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Einführung in den Galaterbrief

Galater29.08.2009
Warum reicht Glaube allein nicht? Der Galaterbrief entlarvt den Irrweg, mit Leistung bei Gott punkten zu wollen – und zeigt, warum genau das echte Freiheit zerstört.

Einleitendes Gebet und Thema des Nachmittags

Wir wollen zu Beginn noch zusammen beten.
Herr Jesus, wir danken dir, dass du da bist und dass du uns diese Gelegenheit schenkst, an diesem Nachmittag miteinander den Galaterbrief zu studieren. Sprich du selbst durch dein Wort zu uns und öffne unsere Augen, damit wir Wunder sehen in deinem Wort. Segne diesen Nachmittag, leite du uns und hilf uns, dein Wort auf uns zu übertragen und anzuwenden. Amen!
Heute Nachmittag wollen wir uns im Sinn einer Einführung mit dem Galaterbrief beschäftigen. Das Thema dieses Briefes kann man umschreiben mit: Errettung allein durch Glauben. Ich würde den Galaterbrief so in ein paar Sätzen umschreiben:
Der Galaterbrief warnt vor der Irrlehre, die besagt, man könne durch eigene Verdienste und durch das Einhalten der Gebote des Gesetzes Mose einen Beitrag zu seiner eigenen Erlösung leisten. Er betont daher die Vollgültigkeit des Erlösungswerkes Jesu Christi am Kreuz. Ferner warnt er grundsätzlich und ernstlich vor dem Irrweg, dass nichtjüdische Christen beginnen, nach jüdischen Geboten des sinaitischen Gesetzes zu leben.
Und wir merken gleich: Dieser Brief, geschrieben im ersten Jahrhundert nach Christus, hat ernste Entwicklungen gleich vorweggenommen. Wenn wir an die Kirchengeschichte denken, sehen wir, wie die ganze Christenheit durch Jahrhunderte, ja über tausend Jahre hindurch, genau in diese Problematik hineinkam, dass gelehrt wurde, der Mensch könne gerettet werden durch eigene Verdienste. Aber Jahrhunderte bevor dieser falsche Weg in der Kirchengeschichte beschritten wurde, war der Galaterbrief schon längst da und hatte die göttliche Warnung und Zurechtweisung sowie auch die göttliche Lehre über den wahren Weg der Errettung bereits dargelegt.
Und auch diese heutige Bewegung, in der immer mehr evangelikale Christen ins Judentum hineingezogen werden, ist hier schon längst vorweggenommen. Die göttliche Antwort auf die Fragen in diesem Zusammenhang ist uns ebenfalls schon längst vorgestellt.

Grundfragen zum Brief und die ersten Hinweise auf Autor und Empfänger

Nun ist es wichtig, beim Lesen von Bibelbüchern zunächst Grundfragen zu stellen: Wer ist der Autor? An wen wurde das Buch damals bei der Abfassung gerichtet? Dann die Frage nach Zeit und Ort der Abfassung. Außerdem die Frage nach dem Aufbau und der Struktur des Buches. All diese Fragen wollen wir zusammen anschauen, und gleichzeitig wollen wir durch den Brief im Detail hindurchgehen.
Die Frage, wer das Buch geschrieben hat, wird gleich beantwortet in 1. Korinther 5,3-12. Ich lese: Paulus, Apostel, nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn auferweckt hat aus den Toten, und alle Brüder, die bei mir sind, den Gemeinden von Galatien: Gnade euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters. Ihm sei die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Also wird der Autor hier klar vorgestellt als Paulus, Apostel. Darauf kommen wir noch zurück.
Dann stellt sich die Frage: Wer sind die Adressaten? Auch das haben wir bereits gelesen: die Gemeinden von Galatien. Man beachte den Plural, also die Mehrzahl: nicht die Gemeinde von Galatien, sondern die Gemeinden von Galatien.
Nun stellt sich die Frage: Welche Gemeinden sind hier gemeint? Ich werde gleich zeigen, dass es die Gemeinden von Südgalatien sind und nicht die Gemeinden von Nordgalatien. Es gibt nämlich zwei Theorien, die man in den Bibelkommentaren lesen kann: die nordgalatische und die südgalatische Theorie. Das klingt zunächst sehr theoretisch, aber das Ganze hat durchaus seine Bedeutung.
Vielleicht ist es gut, noch etwas zu den Hintergründen zu wissen. Um etwa 300 vor Christus wanderten Gallier aus dem heutigen Frankreich aus. Sie zogen durch Südeuropa hindurch und kamen dann in das Gebiet der galatischen Landschaft, also in die heutige Türkei. Diese galatische Landschaft wird ausdrücklich in Apostelgeschichte 16,6 im Zusammenhang mit der zweiten Missionsreise des Paulus genannt. Ich lese gerade den Vers: Sie durchzogen aber Phrygien und die galatische Landschaft, nachdem sie vom Heiligen Geist verhindert worden waren, das Wort in Asien zu reden.
Da wird also die galatische Landschaft erwähnt. Das wäre das Gebiet, in dem sich diese Gallier angesiedelt hatten. Dieses Gebiet wurde später von den Römern erobert. Um 25 vor Christus wurde dieses Gebiet der galatischen Landschaft zusammen mit Pisidien, Phrygien und Teilen von Lykaonien zu der römischen Provinz Galatien zusammengefasst.
Nun ist es wichtig zu wissen: In der Apostelgeschichte ist es üblich, dass Lukas Gebietsnamen verwendet, während es in den Paulusbriefen üblich ist, dass er Provinznamen verwendet. Das macht schon einmal klar: Wenn Lukas in Apostelgeschichte 16 über die galatische Landschaft spricht, dann meint er nicht speziell die große römische Provinz Galatien, sondern tatsächlich dieses galatische Land, in dem sich diese Gallier angesiedelt hatten. Von Gallia kommt übrigens auch das Wort Galater oder Galatien.
Wenn Paulus jedoch in seinen Briefen über Ortsnamen oder Gebiete spricht, dann benutzt er speziell die Provinznamen. Also, wenn Paulus von den Gemeinden von Galatien spricht, dann ist damit nicht einfach nur die Landschaft gemeint, sondern die Provinz. Das hilft uns dabei herauszufinden, an wen sich der Galaterbrief zuerst richtete.

Südgalatien, Missionsreisen und die frühe Datierung des Briefes

Nun, was die nordgalatische Theorie anbetrifft: Paulus durchzog Nordgalatien gemäß Apostelgeschichte 16,6 auf der zweiten Missionsreise. Dies geschah jedoch nach dem Apostelkonzil von Apostelgeschichte 15. Später ging er dort erneut hindurch, auf der dritten Missionsreise, Apostelgeschichte 18,23. Dort beginnt gerade die dritte Missionsreise. Und als er einige Zeit in Antiochien, der Ausgangsgemeinde, zugebracht hatte, reiste er ab und durchzog der Reihe nach die galatische Landschaft und Phrygien und befestigte alle Jünger.
Nun ist auch Folgendes zu beachten: In Apostelgeschichte 15, auf diesem Konzil der Apostel, wurde die Frage besprochen, ob nichtjüdische Gläubige, die das Evangelium aufgenommen haben, auch noch beschnitten werden sollten, um wirklich errettet zu werden. Diese Frage wurde dort von den Aposteln ganz eindeutig beantwortet.
Genau das ist das große Problem, die große Frage, die im Galaterbrief gestellt wird. Interessant ist nun aber, dass im Galaterbrief nicht argumentiert wird: Ja, was habt ihr eigentlich für ein Problem? Diese Frage ist ja schon längst von den Aposteln in Jerusalem abgehandelt worden. Sie haben ganz klar Weisung gegeben, was hier Gottes Lehre ist und was ihre Lehre ist. Aber das wird im Galaterbrief nicht erwähnt.
Wenn die nordgalatische Theorie stimmen würde, dann wäre der Galaterbrief sicher später als Apostelgeschichte 16,6 geschrieben worden, vielleicht sogar später als Apostelgeschichte 18,23. Dann wäre aber dieses Konzil schon längst eine historische Tatsache gewesen. Warum fehlt es also im Galaterbrief?
Wenn der Galaterbrief früher geschrieben worden ist, dann erklärt sich das von selbst. Das hatte noch nicht stattgefunden, darum konnte Paulus das gar nicht erwähnen.
Nun ist es so: Die Entstehungsgeschichte der südgalatischen Gemeinden wird in Apostelgeschichte 14 beschrieben. Auf der ersten Missionsreise, die in Apostelgeschichte 13 beginnt und bis Kapitel 14 geht, hat Paulus die Gebiete von Ikonium, Lystra und Derbe besucht. Diese Orte befinden sich im Südteil der römischen Großprovinz Galatien.
Daraus kann man also ableiten: Der Galaterbrief ist in der Zeit von Apostelgeschichte 14 geschrieben worden, also nach der Gründung dieser Gemeinden in Ikonium, Lystra und Derbe und noch vor dem Konzil der Apostel in Apostelgeschichte 15. Daraus folgt, dass dieser Brief der erste Brief von allen Paulusbriefen ist. Alle anderen Briefe hat er nämlich später geschrieben. Das gibt diesem Brief natürlich ein ganz besonderes Gepräge.
Der erste inspirierte Brief des Apostels Paulus, genauso wie der letzte Brief auch ein ganz besonderes Gepräge hat, könnte man sagen, als Testament des Paulus: das ist der zweite Timotheusbrief, geschrieben aus der Todeszelle in Rom im Jahr 67.

Die heidnischen Gemeinden und der Angriff jüdischer Irrlehrer

Nun, also die Adressaten sind Leute, die auf der ersten Missionsreise im Gebiet von Iconium, Lystra und Derbe zum Glauben gekommen waren, und die Mehrheit von ihnen waren Nichtjuden.
Schlagen wir auf Galater 4,8. Da sagt Paulus den Galatern: Aber damals freilich, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind. Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, vielmehr aber von Gott erkannt worden seid, wie wendet ihr wieder um zu den schwachen und armseligen Elementen, denen ihr wieder von neuem dienen wollt? Ihr beobachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre. Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich an euch gearbeitet habe.
Also, er sagt ganz klar: Ihr habt früher Gott nicht gekannt, und ihr habt falschen Göttern gedient. Das macht deutlich, dass die Mehrheit der Galater eben wirkliche Heiden waren, nicht Juden.
Aber wir werden gleich sehen: Es kamen jüdische Irrlehrer zu den Gemeinden von Galatien, und die haben gesagt, so gewissermaßen: Das ist ganz toll, dass ihr jetzt gläubig seid und dass ihr jetzt auch das Alte Testament erkennt. Ihr glaubt an Jesus als Messias, aber um gerettet zu werden, solltet ihr jetzt auch noch wirkliche Juden werden. Ihr müsst beschnitten werden, ihr müsst die Feste der Bibel einhalten, Passafest, Laubhüttenfest, das Fest der Wochen und so weiter und so fort.
Und Apostel Paulus sagt ihnen: Ihr beobachtet Tage, Zeiten und Jahre. Ich fürchte, dass ich vergeblich für nichts um euch gearbeitet habe. Also diese jüdischen Irrlehrer versuchten, die Galater aus Südgalatien ins Judentum hineinzuführen.
Und das wird so dramatisch beschrieben in Galater 1,6. Also nach dieser kurzen Begrüssung, die wir schon gelesen haben, beginnt der Apostel gleich mit dem zentralen Thema: Ich wundere mich, dass ihr so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium umwendet, welches kein anderes ist, nur dass etliche sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verkehren wollen. Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte, ausser dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben, er sei verflucht. Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt, ausser dem, was ihr empfangen habt, er sei verflucht. Denn suche ich jetzt Menschen zufriedenzustellen oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich Christi Knecht nicht.
Also da sieht man etwas von diesen Irrlehren, die da gekommen sind, die das Evangelium verdrehen. Und schlagen wir noch auf 5,8 bis 10. Ich lese schon ab Vers 7: Ihr liefet gut. Die haben sich bekehrt, und es ging wirklich gut. Ihr liefet gut. Wer hat euch aufgehalten, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht? Die Überredung ist nicht von dem, der euch beruft. Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig. Ich habe Vertrauen zu euch im Herrn, dass ihr nicht andersgesinnt sein werdet. Wer euch aber verwirrt, der wird das Urteil tragen, wer er auch sei.
Also da sehen wir auch etwas von diesem Verführen. Wir haben die Galater durcheinandergebracht, verwirrt. Hier wird die Irrlehre bezeichnet als Sauerteig. Es lohnt sich, einmal mit einer Konkordanz alle Stellen über Sauerteig nachzuschlagen. Und es ist wirklich so: Sauerteig ist immer negativ. Das beginnt beim Passafest in Ägypten. 2. Mose 12: Vor diesem Fest musste aller Sauerteig aus den Häusern entfernt werden.
Und dann finden wir im Neuen Testament 1. Korinther 5 die Stelle über den Sauerteig, der ausgefegt werden soll. Und da wird es in Verbindung gebracht mit unmoralischen Dingen, also Sünde auf moralischem Gebiet. Und jetzt hier an dieser Stelle wird der Sauerteig in Verbindung gebracht mit falscher Lehre.
Warum ist Sauerteig ein Bild des Bösen? Ganz einfach: Was macht der Sauerteig? Er bewirkt, dass der Teig sich aufbläht und vorgibt, mehr zu sein, als wirklich da ist. Darum ist der Sauerteig ein Lügner. Er gibt mehr vor, als da ist. Aber am Passafest musste man ungesäuertes Brot essen, sieben Tage, und dieses Brot wird genannt in 1. Korinther 5 Brot der Lauterkeit und der Wahrheit, weil es eben nicht aufgeht und mehr vorgibt, als da ist. Darum ist es Brot der Wahrheit, der Echtheit, Lauterkeit.
Und dann ist noch etwas Wichtiges zu beachten: Sauerteig, wenn man ihn in Verbindung bringt mit ungesäuertem Teig, also frischem Teig, durchsäuert in kürzester Zeit die ganze Masse. Und das illustriert eben das Wesen der Sünde: Es steckt an. Also das Gleiche, was wir kennen vom Bild mit den guten Äpfeln. Man gibt einen schlechten dazu, und dann wird er nicht gut, sondern alle werden schlecht. Und so erklärt 1. Korinther 5: Unmoral in der Gemeinde führt dazu, dass die ganze Gemeinde infiziert wird. Darum muss Sauerteig entfernt werden.
So wird dort erklärt, warum eben Gemeindezucht, Gemeindeausschluss nötig ist bei schweren Sünden wie vorehelichem Geschlechtsverkehr, was die Bibel Hurerei nennt, oder Ehebruch oder Raub, Trunkenheit; dazu würde übrigens auch Drogenmissbrauch gehören usw. Der Galaterbrief macht klar: Aber auch Irrlehre ist Sauerteig. Also auch Irrlehre ist ein Grund, dass die Gemeinde eben Gemeindezucht üben müsste.
Ja, also so sehen wir die Situation dieser Gemeinde. Es hat alles so gut angefangen auf der ersten Missionsreise des Apostels Paulus, und am Ende dieser Reise, noch bevor eben dieses Konzil in Jerusalem zustande kam, da muss Paulus einen Notfallbrief schreiben, den Galaterbrief, um diese Galater zu warnen vor dieser fatalen Irrlehre, die als Sauerteig wirken wollte.
Nun, das führt uns dazu, dass wir den Galaterbrief so datieren auf 50 nach Christus, also am Ende von Apostelgeschichte 14, das heisst am Ende der ersten Missionsreise, vor dem Apostelkonzil in Apostelgeschichte 15.
Und nochmals möchte ich betonen: Die Erwähnung der Entschlüsse auf dem Konzil von Apostelgeschichte 15 wäre ein starkes Argument gegen die Irrlehre in Galatien gewesen, doch es wird nicht erwähnt, weil es zur Zeit der Abfassung noch nicht stattgefunden hatte, das Konzil. Also darum sage ich: Die nordgalatische Theorie ist unglaubhaft.
Gehörten zu diesen Gemeinden, wo auch Timotheus zum Glauben gekommen war, auf der ersten Missionsreise. Timotheus allerdings war ein Jude, seine Mutter war Jüdin, auch seine Grossmutter. Also es gab schon auch jüdische Gläubige, aber die Hauptsache der Galater waren eben Nichtjuden.

