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Das Problem des Zweifels

15.06.2026
SerieTeil 2 / 2Offene Abende in Hunzenschwil (evangelistische Vorträge)
Zweifel ist mehr als eine Kopf-Frage: Leid, Enttäuschung und gute Gegenargumente können dein Vertrauen kippen. Doch es gibt einen Weg zu echter Gewissheit – ohne billige Antworten.

Einführung in das Thema und geistliche Einstimmung

Herzlich willkommen zu diesem Vortrag heute Abend mit dem Thema „Das Problem des Zweifels“.
Ich erinnere nochmals daran, wie das Thema vorgestellt und angekündigt worden ist: Die verborgene Ursache des Zweifels und sein Ausweg.
Die Frage nach Gott stellt sich früher oder später jedem von uns. Manchmal schieben wir sie im Alltag beiseite, oft ganz bewusst: Der Glaube an Gott und die Bibel ist doch überholt, warum sollte ich mich damit beschäftigen? Doch ist das wirklich so? Und warum fällt es uns heute so schwer, an Gott zu glauben? Gibt es überhaupt gute Gründe für den christlichen Glauben? Und was sind die Argumente, der Bibel wirklich zu vertrauen?
Der Vortrag geht den inneren und äußeren Ursachen des Zweifels auf den Grund, zeigt die Auswirkungen von Zweifel auf Denken, Vertrauen und Handeln und sucht gleichzeitig nach einem tragfähigen Ausweg. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Mensch trotz Unsicherheiten zu echtem Vertrauen, zu freudiger Gewissheit und zu innerem Halt finden kann.
Viel, viel steht also für diesen Abend auf dem Spiel. Und ich möchte darum auch diesen Abend unter Gottes Segen stellen. Wir wollen noch beten. Sie bleiben einfach sitzen.
Herr Jesus Christus, danke, dass wir hier diesen Abend miteinander verbringen dürfen und über tiefe Fragen des Glaubens nachdenken, über Fragen der Bibel und über Fragen der Existenz Gottes. Und so möchten wir dich bitten, dass du dich selbst als der Lebendige erweist und dass du diesen Abend reich segnest für jeden, der da ist. Du siehst, wir sind Menschen aus ganz verschiedenen Hintergründen, ganz unterschiedlichen Herkünften, und du kannst wirken, dass jeder von diesem Abend einen Gewinn haben darf, von dir. Amen.

Was Zweifel eigentlich ist

Es geht um das Thema Zweifel, und ich weiß noch: Als Teenager hatte ich einen Deutschlehrer. Das war wirklich ein Philosoph, und er lebte in einer ganz anderen Welt. Manchmal wurde er von uns Teenagern aus dieser anderen Welt herausgerissen, aber er wollte ständig mit uns definieren und uns logisches Denken beibringen.
Sobald es um das Thema Definition ging, kam er in jeder Stunde wieder mit den Worten: Jetzt wollen wir diesen Begriff einmal richtig definieren. Da hat er uns beigebracht: Definitio fit per genus proximum et differentiam specificam. Also muss man zuerst das Nächste definieren. Der Hund ist, was ist das nächstliegende? Die größere Kategorie: ein Tier. Und dann et differentiam specificam, also: Was sind dann noch die speziellen Eigenheiten, sodass eben ein Tier nicht einfach ein Tier ist, sondern ein Hund? So mussten wir das definieren, ständig, ständig, ständig.
Damit haben wir allerdings gelernt, wirklich klar in Begriffen zu denken. Aber das mache ich jetzt nicht so. Ich mache es einfach so, wie normale Menschen das machen. Und zwar können wir definieren: Zweifel ist einfach ein Bedenken, ob etwas wahr ist oder nicht. Es ist auch eine schwankende Ungewissheit darüber, ob man etwas glauben soll oder ob etwas eben nicht glaubwürdig ist. Es ist ein Zustand von Unsicherheit im Denken und im Fühlen.
Interessant: Es geht heute Abend also nicht nur um Denken, sondern um Denken und Fühlen. Es geht um den ganzen Menschen. Es ist also ein Zustand von Schwanken. Zweifel ist ein Schwanken, ein ernsthaftes Miteinbeziehen der gegenteiligen Meinung. Das macht eben die Unsicherheit aus. Ja, es gibt ja diese Meinung, es gibt jene Meinung, und die andere Meinung möchte man eben auch mit einbeziehen.
Darin äußert sich Zweifel oft gerade in Unentschiedenheit. Und Zweifel kann sich steigern, er kann sich steigern bis zur Verzweiflung. Aber es gehört alles mit zum Thema.

