Generierte Mitschrift
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Einleitung und Fragestellung
Guten Abend, meine Damen und Herren, ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüßen.
Ich habe das Vorrecht, heute Abend über das Thema „Woher kommen die Religionen?“ zu sprechen. Wir fragen uns: Gab es eine Evolution, eine Entwicklung der Religionen?
Zunächst ein paar einleitende Bemerkungen zum Thema und einige Beobachtungen.
Religion ist ein weltweites Phänomen. Überall auf der Erde, wo es Menschen gibt, gibt es Religion, in welcher Form auch immer.
Zweitens: Religion ist ein menschliches Phänomen. Im Tierreich, auch bei den Affen, gibt es nicht einmal ansatzweise etwas, das mit Religion zu tun haben könnte. Oder haben Sie im Zoo jemals einen religiösen Affen gesehen?
Religion ist also ein ausgesprochen menschliches Phänomen, das sogar eine deutliche Abgrenzung gegenüber dem Tier- und Pflanzenreich darstellt.
Das evolutionsgeschichtliche Modell der Religionen
Im neunzehnten Jahrhundert kam die moderne Evolutionslehre auf. Charles Darwin (1809–1882) ist der Vater der modernen Evolutionslehre. Sie besagt, dass sich das Leben von selbst entwickelt habe und man Gott nicht brauche, um die Entstehung der Welt und der Dinge zu erklären.
1859 gab Charles Darwin sein erstes Evolutionsbuch heraus, Die Entstehung der Arten durch natürliche Selektion. Darin ging es um die Entwicklung der Pflanzen und Tiere. 1871 kam das Buch Die Abstammung des Menschen heraus. Dort wurde dargelegt, dass natürlich alles, was früher gesagt wurde, auch für den Menschen gelte. Auch er sei einfach eine Entwicklung aus dem Tierreich, ohne den Schöpfergott.
Diese Lehre wurde damals unter Intellektuellen im Allgemeinen sehr enthusiastisch aufgenommen, in Europa und Amerika. Sogleich wurde sie auch auf andere Gebiete angewendet, unter anderem auf die Religionsgeschichte.
Die moderne Kulturanthropologie, also die Beschäftigung mit verschiedenen Kulturen der Menschen, wurde durch Edward B. Tyler (1832–1912) begründet. Er übernahm sofort die Evolutionslehre Darwins und wandte sie im Rahmen seiner Kulturanthropologie auf die Religionen an. So stellte er ein folgendes Schema auf:
Zuerst gab es keine Religion, so wie es bei den Tieren und auch bei den Affen keine Religion gibt. Dann sei bei den Urmenschen schließlich der Animismus entstanden. Noch später der Polytheismus beziehungsweise der Pantheismus. Und erst nach längerer weiterer Entwicklung sei dann der Monotheismus entstanden. Schließlich, als der Mensch noch weiter, noch höher entwickelt wurde, der Atheismus als fünfte Entwicklungsstufe.
Keine Angst, ich werde alle diese Ausdrücke erklären.
Also noch einmal: Das Schema sah folgendermaßen aus. Zuerst habe es keine Religion gegeben. So stellte man sich steinzeitliche Höhlenmenschen vor, die auf diesem Bild hier gemeint sind. Sie seien einfach so in den Tag hinein lebend gewesen, ohne Moral, ohne Ethik und ohne Religion.
Aber dann sei mit der Zeit der Animismus entstanden. Das kommt von anima, lateinisch Seele. Der Animismus ist der Glaube an Geister und Seelen in der Natur. Das hat man sich dann etwa so vorzustellen: Sagen wir, ein Höhlenmensch hat einmal geträumt. Im Traum sah er sich ganz oben bei der Quelle. Am Morgen, als er wieder erwachte, sah er: Ich bin da in der Höhle, aber jetzt war ich doch eben da oben bei der Quelle. Komisch, gibt es vielleicht etwas in mir, das ausreißen kann und während des Schlafens wandern?
So sei dann die Idee entstanden, der Mensch hätte wahrscheinlich so etwas wie eine Seele, die unabhängig vom Körper sich bewegen könne. Dann sei der Gedanke entstanden: Ja, wenn ich als Mensch eine Seele habe, warum dann nicht auch der Baum, der da vor der Höhle steht? Und warum eigentlich nicht der Bach, der da unten vorbeifließt? Und die Quelle dort oben, warum hat die nicht auch eine Seele? Und der Stein da gleich beim Eingang der Höhle?
So hätte man sich vorgestellt, die ganze Natur sei irgendwie belebt durch Seelen oder eben Geister in der Natur. Animismus ist das, was zum Beispiel bei den Ureinwohnern Schwarzafrikas ganz üblich verbreitet ist.
Drittens: Polytheismus, das heißt der Glaube an viele Götter, oder der Pantheismus. Pan heißt alles, also sei alles göttlich, in allem sei ein göttlicher Geist vorhanden. Man hat sich das dann so vorgestellt: Die primitiven Stämme hätten eben noch an Seelen und Geister geglaubt. Indem diese Gesellschaft aber immer mehr entwickelt wurde, zum Beispiel auch einen König an der Spitze hatte, hätten sie dann begonnen, Geister über Geister zu stellen. Die höheren Geister und Seelen seien dann eben Götter gewesen. So sei der Glaube an viele Götter in der ganzen Natur entstanden, oder eben einfach ganz unpersönlich das Göttliche in allem.
Das ist sehr typisch für den Hinduismus, für den später entwickelten Buddhismus und so weiter. Darum hier beispielsweise ein Hindu mit Kuh in Delhi.
Der biblische Gegenentwurf
Dann sei viel später der Monotheismus entstanden, der Glaube an einen einzigen Gott, so bei dem Volk Israel und später im Christentum, denn der Gott Israels ist ja derselbe Gott wie der Gott im Neuen Testament, der Gott im Christentum. Und dann sei später auch noch der Islam entstanden, und auch dort spreche man nur von einem einzigen Gott.
Aber eben, die Entwicklung sei weitergegangen, bis der Mensch ganz intelligent geworden sei, besonders seit dem neunzehnten Jahrhundert, nicht wahr? Das sei die Zeit von Friedrich Nietzsche, der gesagt habe: Gott ist tot. Damit habe er nicht gemeint, Gott hätte jemals gelebt, sondern er habe sagen wollen: In unserer modernen Zeit des neunzehnten Jahrhunderts ist der Gedanke an Gott passé, vorüber. Karl Marx sagte: Religion ist Opium des Volkes. Also habe der Mensch da die Realität erkannt; es gäbe natürlich überhaupt keinen Gott. Höchste Entwicklung!
Nun schauen wir uns als Gegensatz zum Evolutionsschema der Religionen an, was die Bibel über die Entstehung der Religionen sagt. Wir wollen diese Aussagen einfach einmal einander gegenüberstellen. Die Bibel sagt: Gott ist von Ewigkeit her da, und die Bibel beginnt mit der Schöpfung: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und so erklärt die Bibel, dass der Mensch von Anfang an um die Existenz Gottes wusste, und zwar des einen Gottes. Also zuerst war der Monotheismus da.
Aber der Mensch, sagt die Bibel, hat sich aufgelehnt und von Gott entfernt. Und so ist in der Folge durch Abfall von dem einen Gott der Animismus entstanden, der Glaube an Seelen und Geister der Natur, oder der Polytheismus, der Glaube an viele Götter, der Pantheismus, der Glaube, Gott sei in allem, alles sei Gott, und auch der Atheismus: Es gibt keinen Gott.
Nun, das ist nicht eine moderne Erfindung des Atheismus. David schreibt schon vor dreitausend Jahren in Psalm 14: Der Tor spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott. Also ist das nichts Modernes, es ist eigentlich Schnee von gestern. Aber eben, ich sage nur, so erklärt die Bibel die Entstehung der Religionen.
In Römer 1,18, das ist ein Brief, den der Apostel Paulus im Jahr 57 nach Christus geschrieben hatte, findet man eine ganz massive Religionskritik. Die Bibel kritisiert die Religionen der Welt als Abfall, als Wegwendung von dem einen Gott. Ich lese in Römer 1,18: Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen geoffenbart. Denn das Unsichtbare von ihm, das heißt von Gott, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten mit dem Verstand wahrgenommen werden, wird geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien. Weil sie Gott kennend ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständliches Herz verfinstert wurde, indem sie sich für weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes ausgetauscht mit dem Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren. Darum hat Gott sie auch dahingegeben in den Gelüsten ihrer Herzen in Unreinheit, ihre Leiber untereinander zu schänden, welche die Wahrheit Gottes mit der Lüge ausgetauscht und dem Geschöpf mehr Verehrung und Dienst dargebracht haben als dem Schöpfer, welcher gepriesen ist in Ewigkeit. Amen.