Eigenhändige Abfassung, Augenleiden und die Dringlichkeit des Schreibens

Ein paar Punkte herausgegriffen, die mir jetzt besonders wichtig waren: Dieser Brief wurde von Paulus eigenhändig geschrieben. Offensichtlich hatte er niemanden, dem er den Brief diktieren konnte. Das war ja das Übliche, dass Paulus seine Briefe diktierte.
Schauen wir kurz im Römerbrief nach. Römer 16,22: „Ich, Tertius, der ich den Brief geschrieben habe, grüße euch im Herrn.“ Also, wer hat den Römerbrief geschrieben? Tertius. Aber Paulus hat ihn diktiert.
Und aus 2. Thessalonicher 3 lernen wir, dass Paulus immer den Schluss seiner Briefe eigenhändig geschrieben hat. Ich lese 2. Thessalonicher 3,16-17: „Er selbst aber, der Herr des Friedens, gebe euch den Frieden allezeit auf alle Weise! Der Herr sei mit euch allen! Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand, welches das Zeichen in jedem Briefe ist; so schreibe ich. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen! Amen.“
Ja, also Paulus sagt: Diese Zeilen hier sind von meiner Hand geschrieben. Das war ganz wichtig als Echtheitszeichen. In 2. Thessalonicher 2 spricht Paulus davon, dass die Thessalonicher einen gefälschten Brief bekommen hatten. Er sagt: Ihr müsst euch nicht durcheinanderbringen lassen durch so einen gefälschten Brief. 2. Thessalonicher 2,2.
Nun hat Paulus den zweiten Thessalonicherbrief geschrieben, um die Thessalonicher vor dieser Irrlehre durch einen gefälschten Brief zu warnen. Und dann sagt er: „Der Gruß mit meines Paulus Hand, so schreibe ich.“ Ja gut, da hätten sie sagen können: Wie sollen wir wissen, dass das jetzt Paulus ist und der andere nicht Paulus? Ganz einfach. Schaut mal nach im ersten Thessalonicherbrief. Der Schluss war ja auch schon eigenhändig geschrieben, und so konnten sie erkennen: Aha, das ist die Schrift von Paulus. Also ist der erste Brief von Paulus. Aber dann kam ein gefälschter. Von dem haben wir keine Spur mehr, der wurde schon längst liquidiert. Aber der zweite Thessalonicherbrief ist erhalten bis auf den heutigen Tag, weil er eben dieses Echtheitszeichen hatte, wie alle anderen Paulusbriefe.
Es ist ja so: Die Paulusbriefe muss man annehmen. Sie blieben noch eine längere Zeit erhalten. Man findet bei Tertullian, einem Kirchenlehrer um zweihundert nach Christus, eine ganz interessante Stelle, wo er davon spricht, wie in den Gemeinden eben noch authentische Briefe vorhanden sind. Damit wandte er sich gegen Abschriften von Bibelbüchern, wo Irrlehrer auch gewisse Veränderungen anbringen wollten. Da konnte man ganz immun sein, indem man immer wieder in diesen Gemeinden, wo die ursprünglichen Briefe noch da waren, nachsah. Das ist wohl um 200 oder sogar noch länger nach Christus so gewesen. So lange konnte Papyrus eben erhalten bleiben, und da konnte man die Originalbriefe einsehen und die Handschriften nach diesen Originalen noch eichen.
Nun beim Galaterbrief war das sehr speziell. Paulus hat ihn eigenhändig geschrieben. Ich lese Kapitel 6, Vers 11. In der Alten Elberfelder steht im Text Folgendes: „Seht, welch einen langen Brief ich euch geschrieben habe mit eigener Hand.“ Aber in der Fußnote wird übersetzt: „Seht, mit welch großen Buchstaben ich euch geschrieben habe mit eigener Hand.“
So lang ist der Galaterbrief nicht. Der Römerbrief ist ja viel, viel länger, 1. Korinther auch, 2. Korinther auch. Und beim Hebräerbrief steht sogar: „Ich habe euch mit kurzen Worten geschrieben“ – Kapitel 13. Also sollte man hier übersetzen: „Seht, mit welch großen Buchstaben ich euch geschrieben habe mit eigener Hand.“
Für Paulus war das eine besondere Anstrengung, dass er den Brief nicht diktieren konnte, sondern eigenhändig schreiben musste. Und zwar sehen wir: Es gab offensichtlich ein Augenproblem. Schauen wir mal Kapitel 4 im Galaterbrief, Vers 12: „Seid wie ich, denn auch ich bin wie ihr, Brüder. Ich bitte euch, ihr habt mir nichts zuleide getan. Ihr wisst aber, dass ich in Schwachheit des Fleisches euch ehedem das Evangelium verkündigt habe; und meine Versuchung, die in meinem Fleisch war, habt ihr nicht verachtet noch verabscheut, sondern wie einen Engel Gottes nahmet ihr mich auf, wie Christus Jesus. Was war denn eure Glückseligkeit? Denn ich gebe euch Zeugnis, dass ihr, wenn möglich, eure Augen ausgerissen und mir gegeben hättet. Bin ich also euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage? Sie eifern um euch nicht gut, sondern sie wollen euch ausschließen, auf dass ihr um sie eifert.“
Nicht wahr, die Galater hatten den Apostel Paulus damals auf seiner ersten Missionsreise, als sie zum Glauben gekommen waren, aufgenommen. Das war etwas Wunderbares: Dieser Missionar, der da zu ihnen kam und die Wahrheit Gottes in die Finsternis des Heidentums hineingebracht hatte. Aber in der Zwischenzeit hatten sie Besuch bekommen, und diese Besucher haben offensichtlich den Galatern erklärt: Also, dieser Paulus, das ist ein echtes Problem, das ist ein schlimmer Mann, der verdreht die Sachen. Und er sagt, ihr müsst nicht beschnitten werden und solches Zeugs.
Und jetzt sagt Paulus: Wie war das damals? Jetzt schaut ihr mich als einen Feind an. Aber damals, als ich zu euch gekommen war, habt ihr mich aufgenommen, obwohl diese Prüfung in meinem Fleisch da war. Und wenn es möglich gewesen wäre, hättet ihr eine Augentransplantation vorgenommen, oder? Hättet ihr die Augen ausgerissen und eingesetzt? Das kann man auch heute nicht. Das ist so kompliziert, das Auge, wie das da in den Augenhöhlen eingebaut ist und mit dem Sehnerv nach hinten bis ins Nachhirn verbunden ist. Eine wunderbare Konstruktion. Aber Paulus sagt: Ihr hättet eure Augen ausgerissen und mir gegeben. Also hat er ein Problem mit den Augen. Und das war natürlich dann umso mühsamer für ihn, diesen Brief mit sechs Kapiteln in unserer Bibel eigenhändig zu schreiben. Und da hat er ganz große Buchstaben geschrieben.
Dass er ein Augenproblem hat, könnte man auch ableiten aus Apostelgeschichte. Als er da vor dem Synedrium war, als Verhafteter, Apostelgeschichte 23,1-5: „Paulus aber blickte das Synedrium unverwandt an und sprach: Brüder, ich habe mit allem guten Gewissen vor Gott gewandelt bis auf diesen Tag.“ Der Hohe Priester Ananias, das war übrigens der Ananias ben Nedebeus, der von 47 bis 48 Hoher Priester war in Jerusalem, befahl denen, die bei ihm standen, ihn auf den Mund zu schlagen. Da sprach Paulus zu ihm: „Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand!“
Das heißt: Du Heuchler, oder? Eine getünchte Wand ist so eine unschöne Wand, die mit Kalk bestrichen wird. Das ist gerade in den Mittelmeerländern etwas sehr Typisches, nicht wahr? Zum Beispiel, wenn der Verputz so abbröckelt, gibt es ja im Italienischen einen speziellen Ausdruck für die Stelle an der Wand, wo der Verputz abgebröckelt ist. Wie heißt das auf Italienisch? Il calci natura. Ja, aber dann muss man eben wieder Kalk nehmen und das wieder überschmieren, und dann ist die üble Wand wieder wie neu, so richtig schön.
Und wenn Paulus dem Hohen Priester sagt: Du bist ein Heuchler, sagt er: „Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand! Aber du sitzt da, mich nach dem Gesetz zu richten, und gegen das Gesetz handelnd befiehlst du, mich zu schlagen?“ Die Dabeistehenden aber sprachen: „Schmähst du den Hohen Priester Gottes?“ Und Paulus sprach: „Ich wusste nicht, Brüder, dass er der Hohe Priester ist. Denn es steht geschrieben: Von dem Obersten deines Volkes sollst du nicht übel reden.“ Zitat aus 2. Mose 22,28.
Wieso hat er nicht gewusst, dass es der Hohe Priester ist? Ja, er hat nicht so gut gesehen. Nun, das war natürlich auch keine wirkliche Entschuldigung, denn er musste dann doch zurücknehmen, dass er falsch gehandelt hat. Also konnte er da sicher nicht sagen, dass er durch den Geist Gottes geleitet gehandelt hat, sondern das war schon in einer fleischlichen Entrüstung. Aber das weist auch wieder darauf hin: Da war ein Problem in den Augen. Man könnte noch sagen: Ja gut, könnte sein. Aber in Galater 4 ist es eben wirklich klar, weil er sagt: Ihr hättet die Augen ausgerissen und mir gegeben.
Also zeigt das, wie der Galaterbrief so ein ganz besonderer Brief ist. Der Apostel Paulus musste ihn eigenhändig in großer Mühe schreiben, mit großen Buchstaben. Warum? Weil es so dringend war. Es durfte keine Zeit verloren gehen. Die Galater mussten sofort gewarnt werden, bevor dieser Sauerteig noch weiter gewirkt hatte. Das gibt dem Ganzen schon ein besonderes Gepräge. Wenn man dann denkt, und genau das ist die Irrlehre, die später so die Christenheit in großem Maße gefangen nehmen sollte, durch die römisch-katholische Kirche usw.
Ja, also noch mehr ist an diesem Brief ungewöhnlich.

Aufbau des Briefes und die besondere Stellung der Biografie

Der nächste Punkt auf dem Blatt, bei den Besonderheiten: Er hat einen ungewöhnlichen Aufbau. Zuerst kommen biografische Ausführungen, danach kommt der lehrhafte Teil.
Nun, üblich ist es ja so, zum Beispiel im Römerbrief, dass Paulus zuerst die Lehre bringt und dann im Anhang, ganz am Schluss, einige biografische Einzelheiten aus seinem Leben. Auch bei anderen Briefen kann man das so beobachten, aber im Galaterbrief ist das ganz, ganz anders. Der Brief ist einfach ungewöhnlich.
Aber dieser biografische Teil ist eben ganz wichtig, wie wir gleich noch sehen werden. Und das sieht man auch daran: Es sind ungewöhnlich ausführliche biografische Angaben, nämlich in Kapitel 1 und 2. Und erst dann, in Kapitel 3, kommt der eigentliche lehrhafte Teil.
Auch der Anfang ist ungewöhnlich. So oft sehen wir in den Briefen sonst, dass Paulus zuerst dankt und das Gute anerkennt in den Gemeinden, die er anspricht. Dann kommt natürlich auch die Ermahnung und Zurechtweisung. Aber hier: nichts. Da gibt es nichts zuerst zu erwähnen, was irgendwie Dank enthält, sondern er geht sofort ins Zentrum: Ich wundere mich, dass ihr so schnell ...
Das zeigt auch wieder, wie dringlich die Sache ist. Es ist nicht einfach so, dass man das ein bisschen locker nehmen kann, ja, die Katholiken sehen das ein bisschen anders, aber ja, ob man jetzt da nicht doch eine Zusammenarbeit machen kann, oder? Nein, da realisiert man nicht, worum es hier geht.
Da wird nichts gedankt: Ich wundere mich, dass ihr so schnell ... Die Überredung ist nicht von dem, der euch beruft, und wer euch verwirrt, der wird es tragen, wäre auch sein. Ja, das ist alles sehr hilfreich für uns.

