
Einführung in die menschliche Verdorbenheit
Nun wollen wir uns noch einmal erheben und, wie bereits gesagt, einen Text aus dem Römerbrief lesen. Am vergangenen Sonntag hörten wir aus Römer 3, die Verse 9 bis 11. Heute machen wir mit den Versen 12 bis 20 weiter.
Sie sind alle abgewichen, das sind die unbußfertigen Sünder; sie taugen alle zusammen nichts. Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer. Ihre Kehle ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen betrügen sie, Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll Fluchen und Bitterkeit, ihre Füße eilen, um Blut zu vergießen. Verwüstung und Elend bezeichnen ihre Bahn, und den Weg des Friedens kennen sie nicht. Es ist keine Gottesfurcht vor ihren Augen.
Wir wissen aber, dass das Gesetz alles, was es spricht, zu denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei. Denn aus Werken des Gesetzes kann kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden, denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Amen.
Nehmt gerne Platz.
Der Apostel Paulus setzt an dieser Stelle fort und beschreibt die Verdorbenheit des Menschen. Er legt großen Wert darauf, dass die Leser und auch wir begreifen, wie übel es um uns steht. Insgesamt, wie wir im Studium des Römerbriefes gesehen haben, erzählt er zweieinhalb Kapitel lang die traurige Geschichte vom Untergang der Menschen durch die Sünde.
Er geht dabei nicht schnell durch, sondern nimmt sich Zeit, unsere Verdorbenheit zu erläutern. Die Sünde, so der Text, durchdringt uns durch und durch. Wir haben ein großes Problem, und das ist unsere sündhafte Natur. Selbst wenn wir gute Werke vorweisen, die von anderen gewürdigt werden, sind sie doch vor Gott nicht ausreichend.
Gottes Urteil über den Menschen ohne Christus lautet: schuldig. Denn in Vers 10, vor unserem gelesenen Text, heißt es: Es ist keiner gerecht, auch nicht einer.
Die umfassende Anklage gegen den Menschen
In unserem Predigttext zeichnet Paulus weiterhin ein umfassendes Bild unserer Verdorbenheit. Dabei legt er den Pinsel nicht beiseite, sondern zeigt uns noch mehr Details zu diesem Thema.
Als Beleg für seine Argumentation führt er in großem Maße alttestamentliche Textstellen an, die er in unserem Abschnitt immer wieder zitiert.
Schauen wir uns nun diese weitere Anklage Gottes gegenüber dem sündigen, unbußfertigen Menschen genauer an.
Abweichung vom Weg Gottes
Der unerlöste Sünder ist erstens abgewichen. In Vers zwölf heißt es: „Sie sind alle abgewichen.“ Wovon sind sie abgewichen? Von dem Weg Gottes, der uns in Kapitel 1 beschrieben wird. Es ist der Weg, den Gott von uns erwartet, um ihn anzubeten.
Obwohl sie Gott erkannten, steht in Kapitel 1, Vers 21, dass sie ihn doch nicht geehrt und ihm nicht gedankt haben. Sie sind vom Weg abgekommen. Das erinnert uns auch an Jesaja 53, wo die Sünder mit Schafen verglichen werden, die ihren Weg nicht finden.
Wir alle gingen in die Irre wie Schafe; jeder wandte sich auf seinen eigenen Weg. Das bedeutet, wir sind nicht nur vom Weg Gottes abgeirrt oder abgewichen, sondern wir gehen noch nicht einmal Wege, die uns von anderen Menschen geebnet wurden. Nein, wir gehen unseren eigenen Weg – jeder auf seiner eigenen Straße.
Daher ist der Egoismus so tief in uns verwurzelt. Jeder ist auf sich selbst fokussiert und gegen den anderen eingestellt. Wir verfolgen unsere Ziele, suchen unser Wohlergehen und streben nach unseren Wünschen. Während wir das tun, vernachlässigen und verletzen wir andere Menschen. Mitunter bekämpfen wir sie sogar.
Nutzlosigkeit des unbusfertigen Sünders
Zweitens: Der unbußfertige Sünder ist nutzlos.
Vers 12 sagt: „Sie taugen alle zusammen nichts, taugen Nichtse.“ So lautet das Urteil Gottes über uns. Ohne Nutzen, wie das Salz, das seinen Geschmack verloren hat.