Also so erklärt das Neue Testament die Herkunft der Religionen: durch Abfall von Gott. Man habe begonnen, eben die Natur und angebliche Kräfte in der Natur zu verehren, anstatt den Urheber der Natur. Man hat die Schöpfung begonnen zu verehren, anstatt den Schöpfer.
In 1. Mose 11 wird uns berichtet in der Bibel, wie die Menschheit nach der Sintflut sich wieder formiert hat. Die Urgesellschaft hat die früheste Zivilisation nach der Sintflut aufgebaut, und zwar im heutigen Südirak, die sumerische Kultur. Sie haben wahrscheinlich in der Schule gelernt, dass als früheste Hochkultur die sumerische Kultur gerade entstanden sei in der Folge des Turmbaus von Babel, wie er beschrieben wird in 1. Mose 11. Die Menschen haben einen Turm gebaut, und dann kam deswegen die Sprachenverwirrung.
Babel, Zerstreuung und frühe Religionsgeschichte
1. Mose 11,8: Und der Herr zerstreute sie von dannen über die ganze Erde, und sie hörten auf, die Stadt zu bauen. Darum gab man ihr den Namen Babel, zu Deutsch Verwirrung; denn dort verwirrte der Herr die Sprache der ganzen Erde, und von dort aus zerstreute sie der Herr über die ganze Erde.
Nun, ganz wichtig: Dieser Turm von Babel, den die nachsintflutliche Urgesellschaft der Menschheit gerade in der Zeit vor den Sumerern errichtet hatte, war nicht ein Aussichtsturm, sondern eine sogenannte Zikkurat. Ein Stufenturm, wie Sie hier sehen. Und diese Stufentürme waren künstliche Tempelberge. Zuoberst auf dem Gipfel befand sich ein Heiligtum. In dieses Heiligtum sollten die göttlichen Kräfte im Himmel, also in den Sternen und in den Planeten und so weiter, herabkommen und dort mit den Menschen eine Begegnung haben.
In Jesaja 47,12 wird gesagt, dass Babel von Jugend an Magie getrieben hat. Das heißt also, hier haben wir die Jugend, die früheste Zeit der Stadt Babel. Das war eine Zeit der Abwendung von dem wahren Gott, in der man begann, sich auf Naturgottheiten zu konzentrieren und damit verbunden auch Magie zu treiben.
Dadurch kam es zur Sprachenverwirrung, und die Urgesellschaft wurde aufgesplittert. Die Jafetiten, viele von ihnen, wanderten nach Europa aus, Hamiten, viele von ihnen, gingen nach Afrika und so weiter. So wurde nach der Bibel dann das Festland weltweit besiedelt.
Nun, die Bibel sagt also, die Menschheit hat einen gemeinsamen Ursprung von der Schöpfung bis nach der Sintflut, bis zum Turmbau und der Sprachenverwirrung und den frühesten Völkerwanderungen. Das würde also bedeuten, dass die Menschheit eigentlich eine gemeinsame Erinnerung haben kann an diese Dinge, die nach der Bibel in diese Zeit hineinfällt, zwischen Schöpfung und Zerstreuung.
Das wäre also der Schöpfungsbericht, 1. Mose 1-2, der Sündenfall, 1. Mose 3, dann die weltweite Sintflut, 1. Mose 6-9, danach der Turmbau von Babel, die Sprachenverwirrung und die darauf erfolgte Zerstreuung.
Nun, jetzt haben wir diese beiden Standpunkte einander gegenübergestellt, und wir fragen uns: Was stimmt? Die Evolutionslehre oder die Bibel?
Nun, ich lade Sie ein, mit mir ein paar Weltreisen zu unternehmen, alles an einem Abend.
Erste Reise: Afrika und die Frage nach dem Schöpfer
Zunächst gehen wir nach Schwarzafrika, und zwar genau so wie die ersten Studenten von Tyler, dem Vater der Kulturanthropologie. Die hatten bei ihm gelernt, die Religionen seien in fünf Stufen entstanden.
Geht man nun zu den sogenannten Primitiven, zu den Wilden, wie man diese Völker damals noch nannte — heute würde man das nicht mehr so sagen, aber damals wurden sie an der Universität so bezeichnet —, dann wird man erkennen: Das sind alles Animisten. Sie glauben an Geister und Seelen in der Natur, sie betreiben Magie, eben weil sie noch auf der ganz tiefen zweiten Stufe der Entwicklung stehen.
In der gleichen Zeit, im neunzehnten Jahrhundert, gingen nicht nur Kulturanthropologen zu diesen Stämmen nach Afrika, um sie endlich einmal kennenzulernen. Denn bis dahin kannte das Abendland die Afrikaner, ihre Kultur und ihre Sprachen kaum. Nein, damals gingen auch viele Missionare nach Schwarzafrika.
Die Kulturanthropologen waren sofort bestätigt: Es ist wirklich so, wo man auch hinkommt in Schwarzafrika, das Kennzeichen dieser Stämme ist Animismus. Sie treiben Magie, Zauberei, der ganze Alltag ist davon bestimmt, voll Aberglaube, und sie verehren Geister und Seelen.
Aber dann kam der Moment, wo der Kulturanthropologe und auch der Missionar Fragen stellten: Wie stellt ihr euch eigentlich vor, woher wir Menschen kommen? Wie sind wir Menschen entstanden?
Und dann antworteten praktisch alle Stämme Afrikas: Der höchste Gott, er hat uns erschaffen.
Was, die wissen etwas von einem höchsten Gott? Die betreiben ja nur immer Magie und Zauberei und glauben an Seelen und Geister. Jetzt sprechen sie plötzlich von einem Schöpfergott.
Ja, praktisch alle Stämme Afrikas kannten die Existenz des Schöpfergottes. Aber normalerweise wurde dieser Schöpfergott nicht angebetet. Er spielte in den Stammesreligionen normalerweise keine Rolle. Eigenartig.
Und da hat natürlich der Missionar gefragt, und auch der Kulturanthropologe: Warum verehrt ihr diesen Schöpfergott nicht?
Und da konnte man grundsätzlich drei verschiedene Antworten bekommen, je nach Stamm.
Es gab Stämme, die haben gesagt: Unsere Vorfahren haben gegen Gott gesündigt. Das Bewusstsein von Sünde mussten die Missionare ihnen nicht erklären. Wir sind Sünder, das wussten die Afrikaner schon längst. Unsere Vorfahren haben gegen Gott gesündigt, er ist zornig auf uns, er hat sich von uns abgewendet und ist nun weit weg von uns. Wir haben keine Beziehung zu ihm.
Andere Stämme haben gesagt: Gott, der Schöpfer, ist so groß und erhaben. Wir sind so klein und unwürdig, wir sind nicht würdig, ihn zu verehren, und darum beten wir ihn nicht an.
Und eine dritte Gruppe von Stämmen sagte: Gott, der Schöpfer, ist gütig. Er hat uns nie etwas Böses angetan, deshalb brauchen wir ihm keine Opfer zu bringen. Aber die bösen Geister, die plagen uns, und wir müssen sie besänftigen. Darum bringen wir ihnen Opfer dar.
In Römer 1,21 hat der Apostel Paulus schon im Jahr 57 nach Christus geschrieben: „weil sie Gott kennend ihn weder als Gott verherrlichten, noch ihm Dank darbrachten.“
Das ist exakt die Situation von Schwarzafrika. Wir können also nach dieser Reise, nach dieser ersten Reise, sagen: Die religiösen Gegebenheiten in Afrika entsprechen exakt den Aussagen der Bibel. Aber die Evolutionslehre steht im Widerspruch zur Realität in Afrika.
Die afrikanischen Stämme sagen: Unsere Vorfahren kannten den Schöpfergott, aber wir sind weit von ihm weg und betreiben Animismus. Also da können wir Darwin und Taylor gleich abstreichen.
Zweite Reise: Südamerika und die Erinnerung an Viracocha
Aber gut, die Welt ist natürlich grösser als Schwarzafrika. Ich lade Sie jetzt ein, mit mir nach Südamerika zu gehen. Und zwar gehen wir gleich zu den Inkas in Südamerika, die ja vor einigen Jahrhunderten im Mittelalter ein gewaltiges Reich hatten, das sich über mehrere heutige südamerikanische Länder erstreckte, wie Sie hier auf der Karte sehen.
Ich möchte besonders über Pachacutec sprechen, 1438 bis 1471 n. Chr. Es war König Pachacutec, der das Inkerreich zur höchsten Blüte brachte. Er war ein grosser Bauherr. Er hat viele Festungen, Paläste und Tempel errichtet. Er ist auch der Erbauer von Cusco.
Pachacutec war ein feuriger Verehrer von Inti, dem Sonnengott. Aber eines Tages bekam Pachacutec Zweifel. Er sah, wie eine Wolke sich vor die Sonne stellte und ihr Licht verdunkelte. Da sagte er sich: Was ist das für ein Gott? Eine kleine Wolke, und die kann dem Sonnengott einfach das Licht wegnehmen.
