Persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Wahrnehmung zum Lebensschutz
Ich bin zweifache Mutter und aktuell schwanger mit meinem zweiten Kind. Lange hatte ich nicht den Mut, ganz ehrlich zu sagen, wofür ich stehe. Es hat mich überrascht, dass in Deutschland juristisch klar geregelt ist, dass das Ungeborene, der Embryo, aus Sicht des Bundesverfassungsgerichts ein Mensch mit Menschenwürde und Menschenrechten ist.
Selbst Menschen, die wir gut kennen, können Dinge mit sich tragen, von denen wir nichts wissen. Wahrscheinlich könnte, wenn man es hochrechnet, bis zu jeder zweite Mensch in Deutschland davon betroffen sein.
Was wir zu verlieren haben, ist die Wahrheit. Sie ist das Wichtigste, was wir verlieren können. Jeder Mann, jeder junge Mann sollte sich gut überlegen, ob er dazu in der Lage ist, ein Kind in die Welt zu setzen, wenn er mit einer Frau schlafen möchte.
Wir sind nicht diejenigen, die sagen: "Mach das, du brauchst das." Wir sagen vielmehr: "Hey, wir haben Alternativen für dich, wir haben Lösungen für dich. Du schaffst das auch mit deinem Kind. Du kannst genauso frei und empowered sein mit einem Kind, und wir helfen dir dabei."
Einführung in das Bibelfit Projekt und Vorstellung von Sabina Scherer
Willkommen beim Bibelfit-Projekt, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und schwierige Fragen von Nichtchristen zu beantworten. Zu jedem Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. Das alles gibt es kostenlos auf der Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.
Ich freue mich sehr, dass wir heute Sabina Scherer hier zu Gast haben. Sabina ist die vielgeschätzte Initiatorin der bekannten Podcastsendung „Ein Zellhaufen spricht über Abtreibung“. Sabina und ich sind ungefähr im gleichen Alter, aber sie hat etwas Anständiges studiert, nämlich Psychologie, und erreicht mit ihrem Podcast Tausende von Menschen.
Sie nimmt uns heute mit in das sehr wichtige Thema des Lebensschutzes. Eines ihrer berühmtesten Zitate lautet: „Hör mal hin: Wenn ein ungeborenes Kind ein Mensch ist, dann gibt es keine Rechtfertigung, dieses Leben zu beenden.“
Bevor wir jetzt von ihr selbst hören, möchte ich noch kurz um einen Gefallen bitten. Drücke bitte die Glocke unter diesem Video. Je mehr Menschen die Glocke drücken, desto mehr unterstützt YouTube ganz von selbst christliche Kanäle und auch Pro-Life-Kanäle. Man muss dafür nichts weiter tun, das ist so ein technisches Ding.
Dass das gerade bei einer Minderheitsmeinung wie der von Sabina und mir wichtig ist, kannst du dir wahrscheinlich leicht vorstellen. Deshalb herzlichen Dank an alle, die jetzt die Glocke drücken.
Interviewbeginn: Sabina Scherers Engagement für den Lebensschutz
Ich freue mich sehr, dass heute Sabina Scherer vom Zellhaufen Podcast hier zu Gast ist – die Dame, die eigentlich keine Vorstellung mehr braucht.
Liebe Sabina, vielen, vielen Dank, dass du dich heute Nachmittag dazu geschaltet hast.
Sehr gerne, danke für die Einladung.
Na klar, auf jeden Fall. Sabina, ich frage dich einfach mal ganz direkt: Was machst du da eigentlich seit ungefähr zwei Jahren?
Ich habe vor knapp zwei Jahren damit angefangen, einen Podcast zum Thema Lebensschutz aufzunehmen, speziell über das Thema Abtreibung.
Weil das ein Thema ist, das mich schon sehr lange beschäftigt, hat es mich oft ein bisschen genervt, dass ich nicht so den Raum hatte, wenn ich über das Thema etwas geschrieben habe – zum Beispiel online –, um die Argumente wirklich auszuführen, ausführlich zu besprechen und einfach mal meine Sicht darzustellen, ohne dass dann gleich ein „Aber“ kam.
Ich habe dann das Medium Podcast in meiner Elternzeit für mich entdeckt und gemerkt, dass es im deutschsprachigen Bereich so eine Lücke gibt, eine Art Marktlücke: Es gibt ja noch keinen Apologetik-Podcast zum Thema Lebensschutz.
Und ja, dann habe ich gedacht: Dann mache ich das doch einfach selber.
Ich habe auch mit Social Media angefangen, hauptsächlich Instagram. Damit erreiche ich jetzt immer mehr Menschen und kann ihnen dabei helfen, sich für die Debatte um das Thema Abtreibung zu rüsten und ihre Argumentation noch besser rüberzubringen.
Auf jeden Fall. Ich muss wirklich sagen, ich habe in meinem Leben selten einen so guten Podcast gehört wie deinen.
Also ich könnte ihn nicht mehr loben – ich meine das wirklich genauso, wie ich es sage.
Und da gehen wir gleich noch auf ein paar deiner Inhalte ein.
Persönlicher Werdegang und Motivation für das Engagement
Das heißt, du hast jetzt sozusagen nicht dieses eine große Erweckungserlebnis gehabt oder Ähnliches, sondern es war eher ein Prozess bei dir. Warum hast du dann gesagt, du gibst dir jetzt den Ruck, das zu machen? Zum einen, weil es eine Marktlücke gibt, und zum anderen, weil du sagst: „Hey, ich versuche mal, diese zu füllen.“
Ja, das Thema ist schon lange ein Herzensanliegen von mir. Schon in meiner Jugend kann ich mich erinnern, dass ich mit meinen Eltern darüber gesprochen habe. Ich wurde christlich sozialisiert, also wirklich auch pro life sozialisiert. Natürlich habe ich das als Jugendliche auch hinterfragt. Ich kann mich aber gut daran erinnern, dass ich damals im Religionsunterricht mit anderen Mitschülerinnen darüber diskutiert habe und schon damals meine Standpunkte vertreten habe.
So hat sich das im Laufe der Jahre entwickelt. Es blieb immer ein Herzensthema von mir. Ich habe mich viel damit auseinandergesetzt, hatte aber lange nicht den Mut, mich ganz klar dazu zu bekennen. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich habe auch oft gedacht, ja, es fehlt an verschiedenen Ecken.