Jesus beschreibt dies in Matthäus 5,13: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz fade wird, womit soll es wieder salzig gemacht werden? Es taugt zu nichts, nur dazu, hinausgeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“
Der Mensch ohne Christus ist abgeirrt und somit nutzlos.
Das Böse im Menschen
Drittens: Er ist böse. Vers zwölf fasst alles noch einmal in einem Vers zusammen: „Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.“
Spätestens hier regt sich Widerstand, vielleicht auch bei dir. Du hast vielleicht schon ein wenig gezuckt, als es hieß: „nutzlos“. Das kann man doch so nicht sagen. Aber jetzt, da steht: „Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ Ist das wirklich so? Geht die Bibel an dieser Stelle nicht zu weit? Kann ein Mensch, der nicht an Jesus glaubt, tatsächlich niemals ein gutes Werk, eine gute Tat tun?
So ist es.
„Wie?“ rufst du empört. „Ist das doch nicht dein Ernst!“ Unsere Taten, die oft sehr ehrenhaft sind, mögen von Menschen in der Gesellschaft gewürdigt werden. Ich bin ja immer wieder fasziniert in der Advents- und Weihnachtszeit, wenn ich denn mal so eine Spendenshow sehe. Kennst du das? Wenn die weihnachtlichen Gefühle in den Zuhörern und Zuschauern langsam erweckt werden, wie dann an das Portemonnaie vonseiten der öffentlich-rechtlichen Sender rangegangen wird. Aber die Privaten machen das inzwischen auch. Da gibt es diese Spendenmarathons.
In den großen Fernsehsendern werden Millionen für den guten Zweck eingeworben. Am unteren Bildrand läuft ein Laufband. Kennst du das? Ihr habt ja alle keinen Fernseher, ich weiß. Da steht dann zum Beispiel: „Lisa Müller: 500 Euro“ und dann der nächste Name. Es geht dann immer weiter: durch, durch, durch, durch, durch.
Ist das nicht gut? Ist das nicht ehrenwert?
Im Verlauf der Sendung wird es noch besser. Dann kommt dieser eine mit diesem überdimensionalen Scheck: eine Million. Dann wird sein Name noch genannt, er wird hofiert und applaudiert.
Ist das nicht gut? Paulus, allein das Fernsehen in Deutschland ist voller Menschen, die Gutes tun. Und du sagst, da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer?
Im Vergleich zu den Geizkragen, die alles Geld für sich behalten und den Hals nicht vollkriegen, ist die Spendenbereitschaft sicher ein gutes Werk. Es ist lobenswert, den Armen zu helfen und den Hungrigen zu speisen, ohne Frage.
Aber hier geht es nicht um unser Verhältnis zum Nächsten, sondern um unseren Stand vor Gott.
Ist tatsächlich kein einziges Werk, das wir tun, gut?
Wir sind so verdorben, dass unsere Schuld selbst unsere besten Taten verseucht. Es ist eine schwere Anklage, die hier erhoben wird.
Gottes Perspektive auf unsere Werke
Wie kommt die Bibel darauf? Nun, Gott betrachtet unsere Werke aus zwei Perspektiven. Zum einen schaut er sich die äußere Wirkung unserer Taten an, zum anderen betrachtet er unsere inneren Beweggründe.
R.C. Sproul bringt hier das Beispiel des Gebots „Du sollst nicht stehlen“. Wenn ich nicht gestohlen habe, dann habe ich die eine Hälfte des Gebots gehalten. Äußerlich betrachtet und aus der Perspektive meiner Mitmenschen habe ich ein gutes Werk vollbracht.
