Serie•Teil 3 / 4Im Spannugsfeld von Selbstverleugnung und Genuss
Generierte Mitschrift
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Einordnung der vorangegangenen Themen
Herr Präsident! Hinter uns liegen zwei Themen. Im ersten Vortrag ging es um Selbstverleugnung und dann im zweiten um Christusebenbildlichkeit. Beide Themen tragen in sich das Problem, dass man sie leider auch falsch verstehen kann.
Habt ihr euch mal gefragt, warum das Thema Selbstliebe so leicht Eingang in christliche Kreise findet? Das tut es. Es gibt viele Ratgeber, die auch für Christen sagen: Du musst dich mehr lieben. Ich denke, es liegt nicht daran, dass die Bibel uns ermutigt, uns zu lieben. Wir haben vorhin gesehen, in Epheser 5,20, dass diese Art von Liebe eigentlich bei jedem Menschen vorausgesetzt wird.
Ich glaube, dass das ganze Thema Selbstliebe so leicht Eingang findet, weil ein anderes Thema, nämlich das Thema Selbstverleugnung, in gewisser Weise übertrieben wird. Man kann nämlich Nachfolge betonen und dabei vergessen, dass wir Menschen sind, dass Jesus Mensch war, dass wir keine Maschinen sind und auch nicht als solche funktionieren.
Deswegen gibt es jetzt einen dritten Vortrag, der zu den ersten beiden Vorträgen insofern ein Gegengewicht darstellen soll, als dass ich nicht möchte, dass man sie falsch versteht. Und dieser dritte Vortrag hat die Überschrift: genügend Ruhe und Freude finden.
Ich bin, das wisst ihr, für Selbstverleugnung. Wir dürfen uns in unserem Leben nicht um uns selbst drehen. Aber es ist dumm und es ist unbiblisch, wenn aus Selbstverleugnung das wird, was Paulus einen eigenwilligen Gottesdienst nennt. Wenn du über Kolosser 2 machst, da kommt dieses ganze Thema, falsche Askese, da musst du drauf loshämmern.
Es ist ganz leicht, dass man sich Selbstverleugnung verselbständigt und dass man sie mit selbstgemachten Geboten und Lehren anreichert. Und dann meinen Christen plötzlich, dass sie heiliger, reifer und demütiger sind, weil sie extrem enthaltsam leben oder extra hart mit sich umgehen.
Zwischen Verzicht und Selbstdarstellung
Wir tauchen hier ein in einen Begriff, den ich mal Askese nennen möchte. Askese, bewusster Verzicht, ist gut, wenn sie ihren Ursprung in einer gesunden Beziehung zu mir selbst und zu Jesus findet. Aber wenn Askese, wenn Verzicht, eine verkappte Form von Selbstdarstellung wird, wenn sich mein Fleisch, mein Ego, durch Verzicht und einen besonders spartanischen Lebensstil profilieren will, dann geht es mir nicht mehr um Gott und sein Reich. Dann geht es mir ganz schnell wieder um mich selbst.
Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Lebe du, wie du willst. Ich werde jetzt auch ein paar persönliche Beispiele bringen. Lebe du bitte, wie du willst. Jeder von uns ist anders. Mir geht es überhaupt nicht darum, in diesem Vortrag gute Tugenden wie Sparsamkeit oder Anspruchslosigkeit schlecht zu machen. Das sind Tugenden, die Jesus uns vorgelebt hat. Paulus sagt: Gottseligkeit mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn.
Mir geht es darum, zwei falschen Tendenzen beim Thema Nachfolge zu wehren. Die eine Tendenz ist die, dass wir unsere natürlichen Bedürfnisse als Menschen missachten, dass wir so tun, als seien wir Roboter, die eigentlich immer funktionieren können. Aber das sind wir nicht. Wir sind Menschen, von Gott geschaffen, mit Grenzen und Bedürfnissen. Und beides, die Grenzen und die Bedürfnisse, die wir haben, gilt es zu achten, wenn wir seelisch und geistlich nicht ausbrennen wollen.
Und was ich mir wünsche, ist, dass wir als Christen in unser Leben eine ordentliche Portion Nüchternheit packen. Deswegen habe ich eben in der Fragerunde so auf Prediger herumgehackt. Wenn du Nüchternheit fürs Leben brauchst, brauchst du Prediger. Also: Wir brauchen nicht Selbstliebe als Antwort auf einen, ich sage mal, übertriebenen pharisäischen Lebensstil, sondern wir brauchen einen achtsamen Umgang mit uns beziehungsweise mit unseren Grenzen.
Habt ihr ein Buch mitgebracht? Für alle, die ein bisschen weiterlesen wollen: Gary Thomas, Alles für dich. Einseitig, logisch, ja, wie das immer bei Büchern ist. Es ist nicht ausgewogen, aber dieses Thema, wohin es führt, wenn wir einfach so tun, als seien wir Roboter, wird hier ganz schön beleuchtet. Und für alle, die sich bei diesem Vortrag so ein bisschen wiederfinden und denken: Mann, da möchte ich noch mal weiterdenken, oder für alle Hauskreise, die sagen, das wäre mal ein spannendes Thema zum Durcharbeiten: Gary Thomas, Alles für dich, finde ich an der Stelle extrem hilfreich.
Leistung als falscher Mittelpunkt
So, das war die eine Tendenz: die Tendenz zu denken, wir seien Roboter.
Es gibt noch eine andere schwierige Tendenz. Es ist die Tendenz, Leistung und Produktivität ins Zentrum unseres Glaubenslebens zu stellen. Im Zentrum unseres Glaubenslebens steht eigentlich Gott. Aber es kann ganz leicht passieren, dass dort, wo Gott stehen sollte, etwas anderes steht. Wenn ich also die Frage stelle: Worüber denkst du in deinem Leben am meisten nach? Wodurch definierst du dich? Dann ist es vielleicht nicht mehr Gott, sondern es sind die Dinge, die du für Gott tust, das, was du leistest.