Klangbilder von Gewissheit und Unsicherheit

Und Sie sehen, ich habe keine PowerPoint vorbereitet. Das hilft ja oft, Dinge über das Auge besser aufzunehmen. Aber dafür habe ich mir überlegt, wie ich das Thema über das Gehör illustrieren könnte, anstatt mit Bildern.
In der Musik spielen diese Themen eine ganz grosse Rolle. Es ist ja so: Die Tonarten in der Musik haben schon als Tonart eine Aussage. Zum Beispiel die Tonart der Sicherheit, der Gewissheit, der klaren Basis – welche Tonart ist das? Genau, C-Dur. Das ist die Tonart, die nur mit weissen Tasten gespielt wird. Alles ist so klar wie die weissen Tasten.
Darum ist es in der Musik immer wieder genau diese Tonart, die das ausdrückt. Bachs Wohltemperiertes Klavier beginnt ja mit dem Präludium in C-Dur, und da sind wir schon wieder in C-Dur. Es strahlt, es ist alles klar, es ist alles gewiss. Und so endet es dann auch am Schluss mit einem mächtigen C-Dur-Akkord.
Die gegenteilige Tonart ist Moll, ja, aber wir haben ja ganz viele Möglichkeiten von Moll. Wir haben 24 Tonarten, Dur und Moll. Jetzt haben wir nur von C-Dur gesprochen, aber was ist die Tonart von Zweifel bis hin zu Verzweiflung? B-Moll. Die ist auch sehr dunkel. Aber ein Tschaikowski-Klavierkonzert beginnt ja so: Es ist schon dunkel, aber es ist nicht Verzweiflung.
Ja, C-Moll: Als Beethoven begann, sein Gehör mehr und mehr zu verlieren, da hat er die Fünfte geschrieben und so weiter. Das ist diese dunkle Tonart, aber am Schluss kommt er dann auf C-Dur. Er überwindet die Verzweiflung am Schluss. Das ist eine sehr, sehr eindrückliche Wende zu C-Dur.
Ja, und wenn ich vielleicht noch etwas als Beispiel nehme: Ich spiele jetzt einen Akkord, und bitte, sagen Sie mir, welches Stück das ist. Nein, wie? Ja, da hat jemand schon mit viel Fantasie weitergedacht, aber ich mache es jetzt, jetzt ist es klar. Das ist die Pathétique, ja, aber in dem dunklen C-Moll. Ja, also diese dunkle Tonart drückt das aus. Und so kann man in der Musik alles Mögliche ausdrücken.
Aber es ist ja so: Wenn wir solche offenen Abende machen, an denen wir gerade auch viele Gäste einladen, ist es uns wichtig, dass sie sich hier wohlfühlen. Darum machen wir immer eine musikalische Umrahmung, und Sie werden darum dann am Schluss auch noch den Chor hören.
Am Anfang habe ich gedacht: Ein Stück, das gerade das Thema Sicherheit und Gewissheit ausdrückt, das muss also C-Dur sein. Es geht aber zwischendurch eben auch nach C-Moll. So ist das Leben, nicht wahr? Dass man Gewissheiten hat und plötzlich ändert es sich. Aber es wird dann schliesslich wirklich auf C-Dur enden. Und das ist das Rondo, Opus 51, C-Dur von Ludwig van Beethoven. Achten Sie darauf: Das Thema, das sechsmal kommt, manchmal ein bisschen abgewandelt, das ist C-Dur. Das drückt diese Gewissheit aus. Und dann, in den Zwischenteilen, da merkt man eben auch die Nöte des Lebens. Sie haben gemerkt: C-Dur, Gewissheit, so hört es auf.
Wie würde das klingen in der Musik des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts? Also für die, die DRS 2 am Abend ab und zu hören, nicht wahr: Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, nachdem im Jahrhundert davor der Atheismus und der Agnostizismus aufgekommen sind in Europa – also: Es gibt keinen Gott, oder man kann es gar nicht wissen, und darum muss man sich auch nicht gross damit beschäftigen –, hat das eine Wende gebracht. Man begann Musik zu schreiben und zu machen, die nicht mehr mit Tonarten etwas zu tun hat, sondern völlig frei von Tonarten ist. Und eigentlich drückt das die Verzweiflung des modernen Menschen aus.
Im Musikstudium musste ich natürlich alle Epochen vorweisen: Barock, Klassik, Romantik und auch Neuzeit. Aber das habe ich gehasst. Nur war mir klar: Ich drücke nicht mein eigenes Befinden aus, aber das vieler meiner Kollegen. Zum Beispiel so.
Ja, aber so hat mein Kompositionslehrer komponiert, einer der grossen Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts. Er ist vor Jahren verstorben, so hat er komponiert, und zwar aus Überzeugung.
Ja, also Sie sehen, es ist mir wichtig zu zeigen: Das ganze Thema Zweifel betrifft unseren ganzen Menschen, unser Denken und unser Fühlen.

Äussere Auslöser: Fragen, Bücher und historische Verankerung

Und wir können uns jetzt einmal Gedanken machen: Woher kommen Zweifel, oder was löst Zweifel aus?
Zuerst einmal gibt es die intellektuellen Fragen. Wenn Menschen beginnen, die Bibel zu lesen, ohne einen Bezug zum christlichen Glauben zu haben, kommen sie schnell zu der Meinung, die Bibel sei ein Buch voller Widersprüche. Und wenn man sie liest, gibt es so schwer verständliche Passagen, oder es gibt irgendwie Probleme mit der modernen Naturwissenschaft. Dann hört man auch philosophische Einwände: Ein Gott der Liebe kann ja so und so handeln. Und das löst Zweifel aus.
Aber es gibt auch bestimmte Bücher, die Zweifel auslösen können. Zum Beispiel war das Buch von Richard Dawkins vor etwa zwanzig Jahren ganz populär und hat schließlich die Zwei-Millionen-Marke gebrochen, mit dem Titel Der Gotteswahn. Das hat viele verunsichert. Er hat zwar auch ganz massive philosophische Kritik bekommen, sogar von Atheisten, die sagten, dass er da schreibt. Eigentlich schreibt er über Glauben und Gott und hat so ziemlich keine Ahnung von Theologie; er ist Biologe. Aber eben: Das hat viele, sehr, sehr verunsichert, Der Gotteswahn von Richard Dawkins.