Paulus als der Kleine und die Gnade als Leitwort

Nun, ich komme zurück auf die Eingangsverse. Der Apostel Paulus stellt sich vor mit dem ersten Wort Paulus, das heißt: der Kleine. Aber dann fügt er gleich hinzu: Apostel, nicht von Menschen noch durch einen Menschen.
Damit betont er: Das Evangelium, das ich euch gebracht habe, habe ich euch gebracht als ein Mensch, der sich bewusst ist, wie klein er ist vor Gott. Früher hieß er ja Saulus, hebräisch Sha’ul, der Begehrte. Seine Eltern haben ihm zweifellos diesen Namen gegeben in Anspielung auf König Saul. Denn Saulus’ Eltern waren ja aus dem Stamm Benjamin, also wieder König Saul. Und Saul, der Begehrte des Volkes, war ja einen Kopf größer als alle. Sie haben gedacht: Dieses Baby soll einmal etwas ganz Großes werden.
Ja, das ist so die Gefahr bei den Eltern, oder? Sie denken: Hier muss einmal etwas ganz Großes werden. Und dann in Amerika, natürlich nicht bei uns, kann es sein, dass man die kleinen Kinder auf dem hohen Stühlchen füttert und sagt: Ja, du musst essen, sonst wirst du nie Präsident von Amerika. Aber ich habe noch nie gehört, dass jemand zu den Kindern sagt: Du musst gut essen, sonst wirst du nicht Missionar in Kamerun. Ja, also die haben gedacht, der muss einmal etwas Großes werden.
Später haben sie ihn zu einem der besten oder größten Rabbiner des Judentums geschickt, nach Jerusalem, von Tarsus aus nach Jerusalem. Aber als Paulus dann zum Glauben kam, als er ganz klein geworden ist, zusammengebrochen vor Gott, da hat er sich selber diesen Namen Paulus gegeben. Der kommt dann plötzlich vor in der Apostelgeschichte, ab Kapitel 14: der Kleine.
Aber ich bin zwar als Mensch ganz klein, sagt er sinngemäß, aber Gott hat mich berufen und hat mir eine göttliche Autorität in diesem Dienst der Lehre gegeben, und darum bin ich Apostel. Nicht von Menschen, also nicht Menschen haben mich da geschickt, und ich bin auch nicht durch Vermittlung von Menschen ein Apostel geworden, nein, sondern direkt von Gott, durch Jesus Christus und Gott den Vater.
Und damit zeigt er: Was ich euch bringe, ist nicht einfach irgendeine Lehre, so wie die Leute, die jetzt gekommen sind und euch verwirrt haben. Es kommt wirklich direkt, mit der direkten Autorität von Gott her.
Dann ist auch schön, wie in allen Briefen an Gemeinden sagt er: Gnade euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Aber er führt das noch mehr aus: der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters. Welchem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Da wird er plötzlich sehr ausführlich. Er lobt nicht die Galater. Aber er lobt diesen großen Gott, der Gnade gegeben hat und Frieden. Und Gnade wird dann zu einem Hauptwort in diesem Brief. Wir werden sehen: Siebenmal wird über die Gnade Gottes gesprochen. Ich habe das aufgeführt bei den Besonderheiten, fünftletzter Punkt, wichtige Wörter. Und da habe ich bei dem Unterpunkt zwei Gnade geschrieben: Charis siebenmal. Galater 1,3; hier Vers 6, Vers 15, 2,9, 21, 5,4, 6,18.
Diese Gnade Gottes, die alles ausmacht, kein menschlicher Verdienst. Und das wird hier so hervorgehoben, indem erklärt wird, dass der Herr Jesus sich selber für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausnehme.
Und da ist noch schön zu vermerken: Das Herausnehmen ist im Griechischen eine Mediumform. Im Griechischen gibt es Aktivformen, ich wasche, auf Deutsch dann Passivformen, ich werde gewaschen. Aber da gibt es einzelne Wortformen auf Griechisch, wir müssen das so umschreiben, weil wir keine Formen haben. Da gibt es noch die Mediumform, die Medialform. Das bedeutet dann: „Ich wasche mich“, oft eine Handlung, die man an sich selber vollzieht. Aber das Medium wird auch gebraucht bei Wörtern, wo man eine Handlung tut im eigenen Interesse.
Und das ist hier so. Also der tiefere Sinn ist der: Und unser Herr Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns für sich herausnehme aus der gegenwärtigen Welt. Da wird gleich noch betont, dass der Jesus uns nicht nur einfach herausgenommen hat, sondern er wollte uns ganz für sich haben, und er wollte uns mit niemand anderem teilen.
Ja, die Galater haben erlebt, wie der Feind Ansprüche an sie erheben möchte, und das wollte er durch ihre Lehre ausführen. Aber er sagt hier: Der Herr Jesus hat uns herausgenommen für sich, er will uns ganz für sich haben. Ein schöner Gedanke. Wir denken doch oft daran, wie wunderbar es für uns ist, dass wir den Herrn Jesus haben, dass wir Gott, den Vater, haben. Aber dass wir daran denken, dass es für den Herrn Jesus etwas Wunderbares ist, die Erlösten für sich zu haben, das soll uns zum Staunen bringen.
So wie in Epheser 1 steht ja auch, dass Gott uns auserwählt hat zur Sohnschaft, er zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft, für sich selbst. Das ist nur zum Staunen. Ja, also er betont hier: Der Herr will uns ganz für sich selbst und mit niemandem teilen. Und darum hat er uns herausgenommen aus der gegenwärtigen bösen Welt.
Nun, die böse Welt ist nicht nur Disco usw. Das auch, natürlich, aber auch religiös Böses. Auch diese Irrlehrer von Galatien, die gehörten mit zur Welt. Und der Herr hat uns herausgenommen, ganz für sich.
Ja, und dann kommen wir zu Vers 6 nochmals zurück. Er wundert sich, dass sie so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, abgewendet sind. Sehen wir, die Gnade wird wieder betont, nicht Verdienst, sondern durch die unverdiente Freundlichkeit, Barmherzigkeit von Christus. Und jetzt seid ihr zu einem anderen Evangelium umgewendet.
Und da lohnt es sich auch, wieder ein bisschen griechischen Unterricht zu haben. Anderes: Da gibt es auf Griechisch zwei verschiedene Wörter für „anderer“. Es gibt das Wort allos und heteros. Beides heißt im Wörterbuch grundsätzlich das Gleiche. Aber es gibt einen Unterschied: Allos bedeutet ein anderer von gleicher Art, und heteros bedeutet ein anderer von anderer Art, also ein verschiedener.
Und hier sagt er: Ich wundere mich, dass ihr umgekehrt seid zu einem anderen Evangelium. Aber es bedeutet ein verschiedenes Evangelium, ein Evangelium von anderer Art. Es ist nämlich nicht ein anderes von gleicher Art. Er braucht zuerst einmal ein anderes Evangelium, heteros, Vers 6, und dann Vers 7, allos. Es ist nicht ein allos, sondern ein heteros, ein anderes Evangelium von anderer Art. Also es ist nicht irgendwie so graduell ein bisschen anders, sondern es ist etwas ganz anderes, von völlig anderer Art.
Und das ist auch wieder wichtig, gerade heute, wo die Evangelikalen an einem Scheideweg stehen, auch in ihrem Verhältnis zur katholischen Kirche. Ja, sie haben doch auch noch einiges und so, und und und, und muss man doch? Nein, es ist ein anderes Evangelium von anderer Art. Nicht nur ein bisschen graduell anders, wirklich ein verschiedenes Evangelium, ein ganz anderes Evangelium anderer Art.
Und noch stärker: Es ist überhaupt kein Evangelium. Nur etliche sind es, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verkehren wollen. Es ist eine Verkehrung des Evangeliums.
Und jetzt kommt ein ganz interessanter Satz: Wenn ein Engel aus dem Himmel euch etwas anderes verkündigen würde als das, was wir schon gebracht haben, der sei unter dem Fluch Gottes, Anathema. Ein hartes Wort.
Übrigens Anathema, das ist ein Wort, das man in den katholischen Konzilsbüchern immer wieder findet. Also wenn die katholischen Konzilien irgendeine Irrlehre verurteilen, dann sagen sie: Wer dies und dies lehrt, der sei Anathema. Und am Konzil von Trient, das war das Konzil als Gegenreaktion auf die Reformation, dort hat man beschlossen: Wer glaubt, dass er errettet werde durch Glauben allein, sei Anathema. Und dabei muss man wissen, dass Konzilien nach katholischer Lehre unfehlbar sind. Die kann man nicht zurücknehmen. Das gilt bis heute.
Also jeder hier, der glaubt: Ich bin errettet, ich bin gerechtgesprochen von Gott, allein durch den Glauben, ohne meine eigene Leistung, der wird durch das Konzil von Trient verflucht, und zwar mit dem gleichen Wort wie hier: Anathema.
Ja, und dann ist das natürlich noch interessant mit diesem Engel aus dem Himmel, der etwas anderes verkündigt. Schauen wir bei Besonderheiten, der sechstletzte Punkt. Da habe ich noch verwiesen auf diesen Engel Gabriel, der Muhammad von 610 bis zu seinem Tod 632 nach Christus erschienen ist. Das erste Mal im Monat Ramadan, da kam die erste koranische Offenbarung. Nie hat Allah direkt zu ihm gesprochen, das geschieht immer über einen Engel. Und dieser Engel erklärte sich gegenüber Mohammed, dass er der Engel Gabriel sei, ein Engel Gottes aus dem Himmel, wenigstens nach seiner Behauptung.
Und der hat ihm eine Botschaft gebracht, die nicht graduell etwas anderes ist von dem, was wir in der Bibel haben, sondern grundsätzlich etwas anderes. Denn der Koran leugnet, dass Jesus Christus am Kreuz gestorben ist, und so weiter. Also das Evangelium wird völlig verkehrt verdreht.
Und da ist es doch schon interessant, dass mehr als ein halbes Jahrtausend bevor der Islam entstand und sich so ausgebreitet hat, dass heute mehr als eine Milliarde Menschen dazugehören, also ungefähr ein Sechstel der Menschheit, der sagt: Da warnt der Galaterbrief, wenn ein Engel vom Himmel euch etwas anderes verkündigen wird als das, was ich euch verkündigt habe, er sei verflucht.
Ja gut, da können die Muslime sagen: Ja, aber wir lesen ja im Koran, dass die Christen die Bibel verfälscht haben. Ja gut, wann wurde der Galaterbrief verfälscht? In der Zeit von Muhammad. Wir haben Handschriften des Neuen Testaments aus der Zeit von Muhammad. Ja, aber da steht genau das, was wir da im Galaterbrief haben. Ja, vielleicht ein bisschen vorher, im fünften Jahrhundert. Ja, es gibt auch Handschriften aus dem fünften Jahrhundert, vierten Jahrhundert, dritten, zweiten, ersten Jahrhundert.
Ich habe heute Morgen diesen P46 erwähnt, der die Paulusbriefe enthält. 80 des Textbestandes ist noch erhalten. Und da können wir also auch sagen: Wir können also zurückgehen in den Paulusbriefen bis auf das erste Jahrhundert. Man kann nicht sagen, dass das verändert worden ist, das Neue Testament.
Ja, aber dann wird es natürlich ganz heiß. Jetzt muss man sich entscheiden, man kann nicht beides stehen lassen. Aber es ist doch eindrücklich, dass der Galaterbrief schon so lange im Voraus, bevor das Problem überhaupt aufkam, so geschrieben wurde: Ein Engel Gottes, ein anderes Evangelium.
Und dann sagt Paulus: Oder auch wenn wir ... Er sagt: „Wir oder ein Engel aus dem Himmel.“ Und dann Vers 9 ganz allgemein: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt, außer dem, was ihr empfangen habt, ihr seid verflucht.
Also es kommt überhaupt nicht darauf an, wer das tut. Wenn es möglich gewesen wäre, dass der Apostel Paulus später einen falschen Weg gegangen wäre, hätte das nichts geändert an der Wahrheit. Das ist vielleicht noch interessant, auch wenn Gläubige, die einen Lehrdienst getan haben, später zu Fall kommen. Da könnte man denken: Jetzt vergessen wir alles, was der je gesagt hat. Nein, dann machen wir einen Schnitt. Mit dem falschen Weg, den er jetzt geht, können wir nichts zu tun haben, aber das, was gut war früher, steht unabhängig von der Person, weil es eben von Gott herkommt.
Und darum ist es auch so wichtig, dass Paulus sagt: Nicht Paulus, der Kleine, Apostel, nicht von Menschen noch durch einen Menschen. Es geht gar nicht um seine Person. Und so geht es grundsätzlich nicht um die Person, die etwas weitergibt. Es geht um die Frage: Ist es das Wort von Gott oder ist es nicht?
Und darum: Wenn jemand etwas anderes verkündigt, kommt gar nicht darauf an. Es kann auch ein Konzil sein, das etwas anderes verkündigt, kommt nicht darauf an. Dann ist es ein anderes Thema.
Und dann wird eben klargemacht in Vers 10: Es geht nicht um eine menschliche Sache. Das Evangelium ist nicht menschengemäß. Ich will nicht Menschen gefallen, denn dann könnte ich gar nicht Christi Knecht sein.
Vers 11: Jetzt gehen wir weiter. Ich tue euch aber kund, Brüder, dass das Evangelium, welches von mir verkündigt worden ist, nicht nach dem Menschen ist, wörtlich: nicht menschengemäß ist. Jawohl, das ist das Typische. Das Evangelium schmeichelt den Menschen nicht. Und das macht ja die Leute so verrückt, wenn man ihnen sagt, die Bibel erklärt: Wir sind Sünder vor Gott. Das kann nicht sein. Ja, das ist nicht menschengemäß.
Man hat Liebe, wenn man sagt: Ja, du müsstest eigentlich entdecken, dass der göttliche Funke in dir ist oder dass du selber göttlich bist, aber das kannst du erst in der Meditation erfahren. So geht das im Hinduismus. Das ist menschengemäß. Der Mensch möchte sich geschmeichelt wissen. Oder: Du musst etwas leisten. Und wenn du das tust, gerade im Islam, dann vielleicht wirst du dann gerettet werden. Das schmeichelt den Menschen, wenn er etwas vorzeigen kann.
Aber das, was die Bibel sagt, dass der Mensch vollkommen verdorben ist und nur durch die Gnade Gottes gerettet werden kann, durch Glauben allein, ohne eigene Leistung, das ist nicht menschengemäß.
Und Paulus sagt: Es geht mir nicht darum, dass ich den Menschen irgendwie gefalle. Das Evangelium ist nicht menschengemäß. Warum? Wir lesen weiter: Denn ich habe es weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi.
Also so ist der Herr Jesus nach seiner Bekehrung dem Paulus wiederholt erschienen und hat ihm ganz spezielle, direkte Offenbarung gegeben. Und darum schreibt er in seinen Briefen zum Beispiel über die Geheimnisse Gottes, die im Alten Testament verborgen waren, und er durfte sie mitteilen. Man denke an die acht Geheimnisse in den Paulusbriefen.