Und in dem Moment, wo uns das passiert, leben wir, weil wir uns um uns selbst drehen, wie jeder andere Heide auch. Da muss man wirklich aufpassen. Wir leben dann sogar vielleicht in einer falschen Erwartung. Ich möchte diese falsche Erwartung einmal so skizzieren: Dieses Denken, wer viel für Gott tut, womöglich mehr, als ihm guttut, mehr, als wozu er berufen ist, tut das häufig mit der Erwartung: Wenn ich über meine Grenzen gehe, wenn es immer wehtut, dann muss doch irgendwie meine Beziehung zu Gott auch tiefer werden. Versteht ihr? Ich tue so viel für Gott, jetzt muss Gott doch richtig für mich sein. Und das ist eine falsche Erwartungshaltung. Es ist genau andersherum.
Kolosser 2,19 beschreibt, dass eine selbstgestrickte Leistungsheiligung entsteht. Und da spielt es keine Rolle, wo du herkommst: Jede Denomination, jede Gemeinde kann das bieten. Da kannst du Pfingstler sein oder zu ICF gehen oder Methodist sein, das spielt keine Rolle. Dieses im Zentrum seines Lebens Leistung zu haben, das geht so schnell. Das fühlt sich in den unterschiedlichen Gemeinden natürlich anders an, logisch. Aber dieses Denken ist so schnell da. Und diese Erwartung: Wenn ich das so und so ganzartig, richtig, konsequent und treu tue, dann muss doch meine Beziehung zu Gott tief und fest werden.
Kolosser 2,19 sagt, dass dort, wo sich diese Art von Denken findet, etwas in Gefahr ist. Wenn du meinst, mit selbstgestrickten Geboten Gott beeindrucken zu können, wenn du anfängst, dir selbst Verbote zu geben, die Gottes Ideen von Leben nicht entsprechen, dann ist deine Beziehung zum Haupt, also zu Jesus, in Gefahr. Du bist in der Gefahr, ihn zu verlieren.
Der Asket, der nach Extraheiligungsregeln lebt, ist genau der, der gerade keine tiefere Beziehung zu Jesus bekommt und auch nicht bekommen kann. Denn er hat angefangen, sich selbst, sein Denken und seine Leistung genau an die Stelle zu setzen, wo Gott eigentlich hingehört.
Drei Leitgedanken für Ruhe und Freude
So, zwei Tendenzen: Roboter sein, falsches Leistungsdenken im Zentrum unseres Glaubens. Das mag als Vorbemerkung reichen. Jetzt: genügend Ruhe und Freude im Leben.
Ich möchte einfach nur drei biblische Pflöcke einschlagen, an denen wir unseren Umgang mit Freude und Ruhe ausrichten können. Es ist ein ganz, ganz subjektives Thema, das werdet ihr merken. Wenn ich euch meine Vorstellung von Ruhe definiere oder zeige, was mich ruhig macht, dann wird ein anderer sagen: Für mich ist das das Allerletzte, das würde ich nie wollen. Das geht mir bei anderen Leuten aber ähnlich.
Von daher drei Pflöcke, die als Rahmen gelten mögen, um weiterzudenken.
Gott als Geber guter Gaben
Pflöck Nummer eins: Gott ist ein Gott des Genusses. Ich könnte viel dazu sagen, also nicht nur, dass Gott den Genuss geschaffen hat. Aber ich will zwei, drei Bibelstellen bringen.
1. Timotheus 6,17: Gott ist ein Gott des Genusses. Da heißt es, den Reichen in dem gegenwärtigen Zeitlauf nicht hochmütig zu sein, noch auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich darreicht zum Genuss.
Also, wisst ihr, das sind einfach so herrliche Gedanken. Ich weiß nicht, ob ihr euch an solchen Gedanken freuen könnt. Wenn nicht, tut es mir leid. Aber wenn, dann baut das in eure Anbetungszeit morgens mit ein oder wann auch immer ihr Gott anbetet. Herrlicher Gedanke: Gott ist ein Gott, der uns alles reichlich darreicht zum Genuss.
Und ich muss an so einer Stelle natürlich an Jesus denken, an das erste Wunder in Kana. Das ist ja ein Wunder, das darfst du gar nicht vor jungen Leuten predigen, so ein Wunder. Überleg mal: Du hast eine Hochzeitsgesellschaft, die schon so leicht angeheitert ist, zumindest an dem Punkt, dass sie wahrscheinlich nicht mehr so ganz sauber unterscheiden kann zwischen einem guten und einem schlechten Wein. Da bist du schon nicht mehr so bei, da hast du schon ein bisschen was.
Und dann ist dieses Problem mit dem Wein da, es ist kein Wein mehr da. Und gute Christen würden sagen: Na, richtig so, die haben ja auch genug. Wenn die schon nicht mehr den Guten vom Schlechten unterscheiden können, ist es gut, wenn die jetzt mal ein paar Tage nichts trinken. Was macht Jesus? Sechshundert Liter. Es ist einfach unglaublich. Wenn du ein Beispiel dafür brauchst, dass Gott sagt: Ich bin ein Gott des Überflusses, der Festfreude und des Genusses, dann ist das hier. Sorry, es ist einfach völlig übertrieben. Völlig übertrieben.
Ja, damals haben die länger gefeiert, und da war so das ganze Dorf eingeladen. Ja, das kann ja sein. Aber irgendwann waren die auch arbeiten, so Dörfer sind auch nicht riesengroß. Sechshundert Liter, Mann! Schweren Rotwein, hallo! Die haben das immer mit Wasser verdünnt, na hoffentlich. Ja, wirklich. Sonst macht sich das Platz und schwer. Also, ist ja noch warm da. Also gut, also dass wir das einmal verstehen: Gott ist ein Gott des Genusses, der uns alles reichlich darreicht zum Genuss.
Das müssen wir irgendwo mal verstehen. Noch eine Stelle, aber ich habe ja vorhin gesagt, ihr müsst Prediger studieren. Also, es gibt jetzt noch zwei Stellen aus dem Prediger. Eine in Prediger 2, die Verse 24 und 25. Und das ist Bibel, und ich hoffe, dass du glauben kannst, dass der Prediger Weisheit ist. Ich glaube das. Ich glaube, dass das nicht jemand geschrieben hat, der nicht wusste, was er tut, sondern ich glaube, dass es Weisheit ist, die ganz harmlos daherkommt. Und wenn du anfängst, über sie nachzudenken, dann denkst du: Boah, das ist so wahr.