Dann können aber auch einfach bestimmte Aussagen, die man so von anderen hört, Zweifel auslösen. Wenn andere sagen: Ja, die Bibel, das ist ein Märchenbuch. Das kann manche davon abhalten, überhaupt jemals die Bibel für sich selbst durchzulesen. Und vielleicht gerade an dieser Stelle, das hat mich nämlich kürzlich jemand in die Kommentare der Livestreams hineingeschrieben, ist es unglaublich, dass man heute noch an so ein Märchenbuch glauben kann wie die Bibel.
Aber ich lese Ihnen einmal vor: Hänsel und Gretel. Nicht das ganze Märchen, aber doch eine kleine Kostprobe:
Es war einmal ein armer Holzfäller, der mit seinen Kindern Hänsel und Gretel am Rande eines großen Waldes lebte. Ihre Mutter war gestorben, und der Vater hatte wieder geheiratet. Eines Nachts hörten die Kinder, wie die Stiefmutter heimlich zum Vater sprach: Alle unsere Vorräte sind leer. Wir haben nur noch einen halben Leib Brot. Die Kinder müssen fort. Wir sollten sie tief in den Wald führen, damit sie den Weg nicht wieder herausfinden, sonst müssen wir alle verhungern. Dem Vater wurde es schwer ums Herz, doch er gab nach und willigte ein. Als die Alten schliefen, begann Gretel zu weinen. Hänsel tröstete sie: Weine nicht, versuch zu schlafen, der liebe Gott wird uns schon helfen.
Und schließlich kennen das die meisten ja. Ich habe zwar gemerkt, dass jüngere Leute das gar nicht mehr kennen. Ja, aber ich mache jetzt keine Reklame dafür, dass man das nachholen sollte. Früher war das einfach selbstverständlich, wir kannten alle diese Märchen. Und die gingen dann eben zu viert tief in den Wald hinein und bekamen aber noch beim Losgehen etwas Brot. Hänsel hat dann kleine Brosamen gemacht und sie immer auf den Weg geworfen, damit er den Heimweg wiederfinden würde. Und dann kommt die ganze Sache bis hin zum Hexenhaus und so weiter.
Ja, das ist ein Märchen. Woran merkt man das? Ja, schon an der Formulierung: Es war einmal ein armer Holzfäller. Ich möchte wissen: Wann war das? Im Mittelalter? Sagen wir zur Zeit von Karl dem Großen, 800 nach Christus? Das wird nirgends beantwortet. Es war einmal. Aber eben: Es war nie. Das will das sagen. Das ist nicht irgendwo in der Geschichte verankert.
Ja, aber dann haben wir gelesen: Sie lebten da am Rande eines großen Waldes. Und die Frage ist für mich: Ist das vielleicht der Schwarzwald? Und am Rande, das würde passen, so heute Freiburg im Breisgau. Ich war gerade am Rand, und dann kommt man da in den Schwarzwald hinein. Und das wird auch nicht gesagt. Keine geografischen Angaben, das heißt, das Ganze ist nicht in Raum und Zeit verankert.
Und jetzt lese ich aus der Weihnachtsgeschichte, Lukas 2:
Es geschah aber in jenen Tagen, dass eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging, die ganze Oikumene einzuschreiben. Also: Es wird gleich datiert. Das war zur Zeit von Kaiser Augustus. Das war ja dieser Kaiser, der nach 25 Jahren Herrschaft, das waren dann gerade zwei vor Christus, als Vater des Vaterlandes ausgerufen wurde. Und da mussten alle einen Treueeid ablegen und mussten da natürlich eingeschrieben werden.
Und man liest weiter: Die Einschreibung selbst geschah als erste, als Kyrenius Statthalter von Syrien war. Ach so, jetzt wird noch ein Statthalter erwähnt, der in dieser Zeit wirkte. Das wird also richtig historisch verankert, sodass man genau weiß, in welcher Zeit das war.
Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, jeder in seine Stadt. Es ging aber auch Joseph von Galiläa aus der Stadt Nazareth, die Region Galiläa, Nordisrael, und es war die Stadt Nazareth, da oben oberhalb der Ebene von Hamagedon, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt. Auch da wird ganz genau gesagt, wo und wohin. Es ist alles in Raum und Zeit verankert.
Und das ist nicht nur in der Weihnachtsgeschichte so, sondern das zieht sich durch die ganze Bibel hindurch. Es gibt ein chronologisches System, in dem die Jahreszahlen ständig angegeben werden, von Anfang an, ununterbrochen, ohne Unterbruch durch das ganze Alte Testament hindurch und dann mit einer Brücke hinüber ins Neue Testament und dort ohne Unterbruch bis ins Jahr 70, bis zum Untergang von Jerusalem und des jüdischen Tempels.
Das ist ganz anders, wenn jemand sagt, das ist ein Märchenbuch. Da muss man sich überlegen: Was ist ein Märchen? Und was ist das, wenn ein Buch ganz genau verankert ist in Raum und Zeit? Dann ist das eben gerade der Gegensatz zu einem Märchen. Und dann kann man es eben auch überprüfen, nicht wahr?
Wir können jetzt nicht nach Freiburg im Breisgau gehen und suchen, ob man da irgendwo ein Holzfällerhaus, also ich meine die Überreste, noch die Fundamente und so, finden würde. Und irgendwelche Spuren, also die Brosamen von Hänsel, die muss man nicht mehr suchen. Aber eben: Ich sage, das lässt die Bibel eben überprüfbar werden. Und darum der Test der Archäologie. Wir kommen noch darauf zu sprechen. Das ist sehr, sehr wichtig.
Aber eben, es gibt auch andere Gründe, die Zweifel verursachen können. Wir haben gesagt: intellektuelle Fragen, die aufkommen, bestimmte Bücher, die verunsichern, oder bestimmte Aussagen. Und dann seelische Belastungen. Die können auch starke Zweifel, nicht nur an Gott und an der Bibel, auch an sich selbst, auslösen.