Ein Punkt ist die Repräsentation. Man fühlt sich manchmal nicht ganz wohl dabei, sich mit der Lebensschutzbewegung zu identifizieren. Da fehlten klare Vorbilder. Mir haben junge Leute gefehlt, die sich hinstellen. Mittlerweile gibt es immer mehr davon, viele tolle Gruppen und Menschen, die das machen. Aber vielleicht war das vor zehn Jahren noch anders. Damals waren es eher die Mitvierziger oder Menschen in einer anderen Alterskategorie, die vorne standen. Das waren vielleicht nicht die Personen, mit denen ich mich gut identifizieren konnte.
Außerdem hat man als junger Mensch oft mehr Menschenfurcht. Als ich dann in meiner Elternzeit war, habe ich gemerkt, dass da etwas fehlt. Ich war an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich aus dem Glauben heraus in mir selbst ruhte. Da habe ich gespürt: Jetzt kann ich die Talente, die Gott mir geschenkt hat, genau dafür einsetzen.
Ich hatte ein Mikrofon zu Hause stehen, weil ich auch Musikerin bin und gerne singe. Einmal habe ich mir ein Aufnahmemikrofon gekauft, und da dachte ich: Das kann ich jetzt auch gebrauchen.
Richtig, richtig cool. Das glaube ich dir.
Reaktionen auf das Engagement und Umgang mit Kritik
Was sind denn in den letzten Monaten und Jahren die Reaktionen gewesen, die du bekommen hast? Die meisten waren recht positiv. Natürlich erhält man meistens von Menschen Rückmeldungen, die einen gut finden.
Aber klar, immer wieder stößt jemand auf meine Posts oder meinen Podcast, der das nicht gut findet. Gerade war ich auch beim ZDF im Debattenformat „13 Fragen“ eingeladen. Das haben natürlich sehr viele Menschen gesehen, die überhaupt nichts mit dem Thema anfangen können.
Natürlich bekommt man dann auch viel Kritik. Das ist jedoch nichts, was mich persönlich verletzt, weil ich die Menschen ja gar nicht kenne und sie mich nicht kennen. Wenn es wirklich unverschämt wird oder eine Grenze überschreitet, gibt es im Internet zum Glück immer Möglichkeiten, sich davon zu distanzieren.
Im echten Leben hat mir bisher noch niemand gesagt: „Ich finde das richtig blöd, was du machst.“ Das kann ich auch aushalten. Man muss das auch können, wenn man sich kritisch äußert oder generell kontroverse Themen bespricht.
Ich glaube, man tut sich auch nichts Gutes, wenn man alles umschifft, was irgendwie kontrovers sein könnte. Das sehe ich ganz genauso.
Unterschiedliche Wahrnehmungen von Pro-Life-Engagement bei Frauen und Männern
Was würdest du uns sagen? Jetzt gehen wir mal langsam ein bisschen Richtung Inhalte. Was würdest du uns sagen, ist der Unterschied, dass du als Frau dich für das Thema Pro-Life einsetzt, im Vergleich dazu, dass ich als Mann mich zu dem Thema äußere? Wie wirkt das auf die Leute? Wie kommt das unterschiedlich an?
Es kommt natürlich definitiv glaubwürdiger rüber, wahrscheinlich bei den allermeisten, wenn ich als Frau dazu etwas sage. Besonders, weil ich erst recht als Mutter spreche. Ich bin zweifache Mutter und aktuell schwanger mit dem zweiten Kind. Ich weiß einfach, wie sich das anfühlt. Ich weiß, was man durchmacht, was es heißt, ein Kind zu haben. Das können natürlich auch Väter wissen. Aber das ganze Körperliche – das ist etwas, womit ich als Frau einfach mehr mitfühlen kann, wie man so sagt.
Aber rein von den Argumenten her macht es natürlich absolut keinen Unterschied. Das wissen wir beide. Im besten Fall weiß auch der Diskussionspartner, dass es keinen Unterschied macht, wer ein Argument vorträgt, sondern dass es auf die Inhalte des Arguments ankommt.
Ich sage mal, auf emotionaler Ebene, die in diesem Bereich ja schon eine große Rolle spielt, hat man als Frau vielleicht schon einen kleinen Vorteil. Das heißt, du würdest jetzt sagen, auf der emotionalen Ebene ist es schon ein Unterschied, aber auf der Ebene dessen, was richtig ist an dem, was wir sagen, gibt es eigentlich keinen Unterschied?
Sensibler Umgang mit Betroffenen und fachlicher Hintergrund
Was ich an deinem Podcast wirklich bemerkenswert finde, ist neben der angenehmen Art, dir zuzuhören, vor allem, dass du die Themen sehr fundiert, unaufgeregt und ruhig behandelst. Du hast eine ganz besondere Einstellung, die dahintersteht. Ich versuche mal, diese richtig zusammenzufassen: Deine Grundhaltung scheint zu sein, dass dein Gegenüber jemand sein kann, der direkt oder indirekt von einer Abtreibung betroffen ist oder war. Habe ich das so einigermaßen richtig erfasst?
Diese Haltung finde ich sehr nützlich und hilfreich, weil sie mir dabei hilft, einen Ton zu treffen und Worte zu wählen, die, falls es tatsächlich so ist, sensibler, angemessener und respektvoller sind. Darf ich fragen, woher du das gelernt hast? Du hast ja auch eine entsprechende Ausbildung, das merkt man, denn du bringst einen gewissen fachlichen Hintergrund in Sachen Gesprächsführung mit.
Ich selbst bin studierte Psychologin und habe bereits in verschiedenen Kontexten als Psychologin gearbeitet. Grundsätzlich wünsche ich mir von Menschen, dass sie nicht meinen oder davon ausgehen, zu wissen, was das Gegenüber bewegt oder welche Geschichte hinter jedem Menschen steckt. Selbst Menschen, die wir am besten kennen, können Dinge mit sich tragen, von denen wir nichts wissen. Das gilt erst recht für anonyme Gesprächspartner.
Gerade beim Thema Abtreibung ist das ein sehr großes Thema. Ich bin mir fast sicher, dass jeder Mensch irgendeinen kennt, auch wenn es nur entfernt ist, der von Abtreibung betroffen ist. Oft weiß man gar nicht, wer in der eigenen Familie durch eine Abtreibung beispielsweise ums Leben gekommen ist oder wer solche Erfahrungen gemacht hat.
Neulich habe ich in einem Buch von Alexandra Maria Linder gelesen. Sie ist eine bekannte deutsche Lebensschutzaktivistin. Sie schreibt, dass, wenn man es hochrechnet, wahrscheinlich bis zu jeder Zweite in Deutschland direkt oder indirekt von Abtreibung betroffen sein könnte.
