Einleitung
Die Hirten waren recht erschrocken – in jener Nacht, als ihnen ein Engel
erschienen war. Sie hatten richtig Angst. Vielleicht dachten Sie, dass
jetzt ein Gericht Gottes über sie hereinbrechen wird, aber der Engel
sagte sogleich:
Ihr braucht euch nicht zu fürchten! Ich bringe euch eine gute
Nachricht, über die im ganzen Volk grosse Freude sein wird. / Heute ist
euch in der Stadt Davids ein Retter geboren worden; es ist der Messias,
der Herr. Lk.2,10-11.
Also kein Gericht sondern eine erfreuliche Nachricht. Und plötzlich
erschien eine grosse Schar von Engeln, die Gott lobten und riefen:
»Gross ist von jetzt an Gottes Herrlichkeit im Himmel;
denn sein Frieden ist herabgekommen auf die Erde zu den Menschen, die
er erwählt hat und liebt!« Lk.2,14Eben: Friede auf Erden. Ein beeindruckendes Erlebnis, das diese
einfachen Hirten machten. Das ist nun schon gut 2000 Jahre her und
vielleicht fragt sich der eine oder andere, wo denn der Friede eigentlich
ist, den diese Engel ankündigten. Weil man denkt, dass dieser Friede
nicht eingetroffen ist, erachtet man diese Begebenheiten um Weihnachten
als Legende oder als ein schönes Märchen, dass uns einige Festtage
beschert.
I. Alle wollen Frieden
Es stimmt die letzten 2000 Jahre waren alles andere als vom Frieden
geprägt. Immer wird irgendwo auf dieser Welt gekämpft und gemordet.
Das letzte Jahrhundert hatte zwei Weltkriege zu verkraften und viele
kleinere und grössere Kriege. Dabei möchten wir doch alle in Frieden
leben. Die menschlichen Bemühungen Frieden zu schaffen sind sehr
ansehnlich, denn Frieden ist ein sehr anstrebenswertes Ziel, Frieden
steigert die Lebensqualität eines Menschen enorm. Ein herausragendes
Beispiel für solche Anstrengungen Frieden zu schaffen ist die UNO. Nach
den beiden Weltkriegen hatte man einfach genug vom Krieg, die Führer der
Völker begriffen, dass Krieg ein Übel ist, das man wenn irgend möglich
vermeiden muss. So schloss man sich erneut zusammen um eine Organisation
zu gründen, die für den Frieden auf der Welt zuständig ist.
1945 unterzeichneten in San Francisco 50 Staaten den gemeinsamen
Vertrag. Die Charta der Vereinten Nationen trat dann am 24. Oktober 1945
in Kraft.
Die Präambel dieser Charta zeigt, wie entschlossen man für Frieden
sorgen wollte, dort heisst es:
WIR, DIE VÖLKER DER VEREINTEN NATIONEN - FEST ENTSCHLOSSEN,
künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die
zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit
gebracht hat,
unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der
menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und
Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu
bekräftigen...
Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor
den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts
gewahrt werden können, den sozialen Fortschritt und einen besseren
Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern,
UND FÜR DIESE ZWECKE
Duldsamkeit zu üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu
leben,
unsere Kräfte zu vereinen, um den Weltfrieden und die internationale
Sicherheit zu wahren...
Grundsätze anzunehmen und Verfahren einzuführen, die gewährleisten, daß
Waffengewalt nur noch im gemeinsamen Interesse angewendet wird, und
internationale Einrichtungen in Anspruch zu nehmen, um den
wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker zu fördern - [1]
Viel Gutes bewirkte die UNO, aber ihr Hauptziel, Frieden zu schaffen,
erreichte sie leider nicht. Bereits 4 Jahre nach der Gründung entstanden
zwei grosse Machtbündnisse: Der Nordatlantische Vertrag, also die Nato
und etwas später der Warschauer Pakt. Praktisch alle Staaten der beiden
Bündnisse waren gleichzeitig auch in der UNO vertreten. Innerhalb der
neuen Bündnisse versprach man sich gegenseitige militärische
Unterstützung im Falle eines Angriffes. So kam die Zeit des kalten
Krieges. Auch wenn der kalte Krieg nun vorbei ist, gelingt es der UNO
immer noch nicht den Weltfrieden herbeizuführen.
Aber - warum sollte die UNO den Weltfrieden schaffen können, wenn wir es
oft in unserem persönlichen Umfeld, in der Familie, der Nachbarschaft und
am Arbeitsplatz, kaum schaffen Frieden zu halten?
Ja, wo ist eigentlich dieser Friede, von dem die Engel berichteten? Wie
ist denn diese Friedensbotschaft zu verstehen?