Innere Belastungen, Leid und Vertrauensbrüche

Also zum Beispiel: Ganz schweres Leid, schwere Trauer oder erlebte Ungerechtigkeit im persönlichen Umfeld können völlig destabilisieren. Dann weiss man nicht mehr richtig, was eigentlich richtig und was falsch ist.
Und es ist auch so: Nicht nur Ungerechtigkeit im persönlichen Umfeld, auch globale Krisen können totale Zweifel auslösen. Was denken Sie, was das in den Seelen von Israelis ausmacht? Jetzt dachte man, wir haben so einen guten Freund in Amerika, der als Präsident zu uns steht wie noch nie jemand in der ganzen Geschichte. Und jetzt plötzlich dreht er sich und wird irgendwie wie zum Feind. Das destabilisiert. Das ist aber ein weltpolitisches Phänomen. Wem kann man noch glauben? Wo findet man richtige Freunde?
Und dann kann es eben auch so in persönlichen Schicksalen sein. Ich denke da gerne an Charles Darwin, den Vater der modernen Evolutionslehre. Alles hätte sich selber entwickelt, alles Leben hätte sich selber entwickelt, es brauche keinen Schöpfergott. Ja, der war ja gottgläubig, sonst hätte er nicht Theologie studiert. Er hat ja doch Theologie studiert bis zum Bachelor, aber dann wollte er doch nicht mehr. Also war das doch nicht so ganz sein Ding. Aber eben, gottgläubig war er.
Ein wichtiger Auslöser war, dass seine Lieblingstochter starb. Da könnte jetzt jemand sagen: Darf man überhaupt eine Lieblingstochter haben? Er hatte eine, und die hiess Anne. Anne starb mit zehn, und das war für ihn damals so schlimm, dass er innerlich mit Gott einen Bruch vollzog. Und das war alles noch Jahre bevor er dann das erste Evolutionsbuch schrieb, über die Entstehung der Arten, 1859. Also da geht es um die Lebewesen, die sich selber entwickelt hätten, ohne dass es einen Schöpfer braucht. Von Menschen spricht er noch nicht. Das kam dann erst einige Jahre später, in den Siebzigerjahren, Achtzigerjahren, in der Abstammung des Menschen. Da sagt er: Natürlich, das gilt für die Menschen genauso wie auch für die Pferde und für die Löwen in dem Sinn.
Ja, und zuerst im Herzen durch ein ganz schweres Erlebnis, ein Bruch mit Gott, und dann hat das eben grosse Auswirkungen gehabt. Es hat unzählige Menschen zu seiner Zeit und dann auch später verunsichert und Zweifel an der Bibel geweckt.
Natürlich erlebt man oft, wie Menschen sagen: Es gibt in dieser Welt so viel Krieg und Hunger und etwas ganz besonders Schlimmes, Kindsmissbrauch. Und Menschen fragen: Warum lässt Gott Leid zu? Warum greift er nicht ein?
An dieser Stelle möchte ich etwas aus dem Propheten Jesaja vorlesen, das sehr hilfreich sein kann. Jesaja 55,8: Gott sagt: Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Hier wird ausgesagt, dass Gottes Denken ganz anders ist als unser Denken. Aber nicht nur anders, das war ja auch das Denken von meinem Philosophie-Lehrer, das war auch ganz anders. Aber hier ist es so viel höher, nämlich wie der Himmel über der Erde. Und wenn man an das Universum und an die weitest entfernten Galaxien denkt, die das Webb-Teleskop fotografiert hat, dann ist das eine solche Distanz. Man schätzt, theoretisch müsste das Licht, das 300 Kilometer pro Sekunde zurücklegt, also ungefähr siebenmal um die Erde in einer Sekunde, sagen wir, 13 bis 14 Milliarden Jahre unterwegs sein, bis es von dort dahin ist.
Wenn Gott sagt: Meine Gedanken sind höher als eure Gedanken, dann heisst das einfach, wir müssen zugeben, wie beschränkt wir sind. Ich denke da gerne an diese scheinbar grausame Geschichte: ein Vater im Zug mit seinem Jungen, und jedes Mal, wenn er versucht einzuschlafen, weckt der Vater ihn auf. Und das die ganze Zeit, auf einer langen Zugfahrt. Da hat sich dann wirklich jemand den Mut zusammengerafft, um schliesslich zu sagen: Was sind Sie für ein Vater? Dem Kind so umzugehen, das macht man doch nicht!
Und da hat er erklärt: Der Junge hat die Schlafkrankheit, und wir sind unterwegs zur Behandlung. Und wenn er einschlafen würde, dann würde er garantiert nicht mehr wachen. Darum musste ich ihn immer wecken. Hätte man alles gewusst, dann hätte man alles anders beurteilt. Und so ist das: Wüssten wir alles, dann würden wir auch die Dinge des Lebens anders einstufen.
Und das hilft eben, dass Gott so anders ist, aber nicht nur anders, sondern so viel erhabener im Denken als wir. Und eben, wie schon angedeutet, Zweifel können durch Leid ausgelöst werden, durch schwere Belastung in der Seele und überhaupt durch Krisen wie Umbrüche im Leben, wie Krankheit, schwere Krankheit plötzlich. Nicht wahr, man lebt irgendwie normal, und plötzlich kommt eine Diagnose, die einfach das Fundament unter den Füssen wegreisst. Oder eben der Verlust von einem lieben Menschen im persönlichen Umfeld. Und das kann das Vertrauen so erschüttern.
Oder zum Beispiel gerade, wenn man durch Freunde enttäuscht wird. Das macht etwas mit uns, das kann man nicht einfach so locker vom Hocker ertragen. Wenn Vertraute sich als untreu erweisen, einen Stich lassen, dann kann eben so etwas ausgelöst werden.

