Bruderliebe Die Bruderliebe und die Einmütigkeit
Philipper 2,1-520.06.2016
Serie•Teil 3 / 5Bruderliebe
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Einleitung und Ausgangsfrage
Bruderliebe Teil 3
Beim Thema Bruderliebe geht es um das Miteinander in der Gemeinde. Wenn man einmal genau hinschaut, geht es eigentlich um die Frage, inwiefern das Miteinander in einer Gemeinde besser ist als das Miteinander in einem Kegelclub oder, sagen wir mal, unter den Arbeitskollegen.
Ich behaupte einfach, dass Gott sich wünscht, dass unser Miteinander besser ist.
Die Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Problem
Wer auch immer einmal ein paar Jahre Gemeindeerfahrung gesammelt hat, der weiß, dass das Miteinander in der Gemeinde, jetzt bin ich ganz ehrlich, und vergebt mir das, man soll ja als Christ die Wahrheit sagen, nicht unbedingt immer von Bruderliebe geprägt ist. Man erlebt dort eine ganze Menge Neid, Streit, Misstrauen und auch Schlechtreden. Und ich sage das mit großer Traurigkeit, das will ich euch ganz ehrlich sagen.
Wisst ihr, auf der einen Seite steht Jesus, der sich wünscht, dass seine Jünger woran erkannt werden? Na ja, er sagt: an der Liebe zueinander. Und auf der anderen Seite stehen so viele Erfahrungen mit Geschwistern, bei denen man sich zu Recht die Frage stellen kann: Das soll jetzt Liebe sein? Hätte ich irgendwie nicht gedacht. Na gut, will ich das mal so in Kauf nehmen.
Wenn du jemals in deinem Leben einen Grund suchst, um an Gott, dem Glauben oder der Kirche zu zweifeln, also wenn du mal sagst, ich bräuchte jetzt irgendwie einen logischen Grund, um ein paar Zweifel daran zu haben, dann schau dir an, wie Christen miteinander umgehen.
Ich sage das nicht wirklich gern. Ich will jetzt hier nicht so einer sein, der von hinten seinen Geschwistern ans Bein pinkelt oder so. Aber es macht mich zutiefst traurig, wenn ich sehe, wie das manchmal in Gemeinden zugeht.
Gemeinde als Braut Christi
Wisst ihr, Jesus sagt, dass er die Gemeinde liebt. Um ein Bild aus dem Neuen Testament zu nehmen: Die Gemeinde ist seine Braut.
Ich weiß, heute wird nicht mehr so viel geheiratet, aber irgendwie hat man ja doch noch eine romantische Vorstellung aus irgendwelchen Filmen. Die Gemeinde ist die Braut Christi, und Jesus wünscht sich, dass sich seine Braut auf einen Hochzeitstag vorbereitet.
Und wer jemals erlebt hat, wie sich eine Braut auf einen Hochzeitstag vorbereitet, der weiß, was da Monate im Vorhinein abgeht. Wie man den Kalender darauf abstimmt. Bis man sagt: Okay, wenn meine Schultern frei sind, dann brauche ich da eine gewisse durchgehende Bräune. Wann muss ich anfangen, ins Solarium zu gehen, damit ich an Tag X also wirklich 100 bin?
Und irgendwie steckt derselbe Gedanke im Blick auf die Gemeinde in Jesu Kopf. Er wünscht sich, dass seine Braut sich für ihn schön macht. Und sie tut das im Wesentlichen, indem sie lernt, die Liebe, die er für sie hat, erst einmal zu kultivieren und dann an andere weiterzugeben. Das ist das, wie wir uns schön machen für Jesus.
Wenn Christen sich nicht nur sympathisch sind, wenn sie sich nicht in ihre Grüppchen und in ihre Komfortzonen zurückziehen, sondern wenn sie wirklich im Leid füreinander da sind, wenn sie wirklich anfangen, füreinander zu danken, wenn sie anfangen, sich zu bewundern, wenn sie wirklich aneinander glauben, wenn sie sich ertragen, wenn sie füreinander hoffen, wenn sie vielleicht auch mit einer gewissen Gelassenheit die komischen Eigenarten des Anderen erdulden, dann soll, und das ist nicht meine Idee, sondern es ist Jesu Marketingstrategie, dann soll daran die Welt erkennen, dass wir seine Jünger sind.
Irre, oder? Ist doch absolut irre, so ein Gedanke, ja? Also, hättest du das gemacht? Ich weiß nicht, ich stehe manchmal da und denke: Herr, was hast du da gewagt?