Und überhaupt: Die Sonne ist eigentlich wie ein Diener. Sie muss sich an den genauen Zeitplan halten, und der Zeitplan ist jedes Jahr genau gleich. Für jeden Tag, am Morgen, wenn sie aufgeht, am Abend, wenn sie untergeht. Natürlich ändert sich das im Lauf des Jahres, aber jedes Jahr ist es wieder genau gleich. Die Sonne kann gar nicht tun, was sie will.
Und so sagte er sich: Also ist die Sonne nicht Gott. Die Sonne hat gar keine göttliche Macht. Die Sonne ist ein Geschöpf. Und ich habe bisher nicht einen Gott angebetet, sondern ein Geschöpf. Wenn Inti kein Gott ist, wer ist dann Gott?
Und so hat Pachacutec in der Tradition der Inkas, der Inkavorfahren, also damals im Mittelalter, geforscht, was sie gedacht hatten. Da hat er den Schöpfergott gefunden. Er entdeckte, dass die früheren Inkas den Schöpfer in ihrer Sprache Viracocha nannten. Und so begann er, Viracocha, den Schöpfergott, zu verehren.
Aber er wollte diese Entdeckung nicht für sich selbst behalten. Darum rief er die führende Schicht zusammen. Man könnte sagen, er veranstaltete ein Konzil, das Konzil von Coricancha. Und er sagte: Inti ist nicht Gott, sondern Viracocha, den unsere Vorfahren angebetet hatten.
Und zwar hatten die alten, alten Inkas gesagt, der Schöpfer sei weit, weit weg von uns, aber er sei erhaben und selbst ungeschaffen. Er schuf durch sein Wort. Das ist ja genau wie in 1. Mose 1. Und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht. So steht das im hebräischen Schöpfungsbericht, 1. Mose 1.
Also schuf Viracocha durch sein Wort. Er ist Richter, aber trotzdem mitleidig mit den Menschen und bereit zur Vergebung. Interessant: Das Konzept von Vergebung setzt auch das Konzept, das Bewusstsein von Schuld und Sünde voraus.
Übrigens ist Machu Picchu, diese berühmte, einst geheime Stadt oben in den Anden, das Werk von Pachacutec. Einige Sonnenpriester auf dem Konzil von Coricancha wurden zu bitteren Feinden Pachacutecs. Nicht wahr, wir verstehen: Pachacutec, du kannst doch nicht plötzlich dem Volk sagen, wir haben uns immer geirrt. Alles, was wir euch erzählt haben, war falsch.
Aber andere liessen sich durch die Argumente von Pachacutec überzeugen. Und so kam die grosse Frage: Wie wird das einfache Volk reagieren? Leider wurde dann ein Kompromiss geschlossen. Pachacutec beugte sich vor den politischen Bedenken der Sonnenpriester. Er sagte: Gut, die Verehrung des Schöpfers soll auf die herrschende Klasse beschränkt werden. Das Volk soll nichts davon erfahren.
Innerhalb eines Jahrhunderts nach Pachacutecs Tod vernichteten die Spanier unter Pizarro das Inkerreich und löschten die Oberschicht aus. Das Verrückte ist: Diese Kriminellen aus Südwesteuropa haben argumentiert, diese Wilden seien Götzendiener. Und darum müssten sie vernichtet werden. Sie wussten nicht, was da geschehen war. Die Kenntnis des einen Schöpfergottes war da, aber leider hat die Unterschicht nichts davon erfahren, und die Oberschicht wurde durch die Europäer ausgelöscht.
Aber die Überlieferungen sind eben festgehalten worden, und darum wissen wir diese Dinge.
Was die Vernunft und das Gewissen erkennen können
Nun, was können wir aus dieser Beobachtung lernen? Es ist also genau so, wie Römer 1,20 sagt: Denn das Unsichtbare von ihm, von Gott, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten mit dem Verstand wahrgenommen werden, wird geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien.
Die Bibel sagt, mit dem Verstand kann der Mensch erkennen: Die Natur ist ein Geschöpf, sie ist nicht der Schöpfer. Und im griechischen Text steht hier „noeo“, das heißt, mit der Vernunft begreifen. Nun, durch Überlegung kann der Mensch sehen: Erstens, die Natur ist nicht Gott. Und zweitens, da ist einer, der mächtiger ist als die Natur, der Schöpfer.
In Römer 2,14 schreibt der Apostel Paulus: Denn wenn Heiden – dieser Ausdruck bezeichnet in der Bibel Völker, die nicht zum Volk Israel gehören – denn wenn Heiden, die kein Gesetz haben, also die Bibel, die Tora nicht haben, ich wiederhole: Denn wenn Heiden, die kein Gesetz haben, von Natur die Dinge des Gesetzes ausüben, so sind diese, die kein Gesetz haben, sich selbst ein Gesetz, welche das Werk des Gesetzes geschrieben zeigen in ihren Herzen, indem ihr Gewissen mitzeugt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen.
Nun, hier sagt der Apostel Paulus: Der Mensch hat in sich eine Gesetzmäßigkeit, das Gewissen, und er weiß im Grunde genommen, was Recht und Unrecht ist. Auch wenn er die Bibel nicht hat und die Zehn Gebote nicht hat, „Du sollst dich töten“ – er weiß, dass Töten eine Sünde ist, dass Morden eine Sünde ist. Und so kann der Mensch also durch sein Gewissen Klarheit darüber haben, weil alle Menschen von ihrem Gewissen angeklagt werden: Ich bin schuldig vor dem Schöpfergott. Also kann der Mensch durch das Gewissen erkennen: Wir sind vor Gott schuldig, wir brauchen Vergebung.
Wir haben gesehen: Die Inkas wussten ohne Kontakt zur Bibel, noch bevor irgendwelche Leute mit der Bibel gekommen waren, dass Viracocha, der Schöpfergott, ein gerechter Richter ist, aber er ist mitleidig und er ist bereit zur Vergebung. Und übrigens, unter den Indianern in Nord- und Südamerika war das Wissen um einen höchsten Schöpfergott allgemein verbreitet. Auch daher war es kein Geheimnis.
Dritte Reise: China und der Name des Himmels
Ja, jetzt haben wir viel gearbeitet, eine kurze Unterbrechung.
Meine Damen und Herren, wir gehen jetzt nach Asien, und zwar nicht in einen kleinen Winkel, sondern nach China. Dieses Land ist ja eindrücklich, nicht wahr? Mit etwa einer Milliarde Bewohnern ist ja fast jeder sechste Mensch ein Chinese.
Im neunzehnten Jahrhundert kamen etliche Missionare aus Europa, besonders aus England, nach China. Sie haben die Sprache gelernt, die Kultur kennengelernt und kamen darum nicht einfach nur, um zu erzählen. Sie haben auch zugehört und wollten wissen, wie die Chinesen denken, woher sie kommen und was nach ihrer Ansicht der Sinn ihres Daseins ist. Da erfuhr man: Die Chinesen sagten schon in ganz früher Zeit unserer Geschichte, kannten wir Shangdi. Shangdi kann man übersetzen mit „der Herr des Himmels“, der Schöpfergott.
Natürlich haben die Chinesen Seelen verehrt, die Seelen der Vorfahren usw., und waren zutiefst in magische Praktiken verstrickt. Aber sie hatten ein Bewusstsein von der Existenz des Herrn des Himmels. Das älteste archäologische Zeugnis einer Inschrift, die den Namen Shangdi bezeugt, stammt aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus, aus der Shang-Dynastie. Die Chinesen erklärten: Shangdi ist der Schöpfer der Welt. Shangdi wurde nie durch ein Bild dargestellt. Interessant. Und man hatte auch keine Mythologie.
Mythologie, das sind so wilde Göttergeschichten, wie die griechische Mythologie mit Zeus und Apollo und Athene usw. Mit Shangdi entwickelte sich keine Mythologie. Und dieses Wissen um Shangdi war ja schon längst da, lange vor dem Buddhismus, der erst im sechsten Jahrhundert vor Christus entstand, eine sehr, sehr junge Erscheinung der Religionsgeschichte, oder der Taoismus, fünftes Jahrhundert vor Christus, und der Konfuzianismus, auch fünftes Jahrhundert vor Christus.
Aber das Studium der chinesischen Geschichte zeigte: Ab der Zeit der Zhou-Dynastie, 1066 bis 770 vor Christus, das entspricht so der Zeit von David, Salomo und der Königszeit in der Bibel, wurde dem Volk verboten, Shangdi anzubeten. Das Volk sei unwürdig, dies zu tun; nur der Kaiser könne Shangdi würdig verehren. Und von da an war er der einzige, der Shangdi verehrte, offiziell und ihm jährlich ein Opfer darbrachte.