Vertrauen, Familie und frühe Prägungen

An dieser Stelle möchte ich etwas aus der Bibel vorlesen. König David schreibt im Psalm 27, offensichtlich als junger Mensch, in Psalm 27,10 oder im Blick auf seine Jugend und Kindheit: Wenn mich mein Vater und meine Mutter verlassen, so nimmt mich der Herr auf. Lehre mich deinen Weg und leite mich auf ebenem Pfad um meiner Feinde willen.
Wenn jemand das erlebt, dass Eltern, also Menschen, die einem so nahe sind, einen aufgeben oder verlassen, dann erschüttert das. Das kann dazu führen, dass man zu niemandem mehr Vertrauen hat. Ich weiß, es gibt Menschen, die die Schwierigkeit haben, dass sie kaum jemandem vertrauen können. Da ist immer Zweifel da. Aber auch dafür gibt es Hilfe und Lösung.
Natürlich ist es auch eine große Hilfe, wenn man die Erfahrung macht, die uns in Sprüche 17 von Salomo vorgestellt wird. Das ist etwas, das sich jeder wünschen kann: Sprüche 17: Ein Freund liebt zu aller Zeit, und als Bruder für die Bedrängnis wird er geboren. Also ein Mensch, auf den wirklich Verlass ist, und zwar gerade dann, wenn es schwierig wird. Zu aller Zeit, nicht nur zu gewissen Zeiten. Zu aller Zeit. Und man merkt: Der ist eigentlich genau auf die Welt gekommen, um mir in der Drangsal beizustehen. Das ist grandios.
Aber wenn man das Gegenteil erlebt, kann das einfach total verunsichern. Dann zweifelt man an allem, eben auch an der Bibel und an Gott. Vielleicht noch etwas im Zusammenhang mit natürlichen Erfahrungen: Ich habe jetzt gesagt, wenn man einen solchen Freund erlebt hat, der so zu einem steht, durch alles hindurch, dann ist das etwas sehr Kostbares. Aber es gibt auch eine Einrichtung des Schöpfers, die hilft, dass wir überhaupt ein Grundvertrauen bekommen. Das ist aber nicht nur davon abhängig. Gerade als Vorwarnung: In Psalm 22,10 lesen wir ein Gebet an Gott gerichtet: Doch du bist es, der mich aus dem Mutterleib gezogen hat, der mich vertrauen ließ an meiner Mutterbrust.
Also das Stillen des Kindes. Man kann das auch erklären, was da dahintersteckt, was auch biologisch abläuft, neben dem Seelischen, weil es zusammengehört, eine Einheit bildet und eine starke Bindungs- und Vertrauensfähigkeit ermöglicht. Darum: Wenn man kann, stillen. Aber das geht ja nicht immer. Da muss man auch nicht verzweifeln. Es gibt noch andere Faktoren. Aber eben: Ein liebevoller Umgang in der Familie, Zuverlässigkeit einander gegenüber, das stärkt das Vertrauen, wenn man aufwächst.
Und da sind wir natürlich unterschiedlich. Gewisse sind in Situationen hineingeboren, die für sie gar nicht ideal waren. Und dann kann es auch sein, dass man eher Zweifel hat als andere. Aber wir werden sehen: Es gibt die Lösung, es gibt die Antwort auf Zweifel.
Ja, und da sind wir wieder beim Thema angelangt. Jetzt habe ich gerade von der Familie gesprochen und auch von der Wichtigkeit, dass die Familie Sicherheit vermittelt beim Aufwachsen der Kinder. Wenn sie ganz klein sind, wenn sie etwas grösser sind, dann im Teenageralter ganz besonders. Dort fällt das alles weg. Ich weiß noch, wie das war: nicht mehr wickeln. Ja, das braucht wirklich viel Energie, viel Zeit. Oder warten, das Kind ist auf dem Hafen. Gut, ich habe dort dann jeweils auch Bücher gelesen und Hebräisch gelernt. Aber nicht nur, ich habe mich mit den Kindern beschäftigt, und ich habe den Kindern auch Geschichten erzählt.
Also, das Umfeld in der Familie ist so etwas Wichtiges, das Vertrauen weckt. Aber gerade das familiäre Umfeld kann auch eine Umgebung sein, in der Skepsis und Zweifel normalisiert werden, in der man von klein auf hört: Gott gibt es nicht, Gott gibt es nicht. Wenn man mit Kindern zu tun hat, das wissen viele, dann stellt man fest, dass da so ein Grundvertrauen da ist, ganz natürlich. Ob Kinder aus atheistischen Familien kommen oder aus christlichen Familien, irgendwie sind sie offen für den Gedanken eines Schöpfers, für den Gedanken eines gütigen Gottes und so weiter.
Aber ich habe das mal erlebt. Ich will jetzt nicht den Namen nochmals nennen. An diesen Namen denke ich: Anna hieß sie, Anna Katharina. Die ging mit unserer Jüngsten in den Kindergarten, und die sagte: Gott existiert nicht. Gut, die war zugezogen aus unserem nördlichen Bundesland, aber eben. Und die hat dann auch argumentiert. Da musste ich wirklich denken: Da hört man his master’s voice, also wirklich genau kopiert, was Erwachsene sprechen. So spricht kein Mädchen im Kindergarten. Aber wenn man in einem solchen Umfeld aufwächst, dann wird man davon beeinflusst, und eben dieses Grundvertrauen wird genommen.
Und da sind wir natürlich auch alle aus ganz unterschiedlichen Umständen groß geworden oder werden groß. Wir haben ja wirklich alle Altersgruppen vertreten, das ist toll. Ja, und dann ist es natürlich auch so: Die Umgebung ist nicht nur die Familie, sondern auch die Schule. Und in der Schule, aber dann auch mit den Massenmedien, da werden wir mit Botschaften berieselt, die eben Zweifel wecken.
Ich kann ein bisschen von mir erzählen, wie das war. Ich kann mich erinnern: vierte Klasse, Primarschule. Der Lehrer war jung und sehr sympathisch, ich fand ihn wirklich toll. Und dann plötzlich hat er die Evolutionslehre gebracht. Das haut jetzt niemanden vom Stuhl, nicht hier. Aber ich bin doch vor einigen Jahren geboren, und das war ein bisschen anders als 2026. Das war nämlich nicht normal. Kein Lehrer brachte im Primarschulunterricht, also auf der Grundschule, das Thema Evolution. Und er dachte wohl, die Kinder sollten das eigentlich wissen, wer sie sind, woher sie kommen usw. In guter Absicht hat er das gebracht und uns beigebracht, dass wir eben so aus einer ausgestorbenen Affenart heraus entstanden sind. Ich sehe jetzt noch die Bilder von mir im Heft.