Und hier sind zwei Verse, Prediger 2,24-25. Da sagt Salomo: Es gibt nichts Besseres für den Menschen, als dass er isst und trinkt und seine Seele Gutes sehen lässt bei seinen Mühen. Ja, aber Bekehrung ist doch jetzt ... Lass mal die Bekehrung außen vor. Jetzt geht es darum, wenn du durch dieses Leben unter der Sonne durchlebst, mit all seinen Mühen, diesem morgens Aufstehen und dann erst mal die Glieder strecken, und es quietscht schon alles, und Sorgen hier und Sorgen dort.
Mitten drin: Es gibt nichts Besseres für den Menschen, als dass er isst und trinkt und seine Seele Gutes sehen lässt bei seinen Mühen. Auch das sah ich, dass dies alles aus der Hand Gottes kommt. Denn wer kann essen, und wer kann fröhlich sein ohne mich? Niemand. Wenn Gott das nicht will, dann wirst du nicht essen und nicht trinken und nicht fröhlich sein. Aber wenn Gott das will und wenn Gott dir das schenkt und wenn Gott dich ermächtigt, von dem Guten zu nehmen, das er in dein Leben hineinlegt, dann darfst du das.
Und deswegen müssen wir begreifen: Genuss ist nichts Böses. Wie alles in der Welt kann man auch den Genuss zum Götzen machen. Ich kann mich in meinem Denken nur noch um, was wäre denn so gerade aktuell, so Sachen wie Kobe-Fleisch oder Strandurlaub, irgendwie Designerhandtaschen, ich kann mich in meinem Denken die ganze Zeit darum drehen. Das geht. Und dann mache ich den Genuss zum Götzen.
Aber die Tatsache, dass der Teufel Menschen mit Genuss versklavt, ist kein Beweis dafür, dass Genuss etwas Böses ist. Ich glaube ganz im Gegenteil: Wir leben in einer völlig kaputten, degenerierten, kurz vor dem Ausstehen stehenden Schöpfung. Also, die Schöpfung wäre auch kaputt, wenn Jesus nicht wiederkäme und eine neue machen würde. Wir machen sie gerade kaputt, es ist gruselig.
Und mitten hinein, mitten in einem Leben der Nichtigkeit, gibt Gott uns kurze Momente des Glücks, die uns woran erinnern? Daran, dass das Beste noch kommt. Und wir dürfen eigentlich, meine ich sogar, wenn ich Prediger ernst nehme, wir sollen diese kurzen Momente des Glücks ergreifen und genießen. Einmal, weil sie von Gott sind, sie sind dir von Gott geschenkt. Und zum anderen, weil wir sie brauchen.
Wenn du Prediger studierst, wirst du sehen, wie nüchtern Salomo die Welt sieht, wie er sie beschreibt. Er sagt: Leben ist mühsam, unberechenbar, oft ungerecht, und dein Glaube wird daran nichts ändern. Ich weiß, das hören wir nicht gern, aber es ist die Wahrheit. Leben ist mühsam, unberechenbar und ungerecht. Und ob du glaubst oder nicht glaubst, dein Glaube wird daran nichts ändern, diese Welt bleibt, wie sie ist.
Mag sein, dass du morgen aufwachst und es ziept irgendwo, und du gehst zum Arzt, und er sagt: Sie haben noch sechs Monate. Das kann dir keiner versprechen. Du kannst so gläubig sein, wie du willst, das kann dir keiner versprechen, dass dir das morgen nicht passiert. Niemand kann mir versprechen, dass ich heute Abend in Berlin gut ankomme. Niemand! Und ich hatte eine gute Woche mit schön viel Gebet, hat mir Spaß gemacht, war eine gute Woche. Ha, ja und?
Dieses Leben ist nichtig, Nichtigkeit bleibt Nichtigkeit, egal ob wir Jesus haben oder nicht. Aber was wir haben, neben einer Hoffnung auf eine bessere Welt, das sind heute schon diese kleinen Momente unschuldiger Freude: ein Abend mit Freunden, ein gutes Buch, ein kaltes Pale Ale, Ausschlafen, ein langer Spaziergang, vielleicht am Meer. Alles Dinge, die uns guttun und Freude bereiten. Woher kommen die? Die kommen aus der Ewigkeit in unsere Zeit hinein. Damit wir begreifen: Es kommt eine Zeit, da wird das nur noch so sein.
Aber heute musst du durch, durch eine Welt, durch eine Zeit, die dir nicht schmeckt. Bleib treu, bleib dran. Und da, wo Gott dir das eine oder andere Gute gibt, nimm es aus seiner Hand.
Freude als geistliche Haltung
Nochmal Prediger, ein etwas längerer Text aus Prediger 9, die Verse 7 bis 9, die das auch noch einmal unterstreichen.
Je älter ich werde, umso schöner finde ich diese Texte. Hört euch das an: Geh hin, iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen; denn längst hat Gott Wohlgefallen an deinem Tun. Hinter diesem asketischen Lebensstil steckt oft die Idee: Ich müsste Gott erst davon überzeugen, dass er mich mag. Und wenn ich möglichst enthaltsam lebe, dann steigert das irgendwie Gottes Liebe zu mir. Das ist so der Gedanke dahinter.
Und jetzt kommt der Prediger und gibt dir einfach eine fette intellektuelle Ohrfeige und sagt: Genieß, denn längst hat Gott Wohlgefallen an deinem Tun. Du musst Gott, wenn Gott ein Vater im Himmel ist, seine Liebe nicht mit Leistung erkaufen.
Und dann unterstreicht er, dass deine Kleider weiß seien zu jeder Zeit und das Salböl nicht auf deinem Haupt fehle. Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines nichtigen Lebens. Es wird an der Stelle nicht weniger nichtig. Und vielleicht kannst du nicht immer das Leben mit der Frau genießen, aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht sind deine Kleider auch nicht immer weiß, und vielleicht ist das mit dem Parfum auch nicht immer so. Salböl ist ja Parfum. Vielleicht hast du auch nicht immer eine Flasche Wein zu Hause und ein Stück Brot. Mag sein. Aber wenn du es hast: Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines nichtigen Lebens, das er dir unter der Sonne gegeben hat, alle deine nichtigen Tage hindurch.