Dadurch entstand in China in der Frühzeit ein religiöses Vakuum. Und wie das so ist, auch in der Physik: Wenn ein Vakuum da ist, dann drängt etwas anderes in dieses Vakuum hinein. Und so kam es in der Folge dazu, dass der Buddhismus, der Konfuzianismus und der Taoismus in diese religiöse Lehre Chinas eindrangen. Aber Shangdi wurde nie ganz vergessen, sogar bis in die Zeit der Kommunisten nicht. Da konnte es sein, dass ein Kind die Eltern fragte: Erzählt uns mal von Shangdi! Wir haben gesagt, wir wissen nicht viel von Shangdi, er ist der Schöpfergott, unsere Vorfahren haben ... und so weiter.
Nun, ich habe erklärt: Im neunzehnten Jahrhundert kamen Missionare aus dem Westen und predigten in China das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus. Und gewisse Missionare haben dann bewusst bei dieser Kenntnis von Shangdi angeknüpft. Und haben dann zum Beispiel Johannes 3,16 übersetzt: Also hat Shangdi die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Und da wussten die Chinesen: Diese Leute, diese Fremden, zunächst nannte man sie ja jeweils „fremde Teufel“, wenn irgendwelche fremden Leute nach China kamen, diese Fremden bringen uns gar nicht einen fremden Gott, sondern die haben uns erklärt, wie wir zu dem Schöpfergott, zu dem wir keine Beziehung mehr hatten, zurückkehren können.
Nun, 1949 kam die kommunistische Revolution in China, damit auch die offizielle Einführung des Atheismus nach der Lehre von Marx, die Verdrängung der Religionen, und alle westlichen Missionare wurden des Landes verwiesen. Aber von da an predigten Chinesen den Chinesen. Und zwar so, dass es zu einer beispiellosen Erweckung kam.
Heute schätzt man die Untergrundkirche in China. Untergrundkirche bedeutet die Kirche aus all den an Jesus Christus Gläubigen, die sich beim Staat nicht offiziell registrieren lassen wollen, weil das bedeuten würde, dass die Kirchen marxistisch-leninistisch unterwandert werden. Die sind darum bereit, für ihren Glauben zu leiden und auch ins Arbeitslager zu kommen usw. Und vorsichtig geschätzt denkt man, es gibt etwa achtzig Millionen Gläubige; es gibt andere, die sprechen von noch höheren Zahlen. Achtzig Millionen Gläubige, die bereit sind, für ihren Glauben zu leiden. Das sind keine Namenschristen. Und es soll etwa eine halbe Million vollzeitliche Chinesen geben, die so typischerweise mit einer Tasche, Bibel darin, von Ort zu Ort reisen und den Chinesen das Evangelium von Jesus Christus predigen.
Vierte Reise: Die Miao und die Erinnerung an Babel
Nun gibt es in China natürlich viele Völker, viele Minderheiten, und dazu gehören zum Beispiel die Miao. Das ist ein Volk von wenigen Millionen Mitgliedern. Ein Missionar, der bei ihnen war, hat zugehört: Was erzählt ihr über die Ursprünge? Woher kommt die Menschheit und so weiter? Und da hatte er ihre Geschichte aufgeschrieben.
Lohan zeugte Kussa und Messai, Loschan zeugte Elan und Gashur. Ihre gezeugte Nachkommenschaft wurde zu Stämmen und Völkern. Ihre Nachkommen gründeten Niederlassungen und Städte. Ihr Gesang bestand aus den gleichen Melodien und derselben Musik, ihr Sprechen vollzog sich mit denselben Wörtern und derselben Sprache.
Da sagten sie: Lasst uns eine sehr große Stadt bauen. Lasst uns einen sehr hohen Turm bauen bis zum Himmel. Dies war falsch, doch sie führten ihren Entschluss aus. Nicht recht war es, doch unbesonnen beharrten sie darauf. Da schlug sie Gott und änderte ihre Sprache und ihren Akzent. Herabgekommen im Zorn verwirrte er Töne und Stimmen. Das eine Sprechen hatte keine Bedeutung für den anderen, der ihn hört. Er spricht mit Worten, doch können sie ihn nicht verstehen. So wurde die Stadt, die sie bauten, nie vollendet. Der Turm, den sie machten, muss nun unvollendet dastehen. In Hoffnungslosigkeit trennen sie sich und verteilen sich unter dem ganzen Himmel. Sie verlassen einander und umgehen die Welt. Sie kommen zu sechs Ecken und sprechen die sechs Sprachen.
Traditionelle Überlieferung der Miao.
Und die Parallelen zur Turmbaugeschichte in der Bibel sind ja absolut frappant, übrigens bis in die Namen hinein. Elan entspricht dem Elam in der Bibel.
Nun, was können wir daraus lernen? Es ist eben so, das ist nicht so ein Einzelfall, diese Geschichte, sondern man hat diese Parallelen weltweit gefunden. Hier auf der Karte da unten sehen Sie viele schwarze Punkte auf allen fünf Kontinenten. Jeder Punkt zeigt an, wo man eine Sintflutgeschichte mit Parallelen zur Bibel gefunden hat, bei den eingeborenen Völkern.
Sie sehen überall ganz besonders viel bei den Indianern in Nordamerika, aber auch in Mittelamerika, übrigens dort in Mittelamerika, wo man diese Türme findet, bei den Maya und so. Und zwar Türme, die genau solche Stufentürme sind wie die im Zweistromland, von Babel und vielen anderen Städten. Genau dort in Mittelamerika findet man viele solche Überlieferungen von Turmbau und Sprachenverwirrung, gerade im Zusammenhang mit diesen Türmen der Indianer und eben Sintflutgeschichten.
Dann auch in Südamerika, in Schwarzafrika, im alten Europa, in Asien und Sie sehen bis in die entfernte Welt, bis nach Australien. Man hat übrigens weltweit über 300 verschiedene Sintflutberichte gefunden, bei allen möglichen Völkern mit Parallelen zur Bibel. Ganz frappante Parallelen, von kleinen Details der biblischen Geschichte.
Deutungen, Einwände und die Frage nach der Bevölkerungsentwicklung
Ja, was können wir daraus lernen? Nun, wenn wir von der Glaubwürdigkeit der Bibel ausgehen, ist das einfach eine Bestätigung der Geschichtlichkeit von Turmbau, Sprachenverwirrung und Zerstreuung der Völker. Und auch von all den Geschichten davor, mit der Sintflut, davor mit Sündenfall und Schöpfung. Denn überall dazu findet man Parallelen.
Das war natürlich eine schlimme Sache für die Atheisten. Und die mussten sich auch etwas überlegen: Wie kann man gegen dieses Argument angehen? Das Argument kam mit der Missionshypothese. Er hat gesagt: Ja, das sind schöne Parallelen, aber das ging eben offensichtlich so: Ein Missionar kommt zu einem Volk, erzählt die Geschichten der Bibel, und diese Leute, die im Allgemeinen sehr gerne Geschichten hören, haben das übernommen, verändert und noch ihre Gedanken hineingebracht. Und am Schluss waren solche Legenden entstanden.
Ja, und jetzt? Aussage gegen Aussage. Nun, wir müssen auch ein bisschen weiter denken. Man findet weltweit Parallelen zu Dingen, die in der Bibel beschrieben sind, von 1. Mose 1 bis Kapitel 11, von der Schöpfung bis zum Turmbau und zur Sprachenverwirrung. Nach der Bibel hat die Menschheit da einen gemeinsamen Ursprung. Dazu findet man Parallelen weltweit.
Aber man findet keine weltweiten Parallelen zu Geschichten der Bibel ab 1. Mose 12, wo dann die Geschichte von Abraham, dem Stammvater Israels, beginnt. Nicht wahr, wo sind die Parallelen zum Beispiel zur Geschichte mit den zehn Plagen über Ägypten? Das wäre doch auch eine schöne Geschichte, oder? Eine, die man gerne hört, nicht? Keine Parallelen. Oder die Geschichte mit Jona im Bauch des Fisches und so weiter: Es gibt sie nicht als weltweite Parallelen.
Es gibt nur die weltweiten Parallelen zu den Geschichten, die nach der Bibel aus der Zeit stammen, bevor die Menschheit sich getrennt hatte. Ja, jetzt sind Sie dran, das wieder zu widerlegen, aber es hat keiner geschafft.
Ja gut, könnte jemand sagen: Wenn das stimmen würde, dann würde das ja bedeuten, dass die Menschheit, sagen wir, seit der Sintflut vor 4.500 Jahren, aus acht Personen bestand. Und heute sind wir etwa sechseinhalb Milliarden Menschen. Es wäre doch völlig unvernünftig zu glauben, die Menschheit sei aus acht Personen in 4.500 Jahren angewachsen auf sechseinhalb Milliarden Menschen. Wieso ist das ein Problem? Wo ist das Problem?