Paulus’ frühere Laufbahn und die Zeit der Reifung

Weiter, Vers 13: Denn ihr habt von meinem ehemaligen Wandel im Judentum gehört, dass ich die Gemeinde Gottes über die Maßen verfolgte und sie zerstörte. Und ich nahm im Judentum zu über viele Altersgenossen in meinem Geschlecht, indem ich übermäßig eifrig war für meine väterlichen Überlieferungen.
Als es aber Gott, der mich von meiner Mutterleibe an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat, wohlgefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Nationen verkündigte, ging ich alsbald nicht mit Fleisch und Blut zu Rate. Ich ging auch nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ich ging fort nach Arabien und kehrte wiederum nach Damaskus zurück. Darauf, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennenzulernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Ich sah aber keinen anderen der Apostel außer Jakobus, dem Bruder des Herrn. Was ich euch aber schreibe, siehe, vor Gott, ich lüge nicht.
Also, er beschreibt jetzt, wie er im Judentum aufgewachsen ist und daran war, eine unglaublich steile Karriere zu machen. Ausgelöst wurde das auch durch die Eltern, die ziemlich ehrgeizig mit dem Jungen waren. Er sollte also nach seiner Lehre, die er wohl bei seinem Vater gemacht hatte, wie das üblich war, schon im Kindergartenalter hat man begonnen, da hat der Zeltmacher gelernt. Apostelgeschichte 18 macht das klar. Dann wurde er nach Jerusalem geschickt, um dort Rabbiner zu werden, und zwar Superrabbiner bei Gamaliel. Und er war eifrig für die väterlichen Überlieferungen. Das sind eben die Dinge, die dann auch im Talmud überliefert worden sind. Zuerst mündlich, aber ab dem zweiten Jahrhundert hat man das in der Mischna, dem ersten Teil des Talmud, begonnen zu fixieren. Er war übermäßig eifrig für diese Mischna-Lehren.
Und dann kam aber der Moment der Bekehrung, Vers 15: Als es aber Gott, der mich von meiner Mutterleibe an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat, wohlgefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren. Also den Zeitpunkt der Bekehrung konnte Paulus nicht bestimmen. Gott hat einen Plan gehabt: Zu diesem Zeitpunkt werde ich mich Paulus offenbaren, dem Saulus. Und er ist dann auch zusammengebrochen: Herr, wer bist du?
Ja, aber das Schöne hier ist, er sagt, dass Gott ihn bereits abgesondert hat von Mutterleib an. Das bedeutet, das ganze Leben vor der Bekehrung war schon in Gottes Plan, in Gottes Hand. Daran denken wir vielleicht zu wenig. Wir denken: Dieses alte Leben, und jetzt ist es vorbei. Das ist ja richtig, glücklicherweise, Schlussstrich, und jetzt führt mich Gott. Aber wir dürfen durch die Gnade Gottes erkennen, rückblickend, dass sogar damals im unbekehrten Zustand mein Leben nicht einfach dem blinden Schicksal anheimgestellt war, sondern Gott hatte da bereits seine führende Hand darin. Da fragt man sich vielleicht: Warum habe ich eigentlich damals diese Lehre gemacht, diese Ausbildung? Heute würde ich etwas ganz anderes machen. Da muss man nicht einfach so denken: So zufällig habe ich dummerweise mich damals so entschieden. Nein, Gott hat bereits da seine Hand drin, obwohl wir uns gar nicht unter seine Hand beugen wollten. Und alles, wie wir geformt wurden, war bereits schon eine Formierung im Blick auf den Dienst, den Gott uns geben wollte ab der Bekehrung.
Und so sagt dann, wir haben ja die Bekehrungsgeschichte des Paulus an drei Stellen: Apostelgeschichte 9, 22 und 26. Wenn man dort nachliest, sagt der Herr Jesus sofort zu Paulus: Du bist mir ein auserwähltes Gefäß, und ich werde dich senden zu den Nationen. Er gibt ihm einen ganz klaren Plan für sein Leben. Aber wir sehen in Gottes Hand vorher und nachher. Und auch das Vorher war in Gottes souveräner, erhabener Führung schon im Blick auf die Ziele, die er später haben sollte, auf die Bekehrung. Ich finde das wirklich ein ganz mutmachendes Wort. Das hilft uns vielleicht, das Leben auch früher besser in Gottes Plan einzuordnen.
Ja, und dann erklärt der Apostel Paulus: Ich bin da nicht eben mit Fleisch und Blut zu Rate gegangen, ich bin nicht nach Jerusalem gegangen zu den anderen Aposteln. Ich bin weggegangen nach Arabien, und dann kam ich wieder zurück nach Damaskus. Und jetzt kommen die liberalen Theologen und sagen: Seht ihr da, das ist ein Fehler, das ist ein Widerspruch zur Apostelgeschichte. Ja, dann schlagen wir mal auf Apostelgeschichte 9, die Bekehrungsgeschichte Saulus. Ja, da haben wir also die Bekehrungsgeschichte. Ab Vers 1 bis 19 wurde er auch schon getauft, und dann kommt Vers 20: Alsbald predigte er in den Synagogen Jesus, dass dieser der Sohn Gottes ist. Das geschieht immer noch in Damaskus. Und Vers 22: Saulus aber erstarkte umso mehr und brachte die Juden, die in Damaskus wohnten, in Verwirrung, indem er bewies, dass dieser der Christus, das heißt der Messias, ist. Als aber viele Tage verflossen waren, ratschlagten die Juden miteinander, ihn umzubringen. Es wurde aber dem Saulus ihr Anschlag bekannt, und sie bewachten auch die Tore, sowohl bei Tage als bei Nacht, damit sie ihn umbrächten. Die Jünger aber nahmen ihn bei Nacht und ließen ihn durch die Mauer hinab, indem sie ihn in einem Korb hinunterließen. Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen, und alle fürchteten sich vor ihm, dass sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei.
Ja gut, jetzt haben wir Paulus, der sich bekehrt vor Damaskus. Dann geht er nach Damaskus, predigt in Damaskus, und dann kommt dieser Mordanschlag. Er kann aus Damaskus fliehen, und dann kommt er nach Jerusalem. Ja, aber hier im Galaterbrief steht das ganz anders. Vers 17: Ich ging auch nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ich ging fort nach Arabien und kehrte wiederum nach Damaskus zurück. Darauf, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem. Also der Galaterbrief sagt, das waren drei Jahre, bis er dann nach Jerusalem ging.
Jetzt ist das ganz einfach, wenn man gut liest. Wir haben gesehen: Vers 22, Saulus aber erstarkte umso mehr und brachte die Juden, die in Damaskus wohnten, in Verwirrung. Und dann kommt Vers 23: Als aber viele Tage verflossen waren, ratschlagten die Juden miteinander. Aha, da ist eine längere Zeit drin. Viele Tage, das sind drei Jahre insgesamt. Das heißt also, von Damaskus aus ging Paulus nach Arabien. Übrigens eine Bezeichnung der Wüste, das konnte das Sinai-Gebiet bezeichnen, dann auch die Wüste von Jordanien bis Syrien, bis Damaskus hinauf. Also war damals ein sehr weiter Begriff: Arabien. Und das kann also bedeuten, dass er irgendwo so in die Wildnis ging, von Damaskus weg, irgendwo, und dann wieder zurückkam nach Damaskus. Und eben am Ende dieser Zeit, als er wieder zurück war, da waren schon viele Tage verflossen seit der Bekehrung, nämlich drei Jahre. Da kam dieser Mordanschlag, und dann ging er nach Jerusalem. So geht das zusammen. Man muss einfach genau lesen. Aber diejenigen, die gerne Fehler suchen in der Bibel, die bemühen sich eben nicht zu lesen. Ja, halt, halt, jetzt wollen wir ganz gut vergleichen, wie passt das zusammen? Dann finden die das nicht, dass das eben ganz genau zusammenpasst.
Also, dann geht er hinauf nach Jerusalem, und da hat er eine erste Begegnung mit Kephas, das heißt mit Petrus, und auch mit Jakobus, dem Halbbruder des Herrn Jesus. Und dann lese ich Vers 21: Darauf kam ich in die Gegenden von Syrien und Zilizien. Ich war aber den Versammlungen von Judäa, die in Christus sind, von Angesicht unbekannt. Sie hatten aber nur gehört: Der, welcher uns einst verfolgte, verkündigt jetzt den Glauben, den er einst zerstörte. Und sie verherrlichten Gott an mir.
Weiter, darauf, nach Verlauf von vierzehn Jahren, zog ich wieder nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit. Ich zog aber hinauf zufolge einer Offenbarung und legte ihnen das Evangelium vor, das ich unter den Nationen predige, im Besonderen aber den Angesehenen, damit ich nicht etwa vergeblich laufe oder gelaufen wäre. Aber auch Titus, der bei mir war, wurde, obwohl er ein Grieche war, nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen.
So, mal bis hierher. Jetzt gehen wir zum Blatt Besonderheiten, Seite zwei, Punkt fünf von oben, zur Chronologie in der Apostelgeschichte und im Galaterbrief. Also: Himmelfahrt und Pfingsten, 32 nach Christus. Das entspricht Apostelgeschichte 1 und 2. Dann verging ja ein Jahr bis zur Steinigung des Stephanus. Das ist dieses eine Jahr, das der Herr Jesus erwähnt in Lukas 13,6-9, in dem Gleichnis, wo er sagt: Am Feigenbaum Israel hat er drei Jahre lang Frucht gesucht. Das war sein öffentlicher Dienst, und es gab keine Frucht. Darum sollte der Feigenbaum Israel abgeschlagen werden. Aber der Weingärtner, ein Bild des Heiligen Geistes, setzt sich nochmals ein und sagt: Ich will noch einmal graben und düngen, noch ein Jahr. Und wenn er immer noch nicht Frucht bringt, dann magst du ihn künftig abhauen.
Und dieses eine Jahr war eben die Zeit, wo ab Pfingsten, Apostelgeschichte 2, 3, 4, 5, 6, das Evangelium nur in Jerusalem verkündigt wurde. Und die Führerschaft hatte ganz besonders immer wieder die Chance, das Evangelium zu hören. Aber sie wollten nicht umkehren, und sie haben das Zeugnis des Heiligen Geistes beantwortet mit der Ermordung des Stephanus. Und mit der Ermordung kam es dann zur Verfolgung, und die Jünger wurden aus Jerusalem hinaus zerstreut. Und dann begann die Weltmission bei den Samaritern und dann schon gleich bei den wirklichen Heiden. Also das war dieses eine Jahr nochmals Chance bis zur Steinigung des Stephanus. Das wäre also 33 nach Christus.
Dann kommt eben im Zusammenhang mit Stephanus die Bekehrung des Saulus, immer noch 33 nach Christus, und der erste Jerusalembesuch. Er fand eben statt drei Jahre nach der Bekehrung, das wäre 36 nach Christus. Das ist der Besuch von Apostelgeschichte 9,25 und folgende und Galater 1,18. Und dann ging Paulus nach Tarsus. Man machte nämlich wieder einen Mordanschlag in Jerusalem, aber dann wurde er auch wieder evakuiert, und er ging nach Tarsus heim, da, wo er aufgewachsen war. Und dann hört man nichts mehr von Paulus. Erst wieder in Kapitel 11,25, als die Gemeinde in Antiochien, in der heutigen Südtürkei, entstanden war aus Heiden, da ging Barnabas nach Tarsus, suchte Paulus, wusste also nicht genau, wo er war, fand ihn und brachte ihn nach Antiochien. Und da haben sie dort ein ganzes Jahr zusammen einen Dienst getan in dieser neu entstandenen Gemeinde aus Nichtjuden.
Ja, das war eine lange Zeit. Das ist also eine Lücke in der Berichterstattung der Bibel, und das nenne ich die Zeit der Reifung, 36 bis 49 nach Christus. Hören wir nichts? Was ist da in dieser Zeit geschehen? Ja gut, da können wir denken, dass eben diese Offenbarungen Jesu Christi auch da stattgefunden haben. Muss man nicht beschränken auf die drei Jahre in Arabien, oder? Und er musste ein Zeugnis sein dort, wo er aufgewachsen war, bevor er dann in die Weltmission ging. Auch wieder ein wichtiges Prinzip, dass man manchmal bei Kindern, die sagen: Oh, ich möchte in die Mission gehen. Und in deiner Schulklasse? Die tun uns sowieso blöd. Ja, es ist auch so, die tun blöd. Nicht unbedingt alle, aber es ist sehr schwierig. Aber man muss erklären: Es ist ganz wichtig, bevor wir die Mission eben woanders machen können, müssen wir auch da, wo wir sind, uns bewähren. Und der Herr will uns helfen, aber es ist viel schwieriger, das Schwierigste. Ja, aber das war eine ganz wichtige Zeit im Leben des Paulus.