Direkte und indirekte Betroffenheit durch Abtreibung
Was würde es heißen, direkt oder indirekt betroffen zu sein? Direkt betroffen wäre man natürlich als Mutter oder Vater. Aber auch als Schwester, Bruder, Onkel, Tante, Oma oder Opa – also allein innerhalb der Familie. Ebenso kann man im Freundes- oder Bekanntenkreis betroffen sein.
Ich würde sogar eher glauben, dass jeder irgendjemanden kennt, der betroffen ist. Wenn man den Kreis noch weiter ausweitet und den Freundes- und Bekanntenkreis sowie die Nachbarschaft mit einbezieht, dann kennt wahrscheinlich jeder jemanden, der entsprechende Erfahrungen gemacht hat.
Bleiben wir jedoch allein bei der Familie, dann wäre wahrscheinlich jeder Zweite schon betroffen. Das ist auch statistisch sehr nachvollziehbar. Wenn man die konservativsten, zurückhaltenden Zahlen nimmt, ist es so, dass mindestens eine von neun Schwangerschaften in Deutschland in einer freiwilligen, vermeidbaren und nicht medizinisch notwendigen Abtreibung endet.
Wenn man sich also überlegt, wie viele Leute man kennt und wie groß die Familie oder die Kernfamilie ist, dann geht die Zahl in diese Richtung.
Juristische Lage und gesellschaftliche Missverständnisse zum Lebensrecht des Embryos
Jetzt sind wir natürlich voll im Thema drin. Ich möchte gleich noch ein paar inhaltliche Fragen stellen. Du hast bereits darüber gesprochen, wie viele Menschen in Deutschland wahrscheinlich betroffen sind oder indirekt betroffen sind, ohne es zu wissen. Man könnte fast sagen, in jeder Familie, in jeder größeren Familie gibt es statistisch gesehen Menschen, die durch Abtreibungen ums Leben gekommen sind.
Was sind denn noch einige Punkte auf der Faktenebene, die viele von uns vielleicht gar nicht auf dem Schirm haben oder nicht wissen, wenn wir über das Thema Abtreibung sprechen?
Als ich begonnen habe, mich mit dem Thema etwas genauer auseinanderzusetzen, hat mich schon überrascht, dass in Deutschland juristisch ganz klar geregelt ist, dass das Ungeborene, der Embryo, aus Sicht des Bundesverfassungsgerichts ein Mensch mit Menschenwürde und Menschenrechten ist. Auch die Ungeborenen haben nach deutschem Recht ein Recht auf Leben.
Es wird dann so argumentiert, dass dieses Recht auf Leben gegen das Selbstbestimmungsrecht der Mutter abgewogen werden muss und dass letztlich die Frau selbst die Entscheidung darüber hat. Aber eigentlich ist es aus juristischer Sicht nicht vertretbar zu sagen, das sei kein Mensch oder dieser Mensch habe keine Menschenrechte. Das ist in Deutschland ganz klar geregelt.
Für viele ist das nicht bekannt. Das ist wirklich etwas, was man sich noch einmal ganz deutlich hinter die Fahnen schreiben muss. Häufig hört man auf der Straße Sätze wie: „Na ja, Abtreibungen sind ja legal, deswegen kann es ja nicht so schlimm sein“ und so weiter. Aber du sagst, so einfach ist das gar nicht.
Selbst wenn das Argument stünde, so einfach kann man es sich nicht machen. Allein dass Abtreibungen legal sind, stimmt ja gar nicht. In Deutschland sind Abtreibungen nicht legal, sondern sie sind illegal, aber unter bestimmten Bedingungen straffrei. Das wissen viele nicht.
Wie oft wurde mir schon gesagt: „Ein Kind hat ja noch gar keine Rechte, ein ungeborenes Kind, ein Embryo hat ja noch gar keine Rechte.“ Nein, das stimmt nicht. In Deutschland kann dieses ungeborene Kind sogar erben. Aber erst recht hat es ein Recht auf Leben. Das ist vom Bundesverfassungsgericht festgesetzt worden.
Das ist auch der Grund, warum im Koalitionsvertrag der Ampelregierung nicht steht, dass Paragraph 218 abgeschafft werden soll, sondern dass geprüft werden soll, ob und wie es Wege gibt, die Abtreibung außerhalb des Strafgesetzbuches zu regeln. Denn man weiß, dass dieser Paragraph nicht einfach gestrichen werden kann, weil eben dieses Kind in Deutschland ein Recht auf Leben hat und ihm diese Rechte zugesprochen werden.
Umso schockierender ist es, dass dieses Recht faktisch nicht umgesetzt wird. Absolut!
Bedeutung der Unterstützung durch die Community und Einführung zum Gurkenvideo
In wenigen Sekunden geht es weiter. Ich möchte gern allen danken, die schon die Glocke unter diesem Video gedrückt haben. So wird das Internet mehr Menschen christliche und Pro-Life-Inhalte anzeigen.
Stell dir vor, jemand googelt Begriffe wie „Abtreibung Information“ und findet stattdessen einen Podcast wie den von Sabina oder meinen. Die Glocke zu drücken ist anonym, dauert nur zwei Sekunden und hilft auch diesem Kanal. Vielen Dank dafür!
Jetzt möchte ich kurz auf etwas Leichteres eingehen. Danach kommen wir wieder zu den ganz harten Themen zurück.
Du hast vor einiger Zeit ein Video gemacht, das lustig, schockierend und sehr nachdenklich stimmt. Es ist das sogenannte Gurkenvideo. Ich werde es natürlich unten verlinken, damit jeder selbst mal reinschauen kann.
Kannst du bitte kurz erklären, was das Gurkenvideo ist – für diejenigen, die es vielleicht noch nicht gesehen haben? Übrigens: Falls du es noch nicht gesehen hast, solltest du es dir wirklich anschauen.
Die Analogie des Gurkenvideos zur menschlichen Entwicklung
Genau, in dem Gurkenvideo – ich bin selbst Hobbygärtnerin – ist mir eine Analogie eingefallen: Die Gurke wächst, und schon als ganz kleine Frucht ist sie eine Gurke. Sie ist nicht etwa etwas anderes, sondern von Anfang an eine Gurke. Sobald die Frucht zu wachsen beginnt, ist sie eine kleine Gurke. Bis sie so aussieht, wie wir sie kennen und essen können, vergeht zwar noch etwas Zeit. Aber von Anfang an ist es eben eine Gurke.