Die ungewöhnliche Logik der Liebe
Auf der einen Seite ist da diese unverschämte Liebe Gottes. Unverschämt deshalb, weil Gott dich nicht gefragt hat, ob er für dich sterben darf. Nein, er hat es einfach so gemacht. Es ist einfach passiert. Unverschämt, diese unverschämte Liebe Gottes. Diese draufgängerische Liebe, diese Sünde verschlingende Liebe Gottes, die den anderen wirklich höher achtet als sich selbst, die ist da. Und Jesus sagt: Das wünsche ich mir, dass diese Qualität von Liebe euren Umgang miteinander kennzeichnet.
Und ganz ehrlich: Keine Ahnung, wie Gott auf den Gedanken kam. Ich finde diese Idee schön. Ich finde sie total schön, zu sehen, wie Jesus da so als dieser Liebesheld in eine kaputte Welt reinspringt und sagt: Ich mache alles wieder gut. Und dann sagt er: Und wie ich jetzt hier unterwegs war, macht mir das einfach nach. Ich finde das so eine schöne Idee. Es geht eben nicht darum, Krieg zu führen oder den anderen zu dissen und ihn irgendwie kaputt zu machen. Es geht darum, ihn zu lieben.
Und auf der anderen Seite weiß ich manchmal, wie ich selber drauf bin und dass ich in puncto Liebe noch so viel zu lernen habe. Da denke ich mir: Herr, ist das nicht ein bisschen gewagt? Also Jesus, ich irgendwie ... Und trotzdem sagt Jesus nicht: Okay, weil du es nicht bringst, finde ich noch eine andere Idee gut. Sondern er bleibt dabei. Das ist dieses Verrückte. Seit zweitausend Jahren hat er keine neue Idee entworfen. Es ist immer noch dieses: Man soll meine Leute an der Liebe erkennen.
Punkt. Ja, aber Herr, wir sind doch schon zweitausend Jahre dabei, es nicht wirklich auf die Reihe zu kriegen. Macht nichts. Jesus bleibt dabei. Und deswegen die Frage, und das wird das Thema heute sein: die Bruderliebe und die Einmütigkeit. Ich wollte mein altes Wort verwenden: ja, Einmütigkeit. Was das ist, erkläre ich euch nachher. Wie kriegen wir das hin? Was könnte uns motivieren, harmonisch, liebevoll am selben Strick zu ziehen?
Der innere Antrieb für gemeinsames Leben
Das eine ist, dass ich zugebe, dass mir das nicht immer gelingt und euch auch nicht. Das andere ist, dass wir uns überlegen: Okay, was könnte uns denn motivieren, an der Stelle ein Stück voranzukommen?
Bitte, das eine ist, dass wir, wenn wir das, wie wir vorhin von Viktoria gehört haben, wirklich anfangen und überlegen: Wie kann ich ihr dienen? Wenn du nächsten Sonntag Viktoria nicht auf irgendeine Weise ermutigt hast, dann hast du einen Fehler gemacht. Punkt.
Ja, da ist einer in schwerer Not, und da heult hier vorne fast jemand, und ich bitte dich, dass du das mitkriegst. Aber auf der anderen Seite ist das ja nur mal so: Okay, dann schreibe ich halt eine Postkarte, weil Jürgen mich jetzt dazu zwingt, oder ich gebe über Facebook irgendwie so drei Zeilen, oder, einverstanden, die SMS ist gebongt.
Das ist die eine Sache. Die andere Frage ist: Wie motiviere ich mich ganz grundsätzlich zu einem Lebensstil, der mit einer ganz großen Liebe und Leidenschaft an Menschen dranhängt?
Versteht ihr, das eine ist ein bisschen Aktionismus. Okay, ich muss das jetzt machen, sonst will er mich womöglich nächsten Sonntag noch. Das andere ist: Was passiert hier innen drin?
Mir geht es jetzt in der Predigt um innen drin. Es geht mir nicht darum, mach was, sondern es geht mir um die Frage: Wie kann ich mich motivieren zu einem Lebensstil der Liebe?
Da möchte ich mit uns einen Bibeltext anschauen aus dem Philipperbrief, Philipper 2,2. Und ich fange mal an mit Vers 2, Philipper 2,2.
Der Wunsch des Apostels
Der Apostel Paulus schreibt aus dem Gefängnis heraus an eine Gemeinde. Und er schreibt ihr zu diesem Thema: Einheit, Miteinander, Liebe füreinander. Er schreibt Folgendes. Er sagt: Philippa 2,2: So erfüllt meine Freude.
