Einleitung
Erzählen, wie Israel vor dem Schilfmeer wieder zurück nach Ägypten
wollte.
sie sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns
wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns
das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? / Haben wir's dir
nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den
Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in
der Wüste zu sterben. 2.Mo.14,11-12.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und er bleibt oft lieber beim Alten
und Bekannten, als dass er etwas neues anfängt. Israel war sich an die
Gefangenschaft gewohnt, und als sie frei waren, wünschten sie sich oft
wieder in die Gefangenschaft zurückzukehren. Lieber gefangen als frei.
Frei sein ist gar nicht so einfach. Text lesen.
I. Lasst Euch nicht einschüchtern (16-19)
Herausforderung durch Gesetzlichkeit (16-18)
Nun wird Paulus konkret, was er meinte als er die Gemeinde warnte:
Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug,
gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und
nicht auf Christus. Kol.1,8.
Es gab ein Heer von Leuten, die Ess- und Trinkgewohnheiten der Christen
beanstandeten. Es war der Vorwurf, dass man so doch nicht ein Gott
wohlgefälliges Leben führen kann. Dazu gehöre eben mehr.
Auch die Feiertage wurden von den Christen nicht ausreichend beachtet,
wie Neumondstage und sogar der Sabbat. Auch hier, wer solche Festzeiten
nicht einhält, der ist nicht tauglich für eine göttliches Leben.
Diese Leute traten der Gemeinde gegenüber, indem sie mehr Aufoperung von
den Christen erwarteten. Ein Regel orientiertes, messbares heiliges
Leben.
Alle diese gesetzlichen Heiligungsbestrebungen, die man an die Gemeinde
herantrug, sollten nach der Überzeugung ihrer Vertreter dazu dienen, die
Christen aus dem Weltlichen" zu befreien.
Die Christen waren für sie zu weltlich gesinnt. Ein Vorwurf, der gar
nicht so einfach zu ertragen ist. Gerade die Christen, die eben nicht für
diese Welt leben wollen, ihnen wird vorgeworfen, sie seien zu weltlich.
Sie müssten mehr religiöse Regeln befolgen.
Schon Jesus erregte Anstoss in diesen Fragen. Die Pharisäer und
Gesetzeslehrer sagten ihm:
Daher fragten die Pharisäer und Gesetzeslehrer Jesus: Warum richten
sich deine Jünger nicht nach den Vorschriften, die von den früheren
Gesetzeslehrern aufgestellt und uns überliefert worden sind? Warum
essen sie mit unreinen Händen? Mk.7,5.
Die Antwort von Jesus ist klar:
Nichts, was der Mensch von aussen in sich aufnimmt, kann ihn unrein
machen. Nur das, was aus ihm herauskommt, macht ihn unrein! Mk.7,15.
Anwendung
Solche Forderungen sehen sich Christen auch heute noch gegenüber. So
begegnete mir eine Bewegung, die von den Christen verlangt, sie müssten
den Sabbat halten, wenn sie wirklich den vollen Segen von Gott erleben
wollten.
Gerade diese Stelle macht doch eindeutig deutlich, dass Paulus ganz und
gar nicht der Meinung ist, wir müssten den Sabbat halten, sonst hätte er
doch gerade hier sagen müssen, aber es ist gut, wenn ihr den Sabbat
einhält.
Oder wer aus dem Katholizismus kommt, ist sich vielleicht gewohnt
gewesen am Freitag kein Fleisch zu essen, nun darf er das tun.
Die Gemeinde wurde durch viele Anforderungen verunsichert. Es ist
interessant, wie Gesetzlichkeit eine gewisse Faszination auf uns ausübt.
Gerade Menschen die innerlich sehr verunsichert sind, neigen stark dazu
sich solchen Vorschriften hinzugeben. Sie sind bereits sich selbst zu
kasteien, Lasten aufzulegen, die nicht nötig wären. Damit versuchen wir
unsere Unsicherheit zu bewältigen. Aber das kann nie die Lösung sein.
Christus ist die Wirklichkeit (19)
Paulus sagt, das ist lediglich ein Schatten des Zukünftigen, die
Wirklichkeit ist Christus und die ist schon zugänglich in seinem Leib,
der Gemeinde.
Vielleicht lehnt sich Paulus mit dem Schatten an ein bekanntes
Gleichnis des Philosophen Platon an. Er spricht hier von den Philosophien
und es gut möglich, dass er diese Schatten meint.
Platon entwarf folgendes Bild:
Eine Höhle in der die Menschen angekettet sind an Köpfen und Füssen. Sie
können sich nicht umdrehen, sondern müssen an die Wand starren. Im
Hintergrund der Höhle hat es eine Öffnung. Dort gehen verschiedene Dinge
auf und ab und werfen auf die Wand der Höhle Schatten. Die Menschen
diskutieren nun, was diese Schatten wohl bedeuten und machen sich einen
Reim daraus.
