litt, Timotheus litt, wir leiden, aber wir werden einmal mitherrschen.
Es ist so interessant, die Überraschung, die in Vers 13 kommt: Wenn wir verleugnen, so wird er auch uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, dann heißt das nicht, dass er untreu ist. Er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.
Viele haben das als Ermutigungswort genommen. Ja, wenn ich untreu bin, dann wird der Herr treu bleiben. So ist es aber nicht gemeint, sondern es ist gemeint: Wenn wir untreu sind, aber der Herr ist unwandelbar, er hält sich an seine Verheißungen, Zusagen. Er kann nicht untreu werden gegenüber dem, was er gesagt hat.
Es ist also nicht ein Ermutigungsvers für solche, die untreu werden wollen, sondern es ist vielmehr eine heilige Realität: Wenn wir untreu sind, hält er sich an sein Wort bis zum Schluss.
Wie dein Befehl:
Vers 14: Dies bringe in Erinnerung, indem du ernstlich vor dem Herrn bezeugst, nicht Wortstreit zu führen, was zu nichts nütze, sondern zum Verderben der Zuhörer ist.
Wie dein Befehl: Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt, oder wörtlich übersetzt: in gerader Richtung schneidet.
Also, Timotheus soll im Blick auf die Bibel ein guter Facharbeiter sein. Ein Facharbeiter weiß genau, wie er schneiden muss, damit es schön gerade ist, nicht irgendwie kreuz und quer und unsorgfältig. Ein guter Arbeiter schneidet oder teilt das Wort der Wahrheit in gerader Richtung.
Das bedeutet zum Beispiel beim Bibellesen, dass wir ganz klar trennen, was sich direkt auf Israel bezieht, was sich speziell auf die Gemeinde bezieht, und dass wir das nicht durcheinanderbringen. Wenn Gott zum Beispiel zu Israel sagt: Wenn ihr euch an mein Wort haltet, werde ich euch alle Krankheiten Ägyptens fernhalten, dann können wir das nicht einfach auf die Gemeinde übertragen, denn für die Gemeinde gibt es im Neuen Testament keine Verheißung, die so lautet.
Aber wir haben für Israel zum Beispiel besonders irdische Verheißungen und irdischen Segen. Und für die Gemeinde haben wir ausdrücklich himmlischen Segen, gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Regionen oder Örtern. Epheser 1,3.
Wenn Gott uns auch irdisches gibt, dann ist es in seiner Souveränität, aber nicht so, dass wir uns darauf berufen könnten. Und so müssen wir ganz klar unterscheiden und nicht die Dinge miteinander verstricken. Und wenn man das eben nicht macht, das Wort so recht teilt oder gerade schneidet, dann ist man ein Arbeiter, der sich schämen muss.
Sein: Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt oder gerade schneidet.
Die ungöttlichen, eitlen Geschwätze aber vermeide, denn sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten, und ihr Wort wird um sich fressen wie ein Krebs, unter welchen Hymenäus und Philetus sind, die von der Wahrheit abgeirrt sind, indem sie sagen, dass die Auferstehung schon geschehen sei, und den Glauben etlicher umkehren.
Es geht also um solche, die den Abfall fördern durch ihre falschen Lehren. Hymenäus und Philetus sind zwei konkrete Personen, die hier erwähnt werden, und ihr Wort wird verglichen mit einem Krebs. Im Griechischen ist es Gangrän. Gangrän ist vielleicht weniger bekannt als Krebs. Es ist eine Krankheit, die verursacht wird durch Bakterien, so dass es an Körperstellen, sagen wir zum Beispiel an den Zehen der Füße, zu Fäulnis kommt. Und das frisst sich dann immer weiter, so dass das Gewebe abstirbt, und dann kommt es zur Amputation.
Also vergleicht Paulus falsche Lehren unter Christen mit einem solchen Gangrän, der ganz verhängnisvolle Konsequenzen hat und am Schluss zum Tod führt. Und da sagt er: Ungöttliches Geschwätz muss er unbedingt vermeiden. Es gibt eben solche, die wirklich unter den Christen falsch lehren und alles verdrehen.
Die zwei sagten, die Auferstehung ist schon geschehen. Ja, was bedeutet das? Die haben den ganzen Heilsplan durcheinandergebracht, ja? Die Auferstehung ist noch nicht geschehen, unser Körper ist noch nicht verwandelt. Ja, wenn man sagt, die Auferstehung ist schon geschehen, dann muss man einen vollkommenen Körper haben, der nicht mehr krank wird, ja?
Ja, das gibt es, manche, die heute ganz Ähnliches sagen. Aber die verdrehen den biblischen Kalender. In Römer 8 lesen wir ganz klar, dass die Erlösung des Körpers erst bei der Wiederkunft Christi, bei der Entrückung, kommt. Wir haben das noch nicht jetzt. Eine Verstehung ist noch nicht geschehen. Wir haben die Erlösung der Seele und des Geistes, aber nicht die Erlösung des Körpers, darum kann er krank werden. Das kommt erst später.