Aber Gott schaut nicht nur auf die äußere Wirkung unserer Tat, sondern auch auf die inneren Beweggründe. Meine äußeren Taten mögen zwar den äußeren Anforderungen des Gesetzes entsprechen, aber wenn sie nicht aus einem Herzen entspringen, das Gott liebt, dann sind auch diese Taten, so gut sie äußerlich auch sein mögen, nichts anderes als ein selbstsüchtiges Verlangen. Sproul sagt wörtlich: „In diesem hohen Sinn für das Gute tut niemand außerhalb von Christus jemals eine gute Tat.“
Es geht also, hören wir, zuallererst um unser Herz. Und weil dieses ohne Jesus verdorben ist, sind auch unsere Taten befleckt. Dabei dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, wen das betrifft. Wie ein Refrain eines Liedes wiederholt der Apostel immer und immer wieder, wer betroffen ist. Schon in Vers neun heißt es: „Alle sind unter der Sünde.“ In Vers zehn steht: „Es ist keiner gerecht, auch nicht einer.“ Vers elf sagt: „Es ist keiner verständig, der nach Gott fragt.“ Vers zwölf: „Sie sind alle abgewichen“ und „Sie taugen alle zusammen nichts.“ In Vers dreizehn heißt es: „Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.“ Und in Vers neunzehn schließlich: „Alle Welt ist vor Gott schuldig.“
Dies liegt an der Gesinnung unseres unerlösten Herzens. Wir sind nicht gerecht, wir sind unverständlich, wir suchen nicht nach Gott, wir wenden uns ab, wir sind nutzlos, wir tun nichts Gutes – nicht einmal einer.
Die Reaktion auf die Anklage und die Bedeutung des Gesetzes
Nun, ich weiß nicht, wie es dir jetzt geht, wenn du das hörst. Vielleicht sind auch Menschen hier, die das zum ersten Mal hören. Eine gewöhnliche Reaktion auf so eine Botschaft ist es ja irgendwie doch, nach Ausreden zu suchen. Wir suchen Argumente, die untermauern, dass wir im Grunde genommen eine Ausnahme sind.
Doch halten wir einen Augenblick inne und denken ganz ehrlich darüber nach. Wir haben gehört, es geht um unser Herz. Du weißt, wer du bist. Vor anderen kannst du dich verstellen und als Gutmensch auftreten. Du weißt, wie man sich verhält, du weißt, wie das läuft. Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an.
Du sagst: „Ich bin doch ein ziemlich guter Mensch.“ Gott wird mich annehmen, wenn ich ihn daran erinnere. Stell dich doch einmal ganz allein vor den Spiegel, so ganz allein, niemand in deiner Nähe. Niemand, den du beeindrucken musst, weil du ganz allein bist.
Und der Spiegel ist das, was Paulus in diesem Textabschnitt in Vers 20 sagt: „Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“ Es wird häufig gesagt, das Gesetz, also die Gebote Gottes, sind ein Spiegel. Jetzt stell dich mal – aber ganz ehrlich – vor diesen Spiegel.
Es geht um dich, nicht um den Nächsten. Stell dich vor diesen Spiegel und schau dich darin an. Du kennst vielleicht die Gebote, zehn sind es an der Zahl. Wir wollen jetzt nicht alle durchgehen, aber denken wir nur an das eine: Du sollst nicht töten.
Ja, sagst du, da komme ich gut weg, ich habe nie jemanden umgebracht. Aber Jesus macht deutlich, dass es auch hier nicht um die äußere Tat, sondern um die inneren Beweggründe geht, wenn er sagt: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der wird dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinen Bruder ohne Ursache zürnt, wird dem Gericht verfallen sein.“ (Matthäus 5,21-22)
Du stehst da, guckst dich an und überleg mal: Gab es nie in deinem Leben einen Moment, wo du über deinen Nächsten boshaft erzürnt warst?
Es heißt: Du sollst nicht Ehe brechen. „Habe ich nie gemacht“, sagst du. Jesus kommt und sagt: „Wer eine Frau ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ (Matthäus 5,27-28)
Wir können die Liste fortsetzen. Wir müssen eines begreifen: Es geht nicht um unser äußeres Verhalten, sondern um unser Herz. Und wenn wir dann allein vor diesem Spiegel des Gesetzes stehen, ohne andere beeindrucken zu wollen oder zu können, müssen wir feststellen: Die Anklage ist gerechtfertigt.
Ohne Christus sind wir abgewichen, nutzlos und böse.
Die Auswirkungen der Verdorbenheit auf Sprache und Verhalten
Paulus hört immer noch nicht auf. Nun macht er deutlich, dass sich all dies auch auf unser Verhalten auswirkt.