So ist es natürlich auch bei Menschen. Ab dem Moment, in dem die sogenannte Leibesfrucht existiert und entsteht – also bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle – ist es bereits ein Mensch. Vielleicht sieht er noch nicht aus wie ein fertiger Mensch, falls es so etwas überhaupt gibt. Er hat noch nicht hundertprozentig alle Eigenschaften, aber er besitzt alles, was nötig ist, um einmal so auszusehen und das zu erfüllen, was die meisten unter einem Menschen verstehen würden.
Es ist also nichts kategorial anderes. Genauso ist eine ganz kleine Minigurke trotzdem eine Gurke und kein Fruchtansatz, Fruchtgewebe oder irgendetwas anderes, wie man es nennen würde.
Das spielt auch darauf an, dass wir oft Euphemismen, also Beschönigungen, benutzen, wenn es um das Thema Abtreibung geht. Statt die Dinge beim Namen zu nennen, wird beschönigt. Das sehe ich auch als ein Zeichen dafür, dass die Pro-Choice-Bewegung oder die Abtreibungsbefürworter keinen so guten Stand haben. Sie brauchen solche Beschönigungen, anstatt einfach zu sagen: Es ist ein Mensch.
Natürlich muss man in dem Moment sagen, dass nichts weiter hinzugefügt werden muss, um festzustellen, dass es ein Mensch ist. Es handelt sich einfach um ein menschliches Entwicklungsstadium, das sich im Laufe des Lebens immer weiter entfaltet – bis zum hoffentlich natürlichen Tod. Das gehört einfach dazu.
Biologische und philosophische Perspektiven auf den Beginn menschlichen Lebens
Jetzt ganz direkt gefragt: Sabina, ab wann ist ein Mensch ein Mensch und was macht einen Menschen aus?
Diese Frage kann man aus verschiedenen Perspektiven beantworten. Wenn wir bei der rein sachlichen, biologischen und wissenschaftlichen Ebene bleiben, dann beginnt das menschliche Leben bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, also wenn die Zellkerne miteinander verschmolzen sind. Zu diesem Zeitpunkt ist ein neues Individuum entstanden, ein lebender Organismus mit menschlicher DNA – mit ganz individueller DNA. In diesem Moment wurde eine Entwicklung angestoßen, die, wenn man sie nicht unterbricht, immer weitergeht. Das ist auch wissenschaftlicher Konsens; etwa 96 Prozent der Biologen würden das so sagen.
Man kann die Frage aber auch philosophisch beantworten. Ist es dieser Mensch, der da entstanden ist? Abtreibungsbefürworter geben oft zu, dass das Biologe schon ein Mensch ist. Aber hat dieser Mensch auch Menschenrechte? Ist er eine Person, wie man im philosophischen Fachjargon sagen würde? Ist es also schon ein richtiger Mensch? Viele Menschen würden diese Frage anders beantworten. Ich sehe keinen guten Grund und auch kein sinnvolles Kriterium, um hier eine Unterscheidung zu treffen.
Wann immer in der Geschichte eine Unterscheidung zwischen Mensch und Person getroffen wurde, diente das nur dazu, diese Menschen – diese Nichtpersonen – auszubeuten, zu unterdrücken oder ähnlich zu behandeln. Es hat noch nie dazu gedient, diese Gruppe zu schützen.
Gedankenexperiment: Folgen einer vollständigen Legalisierung oder Illegalisierung von Abtreibungen
Jetzt möchte ich eine wirklich harte Frage stellen. Wir sind ja ohnehin schon bei schwierigen Themen, aber jetzt noch einmal ganz direkt und klar.
Es gibt Menschen, die sagen, Abtreibungen sollten zu 100 Prozent legalisiert werden. Andere wiederum vertreten die Meinung, Abtreibungen sollten komplett verboten sein. Vielleicht kannst du uns in ein begründetes Gedankenexperiment mitnehmen.
Was würde deiner Einschätzung nach passieren, wenn entweder a) Abtreibungen in Deutschland zu 100 Prozent legalisiert würden oder b) zu 100 Prozent illegalisiert würden? Welche Folgen hätte das zum Beispiel auf die Anzahl der Abtreibungen? Und welche Auswirkungen wären auf die allgemeine Gesundheitssituation zu erwarten?
Man kann recht gut belegen, dass jede Art von Einschränkung oder Lockerung dazu führt, dass mehr oder weniger Abtreibungen durchgeführt werden. Es ist also nicht so, dass automatisch weniger Abtreibungen stattfinden, wenn die Gesetze lockerer werden. Genau das Gegenteil ist der Fall.
Oft wird das Gegenteil behauptet und dann werden gerne Länder als Beispiele herangezogen, die mit unserer Situation überhaupt nicht vergleichbar sind. In Ländern mit sehr strengen Regeln finden trotzdem oft viel mehr Abtreibungen statt. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass die Gesundheitsversorgung, die finanzielle Unterstützung für Mütter und andere Rahmenbedingungen dort völlig anders sind als in Deutschland.
Wenn man das Ganze kontrolliert untersucht – also unter vergleichbaren Bedingungen –, zum Beispiel, wenn man Deutschland mit Kanada vergleicht, sieht man Folgendes: Je lockerer die Regelungen sind, desto mehr Abtreibungen finden statt, das ist nachweislich so. Und je mehr man die Regelungen einschränkt, desto weniger Abtreibungen gibt es.
Das ist keine bloße Meinung und soll auch nicht polemisch klingen. Das lässt sich gut anhand von Studien belegen, die bereits durchgeführt wurden. Das werden wir vielleicht auch bald in den USA beobachten können, wenn neue Zahlen vorliegen. Dort hat sich die Gesetzeslage in manchen Bundesstaaten geändert.
Kritiker könnten jetzt sagen: „Dann gehen die Frauen eben in einen anderen Staat oder ins Ausland.“ Aber auch das kann man in die Berechnungen einbeziehen. Die Zahlen würden sich sicher drastisch verändern, in welche Richtung auch immer die Gesetzesänderungen gehen.
Wir dürfen also festhalten: Wenn Abtreibungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu 100 Prozent legalisiert würden, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es mehr Abtreibungen geben würde.
Definition und Konsequenzen einer vollständigen Legalisierung
Was verstehst du unter "zu einhundert Prozent legalisieren"? Würdest du zum Beispiel sagen, dass es dann keine Hürden mehr gibt? Oder meinst du damit, dass es auch keine zeitlichen Fristen mehr gibt? Was würdest du konkret darunter verstehen?
Diese Frage würde ich gerne den Befürwortern stellen. Mir wird das oft nur als Parole entgegengebracht. Es gibt ja unterschiedliche Haltungen dazu. Aber wenn man es ernst nimmt, würde das auch bedeuten, dass es bis zur Geburt keine zeitlichen Fristen mehr gäbe.