Ja, und ich habe von Anfang an widersprochen. Das stimmt nicht, in der Bibel steht es ganz anders. Und dann hat mir der Lehrer erklärt: Ja, das ist eben so, weil deine Eltern dir das sagen. Aber das ist einfach so, das ist Wissenschaft. Aber das hat mich überhaupt nicht erschüttert. Und ich wusste ganz genau: Das, was meine Mutter mir beigebracht hat, das stimmt absolut. Und das war natürlich nicht nur einfach kindliches Vertrauen in die Mutter. Ich habe auch gesehen, wie meine Mutter lebt, und ich habe auch gesehen, wie sie mit ganz schweren Lebenskrisen umgegangen ist. Sie hat schliesslich uns vier Kinder allein auferzogen und alles hineingelegt. Ja, und das hat für mich schon Gewicht gehabt, eben auch wie jemand lebt und wie sein Glaube eine Realität ist, überhaupt im Leben, im Alltag und im Leben allgemein.
Das hat mich also nicht erschüttert. Da habe ich klar widersprochen, und ich hatte auch einen Schulkollegen, der war genauso überzeugt und hat gesagt: Nein, das stimmt nicht.
Ja, und dann kam bald das Gymnasium. Mit zwölf musste ich von Dietikon nach Zürich jeden Tag. Es war damals schon eine rechte Reise, also ein bisschen anders als jetzt. Und meine Mutter hat mich dahin geschickt, weil ich ihr dauernd so Fragen gestellt habe über Geschichte und Archäologie usw. Und da hat sie gedacht: Am besten muss der aufs Gymnasium, dort bekommt er die Antworten, die er will.
Ja, und dann war das wirklich humanistische Bildung. Also heute, was da abgeht, davon bin ich gar nicht mehr überzeugt, was unser Bildungswesen betrifft. Aber das war noch richtig humanistische Bildung. Und sechseinhalb Jahre Latein schon am Anfang. Ich glaube, fünf oder sieben Stunden hatten wir pro Woche Latein. Ja, aber das war natürlich eine Umgebung, die rau war in Bezug auf die Bibel, in Bezug auf Gott. Es gab viel Diskussionen und Auseinandersetzungen mit Mitschülern, eigentlich die ganze Zeit. Aber ich fühlte mich gut. Ich fand das super, auch mit den Lehrern. Und in dieser Zeit musste ich mich also ständig mit den Herausforderungen des Glaubens auseinandersetzen.
Und jetzt muss ich erklären: Damals, mit zehn, nochmals vierte Klasse, das war auch die Zeit, wo meine Mutter mich mitgenommen hat, oder uns Kinder mitgenommen hat, nicht nur mich, an eine Evangelisation von dem Janz-Team. Das waren fünf tolle Brüder aus Kanada. Sie sprachen alle super Deutsch, mit etwas amerikanischem Akzent drin, aber wirklich, und sie waren super Musiker. Einer, Hildur Janz, das war ein ungewöhnlicher Tenor, ja, Berufsmusiker.
Und nun wurde aufgerufen: Wir müssen uns entscheiden für Jesus Christus. Und ich habe das gehört. Und meine Mutter hat mir gesagt: Möchtest du nicht nach vorne gehen? Ja, wieso? Ja, eben, wenn man sich entscheidet für Jesus Christus, dass man ihm ganz gehören will, dann kann man da nach vorne gehen. Gute Idee. Und das nächste Mal bin ich nach vorne gegangen. Und ich habe mich ganz bewusst mit zehn entschieden: Ich will mein Leben Jesus Christus übergeben.
Aber ich bin mir nicht bewusst, dass ich damals Schuld in meinem Leben bekannt hätte. Ja gut, jemand würde sagen: Ein Zehnjähriger, was hat der schon gemacht? Oh, ich wusste auch dann, was ein schlechtes Gewissen ist. Ein schlechtes Gewissen heißt, dass man etwas getan hat, von dem man genau weiß, es ist falsch, und man hat es trotzdem gemacht. Wirklich bewusst, nicht einfach: Ja, ich bin da reingetrampt. Ein Fettnäpfchen? Nein, ich habe mich wissentlich entschieden. Aber das war damals noch nicht. Das kam dann ein Jahr später, mit zwölf, dreizehn. Aber das war eine wichtige Basis.
Und ich habe erklärt: Auch damals war ich überzeugt, die Bibel stimmt. Dann kam ich ins Gymnasium, und da wurde ich dauernd herausgefordert. Und jetzt natürlich noch viel mehr als der Lehrer damals, mit Evolution und anderen Argumenten, auch philosophischen Argumenten. Ich musste mich damit auseinandersetzen, und der Glaube als Zehnjähriger hat sich damit als echt bewiesen. Es hätte ja sein können, dass ich da wirklich den Boden unter den Füssen verliere. Das gibt es, aber in meinem Fall war das nicht so. Und ich kann auch erklären, was da eine große Hilfe war.
Aber zuerst möchte ich die Linie ein bisschen weiterführen. Nach dem Gymnasium ging ich ans Konservatorium nach Zürich und an die Musikhochschule, da waren zwei Institutionen zusammen. Und ich war mit Geige im Konservatorium und mit Klavier an der Musikhochschule. Und dann habe ich etwas Interessantes entdeckt oder erlebt: keine Auseinandersetzung über den Glauben, praktisch kaum Diskussion darüber. Worüber sprachen wir? Über Musik. Und sonst? Ja, über Musik. Und sonst noch? Über Musik.
Das war für mich ein bisschen schwierig. Musik bedeutet mir so viel, aber andere Themen auch. Ich fühlte mich irgendwie fremd. Ich merkte, wie Musik den Menschen anspricht, weil sie eben den ganzen Menschen mit Seele und Geist anspricht. Der Körper wird durch den Rhythmus angesprochen. Jede Musik hat einen Rhythmus, und er spricht ganz stark unseren Körper an. Die schöne Melodie, die Harmonik, spricht unsere Seele an. Und die Struktur der Musik, der Aufbau einer Bachfuge, einer fünfstimmigen Bachfuge, das spricht stark unseren Geist an, wie das durchkomponiert und strukturiert ist.
Also der ganze Mensch wird angesprochen, und man fühlt sich wirklich wohl dabei. Und es ist so: Wenn ich so ein Rondo spiele wie vorhin, fühle ich mich nachher besser. Unglaublich. Das ist keine Droge, man kann aber eine Droge daraus machen. Und die waren so durch diese Musik erfüllt, dass die Frage nach Gott gar nicht präsent war. Es wird eine ganz andere Art von Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Leben und Glauben geben.
Aber eben, jetzt gehe ich zurück in die Zeit, wo die Auseinandersetzungen da waren.