Wir sind nämlich viertens nicht nur unbußfertige Sünder, sondern auch verlogen. Das verdorbene Herz beeinflusst unsere Sprache. Schaut mal in den Text hinein, Verse 13 und 14: „Ihre Kehle ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen betrügen sie, Otterngift ist unter ihren Lippen, ihr Mund ist voll Fluchen und Bitterkeit.“
Die Zunge ist wie ein kleines Ruder, das große Schiffe lenkt – so sagt Jakobus 3. Die Bibel erklärt: So klein ein Glied am Leib auch ist, so groß ist doch der Schaden, den es anrichtet. Wie oft verletzen wir andere mit unfreundlichen Sätzen, Beleidigungen und boshafter Kritik! Das verdorbene Herz des gefallenen Menschen wird durch seine Worte offenbar, und davon gibt es zuhauf. Die Zunge ist ein Beweis unseres verkommenen Inneren. Wir tragen sie permanent mit uns herum, doch bauen unsere Worte selten auf und sind positiv wohl kaum.
Eltern wissen das, es geht hier auch um die Wahrheit: Niemand muss sein Kind zur Lügenschule schicken. Die Kleinen wissen von ganz allein, wie das geht. Manchmal lächeln wir, weil es harmlos ist, und manchmal staunen wir, wie es sein kann, dass ein Kind so hinterlistig ist. Aber Mama und Papa sind nicht besser. Wie oft hat ihre zerstörerische Sprache die Beziehung belastet, Ehen kaputt gemacht, Familienstreitigkeiten hervorgebracht und viel Herzeleid verursacht!
Paulus sagt: Schaut euch eure Worte an, sie sind Beweis dafür, dass es ein tieferes Problem gibt. Verlogenheit – dann geht er von der Kehle, die ein offenes Grab ist, über die Zunge, die Lippen und den Mund zu den Taten über. Der unbußfertige Sünder ist auch gewalttätig (Verse 15 bis 17): „Ihre Füße eilen, um Blut zu vergießen. Verwüstung und Elend bezeichnen ihre Bahn, und den Weg des Friedens kennen sie nicht.“
Unser Herz, unsere Worte und auch unsere Taten verurteilen uns. In der Geschichte der Menschheit gab es unzählige Kriege. Unschuldiges Blut wurde vergossen, Menschen verschleppt, missbraucht, gefoltert und getötet. Und das nicht nur im Mittelalter, sondern diese Grausamkeiten finden bis heute statt. Verwüstung und Elend sind die Spuren, die wir hinterlassen.
Das bedeutet nicht, dass jeder von uns mit einer Waffe auf den nächsten losgeht. Aber es drückt aus, dass wir nicht friedfertig sind. Denn Vers 17 sagt: „Den Weg des Friedens kennen sie nicht.“ Auch dies erlebt jeder im Kleinen.
Ohne Christus also sind wir abgewichen, nutzlos, böse, verlogen, gewalttätig und sechstens respektlos. Die Schuld betrifft nicht nur jeden Menschen, denn alle sind abgewichen, sondern sie betrifft auch – und das macht Paulus hier an diesem Bild deutlich – alle Bereiche unseres Seins. Er spricht das Herz an, die Kehle, Zunge, Lippen, Mund und Füße, und nun in Vers 18 nennt er auch noch die Augen: „Es ist keine Gottesfurcht vor ihren Augen.“
Der gefallene Mensch hat keinen Respekt vor Gott. Er bringt ihm nicht die Ehre, was wir schon beim Abweichen vom Weg festgestellt haben. Gott wird stattdessen von morgens bis abends verlästert und verhöhnt. Das sehen wir in unserer Welt. Gott zu fürchten bedeutet jedoch, ihn zu ehren und an erster Stelle in unserem Leben zu stellen. Doch wir wollen nicht.
Die Unausweichlichkeit des göttlichen Gerichts
Das ist die Diagnose der Heiligen Schrift über den Menschen. Doch es wird noch schlimmer. Paulus macht deutlich, dass all dies nicht in einem luftleeren Raum geschieht, sondern dass wir uns dafür vor Gott verantworten müssen.
So schreibt er in Vers 19: „Wir wissen aber, dass das Gesetz alles, was es spricht, zu denen sagt, die unter dem Gesetz sind.“ Sicherlich sind damit die Juden gemeint, aber nicht nur sie. Denn das Gebot Gottes gilt für jeden Menschen.