Die Spannung ist cool. Ja, es bleibt nichtig, aber mittendrin gibt Gott Genuss.
Begründung: Denn das ist dein Anteil am Leben und an deinem Mühen, womit du dich abmühst unter der Sonne. Es gibt gute Dinge in diesem Leben. Genieße sie.
Also, der Prediger macht klar: Wir sollten keine unrealistischen Erwartungen an dieses Leben haben, aber gleichzeitig auch nicht die genussvollen Momente verachten. Und jetzt kann es natürlich sein, dass ich denke, dass wir in Deutschland in der Gefahr stehen, unser Leben quasi nur noch um diese genussvollen Momente herum aufzubauen. Das kann sein. Ja, es kann sein, dass Leute sich im Genuss verlieren und dass Genuss zum Götzen wird.
Aber ich möchte heute einfach mal speziell zu denen reden, die in der anderen Gefahr drinstecken, nämlich in der Gefahr, dass sie Freude, dass sie Intimität, Luxus, dass sie dem zu wenig Beachtung schenken. Man kann dem zu viel Beachtung schenken, und wenn das so ist, dann ist das einfach nicht der Vortrag für dich. Aber wenn du merkst: Ey, ich habe eigentlich schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir einen normalen Stuhl kaufe und nicht mehr auf Bananenkistchen sitze. Und ich habe nichts dagegen. Wenn Gott dich da hinführt, so zu leben, dann tu das. Das habe ich am Anfang gesagt.
Aber wenn du merkst, wenn schon dieser Gedanke da ist: Eigentlich darf kein Christ das und das und das und das, was du für dich als richtig erachtest. Wenn es in diese Richtung geht, wenn die Frage, wann hast du zum letzten Mal ein gutes Eis gegessen, ist und du sagst: Naja, irgendwie so vor 25 Jahren, ja, aber sowas darf ein Christ nicht. Da will ich mal ran.
Der Rhythmus von Arbeit und Ruhe
Gut, das war Pflock Nummer eins. Pflock Nummer zwei: Gott will uns zur Ruhe bringen.
Und ich ziehe das mal auf, diesen Gedanken, dass Gott uns zur Ruhe bringen will, anhand von 2. Mose 20,8-11. Denke an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten. In 2. Mose 20 sind die Zehn Gebote, und das steht mittendrin.
Denke an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun, aber der siebte Tag ist Sabbat für den Herrn, deinen Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore wohnt. Denn in sechs Tagen hat der Herr den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tag. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.
Gott ist ein Gott unseres Arbeitslebens. Aber noch mehr: Der Text sagt, er hat die Schöpfung gemacht. Und Gott kennt die Bedürfnisse seiner Schöpfung, er kennt die Bedürfnisse des Menschen. Und er hat in den Menschen das Bedürfnis hineingelegt nach Ausruhen. Und er hat in ihn hineingelegt das Bedürfnis nach Gottesbegegnung.
Und jetzt möchte ich dir einen Tipp geben. Das ist kein Gebot, aber es ist ein sehr guter Tipp. Und im Allgemeinen wird dieser Tipp, den ich jetzt gebe, von gefühlten 95 Prozent meiner Zuhörer gnadenlos ignoriert. Ich werde also damit leben, wenn auch von den ungefähr 150 Leuten, die hier sind, es nur drei machen. Okay, ist halt so. Ich gebe ihn trotzdem immer wieder, weil gute Tipps gute Tipps sind.
Und der gute Tipp lautet: Habe einen Ruhetag in der Woche. Also habe einen Ruhetag, nimm ihn dir ganz konsequent. Wenn wir an der Schöpfungsordnung vorbeileben, werden wir immer müder und haben immer mehr den Eindruck, dass wir nur noch gelebt werden. Leben ohne Ruhetag landet, wenn du nicht aufpasst, ganz schnell im geistlichen Burnout.
Und darf ich mal etwas Selbstkritisches oder etwas Kritisches sagen? Ich bin entsetzt über die Tatsache, dass es so viele Christen gibt, die schon zwanzig Jahre und länger gläubig sind, aber irgendwo ihr Feuer verloren haben. Und ich denke, ihr wisst, wovon ich rede: Menschen, die noch Dienst nach Vorschrift in der Gemeinde tun, aber aus dem letzten Loch pfeifen und denen man eine leidenschaftliche Beziehung zu ihrem Gott nicht mehr abspürt.
Und deswegen sage ich dir jetzt Folgendes, und ich meine das ganz hundert Prozent ernst: Du wirst im Leben für Gott nie mehr schaffen, als wenn du regelmäßig einen echten Ruhetag hast, um die inneren Akkus wieder aufzuladen.
Ich könnte euch aus meinem Leben die beiden Seiten erzählen. Ich bin 1999 Vollzeitler geworden, einfach nur, weil die Gemeinde gewachsen ist, weil mein Arbeitgeber gesagt hat: Wenn du gehst, kriegst du Geld. Und wir haben dann gedacht: Okay, von dem Geld können wir zwei Jahre leben, die ballern wir in die Gemeinde rein und schauen mal, was passiert.
Und natürlich, wenn du dann davor stehst und sagst: Ich habe jetzt zwei Jahre Zeit, jetzt muss ich Vollgas geben, ich habe diese zwei Jahre. Und ich habe mich dann am Anfang meines Glaubenslebens immer gewundert, warum falle ich immer im Herbst in so eine komische Depression? Na klar: Wenn du neun, zehn Monate Vollgas gibst und am Ende hat man immer noch so eine Brüderrüste, so fünf Tage, zwanzig Männer, acht Stunden Bibelstudium am Tag, Gespräche bis in die Nacht, und dann fällst du einfach um. Was soll das? Ich wurde einfach nicht effektiver.
Und deswegen: Du brauchst Zeit, um deine inneren Akkus wieder aufzuladen. Du kannst mit deinem Denken Gottes Weisheit nicht übertreffen. Hinter der Effektivität meines Dienstes gibt es drei Geheimnisse. Das eine ist Gebet, Menschen beten für mich. Das zweite ist, ich habe die richtige Frau an meiner Seite. Und der dritte Punkt ist: Ich habe einen Ruhetag. Montags habe ich einen Ruhetag.