Wenn man die jährliche Zuwachsrate heute anschaut, so ist das 1,9. Das heißt also weltweit gesehen 3,5 Kinder pro Mutter. Das ist eigentlich eine sehr hohe Zuwachsrate, denn wir haben im 20. Jahrhundert die beiden Weltkriege gehabt, die zwei einzigen der Weltgeschichte. Im Ersten kamen etwa zwanzig Millionen ums Leben, im Zweiten etwa siebzig Millionen. Wir haben die Spanische Grippe gehabt, 1918, mit etwa fünfzig bis hundert Millionen Toten. Wir haben die Pockenepidemie gehabt, noch bis in die Achtzigerjahre, und da sind im 20. Jahrhundert vielleicht eine halbe Milliarde Menschen daran gestorben, usw.
Trotz all dieser Kriege, trotz all dieser Seuchen hat die Menschheit heute eine Zuwachsrate von 1,9. Das würde reichen, um in 1.490 Jahren von acht Menschen auf sechs Milliarden zu kommen. Es geht unwahrscheinlich schnell. Ja, Sie können das mal ausrechnen: Sagen wir, Sie haben zehn Kinder, ja? Und Sie sagen allen Kindern: Schaut doch, dass ihr auch große Familien habt, wie wir, das ist ja sehr schön. Sie haben alle auch zehn Kinder, und deren Nachkommen dann auch immer zehn Kinder. In etwa dreihundert Jahren wird daraus eine Milliarde. Es geht echt schnell!
So könnte man übrigens zum Beispiel das Problem der Islamisierung Europas lösen. Aber das ist ein anderes Thema. Ich mache da keine Politik, nicht wahr? Es geht mir nur darum zu sagen: Das ist genau das, was drinliegt, in dieser Zeit von acht Personen auf sechseinhalb Milliarden zu kommen.
Das Problem ist vielmehr: Warum gibt es heute nur so wenige Menschen? Ja, wenn der moderne Mensch, der Homo sapiens, wie er in der Biologie genannt wird, schon seit 40 Jahren existieren würde – ich rede jetzt nicht von Homo erectus und so weiter, ja –, dann läge die Weltbevölkerung heute bei 430 Milliarden. Ja, das ist echt ein Problem. Das Problem des Weltbildes, ja. Das funktioniert nicht.
Und dadurch könnte jemand sagen: Ja gut, die Menschen sind immer so auf Sparflamme gewesen in der Vermehrung, und irgendwie haben die sich nicht so stark vermehrt. Ja gut, aber über vierzigtausend Jahre hinweg: Wo sind die Grabstätten geblieben, von all denen, die mal gelebt und gestorben sind? Ja, es gibt ja die sogenannten prähistorischen Grabstätten. Das sind nur ganz wenige.
Gut, kann man jemand sagen, vielleicht haben nur die bedeutenden Leute der Urzeit so begraben. Aber wo sind die Steinwerkzeuge geblieben? Nicht wahr, alles, was man aus Holz macht, verrottet, aus Fell und Stoff und so weiter. Da kann man nicht erwarten, dass das den Zahn der Zeit überlebt. Aber Steinwerkzeuge, so Faustkeile, die man nach Evolutionstheorie übrigens nicht nur vierzigtausend, sondern über Jahrhunderttausende von Jahren immer so die ähnlichen geschlagen hat und dann auf die Jagd, nicht wahr, in die Mammuts her und so: Wo sind die Steinwerkzeuge geblieben?
Man hat zum Beispiel in Deutschland systematisch erfasst alle prähistorischen Stätten und die Werkzeuge, die jemand gefunden hat. Eine Hochrechnung ergibt: Die Steinzeit, meine Damen und Herren, die hat wohl ein paar Jahrhunderte gedauert. Nichts von Zehntausenden von Jahren, schon gar nichts von Hunderttausenden oder sogar zwei Millionen Jahren. Das ist alles, das passt alles nicht zur Realität.
Fünfte Reise: Korea und Burma als weitere Zeugnisse
Nun gehen wir weiter. Wir waren ja in China, jetzt gehen wir nach Korea. Dort ist es ebenfalls so: Die Koreaner kannten Hananim, den Schöpfergott. Auch das ist ein Parallelfall zu China und erklärt mit, warum die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus in Korea auf so viel Echo gestoßen ist. Denn die Koreaner realisierten: Diese fremden Leute bringen uns nicht einen fremden Gott, sondern zeigen uns, wie wir zu dem Schöpfergott zurückkehren können, von dem wir wussten, dass es ihn gibt.
Jetzt schaue ich auf ein kleineres Volk, die Karen von Burma. Es ist ein animistisches Volk, also ein Volk, das Seelen und Geister verehrt. Es gibt heute insgesamt sieben Millionen Karen. Sie wohnen hauptsächlich in Burma, zum Teil aber auch in Thailand und in Indien. In Indien bin ich selbst einmal durch ein Karendorf gereist.
Die Karen glaubten von alters her, dass ihre Vorfahren von Iwa, dem Schöpfergott, abgewichen sind. Und sie sagten: Unsere Vorfahren haben sein Buch verloren. Das haben wir jetzt noch nirgends gefunden, nicht wahr? Weder in Schwarzafrika noch bei den Indianern in Amerika. Aber die Karen sagten, sie haben das Buch verloren.
Das Seltsame ist: Die Karen waren, als man sie kennengelernt hatte, übrigens seit dem 18. Jahrhundert. Engländer, Sie kennen ja die Geschichte, wie England da Kolonialgelüste hatte in Asien, und so sind die Kontakte entstanden. Die Karen waren ein analphabetisches Volk, sie hatten gar keine Schrift, und doch sprachen sie von einem verlorenen Buch.
Als englische Beamte in ein Karendorf kamen, waren die Karen elektrisiert, weil sie eine Tradition hatten: Eines Tages wird uns ein Mann mit weißem Gesicht das Buch zurückbringen. Fragen Sie mich nicht, warum sie wirklich überzeugt waren, dass er ein weißes Gesicht hat; das ist ihre Überlieferung. Sie waren wie elektrisiert. Und dann haben sie den Übersetzer gebeten, ihn zu fragen, ob er das Buch habe.
Das war kein Christ, dieser Engländer, und er hat diese Karen sehr verächtlich abgewimmelt. Das war für sie eine tiefe Enttäuschung. Aber es gab unter diesen Karen immer wieder Buchos, also Karen-Leute, die als Glaubenslehrer der Karen auftraten und das Volk zur Umkehr zu Gott aufriefen. Sie sagten, es ist nicht richtig, dass man Geister verehrt. Also diese Karen sprachen, obwohl sie keine Bibel hatten, gegen den Animismus.
Die Buchos lehrten das Volk Gesänge, die von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurden, aber später aufgeschrieben wurden. Und in diesen Traditionen gab es auch die Aussage, weiße Ausländer werden einmal kommen und das verlorene Buch zurückbringen. Ich kann Ihnen sagen: Das war eine Enttäuschung mit diesem englischen Regierungsbeamten. Aber als dann ein echter Christ zu den Karen kam mit der Bibel, wurden in kurzer Zeit Tausende von Karen bekehrt und wurden Christen.
Beispiele von Karengesängen, die über Generationen überliefert wurden:
Iwa ist ewig, sein Leben ist lang. Ein Zeitalter, er stirbt nicht; zwei Zeitalter, er stirbt nicht. Er ist vollkommen an verdienstvollen Eigenschaften. Zeitaltern folgen Zeitalter, er stirbt nicht.
Ein Lied, das das Wesen des ewigen Gottes beschreibt, ganz wie es die Bibel bezeugt: Gott ist ewig.
Ein anderes Lied:
Wer schuf die Welt im Anfang?
Iwa schuf die Welt im Anfang.
Iwa bestimmte alles,
Iwa ist unerforschlich.
Oder:
Der Allmächtige ist Iwa, ihm haben wir nicht geglaubt.
Er hat ein vollkommenes Wissen von allem.
Iwa schuf die Menschen am Anfang.
Er weiß alle Dinge bis zur Gegenwart.
Oh meine Kinder und Enkel, ihr seht alle Dinge, und wir sind vor ihm offenbar.
Oder:
Iwa bildete ursprünglich die Welt.
Er bestimmte Essen und Trinken.
Er bestimmte die Frucht der Versuchung.
Er gab genaueste Anweisungen.
Mu Kauli täuschte und betrog zwei Personen.
Er veranlasste sie, die Frucht vom Baum der Versuchung zu essen.
Sie waren ungehorsam und glaubten Iwa nicht.
Als sie die Frucht der Versuchung aßen, wurden sie der Krankheit, dem Alter und dem Tod unterworfen.
Also ganz parallel zum Sündenfall-Bericht der Bibel, 1. Mose 3.
Oder:
Oh, ihr Kinder und Enkelkinder, betet Götzen und Priester nicht an!
Wenn ihr sie anbetet, werden wir dadurch keine Vorteile haben, sondern eure Sünden werden sich überaus vermehren.
Diese Belehrungen haben die Karen gehindert, den Druck der Buddhisten auszuhalten, und so sind sie nicht Buddhisten geworden. Aber leider haben sie im Allgemeinen auch den Animismus nicht wirklich verlassen.
