I. Eine schöne bestärkende Erzählung (V.9-13)
Die äusseren Umstände (V.9)
Jesus befindet sich auf dem Weg nach Jerusalem hinauf (Lk.17,11). Auf
diesem Weg nach Jerusalem wird er viele Festpilger angetroffen haben.
Irgendwie muss er mit einer Gruppe ins Gespräch gekommen sein, die
sich für besondern gerecht hielten.
Diese Menschen vertrauten darauf, dass sie gerecht seien. Diese
Überzeugung verleitete sie sogar dazu, dass sie die übrigen Menschen
verachteten.
Dieser Gruppe erzählt Jesus nun eine Geschichte und wir wollen
versuchen, sie mit den Ohren der Zuhörer, also dieser Gerechten zu
verstehen, die den Schluss der Geschichte noch nicht kannten.
Die Erzählung (V.10-13)
1. Die beiden Hauptpersonen
Jesus greift diesen Anlass, die Reise nach Jerusalem, um dort im
Tempel zu beten auf.
Zwei Menschen bilden die Hauptpersonen dieser Erzählung, zum einen ein
Pharisäer und zum andern ein Zöllner.
Es sind Exponenten der damaligen jüdischen Gesellschaft.
Der Pharisäer steht für die Gruppe, zu denen Jesus spricht. Pharisäer
galten als sehr gesetzesgetreu.
Josephus charakterisiert die Pharisäer folgendermassen:
Von den beiden früher genannten Sekten stehen die Pharisäer in dem Ruf
gewissenhafter Gesetzesauslegung; sie stellen die erste Sekte dar. Sie
schreiben dem Schicksal und Gott alles zu; Rechtes zu tun oder nicht
hänge zwar vor allem von den Menschen selbst ab, es helfe aber auch zu
jedem Handeln das Schicksal mit. Zwar sei jede Seele unsterblich, es
gehe aber nur die der Guten in einen anderen Leib über, die der
Schlechten jedoch würden durch ewige Bestrafung gezüchtigt.[1]
Sie gehörten also der Gruppe an, die sich für gerecht hielten.
Der Zöllner hingegen gehörte zu den Verachteten. Sie waren nicht nur
von den Pharisäern verachtet sondern ebenso vom Volk. Deshalb war der
Zöllner der Inbegriff für Sünder.
Was macht den Zöllner denn so verachtet?
... Dagegen geschah die Erhebung der Zölle "nicht durch staatliche
Beamte, sondern durch Pächter, die sog. publicani, welche den Zoll
eines bestimmten Bezirkes gegen eine feste jährliche Summe pachteten,
wobei sie den etwaigen höheren Ertrag als Gewinn einzogen, während sie
umgekehrt bei Minderertrag den Schaden zu tragen hatten. ... Die
Pächter hatten selbstverständlich wieder ihre Unterbeamten, die wohl
durchgängig aus der einheimischen Bevölkerung genommen wurden. Aber
auch die Generalpächter mußten keineswegs notwendig Römer sein. ...
Die Höhe des zu erhebenden Zolles war zwar von der Behörde
vorgeschrieben. Da aber diese Tarife ... in der älteren Zeit oft sehr
unbestimmt waren, so blieb der Willkür u. Habsucht der Zolleinnehmer
ein weiter Spielraum offen. Die Ausnützung dieses Spielraumes u. die
auch nicht seltene Überschreitung desselben hat sie bei der
Bevölkerung zu einer verhaßten Klasse von Menschen gemacht. ... Im NT
ist, Zöllner u. Sünder fast gleichbedeutend" (Schürer).[2]
Aber nicht nur, dass er die eigenen Leute betrogen hat, sondern auch,
dass er sich in den Dienst der Besatzungsmacht nehmen liess,
verursachte die Abscheu vor dieser Menschengruppe.
Jesus liebte es in seinen Erzählungen solche Gegensätze einadner
gegenüber zu stellen.
2. Beide gehen hinauf zum Tempel (V.10)
Nun gehen beide, der Pharisäer und der Zöllner, hinauf zum Tempel,
denn beide wollten beten.