Jesus sagte den Jüngern bezüglich des Friedens einmal etwas ganz
interessantes, das uns helfen kann, zu verstehen, was die Engel meinten.
Er sagt:
Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen
Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige
sich nicht und verzage nicht. (Joh 14,27)Jesus spricht von einem Frieden, den er gibt und einen Frieden den die
Welt gibt. So machen wir uns zuerst Gedanken über den Frieden, der die
Welt bieten kann.
Wir leben in der Schweiz in einer sehr komfortablen Situation: Wir
haben Frieden. Betrachten wir andere Völker, wird uns bewusst, dass das
nicht selbstverständlich ist. Frieden unter Menschen und Völker
resultiert aufgrund grosser Anstrengungen. Wer sich um den Frieden nicht
bemüht, der wird bald Krieg haben.
Die Volksinitiative "für eine glaubwürdige Sicherheitspolitik und eine
Schweiz ohne Armee" hat gezeigt, dass eine grosse Anzahl von Schweizern
der Meinung ist, dass es Frieden grosse Anstrengungen braucht. Diese
Initiative wurde vor zwei Wochen überraschend stark verworfen. Hatten am
November 1989 über eine Million Bürgerinnen und Bürger die
Armeeabschaffungsinitiative unterstützt, so waren es an diesem Sonntag
nur noch deren 385'000.
Der Standpunkt des Bundesrates und des Parlaments, zur Initiative wurde
folgendermassen kommentiert:
Entgegen der Behauptung der Initiantinnen und Initianten steht die
Armee der Förderung des Friedens nicht im Wege. Sie ist vielmehr eines
der Instrumente, die seit Jahrzehnten mithelfen, Frieden und Sicherheit
zu gewährleisten.[2]
Diese Abstimmung zeigt, dass die Leute eher davon überzeugt sind, dass
Friede für ein Volk und Friede in der Welt etwas mit Macht und Stärke zu
tun hat. Friede wird durch Abschreckung erhalten. Wenn jemand den Frieden
in einem Land stören will, so muss das Land stark genug sein, um den, der
den Frieden stört zu beseitigen.
Das Prinzip ist einfach. Der Schwächere duckt sich vor dem Stärkeren.
Dieses Prinzip funktioniert auch in der Wirtschaft. An der
Aktionärsversammlung der Crossair gab Moritz Suter seinen Rücktritt
bekannt. Das tat er aber nicht ganz freiwillig und auch nicht wirklich
überzeugt. Er sagte, dass er und der Verwaltungsrat dem Frieden zuliebe"
demissioniere.
Etwas pointiert kann man sagen: Friede in der Welt, ist die Abwesenheit
von Krieg, ein Waffenstillstand – mehr nicht. Wir wissen nie wann sich
die Kräfte verschieben und Machtgefüge sich ändert.
II. Einer schenkt Frieden
Das ist nicht der Friede, von dem die Engel sprachen. Der Friede Gottes
ist von ganz andere Qualität. Bei Gott handelt sich nicht um einen
Waffenstillstand. Gott schafft einen Frieden, der im Menschen, in Innern
des Menschen zum tragen kommt. Im Volksmund spricht man vom inneren
Frieden.
Dieser Friede erlebt jeder Mensch, der zu seiner eigentlichen
Bestimmung zurückfindet. Es ist die Bestimmung mit dem Schöpfer des
Himmels und der Erde in enger Gemeinschaft zu leben.
Das machen wir aber nicht automatisch. Uns Menschen wegen andere Dinge.
So finden wir auch ihn der Bibel eine konkrete Antwort, woher Kriege
kommen.
Woher kommen denn die Kämpfe und Streitigkeiten zwischen euch? Doch nur
aus den Leidenschaften, die ständig in eurem Innern toben! (Jak 4,1) Ihr verzehrt euch nach etwas, was ihr gerne hättet. Ihr mordet und seid
eifersüchtig, aber das bringt euch dem ersehnten Ziel nicht näher. Ihr
versucht es mit Kampf und Gewalt; aber ihr bekommt trotzdem nicht, was
ihr wollt, weil ihr Gott nicht darum bittet. (Jak 4,2)Das ist der Weg, wie wir Menschen die Erfüllung des Lebens suchen. In
Wirklichkeit wollen wir aus eigener Kraft unsere Welt schaffen, wir
möchten sein wie, statt Gott Gott sein zu lassen und unser Leben auf ihn
auszurichten. So stehen wir mit Gott auf Kriegsfuss. Wir meinen er stört
unser Leben. Wir kämpfen gehen ihn, das kann man auch durch
Gleichgültigkeit tun – das ist dann eben eine Form des kalten Krieges
gegen Gott.
Eines erlangen wir durch dieses Verhalten nie: den inneren, den
wirklichen Frieden.