Paulus fährt fort: „Damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei.“ Das bedeutet, jeder ist unter dem Gebot Gottes, unter dem Gesetz Gottes. Die Anforderungen gelten für jeden Menschen. Unsere Übertretungen und Verfehlungen im Hinblick auf dieses Gesetz sind nicht moralisch neutral und betreffen nicht nur unser Verhältnis zu unserem Nächsten, sondern vor allem unsere Beziehung zu Gott.
Damit „jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei“, kommt nun die entscheidende Frage: Was sagst du zu deiner Verteidigung? Was bringst du vor?
Der unbußfertige Sünder wird nichts zu seiner Verteidigung sagen können. Warum? Weil jeder Mund verstopft sein wird. Bei Gottes Gericht wird niemand gute Werke als Rechtfertigung vorbringen können. Auch keine Entschuldigungen oder Verweise auf das eigene Umfeld für schlechtes Verhalten.
Die Bibel sagt: Alle Münder werden verstummen! Jeder wird wissen, dass er schuldig ist und dass Gottes Urteil gerecht ist. Das liegt daran, dass wir nicht vor einem menschlichen Richter stehen, sondern vor dem göttlichen Richter.
Vor einem irdischen Gericht haben wir viele Möglichkeiten, das Verfahren zu beeinflussen. Es gibt Schlupflöcher im Gesetz, mildernde Umstände können geltend gemacht werden, psychologische Belastungen werden berücksichtigt. Und sollten wir verurteilt werden, können wir Berufung einlegen oder Petitionen einreichen. Selbst im Gefängnis können wir Briefe schreiben, Bücher verfassen und für unsere Unschuld argumentieren.
Doch vor Gott wird jedes Wort verstummen. Denn spätestens dann wissen wir, dass wir schuldig sind. Es gibt kein Wort, das zu unserer Verteidigung gesagt werden kann.
Wenn ein Sünder dennoch meint, am Tag des Gerichts mit Gott diskutieren zu können, erinnert Pastor James Montgomery Boice in seinem Kommentar daran, dass selbst biblische Helden vor Gott verstummen. Hiob zum Beispiel hatte viele Fragen an Gott, bis dieser sprach:
„Wer Gott zurechtweisen will, Hiob, der antworte nun.“ Da antwortete Hiob dem Herrn und sprach: „Siehe, ich bin zu gering, was soll ich dir erwidern? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen, ich habe nichts mehr zu sagen.“
Auch Jesaja schwieg, als er Gott sah: „Wehe mir, ich vergehe, denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und wohne unter einem Volk, das unreine Lippen hat; denn meine Augen haben den König, den Herrn der Herrscharen, gesehen.“ (Jesaja 6,5)
Er erkannte, dass alles, was er sagen könnte, unwürdig, unrein und sündhaft war. Er wurde zum Schweigen gebracht und sagte nichts mehr. Erst nachdem Gott einen Seraph mit einer Kohle vom Altar gesandt hatte, um seine Lippen zu reinigen, war Jesaja wieder in der Lage zu sprechen und Gottes Botschaft an sein Volk weiterzugeben.
Hiob schwieg, Jesaja schwieg. Habakuk schwieg, seine Lippen zitterten, aber es kam kein Ton heraus (Habakuk 3,16).
Selbst Johannes, der geliebte Jünger Jesu, fand keine Worte, als er den auferstandenen Christus auf der Insel Patmos in einer Vision sah: „Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen nieder wie tot.“ Er schwieg und rührte sich nicht.
Und nun kommen wir und meinen, im Gericht Gottes reden und uns verteidigen zu können. Wenn schon die Stimmen dieser Männer Gottes schweigen, wie viel mehr die des unbußfertigen Sünders. Er wird verstummen, und es wird still sein – mucksmäuschenstill.
Was willst du denn tun im Gericht Gottes? Mit welchem Recht meinst du, in den Himmel zu kommen?
Denn „aus Werken des Gesetzes kann kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden.“ Dein Werk rechtfertigt dich nicht.
Deine und meine Verdorbenheit, unsere Aussichtslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Schuld lassen ein gerechtes Urteil über uns fallen. In der Tat eine ausweglose Situation.