Es gibt durchaus nicht wenige Menschen, die das befürworten würden – oder zumindest eine Frist bis zur 22. Woche. Also gibt es definitiv Menschen, die sagen würden, das fänden sie vertretbar. Das fand ich auch bei deinem Kurs wirklich eine neue Erkenntnis für mich: die Studie, die du zitiert hast.
Ich habe mir deinen Kurs nämlich auch schon angehört und kann ihn nur empfehlen. Das ist sehr eindrücklich, was Sabina hier sagt.
Nimm dir gern den neuartigen Bibelfit-Online-Kurs zum Lebensschutz mit, den Sabina ebenfalls sehr empfohlen hat. Dort findest du die verblüffendsten und überzeugendsten Argumente für das ungeborene Leben zusammengefasst. Der Kurs enthält über zwanzig Kurzvideos, Audios für unterwegs sowie Materialien zum Ausdrucken und Weitergeben.
Das Besondere daran ist: Darin steckt mein ganzes Herzblut aus über fünfzehn Jahren Pro-Life-Arbeit. Du findest dort keine Moralpredigten, keine Parolen und keine Hetze. Auch kein Emotionsgeheische oder verstörende Schockfotos.
Stattdessen ist alles einfach erklärt – auch für Menschen ohne Vorwissen. Mit dutzenden Schaubildern, Merkhilfen und der Aufklärung der häufigsten Irrtümer.
Nimm dir den Kurs gern mit. Er ist einhundert Prozent gratis und zu finden auf der Seite markusvoss.net/Lebensrecht. Diesen Link findest du auch hier unter diesem Video. Schau ihn dir gern selbst an.
Und weiter mit Sabina: Ja, es gibt unterschiedliche Haltungen dazu. Wenn man es ernst nimmt, würde das auch bedeuten, dass es bis zur Geburt keine zeitlichen Fristen mehr gäbe. Es gibt nicht wenige Menschen, die das befürworten würden – oder zumindest bis zur 22. Woche.
Also gibt es definitiv Menschen, die sagen würden, das fänden sie vertretbar. Das fand ich bei deinem Kurs wirklich neu, vor allem die Studie, die du zitiert hast.
Ich habe mir deinen Kurs nämlich auch schon angehört und kann ihn nur empfehlen. Besonders schockierend fand ich, dass 85 Prozent der Ärzte, die selbst Abtreibungen durchführen, diese Haltung befürworten würden – selbst wenn Kinder nachgeburtlich getötet würden.
Das fand ich wirklich sehr schockierend, weil ich denke, dass diese Menschen ganz genau wissen, was sie da tun, wenn sie so weit gehen, so etwas zu sagen. Es ist nur konsequent, wie du es auch in deinem Kurs darlegst. Aber es bleibt natürlich trotzdem schockierend.
Gesellschaftliche Auswirkungen einer vollständigen Legalisierung
Ich glaube, um noch etwas genauer auszuführen, was passieren würde, wenn man Abtreibung vollständig legalisieren würde: Das Unrechtsbewusstsein, das jetzt zumindest noch marginal, also sehr gering vorhanden ist, würde völlig verschwinden. Denn warum sollte etwas, das völlig legal ist, moralisch bedenklich sein?
Ich denke, dass uns das als Gesellschaft nicht guttun würde. Unser gesellschaftliches Denken würde dadurch nicht unbedingt besser werden, insbesondere was den Schutz von Minderheiten und schutzlosen Menschen betrifft.
Man spricht oft von einem Dammbruch. In einem solchen Fall würden wir sehr schnell in trübe Gewässer geraten, auch in Bezug auf den Schutz kranker, behinderter und alter Menschen sowie deren Lebensrecht. Genau das ist das Problem.
Viele Menschen bilden ihre Meinung darüber, was ethisch akzeptabel ist und was nicht, anhand der Gesetze, die in ihrer Region gelten. Wenn die Gesetze sagen, dass bestimmte Dinge erlaubt sind, teilweise erlaubt sind oder verboten sind, denken viele, dass dies auch moralisch in Ordnung oder eben nicht in Ordnung ist.
Das bedeutet, dass Gesetze einen erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung haben. Das dürfen wir nicht unterschätzen, denn als Gesetzgeber prägt man immer auch die gesellschaftliche Haltung zu bestimmten Themen.
Argumente gegen die Illegalisierung: Gesundheitsrisiken und gesellschaftliche Folgen
Jetzt möchte ich die Frage einmal aus einer anderen Perspektive betrachten. Es wird oft von Pro-Choice-Befürwortern argumentiert, dass, wenn Abtreibungen in Deutschland komplett verboten und dieses Verbot auch konsequent durchgesetzt würden, viele Frauen, die abtreiben wollen, in die Illegalität gedrängt würden. Das würde dazu führen, dass Abtreibungen „unsicher“ würden. Man hört dann oft, dass dadurch sehr viele Frauen sterben könnten und dass solche Folgen zu erwarten wären.
Darüber kannst du vielleicht noch etwas sagen?
Das ist keine Frage, die man einfach mit einem Satz beantworten kann. Ich würde sagen, ich glaube nicht, dass das alles so zutreffen würde. Ein Beispiel sind Länder, in denen Abtreibung sehr strikt geregelt ist, wie Malta oder Polen. Dort gibt es keine besonders hohe Müttersterblichkeit. Diese beiden Länder haben eine sehr geringe Müttersterblichkeit im Vergleich zu Ländern wie den USA, wo Abtreibung relativ frei zugänglich ist.
Kannst du kurz erklären, was mit Müttersterblichkeit gemeint ist?
Ja, gerne. Die Müttersterblichkeit bezeichnet die Rate der Frauen, die bei der Geburt oder im Zusammenhang mit Schwangerschaften sterben. Dazu zählen auch Todesfälle, die im Zusammenhang mit Abtreibungen stehen. Man könnte vermuten, dass diese Rate in Ländern mit sehr restriktiven Abtreibungsgesetzen besonders hoch wäre. Aber wir sehen an Beispielen wie Malta und Polen, dass das nicht zwangsläufig so ist.
Auch in den USA, wo Abtreibung in manchen Bundesstaaten bis zur Geburt legal ist, ist die Müttersterblichkeit relativ hoch. Das zeigt, dass Faktoren wie die medizinische Grundversorgung eine sehr große Rolle spielen. In einem Land wie Deutschland, wo die medizinische Versorgung gut ist, glaube ich nicht, dass die Müttersterblichkeit plötzlich stark ansteigen würde.