Nun sehe ich schon wie die Spannung in den Gesichtszügen der Zuhörer
steigt. Im stillen werden sie sich schon gegen den Zöllner empören:
Wie kann dieser es wagen den heiligen Tempel zu betreten! Der soll
doch in seinem Zollhaus bleiben und nicht den Tempel durch seine
Gegenwart verunreinigen.
Nun sind sie gespannt wie Jesus nun weiterfährt mit seiner Erzählung.
Was wird wohl mit diesem Zöllner geschehen? Wird in das Gericht Gottes
im Tempel treffen?
3. Das Gebet des Pharisäers (V.11-12)
Nun hören wir zuerst wie der Pharisäer betet:
Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber,
Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.
Wie Honig gehen diese Worte den Zuhörern hinunter. Es ist ihnen eine
Ohrenweide. Wie recht hat dieser Pharisäer!
Er ist wirklich anders als die anderen. Er ist ein Gerechter. Mit
Bewunderung bestaunen sie den Pharisäer und identifizieren sich mit
ihm.
Und alle nicken hocherfreut, dass er auch den Zöllner ins richtige
Licht gestellt hat. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass
wir nicht zu diesem Abschaum der Menschen gehören.
Was hat der Pharisäer doch für einen klaren Blick für die Wahrheit.
Das Gebet ist aber noch nicht zu ende, er sagt:
Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich
einnehme.
Ein richtiger Genuss für die Zuhörer. Da sehen wir es ja. Was er
gesagt hat sind nicht nur fromme Sprüche, sondern er kann auch Taten,
Leistungen auf den Tisch legen.
Er fastet zweimal die Woche, obwohl das Gesetz dies überhaupt nicht
fordert und auch mit dem Verzehnten nimmt er es überganau, denn
Der Zehntpflicht unterlagen, vom Viehzehnt abgesehen, die Erträge an
Korn, Most u. Öl Dt.14,22ff.
Aber wie man nun auch das Wort des Pharisäers verstehen mag - eine
sichere Entscheidung wird kaum gegeben werden können -, immer kommt
darin der Gedanke zum Ausdruck, daß er mehr leiste, als das Gesetz von
ihm fordere. Das entsprach der allgemeinen Überzeugung, die das
pharisäische Judentum von seinen Leistungen hatte.[3]
Rundum ein gerechter Mann. Und Sie waren überglücklich, sich selbst zu
dieser Gruppe zählen zu dürfen.
Auf einmal huscht ein spöttisches Grinsen über ihr Gesicht, denn Jesus
fährt fort:
4. Das Gebet des Zöllners (V.13)
Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum
Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder
gnädig!
Ha, dieser Zöllner, mindestens ist er sich darüber im klaren, dass er
im Tempel am falschen Platz ist, er stellt sich wenigsten abseits und
mit recht wagt er nicht aufzublicken. Er wäre in Scham erblasst, wenn
er den gerechten Pharisäer angeblickt hätte.
Ach wie ist dieser Zöllner zu bedauern! Kommt in den Tempel und meint
mit einem Brustschlag sich vor Gott rechtfertigen zu können. Nichts
aber auch gar nichts hat er zu bieten. Keine besonderen Leistungen.
Was für ein armer, dummer Zöllner. Typisch, von einem solchen
heruntergekommenen Sünder kann man ja gar nichts anderes erwarten.
Wir können wirklich froh sein, dass wir nicht zu diesen lächerlichen
Gestalten gehören.
5. Die Bestärkung
Wie schön war doch diese Erzählung für die Zuhörer, sie konnten sich
so richtig in die Person des Pharisäers einfühlen.
Ihre eigene Überzeugung und Überheblichkeit wurde wunderbar genährt.
Wie treffend wusste doch Jesus die beiden Gruppen einander
gegenüberzustellen. Wie gut sind wir dabei weggekommen.
Ist Jesus wohl einer von uns?
II. Die ernüchternde Deutung (V.14)
## Der SchockWie wir wissen hat Jesus die Geschichte nicht dem Zuhörer überlassen,
so dass sich jeder in seiner Selbstgerechtigkeit bestärkt und
bestätigt.