Wie Zweifel sich konkret zeigen und was dagegen hilft

Und wie äussern sich Zweifel typischerweise? Kognitiv, also im Denken. Zweifel an der Vernünftigkeit und Zuverlässigkeit der Bibeltexte oder an der Existenz Gottes überhaupt.
Für mich war in dieser Zeit zum Beispiel ein wichtiges Erlebnis, dass mir jemand dieses Büchlein geschenkt hat, von einem amerikanischen Juden, John Meldau: Der Messias in beiden Testamenten. Darin beschreibt er, wie im Alten Testament, also lange vor Christus, Jesus Christus als Messias vorausgesagt wurde. Er sagt, das sei noch das Original von damals. Ich bekam das mit vierzehn. Ich habe sogar noch meine Anstreichungen darin. Ich habe gerade heute wieder hineingeschaut und gedacht: Oh, das ist aber ganz ordentlich. Ja, ich hätte etwas anderes erwartet, aber nein, ganz ordentlich.
Ich habe das studiert. Er schreibt, es gebe über 300 Prophezeiungen. Ich habe sie nicht alle ausgezählt, vielleicht etwa 70. Und dann, nach diesem Buch, war das für mich etwas Unglaubliches. In keiner Religion gibt es das, weder im Buddhismus noch im Hinduismus noch im Islam, dass jemand vorausgesagt wird und sich dann über 300 Prophezeiungen detailliert erfüllen: wo er geboren werden soll, in Bethlehem; dass er im Jahr 32 nach Christus als Fürst in Jerusalem auftreten wird; über die Jahrwochenprophetie von Daniel kann man das genau berechnen, auf das Jahr 32; dass er von der Masse seines Volkes aber abgelehnt werden wird; dass er gekreuzigt wird; dass Hände und Füsse durchgraben werden; und dass in der Folge Jerusalem von einer Armee gestürmt werden wird, so dass Jerusalem fällt und auch der jüdische Tempel. Und dass das jüdische Volk in der Folge über die ganze Welt zerstreut wird. Das hat sich alles ab dem Jahr 70 so erfüllt.
Ich war einfach nur überwältigt von diesem Buch. Dann habe ich mir gesagt: Oh, aber ich möchte jetzt alle Prophezeiungen haben. Also habe ich gesucht und gesucht nach einem Buch, aber ich habe keines gefunden, das das ergänzt hätte. Dann habe ich mir, und das ist wirklich mein Leben, historisch das, was ich jetzt da mache, eine Liste selber angefertigt. Da war ich sechzehn. Und da habe ich dann aufgeschrieben, was ich ja schon hatte aus seinem Buch: erstens, zweitens, drittens; da, zweite Seite, zwölf bis zweiundzwanzig, und so geht das weiter.
Ich mag mich noch an den Moment erinnern, als ich dann angekommen war bei 298, 299, 300. Und auch als ich das heute nochmals aus der Bibliothek herausgeholt habe, stand da: Oh, ganz ordentlich geschrieben alles. Ich hätte auch wieder etwas anderes erwartet, aber es war mir wichtig. Und dann 300, 301. Das hat mir so eine Gewissheit gegeben von der Wahrheit des Wortes Gottes. Darum habe ich natürlich in den Diskussionen das immer gebracht, auch mit den Lehrern. Und ich erlebte: Keiner kann das widerlegen. Keiner. Ja, dann ist es eben wahr, offensichtlich wahr. Und das hat mich sehr gestärkt.
In dieser Zeit habe ich mich dann eben mit diesen Themen beschäftigt. Da habe ich mich erinnert: Weil ich in Zürich das Vorrecht hatte, in die Schule zu gehen, bin ich dann in die Zentralbibliothek gegangen, das war unsere Universitätsbibliothek, und habe dort Bücher geholt. Ich weiss noch, ich habe ein Buch gefunden mit der vollständigen Jesaja-Rolle, die ich jetzt da vorzeige, die Jesaja-Rolle aus Qumran, also sieben Meter vierunddreissig lang. Sie können das nachher dann noch konsultieren, also ist es nicht das Original. Das wird ja jetzt ausnahmsweise in Jerusalem ausgestellt. Sie müssen sich aber einschreiben, und dann können Sie zehn Minuten hin und das Original anschauen. Dann raus, die nächste Gruppe will rein. Und das wird wahrscheinlich erst wieder in fünfzig Jahren nochmals durchgeführt werden. Also jetzt oder nie, oder ziemlich nie. Ja, aber da haben Sie die Kopie.
Die Beschäftigung mit Qumran hat gezeigt, wie genau die Bibel überliefert ist. Darum habe ich mich in dieser Zeit natürlich immer wieder mit der Frage auseinandergesetzt: Ja, die Bibel ist schon recht, aber sie ist ja immer wieder abgeschrieben worden, und da haben sich viele Fehler eingeschlichen. Und heute, mit den Qumran-Handschriften und den masoretischen Handschriften aus dem Mittelalter, sechstausend, die sich erwiesen haben als noch präziser als die Handschriften von Qumran und in ihrer Orthographie altertümlicher als diese Rolle aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, wo übrigens die Prophetie über das Sterben von Jesus Christus auch drin ist. Niemand kann sagen, das sei nachher da hineingeschmuggelt worden, sondern das ist schon da drin. Diese Rolle stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus.
Ja, und dann war das für mich natürlich immer eine Freude, wenn man sagt: Ja, die Bibel ist doch verfälscht worden. Ja, bitte. Da kann man eben auch heute sagen: Vom Neuen Testament gibt es etwa sechstausend Handschriften, im Alten Testament mehr als sechstausend Handschriften. Die kann man miteinander vergleichen, und so kann man auch herausfinden, wenn ein Abschreiber einen Fehler gemacht hat.
Aber jetzt erinnere ich mich wieder: Ich habe ja erzählt von dem Lateinunterricht. Da mussten wir zum Beispiel Cicero-Briefe, von einem grossen römischen Staatsmann, übersetzen. Und keiner meiner Kollegen hat gezweifelt, dass das, was wir da lasen, echt Cicero ist. Aber die gleichen Jungs hatten Zweifel, wenn es um die Bibel geht.
Jetzt ist es ja so: Bei diesen lateinischen und auch altgriechischen Klassikern ist es ja gut, wenn man von einem Werk, sagen wir, zehn Handschriften hat. Und üblicherweise hat die älteste Handschrift, die wir jetzt noch haben, einen Abstand von, sagen wir, tausend oder noch mehr Jahren zum Original. Keine Zweifel. Aber da, bei der Bibel, sofort!
Aber da, wo man keine Zweifel haben müsste: 6000 Handschriften nur vom Neuen Testament, und dann Handschriften aus allen Jahrhunderten, erstes Jahrhundert, also Zeit der Autoren, zweites Jahrhundert, drittes Jahrhundert, viertes Jahrhundert bis zur Zeit des Buchdrucks, fünfzehntes Jahrhundert. Da muss man nicht mehr abschreiben. Auch wenn es keine Handschriften mehr gab, wurde es gedruckt. Ja, kein Grund zu zweifeln. Aber bei den anderen Texten gäbe es Gründe zu zweifeln. Und dort hatten sie keine Zweifel.
Jetzt verstehen Sie auch: Das war so ein Grundanliegen mit diesem Thema heute, das Problem des Zweifels. Das ist doch komisch. Warum haben die Zweifel da, wo man keine Zweifel haben müsste, und da haben sie keine Zweifel, wo man durchaus Zweifel haben dürfte? Irgendetwas ist komisch, irgendetwas stimmt nicht.
Und ich möchte noch weitere Beispiele geben. Jetzt habe ich eben erklärt, es gibt diese Zweifel an der Vernünftigkeit des Glaubens, aber die kann man wirklich wunderbar beantworten. Also, wer Antworten haben will: Die Antworten sind da.
Und dann gibt es aber emotional das Erlebnis, dass jemand sagt: Ich habe das Gefühl der Distanz zu Gott, ich bin ganz weit weg. Und es gibt Leute, die haben sogar Wut, Enttäuschung, Gleichgültigkeit. Und ganz praktisch kann es so aussehen, dass gewisse Menschen einfach Zweifel haben an der Relevanz des Glaubens, weil sie so enttäuscht worden sind von Christen, von Fehlverhalten von Christen.
Ich mag mich erinnern, das wurde auch immer wieder an mich herangetragen. Ja, aber schau mal die ganze Geschichte an und was da geschehen ist. Und dann muss man sagen: Ja, die Bibel macht nicht den Anspruch, die Wahrheit zu sein, weil die Christen sich alle gut aufgeführt hätten, sondern die Bibel sagt: Wir müssen unser Leben mit Jesus Christus vergleichen. Und dann hat niemand von uns eine Chance. Wenn man die Evangelien liest, wie Jesus Christus war und wie er lebte und wie er mit der Wahrheit umging und wie er mit den Menschen umging, dann haben wir keine Chance. Und darum ist es wichtig, dass wir uns nicht vergleichen mit Menschen, die versagt haben. Das ist traurig, aber wichtig ist: Die Wahrheit hängt nicht von ihrem Versagen ab, sondern sie hängt von Jesus Christus ab. Und von ihm habe ich erklärt: Können wir beweisen, dass er wirklich der prophezeite Retter ist.
Und weiter gibt es natürlich diese Zweifel, die ganz existenziell sind. Ich brauche das Wort existenziell nie ohne Erklärung. Das heisst: Existenz ist klar, unser Leben. Wenn eine Frage existenziell ist, dann geht es um etwas, das wirklich unser Leben direkt betrifft. Und das sind Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach dem persönlichen Umgang mit Leiden.
Auch da gibt es so wunderbare Hilfe, und zwar weil wir in der Menschen finden, die durch ganz schweres Leid hindurchgegangen sind. Zum Beispiel gibt es ein Buch in der Bibel. Die Bibel ist eine ganze Bibliothek mit vielen Büchern, im Alten und im Neuen Testament. Und ein Buch heisst das Buch Hiob. Das handelt von einem Mann im vierten Jahrtausend vor Christus, also in Europa wäre das gerade kurz, ja, oder wäre das Jungsteinzeit. In der Schule: Jungsteinzeit. Wir haben ein Buch aus dieser Zeit in der Bibel, weil man im Nahen Osten viel früher schreiben konnte als in Europa.
Das Buch zeigt uns, wie ein Mensch verzweifelt in seinen Leiden und Schmerzen, in seiner menschlich unheilbaren Krankheit, und wie er trotzdem erlebt, wie Gott hindurchführt. Er macht genau diese Erfahrung, dass Gott höhere Pläne hat, als es mit unserem Denken je fassbar ist. Das kann wirklich eine Hilfe sein, um eben Sicherheit und Gewissheit zu bekommen.