Ich glaube nicht, dass man alle Frauen davon abhalten könnte, eine Abtreibung durchzuführen. Da machen wir uns keine Illusionen: Wer eine Abtreibung möchte, würde auch einen Weg finden. Aber ich denke, dass sehr viele Frauen durch die Illegalität doch davon abgehalten würden und nach Alternativen suchen würden.
Außerdem glaube ich, dass es Frauen gäbe, die sogar froh wären, diese Möglichkeit nicht zu haben. Sie würden sich dann nicht unter Druck gesetzt fühlen von ihrem Arbeitgeber, ihrem Partner oder anderen. Das könnte für viele Frauen auch ein Schutz sein. In über 30 Prozent der Fälle berichten Frauen, die abgetrieben haben, dass sie unter Druck gesetzt wurden – zum Beispiel vom Partner oder vom Vater des Kindes.
Ich glaube auch, dass die Politik dadurch stärker in der Pflicht wäre, mehr für Mütter zu tun. Es ist leicht, die Verantwortung auf die Frauen abzuwälzen und zu sagen: „Du hättest ja abtreiben können, es ist deine Entscheidung, dein Körper, deine Wahl.“ Wenn Abtreibung nicht mehr so leicht möglich wäre, könnte sich auch die Wirtschaft nicht mehr so einfach herausreden, indem sie sagt: „Such dir einen anderen Job, als Mutter bist du hier nicht so gut einsetzbar.“
Wir müssten einfach bessere Lösungen finden, um Eltern und Mütter zu unterstützen. Das fände ich sehr begrüßenswert, denn das gehört sowieso getan.
Was ich auch noch dazu sagen möchte: Schon bevor Abtreibung in Deutschland oder den USA legal war, fanden die meisten illegalen Abtreibungen bei Ärzten statt. Es waren also nicht Kleiderbügel oder zwielichtige Hinterhof-Methoden, sondern medizinisch betreute Eingriffe. Die Sterblichkeitsrate durch verpfuschte Abtreibungen ist schon vor der Legalisierung stark gesunken, etwa durch die Einführung von Penicillin und bessere hygienische Bedingungen.
Allein daran sieht man, dass die Schwarzmalerei über die Gefahren illegaler Abtreibungen oft unbegründet ist. Ich finde, hier wird Frauen unnötig Angst gemacht und die Öffentlichkeit mit emotionalen Argumenten unter Druck gesetzt.
Natürlich kann es immer passieren, dass eine Frau in großer Verzweiflung zu gefährlichen Mitteln greift. Aber diese Frauen brauchen keine Abtreibung, sondern Hilfe und Alternativen – und zwar bevor es so weit kommt.
Diejenigen, die Frauen einreden, sie bräuchten Abtreibung, um frei und selbstbestimmt zu sein, sind garantiert nicht die Pro-Life-Bewegung.
Ich finde, hier wird oft die Verantwortung verschoben. Die Pro-Life-Gesetzgebung wird für alles verantwortlich gemacht, wenn Frauen durch illegale Abtreibungen sterben. Aber erstens treffen Frauen hoffentlich immer noch selbst die Entscheidung, in die Illegalität zu gehen. Und zweitens sind wir nicht diejenigen, die sagen: „Mach das, du brauchst das.“ Wir sagen: „Wir haben Alternativen für dich, wir haben Lösungen, du schaffst das auch mit einem Kind, du kannst genauso frei und selbstbestimmt sein, und wir helfen dir dabei.“
Hier wird oft unberechtigterweise Verantwortung und Schuld verschoben.
Grundkonflikt der Lebensschutzbewegung: Schutz unschuldigen Lebens
Vielen Dank für deine klaren Worte. Zusammengefasst bedeutet das: Das Hauptproblem bei einer Abtreibung ist, dass dabei ein unschuldiger Mensch ums Leben kommt. Genau das kommt auch dazu. In diesem Sinne kann eine Abtreibung nicht sicher sein, denn immer wenn sie erfolgreich verläuft, stirbt ein Mensch. Und das ist eigentlich das Problem, das wir haben.
Natürlich gibt es unterschiedliche Menschen in der Pro-Life-Bewegung mit verschiedenen Motivationen. Aber so darf man das Hauptproblem zusammenfassen: Hier werden Menschenleben beendet, ohne dass es eine Notwendigkeit dafür gibt.
Ich glaube, das ist auch der Grundkonflikt zwischen der Lebensschutzbewegung und den Abtreibungsbefürwortern. Es geht dabei tatsächlich um diese Grundfrage – nicht unbedingt um die Frage an sich, sondern darum, was eigentlich die Grundfrage ist.
Aus Sicht des Lebensschutzes sagen wir: Ja, die Grundfrage ist, ob das Ungeborene ein Mensch mit Menschenrechten und Menschenwürde ist. Diese Frage müssen wir klären, und danach können wir alles andere klären.
Viele Abtreibungsbefürworter hingegen sagen, das sei völlig irrelevant. Manche geben sogar zu, dass es ein Mensch ist, der vielleicht auch Menschenrechte und Menschenwürde besitzt. Doch für sie kommt es nicht darauf an. Sie verweisen stattdessen auf das Selbstbestimmungsrecht der Frau und sagen, keine Frau habe die Pflicht oder sei dazu verpflichtet, ein Kind auszutragen. Sie müsse ihren Körper nicht zur Verfügung stellen.
Damit wird die Grundproblematik an eine andere Stelle verlagert. Aus Sicht des Lebensschutzes sagen wir: Moment, es macht schon einen Unterschied, ob das jetzt ein Mensch ist oder nicht. Denn wenn ein unschuldiger Mensch stirbt, müssen wir darüber nachdenken, ob dieser Tod gerechtfertigt ist oder nicht. Das würden wir bei geborenen Menschen auch tun.
Positionen der großen Kirchen zum Thema Abtreibung
Jetzt befindet sich die Gesellschaft in einem deutlichen Wandel. Dabei wollen wir bewusst vermeiden, tagespolitisch zu sein.
Amma, wenn du aus der Vogelperspektive auf die großen christlichen Glaubensgemeinschaften schaust, wo würdest du diese im Umgang mit dem Thema aktuell verorten?
Die katholische Kirche ist von ihrer Lehre her sehr klar, wofür ich auch dankbar bin. In der Praxis ist die Situation jedoch etwas komplizierter. Gerade die Laien in der katholischen Kirche sind da oft nicht ganz eindeutig. Innerkirchlich gab es beispielsweise schon Streit um das Dokument „Donum Vitae“. Ich weiß nicht, ob die Menschen darüber gut informiert sind, dass sich innerhalb der katholischen Kirche ein Beratungszweig gebildet hat, der Beratungsscheine ausstellt. Diese sind Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung.