Jesus rüttelt diese, die sich für gerecht halten unsanft aus ihrer
Selbstgerechtigkeit, indem er die Geschichte deutet. Er sagt:
Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.
Man kann sich das so schön vorstellen. Die Zuhörer bestaunen immer
noch den gerechten Pharisäer und damit sich selbst. Sie haben sofort
entschieden, dass dieser unbestritten als Gerechter den Tempel
verlässt und jener als Sünder wie eh und je.
Jesus hat ihre Gedanken durchschaut und sagt ganz schlicht und
prägnant:
Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.
Wie muss ein Zucken durch die Gesichter der Zuhörer gehuscht sein. Das
hätten sie nun absolut nicht erwartet. Das ist doch die Höhe. Der
Zöllner soll gerechter sein als der Pharisäer.
Auf diesen Gedanken wären sie nun tatsächlich nie und nimmer gekommen.
Das würde ja heissen, dass dieser Sünder, vor dem wir uns ekeln, denn
wir höchstens noch anspucken würden, dass dieser Zöllner gar gerechter
als wir es sind.
Das muss ein unheimlicher Schock für die Zuhörer gewesen sein.
Leider erzählt uns Lukas nicht wie sie gegenüber Jesus reagiert haben.
Jesus erklärt ihnen dann noch, warum der Zöllner gerechter ist als der
Pharisäer:
Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich
selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Was Jesus damit meint
Was meint Jesus nun mit dieser harten Anklage gegen seine Zuhörer?
Wir versuchen nun zu verstehen, was er damit meint, wenn er den
Pharisäer als Beispiel nimmt, von Menschen die sich selbst erhöhen und
den Zöllner als Beispiel für die, die sich selbst erniedringen.
1. Sich selbst erhöhende
Jesus hatte eigentlich nichts gegen die Fastenpraxis und das
Verzehnten der Pharisäer.
Was wir den Pharisäern neidlos zugestehen müssen ist, dass sie nicht
leichtfertig waren. Sie investierten etwas für ihre Überzeugung. Ja,
sie eiferten für Gott.
Dieser Eifer für Gott ist aber von einer Blindheit geprägt, sie
verkennen die wahren geistlichen Tatsachen. So schreibt Paulus über
diese jüdischen eiferer:
Liebe Brüder, meines Herzens Wunsch ist, und ich flehe auch zu Gott für
sie, daß sie gerettet werden. / Denn ich bezeuge ihnen, daß sie Eifer
für Gott haben, aber ohne Einsicht. / Denn sie erkennen die
Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und suchen ihre eigene
Gerechtigkeit aufzurichten und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht
untertan. / Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der
ist gerecht. Rö.10,1-4.
Sie suchen also ihre eigene Gerechtigkeit. Sie eifern für Gott und
wollen ihm damit etwas vorweisen. Sie können dann sagen: Siehe Gott,
das alles haben wir für dich getan, sind wir nicht gerecht!
In diesem Verhalten sieht Gott aber eine Doppelmoral, denn die sich
für gerecht halten, meinen mit Taten Gott zu gewinnen. Sie führen ein
Doppelleben, so lesen wir in Jesaja:
Sie suchen mich täglich und begehren, meine Wege zu wissen, als wären
sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines
Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren,
daß Gott sich nahe. / "Warum fasten wir, und du siehst es nicht? Warum
kasteien wir unseren Leib, und du willst's nicht wissen?" - Siehe, an
dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt
alle eure Arbeiter. Jes.58,2-3.
Also auf der eine Seite religiöse Werke und auf der anderen Seite die
Gebote Gottes zu übertreten, das kann Gott nicht gefallen.
Und Jesus macht es den Pharisäern ganz klar, wo ihr Problem liegt,
wenn er sagt:
Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den
Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und laßt das Wichtigste im
Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben!
Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen. / Ihr verblendeten
Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt! Mt.23,23-24.
Im Grunde suchen sie ihre eigene Gerechtigkeit, nicht vor Gott sondern
vor den Menschen. Sie suchen so zu leben, dass sie äusserlich alle
anderen bei weitem übertreffen.