Aber eben, es sind nur Schatten und ist nicht die Wirklichkeit.
Paulus sagt nun, was diese Menschen tun ist wohl ernstgemeintes
religiöses Leben, aber es sind nur Schatten. Die Wirklichkeit ist
Christus.
Evangelisation
Man kann sich religiös betätigen wie man will. Wenn Jesus nicht im
Zentrum steht, dann ist alles Bemühen Schall und Rauch. Ich muss sagen,
mich beeindrucken Menschen, die mit ganzer Hingabe und Aufopferung für
Ihre Überzeugung leben, aber mögen sie sich noch so quälen, wenn sie
Jesus nicht ehren, dann sind es lediglich Schattenkämpfe.
Gott wollte uns nicht in ein religiöses Leistungssystem hineinnehmen.
Er wollte uns viel mehr echte Freiheit schenken, denn frei ist jeder
Mensch, es fragt sich nur von was. Paulus schreibt:
Solange ihr Sklaven der Sünde wart, wart ihr dem Guten gegenüber frei.
/ Was kam dabei heraus? Ihr schämt euch jetzt, wenn ihr daran denkt;
denn was ihr damals getan habt, führt am Ende zum Tod. / Aber jetzt
seid ihr vom Dienst der Sünde frei geworden und dient Gott. Was dabei
herauskommt, ist eine Lebensführung, durch die ihr euch als Gottes
heiliges Volk erweist, und am Ende erwartet euch ewiges Leben. / Der
Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod. Gott aber schenkt uns
unverdient, aus reiner Gnade, ewiges Leben durch Jesus Christus,
unseren Herrn. Rö.6,20-23.
Herausforderung durch Erfahrungen
Die Gemeinde soll sich den Kampfpreis nicht nehmen lassen, durch Leute,
die besondere Demutsübungen verrichten, Engelverehrung betreiben oder von
irgendwelchen visionären Erlebnissen reden.
Auch wieder Menschen, die besonderes Vorzuweisen haben. Diesmal nicht
Gesetze, sondern besondere Erfahrungen, die beeindruckend sind, mit denen
sie sich eine gewisse Autorität verschaffen. Sie machen damit Eindruck,
was sie nicht alles erlebt haben.
Ein Beispiel aus neuerer Zeit, zeigt wie eine solche Erfahrung aussehen
könnte:
Gerald Jampolisky, ein Psychologe, Autor und Redner in den USA,
berichtet von seinem Zusammentreffen mit dem bekannten Guru Swami
Muktananda:
Er berührte mich mit Pfauenfedern. Ich hatte allmählich den Eindruck,
dass unsere Gedanken in eins zusammenliefen. Dann berührte er mich
wieder und legte mir die Hand auf den Kopf. Danach erschienen rund um
mich her wunderschöne Farben, und es kam mir vor, als hätte ich meinen
Körper verlassen und sähe mir von oben aus zu. Ich sah Farben, deren
Tiefe und Leuchtkraft schöner war als alles, was ich mir bis dahin je
hatte vorstellen können. Ich fing an, in Zungen zu reden. Ein
herrlicher Lichtstrahl kam in den Raum, und in dem Moment entschloss
ich mich, nicht mehr zu bewerten, was hier eigentlich vor sich ging,
sondern einfach eins zu sein mit der Erfahrung, ganz darin
aufzugehen... In den nächsten drei Monaten hatte ich viel mehr Energie
als sonst und brauchte nur wenig Schlaf. Ich war von dem Bewusstsein
der Liebe erfüllt, ganz anders als ich es vorher je gekannt hatte.[1]
Ja, das gibt es - auch in christlichen Kreisen gäbe es da einiges zu
berichten. evtl. Bsp. (sehen Jesus Erscheinungen und sprechen mit
Dämonen)
Paulus ist klar: Solche Leute blähen sich auf – ihre Gesinnung ist in
Wirklichkeit auf diese Welt bezogen. Es geht ihnen um Erfahrungen nicht
um die Wirklichkeit Gottes.
Viele Christen lassen sich heute auch durch Berichte über die
Todeserfahrungen verunsichern. Da gibt es Menschen, die für klinisch Tod
erklärt wurden und dann wieder zurückgekommen sind und erzählen, wie
schön es auf der anderen Seite sei. Durch ihr Erleben, das sie von
anderen Menschen abhebt, geben sie nun ihre Schlussfolgerungen preis und
meinen, man können sich auf den Tod freuen. Da fragt sich mancher Christ,
was er damit anfangen soll.