Diese Beratungsstellen vertreten die Ansicht, dass ein Schwangerschaftskonflikt oder das Leben des Kindes nur gemeinsam mit der Mutter geschützt werden kann. Das sehe ich auch so, aber dennoch denke ich, dass wir den Frauen helfen und sie auf diesem Weg begleiten müssen.
Dabei dürfen wir uns nicht zwischen die Unterdrücker und die Unterdrückten stellen. Mit „Unterdrücker“ meine ich hier nicht die Mutter, sondern die Gesellschaft, die Druck auf die Mutter ausübt, das Kind abzutreiben, oder die Umstände, die dazu führen. Wenn wir hier nicht eingreifen, können wir nicht wirklich davon sprechen, dass wir versuchen, das Kind zu schützen.
Die evangelische Kirche, genauer gesagt die Landeskirche, vertritt im Prinzip die Grundhaltung, dass der Mensch wertvoll ist und das Kind ein Recht auf Leben hat, das geschützt werden soll. Faktisch protestiert sie jedoch eher für die Rechte der Frau, geht auf die Straße und spricht sich für deren Selbstbestimmung aus. Auch in der Beratung wird oft die Seite der Frau eingenommen, was ich sehr kritisch und schwierig finde.
Es gibt immer wieder einzelne Stimmen, die sich ganz klar dagegen positionieren. Das finde ich sehr stark und wichtig, auch innerhalb der katholischen Kirche. Dennoch herrscht dort viel Angst und Menschenfurcht, etwas zu gefährden – was auch immer das sein mag. Viele Menschen treten ohnehin aus den Landeskirchen aus. Ich frage mich, was man dort noch kaputtmachen kann und was wir zu verlieren haben.
Die Wahrheit ist das Wichtigste, was wir verlieren können. Daher finde ich es sehr schlimm, wenn sie geopfert oder relativiert wird, nur um niemandem auf den Schlips zu treten.
Bei den Evangelikalen und Freikirchen sehe ich eine größere Bereitschaft, sich zu positionieren. Dafür bin ich sehr dankbar, denn dort besteht oft weniger Abhängigkeit von staatlichen Finanzmitteln und Steuergeldern.
Insgesamt ist die Situation bei Christen sehr unterschiedlich. Einige positionieren sich ganz klar pro life, andere sagen pro life und gleichzeitig pro choice – oder wie auch immer man das nennen mag. Das hat mit dem christlichen Glauben zu tun, und man kann es unterschiedlich interpretieren.
Ich sehe das jedoch nicht so. Als Christen haben wir eigentlich keine Möglichkeit, anders zu denken, als dass wir Frauen helfen müssen, eine Entscheidung für ihr Kind zu finden. Alles andere wäre nicht mit unserem Glauben vereinbar.
Gleichzeitig herrscht viel Schweigen in den Kirchen – bis hin zu Positionen, die nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar sind. Das sehe ich zu hundert Prozent genauso.
Die Problematik des Schweigens und die Verantwortung der Christen
Das Problem beim Schweigen ist, dass es in dieser Frage keine internationalen Gewässer gibt. Es gibt keine neutrale Position, denn sobald eine Situation des Unrechts besteht und man einfach schweigt oder vermeintlich neutral bleibt, stellt sich die Frage: Inwieweit unterstützt man damit den Unterdrückten? Und inwieweit fördert man das Recht?
Das ist etwas, das viele Menschen nicht zu Ende gedacht haben. Doch das ist ein anderes Thema.
Missverständnisse und Kritik im Diskurs um Lebensschutz
Zum Schluss möchte ich noch zwei, drei Fragen stellen. Du beschäftigst dich ja schon lange und sehr öffentlichkeitswirksam mit dem Thema Missverständnisse. Das ist auch bei uns im Bibelfit-Projekt, dem Bibelfit-Dienst, ein Thema, das uns immer wieder begleitet – Missverständnisse über den christlichen Glauben.
Nun speziell zum Thema Missverständnisse über Pro Life und Pro Choice: Was denkst du, welche Missverständnisse oder unberechtigten Kritiken dir bei diesem Thema manchmal begegnen?
Von der Pro-Choice-Seite aus gesehen ist, glaube ich, ein großes Missverständnis, dass nur Christen Pro Life sind oder dass das grundsätzlich etwas mit dem christlichen Glauben zu tun hat. Ja, es hat in gewissem Sinne etwas mit dem christlichen Glauben zu tun, weil dort Werte übereinstimmen, die besagen, dass der Mensch von Anbeginn seiner Existenz an wichtig, wertvoll und schützenswert ist. Wahrscheinlich sind auch viele Christen deshalb im Lebensschutz aktiv, weil sie durch ihren Glauben bestärkt werden und den Mut haben, für ein oft unpopuläres Thema einzustehen.
Grundsätzlich kann man das Thema aber auch völlig ohne den Hintergrund des Glaubens diskutieren. Das wird dann oft als Ad-hominem-Argument verwendet, also als Angriff auf die Person, um diese Menschen oder ihre Argumente zu diskreditieren. Faktisch hat das aber nicht viel miteinander zu tun. Genauso wie wenn gesagt wird, alle, die hier sind, seien rechtsradikal oder fundamentalistisch – solche Begriffe werden oft einfach in den Raum geworfen, ohne dass die Basis der Argumente wirklich geprüft wird.
Manchmal wird dann gesagt: „Aber die Menschen, die in der Politik diese Meinung vertreten, vertreten auch noch diese und jene andere Meinung.“ Ja, okay, aber ich rede gerade über dieses Thema und nicht über alle anderen Themen.
Ich würde mir wünschen, dass Diskussionen mit mehr Know-how geführt werden, dass man besser versteht, wie Argumentation funktioniert und dass das schon in den Schulen besser gelehrt wird – also was ein gutes Argument ausmacht.
Bezogen auf das Christentum ist das nicht anders. Gerade beim Thema Lebensschutz bekommt man oft Totschlagargumente um die Ohren gehauen. Aber das gilt auch für die andere Seite. Die Lebensschutzseite ist auch kein unbeschriebenes Blatt. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten auch nicht nur mit Ruhm bekleckert.
Es gibt Menschen – ich weiß nicht mal, ob sie sich selbst der Pro-Life-Bewegung zurechnen würden –, die zum Beispiel sagen: „Dann verhütet halt einfach mal“ oder „Seid einfach vorsichtiger“. Solche Aussagen tun den Frauen, die in dieser Situation sind, Unrecht. Denn viele Kinder entstehen ungeplant und ungewollt, auch trotz Verhütung. Kein Verhütungsmittel ist hundertprozentig sicher. Das hat nichts damit zu tun, dass Menschen unvorsichtig waren, sondern ist einfach ein Risiko, das man eingeht.