Ich habe eine Anfrage gekriegt: Machst du die Bibelwoche bei uns? Ja klar, von Sonntag bis Sonntag. Ja, aber nicht am Montag. Montag ist mir. Ich schaffe viel und auf einem relativ hohen Niveau und auch kontinuierlich, weil ich jeden Montag einen echten Ruhetag habe, und das schon seit Jahren.
Ich kann in meinem Dienst sechs Tage Vollgas geben, und da ist mir wirklich relativ egal, wie lange die Tage werden. Meine Kinder sind aus dem Haus, ich muss auf niemanden mehr Rücksicht nehmen. Klar muss ich auf meine Ehe achten, das mache ich schon, aber ansonsten kann ich sechs Tage lang einfach leben, wie ich will. Irgendwann bin ich dann abends müde, dann gehe ich ins Bett, gut. Aber es gibt einen Tag: Sechs Tage gebe ich Vollgas, aber es gibt einen Tag, das ist meiner. Und ich weiß, das hört sich komisch an, wenn ich das so sage, das ist meiner. Aber an diesem Tag stehe ich im Mittelpunkt, und zwar aus einem einfachen Grund: weil Gott das so will. Ich darf mich, nein, ich soll mich ausruhen.
Ich bin einen Tag in der Woche nicht verantwortlich für den Kapellenumbau. Wir haben gerade so eine Uraltkapelle. Ja, ich beneide euch Handwerkergemeinden. Wir sind eine Nullhandwerkergemeinde, ja, und haben kiloweise Arbeit, die uns restlos überfordert. Also ich bräuchte im Moment noch einen Elektrikermeister für Schlitz und solche Sachen, ja. Ich könnte noch ... Also wenn ihr jetzt aus purer Verzweiflung merkt: Oh, dem müssen wir helfen, ja, hier ist die Nullhandwerkergemeinde, die eine 50 Jahre alte Kapelle geschenkt bekommen hat. Super, sage ich euch.
Aber einen Tag in der Woche mache ich mir keinen Kopf darüber. Ist das super? Einen Tag in der Woche mache ich keine Predigtvorbereitung. Eine Woche dürfen alle Ehepaare mit Problemen einfach mal auf ihren eigenen Problemen sitzen bleiben, das ist dann mal nicht meine. Einen Tag in der Woche nicht nachdenken, einfach nur zur Ruhe kommen. Einen Tag in der Woche weiß meine Gemeinde: Solange du nicht suizidal bist, rufst du mich nicht an. So kann es sein, so kommuniziere ich das in die Gemeinde hinein. Du willst nicht von irgendeiner Brücke springen? Morgen, neun Uhr. Ja, aber mir geht es gerade schlecht. Kann sein, morgen neun Uhr, Dienstag früh neun Uhr, reicht. Solange du nicht springst. Wenn du springst, gehe ich hin, logisch. Aber wenn nur deine Ehe in Trümmern ist: Ich habe meinen Ruhetag, Entschuldigung. Warum, habe ich euch schon gesagt, ich brauche ihn.
Das ist ja kein Spiel, was ich spiele. Ich habe ein Leben zu leben, ich habe ein Marathonleben zu leben. Und deswegen sagt Jesus, oder Gott sagt hier Sabbat: Ich habe einen Tag in der Woche die Verantwortung, zur Ruhe zu kommen. Und ich finde dieses Wort spannend, dieses Verantwortlichsein dafür, zur Ruhe zu kommen. Es ist nämlich ein Unterschied, ob ich einen Tag vergammle. Ja, trödeln kann jeder. Aber unter der Leitung des Heiligen Geistes intelligent ausruhen und die inneren Akkus aufladen, das ist der Anspruch Gottes an mein Leben.
Gott hat ein Ziel mit meinem Ruhetag. Er gibt den nicht einfach so, sondern er sagt: Hey, ich möchte, dass du einen Tag wirklich zur Ruhe kommst, um dich fit zu machen, dann sechs Tage auch wirklich arbeiten zu können.
Und vielleicht hört sich das jetzt noch mal komisch an: Mein Ruhetag ist manchmal der angefochtenste Tag in der Woche. Also ich empfinde manchmal meine normalen Arbeitstage relativ entspannt, weil da habe ich meine To-dos, da weiß ich, was dran ist, mit wem ich mich treffe, welche Predigten vorbereitet werden müssen, wann ich beten gehen will, und das ist durchstrukturiert. Dann hast du plötzlich einen Ruhetag. Und du merkst: Dieser Ruhetag, der Teufel ist so hinterher, meinen Ruhetag zu boykottieren. Weil er genau weiß: Wenn er das schafft, dann hat er sechs Arbeitstage gehandicapt. Wenn ich einen Tag nicht ausruhe, dann habe ich die nächsten Tage vielleicht nur noch 80 Prozent Leistung. Aber klar: Sechsmal 80 ist weniger als sechsmal 100 Prozent. Da hat der Teufel schon wieder gewonnen.
Und so merke ich: Es ist gerade mein Ruhetag, an dem mein Fleisch mir einreden möchte, genau die Dinge zu tun, die vielleicht verlockend sind, vielleicht auch ein bisschen verboten, mir aber garantiert keine Ruhe und keine Freude bringen. Also ein intelligenter Ruhetag ist eine Einrichtung, die meine Seele braucht, und ich brauche Gottes Gnade, diesen Tag so zu gestalten, dass er mir wirklich guttut.
In meinem Leben ist das so: Mein Ruhetag hat sich über die Jahre immer mal wieder gewandelt. Ich habe mir in der Vorbereitung hierauf eine Predigt durchgelesen, die ich zum Thema Sabbat vor Jahren mal gehalten habe, und da habe ich auch beschrieben, wie ich meinen Ruhetag mache. War total lustig, weil heute mache ich ihn ganz anders. Und das ist okay.
Im Moment steht, wenn ich über Ruhetag nachdenke, bei mir im Vordergrund: lang schlafen. Hey, mal bis elf Uhr schlafen können. Oh, ist das schön! Also für jemanden, der wirklich ausruht, für so einen Denkertyp, wo immer der Kopf am Arbeiten ist, einfach mal um sechs Uhr der Frau sagen: Tschüss, mach dich fertig, sich rumdrehen und wissen, da sind noch vier Stunden drin. In dieser kuscheligen Art, weißt du, wenn du schon weißt, du könntest aufstehen, aber du musst nicht. Also im Moment einfach so, wo du weißt: Heute geht es darum, wirklich zur Ruhe zu kommen.