Wenn man so einen Satz hört: So erfüllt meine Freude, dann merkt man, da muss davor noch ein Satz sein, auf den er sich bezieht. Den lasse ich jetzt noch weg, ihr kriegt ihn nachher. Aber jetzt lasse ich ihn erst mal weg.
Paulus sagt: So erfüllt meine Freude. Da fragt man sich: Welche Freude? Wenn du Paulus sagen würdest: Paulus, sag mir mal, woran du Spaß hast. Ich würde gern mal hören, was könnte ich dir zum Geburtstag schenken, irgendetwas, worüber du dich so richtig freust? Und er sagt: Okay, ich habe da was: Erfüllt meine Freude.
So, was kommt? Das, was er sagt, ist Kapitel 2, Vers 2b, und jetzt kommen vier Dinge. Also, Paulus, was wünschst du dir? Na ja, ihr Lieben, Philippa, ich wünsche mir vier Sachen, ganz simple Sachen. Dabei ist das Erste und das Letzte eigentlich dasselbe. Also eigentlich wünscht er sich nur drei Sachen.
Erstens, dass ihr dieselbe Gesinnung habt, zweitens dieselbe Liebe, drittens einmütig, viertens eines Sinnes seid.
Denkst du: Okay, das kostet wahrscheinlich nicht so viel. Bis du anfängst, ein bisschen darüber nachzudenken, was er sich da wünscht.
Gesinnung, Liebe und Einmütigkeit
Ich gehe das mal durch, diese kleinen Begrifflichkeiten. Zum Vorlesen dauert das ungefähr fünf Sekunden, und dann ist man schon wieder weiter.
Jetzt gehen wir mal wieder zurück. Was wünscht sich denn Paulus? Er sagt, dass ihr dieselbe Gesinnung habt, oder der letzte Punkt ist: dass ihr eines Sinnes seid.
Dieselbe Gesinnung haben, eines Sinnes zu sein – heißt das, dass unser Denken gleichgeschaltet werden soll, so ein bisschen Orwell-mäßig? Nein, darum geht es nicht. Es geht um etwas anderes. Es geht darum, und das ist unglaublich teuer, vor allem deshalb, weil wir in einer unglaublich individualistischen Gesellschaft leben. Es geht darum, dass wir eine Entscheidung treffen, nämlich die Entscheidung, in einer Gemeinschaft zu leben und gemeinschaftliche Ziele zu verfolgen. Das ist eines Sinnes sein oder dieselbe Gesinnung haben.
Für uns bedeutet das ganz konkret, dass wir die Entscheidung treffen: Ich lasse mich auf das Projekt Haselhorst ein. Dieselbe Gesinnung bedeutet: Ich mache mir Gedanken darüber, wie ich Teil dieser neuen fusionierten Gemeinde werden kann. Wie kann ich mich mit meinen Gaben einbringen? Wie kann ich mich mit meinem Geld einbringen? Wie kann ich mich mit meiner Zeit einbringen? Wo ist das, was ich habe, in dieser Gemeinde gefragt? Das ist eine Gesinnung haben, eine Stoßrichtung haben. Nicht jeder macht so ein bisschen seins, ja, und dann treffen wir uns hier am Sonntag und stellen fest: Na ja, jeder macht halt seins, aha, da bist du gerade. Sondern eines Sinnes sein, eine Blickrichtung haben.
Wie gesagt: nicht gleichgeschaltet sein. Bleib bitte du selber, aber lass dich auf Gemeinschaft ein, die zusammen einen Weg miteinander geht als Gemeinde. Und das ist eine Entscheidung.
Das Zweite: dass wir dieselbe Liebe haben sollen. Also, Liebe ist nicht das Privileg von Gemeindegliedern, die halt geschnallt haben, wie es geht, dass man liebt, und der Rest, das sind so Liebesmuffel, die kommen auch am Sonntag und setzen sich halt hin und schauen den anderen zu, wie die das machen mit der Liebe und denken sich: Boah, das ist aber toll. Sondern dieselbe Liebe heißt, dass ich mich entscheide: Ich möchte in puncto Liebe gleich stark sein.