Und dann kam eben dieses eine Jahr in Antiochien. Da hat er mit Barnabas zusammen und anderen die Gemeinde belehrt und aufgebaut, Apostelgeschichte 11,19-26. Und dann kam sein zweiter Jerusalembesuch. Das haben wir hier gelesen, Kapitel 2, Vers 1: Darauf, nach Verlauf von vierzehn Jahren, zog ich wieder nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit. Und zwar war das nämlich so: Es gab eine Hungersnot, und die Gläubigen in Antiochien haben gesammelt. Aber diese Unterstützung sollte den Gläubigen in Judäa, Jerusalem, eben durch Leute gebracht werden, die wirklich zuverlässig und ein gutes Zeugnis haben. Und so ging Paulus mit Barnabas nach Jerusalem, und da kam er wieder in Kontakt mit den Aposteln.
Warum erzählt Paulus das so ausführlich? Er will damit zeigen: Das Evangelium, das ich verkündige, das habe ich nicht einfach so von Petrus übernommen oder von irgendeinem anderen der Zwölf Jünger. Die waren vom Herrn eingesetzt worden als Apostel, mit einer ganz besonderen Autorität. Aber er auch, und er hat die Offenbarung direkt von Gott bekommen. Damit wollte er den Galatern zeigen: Wenn ihr das leichtfertig aufgebt, gebt ihr wirklich direkt das auf, was direkt von Gott hergekommen war. Damit wir eben die Bedeutung und den Wert des Evangeliums ihnen so nochmals klar vor Augen führen. Direkt von Gott, es ist nicht menschengemäß, und es kommt nicht von den Menschen und auch nicht durch Vermittlung der Menschen.
Ja, und so war das also der erste Besuch im Jahr 50 nach Christus. Und kurze Zeit später hat dann Paulus eben den Galaterbrief geschrieben. Die erste Missionsreise fällt also auf 50 nach Christus, die zweite Missionsreise 50 bis 52, dritte Missionsreise 52 bis 59 und dann kam die Romreise 59 nach Christus. Dann war Paulus im Gefängnis in der Zeit so von 60 bis 62 nach Christus, und es gibt Hinweise, dass er dann wieder frei wurde. Da ging er zum Beispiel nach Nikopolis, das wird nur im Titusbrief erwähnt, nicht in der Apostelgeschichte. Er wollte überwintern. Das stammte eben aus der Zeit nach der ersten Gefangenschaft. Und er kam eben da weit herum. Es gibt einen außerbiblischen Hinweis aus der ganz frühen Christenheit, dass er bis nach Spanien gekommen war. Und dann kam wieder eine Verhaftung, er kam in die Todeszelle, und 67 nach Christus wurde er von Kaiser Nero enttaubt. Aber so sehen wir also, wie die Chronologie in der Apostelgeschichte und im Galaterbrief ganz schön ineinandergreift, und das geht wirklich auf.
Ja, jetzt lese ich weiter. Dieser Besuch in Jerusalem ist nun ganz wichtig. Vers 3 nochmals: Er betont, aber auch Titus, der bei mir war, wurde, obwohl er ein Grieche war, nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen. Interessant: Die Apostel in Jerusalem haben also nicht gesagt: Titus, wie kann der da ein Diener des Herrn sein im Evangelium, und er ist gar nicht beschnitten? Nein, die haben ihn auch so stehen lassen. Interessanter Hinweis, oder?
Jetzt Vers 4: Es war aber der nebeneingeführten falschen Brüder wegen, die nebeneingekommen waren, um unsere Freiheit auszukundschaften, welche wir in Christus Jesus haben, auf dass sie uns in Knechtschaft brächten; denen wir auch nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben haben, auf dass die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbliebe.
Also schon damals gab es Leute, die haben sich unter den Christen eingeschlichen, die waren gar nicht bekehrt. Als falsche Brüder sind die reingekommen. Natürlich gab es die Sicherheitsmaßnahmen. Man hat in den Gemeinden nicht irgendwelche unbekannten Leute aufgenommen. Darum haben zum Beispiel in Apostelgeschichte 18 am Schluss die Brüder der Gemeinde in Ephesus einen Empfehlungsbrief geschrieben für Apollos, als er nach Korinth ging. Und wir haben viele Beispiele im Neuen Testament, wie für Personen Empfehlungsbriefe ausgestellt wurden, zum Beispiel für Phöbe, Römer 16, schreibt Paulus einen Empfehlungsbrief. Wir haben auch in Kolosser 4 ein Beispiel für einen Empfehlungsbrief. Also das war schon eine gewisse Sicherheit für die Gemeinden, wenn jemand von irgendwoher kam, dass er zeigen konnte: Schaut hier, die Gemeinde dort und dort empfiehlt mich zur Aufnahme. Aber trotz dieser Sicherheitsmaßnahmen konnte man natürlich nie eine hundertprozentige Sicherheit erreichen. Und Paulus sagt: Wegen der nebeneingeführten falschen Brüder wegen. Ja, das war also schon damals möglich und wurde später noch viel extremer.
Schauen wir mal im Judasbrief, was dort steht. Judasbrief, Vers 3: Geliebte, indem ich allen Fleiß anwandte, euch über unser gemeinsames Heil zu schreiben, war ich genötigt, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen, denn gewisse Menschen haben sich nebeneingeschlichen, die schon vorlängst zu diesem Gericht zuvor aufgezeichnet waren, gottlose, also Menschen ohne Ehrfurcht vor Gott heißt das, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und unseren alleinigen Gebieter und Herrn, Jesus Christus, verleugnen. Da lesen wir auch noch später im Judasbrief von solchen, die sich eingeschlichen haben.
Nun lese ich weiter im Galaterbrief. Das waren also wiederum Juden hier in diesem Fall, diese nebeneingeführten falschen Brüder. Die wollten die wahren Gläubigen in Knechtschaft des Gesetzes bringen. Und Paulus sagt, Vers 5: Denen wir auch nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben haben, auf dass die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbliebe. Von denen aber, die in Ansehen standen, was irgend sie auch waren, das macht keinen Unterschied für mich; Gott nimmt keines Menschen Person an; denn mir haben die Angesehenen nichts hinzugefügt, sondern im Gegenteil, als sie sahen, dass mir das Evangelium der Vorhaut anvertraut war, gleich wie Petrus das der Beschneidung. Denn der, welcher in Petrus für das Apostelamt der Beschneidung gewirkt hat, hat auch in mir in Bezug auf die Nationen gewirkt. Und als sie die Gnade Gottes erkannten, die mir gegeben ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen wurden, mir und Barnabas die Rechte der Gemeinschaft, auf dass wir unter die Nationen, sie aber unter die Beschneidung gingen, nur dass wir der Armen eingedenk wären, dessen ich mich auch befleißigt habe, also zu tun.
Also jetzt spricht Paulus über diese zweite Begegnung mit Petrus, aber auch mit Johannes, das ist der Apostel Johannes, und wieder mit Jakobus, dem Bruder des Herrn. Hier wird nun klargemacht: Diese haben anerkannt, dass Paulus wirklich den Auftrag hatte, das Evangelium den Heiden zu bringen. Das Evangelium der Vorhaut bedeutet das Evangelium für die Menschen, die eben nicht beschnitten wurden nach jüdischer Weise, das sind die Heiden. Aber Petrus hatte einen speziellen Auftrag an denen, die eben im Judentum geboren worden waren: das Evangelium der Beschneidung. Aber sie anerkennen also: Paulus, wir sehen, dass du von Gott berufen bist, unabhängig von uns diesen Dienst unter den Heiden zu tun, und unser Hauptauftrag ist eben, den Dienst zu tun unter den jüdischen Gläubigen. Und die haben dann Paulus und auch Barnabas die rechte Hand gegeben. Das war nicht einfach so locker, wie wir manchmal ohne viel zu denken jemandem die Hand geben. Nein, das war wirklich Händedruck: Wir sind in völliger Harmonie, wir gehören zusammen, du hast einen anderen Auftrag, wir haben auch einen Auftrag.
Und das ist ganz wichtig. Damit zeigt der Apostel Paulus, dass er in völliger Harmonie mit den anderen Aposteln gehandelt hat, aber nicht von ihnen abhängig war. Warum gab es die zwölf Apostel? Der Herr Jesus hat in den Evangelien die zwölf Apostel eingesetzt im Blick auf die zwölf Stämme Israels. Das war ihr Hauptauftrag, und Paulus wurde berufen nicht als ein dreizehnter Apostel, sondern das ist etwas ganz anderes als Apostel für die Nichtjuden. Die Zwölf für Israel, Paulus für die Nichtjuden. Und wir wissen ja: Die Gemeinde Gottes nach dem Epheserbrief zum Beispiel ist ja eine Vereinigung von Gläubigen aus den Heiden und Gläubigen aus den Juden zu etwas völlig Neuem, dem Leib Christi. Und da haben nicht die Juden eine Vorrangstellung, sie sind eine Einheit in Christus. Und die Apostel hatten also so unterschiedliche Aufgaben und haben sich auch gegenseitig so anerkannt. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass Petrus nicht auch in Bezug auf Nichtjuden handeln konnte. Nicht wahr, bei Cornelius und seiner Bekehrung spielte er eine Schlüsselrolle. Aber seine Hauptaufgabe war unter den jüdischen Gläubigen, und Paulus hatte zwar eine Hauptaufgabe unter den Heiden, aber er konnte auch wirken gegenüber den Juden. Und darum hat er gemäß dem Grundsatz in Römer 1: Das Evangelium ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen, in der Apostelgeschichte immer so gehandelt. Er kam in eine neue Stadt, suchte die Synagoge, predigte dort und dann auch den Heiden. Kam wieder an einen neuen Ort, suchte die Synagoge, predigte dort und dann auch den Heiden: dem Juden zuerst, aber seine Hauptaufgabe waren wirklich die Heiden. Und dann in Apostelgeschichte 16 kommt er in eine Stadt, da gab es keine Synagoge, aber einen jüdischen Frauengebetkreis am Fluss unten. Da hat er dort gepredigt und den Heiden.
Also das ist noch wichtig, dass wir auch sehen: Wenn wir manchmal feststellen, ja, der Herr hat uns eine besondere Gabe gegeben, einen besonderen Dienst da und da, dann müssen wir nicht meinen, das ist das Steckenpferd, etwas anderes dürfen wir nicht mehr machen. Oder hat der Eindruck: Ich bin ein Bibellehrer. Ja, ich kann natürlich nicht jemanden besuchen im Spital und irgendwie in Trost, das kann ich nicht. Nein, wir müssen alles tun, was der Herr uns aufträgt. Aber natürlich können wir erkennen, wo uns der Herr so eine besondere Begabung, auch Freudigkeit gegeben hat.
Ja, fahren wir nach einer halben Stunde Pause dann weiter. Ja, wir sollten weiterfahren. Wir haben noch viel vor. Also, wir haben gesehen, was der Auftrag des Paulus war und was der Auftrag der übrigen Apostel war. Jetzt gehe ich weiter in Galater 2, Vers 11.
Vielleicht möchte ich noch hinzufügen, was das eben helfen kann, auch im Blick auf andere Bibelstellen, wenn man diese Unterscheidungen der Aufträge vor Augen hat. Schlagen wir mal auf im 1. Johannes 2,1-2. Johannes schreibt: Meine Kinder, ich schreibe euch dieses, auf dass ihr nicht sündigt, und wenn jemand gesündigt hat, wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.
Die Altersbrüder haben hier den Schluss gezogen: Ja, steht es ja, Jesus Christus ist die Sühnung im Blick auf die Gläubigen, aber nicht nur das, im Blick auf die ganze Welt. Und darum werden einmal alle Menschen versöhnt werden, obwohl die Bibel an vielen anderen Stellen ganz klar lehrt, dass es eine ewige Verdammnis geben wird. Nun, wenn wir aber wieder daran denken, dass Johannes speziell einen Auftrag hatte unter den jüdischen Gläubigen, wird klar, dass er sagt: Der Herr Jesus ist die Sühnung für unsere Sünden. Er ist das Opfer des Jom Kippur für uns Juden. Aber nicht nur auf das jüdische Volk beschränkt, so wie es beim Jom Kippur war, sondern der Jesus ist auch das Opfer im Blick auf alle anderen Nationen, im Blick auf die ganze Welt.
Und so merken wir: Es ist ganz wichtig, dass man diese Grundsätze über den Dienst der verschiedenen Apostel so aus dem Galaterbrief jetzt hier kennenlernt.