Und wenn normalerweise mein Hirn auf Hochtouren läuft, ist Schlafen für mich etwas total Gutes. Manchmal träume ich noch ein bisschen schräg, und dann sind die Sachen verarbeitet, und es ist richtig gut. Ein bisschen Sport, nicht zu viel, ein bisschen. Am Nachmittag, und das mag jetzt manche Leute vielleicht schräg vorkommen, für mich ist das das absolute Optimum: eine schöne große Zigarre und ein gutes Buch. Mich irgendwo hinsetzen und zwei, drei Stunden einfach abschalten.
Jemand mag sagen: Jürgen, du bist zu sehr Brüdergemeindler. Ja, die Brüdergemeinden haben da eine gute Tradition verloren, die waren früher mehr auf Zigarren, das hat sie ein bisschen gelängt, das ist ein bisschen weniger, ja, das stimmt schon. Aber was soll's, ja, nicht jeder muss das mögen. Aber für mich, im Rauchersalon im Hinterzimmer von Zigarrenherzog zu sitzen, mit meinem Buch und meiner Kubanerin und einfach zu sagen: Die nächsten zweieinhalb, drei Stunden habe ich dieses Buch, und ich kann es lesen, aber ich muss es nicht lesen. Vielleicht will ich nur in die Luft stieren, drei Stunden lang. Vielleicht hole ich meine Bibelverse raus und wiederhole ein paar, um einfach über zehn Verse drei Stunden lang nachzudenken. Es ist mir völlig egal, weil mich bringt das zur Ruhe.
Ich weiß nicht, was dich zur Ruhe bringt. Keine Ahnung, ja? Was soll ich sagen? Vielleicht sagst du: Ey, also bei mir ist das was ganz anderes, mich würden ganz andere Dinge zur Ruhe bringen. Dann mach die, dann mach die. Ich liebe das. Ich liebe es, etwas gefunden zu haben, wo ich bei mir selber ankomme, wo ich merke, ich komme körperlich zur Ruhe, und dann kommt so drei Stunden, nachdem mein Körper zur Ruhe kommt, auch meine Seele so ganz langsam zur Ruhe.
Ja, und Ruhetag! Pack da rein, was dir gefällt. Und wenn du so wie ich mit einer Zigarre einen kleinen Spleen hast, kein Problem. Gönn dir kein teures Hobby, dafür haben wir keine Zeit in diesem Leben. Aber so ein kleiner Spleen, wo du einfach merkst, das ist ein bisschen was für mich, das finde ich persönlich ziemlich in Ordnung. Ruhe und Abschalten, Ruhe, die Gott mir gönnt.
Und lasst uns an der Stelle, wie gesagt, nicht dogmatisch sein. Was mir guttut, das kann dich anöden. Da kannst du sagen: Boah, echt? Ja, vielleicht sagst du: Ruhetag heißt für mich, Mountainbike rausholen, fünf Stunden Vollgas. Also solange nicht auch so das letzte Quäntchen Energie aus meinen Oberschenkeln rausgedrückt wurde und in Schmerz verwandelt ist, solange kann ich mich nicht ausruhen. Ja, kann sein.
Vielleicht sagst du auch: Jürgen, ey, einmal die Woche meine Briefmarkensammlung sortieren, einfach Zeit haben und einfach sich freuen an den kleinen, zackigen Rändern und an den hübschen Bildchen, einmal in der Woche an der Stelle einfach ein bisschen Zeit haben. Oder vielleicht sagst du: Nee, ich bin der Unkrautjäte-Typ, ich muss in den Garten, und wenn ich da so, wenn ich das Beet vor mir sehe, völlig befreit von kleinen grünen Pflänzchen, ja, dann atme ich durch und dann geht mein Herz auf. Es ist mir völlig Wurst.
Wichtig ist, dass wir die Trennung hinkriegen in Vollgas auf der einen Seite und echte Ruhe auf der anderen Seite.
In Markus 6,31 da sagt Jesus zu seinen Jüngern Folgendes: Und er sprach zu ihnen: Kommt ihr selbst allein an einen öden Ort und ruht ein wenig aus. Ist das schön? Jesus sieht seine Jünger, wie sie unter Druck stehen. Und es gibt Zeiten, wo die Idee vom Ruhetag eine Idee ist, die sich nicht verwirklichen lässt, das ist mir völlig klar. Jetzt ist es ein bisschen besser geworden durch die Sommerbibelschule, aber als wir noch drei, vier Outdoor-Bibelschulen im Jahr hatten, da ist ein bisschen Ruhetag auf der Strecke geblieben. Ja, logisch, das gibt es.
Und das hatten die Jünger hier, und Jesus sieht sie. Und was tut er? Er sagt: Kommt ihr selbst allein an einen öden Ort und ruht ein wenig aus. Denn diejenigen, die kamen und gingen, waren viele, und sie fanden nicht einmal Zeit, um zu essen. Gott hat uns im Blick, Jesus hat seine Jünger im Blick, er weiß, dass sie Ruhe brauchen.
Und deswegen regelt Gott schon im Alten Testament das Leben seines Volkes so, dass sie dreimal im Jahr einen Kurzurlaub in Jerusalem machen sollen. Und alle sieben Jahre, das ist schon das, wo ich fast nicht mehr traue, das zu denken, alle sieben Jahre soll das Land nicht bestellt werden. Überlegt euch mal, du würdest dein Leben so einrichten: alle sieben Jahre Auszeit. Was für ein Vorrecht, was für ein Gott, der sagt: Das fände ich eigentlich angemessen. Und das wäre eigentlich wahrscheinlich gesund. Ich meine nicht ein Jahr nichts tun, das habe ich nicht gesagt, sondern ein Jahr nicht arbeiten gehen.