Das ist ein ganz irrer Gedanke. Sonst sehen wir immer: Es gibt die, die es können, und die, die es nicht können. Jetzt kommt Paulus und sagt: Ich wünsche mir, dass du mal genau hinschaust, wo du in puncto Liebe einen Nachholbedarf hast. Vielleicht merkst du: Ich bin nicht so geduldig. Es fällt mir nicht so leicht, Gutes zu tun. Ich bin vielleicht nicht so gastfreundlich. Ich habe noch nie jemanden eingeladen. Ich bin neidisch und angeberisch. Ich habe vielleicht kein Taktgefühl, bin nicht wirklich selbstlos, ich werde vielleicht leicht bitter oder es fällt mir schwer zu vergeben. Das waren jetzt Beispiele aus 1. Korinther 13, die Verse 4-7, für die, die es nachlesen wollen.
Vielleicht merkst du da irgendwo: Ich habe da so meine Ecken und Kanten. Egal, was dir fehlt, du würdest Paulus fragen: Was wünschst du dir? Er sagt: Ich würde mir wünschen, dass du nicht sagst: Na ja, kann ich halt nicht, sondern dass du sagst: Okay, ich packe es an. Da, wo ich ein Defizit habe in puncto Liebe, mache ich, egal was es ist. Ich gehe das mal so in Ruhe durch, was die Bibel über Liebe sagt, darüber sagt, wie man Beziehungen baut, und ich packe es an. Ich lasse mich nicht davon entmutigen, dass ich vielleicht an der einen oder anderen Stelle ein Defizit habe. Ich möchte dieselbe Liebe haben wie alle anderen auch.
Irrer Gedanke, oder? Stell dir vor, du bist so ein individualistischer Liebesmuffel, und Paulus sagt dir: dieselbe Gesinnung. Mein ganzer Individualismus, wo bleibt denn der? Wie, ich soll mit anderen zusammen? Ja. Und dann: Wie, ich soll anfangen, mir über Leute Gedanken zu machen, was die brauchen, wie man Beziehung lebt, ehrlich? Ja, das ist das, was Paulus sich wünscht.
Ein Herz, eine Seele, ein gemeinsamer Weg
Und dann sagt er einmütig, wörtlich steht da einseelig. Im Deutschen würden wir sagen, dass wir ein Herz und eine Seele sind, oder dass die Gemeinde von Harmonie geprägt sein soll.
Und wenn ich das so sage, ach, wie würde ich mir das wünschen, wenn das wahr wäre. Stellt euch eine Gemeinde vor, in der jeder, der kommt, sagt: Ich habe eigentlich keinen Grund, mich aufzuregen oder beleidigt zu sein.
Stellt euch vor, wir wären superkompetent in puncto Gelassenheit. Ja, jemand hat ein Problem, und du kannst ihm einfach sagen: Entspann dich, du bist hier in der Gemeinde. Ja, hey, fahr runter, ganz ruhig, schmunzel ein bisschen über dich. Ich schmunzle auch gerade über dich.
Ich liebe deine Andersartigkeit, fang an, meine Andersartigkeit zu lieben. Weißt du, Gott wollte dich dabei haben, und mich auch. Wir haben uns das nicht ausgesucht. Lass uns einfach miteinander jetzt.
Stell dir vor, dieses ganze Entspannte, nicht dieses: Ja, du musst. Nee, du musst gar nichts. Du darfst du sein, ich darf ich sein, und wir schauen, wie wir das gemeinsam hinkriegen.
Das ist das, was Paulus sich wünscht: dass wir eine Ausrichtung haben, die in dieselbe Richtung schaut, dass wir dieselbe Liebe lernen und dass wir total viel Spaß daran haben, auf eine Weise miteinander umzugehen, wo wir einfach sagen: Ach, das ist eigentlich nett. Einfach nur nett.
Wir gehören so irgendwie zusammen. Wir sind nicht gleich, aber es passt irgendwie.
Wie macht man das? Wie kann das praktisch werden?
Zwei Gefahren für die Gemeinschaft
Paulus fährt fort und sagt dann in den Versen drei und vier: So erfüllt meine Freude, dass ihr eins seid und nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tut, sondern in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst. Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen.
Das kleine Wörtchen „auch“ bei „auf das der anderen“ wird in manchen Übersetzungen weggelassen, ist aber nicht nötig. Es dürfte original sein, also lassen wir es da stehen: Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das der anderen.
Zwei Liebeskiller, und ich fand die total spannend. Wie mache ich die Liebe kaputt? Indem ich zwei Dinge in die Gemeinde reinlasse, die da nicht reingehören, nämlich Eigennutz und Ruhmsucht.