Antiochien, Petrus und die Rechtfertigung allein aus Glauben

Ja, jetzt lese ich Galater 2,11. Als aber Kephas nach Antiochien kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er dem Urteil verfallen war. Denn bevor etliche von Jakobus kamen, hatte er mit denen aus den Nationen gegessen. Als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, da er sich vor denen aus der Beschneidung fürchtete.
In diesem immer noch biografischen Teil erklärt Paulus, dass es einmal folgende Begebenheit gab: Petrus kam auf Besuch in die Gemeinde in Antiochien, also in die heutige Südtürkei. Das war ja diese Gemeinde, von der aus Paulus seine Missionsreisen gemacht hatte. Und für Petrus, für Kephas, war das völlig klar, dass man als Jude eben mit den nichtjüdischen Gläubigen essen darf, obwohl es im Judentum ja üblich war, dass man nicht mit solchen aus anderen Völkern zusammen aß. Das war auch eine Sicherheitsvorkehrung der Rabbiner, damit man auch sicher war, dass man nicht unkoschere Sachen isst.
Gut, jetzt hat er mit ihnen gegessen. Dann kamen Gläubige, die so aus dem Umfeld von Jakobus waren und die damals eben noch nicht verstanden hatten, was die neue Position der Gläubigen unter der Gnade ist. Da hatte Petrus plötzlich Mühe: Wenn die mich sehen, was denken die? Und er hat sich dann abgesondert. Aber für ihn war klar: Natürlich dürfte ich das.
Aber jetzt sehen wir, was dann geschah, Vers 13: Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so dass selbst Barnabas durch ihre Heuchelei mit fortgerissen wurde. Und Barnabas war ja ein so treuer Gläubiger. Wenn man mit der Konkordanz mal alle Stellen über Barnabas aufsucht, dann bekommt man eine wunderbare Zusammenstellung über sein Leben und sieht: Das war wirklich ein Mann des Glaubens, voll heiligen Geistes. Und sogar der hat sich durch die Handlungsweise von Petrus mitreißen lassen.
Das zeigt, wie entscheidend es ist, wie wir uns in verschiedenen Dingen verhalten. Das hat immer Einfluss, auch auf andere. Dann denken die: Ja, was, wenn der das kann, das ist doch nicht so schlimm. Oder noch dümmer: Wenn dessen Kinder das können, wow, das ist ja offensichtlich wahrscheinlich nicht so schlimm, oder? Ja, aber das hat eben Konsequenzen. Es ist sehr, sehr wichtig, dass man das beachtet.
Vers 14: „Als ich aber sah, dass sie nicht den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums wandelten, sprach ich zu Kephas vor allen.“ Also Paulus ist öffentlich gegen Petrus aufgestanden. Man könnte sagen: Ja, aber das ist doch irgendwie problematisch. Der Herr Jesus sagt doch in Matthäus 18, wenn ein Bruder gegen dich sündigt, überführe ihn zwischen dir und ihm allein, und so weiter.
Aber wieso macht er das öffentlich? Nun, Petrus war nicht irgendjemand, er war ein Apostel Jesu Christi. Und schon bei Ältesten gilt nach 1. Timotheus 5, dass Älteste, die sündigen, öffentlich zurechtgewiesen werden sollen. 1. Timotheus 5,19-20: Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an, außer bei zwei oder drei Zeugen. Die, die sündigen, überführe vor allen, auf dass auch die übrigen Furcht haben. Also beim Ältesten, der sündigt, der den falschen Weg geht – übrigens hier ein Partizip: der Sündigende, der am Sündigen ist – vor allen, auf dass auch die übrigen Furcht haben.
Und darum hat Paulus Petrus vor allen zurechtgewiesen, weil es wichtig war, dass die anderen das mitkriegten. Das sollte nicht einfach nur im Privaten geschehen, weil alle mit betroffen waren. Ja, also ich lese weiter: „Vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, wie die Nationen lebst und nicht wie die Juden, wie zwingst du denn die Nationen, jüdisch zu leben?“ Du heuchelst ja. Du nimmst es ja gar nicht wirklich genau.
Wir, von Natur Juden und nicht Sünder aus den Nationen, aber wissend, dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus, auch wir haben an Christus geglaubt, auf dass wir aus Glauben an Christus gerechtfertigt würden und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt werden wird.
Hier haben wir also gleichzeitig im biografischen Teil eine ganz wichtige lehrmäßige Ausführung. Paulus erklärt: Wir wissen, und du Petrus bist ja auch der gleichen Meinung, dass man nur durch Glauben an Jesus Christus von Gott gerecht gesprochen wird. Ich muss noch einmal erklären: Rechtfertigen, das griechische dikaioō, bedeutet, jemanden für gerecht erklären. Also wenn der Richter jemanden freispricht, dann erklärt er ihn als gerecht. Er ist nicht schuldig.
Nun, wie kann Gott uns rechtfertigen? Er könnte es ja nicht, denn wir sind ja schuldbehaftet. Aber weil der Herr Jesus alles am Kreuz für uns getragen hat und Gott uns darum vollkommen vergeben konnte, kann Gott uns alle gerecht sprechen. Er spricht uns frei, weil alle Schuld vergeben ist. Aber das geschieht nur durch Glauben, ohne Werke.
Verstehen wir, wie wichtig diese Verse für Luther waren? Im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Reformation ganz eindeutig: nur durch Glauben, ohne irgendwelche Werke. Darum hat Luther den Galaterbrief so geliebt. Er hat gesagt, das ist meine Katharina von Bora. Das war ja die ehemalige Nonne, die er dann geheiratet hatte. Also er liebte den Galaterbrief. Das heißt, für ihn war das so eine Befreiung, weil der Brief so klar macht: ohne irgendwelche Werke, nur durch Gnade.
Wenn wir aber, indem wir in Christus gerechtfertigt zu werden suchen, auch selbst als Sünder erfunden worden sind, ist denn Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne! Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wiederum aufbaue, so stelle ich mich selbst als Übertreter dar. Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, auf dass ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch den Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. Ich mache die Gnade Gottes nicht ungültig. Denn wenn Gerechtigkeit durch Gesetz kommt, dann ist Christus umsonst gestorben.
Also hier wird erklärt, wie entscheidend es ist, dass wir diese biblische Lehre festhalten. Denn wenn wir sagen würden, man kann auch gerettet werden durch eigenen Beitrag, dann ist es letztlich ein Angriff auf das Werk des Herrn Jesus. Dann ist Christus umsonst gestorben. Aber er ist gerade gestorben für unsere Sünden, weil es keinen anderen Weg zur Rettung gab.
Das ist auch ein wichtiger Punkt, den man immer wieder im Neuen Testament findet: Wenn eine Irrlehre aufgedeckt wird, dann wird weitergedacht. Dann wird erklärt: Ja, schaut mal, wenn ihr so denkt, dann hat das das und das und das zur Konsequenz. Und dann sieht man viel besser ein, wie schlimm das Ganze ist.
Auch hier haben wir wieder so ein Beispiel. Da wird weitergedacht: Ja, schaut mal, wenn man sagt, es geht auch irgendwie durch eigene Anstrengung, dann hat das letztlich zur Konsequenz, dass Christus gar nicht unbedingt hätte sterben müssen. Es ist ein Angriff auf sein Erlösungswerk.