Aber gerade dadurch, dass sie so den Heilsplan durcheinanderbringen, heißt es hier: Und den Glauben etlicher umkehren. Die machen die Leute kaputt.
Der feste Grund und die Reinigung des Hauses Gottes
Und dann heißt es weiter: Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen, und jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit.
In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene; und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre.
Jetzt geht es hier um ein großes Haus. Was ist das für ein Haus? Tempel heißt auf Hebräisch Heichal, und dieses Wort geht eigentlich auf das Sumerische zurück. Heichal ist übrigens im Arabischen auch Heichel. Heichel bedeutet Tempel. Heichal geht zurück auf das sumerische Egal, also Haus groß. Der Tempel ist das große Haus.
Paolo sieht nun den Tempel Gottes. Und da sieht er: Es gibt einen festen Grund Gottes. Im großen Haus zu Jerusalem gab es den festen Grund Gottes. Das war der Eckstein oder der Fundamentstein des Allerheiligsten auf der Spitze des Tempelberges. Das ist der Fels, der heute im Felsendom ist, wo man ja heute noch die Spuren sieht, wie das Allerheiligste da gebaut war.
Dieser feste Grund Gottes steht. Interessant ist, dass der Tempel im Jahr siebzig abgerissen wurde und bis heute nie mehr aufgebaut wurde. Aber der Grund Gottes steht immer noch. Das ist ermutigend. Da kann alles zusammenbrechen und kaputtgehen, und wir können von den Menschen tief enttäuscht werden. Aber der feste Grund Gottes steht. Das ist der Herr Jesus selber. Er ist dieser Fels und dieser Eckstein der Gemeinde.
Jetzt wird hier gesagt: Dieser feste Grund Gottes hat ein Siegel, er hat eine Inschrift. Der Herr kennt die Seinen. Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit.
Leider können wir den Stein heute im Felsendom nur begrenzt untersuchen, sonst gäbe es ja wieder einen Nahostkrieg. Aber eigentlich sollte man die ganze Abschrankung im Felsendom einmal entfernen können. Ich würde gerne den Felsen, was man seit islamischen Zeiten noch nie tun konnte, richtig im Detail untersuchen.
Und zwar gibt es in der rabbinischen Literatur, ich habe in meinem Buch genau auch die Stellen angegeben, wo das herkommt, den Messias im Tempel. Da findet man in der rabbinischen Literatur den Hinweis, dass dieser Stein eine Inschrift hat, auf der der Name Yahweh vorkommt, der Name des Herrn.
Und hier ist interessant: Dieser feste Grund hat ein Siegel. Der Herr kennt die Seinen, und jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit. Da kommt also genau dieser Name des Herrn hier vor. Also würde ich mich mal untersuchen, wenn man die Inschrift freilegen könnte und sehen, was da steht. Kommt später.
Aber hier haben wir ja den Bibeltext. Übrigens, woher kommt das? Das kommt aus dem Alten Testament, diese beiden Worte. Aber das werde ich erst nach der Pause verraten.
Wir sind vor der Pause stehen geblieben in 2. Timotheus 2,19, bei der Inschrift des festen Grundes Gottes. Das stammt aus 4. Mose 16. Das führt uns zurück in die Wüstenwanderungszeit Israels.
Da gab es eine Gruppe, die Rotte Koras. Die machte einen Aufstand gegen Mose und gegen Aaron. Mose vertrat eigentlich die Autorität des Wortes Gottes. Er kam von Gott her, um das Wort Gottes dem Volk zu geben. Aaron vertrat den Weg, wie das Volk zu Gott kommen konnte, auf der Grundlage des Opfers. Und Gott hat gesagt, wie das geht.
Aber die Rotte Koras sagte: Wieso soll eigentlich nur Aaron Priester sein dürfen? Warum haben wir nicht das gleiche Recht? Und dann hat Gott gesagt, die Rotte Koras soll antreten in der Stiftshütte, und Gott wird dann zeigen, wer sein ist und wer heilig ist.
Lesen wir das? 4. Mose 16,5: Und er redete zu Korah und zu seiner Rotte und sprach: Morgen wird der Herr kundtun, wer sein ist und wer heilig ist, dass er ihn zu sich nahen lasse.
Da kam die Rotte Koras in den Vorhof der Stiftshütte, und Gott hat sie dann durch ein Gericht vernichtet. Die Erde hat sich aufgetan und hat die ganze Rotte Koras verschluckt. Und da wurde deutlich: Gott bekennt sich zu Mose und Aaron. Aber diese Rotte hat gewissermaßen rebelliert gegen Gottes Autorität in seinem Wort und gegen Gottes Weg, wie der Mensch durch das Opfer versöhnt wird.
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