Gott könnte übrigens seine ganze Macht verwenden, um uns unter Druck zu
setzen und einen Frieden schaffen, der einem Waffenstillstand gleich
käme.
Aber das ist das, was Gott gerade nicht macht. Der Friede Gottes
entsteht, durch Hingabe und Aufopferung. Gott schickt seinen Sohn in die
Welt, damit er die Voraussetzungen für Frieden schafft. Die Bibel
beschreibt das so:
Aber weil Christus in seinem menschlichen Leib den Tod auf sich nahm,
hat Gott jetzt mit euch Frieden gemacht. Als sein heiliges Volk steht
ihr jetzt rein und fehlerlos vor ihm da. (Kol 1,22)Dieser Frieden hat eine ganz andere Qualität, als der Friede, den die
Menschen herbeiführen können. Jesus ist der Schlüssel zu wahrem Frieden,
über IHN wird gesagt:
Dieses Licht leuchtet allen, die im Dunkeln sind, die im finsteren Land
des Todes leben; es wird uns führen und leiten, dass wir den Weg des
Friedens finden.« (Lk 1,79)Wenn wir uns an Jesus orientieren, werden wir Frieden finden – echten,
inneren Frieden.
Die Bibel lehrt uns nicht, dass es auf der Welt keine Kriege geben
wird. Vielmehr wird gesagt, dass die Kriege und Auseinandersetzungen
zunehmen werden, weil die Selbstsucht des Menschen zunimmt. Aber in den
Wirren und Kriegen dieser Welt, gibt es einen Frieden, einen inneren
Frieden, den jeder Mensch erfahren kann.
Pointiert gesagt ist der Friede, den die Engel verkündigen: nicht
Abwesenheit von Krieg, sondern die Anwesenheit Gottes im Leben eines
Menschen.
Ausführlicheres dazu, können sie in unserem Seminar zur praktischen
Einführung in den christlichen Glauben erfahren.
III. Einladung
Das Geschehen an Weihnachten ist Gottes Einladung an uns, dass wir zu
ihm kommen und Frieden mit ihm schliessen. Wie gesagt, die
Voraussetzungen dafür hat Jesus geschaffen. Deshalb schreibt Paulus den
Christen in Rom:
Nachdem wir nun aufgrund des Glaubens bei Gott angenommen sind, haben
wir Frieden mit Gott. Das verdanken wir Jesus Christus, unserem Herrn.
(Röm 5,1)
Eben, was der Engel sagte:
Ihr braucht euch nicht zu fürchten! Ich bringe euch eine gute
Nachricht, über die im ganzen Volk grosse Freude sein wird. / Heute ist
euch in der Stadt Davids ein Retter geboren worden; es ist der Messias,
der Herr. Lk.2,10-11.
Jesus machte Frieden zwischen Gott und uns möglich, darum ist er der
Retter. Glauben wir an Jesus, so wird der Friede, den die Engel
ankündigten in unserem Leben wirksam. Ein Friede hält Einzug, der unser
Leben völlig und auf erstaunliche Weise verändert, wie die Bibel erklärt:
Denn wo Gott seine Herrschaft aufrichtet, geht es nicht um Essen und
Trinken, sondern um ein Leben unter der rettenden Treue Gottes und in
Frieden und Freude, wie es der Heilige Geist schenkt. (Röm 14,17)
Leider feiern viele Menschen Weihnachten, einfach weil es ein schönes
Fest ist, wissen aber nicht um was es in Wirklichkeit geht. Sie könnten
alles wissen und wissen doch nichts. Darüber ist Gott sehr traurig. Im NT
finden wir eine Begebenheit, wo Jesus über die Stadt Jerusalem weint:
Als er näher kam und die Stadt sah, Jesus weinte über Jerusalem (Lk
19,41) und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was
dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen.
(Lk 19,42)
Wenn Sie diesen Frieden nicht kennen, wird Jesus auch über Ihrem Leben
weinen, weil Sie das ausschlagen, was sie unbedingt bräuchten: Frieden
mit Gott, der Ihnen die Tür zum Himmel öffnet.
Ich wünsche Ihnen, dass sie den Frieden Gottes erfahren, So wie auf der
ganzen Welt Menschen erfahren und sie können bezeugen, dass dieser
Friede, den die Engel verkündigten wirklich existiert. Ich wünsche Ihnen
diesen Frieden, der Spuren hinterlässt, der Kraft gibt zum Leben und zum
Sterben.
Gott selbst, von dem aller Frieden kommt, schenke euch jederzeit und
auf jede Weise seinen Frieden. Der Herr stehe euch allen bei! (2.Thess
3,16)
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[1] Die Charta der Vereinten Nationen, München 1971, S. 19.
[2] Begleitheft zur Initiative, S. 21.