Der Glaube, Abraham und der Weg aus dem Fluch des Gesetzes

Und jetzt kommt der lehrmäßige Teil: O unverständliche Galater, wer hat euch bezaubert, denen Jesus Christus als unter euch gekreuzigt vor Augen gemalt wurde?
Das ist ein ganz interessanter Ausdruck: „bezaubert“. Das meint wirklich bezaubert, auch im Grundtext. Wer hat euch verhext? Wer hat euch unter dämonischen Einfluss gebracht? Und das muss man sich im Klaren sein: Wenn Menschen sich einer falschen Lehre öffnen, ist das auch eine Öffnung gegenüber dem Dämonischen. Und wenn man mit jemandem spricht, der eine so liberale Theologie angenommen hat, dann muss man nicht denken, das sei einfach nur ein kleines intellektuelles Problem. Das ist viel schlimmer. Es liegt viel tiefer. Da hat jemand auch dem Feind, Satan, gegenüber wirklich Türen in seinem Leben geöffnet. Und darum kann man das auch nicht so schnell mit einer kleinen Diskussion erledigen.
Wer hat euch bezaubert? Und hier wird sehr schön gezeigt, wie Paulus gepredigt hat. Er hat damals auf der ersten Missionsreise den Galatern das Sterben des Herrn Jesus so eindrücklich vor die inneren Augen geführt. Er hat keine Bilder gezeigt und schon gar keinen Film über die Leiden Christi. Es ist ja auch interessant, wenn wir die Evangelien lesen: Wie der Heilige Geist über das Sterben des Herrn Jesus spricht, spricht er darüber, wie sie ihn gekreuzigt haben, wie sie ihn gegeißelt haben. Aber er beschreibt es nicht so, dass irgendwie die menschlichen, rein seelischen Gefühle in ein falsches Aufbäumen kommen.
So hat der Apostel Paulus nicht unnötig ausgemalt, aber er kann wirklich sagen, dass er in seiner Verkündigung, ohne Bilder zu gebrauchen, den Menschen ganz klar gemacht hat, was die Leiden des Herrn Jesus bedeuteten. Diese Galater waren zutiefst ergriffen. Und jetzt gehen sie davon weg und denken, man könne durch irgendwelche eigene Leistung gerettet werden. Stellt euch mal vor, wie war das damals?
Und weiter: Dies allein will ich von euch lernen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken, also auf der Grundlage von Gesetzeswerken, empfangen oder aus der Kunde des Glaubens? Seid ihr so unverständig? Er sagt ihnen also: Ihr seid zum Glauben gekommen und ihr habt den Heiligen Geist bekommen. Habt ihr damals den Heiligen Geist bekommen, weil ihr diese neue Lehre geglaubt habt, oder weil ihr damals das Evangelium, wie ich es verkündigt habe, angenommen habt? Das möchte ich gerne von euch lernen. Wie war das?
Da kamen sie in Verlegenheit. Sonst hätten sie sagen müssen: Ja gut, also damals waren wir noch nicht richtig bekehrt, erst jetzt, als diese Leute kamen, sind wir bekehrt worden.
Und dann geht es weiter: Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden, eben durch fleischliche Bemühungen? Habt ihr so vieles vergeblich gelitten? Also sie mussten offensichtlich schon für ihren Glauben leiden. Da habt ihr gelitten für das Falsche. Ihr sagt ja jetzt: Ich habe euch etwas Falsches damals verkündigt, ihr habt gelitten für gar nichts. Überlegt euch das mal, wenn es ja vergeblich ist.
Der euch nun den Geist darreicht und Wunderwerke unter euch wirkt, ist es aus Gesetzeswerken oder aus der Kunde des Glaubens? Ich war schon in Apostelgeschichte 14 sehen wir, wie der Apostel Paulus große Wunderwerke gewirkt hat dort in Südkalazien. Und das hat nichts zu tun gehabt mit der neuen Lehre, sondern mit seiner alten Lehre, die er damals gebracht hatte.
Und jetzt kommt die Argumentation aus dem Alten Testament: Gleich wie Abraham Gott glaubte, und es ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde. Erkennt denn, dass die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Söhne. Die Schrift aber, voraussehend, dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen würde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft zuvor: In dir werden gesegnet werden alle Nationen. Also werden die, welche aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet.
Also jetzt geht er aufs Alte Testament und sagt: Abraham wurde durch seinen Glauben von Gott gerecht gesprochen. Wo steht das? 1. Mose 15,6. Zu Abraham gesprochen dort in der Nacht, da wird gesagt: Siehe den Himmel, die Sterne, wenn du sie zählen kannst, so wird deine Nachkommenschaft sein. Und dann heißt es: Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.
Das ist übrigens das erste Mal in der Bibel, dass wir von Glauben lesen: Abraham glaubte Gott, und da kommt gleich die Rechtfertigung aus Glauben. Und nebenbei gesagt, das Interessante war: Damals war Abraham gar noch nicht beschnitten, das kam ja erst in 1. Mose 17 später. Also die Beschneidung hatte mit der Rechtfertigung gar nichts zu tun, sondern einfach mit dem, dass er da geglaubt hat.
Könnte jemand sagen: Ja, aber Jakobus sagt doch in Jakobus 2, seht ihr, dass Abraham aus Werken gerechtfertigt wurde? Denn es heißt ja von ihm, dass er seinen Sohn geopfert hat. Ja, die Opferung des Sohnes war in 1. Mose 22. Die Tat dieses Glaubensgehorsams Abrahams in 1. Mose 22 kam später nach 1. Mose 15, wo es einfach heißt: Abraham glaubte Gott. Diese Tat war eine Bestätigung, dass dieser Glaube in 1. Mose ein echter Glaube war. Und so betont Jakobus in seinem Brief: Die Handlungsweise von Abraham hat deutlich gemacht, dass sein Glaube echt war.
Wenn jemand sagt: Ich glaube, die Dämonen glauben auch, dass es Gott gibt. Deswegen sind sie lange nicht gerettet. Also einfach: Ich glaube, das geht nicht. Ein echter Glaube zeigt sich danach in Werken. Und so sehen wir, dass Jakobusbrief und Galaterbrief keine Gegensätze sind, sondern sie ergänzen sich ganz wunderbar. Und wir denken wieder daran in Galater 2: Wer gab Paulus die rechte Hand? Das war Jakobus, der Bruder des Herrn, der den Jakobusbrief geschrieben hatte. Also dürfen wir uns nie linken lassen von Leuten, die sagen: Ja, das sind zwei verschiedene Richtungen, Jakobusrichtung und paulinische Richtung. Nein, die waren voll eins. Aber sie haben die Akzente anders gesetzt.
Ich fahre weiter. Übrigens, Luther hatte ein bisschen Mühe mit dem Jakobusbrief, gerade wegen dem. Aber Calvin beschreibt das wunderschön in seiner Institutio, wie der Galaterbrief und der Jakobusbrief eine wunderbare Ergänzung sind. Er hat natürlich auch ein bisschen später geschrieben, und Luther stand natürlich noch unter dem ganzen Eindruck der ersten Auseinandersetzung. Man hat ihn natürlich mit dem Jakobusbrief von der Bildfläche verjagen wollen, und darum hat er dann noch ein bisschen gerungen mit dem Jakobusbrief. Aber Calvin konnte das später so ganz ruhig beschreiben, und er hatte ja auch eine besondere Begabung, die Dinge klar darzulegen und zu beschreiben. Das hat er also ganz, ganz schön gemacht: Jakobusbrief und Römerbrief, also paulinische Briefe.
Ja, lesen wir weiter: Gott hat also Abraham die frohe Botschaft, das Evangelium, schon im Voraus verkündigt: In dir werden gesegnet werden alle Nationen. Diese Verheißung hat Gott schon gegeben in 1. Mose 12,3. Und jetzt: Also werden die, welche aus Glauben sind, das heißt auf dem Grundsatz des Glaubens stehen, mit dem gläubigen Abraham gesegnet. Denn so viele aus Gesetzeswerken sind, sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun. Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn der Gerechte wird aus Glauben leben. Denn das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben. Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist. Denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holze hängt, auf dass der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen käme, auf dass wir die Verheißung des Geistes empfingen durch den Glauben.
In ein paar Sätzen wird da ein Konzentrat gebracht, und ich habe das einmal so ausgenutzt. Damals in der Gymnasiumszeit hatte ich mit einem Juden, der wohnte in Zürich-Enge, der hat übrigens am Sabbat auch in die Schule gegangen, ins Rämibühl, aber da musste jemand seine Schulsachen tragen. Ja, und mit dem habe ich dann mal abgemacht, wir wollen zusammen über den Messias sprechen. Und dann hat er seine Bibel genommen, Hebräisch, Deutsch. Und da habe ich gesagt: So, jetzt lesen wir mal 3. Mose 19, das ist die Stelle hier, 3. Mose 18,5, das ist die Stelle hier in Vers 12: Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben. Da habe ich ihm erklärt: Also das Gesetz macht die Verheißung, wenn man alle Gebote einhält, wird man nicht sterben, man wird durch das Einhalten der Gebote ewig leben.
Dann habe ich gesagt: So, jetzt schlagen wir auf 5. Mose. Da habe ich dann die Stelle genommen, die hier zitiert wird in Vers 10, das ist ein Zitat aus 5. Mose 27,26: Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun. Habe ich ihm gesagt: Aber schaust du, wenn du einmal das Gesetz brichst, dann stehst du unter dem Fluch. Wer würde schon behaupten, er hätte alle Gebote immer eingehalten?
Da habe ich ihm gesagt: So, jetzt lesen wir aber noch einen Vers aus 5. Mose. Dann habe ich die Stelle zitiert, hier aus Galater 3,13: Verflucht ist jeder, der am Holze hängt, das ist aus 5. Mose 21,23. Habe ich ihm erklärt: Und darum wurde Jesus Christus an ein Holz gehängt, denn er wurde ein Fluch Gottes an unserer Stelle. Denn wenn wir das Gesetz versuchen einzuhalten, kommen wir automatisch unter den Fluch Gottes. Aber Gott hat schon in der Tora den Ausweg gegeben, dass einmal jemand am Holz hängen würde, der den Fluch Gottes auf sich nehmen würde, damit wir den Segen Abrahams bekämen. Und das ist der Segen allein durch Glauben.
So kann man einem Juden einfach anhand seines Alten Testaments wunderbar erklären. Je nachdem, wenn man mit Galater 3 beginnen würde, würde man sagen: Haben wir nichts damit zu tun? Nein, da muss man halt einfach die Stellen aus dem Galaterbrief nehmen, das fährt voll ein. Also so lernen wir das über Judenmission.
Vers 15: Brüder, ich rede nach Menschenweise. Selbst eines Menschenbund, der bestätigt ist, hebt niemand auf oder verordnet etwas hinzu. Im Abraham aber waren die Verheißungen zugesagt und seinem Samen. Er sagt nicht: und den Samen als von vielen, sondern als von einem: und in deinem Samen, welcher Christus ist.
Also hier erklärt Paulus: Abraham hat ja von Gott eine Verheißung bekommen, 1. Mose 22,18. Es war gerade nach der Darbringung von Isaak. Und Gott hat gesagt: In dir, in deinem Samen werden alle Nationen gesegnet werden. Und dann erklärt hier der Apostel Paulus: Wir müssen beim Bibellesen ganz gut achten, ob ein Wort Mehrzahl ist oder Einzahl. Ja, da lernen wir, dass es sich lohnt, die Bibel genau zu lesen. Er sagt, das hat eine Bedeutung, dass hier steht: in deinem Samen. Denn das weist letztlich hin auf Christus, den Messias.
Also Gott hatte den Plan, dass der Segen zu allen Völkern kommen sollte, auch zu den nichtjüdischen Völkern.
Vers 17: Dieses aber sage ich: Ein von Gott vorher bestätigter Bund macht das vierhundertdreißig Jahre danach entstandene Gesetz nicht ungültig, um die Verheißung aufzuheben. Denn wenn die Erbschaft aus Gesetz ist, so nicht mehr aus Verheißung. Dem Abraham aber hat Gott sie durch Verheißung geschenkt.
Ja, also hier wird nun gesprochen von dem Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hat. Und da ging es ja noch gar nicht um das Gesetz und diese Gebote vom Sinai. Gott hat einfach dem gläubigen Abraham, der durch Glauben gerechtfertigt war, verheißt: Durch dein Nachkommen, durch den Messias, werden einmal alle Völker gesegnet werden. Übrigens nicht alle Menschen, alle Völker. Die Bibel sagt in Offenbarung 5, dass einmal Menschen aus allen Sprachen, Stämmen, Völkern und Nationen gerettet werden, nicht alle Menschen, aber Menschen aus allen diesen Bereichen.
Ja, und jetzt wird erklärt: Aber 430 Jahre nach diesem Bund mit Abraham schloss Gott den Bund am Sinai, und da hat er diese vielen Gesetze gegeben. Jetzt erklärt Paulus: Gott hat ja diesen Bund mit Abraham gemacht. Der wird jetzt nicht aufgehoben durch diesen späteren Bund, der 430 Jahre später, nach dem Auszug aus Ägypten, geschlossen wurde. Das bleibt. Das kam nur einfach noch dazu. Und der Sinn war, dem jüdischen Volk mit dem Bund vom Sinai zu zeigen: Wenn es darauf ankäme, durch Einhalten der Gebote errettet zu werden, dann könnt ihr die Erfahrung machen, das funktioniert nicht. Man kommt automatisch unter den Fluch Gottes.
Also dieser spätere Bund mit den Geboten, „wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben“, sollte nicht das aufheben, was Gott mit Abraham schon abgemacht hatte. Das kam einfach noch dazu. Ich lese weiter, es wird dann immer klarer.
Vers 18: Denn wenn die Erbschaft aus Gesetz ist, so nicht mehr aus Verheißung. Dem Abraham aber hat Gott sie durch Verheißung geschenkt. Warum nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt, bis der Same käme, dem die Verheißung gemacht war. Also Gott hat dieses Gesetz eingefügt im Blick auf die ganze Zeit, bis dann der Messias einmal kommen würde, angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers, das ist Mose. Ein Mittler aber ist nicht Mittler von einem, Gott aber ist einer.
Ist denn das Gesetz gegen die Verheißung Gottes? Das sei ferne! Denn wenn ein Gesetz gegeben worden wäre, das lebendig zu machen vermöchte, dann wäre wirklich die Gerechtigkeit aus dem Gesetz. Die Schrift aber hat alles unter die Sünde eingeschlossen, auf dass die Verheißung aus Glauben an Jesus Christus denen gegeben würde, die da glauben. Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, auf dass wir aus Glauben gerechtfertigt würden.
Also jetzt wird erklärt: Die ganze Sache mit den Geboten, die hat Gott hinzugefügt, nicht eben um das, was Gott Abraham gezeigt hat, Rechtfertigung durch Glauben allein, aufzuheben, sondern es war da, um das jüdische Volk zu erziehen, bis der Messias käme. Das Gesetz war unser Zuchtmeister. Das klingt ein bisschen schrecklich. Auf Griechisch ist es das Wort Paidagogos, Pädagoge. In der alten Welt war damals der Begriff des Paidagogos die Bezeichnung speziell für einen Sklaven in reichen Familien des Römischen Reiches, die zwar schon ihre Kinder selber erzogen haben, aber so in der Freizeit musste eben der Pädagogos sich mit ihnen abgeben. Er musste sie auch begleiten auf dem Schulweg. Das ist ja nicht schlecht. Er musste ihnen interessante Dinge zeigen auf dem Schulweg. Und so war der Klang positiv: Der Pädagoge, der hilft den Kindern, ist quasi ein Erziehungshelfer.
Und jetzt wird hier erklärt: Das Gesetz war unser Pädagoge auf Christus hin. Das Gesetz sollte zeigen: Wenn jemand sagt, wieso brauche ich einen Erlöser, wir sind doch so schlecht auch wieder nicht, dann sollte man während diesen über 1600 Jahren vom Gesetz Mose bis der Herr Jesus am Kreuz starb, die Erfahrung machen, niemand kann das Gesetz einhalten, denn alle sind gestorben, alle Pharisäer. Wenn sie nicht gestorben wären, würden sie auch heute noch leben, oder? Ja, und wenn sie wirklich die Gebote eingehalten hätten, dann wären sie nicht gestorben. Und das ist der Beweis: Alle haben versagt.
Und so sollte das Gesetz die Sehnsucht wecken im Menschen, im jüdischen Menschen: Oh, wenn doch nur der Messias käme! Und da kann man diese Stellen im Alten Testament suchen, wo man diese Sehnsucht findet: Oh, das ist doch die Rettung, da wäre die Rettung Israels da. Das wollte Gott bezwecken mit den Geboten des Gesetzes. Bis dann eben der Messias kam, und dann kam das Zeitalter des Glaubens.
Jetzt Vers 25: Da aber der Glaube gekommen ist, das heißt das Zeitalter des Glaubens, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister, einem Pädagogen. Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus. Denn so viele auf Christus getauft worden sind, ihr habt Christus angezogen. Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr den Abrahams Same und nach Verheißung Erben.
Spricht der Apostel Paulus bereits darüber, dass die Gläubigen in der heutigen Zeit eine ganz einzigartige Beziehung zu Gott haben? Sie sind Söhne Gottes. Das war für die Juden unter dem Gesetz, auch für die gläubigen Juden, nicht so. Das ist eine ganz andere Stellung. Und dann wird hier sogar noch die Taufe erwähnt, interessant: Denn so viele auf Christus getauft worden sind, ihr habt Christus angezogen. Hm, was hat das mit der Taufe zu tun, ihr habt Christus angezogen? Im Zusammenhang nicht. Bei der Taufe wird man doch im Wasser untergetaucht, dann taucht man wieder auf. Was hat das jetzt zu tun mit: Ihr habt Christus angezogen?
Man muss ein bisschen weiter denken. Wie war das nach der Taufe? Kam man nass herauf und dann? Dann ging man sich umziehen. Und dann, was hat man angezogen? Die alten Kleider? Nein, neue, frische Kleider. Aha, sogar das hat eine Bedeutung bei der Taufe, die neuen Kleider nachher. Ihr habt Christus angezogen. Ihr seid so eng mit Christus verbunden wie die Kleider, die ihr angezogen habt. Und dadurch seid ihr Nichtjuden mit Christus so eng verbunden, jetzt gehört sein Stammbaum auch euch. Ja, Christus ist ein Nachkomme von Abraham, Isaak und Jakob. Ja, und jetzt?
Ja, da steht’s, Vers 28: Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber Christus angehört, so seid ihr den Abrahams Same und nach Verheißung Erben. Ja, wenn ihr so mit Christus verbunden seid, so eng, dann gehört sein Stammbaum euch. Ihr seid Söhne von Abraham durch Christus, weil ihr mit ihm eins gemacht seid. Und dann seid ihr Abrahams Söhne und Erben. Ihr dürft die Verheißung haben, ohne das Gesetz einzuhalten.
Schon eindrücklich, die ganze Logik der Argumentation.