Und all die Dinge tun, die vielleicht zu kurz gekommen sind. Vielleicht sagst du dir: Boah, mal so ein Jahr haben, das man investiert in, ich sage mal, Sport, in die geistliche Erziehung der Kinder, vielleicht ein Musikinstrument lernen, mal alte Geschwister besuchen, einfach mal Zeit haben, einfach mal so durch die Gemeinde tingeln und mit jedem wirklich mal reden, mal lesen, Inspirationen bekommen oder vielleicht ganz platt als Ehepaar mal Zeit haben, länger zu zweit wegzufahren.
Einfach mal so ein Jahr, wo du sagst: Alles das, was so die restlichen sechs Jahre auf der Strecke geblieben ist, das ballern wir mal alles in ein Jahr rein. Das ist die Idee, mit der Gott uns aus dem Alten Testament entlässt. Haha, und was machen wir daraus? Schaffe, schaffe, Häusle baue, Gas geben, ja, gibt keinen Burnout, Christen kriegen keinen Burnout, ja, ehrlich, naja.
Also, warum will Gott, dass wir zur Ruhe kommen? Das eine ist: Ich denke, dass es ihm dabei um uns geht, dass wir Kraft schöpfen für ein Leben, das wir für ihn leben. Und wenn du sagst, ich will in Gemeinde und ich will im Reich Gottes maximal viel aus meinem Leben rausholen, dann wirst du das nur schaffen mit einem Ruhetag. Je intelligenter dein Ruhetag, umso effektiver dein geistliches Leben. Das muss dir klar sein.
Wenn du denkst, du leistest mehr mit deinem sieben Tage ruhelos dahin ackern als ich in sechs Tagen, das können wir gerne ausprobieren. Ich stelle mich gerne neben dich, und wir können gerne Zeiten und Effektivität vergleichen. Ich garantiere dir, ich gewinne, weil ich einen Tag habe, um aufzutanken, um kreativ zu werden.
Gottes Güte schmecken
Und dieser eine Tag will noch etwas Zweites. Das haben wir schon in 2. Mose 20 angedeutet. Das ist Block Nr. 2.
Wir erleben Gott im Genuss. Der Ruhetag ist nicht nur eine Zeit, in der ich zur Ruhe komme und auftanke. Es ist ein Tag, an dem ich Gott in einer Weise begegnen kann, die im wahrsten Sinne des Wortes himmlisch ist.
Im Psalm 34,9 und dann auch in 1. Petrus 2,1-3 steckt ein Gedanke, den wir nicht vorschnell als poetisch abtun dürfen. Psalm 34,9: Schmeckt und seht, dass der Herr gütig ist. Glücklich der Mann, der sich bei ihm birgt. Schmeckt und seht, dass der Herr gütig ist.
1. Petrus 2,1-3: Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden und seid wie neugeborene Kinder begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch sie wachst zur Errettung. Und jetzt kommt’s: Wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist.
Zweimal diese Wiederholung, ja: Schmeckt und seht. Wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist. Gott ist ein Festmahl. Und seine Güte zu schmecken, wie Petrus es sagt, ist der Grund dafür, dass wir heilig leben wollen. Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei, wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist.
Und Gottes Güte zu erleben, macht uns Mut. Das ist in Psalm 34,9. In schwierigen Zeiten wie David bei ihm Schutz zu suchen.
Und jetzt ist die Frage: Wann erleben wir Gottes Güte ganz praktisch? Ich persönlich erlebe sie an zwei Stellen in meinem Leben. An zwei Stellen in meinem Leben würde ich sagen, da schmecke ich Güte Gottes.
Und schmecken hat damit zu tun, dass man Zeit hat. Du kannst einen Ein-Euro-Burger, den du runterschlingst, nicht schmecken. Schmecken heißt: draufbeißen, kauen, überlegen, was geht da in meinem Mund vor, nachdenken, was schmecke ich denn da. Schmecken braucht Zeit. Gott schmecken braucht Zeit. Und deswegen merke ich: Wo schmecke ich Gottes Güte? Sie ist als Theorie die ganze Zeit in meinem Leben da, logisch, Gott ist gütig. Aber wo schmecke ich sie?
Antwort: Erstens, wenn ich im Gebet mit Gott allein bin, ihm täglich für seine Geschenke an mich danke, wenn ich mich von ihm trösten lasse, wenn ich mich im Rückblick darüber freue, wie er mein Leben geführt und gesegnet hat. Zeiten des Gebets. Und das sind natürlich, ich rede jetzt nicht über Stoßgebete, ich rede nicht über Fünf-Minuten-Gebete. Ja, ich rede darüber, dass du betest.
Wir machen jetzt nichts über Gebet, ja, aber es ist irgendwie sonnenklar, dass jeder von euch, wenn er anfängt zu beten, die ersten zwanzig Minuten wahrscheinlich erst mal im Gebet ankommt. Und dann hört irgendwann unser Fleisch aufzuschreien, und dann fangen wir vielleicht langsam an. Also, ich rede über Gebet, nicht über Gebetchen. Ich rede mal zu Christen jetzt und nicht zu Leuten, die meinen, dass man mit fünf Minuten Gebet am Tag irgendetwas reißt. Das ist nicht so.
Aber wenn du wirklich betest und wenn du sagst: Ich kenne das, Jürgen, dass ich mir auch mal eine Auszeit nehme, auch mal ein, zwei Tage alleine bin mit Gott, dann sind diese Zeiten des Gebets Zeiten des Genusses. Gerade dann, wenn ich mir ein bisschen mehr Zeit nehme, wenn ich ungestört mit Gott allein sein kann.
Und dann gibt es einen zweiten Moment in meinem Leben, wo ich Gottes Güte schmecke, und das ist an meinem Ruhetag. Wisst ihr, wenn ich Geld in die Hand nehme, um mich vor ihm zu freuen, wenn ich in meinen Lieblingszigarrenladen gehe, ja, und dann in diesen begehbaren Humidor. Wisst ihr, was ein Humidor ist? Das ist ein Raum, wo 70 % Luftfeuchtigkeit gehalten wird, mit Zedernholz ausgeschlagen, damit es den Zigarren da gut geht. Ich gehe dann in diesen begehbaren Humidor, und dann suche ich mir eine Zigarre aus, gehe nach hinten in den Salon, und dann nehme ich mir so einen Zedernholzscheit, so einen kleinen, stecke den an, und mit dem Zedernholzscheit wird dann ganz langsam die Zigarre getoastet, bis sie fertig ist. Und dann nimmst du den ersten Zug, und ihr könnt jetzt sagen: Der spinnt, der kann ja doch nicht predigen von vorne.