Oh, ihr Enkel und Enkelkinder, wenn wir unsere Sünden bereuen und aufhören, Böses zu tun, indem wir unsere Leidenschaften beherrschen und zu Iwa beten, dann wird er sich wieder unser erbarmen.
Auch hier ist das Bewusstsein da: Wir Menschen sind Sünder vor Gott, wir sind schuldig vor Gott in dem, was wir getan haben. Aber mehr noch: Hier wird sogar gezeigt, wie man Vergebung bekommen kann, nämlich durch das Bereuen und Bekennen der Schuld Gott, dem Schöpfer, gegenüber.
Oder:
Wenn Iwa sich nicht unser erbarmt, dann gibt es niemanden, der das noch könnte. Er, der uns errettet, ist der einzige Iwa.
Und übrigens gibt es noch weitere Völker, die man entdeckt hat mit dem Wissen von einem verlorenen Buch, so die Cachin in Nordburma, die Lahu, die Wa, die Kui, die Lisu, die Naga in Indien und ebenso die indischen Mizo.
Gottes Weg zu den Menschen ohne Bibel
Was können wir daraus lernen? Auch hier haben wir wieder eine ganz eindrückliche Bestätigung der Geschichtlichkeit von Schöpfung, Sündenfall, Sintflut, Turmbau, Sprachenverwirrung und der anschließenden Zerstreuung der Völker.
In der Bibel, im Buch Hiob, Kapitel 33, steht etwas ganz Interessantes, nicht wahr? Das Buch Hiob handelt von einer Geschichte aus dem dritten Jahrtausend vor Christus. Diese Zeit würde man in Europa noch Steinzeit oder Jungsteinzeit nennen. In Europa liegt alles im Nebel. Wer hat irgendwelche schriftlichen Dokumente aus dieser Zeit, aus denen man etwas Konkretes wüsste? Nein. Aber im Nahen Osten konnte man schon längst schreiben.
Nun steht dort Folgendes darüber, wie Gott mit Menschen spricht, die keine Bibel haben. Hiob 33,15: Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt, im Schlummer auf dem Lager, dann öffnet er das Ohr der Menschen und besiegelt die Unterweisung, die er ihnen gibt, um den Menschen von seinem Tun abzuwenden und damit er Übermut vor dem Mann verberge, dass er seine Seele zurückhalte von der Grube und sein Leben vom Rennen ins Geschoss.
Diese Stelle sagt also, dass Menschen ohne Bibel von Gott durch Träume unterwiesen und gewarnt werden können, damit sie nicht auf dem falschen Weg weitergehen. Es ist wichtig, dass man diese Stelle nicht auf Europa bezieht, wo wir die Bibel haben. Man muss niemandem sagen: Ich möchte gerne einen Traum, und dabei liest er seine Bibel nicht. Hier will Gott durch die Bibel sprechen. Aber im Blick auf die Völker, die nie etwas gehört haben, ist das eine wichtige Erklärung.
Weiter zeigt Hiob 33,19, dass Gott auch durch Krankheit spricht. Dort heißt es, dass der Mensch mit Schmerzen auf seinem Lager gezüchtigt wird, mit beständigem Kampf in seinen Gebeinen. Sein Leben verabscheut das Brot und seine Seele die Liebesspeise. Sein Fleisch zehrt ab, dass man es nicht mehr sieht, und es werden seine Knochen sichtbar, die man vorher nicht gesehen hat. Und seine Seele nähert sich der Grube und seinem Leben den Würgern.
Wenn es nun für ihn einen Gesandten gibt, einen Ausleger, einen aus Tausend, um dem Menschen seine Geradheit kundzutun, so wird er sich seiner erbarmen und sprechen: Erlöse ihn, dass er nicht in die Grube hinabfahre; ich habe eine Sühnung zustande gebracht.
Also: Durch Krankheit, durch Leiden spricht Gott zu den Menschen, um sie von dem verkehrten Weg abzubringen. Das kann bis fast zum Tod gehen. Und dann wird hier von einem aus Tausend gesprochen, das ist der verheißene Messias, der Erlöser, der einmal kommen sollte, um die Erlösung für alle Menschen zu bringen, die zu Gott umkehren.
Ich lese weiter, Vers 25: Sein Fleisch wird frischer sein als in der Jugend, er wird zurückkehren zu den Tagen seiner Jünglingskraft. Also der Kranke, der umkehrt, wird gesund. Hier heißt es weiter: Er wird zu Gott flehen, und Gott wird ihn wohlgefällig annehmen, und er wird sein Angesicht schauen mit Jauchzen. Und Gott wird dem Menschen seine Gerechtigkeit vergelten. Er wird vor den Menschen singen und sagen: Ich hatte gesündigt und die Geradheit verkehrt, und es wurde mir nicht vergolten. Er hat meine Seele erlöst, dass sie nicht in die Grube fahre, und mein Leben erfreut sich des Lichtes.
Letzte Reise: Athen und die Verkündigung des Auferstandenen
Nun, zum Schluss reisen wir nach Europa, aber in die Antike. Europa vor zweitausend Jahren war ein Kontinent, in dem man viele Götter verehrte, und auch viele Geister und Seelen.
Dann kam ein Mann aus Asien, der Apostel Paulus. In Apostelgeschichte 17,16 finden wir die zweite Missionsreise von Paulus, etwa um das Jahr 50 nach Christus, als er nach Athen kam, nach Griechenland.
Ich habe einmal über diesen Text in Indien gepredigt, in einer grösseren Stadt, auf einem grossen Platz, und da kamen viele Hindus. Da habe ich erzählt: Wir wollen miteinander auf die Reise gehen mit dem Apostel Paulus. Sie müssen wissen, damals in Europa glaubten die Menschen an viele verschiedene Götter, und da kam ein Mann aus Asien zu ihnen nach Europa und wollte ihnen den einen wahren Gott bringen. Sie merkten dann, dass sich die Perspektive gewissermassen umdrehte, denn ich kam ja als Europäer nach Asien. Ja, sie haben verstanden.
Aber so muss man eben die Bibel verkündigen, damit die Menschen den Bezug zu ihrem Leben sofort erkennen.
Da sagt der biblische Bericht, dass Paulus, bevor er predigte, in Athen einen Stadtrundgang gemacht hat. Das zeigt übrigens, dass Paulus sich für das Leben und die Kultur der Menschen interessiert hatte. Er kam nicht nur, um zu erzählen, sondern er kam auch, um zu hören und zu sehen.
Dann hat er auch Gespräche geführt auf dem Marktplatz, auf der Agora. Er hat mit den Menschen über das Evangelium gesprochen, und da kamen auch epikuräische und stoische Philosophen. Das war ja damals eine grosse Philosophenstadt, Athen. Das war die intellektuelle Stadt Nummer eins in Europa.
Die Epikuräer glaubten übrigens, ganz am Anfang habe es nur Atome gegeben, die von oben nach unten fielen. Es gibt leider keine Epikuräer mehr, sonst würde ich so gerne einmal einen Epikuräer fragen, warum eigentlich ihre Philosophie damit beginnt, dass Atome von oben nach unten fallen. Warum von oben nach unten? Aber die gibt es nicht mehr, ich kann nicht mehr fragen.
Also, die Atome fallen von oben nach unten, und dann seien sie zufällig aneinandergeraten, und so sei die Welt entstanden. Die Pflanzen, die Tiere und der Mensch, ohne Gott und ohne Sinn, David lässt grüssen. Das war nicht modern. Was Darwin gebracht hat, das war Schnee von gestern.
Aber gut, die Epikuräer haben Paulus angegriffen, das waren die Evolutionisten von damals. Und dann sind auch die Stoiker gekommen und haben gesagt: Es ist ein Spermologos. Man hat herausgefunden, das war ein typisches Schimpfwort aus Athen in dieser Zeit. Es heisst wörtlich Saatpicker, das ist eine Krähe, nicht wahr, die mal da ein Korn erwischt und mal dort eines. Aber vor grossen Zusammenhängen steht nichts.
Nun, als Missionar muss man das gut ertragen können, dass die Leute sagen, der ist ein bisschen verrückt, das ist kein wirklicher Intellektueller und so weiter. Damit muss man leben.
Aber schlimmer war das: Es gab Leute, die sagten, er scheine ein Verkündiger fremder Götter zu sein. Komisch, haben die nicht gut zugehört. Da kommt einer und spricht nur über einen Gott, und dann meinen die, er bringe fremde Götter. Aber Lukas erklärt in der Apostelgeschichte, dass das deswegen war, weil er das Evangelium von Jesus und der Auferstehung verkündigte.
Sie müssen wissen, das Wort Anastasis ist zwar griechisch, aber es bedeutet für die Griechen eigentlich nichts: ana, wieder, stasis, stehen, also wieder aufstehen. Die Griechen glaubten ja im Allgemeinen, die Epikuräer nicht, aber die Griechen im Allgemeinen glaubten an ein Weiterleben der Seele nach dem Tod. Aber nie glaubten sie, dass der Mensch einmal auferstehen wird, dass der Körper wieder auferstehen wird. Das war für sie ein fremder Begriff.