Wir wären vermutlich in ihrer Nähe verblasst vor Ehrfurcht, weil sie
so vorbildlich über das Gesetz hinaus lebten. Sie hielten die
Reinheitsgesetze vorbildlich, und achteten peinlich genau darauf, dass
sie sich nicht verunreinigen.
Diese Werke gaben ihnen die Sicherheit, allen anderen bei weitem
überlegen zu sein und dies liessen sie die anderen auch spüren.
Jesus aber sagte ihnen deutlich worauf Gott seinen Blick richtet:
Und er sprach zu ihnen: Ihr seid's, die ihr euch selbst rechtfertigt vor
den Menschen; aber Gott kennt eure Herzen; denn was hoch ist bei den
Menschen, das ist ein Greuel vor Gott. Lk.16,15.
Gott betrachtet also nicht die Werke, die jeder macht und mögen sie
noch so beachtlich erscheinen. So wie eben bei den Pharisäern, die
noch mehr Gesetze gehalten hatten als nötig. Gott sieht direkt ins
Herz.
Und die äusseren Werke der Pharisäer konnten Gottes Blick in ihre
Herzen nicht trügen.
Da war stolz und Überheblichkeit. Die Überzeugung der eigenen
Vollkommenheit, bestärkt durch die eigenen Werke.
Da war auch Geldgier wie wir in einem vorlaufenden Kapitel lesen:
Das alles hörten die Pharisäer. Die waren geldgierig und spotteten über
ihn. Lk.16,14.
Alle Sünden waren im Pharisäer vorhanden, nur konnte er sie verteckt
ausleben und bildete sich sogar ein gerecht zu sein, wegen seinen
Werken.
Seine ganze Rechtfertigung in seinem Gebet gründet auf der eigenen
Rechtfertigung:
Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich
einnehme. 18,12.
Das war ja auch die Begründung wieso er anders ist als diese Zöllner.
Anwendung
Wie schätzen wir uns ein? Wie begründen wir unsere Gerechtigkeit?
Haben wir auch Werke vorzuweisen?
Führen wir auch ein Doppelleben wie die Pharisäer?
Hier unser religiöses Leben, das sich vielleicht sehr wohl zeigen
lässt und manchen beeindrucken würde.
Wir besuchen den Gottesdienst, wir beten, wir Spenden für gute Werke,
wir sind sogar hilfsbereit.
Auf der anderen Seite aber ist unser Herz, das aussieht wie eine
Mördergrube: Hass, Eitelkeit, Eifersucht, Rechthaberei, Ehebruch,
Lüge, Stolz, Falschheit usw.
Gott sieht zuerst in Dein Herz und erst danach auf deine Werke.
Wir können gute und beachtliche Werke haben, aber ein böses Herz.
Vielleicht vermögen wir dieses Herz sogar in Zaum zu behalten, dass
wir selber nicht einmal realisieren wie sündig wir sind.
Diese guten Werke helfen uns nicht, Jesus sagt:
Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden.
Diese Erniedrigung bezieht sich auf die zukünftige Welt, also dann
wenn wir gestorben sind. Dort gibt es nichts mehr zum verbergen.
Evangelisation
Wenn Du eine solche pharisäische Haltung hast, dann kannst Du Gott
nicht gefallen. Du kannst Dich anstrengen wie die willst. Gott lässt
sich dadurch nicht beeindrucken.
Gott gefallen, d.h. gerecht vor Gott kann man nur durch den
bedingungslosen Glauben an Jesus. So sagt Paulus:
Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung,
die durch Christus Jesus geschehen ist. Rö.3,24
Nur Jesus kann uns gerecht machen und wir sind aufgerufen an diesen
einen Jesus zu glauben, ihm zu vertrauen. Nicht an irgendetwas oder
irgendjemand, den wir für Jesus halten, sondern an den Jesus, der in
der Bibel bezeugt wird. So sagt Jesus:
Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme
lebendigen Wassers fließen. Joh.7,38.
Glaubst Du wirklich an diesen Jesus?
2. Sich selbst erniedrigende
Nun sehen wir diesen offensichtlichen Sünder, den Zöllner. Jeder
wusste schon, wenn er ihn sah, was für einer das ist.