Der erste Begriff erklärt sich eigentlich relativ schnell: Was ist Eigennutz? Wann bin ich eigennützig? Eigennützig bin ich dann, wenn ich hierher komme und sage: Ich benutze die Gemeinde oder ich benutze die Beziehungen in der Gemeinde für mich. Also ich sehe eigentlich nur auf den Mehrwert, den die Gemeinde für mich hat. Ich bringe mich immer dann ein, ich mache immer dann mit, wenn es sich für mich lohnt.
Das kann sein, dass ich einfach interessante Leute kennenlerne, das wäre eine Möglichkeit. Es kann sein, dass ich mich selbst verwirkliche, dass ich Spaß habe, dass ich Einfluss gewinne. Aber immer ist der gleiche Punkt da: Ich bringe mich nur ein, wenn es sich für mich auszahlt. Das ist Eigennutz.
Wenigstens ein gutes Gefühl muss am Ende dabei herausspringen. Das mit dem Geld ist immer so eine Sache, aber wenigstens das gute Gefühl oder wenigstens ein bisschen Applaus, so ein bisschen Fame. Irgendetwas muss passieren, dann mache ich mit.
Und Paulus sagt jetzt, dass ihr nichts aus Eigennutz tut. Also wenn du sagst: Selbstlosigkeit? Nein, danke. Dann würde Paulus sagen: Doch, genau das will ich. Ich will, dass du lernst, selbstlos zu geben.
Ja, aber, ja, also was weiß ich, wenn ich jetzt anfangen würde, in der Woche die Klos zu putzen, das sieht ja keiner. Ja, aber man riecht es, wenn du es gemacht hast. Ja, das ist auch schon mal was. Klar steht da nicht dabei: Ich rieche nach xy. Ja, aber es ist gemacht.
Das ist das eine.
Das zweite ist noch ein bisschen witziger: Eitle Ruhmsucht. Also der eine Liebeskiller ist: Ich mache Dinge, weil ich mir etwas davon erhoffe. Das zweite: Eitle Ruhmsucht.
Eitel heißt nichtig. Da steckt nichts dahinter, heiße Luft würden wir sagen. Eitle Ruhmsucht. Es geht um Menschen, die eingebildet sind, sich selbst überschätzen, also ihre eigenen Grenzen nicht kennen, und dann die Gemeinschaft belasten, indem sie Aufgaben an sich ziehen, für die sie eigentlich nicht qualifiziert sind.
Das heißt: Sie tun das, was sie tun, nur deshalb, weil es dafür Anerkennung gibt. Und sie wollen einfach im Mittelpunkt stehen. Sie wollen den Applaus. Aber du stehst da vorne und sagst: Hallo, siehst du, was du tust? Er sieht es nicht, das ist das Problem.
Zwei Dinge: Eitle Ruhmsucht, dieses „Lass mich in den Mittelpunkt“, oder einfach nur Eigennutz, dieses „Was kann ich gewinnen, was kriege ich für mich, wenn ich hier in der Gemeinde mitmache?“
Ihr merkt schon diese unheilige Vierfaltigkeit: Ich, mir, mich, mein. Das sieht man da förmlich. Ich will in den Mittelpunkt. Ich will das für mich. Meins.
Und Paulus sagt: Wo immer solche Dinge hochkommen, bleibt an dieser Stelle die Liebe auf der Strecke.
Ich lese das noch einmal: Dass ihr nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tut, sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst.
Das ist so irre, dieser Gedanke, in einer Gemeinschaft zu sagen: Ich möchte es lernen. Es fällt mir leicht zu sehen, was ich brauche. Es fällt mir leicht, für meine Bedürfnisse zu sorgen. Und ich möchte das lernen: deine Bedürfnisse.
Irgendwie vielleicht schaffe ich es nicht ganz auf das gleiche Niveau, ja, aber ich möchte hinschauen: Was brauchst du? Wie kann ich für dich da sein? Eigentlich möchte ich versuchen, dich höher zu achten. Aber hey: Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen.
Das Meine ist immer so einfach. Ich weiß, was ich gerne hätte. Aber hey, ich möchte das lernen, wegzuschauen, und ich möchte gerne jemand sein, der dir dient.
Es ist toll, oder? Stellt euch vor, das wäre Gemeinde. Ich sage mal etwas Gutes: Wir sind an der Stelle auf einem guten Weg.
Leid, Grenzen und neue Verbundenheit
Das ist das, was ich wirklich glaube. Und wisst ihr, was uns an der Stelle guttut? Das viele Leid, das wir gerade erfahren.