Und dann Jesus, was das ist, dachten sie, das eine ist ein Gott und das andere eine Göttin. So haben sie gesagt, das war gefährlich, dieser Vorwurf: Er scheint ein Verkündiger fremder Götter zu sein. Denn diesen Vorwurf musste sich Sokrates lange vor Paulus gefallen lassen.
Sokrates, 469 bis 399 v. Chr., ein grosser Philosoph in Athen. Eltern seiner Studenten waren gegen ihn und haben ihn verleumdet und angeklagt beim Areopag, dem Gerichtshof in Athen: Er bringt fremde Götter nach Athen. Der Areopag hat das untersucht und schliesslich Sokrates zum Tod durch den Giftbecher verurteilt. Er starb. Es war Verleumdung.
Stellen Sie sich vor, so ein paar Jahrhunderte später kommt ein Jude, Paulus, nach Athen. Er scheint ein Verkündiger fremder Götter zu sein. Und tatsächlich, wenn Sie in der Bibel weiterlesen, ist das so spannend, wenn man das liest. Da heisst es, Paulus wurde festgenommen und vor den Areopag geführt. Das ist der Gerichtshof, vor dem Sokrates einst gestanden hatte. Aber es war nicht so ganz dramatisch. Die wollten zuerst einfach hören, was Paulus da erzählt. Sie sagten ihm: Du erzählst uns etwas Fremdes. Wir möchten gerne wissen, was du verkündigst.
Also sehen Sie: eine Art Voruntersuchung.
Dann musste Paulus eine Rede halten vor dem Areopag. Es gab gewisse Regeln. Man durfte nur logisch sprechen. Wer unlogisch redete, wurde sofort abgebrochen. Nun, Paulus sprach immer logisch.
Ja, aber wie sollte er beginnen? So wie im Römerbrief: Es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel über alle Gottlosigkeit? Nein, dann hätten sie nicht mehr zugehört, nicht wahr?
Und so hat er gesagt: Männer von Athen, ich sehe, dass ihr in jeder Hinsicht sehr religiös seid. Im griechischen Text heisst das Wort für religiös eigentlich Dämonen verehren. Aber das war im Altgriechischen nicht etwas Negatives, das hiess einfach religiös. Es ist aber ein Begriff, bei dem man nicht sagen kann, das sei ein Lob, denn es konnte positiv sein, aber es konnte auch negativ sein. Es war so ein Gummibegriff, nicht wahr?
Nun, das musste auch so sein. Es gab eine Regel: Man darf den Areopag nicht loben, um ihn nicht zu bestechen. Also sagt Paulus: Ich sehe, ihr seid sehr religiös.
Er erzählt, wie er in Athen herumgegangen ist, und er hat einen Altar gesehen mit der Inschrift: „Dem unbekannten Gott“, Agnostotheo. Und er sagt: Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, diesen verkündige ich euch.
Das war keine Beleidigung. Sie haben ja selber geschrieben, dass sie ihn nicht kennen. Sie haben ja Agnosto geschrieben. Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, diesen verkündige ich euch.
Er, indem er der Herr des Himmels und der Erde ist, können wir das mal zurückübersetzen auf Chinesisch: indem er der Herr des Himmels, Shangdi, ist. Er erklärt: Gott ist der Schöpfer aller Dinge. Er hat die Menschen gemacht. Er hat die Völker wohnen lassen an allen Orten, wo sie sind. Er spielt an auf 1. Mose 11 und so weiter, obwohl die Leute die Bibel nicht kennen, erzählt er ihnen, was die Bibel sagt.
Und nun, wie konnte Paulus sagen: Diesen Gott verkündige ich euch? Er kannte die Hintergrundsgeschichte. Archäologie und Bibel, das ist eine ganz tolle Sache, nicht wahr?
Er hat gewusst: Es gab im sechsten Jahrhundert vor Christus Pest in Athen, und man hat allen Göttern geopfert. Das war eine Riesenarbeit. Es gibt einen Bericht aus der Antike, der sagt, es war einfacher, in Athen einem Gott zu begegnen als einem Menschen. An allen Ecken standen diese Götterbilder der Griechen. Sie haben allen Göttern geopfert, aber es hat nichts genützt. Die Menschen starben weiterhin dahin wie Fliegen.
Und dann hat der Areopag eine Gesandtschaft zu dem weisen Mann Epimenides nach Kreta geschickt. Der sollte sie beraten. Epimenides ist nach Athen gekommen, hat sich vor den Areopag gestellt und hat erklärt: Ihr habt allen Göttern Athens geopfert, aber ihr habt einem nicht geopfert, dem unbekannten Gott. Ihr müsst ihm opfern.
Dann haben sie die Lämmer geopfert und Altäre errichtet mit dieser Inschrift. Und dann hat die Pest aufgehört.
Und jetzt stellen Sie sich vor: Paulus ist vor dem Areopag. Vorwurf: Er bringt fremde Götter nach Athen. Er sagt: Ich habe diese Inschrift gesehen, „dem unbekannten Gott“; diesen Gott verkünde ich euch. Und damit war Paulus frei. Er brachte keinen fremden Gott nach Athen, sondern er hat das kleine, minimale Wissen um den Schöpfergott in Athen genommen und angeknüpft.
Sie können diese Geschichte nachlesen in Apostelgeschichte 17,22.
Es ist ganz gewaltig, wie der Apostel Paulus das tut. Und zwischendurch zitiert er übrigens Dichter. Er sagt in Vers 28: „Denn in ihm leben und weben und sind wir, wie auch etliche eurer Dichter gesagt haben: Denn wir sind auch sein Geschlecht.“
Diesen Ausdruck, „denn wir sind auch sein Geschlecht“, findet man in einem Werk des stoischen Philosophen Aratus, 270 v. Chr. Wow, der Spermologos, die Saatkrähe, im richtigen Moment das richtige Korn, das richtige Zitat. Da haben die Stoiker schon lange Ohren bekommen.
Und dann dieses Zitat hier: „In ihm leben und weben und sind wir“ – das ist ein Zitat von Epimenides, der Beweis, dass er die ganze Sache mit Epimenides kannte.
Übrigens zitiert Paulus Epimenides auch im Titusbrief. Da sollten Älteste eingesetzt werden in den Gemeinden von Kreta, und zwar weil die Leute allgemein so ein bisschen schwierigen Volkscharakter hatten. Und Apostel Paulus sagt: Es hat einer aus ihnen, ihr eigener Prophet, gesagt: Kreter sind immer Lügner, wilde Tiere, faule Bäuche. Dieses Zeugnis ist wahr. Sie sehen, auch ein Kreter kann mal die Wahrheit sagen. Aber das war Epimenides, und wir wissen auch, woher dieses Zitat stammt.
Ja, und so hat Paulus den Athenern erklärt: Dieser Schöpfergott hat uns Menschen nicht vergessen, obwohl ihr fast nichts mehr von ihm wisst.
Und dann sagt er in Vers 30: Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle an allen Orten ihre Schuld bereuen sollen. Er erklärt mit dem Turmbau von Babel und der Abwendung von Gott und der darauf erfolgten Zerstreuung der Völker, wo dann die Völker ihre eigenen Religionen individueller ausgebaut haben. Da begannen die Zeiten der Unwissenheit.
Aber jetzt, wo Jesus Christus gekommen ist, der Sohn Gottes, das war ein paar Jahre vorher, jetzt ändert sich alles. Und Paulus sagt: Diese Zeiten der Unwissenheit sind vorbei! Jetzt sollen alle Völker auf der Erde erreicht werden mit der frohen Botschaft, und Gott sagt: Alle Menschen an allen Orten müssen ihre Schuld bereuen und umkehren.
Ich lese weiter: weil er einen Tag gesetzt hat, an welchem er das bewohnte Festland richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat allen den Beweis davongegeben, indem er ihn auferweckt hat aus den Toten.
Paulus hat zuerst den Schöpfergott verkündigt, der alles gemacht hat. Er hat erklärt, dass dieser Gott auch der Erhalter ist, der die Völker in der Geschichte geführt hat. Und dann erklärt er: Dieser Gott ist auch der Richtergott, der einmal jeden von uns zur Rechenschaft ziehen wird, für alles, was wir getan, geredet und gedacht haben.
Und dann sagt er aber: Es gibt einen Mann, der wird der Richter der Welt sein, und dieser Mann ist gestorben und auferstanden. Da wollte er eben erklären: Der Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist gekommen, um unser Retter zu werden durch sein Sterben am Kreuz.
Aber Paulus wusste: Wenn er jetzt von Auferstehung spricht, dann ist fertig, weil bei den Griechen das Konzept von Auferstehung irgendwie nicht passte. Und tatsächlich, die Rede ist fertig.