Doch. Und dann sitzt du da, und du kommst ganz langsam zur Ruhe, und es ist ein Dank. Dann, in diesem Moment, da werde ich einfach still, und ich nehme diesen Moment des Glücks dankbar aus Gottes Hand. Und du magst es anders machen wollen. Wie gesagt, ich habe dir ein paar Vorschläge gemacht: Mountainbike, Jäten und so weiter. Aber schaff diesen Moment, wo du merkst: Gott meint es wirklich gut mit mir.
Und wenn mich jemand fragt: Jürgen, wann schmeckst du Gottes Güte? Ich glaube, es ist so dieser Moment, diese Stunden alleine mit Gott, wo ich einfach genießen darf, wo es nicht um andere Menschen geht, nicht um einen Dienst geht, nicht um Leistung geht. Nicht darum geht, noch etwas aus der Bibel zu lernen. Und da gibt es noch viel, keine Frage. Sondern wo es einfach nur darum geht, vor Gott zur Ruhe zu kommen und zu sagen: Danke. Und diesem Danke emotional in meinem Herzen Raum zu geben.
Mir gefällt die Idee aus 5. Mose 14. 5. Mose 14 möchte ich einen längeren Absatz vorlesen, Verse 22-25. Vielleicht wusstet ihr das noch nicht. Aber im Alten Testament gibt es verschiedene Zehnten. Ein Zehnter ist dazu da, dass man vor Gott in Jerusalem feiert. Und hier gibt es also einen Zehnten zum Feiern. Es gibt noch einen Zehnten, und dann gibt es noch einen Zehnten, der alle drei Jahre erhoben wird. Aber es gibt einen, der ist dazu da, vor Gott zu feiern. Und den lese ich euch jetzt vor: 5. Mose 14,22-25.
Du sollst gewissenhaft allen Ertrag deiner Saat verzehnten, was auf dem Feld wächst, Jahr für Jahr, und sollst essen vor dem Herrn, deinem Gott, an der Stätte, die er wählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen, Jerusalem nämlich, den Zehnten deines Getreides, deines Mostes und deines Öles und die Erstgeborenen deiner Rinder und deiner Schafe, damit du lernst, den Herrn, deinen Gott, alle Tage zu fürchten.
Es ist witzig: Wenn wir feiern vor Gott, lernen wir, den Herrn zu fürchten. Ganz interessant. Wenn aber der Weg zu weit für dich ist, dass du es nicht hinbringen kannst, weil die Stätte für dich zu fern ist – ist klar, wenn du weiter weg bist, ist es ja schwierig, alle Rinder und Schafe mitzunehmen –, weil die Stätte für dich zu fern ist, die der Herr, dein Gott, erwählen wird, um seinen Namen dort hinzulegen, wenn der Herr, dein Gott, dich segnet, dann sollst du es für Geld geben. Also du verkaufst die Sachen, die du geerntet hast. Und dann binde das Geld in deine Hand zusammen und geh an die Stätte, die der Herr, dein Gott, erwählen wird.
Damit jetzt nicht jemand denkt: Na ja, das ist bestimmt so eine ganz heilige Veranstaltung, ich darf mein Geld dann bestimmt nur am Büchertisch ausgeben, gibt es Vers 26. Vers 26 steht, das müsst ihr euch auf der Zunge zergehen lassen: Nimm zehn Prozent deines Einkommens, geh nach Jerusalem, feier vor mir. Und dann steht hier: Und gib das Geld für alles, was deine Seele begehrt, für Rinder und Schafe, für Wein und Rauschtrank und für alles, was deine Seele wünscht, und iss dort vor dem Herrn, deinem Gott, und freue dich du und dein Haus.
Gebot: Zehn Prozent deines Einkommens flüssig machen, nach Jerusalem gehen, Party. Oh, das kannst du nicht ehrlich meinen. Es ist Altes Testament, zum Glück gilt das nicht für uns. Ha ha, hu, geschafft! Ja ja, zum Glück sind wir Brüder gemeint, weil wir wissen, dass das Alte Testament eine Vorbildfunktion hat, oder?
Ich mag diesen Vers. Er ist einfach nur herrlich. Was für ein Gott, was für ein Gebot: Freue dich vor Gott, investiere Geld für die Begegnung mit Gott und feier diese Zeit. Wir können Hobbys haben, die unsere Herzen versklaven und uns von Gott entfremden, das ist Götzendienst. Wir können unsere Zeit zudröhnen mit Dingen, die uns beschmutzen, entehren und als Gotteszeugen unbrauchbar machen, ja. Aber wir können genauso überlegen, wie wir auf eine intelligente Weise vor Gott feiern wollen, wie das aussehen könnte, wenn wir auf eine gesunde Weise den Bedürfnissen unserer Seele nachgeben, um vor dem Herrn zu genießen und Gottes Güte nicht nur theoretisch zu wissen, sondern ganz bewusst zu schmecken.
Und meine These ist: Wer das tut, dem fällt es leichter, Gott zu gehorchen, 1. Petrus 2,1-3. Und wer das tut, dem fällt es leichter, sich bei Gott zu bergen, Psalm 34,9. Wer das tut, der findet eine gute Mitte zwischen ungesunder Askese, die uns eigentlich nur in Hochmut und Selbstgerechtigkeit führt, auf der einen Seite, und auf der anderen Seite so eine freizügige Liberalität, die Sünde für Vergnügen hält. Und beides ist falsch, aber es gibt eine Mitte.
Und ich wünsche euch eine Leidenschaft für Gott, die sich aus der Freude an Gott speist. Wir dürfen radikal sein, ich bin für Radikalität, ich bin für maximalen Einsatz. Wir dürfen radikal sein, wir dürfen unser Leben, wir sollen unser Leben verleugnen und wir sollen für Gott leben. Und gleichzeitig die guten Gaben Gottes auf eine für uns passende, auf eine nüchtern intelligente Weise genießen. Warum? Weil Gottes Wort es sagt, weil wir Gottes Wort kennen und sehen, wie er uns Ruhe und Genuss und Frieden geben möchte. Amen!
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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