Es ist komisch, aber ich glaube, dass uns das auf eine bestimmte Weise zusammenschweißt. Denn es zeigt uns unsere Grenzen und unsere Hilfsbedürftigkeit. Es macht deutlich, dass wir es allein nicht schaffen. Einer nach dem anderen fährt alleine vor die Wand und stellt dann fest: Oh, könnte mich mal einer aufkratzen?
Und wenn dann andere da sind, die kommen und ihm helfen, merkt er: Oh, ich brauche vielleicht doch die anderen.
Da ist gerade etwas am Wirken unter uns, und ich freue mich darüber. Ich weiß noch nicht, wohin das führt. Ich hoffe einfach, dass wir das irgendwann einmal so richtig lernen.
Der eigentliche Grund für Liebe
Frage: Warum soll ich auf Eigennutz und Ruhmsucht verzichten? Warum soll ich den anderen höher achten als mich selbst? Warum soll ich harmonisch und liebevoll mit allen anderen Geschwistern an einem Strang ziehen?
Antwort: Ich sage erst einmal, warum nicht. Definitiv nicht, weil die anderen Geschwister sich so toll verhalten. Es ist nicht das Verhalten der Geschwister. Und es ist auch nicht der Mehrwert, den die Geschwister in mein Leben bringen, der mich dazu bringt, dass ich ein harmonisches, liebevolles Miteinander anstrebe. Sondern es ist etwas ganz anderes.
Und dieses Andere findet sich in Vers 1. Paulus sagt in Kapitel 2, Vers 1: Wenn das und das gilt, dann erfüllt meine Freude. Also: Wenn du das erlebt hast, wenn Gott auf die und die Weise mit dir umgegangen ist, dann lass dich doch dazu bringen, in gleicher Weise zu leben.
Ich lese das mal vor: Wenn es nun irgendeine Ermunterung in Christus gibt, wenn irgendein Trost der Liebe, wenn irgendeine Gemeinschaft des Geistes, wenn irgendein herzliches Mitleid und Erbarmen, dann geht es hier nicht um das, was Christen untereinander tun. Es geht um das, was Gott uns getan hat.
Also sagt Paulus: Ihr habt doch Erfahrungen mit Gott gemacht, oder? Hast du Ermunterung in Christus oder durch Christus erlebt, dass Gott in dein Leben hineingekommen ist und dich ermutigt hat? Hast du das schon erlebt? Hast du Trost durch seine Liebe schon einmal erfahren? Ist dir das schon einmal begegnet, dass du down warst und Jesus in dein Leben hineingekommen ist und dich getröstet hat? Du hast vielleicht eine Stunde heulend auf den Knien gelegen, und plötzlich war dieser übernatürliche Trost da. Und du dachtest: Wow, Gott hat mich lieb.
Hast du Gemeinschaft des Geistes erlebt, eine Gemeinschaft, bei der du gemerkt hast: Die ist jetzt übernatürlich, die habe nicht ich gemacht, da ist der Heilige Geist, der uns verbindet? Und hast du Gottes herzliches Mitleid und Erbarmen erfahren, ja oder nein?
Und wenn du sagst: Ja, das habe ich, dann sagt Paulus: Wenn du das erlebt hast, dann zieh doch bitte auf eine harmonische, liebevolle Weise mit den anderen Geschwistern an einem Strang.
Christus als Vorbild und Maßstab
Und in Vers 5 heißt es dann ergänzend: Diese Gesinnung, im Sinne dieses Denkens, dieser Einstellung, sei in euch, die auch in Christus Jesus war.
Und dann beschreibt er verselang, wie Jesus gelebt hat, wie er sich hingegeben hat. Die Grundlage dafür, dass ich meine Geschwister liebe und meine Bereitschaft, ihnen zu dienen, sie tatsächlich höher zu achten als mich selbst, ist einzig und allein das Vorbild Jesu. Es gibt keine andere Motivation.
Ich sage das noch einmal: Wenn du dich fragst, was könnte mich motivieren, Geschwister zu lieben, sie wirklich höher zu achten als mich selbst, dann ist das Vorbild Jesu das, was dich maßgeblich herausfordern, begeistern und motivieren soll.
Nachfolge ist immer Imitation dessen, dem ich folge. Jesus sagt: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir. Das ist es, was Jesus will. Wir dürfen von ihm lernen.
Was hat er gemacht? Er hat sich hingegeben. Er hat sich aufgeopfert, um uns zu retten. Er hat uns aufgemuntert, er hat uns getröstet, er hat uns in die Gemeinschaft mit Gott hineingeführt. Er hat uns seinem Mitleid und seinem Erbarmen begegnen lassen.