Als sie aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen. Die anderen aber sprachen: Wir wollen dich darüber auch nochmals hören.
Also ging Paulus aus ihrer Mitte hinweg. Etliche Männer aber schlossen sich ihm an und glaubten, unter welchen auch Dionysius war, der Areopagit, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.
Schlussgedanken: Ewigkeit, Umkehr und die Einladung zum Glauben
Ja, später, wahrscheinlich haben die Epikuräer am lautesten gelacht, weil sie geglaubt haben, auch die Seele des Menschen bestehe aus Atomen. Und wenn der Mensch stirbt, dann falle die Seele auseinander. Totenauferstehung!
Nun, es gibt immer wieder diese drei Gruppen: solche, die laut lachen oder leise; dann gibt es solche, die plötzlich interessiert sind: Wir wollen dich nochmals hören. Ihnen muss man vorschlagen: Wollt ihr mit uns zusammen die Bibel lesen, so fortlaufend, einfach um zu wissen, was überhaupt in der Bibel steht, die Botschaft besser kennenzulernen, Hauskreis einladen usw. Und dann gibt es solche, die wirklich die Konsequenzen ziehen und zum Glauben kommen: Dionysius, Damaris und noch andere.
Was können wir daraus lernen? Nun, es ist wirklich so, wie es im Prediger steht, wo der weise König Salomo geschrieben hat, Kapitel 3, Vers 11: Auch hat er, Gott, die Ewigkeit in ihr Herz gelegt. Der Mensch hat in seinem Herzen ein inneres Wissen um die Ewigkeit, um das Weiterleben nach dem Tod, eine Ahnung davon und auch um die Existenz eines ewigen Gottes.
Nun, was sehen wir übrigens in der Geschichte Europas bis heute? So kam der Monotheismus wieder, kann man sagen, nach und nach zu den Europäern. All die Götter wurden weggetan, über Jahrhunderte hinweg. Und jetzt sind wir im zwanzigsten Jahrhundert, und besonders seit der Achtundsechziger-Bewegung hat sich Europa völlig verändert. Die Menschen haben sich bewusst zu Millionen von Gott und der Bibel und biblischer Ethik abgewandt, freie Sexualität und freie Maßstäbe, nicht mehr nach der Bibel, einfach das Vergnügen leben, wie es so kommt. Und so haben Millionen von Menschen den einen Gott, den Monotheismus, verlassen.
Und was haben wir heute? Menschen, die werden Buddhisten, beginnen plötzlich an verschiedene Götter zu glauben, Pantheisten, irgendwo ist Gott in allem vorhanden, irgendeine unpersönliche Macht, oder Animisten, die an Kräfte in Steinen glauben. Wenn man diesen Edelstein anzieht, dann besteht man die Prüfung in der Schule morgen besser. Das ist Animismus pur, der Glaube an solche kosmischen Kräfte in der Natur. Das kommt aus dem Animismus. Und dann auch der Stolz der Atheisten: Es gibt keinen Gott.
Aber es ist genau so, wie die Bibel sagt: Zuerst Monotheismus, und durch Abfall entstehen alle anderen Formen von Religion. Aber daran wollen wir festhalten: Heute gibt es noch den Weg zurück zu Gott. Das ist die Botschaft, die für alle Menschen heute gilt.
Jesaja 55,6. So steht es im Alten Testament geschrieben: Sucht den Herrn! Also, wir müssen aktiv werden, wir müssen Gott suchen. Ich hatte mal einen Vortrag an einer Fachhochschule im Wallis, in der Schweiz, und danach kam ein Student zu mir und hat mich gefragt: Muss man sich von sich aus bekehren? Er hat gesagt: Ja. Ah, ich habe gedacht, das kommt so eines Tages einfach so über einen. Da habe ich ihm erklärt: Da kannst du noch lange warten.
In der Bibel steht: Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Also, man muss wirklich zu ihm kommen, an den Sohn Gottes glauben. Wir müssen Gott suchen: Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt. Es kann morgen zu spät sein. Der Mensch kann grundsätzlich nur so lange umkehren und Vergebung bekommen, wie er lebt. Mit dem Tod ist diese Chance definitiv vorbei.
Und darum sagt der Hebräerbrief: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht. Ich lese weiter: Ruft ihn an, während er nahe ist! Der Gesetzlose verlasse seinen Weg und der Mann des Frevels seine Gedanken und kehre um zu dem Herrn, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn er ist reich an Vergebung.
Gott wartet, dass wir kommen, aber wir müssen kommen. Die Bibel erklärt uns: Gott existiert, und wir Menschen sind hier auf Erden. Aber es ist wie ein Graben zwischen Gott und Mensch, und das ist unsere Schuld. Wir haben die Gebote Gottes gebrochen, die in der Bibel stehen, und wir haben sogar die Gebote gebrochen, die uns unser Gewissen nahelegt. Wir alle haben gegen unser Gewissen gehandelt. Und das ist eine Trennung, ein Graben zwischen Gott und Menschen.
Viele Menschen versuchen, diesen Graben selber mit eigener Anstrengung zu überbrücken, indem sie versuchen, irgendwie aus eigener Kraft gut zu leben oder gewisse gute Dinge zu tun oder zum Beispiel einfach kein Fleisch zu essen. Als ich da im ICE hier gefahren bin, da saß ich einem älteren Mann gegenüber, und er hat mit mir begonnen zu sprechen über Fleischessen. Dann kam ein junger Mann, setzte sich neben mich und begann auch mit ihm darüber zu sprechen und hat mir erklärt, er esse kein Fleisch mehr seit 15 Jahren aus ethischen Gründen. Man merkt ja, das war ein gewisser Stolz: Ich esse kein Fleisch. Aber das bringt uns Gott nicht näher.
Wir schaffen es nicht. Man kann das auf verschiedene Weisen versuchen, aber wir kommen so nicht zu Gott! Und weil wir nicht zu Gott kommen konnten, kam Gott von oben her zu uns. Darum wurde Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes, Mensch, und nur so konnte er als Mensch für uns Menschen sterben. Wir alle haben, weil Gott gerecht ist, das ewige Gericht verdient. Aber weil Gott uns nicht bestrafen möchte, ist sein Sohn in die Mitte getreten. Aber Gott kann nicht sterben. Und so wurde er Mensch, damit er sterben konnte für Menschen. Und Gott hat ihn, den Herrn Jesus, seinen Sohn, am Kreuz geschlagen, damit er uns nicht mehr richten müsste.
Und so sagt die Bibel: Wenn wir im persönlichen Gebet unsere Schuld Gott bekennen, einfach das, was wir noch wissen, ganz ehrlich aufdecken. Nicht irgendwie versuchen, sich selber zu schonen, schonungslos gegen sich selber sein und sagen Sie Gott im Gebet: Wenn du mich richtest, dann richtest du den Richtigen. Aber ich danke dir dafür, dass Jesus Christus meine Stelle eingenommen hat am Kreuz. Ich glaube, dass er für mich gelitten hat, so dass ich nicht mehr gerichtet werden muss.
Und die Bibel sagt, dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe, nicht vielleicht einmal bekommen wird, sondern ewiges Leben habe. Gott gibt in dem Moment, wo ein Mensch sich so bewusst zu ihm wendet, ewiges Leben als einen gegenwärtigen Besitz. Und da wird man wirklich befreit von allen möglichen Lasten, die einen immer vielleicht ganz unbewusst auch gedrückt haben. Das ist etwas Gewaltiges. Und diese Befreiung, diese Entlastung, die wünsche ich jedem, der hier ist. Und warten Sie nicht bis morgen, es könnte plötzlich zu spät sein.
Ich war mal in La Rochelle, am Atlantik drüben, und habe dort eine Verkündigung gehabt. Und dann, kurze Zeit später, habe ich erfahren: Da war ein junges Mädchen an diesem Abend aus einer atheistischen Familie, und die hat jetzt wirklich zum ersten Mal in ihrem Leben die frohe Botschaft gehört von Jesus Christus, an einem solchen Abend. Drei Wochen später wurde sie von ihrem Freund ermordet. Ein sehr begabter junger Mensch, Musikerin, und das war für mich ein Schock. Man muss sich vorstellen: Zum ersten Mal vor drei Wochen gehört, und ja, darum sagt die Bibel: Es muss ja nicht so sein, aber wir wissen, wir haben das Morgen nicht in der Hand. Und darum sagt die Bibel: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.
Und darum möchte ich das wirklich jedem ans Herz legen: Tun Sie diesen Schritt bewusst. Sucht den Herrn, solange er zu finden ist. Und es ist so schön: Sie müssen nicht abhängig sein von irgendeinem Menschen. Menschen können Ihnen helfen auf diesem Schritt, aber Sie können das sogar ganz alleine tun. Aber es muss eine ganz bewusste, radikale Hinwendung sein, die nicht so aus einer momentanen Gefühlssituation herauskommt.
Ich danke fürs Zuhören.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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