Die Hoffnung durch Jesus Christus
Aber jetzt schau dir den nächsten Vers an: Vers 21
Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar geworden, die vom Gesetz und von den Propheten bezeugt wird. Es ist die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus. Sie gilt für alle und kommt auf alle, die glauben.
Jesus ist unsere Gerechtigkeit. Er ist für unsere Übertretungen ans Kreuz gegangen. Er hat für unsere Sünden gelitten und die Strafe dafür getragen. Diejenigen, die sich im Vertrauen und Glauben diesem Christus nähern, kommen zu Gott und gelangen in den Himmel.
Der unbußfertige Sünder wird schweigen, doch der wiedergeborene Christ hat einen Fürsprecher. Wer will verurteilen? Christus ist es, der gestorben ist – ja, mehr noch, der euch auferweckt hat, der zur Rechten Gottes sitzt und für uns eintritt.
Du stehst da und schweigst. Es wird nichts mehr zu sagen geben. Aber dann kommt Christus und sagt: Dieser Mann, diese Frau gehören zu mir. Ich bin seine, ich bin ihre Gerechtigkeit. Und der Vater, der gerechte Richter, wird Christus sehen und nicht mehr dich in deiner Schuld.
Siehst du, dass es Hoffnung für dich gibt? Es gibt Hoffnung im Gericht Gottes, Hoffnung für dein sündhaftes Leben. Aber es gibt nur eine Hoffnung, und die heißt Jesus Christus.
Deshalb schau ehrlich in den Spiegel. Ganz allein, du musst niemanden beeindrucken. Ziehe aufrichtig Bilanz und stell dir die Frage: Wie werde ich vor Gott bestehen?
Abschluss und Gebet
Die wichtigste Botschaft der heutigen Predigt lautet: Du bist in Schwierigkeiten, und diese Schwierigkeiten können nur von Jesus gelöst werden.
Die Botschaft an die Kinder Gottes ist: Lasst uns nie vergessen, wovon wir errettet wurden. Vergiss niemals, wovon Gott dich befreit hat, und vergiss nie das Erlösungswerk Jesu für dich. Kultiviere Dankbarkeit dafür, dass es nicht deine Werke sind, die dich retten, sondern das vollbrachte Werk Jesu Christi.
„Jetzt aber ist eine Gerechtigkeit erschienen in Christus Jesus, und ihm wollen wir vertrauen.“ Amen.
Vater im Himmel, was für ein Gnadengeschenk sind diese Worte! Ja, wir können sagen: Danke, dass du uns den Spiegel vorhältst. Wir betrügen uns ja sonst selbst, wenn wir meinen, alles sei in Ordnung, obwohl das gar nicht stimmt.
Wir haben auch aus dem Römerbrief bisher gelernt, dass wir in unserer Verworrenheit gar nicht erkennen, wie unser Zustand wirklich ist – es sei denn, du offenbarst es uns. Und du tust es durch dein Wort. Dein Wort ist lebendig, es ist von dir und zeigt uns, wer wir sind.
Das ist ein ernstes Thema, Herr. Der Tag wird kommen, da werden wir alle vor dir erscheinen. Ich bitte dich, dass du in den Herzen von uns allen und besonders in den Herzen der Zuhörer, die sich bisher noch nicht im Vertrauen an dich, Jesus, gewandt haben, Klarheit schaffst. Wir müssen uns alle diese Frage stellen: Wie können wir vor Gott bestehen bei einer solchen Anklageschrift?
Ich bitte dich, Herr, dass du Glauben schenkst. Offenbare dich selbst durch dein lebendiges Wort an die toten Herzen. Mach lebendig durch deinen Heiligen Geist. Gerade jetzt: Schenk Glauben, schenke Erkenntnis, schenke Überführung von Schuld und Sünde. Schenk einen vertrauensvollen Blick zu dir hin, Jesus Christus, der unsere Erlösung ist.
Ich bitte dich auch, Herr, hilf uns, immer dankbar zu sein für dein Erlösungswerk. Wir gehen auf Karfreitag und Ostern zu. Wir sehen, wie du gelitten hast, und du hast es nicht umsonst getan. All das hatte ein Ziel: deine Kinder zu erlösen. Dafür preisen wir dich.
Deswegen dürfen wir dich mit Lobgesang erheben. Unsere Herzen freuen sich, denn du bist unser Erlöser. Amen.