Wofür ist Jesus gestorben? Jesus ist dafür gestorben, damit wir seinen Frieden haben, seine Freundschaft haben und seine Erlösung genießen, seine Liebe genießen. Und was hat er gemacht? Er hat sich total klein gemacht. Er hat seine eigenen Bedürfnisse hinten angestellt, er hat nie auf sein eigenes Recht gepocht. Er hat für mich gelebt, er hat für dich gelebt.
Und deshalb, weil der Herr für mich gelebt hat, ist es einfach nichts Großes, wenn ich nicht nur an mich denke, sondern auch an die Geschwister. Ich weiß nicht, ob dich das herausfordert. Jesus hat mir vorgemacht, wie Leben funktioniert, und er möchte, dass ich es ihm nachmache.
Und Paulus sagt: Wenn du das erlebt hast in deinem Leben, wenn du siehst, wie Jesus ist, dann mach’s ihm doch einfach nach.
Erinnerung an das Kreuz und der Weg zur Einmütigkeit
Und jetzt zum Schluss die Frage, mit der ich jetzt alle Predigten aus dieser Reihe beendet habe: Was, wenn ich mich nicht eins machen möchte?
Ja, das eine ist: Ich weiß nicht, wie es geht. Aha, ich muss eine SMS schreiben, eine Postkarte schreiben, nachdenken. Aber was, wenn ich das höre, und ich höre das von dem Vorbild Jesu, und ich denke mir: Ja, so ganz grundsätzlich steht das schon in der Bibel, und ich kann das jetzt auch nicht durchstreichen, was Jürgen da predigt. Aber eigentlich möchte ich das nicht. Ich möchte mich nicht eins machen.
Es geht mir eigentlich ganz gut ohne die anderen. Ich bin eigentlich ein ganz zufriedener Solochrist. Ich brauche das nicht so mit der festen Gemeindeanbindung. Ich möchte auch nicht so aufgehen in so einer, das ist ja schon so eine Freakshow, in so einer, ich will jetzt nicht so eins werden mit so einer Truppe, wo ich mir die Leute nicht aussuchen kann. Weißt du, Jürgen, dieses ein Herz und eine Seele mit Geschwistern, das ist einfach nicht mein Ding. Ich will eigentlich auch gar nicht Liebe lernen. Dieses auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, ey, ich habe so viele eigene Ziele, warum soll ich mir jetzt noch das Gemeindeziel ans Bein backen?
Ich sage das nicht, dass einer von euch das denkt. Aber wenn du am Ende der Predigt denkst, das trifft eigentlich viel mehr meine innere Einstellung, eigentlich ist mein Herz viel mehr so: „Ich komme hier schon her am Sonntag, ja ja, ein artiger Christ kommt am Sonntag in den Gottesdienst, ja ja, aber dieses ganze andere Ding mit dieselbe Gesinnung, dieselbe Liebe, einmütig, eines Sinnes, komm jetzt, das ist nicht so meins.“
Wenn das dein Problem ist, dann möchte ich dir am Ende eine Frage stellen. Ich möchte dir die Frage stellen: Erinnerst du dich noch daran, was Jesus für dich getan hat?
Petrus spricht an einer Stelle im zweiten Petrusbrief davon, dass es Christen gibt, die die Reinigung von den früheren Sünden vergessen haben. Man erkennt solche Christen daran, dass sie in ihrer geistlichen Entwicklung stehenbleiben. Ich habe mir das so vorgestellt: Man kann geistlich leben, und es kann passieren, man ist mit Gott unterwegs, und plötzlich gibt es so ein Freeze, und du bleibst stehen. Ich weiß nicht warum, aber ich kenne eine ganze Menge Christen, da würde ich sagen: Du hast dich in den letzten Jahren charakterlich nicht wirklich weiterentwickelt. Auch in deiner Liebe zu den Geschwistern, da ist wenig passiert. Ich weiß auch nicht, ob deine Beziehung zum Herrn ... Ich habe den Eindruck, das geht immer so ein bisschen auf einer Stelle auf und ab. Man ist so die Dynamik des geistlichen Lebens: Standbild.
Und Petrus sagt, das kann passieren im Leben, dass man unterwegs ist und dann bleibt man stehen. Warum? Weil man die Reinigung von den früheren Sünden vergessen hat.
Natürlich hat man die nicht wirklich vergessen. Ab und zu lässt man sich von einer guten Predigt und einem guten Buch noch mal ein bisschen aufrütteln. Was ich meine und was Petrus meint, ist Folgendes: Erinnerst du dich noch daran, was Jesus für dich getan hat?