Das Problem liegt darin, dass wir oft sagen: „Wir nehmen dieses Risiko in Kauf, und im Notfall gibt es immer noch Abtreibung.“ Stattdessen sollten wir sagen: Wenn dieses Risiko besteht, dass ein Menschenleben beginnt und existiert, dann muss ich mir Gedanken machen, ob es gerechtfertigt ist, dieses Leben zu beenden oder ob es nicht viel wichtiger und verantwortungsbewusster wäre, im Voraus genau zu überlegen, unter welchen Umständen ich dieses Risiko eingehe.
Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe die meiste Zeit meines Berufslebens in der Finanzbranche gearbeitet. Dort geht es viel um den Umgang mit Risiko, um Versicherungen, Kredite und Investitionen. Ein ganz einfacher Grundsatz lautet: Wenn du dir nicht leisten kannst, dass das, was du riskierst, eintritt, dann solltest du es nicht tun.
Das klingt simplistisch, aber wir müssen uns klar machen, dass wir in Situationen, die bestimmte Konsequenzen haben können, das Risiko eingehen können oder nicht. Wenn nicht, sollten wir uns genau überlegen, warum wir überhaupt in diese Situation gehen.
Das gilt genauso für Männer wie für Frauen. Ich möchte hier nicht nur die Frauen ansprechen. Jeder Mann, jeder junge Mann sollte sich überlegen, ob er dazu in der Lage ist, ein Kind in die Welt zu setzen, wenn er mit einer Frau schlafen möchte.
Absolut, hundert Prozent.
Vielen Dank.
Umgang mit Kritik und Stärkung durch den Glauben
Zum Schluss möchte ich noch zwei Fragen stellen. Die erste Frage lautet: Hast du einen guten Tipp für uns? Du beschäftigst dich ja schon eine Weile intensiver mit dem Thema und reagierst auch darauf. Was hast du dabei gelernt, wie man gut mit Kritik umgehen kann, wenn man sich zu einem Thema positioniert?
Ich glaube, es ist eine lebenslange Aufgabe, zu lernen, gut mit Kritik umzugehen. Das betrifft nicht nur dieses Thema. Wenn wir daran arbeiten, immer mehr in uns selbst zu ruhen, unseren Wert zu erkennen und zu wissen, woher dieser Wert kommt, dann kann man auch besser lernen, Kritik, gerade im Internet, nicht persönlich zu nehmen.
Ich erinnere mich immer daran, dass auch Menschen wie du und ich auf der anderen Seite des Bildschirms sitzen. Sie bringen ihre eigenen Erfahrungen mit und haben sicherlich ihre Gründe, warum sie Dinge so sehen, wie sie es tun. Das Beste, was ich tun kann, ist, einfühlsam zu sein und ihren Geist oder ihre Bereitschaft, über das Thema nachzudenken, zu erweitern.
Wenn jemand jedoch wirklich Grenzen überschreitet – und jeder muss für sich selbst festlegen, wo diese Grenzen liegen – dann ist es wichtig, sich auch davon zu distanzieren. Das ist nicht immer einfach, aber im Internet ist es manchmal leichter als im echten Leben. Man kann beispielsweise sagen: Ich blockiere diese Person.
Ich finde nicht, dass wir uns vor jeglicher Kritik abschotten sollten, denn es ist wichtig, einander zuzuhören. Aber wenn wirklich Beschimpfungen oder unsachliche Kritik kommen und ich jemanden gebeten habe, mit diesem oder jenem aufzuhören, und er beachtet das nicht, dann sage ich auch mal: Ich blockiere dich jetzt oder ich möchte das auf meiner Seite nicht haben. Es steht uns frei, so zu handeln, weil das, was in unserem digitalen Wohnzimmer passiert, auch unser Recht ist, darüber zu entscheiden.
Genau, und wie gesagt: Wenn man sich im Glauben stärkt, ist das automatisch eine gute Übung und eine Möglichkeit, in der Liebe zu wachsen – sowohl zu anderen als auch zu sich selbst. So lernt man, Dinge nicht zu ernst oder zu persönlich zu nehmen.
Das möchte ich nochmal ganz deutlich unterstreichen: Auch Christen dürfen andere Menschen auf Social Media blockieren. Das ist in Ordnung. Jesus selbst ist, als eine wütende Menge um ihn herum war, einmal oder mehrfach durch die Menge hindurchgegangen und aus der Situation herausgegangen. Das dürfen wir auch tun.
Gesprächsanlässe und Strategien für einen respektvollen Dialog
Dann noch eine letzte Frage an dich, liebe Sabina. Leider neigt sich unser Gespräch heute schon dem Ende zu. Ich könnte wirklich stundenlang weiter zuhören.
Die Frage lautet: Wie denkst du, könnten wir sinnvoll ein Gespräch über dieses Thema beginnen?
Ich finde, das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt immer auf die Situation an. Wenn uns dieses Thema aber wirklich am Herzen liegt und wir einen konkreten Anlass haben, sind solche Anlässe oft eine gute Möglichkeit. Zum Beispiel, wenn es ein tagesaktuelles Ereignis gibt. Man könnte sagen: „Ich habe das und das gelesen, wie denkst du darüber?“ Oder wenn jemand eine Äußerung macht, an die man anknüpfen kann.
Zum Beispiel steht man in einer Gesprächsrunde und jemand sagt: „Die ist jetzt schon so früh schwanger, so jung, mit 15 oder 16, hätte doch auch abtreiben können.“ Dann könnte man den Mut fassen und sagen: „Hey, Moment mal!“ und so ins Gespräch einsteigen.
Wenn man sich bereit und gewappnet fühlt, kann man auch mal etwas posten. So gibt man anderen Menschen die Möglichkeit, mit einem ins Gespräch zu kommen. Man muss es ja nicht jedem auf die Nase binden, aber wenn man ganz unverbindlich etwas zum Beispiel auf Social Media postet oder in seinem Status teilt, oder sich einen kleinen Aufkleber auf den Rucksack oder die Jacke macht, öffnet man anderen die Tür, einen darauf anzusprechen.
Ich finde das eigentlich eine schöne Möglichkeit: Man muss das Gespräch nicht von sich aus anfangen, sondern jemand anderes kommt auf einen zu. Wenn man dann noch gut mit Argumenten ausgestattet ist, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.