Persönlicher Umgang mit Zweifeln und der Weg zur Gewissheit

Jetzt möchte ich noch ein wenig erklären, wie man ganz persönlich mit solchen Zweifeln umgehen kann. Es gibt nämlich typische Missverständnisse.
Zweifel sind grundsätzlich kein Versagen des Glaubens. Das kann jeden treffen. Wirklich, niemand ist davor gefeit. Aber Zweifel sind auch eine Chance, um weiterzukommen, denn dann muss man sich mit Fragen auseinandersetzen. Schlimm ist es, wenn man sich für diese Fragen gar nicht interessiert; das gibt es ja auch.
Zweifel können einen allerdings auch richtig umtreiben. Dann ist es wichtig, Kontakt mit den richtigen Leuten zu suchen. Das ist schwierig: Wie findet man die Richtigen? Aber man merkt ja oft schon, ob jemand wirklich Antworten geben kann, die aus der Bibel kommen, die man nachprüfen und nachlesen kann, und ob das weiterhilft.
Wenn ich also sage, dass Zweifel nicht einfach Versagen des Glaubens sind, dann haben wir sehr schöne Beispiele in der Bibel. In Markus 9,24 kommt ein Mann mit großer Not zu Jesus Christus, unter Tränen. Ein Mann, der in der Öffentlichkeit weint, und er sagt: Hilf mir, ich glaube; hilf meinem Unglauben! Doch, schön, der wollte etwas. Er merkt eine Mühe. Und Jesus Christus geht auf ihn ein, ohne Vorwürfe. So können wir zu Gott kommen. Die Ehrlichkeit ist so wichtig.
Wir können zum Beispiel ganz konkret beten: Persönlich, Herr, ich verstehe diese Passage in der Bibel nicht. Hilf mir zu verstehen und zu warten. Ich habe in über fünfzig Jahren Glaubensleben erlebt, dass eine Frage nach der anderen aufgelöst wurde, aber nicht unbedingt sofort. Manchmal brauchte es Jahre. Aber es hat eben auch das Vertrauen gegeben, dass, wenn etwas offen ist, noch nicht klar ist, man warten darf. Und dann kam die Antwort.
Ich mag mich erinnern: Als junger Mensch habe ich plötzlich gesagt, ich freue mich eigentlich über alle scheinbaren Widersprüche in der Bibel, weil die Auflösung jedes Mal so sensationell ist, nicht wahr? Sie müssen sich vorstellen, da kommt einer zu Ihnen und sagt: Also im Johannesevangelium steht, Jesus Christus war um die sechste Stunde vor Pilatus, und im anderen Evangelium steht, dass er um die dritte Stunde gekreuzigt wurde. So, was stimmt? Wir haben alle Mathematikunterricht gehabt in der Grundschule und noch etwas weiter. Das geht nicht. Da muss man das einfach beiseite stellen.
Und jetzt ist es ganz wichtig, dass man sich klar vor Augen hält: Wir sind beschränkte Menschen, und wir wissen nicht alles. Und bei diesem Beispiel muss man schließlich die Antwort bekommen. Es gab im Römischen Reich zwei verschiedene Stundenzählungen: eine ab Mitternacht, so wie wir das heute noch machen, und die andere ab Sonnenaufgang. Die Evangelien Matthäus, Markus und Lukas benutzen die Zählung ab Sonnenaufgang. So ist dann die dritte Stunde neun Uhr morgens. Johannes im vierten Evangelium benutzt die Zählung ab Mitternacht. Darum ist die sechste Stunde auch bei uns sechs Uhr. Da geht alles auf.
Also muss man sich vorstellen: Wenn Leute sagen, die Bibel sei ein Märchenbuch, und es gebe so offensichtliche Widersprüche, dann könne doch jeder, der ein bisschen rechnen kann, sehen, dass die Bibel falsch sei. Nein, so einfach ist das nicht. Da muss man sich sagen: Na gut, ich weiß nicht alles.
Ich habe ja gesagt: In der Bibel werden Jahreszahlen verwendet. All die Geschichten sind nicht wie Märchen, nach dem Motto: Es war einmal. Sondern es wird genau gesagt, wann etwas geschieht. Man kann es historisch mit den Jahreszahlen durchrechnen. Aber bei den Königen von Juda und Israel, also in der Zeit von 1000 bis 500 v. Chr., da gibt es riesige Probleme in der Bibel. Und zwar, weil die Geschichten parallel erzählt werden in den Büchern Könige und Chronik. Das passt nicht zusammen. Viele haben gesagt: Seht ihr, die Bibel ist voller Fehler.
Dann mag ich mich erinnern: Er hat ein Buch gelesen von einem der größten Ägyptologen der Neuzeit, Kenneth Kitchen. Der schrieb: Wir kennen eben nicht alles. Ah, es bleibt einer, der wirklich den Nahen Osten kennt wie seine Hosentasche. Wir wissen nicht alle Details, und es könnte sein, dass da verschiedene Zählsysteme dahinter verborgen sind. Schließlich hat man diese Zählsysteme auch belegen können, und wenn man das jetzt einsetzt, gehen alle Zahlen perfekt auf.
Ich habe ja schließlich ein Buch geschrieben: Revolution in der Chronologie. Da geht es genau um dieses Thema, aber nicht nur um die Könige, sondern um alle weiteren Probleme. Jetzt sind alle Probleme, die man bisher hatte, im zweiten Jahrtausend vor Christus zum ersten Mal gelöst. Und zwar habe ich über Jahre eine Chronologie aufgebaut, in der mathematisch alle Zahlen, auch die, die sich scheinbar widersprechen, in einem geschlossenen System vereinigt werden können. Und jetzt deckt sich das mit der Archäologie. Fantastisch, zu sehen: Ach, aber hätte man vor Jahren gesagt, ja, die Bibel ist ein Märchenbuch, dort geht es einfach nicht auf, dann wäre es traurig gewesen, wenn das ein Hindernis gewesen wäre, die Hauptbotschaft der Bibel anzunehmen.
Und damit möchte ich schließen. Ich lese aus Johannes 3,16 die Bibel zusammengefasst in einem Vers:
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Jesus Christus ist vor zweitausend Jahren gekommen, und er wollte am Kreuz als Stellvertreter die Strafe, die wir in Ewigkeit verdient haben, auf sich nehmen. Diese Strafe hat er am Kreuz getragen. Und die Bibel sagt: Jeder, der an ihn glaubt und seine persönliche Schuld ihm bekennt, geht nicht verloren, sondern bekommt ewiges Leben. Das ist grandios.
Aber wenn jemand diese Botschaft nicht annimmt, weil er denkt: Also rechnen kann ich ja, ist schon schade, dann gibt es wirklich in Jeremia diesen Vers: Ihr habt euch geirrt um den Preis eurer Seele. Das kann man.
Darum war es mir wichtig, diesen Abend zu halten, einfach um ein paar Tipps zu geben, wie man mit Zweifeln umgeht. Man kann Gott ganz direkt bitten, er möge einem Klarheit geben, und man kann die Augen offen halten: Wo gibt es Menschen, die die Bibel wirklich gut kennen und die solche Fragen beantworten könnten? Und es gibt viele Bücher, es gibt auch einen Büchertisch, viele Bücher, die diese Fragen beantworten können, damit es nur nicht passiert, dass jemand sich irrt, ohne den Preis seiner Seele.
Wir wollen noch zum Schluss miteinander beten.
Herr Jesus, danke, dass du nicht ein Gott bist, der schweigt, sondern ein Gott, der spricht. Du hast uns die Bibel gegeben, aufschreiben lassen durch die Propheten, um zu uns zu sprechen, so direkt. Und du bist interessiert an unseren Fragen, an unseren Zweifeln, und du hast Antworten auf alle unsere Fragen. So bitten wir dich, dass wir alle diese Erfahrung machen können, dass es möglich ist, in dir völlig zur Ruhe zu kommen. Amen.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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