Sohnschaft, Freiheit und das Gesetz des Christus

Ja, gehen wir weiter, Kapitel vier.
Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Knecht, wiewohl er Herr ist von allem. Sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist. Also auch wir: Als wir Unmündige waren, waren wir geknechtet unter die Elemente der Welt. Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, auf dass er die, welche unter Gesetz waren, loskaufte, auf dass wir die Sohnschaft empfingen.
Weil ihr aber Söhne seid, so hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: „Abba, Vater!“ Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.
Hier wird mit einem Vergleich erklärt, wie das ist bei einem Erben. Wenn er unmündig ist, dann muss er genau das machen, was die Eltern sagen, oder? Wie ein Knecht. Und wenn dann das Erwachsensein kommt, dann wird die volle Entscheidungsfreiheit eben abgegeben. Und so sagt der Apostel Paulus: Das war mit uns Juden so. Wir waren eigentlich wie Kinder in der Stellung von Knechten. Aber jetzt, wo eben der Herr Jesus gekommen ist, in der Fülle der Zeit von Gott gesandt, hat Gott uns von dem Gesetz befreit. Und jetzt ist die Zeit, wo wir wirklich die Sohnschaft und die Freiheit der Sohnschaft kennen und genießen dürfen.
Jetzt muss man aber beim Lesen gut aufpassen. Wann sagt der Apostel Paulus „wir“, wann sagt er „ihr“? Das muss man beachten, wenn man den ganzen Brief mal in einem Zug durchliest. Wenn Paulus von „wir“ spricht, dann meint er eher die Juden. Und wenn er von „ihr“ oder „du“ sagt, dann spricht er zu den nichtjüdischen Galatern. Der Unterschied ist da relevant. Er sagt also: Auch wir, Vers 3, als wir Unmündige waren, waren wir geknechtet unter die Elemente der Welt. Die Elemente der Welt, das sind die Gesetze und Ordnungen, die Gott erst mit dem Gesetz vom Sinai eingerichtet hatte, mit all den Koschergesetzen und den Gesetzen im Zusammenhang mit den Opfern und so weiter. Aber mit dem Kommen des Herrn Jesus kam die Wende.
Und jetzt sagt er in Vers 6: Weil ihr aber Söhne seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft. Das spricht jetzt die Galater an, die jetzt auch seit dem Kommen des Herrn Jesus durch den Glauben Söhne geworden sind. Aber sie waren natürlich früher nie unter dem Gesetz. Diesen Unterschied muss man gut machen im Galaterbrief, sonst hat man ein Durcheinander.
Jetzt sagt er, was sie früher waren, Vers 8: Aber damals freilich, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind. Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, vielmehr aber von Gott erkannt worden seid, wie wendet ihr euch wiederum zu den schwachen und armseligen Elementen, denen ihr wieder von neuem dienen wollt? Ihr beobachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre. Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich an euch gearbeitet habe.
Ins Judentum einsteigen und wollen wieder das aufrichten, was früher da war. Und er sagt: Ich befürchte, dass ich vergeblich um euch gearbeitet habe. Was soll man aber sagen? Da gibt es doch so viele Leute heute, die sagen: Ja, kommt nach Israel zum Laubhüttenfest, sollen Christen Laubhüttenfest feiern? Wieso nicht? Es ist ein biblisches Fest. Kommt zum Passafest! Nach irgendwo, ja? Sagen wir mal so am Bodensee oder so. Und sollen wir das tun? Sollen nichtjüdische Leute eingeladen werden, das Passafest zu feiern? Ja, hier sagt Paulus: Ich fürchte, ob ich vergeblich um euch gearbeitet habe. Das ist keine Bagatelle. Und übrigens, da stellt man sich dann noch unter Todesstrafe. 2. Mose 12 steht nämlich: Wenn ein Fremdling das Passafest isst, ohne dass er beschnitten worden ist, muss er sterben. Das ist eine tolle Sache: Man lädt einfach jemanden ein, so zum Passafest, und im Nachhinein liest er in der Bibel sein Todesurteil. Ja, so geht das nicht.
Und dann haben wir ja schon gelesen, ab Vers 12, wie der Apostel Paulus sagt: Jetzt denkt doch wieder mal zurück, damals, wie das schön war, als ich zu euch kam, und ihr habt wirklich mit Freudigkeit das Evangelium aufgenommen. Ihr hättet mir eure Augen gegeben, wenn es gegangen wäre, und jetzt plötzlich ist alles so anders. Die eifern nicht gut um euch. Vers 17: Sie eifern um euch nicht gut, sondern sie wollen euch ausschließen, auf dass ihr um sie eifert. Was heißt dieses Ausschließen? Sie wollen sie ausschließen von der Gemeinschaft mit dem Apostel Paulus. Das ist noch sehr aktuell. Es gibt ja auch Leute, die immer wieder ganz abschätzig sprechen über Paulus und die Paulusbriefe. Ja, da ist im Prinzip das Gleiche wie hier. Die wollten auch die Gläubigen von Paulus trennen. Aber das geht nicht, denn Paulus hat nicht einfach irgendeine Botschaft gebracht, sondern die Botschaft kam direkt von Gott, und sein Apostelamt war direkt von Gott. Der greift Gott an.
Sie eifern nicht gut, denn sie wollen euch ausschließen, auf dass ihr um sie eifert. Es ist aber gut, allezeit im Guten zu eifern, und nicht allein, wenn ich bei euch gegenwärtig bin. Meine Kindlein, um die ich abermals Geburtswehen habe, bis Christus in euch gestaltet worden ist. Ich wünschte aber, jetzt bei euch gegenwärtig zu sein und meine Stimme umzuwandeln, denn ich bin eurer halben in Verlegenheit.
Es ist ja der härteste Brief des Paulus, der Galaterbrief. Aber wir sehen, wir spüren in manchen Versen ein innerliches Erregtsein des Apostels, ein Erzürntsein über das, was geschehen ist. Und jetzt hier sehen wir das Problem bei den Briefen. Man weiß ja nicht unbedingt so: Wie ist das genau gemeint? Weil man die Tonlage nicht hat. Ja gut, heute macht man es bei den Mails mit einem Smiley, dann weiß man ein bisschen etwas über die Tonlage. Aber hier sagt der Apostel Paulus das eben viel schöner. Er sagt: Ich möchte jetzt bei euch sein und dann meine Stimme verändern, dann merkt ihr, wie gut ich es um euch meine. Ich bin nicht einfach jetzt zornig über euch, sondern ihr seid meine Kindlein. Aber es ist, wie wenn ich nochmals Geburtswehen haben müsste, bis endlich Christus sichtbar wird in eurem Leben. Und so ist das ein ganz ergreifender Brief.
Und übrigens ist es auch sehr schön, wie er sie immer als Brüder anspricht. Also sie waren ja in Gefahr, jetzt auf einen ganz falschen Weg zu kommen. Aber das war noch nicht eine vollendete Tatsache. Darum eilt es ja mit diesem Brief. Zehnmal spricht der Apostel Paulus sie an als Brüder, und in Kapitel sechs ist das sehr eindrücklich. Das Kapitel bildet ja eine Einheit. Schauen wir mal Vers 1, Kapitel 6, Vers 1: Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde. Und dann der letzte Vers: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geiste, Brüder! Amen! Merkt man, es ist wirklich eingeschoben, dieses Wort Brüder. Das würde man nicht unbedingt erwarten. Er sagt: Brüder! Also für mich ist es immer noch klar, dass ihr wahre Gläubige seid, aber jetzt müsst ihr wirklich Schluss machen mit dieser Irrlehre.
Und es ist dann auch schön, wir müssen ja bald zum Schluss kommen, in Kapitel 4, zweite Hälfte, da geht der Apostel Paulus auf die Geschichte von Abraham, Sara und Hagar ein und erklärt, dass Sara symbolisiert eigentlich den Bund Abrahams zur Freiheit und Hagar, die eine Sklavin war, symbolisiert den Bund vom Sinai. Von Sara und Ismael, von Hagar. Und er erklärt, das alles hat einen bildlichen Sinn und deutet das allegorisch, bildlich. Das ist natürlich der Hammer für viele evangelikale Bibelausleger, die sagen: Allegorie, da muss man unwahrscheinlich aufpassen, wenn man so das Alte Testament bildlich deuten will. Und dann sagt man: Ja, aber hier haben wir doch ein Beispiel von Apostel Paulus. Ja gut, das gilt nur, gut, Apostel Paulus konnte das machen. Ja, aber wir haben viele andere Stellen, 1. Korinther 10 usw., wo erklärt wird, wie das ganze Alte Testament eben in seinen Geschichten bildliche Bedeutung hat in Bezug auf Christus, in Bezug auf das Heil, das durch Christus kommen sollte. Nein, das ist nicht nur beschränkt auf diese paar Kapitel mit Sara und Hagar. Der Heilige Geist hat das wirklich hineingelegt.
Und schauen wir mal, der Apostel Paulus macht den Galatern einen Vorwurf, dass sie das nicht schon selbst entdeckt haben. Vers 21: Sagt mir, die ihr unter Gesetz sein wollt, hört ihr das Gesetz nicht? Also ihr wollt ja so Spezialisten sein für das Gesetz, nicht wahr? Na gut, aber dann hört doch mal bitte, was steht in 1. Mose, in diesen Kapiteln über Sara und Hagar. Da steht eine Botschaft drin. Und wir gehören quasi zu diesem Bündnis, das eben mit Freiheit zu tun hat. Und diejenigen, die unter dem Gesetz bleiben wollen, die werden symbolisiert durch Hagar. Und wie war das? Ismael hat Isaak verfolgt. Und so ist das eben auch jetzt. Diejenigen, die unter dem Gesetz bleiben wollen, die haben ein Problem mit euch.
Ja, und dann kommt Kapitel 5: Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht. Steht nun fest und lasst euch nicht wiederum unter einem Joch der Knechtschaft halten. Also hier wird die Freiheit in Christus verkündigt. Und jetzt meinen manche, das bedeutet, Freiheit in Christus heißt, man kann eigentlich ziemlich machen, was man will. Das ist so falsch!
Und da möchte ich noch lesen aus Kapitel 6. Wir können jetzt nicht alle Verse durchgehen, weil um fünf sollten wir ja zu Ende sein. Aber ich habe am Anfang gesagt, wir machen eine Einführung in den Galaterbrief, ich habe nicht gesagt eine Versauslegung. Jetzt aber Galater 6, Vers 2: Einer trage des anderen Lasten, und also erfüllt das Gesetz des Christus. Ei, erfüllt das Gesetz des Christus! Ja, da sind wir also doch unter Gesetz! Nein, der Galaterbrief sagt, die Gläubigen der Gemeinde stehen nicht unter dem Gesetz von Sinai, sondern unter dem Gesetz des Christus. Was ist das?
Nun, Paulus kam ja aus dem Judentum. Ich habe auf dem Blatt Besonderheiten den siebten letzten Punkt geschrieben: das Gesetz des Christus. Dieser Ausdruck kennt man aus der rabbinischen Literatur. In dem Midrasch Kohelet, eine Auslegung zu dem Buch Prediger, 11,8, steht: Die Tora, das Gesetz, die Tora, die ein Mensch in diesem Zeitalter lernt, ist ein Nichts gegenüber der Tora des Messias. Die Tora des Messias. Das Gesetz des Christus. Messias heißt der Christus. Es ist genau dieser Ausdruck. Da wird im Judentum gelehrt: Die Tora, die wir jetzt lernen, die fünf Bücher Mose, die stehen im Gegensatz zu dem, was einmal der Messias bringen wird. Er wird auch eine Tora bringen, aber die ist auf einer viel höheren Ebene, das Gesetz des Christus.
Das sind all die Gebote, die der Herr Jesus für die Gläubigen der Gemeinde im Neuen Testament gebracht hat. Und da sagt ja Johannes 14: Wer mich liebt, der hält meine Gebote, der tut, was er will, wer mein Wort hält. Ja, also das Gesetz des Christus, das sind die Gebote, die der Herr Jesus gebracht hat, und die sind verglichen mit dem Gesetz von Mose auf einer viel höheren Ebene. Das Gesetz Mose richtete sich ja an ein Volk, von dem die meisten gar nicht wiedergeboren waren. Man gehörte ja zu dem Volk durch Geburt, und dann wurde bestätigt am achten Tag durch Beschneidung. Also das war eine Art Staatsvolkskirche, so ja. Das Volk Israel war wie eine Volkskirche. Der gehörte man nicht dazu durch Bekehrung, sondern durch Geburt und Beschneidung. Aber jetzt ist alles ganz anders.
Das, was der Herr Jesus bringt, das ist nur an Wiedergeborene, Bekehrte gerichtet. Und darum sagt der Herr Jesus im Neuen Testament nicht wie im Gesetz: Du sollst nicht ehebrechen. Es kann sein, dass einer eine Ehe führt, dann bricht er nicht die Ehe, aber dann war es auch schon alles. Aber im Neuen Testament sagt der Apostel Paulus in Epheser 5, dass die Männer die Frauen lieben sollen wie Christus, der sich hingegeben hat. Das ist ein ganz anderer Maßstab. Du sollst nicht stehlen. Im Epheserbrief heißt es: Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern wirke vielmehr das Gute mit seinen Händen, damit er dem Bedürftigen mitzuteilen habe. Man kann nichts stehlen, aber auch nichts geben. Die Gebote sind auf viel höherer Ebene, weil sie für Wiedergeborene gelten.
Und darum haben wir in Galater 5 ausführlich beschrieben, was es heißt, das Leben im Geist. Der Geist Gottes ist die Kraft im Gläubigen, um das zu tun, was Gott gefällt. Und das Fleisch, das ist die von Adam geerbte böse Natur. Die Werke des Fleisches, Galater 5, Vers 19: Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind? Hurerei. Griechisch porneia bezeichnet jeglichen Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe, vor und neben der Ehe. Unreinigkeit, da ist vieles eingeschlossen. Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei. Griechisch pharmakeia meint Okkultismus und Drogenmissbrauch. Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten. Ja, das ist ein Werk des Fleisches, wenn man zu den Zeugen Jehovas gehört. Neid, Totschlag, Trunkenheit, Gelage und dergleichen. Von denen ich euch vorhersage, gleich wie ich auch vorhergesagt habe, dass die solches tun, das Reich Gottes nicht ererben werden.
Und dann der Gegensatz: Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. Also die wahren Gläubigen, die werden durch den Geist Gottes geleitet, und dadurch bekommen sie die Kraft von Gott, um gottesgemäß zu leben, gemäß dem Gesetz des Christus. Also keine Gesetzlosigkeit, aber man muss an die Freiheit denken. Ja, durch die Wiedergeburt bekommen wir das Leben des Herrn Jesus, und dieses Leben will gar nichts anderes als das, was Gott will.
Wenn man mir sagen würde: Iss da diese Schokolade, sagen wir schwarze Schokolade, dann ist das ein Gebot, ja? Aber ich muss mir nicht unbedingt anstrengen, weil etwas schwarze Schokolade, das finde ich wunderbar. Und das ist für mich ein Gesetz der Freiheit, weil es ja sowieso das ist, was ich eh will, oder? Vielleicht hätte ich ein besseres Beispiel nehmen können. Es ist mir einfach so gerade eingefallen. Aber es geht mir einfach darum zu zeigen: Das ist die Freiheit, dass wir jetzt gemäß diesem neuen Leben, gemäß der Kraft des Heiligen Geistes leben können. Das ist die Freiheit. Nicht fleischlich leben, das ist gar keine Freiheit, das ist Sklaverei, sondern gemäß dem neuen Leben und gemäß der Kraft des Heiligen Geistes. Und das wird uns so wunderbar in Galater 5 und 6 vorgestellt.
Und dann sagt der Apostel Paulus: Seht, welch einen langen Brief ich euch geschrieben habe mit eigener Hand. Eben am Schluss: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, zum siebten Mal Gnade sei mit eurem Geiste, Brüder! Amen! Das muss eingefahren sein. Am Schluss einfach noch Brüder, wir haben uns verstanden. Jetzt müsst ihr die Konsequenzen ziehen.

Schlussgebet und ergänzende Klärung zur jüdischen Praxis

Ja, wir wollen noch zum Schluss zusammen beten.
Herr Jesus, wir danken dir für dein Wort und auch für diesen Galaterbrief, der uns hilft zu verstehen, was du willst, was der Wille Gottes ist und wie das Leben der Gläubigen aussieht. Wir danken dir für diese vollkommene Erlösung und dafür, dass du uns auch befreit hast von diesem Zwang, dem Fleisch in uns zu gehorchen.
Und danke, Herr Jesus, dass du uns deinen Geist gegeben hast, der uns Kraft gibt, Gott gemäß zu leben. Hilf uns, dass wir wirklich auch nicht Dinge in unser Leben hineinlassen, die den Geist Gottes trüben und so diese Kraft von uns gehen lassen, sondern dass wir wirklich in Gemeinschaft mit dir vorangehen, so in diesem Gesetz der Freiheit, dem Gesetz des Christus, zu deiner Ehre. Amen.
Noch eine kleine Ergänzung: Das muss gesagt werden, sonst ist es ein bisschen verwirrend.
Der Apostel Paulus war ja bei dieser Konferenz dabei in Apostelgeschichte 15 und hat einmal ganz klar gemacht: Die aus den Heiden müssen sich nicht beschneiden lassen, die müssen nicht unter das Gesetz von Sinai gestellt werden, ab 2. Mose 19.
Aber im nächsten Kapitel geht Paulus auf die zweite Missionsreise und beschneidet Timotheus. Da wollte man sich fragen: Was ist jetzt geschehen? Aber es wird ganz klar gesagt, er hat eine jüdische Mutter und war damit Volljude. Und der Apostel Paulus hat ihn beschnitten, nicht damit er gerettet wird, sondern um der Juden willen.
Und das war eben die Freiheit für die jüdischen Christen, die wussten: Wir sind nicht mehr unter dem Gesetz. Ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben. Also habe ich für mich in Anspruch genommen: Der Herr Jesus ist für mich gestorben, und dann bin ich nicht mehr unter Gesetz, denn das Gesetz gilt nur so lange, wie jemand lebt.
Ja, also nicht mehr unter dem Gesetz. Das ist wie beim Schweizer Gesetz: Wenn jemand eine Bank überfallen hat, wird er verfolgt, bis er, sagen wir, mit seinem Auto in eine Betonmauer rast, und dann wird die ganze Strafverfolgung aufgehoben. Das Gesetz gilt nur so lange, wie jemand lebt.
Aber wenn ein Jude zum Glauben kommt und sich eins macht mit dem Herrn Jesus und seinem Tod, was er auch in der Taufe ausdrückt, dann ist er nicht mehr unter dem Gesetz von Sinai. Was ich aber lebe, lebe ich durch Glauben, Christus lebt in mir.
Und jetzt ist es aber so: Die jüdischen Christen haben die Freiheit weitergenommen, als Zeugnis für die Juden weiterhin Beschneidung durchzuführen. Paulus ging in den Tempel und wollte Opferkosten für jüdische Brüder übernehmen, in der Apostelgeschichte also kein Problem.
Das ist das Prinzip von 1. Korinther 9: Ich bin denen, die unter Gesetz sind, geworden wie unter Gesetz, damit ich sie gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich sie für Christus gewinne.
Und das ist ein wichtiger Punkt in der Judenmission. Die meisten Juden haben die größte Angst, sie würden ihr Jüdischsein verlieren, wenn sie sich bekehren. Und dann muss man ihnen zeigen: Nein, das ist überhaupt nicht wahr. Das ist ja die Erfüllung dessen, was eure Väter immer erhofft haben. Also ihr habt gerade das Ziel des Jüdischseins erlebt, erfahren, aber natürlich noch viel mehr dazu.
Und darum ist das in der Judenmission eine Hilfe, wenn Juden das so machen wie der Apostel Paulus. Aber Titus wurde nicht beschnitten. Also jeder, der eben keine jüdische Abstammung hat, der darf das nicht auf sich anwenden: Ich bin denen, die unter Gesetz sind, geworden wie unter Gesetz. Das geht nicht.
Das hat der Apostel Paulus ganz strikt getrennt. Timotheus konnte er beschneiden um der Juden willen, aber Titus, der wurde nicht beschnitten, denn er hatte keine jüdische Abkunft.
Und so ist es kein Widerspruch zum Galaterbrief, was der Apostel Paulus da in der Apostelgeschichte gemacht hatte, sondern das war und gehörte mit zu diesem Wunsch, dass die Juden erreicht werden: das Evangelium dem Juden zuerst.
Aber diese Dinge dürfen wir nicht vermischen, und das wird heute eben so oft gemacht, indem man einfach quer herum nichtjüdische Gläubige dazu bringt, auch Passa zu feiern und Laubhütten und so weiter. Das ist ein reines Durcheinander.
Die Gemeinde ist etwas völlig Neues, das muss man unterscheiden. Gott hat das jüdische Volk eingesetzt als irdisches Volk Gottes, die Gemeinde als himmlisches Volk Gottes. Aber diese Dinge dürfen wir nicht vermischen.
Und wenn wir das so stehen lassen, wie die Bibel das tut, dann haben wir nachher kein Durcheinander, sondern auch Klarheit in der gesunden biblischen Lehre.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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