Die Antwort des Paulus ist einfach und klar:
Wer sich nicht an Christus hält, den muss man in Fragen des Ewigen Lebens
nicht ernst nehmen. Mögen seine Erfahrungen noch so beeindruckend und
interessant sein.
II. Die rechte Freiheit eines Christen (20-23)
Wenn ihr mit Christus gestorben seid, seid ihr den kosmischen Mächten
weggestorben. Warum tut ihr dann so, als ob ihr noch unter ihrer
Herrschaft lebtet? Ihr lasst euch vorschreiben: Dies sollst du nicht
anfassen, das sollst du nicht kosten, jenes sollst du nicht berühren!"
Alle diese Dinge sind doch zum Gebrauch und Verzehr bestimmt! Warum
lasst ihr euch dann von Menschen darüber Vorschriften machen?
Mit diesen Schatten hat die Gemeinde nichts zu tun. Und das, was ihnen
diese ernsten religiösen Menschen abverlangen wollen, ist nicht ein
Fortschritt im Glauben, sondern ein Rückfall in die Unfreiheit und Zwänge
des sündigen Lebens.
Den Galatern sagt Paulus:
Christus hat uns befreit; er will, dass wir jetzt auch frei bleiben.
Steht also fest und lasst euch nicht wieder ins Sklavenjoch einspannen!
Gal.5,1.
Ganz radikal sagt er:
Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist
gerecht. Rö.10,4.
Anwendung
Wir haben durch den Glauben an Jesus eine grosse Freiheit bekommen.
Gott lehnt alles abstützen auf Äusserlichkeiten ab.
Unser Glaube an Jesus soll nicht in erster Linie unsere Ess- und
Trinkgewohnheiten ändern. Vielmehr verändert uns Gott in unserem
Grundwesen. Denn Jesus sagt deutlich:
Aber das, fuhr er fort, was aus dem Menschen selbst herauskommt, das
macht in unrein! / Denn aus ihm selbst, aus seinem Herzen, kommen die
bösen Gedanken, und mit ihnen Unzucht, Diebstahl und Mord; / Ehebruch,
Habsucht und Niedertracht; Betrug, Ausschweifung und Neid; Verleumdung,
Überheblichkeit und Unvernunft. / All das kommt aus dem Inneren des
Menschen und macht ihn unrein. Mk.7,20-23.
Das ist Gott ein Anliegen. Freiheit in Christus heisst nicht, dass ich
frei bin jede Sünde zu tun. Freiheit in Christus heisst, dass ich die
Freiheit habe ein Leben zu führen, das Gott gefällt.
Ich wundere mich immer, wie stark unser Hang zur Gesetzlichkeit und
Erfahrungen ist.
Botschaften, die das Gesetz betonen kommen oft sehr gut an. Da weiss
man, was man zu tun und zu lassen hat.
Wenn ich beispielsweise Verkündige, dass man als Christ nicht ins Kino
geht, dann werden siich all die Freuen, die sowieso nicht ins Kino gehen,
denn das gibt Sicherheit auf dem rechten Weg zu sein.
Selbst wenn ich zu Hause dauernd vor dem Fernseher sitze, aber ich gehe
wenigstens nicht ins Kino.
Oder wenn ich sage, dass moderne Musik auch mit christlichen Texten vom
Teufel ist, werden sich alle freuen, die moderner Musik sowieso nichts
abgewinnen können. Das gibt Sicherheit auf dem rechten Weg zu sein.
Kleider; Reichtum; Computer
Freiheit in Christus heisst, ich muss meine Geborgenheit und Sicherheit
weder durch Gesetze noch durch besondere Erfahrungen erreichen.
Im Vordergrund steht ein erlöster und veränderter und verändernder
Mensch, dessen Gesinnung anders geworden ist. Er fragt weder nach Gesetz
noch nach Erfahrung, sondern danach, was Gott gefällt.
Paulus sagt:
Wo Menschen mit Jesus Christus verbunden sind, zählt nicht, ob jemand
beschnitten ist oder nicht. Es zählt nur der vertrauende Glaube, der
sich in tätiger Liebe auswirkt. Gal.5,6.
Schluss
Frei sein ist schwer. Wir müssen aber lernen in rechter Weise frei zu
sein. Wir müssen lernen nicht mit Werken glauben zu wollen oder mit
Werken unseren Glauben zu beweisen, sondern aus Glaube Werke zu tun. Dann
haben wir die echte Freiheit verstanden, die wir durch unseren Glauben
haben, dann verstehen wir auch, was Paulus in dem folgenden Kapitel uns
lehren will. Amen.
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[1] Wolfgang Bühne: Spiel mit dem Feuer, S. 174.