Also erinnerst du dich an den ganzen Gemeindealltag, weißt du, ja, und jetzt müssen wir da oben noch den Raum in der Empore ausbauen, ja, und wir ... Erinnerst du dich noch, was Jesus für dich getan hat, an dem Moment, als dir klar wurde, dass du wirklich verloren bist, dass Sünde eine Realität ist, dass du nicht zu den Guten gehörst, dass dein soziales Engagement Gott nicht beeindrucken kann?
Erinnerst du dich noch an den Moment, wo du das erste Mal ehrlich geworden bist vor Gott? Weißt du, diese blanke Ehrlichkeit, blanke Wahrheit, wo alle Ausreden und Ausflüchte weg waren, wo es nur noch dieses blanke Erschrecken war: Könnte es sein, dass ich wirklich so bin, dass ich wirklich so in der Finsternis lebe?
Und erinnerst du dich noch, wo dir das erste Mal klar wurde, dass Gott dich, der du in der Finsternis lebst, der du dazu bestimmt bist, die Ewigkeit verloren zu sein, dass Gott in dieses Leben hineinspricht und sagt: Ich will dich!
Hast du das noch im Griff, wo du auf die Knie gehst und sagst: Herr, ich möchte gerne, dass du mir meine Sünden abnimmst? Und wo Gott in dein Leben hineinkommt, die Sünden tatsächlich abwischt, sie wegnimmt, wo du sagst: Bin ich jetzt frei? Ja! Habe ich jetzt einen Vater im Himmel? Ja! Freut sich mein Vater? Ja!
Hast du diesen Moment noch auf dem Schirm? Oder ist der ganz, ganz weit weg, verschüttet unter diversen Schichten von Erfahrungen und noch mehr Erfahrungen und noch mehr Schwierigkeiten und noch mehr Theologie und noch mehr Blödsinn? Ist dieser Punkt noch da?
Kannst du noch aufwachen am Morgen und einfach sagen: Ja, okay, mir geht es gerade vielleicht nicht gut, aber ich habe da etwas erlebt. Und deswegen habe ich diesen Wunsch.
Wenn du merkst, mein Herz ist eigentlich asozial, ja, du kannst auch sagen, es ist lieblos und kalt, dann wird es nicht durch Aktionismus warm. Okay? Was du brauchst, ist ein ganz neuer, frischer Blick auf Jesus.
Und wenn du dir mit diesem dieselbe Gesinnung, dieselbe Liebe, einmütig, eines Sinnes sein schwer tust, dann bitte ich dich um Folgendes: Nimm dir Zeit, über das Wunder nachzudenken, das Jesus in deinem Leben gewirkt hat. Nimm dir Zeit, über seine unverschämte, deine Sünde verschlingende Liebe nachzudenken. Und ich sage mal ganz bewusst: neu nachzudenken.
Und das sind nicht fünf Minuten zwischen eben noch schnell aufs Klo gehen und dann ist der Kaffee fertig, jetzt denke ich mal fünf Minuten über Gottes verschenkende Liebe nach. Mach einen langen Spaziergang. Setz dich auf die Terrasse und denk daran: Wie war das denn? Wo komme ich denn her? Und wie war das, als Jesus in mein Leben getreten und mich, den Sünder, gerettet, erlöst, befreit, an sein Herz gezogen hat?
Denk darüber nach, was es ihm gekostet hat. Wir nehmen das so schnell selbstverständlich, was er investiert hat, wie er für dich am Kreuz gestorben ist.
Und dann, wenn du die Liebe Gottes wieder spüren kannst, wenn du sie wieder greifen kannst, dann bitte ihn darum, dass du von ihm geholfen bekommst, ein Teil der Gemeinschaft zu werden, die er liebt.
So entsteht Einmütigkeit. Nicht durch Aktionismus, sondern dadurch, dass wir uns gemeinsam dort treffen, wo alles angefangen hat: am Kreuz, wo wir alle gleich waren. Gleich verloren und gleich geliebt.
Und wenn wir das schaffen, stellt euch das vor: Stellt euch vor, wir würden einander mit diesem Blick begegnen und in dem anderen immer den sehen, den Gott hoffnungslos liebt, und ihm mit dieser Liebe, die uns selber geschenkt wurde, die wir nicht vergessen haben, die uns prägt, die uns vorantreibt, anders zu werden, ihm mit dieser Liebe zu begegnen.
Wenn wir das ... dann entsteht Einmütigkeit. Und das ist das, was ich uns wünsche.
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