Der kommt nun in den Tempel, schlägt an seine Brust und sagt:
Gott, sei mir Sünder gnädig!
Hier steht ein Mann, der gar nichts zu bieten hatte. Er konnte kein
Werk vorweisen, er konnte nur einzig und allein auf die Barmherzigkeit
Gottes hoffen.
Ein ähnliches Gebet kennen wir von David, als er mit der Bathseba
Ehebruch beging:
Gott sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner
großen Barmherzigkeit. / Wasche mich rein von meiner Missetat, und
reinige mich von meiner Sünde; / denn ich erkenne meine Missetat, und
meine Sünde ist immer vor mir. Ps.51,3-5.
Wer so tief gefallen ist, der kann nur noch auf die Gnade und
Barmherzigkeit Gottes hoffen.
Anwendung
Einem offensichtlichen Sünder fällt es oft leichter seine Sünde
einzugestehen, weil es sowieso klar ist und allen offenkundig.
Darum sagte Jesus vermutlich auch:
Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie antworteten: Der
erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und
Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr. Mt.21,31.
Wer einigermassen in guter und anerkannter gesellschaftlicher Stellung
lebt, der tut sich oft schwer seine Sündhaftigkeit einzugestehen.
Aber dem Herrn gefällt es sehr gut, wenn wir unsere Sündhaftigkeit
klar einsehen und eingestehen. So Lesen wir bereits im AT:
Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein
geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.
Ps.51,19.
Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name
heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die
zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf daß ich erquicke den Geist
der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen. Jes.57,15.
Haben wir einen zerschlagenen Geist, oder betrügen wir uns selber,
indem wir denken: Gott kann doch froh sein, dass ich mich in seine
Nachfolge gestellt habe?
Gehen wir mit Sünde nicht etwas leichtfertig um?
Wir kennen ja alle diese Gleichnisserzählung von Jesus. Und wer diese
Erzählung kennt, der wird sich hüten es dem Pharisäer gleich zu
machen.
Wir können uns andere pharisäische Verhaltensweisen aneignen:
z.B. können wir uns scheinbar erniedrigen und erhöhen uns gerade durch
diesen scheinbar frommen Akt, obwohl unser Herz immer noch voller
Stolz ist und unsere Erniedrigung dazu dient bewundernde
Aufmerksamkeit zu erheischen.
oder: wissen wir ja, dass wir unsere Sünden bekennen sollen.
Nun verfehlen wir uns und erfüllen die Pflicht, um Vergebung zu
bitten. Somit haben wir unsere Sache erledigt unser Pensum erfüllt.
Der Zöllner hat nämlich nicht sein Pensum erfüllt, sonst hätte ihn
Jesus auch als Heuchler bezeichnet, sicherlich war er bereit sein
Leben zu ändern, so wie wir das wissen von Zachäus, dem Zöllner,
welcher seine Betrügereien in Ordnung gebracht hat.
Ja, Gott freut sich nicht über Pflichterfüllung, sondern über echte
zerschlagene Herzen sind, die ihn fürchten. So lesen wir in Jesaja:
Meine Hand hat alles gemacht, was da ist, spricht der Herr. Ich sehe
aber auf den Elenden und auf den, der zerbrochenen Geistes ist und der
erzittert vor meinem Wort. Jes.66,2.
Diese aufrichtige Haltung ist Gott wichtiger als alle unsere Werke,
denn diese Haltung führt automatisch zu den Werken, die Gott gefallen.
Und hier sagt Jesus: Wer sich selbst erniedrigt, d.h. wer Gott nichts
vormacht und zu seiner Sündhaftigkeit steht, diese Sünde auch bereut,
der wird erhöht werden.
d.h. er wird in der Wigkeit seinen Lohn empfangen.
Schluß
Jesus sagte zu denen die sich für Gerecht hielten:
Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.
Wie gehst Du in Dein Haus?
Vergessen wir nie:
Wer sich selber erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst
erniedrigt, der wird erhöht werden. Lk.18,14b.
Amen
__
[1]Josephus, bell. II, 162-163.
[2]Strack/Billerbeck, I, S. 377-378.
[3]Strack/Billerbeck, II, S. 244+246.

