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Klippen im Glaubensleben

Der Verfolgte David - Teil 32
1. Samuel 21,8-1622.11.2023
SerieTeil 32 / 421. Samuel (Vers-für-Vers)
David kommt in seinem Exil zum Philisterkönig, vor dem er sich fürchtet, weshalb er lügt und sich wahnsinnig stellt. Seine Gefühle und Gedanken können in einigen seiner Psalmen nachvollzogen werden.

Der Zusammenhang von Tisch, Brot und göttlicher Gegenwart

Wir fahren weiter in 1. Samuel 21. Ich möchte aber noch darauf hinweisen, dass die Sache mit den Schaubroten natürlich in direktem Zusammenhang mit dem Schaubrottisch steht.
Dieser Schaubrottisch aus reinem Gold ist wiederum ein Hinweis auf den Messias, Jesus. Dieser Tisch trug ja in der Stiftshütte eben diese zwölf Brote, und zwar in der Gegenwart Gottes. Darum heißt er Schaubrottisch, weil er die zwölf Brote gewissermaßen vor dem Angesicht Gottes trug, und das angesichts des Allerheiligsten, wo Gott thronte, zwischen den Cherubinen.
Und nun: Die Geräte in der Stiftshütte, die aus reinem Gold waren, die Bundeslade selbst, dann der goldene Räucheraltar, die Menorah, der goldene Leuchter, und eben der Schaubrottisch, weisen auf die Gottheit des Messias hin. Warum? Der älteste Freund von Hiob hieß Eliphas, Hiob 4,1. Eliphas heißt: Mein Gott ist Feingold. Das ist schon die Erklärung. Feingold spricht von der Gottheit und der göttlichen Herrlichkeit.
Der Schaubrottisch war also aus reinem Gold, aber inwendig aus Akazienholz. Und das Akazienholz aus dem Sinai darf man nicht verwechseln mit unserer Akazie hier. Es ist ein sehr hartes Holz, kein Schädling kann es kaputt machen. Und so ist dieses Holz eben ein Bild von dem ewigen Leben in dem Herrn Jesus als Mensch. Er ist ja der Spross aus dem Stumpf Isais, Jesaja 11,1.
Also spricht der Schaubrottisch von der Gottheit und Menschheit des Herrn Jesus. Und weiter: Er trug die zwölf Brote, und diese zwölf Brote waren ein Bild von dem zwölfstämmigen Volk Israel. Also trägt der Schaubrottisch das ganze Volk Gottes. Und so ist es, dass eben Gott sein Volk trägt.
Und natürlich, im Licht des Neuen Testaments, muss man sagen: Das irdische Volk Israel ist ein Abbild von dem himmlischen Volk Gottes, der Gemeinde. Und darum kann man die Symbolik des Schaubrottisches, der eben ausdrückt, dass das Volk Gottes von Gott getragen wird, sehr direkt auf die Gläubigen im Neuen Testament übertragen.

Getragensein als Grundmotiv der Heilsgeschichte

Und dazu möchte ich noch aus Jesaja lesen. Da spricht der Prophet über das Problem der Götter der Heidenvölker. Diese wurden nämlich von Menschen getragen. Ja, selbst wenn sie Beine haben, können sie nicht gehen. Sie können gar nichts. Darum müssen sie in Götterprozessionen eben transportiert werden.
Ich habe das sehr anschaulich erlebt. Einmal war ich in Indien, gerade zur Zeit, als das Fest für den Gott Ganesch durchgeführt wurde. Das ist dieser in Indien beliebte Elefantengott. Und ich habe gesehen, wie die Statuen von Ganesch auf Lieferwagen gesetzt und dann an den verschiedenen öffentlichen Plätzen aufgestellt wurden. Ja, er hat zwar dicke Elefantenbeine, aber er kann nicht gehen. Die Menschen müssen ihre Götter tragen.
Und schauen wir einmal, was Jesaja 46,1 sagt. Da wird über Beel und Nebo gesprochen, das sind Götter der Babylonier. Beel krümmt sich, Nebo sinkt zusammen, ihre Bilder sind dem Tier und dem Vieh zuteilgeworden. Man hat diese Statuen dem Lastvieh aufgeladen. Weil man damals noch keine Lieferwagen hatte, hat man Vieh genommen. Eure Tragbilder sind aufgeladen, eine Last für das ermüdete Vieh. Sie sind zusammengesunken, haben sich gekrümmt, allesamt, und haben die Last nicht retten können. Sie zogen selbst, und sie selbst sind in die Gefangenschaft gezogen.
Und jetzt der Kontrast: Hört auf mich, ihr vom Haus Jakob und aller Überrest des Hauses Israel, die ihr von Mutterleib an aufgeladen, von Mutterschoß an getragen worden seid. Und bis in euer Greisenalter bin ich derselbe, und bis zu eurem grauen Haar werde ich euch tragen. Ich habe es getan, und ich werde heben, und ich werde tragen und erretten.
Wem wollt ihr mich vergleichen und gleichstellen und mich ähnlich machen, dass wir gleich seien? Also, den wahren Gott darf man nicht durch ein Bild darstellen. Aber es ist so, dass der wahre Gott uns durchs Leben trägt, und zwar von Mutterschoß an.
Und so war es auch bei David gewesen. Seine ganze Entwicklung, von seiner Geburt als achtes Kind in der Familie an, wurde vom Herrn geführt, bis auf den Tag, als Besuch kam und der Prophet Samuel David zum König salbte, aber auch die ganze weitere Zeit. Es sollten sehr schwierige Tage für David kommen, aber der Herr hat ihn getragen, durch all die Zeit hindurch.

Schutz, Ruhe und die Bedeutung des Sabbats

Und es wurde vorgeschrieben: In 2. Mose 25 werden die Tempelgeräte der Stiftshütte beschrieben, zuerst die Bundeslade. Dort wird dann auch der Schaubrottisch im Detail beschrieben. Und da heißt es, dass oben auf dem Tisch eine Leiste angebracht werden muss, eine Hand breit. Diese Leiste war ein Schutz, damit die Brote eben nicht herunterfallen.
Das erinnert an die Worte des Erlösers in Johannes 10,27: Und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.
Nun wurde David hier sehr direkt mit dem Schaubrottisch und den Broten konfrontiert, die er ausnahmsweise essen durfte. Das sollte ihn auch daran erinnern, dass der Herr treu ist und ihn durch alle Mühen und Nöte des Lebens trägt, auch durch diese Zeit des Exils und der ständigen Verfolgung durch Saul. Und so wurde es auch. In der Zukunft wurde David schließlich aus all dieser Not befreit, wie wir gestern in Psalm 18 gelesen haben. Der Tag der Befreiung kam.
Es war aber eine lange Zeit. Doch er durfte wissen: Der Herr trägt, so wie der Schaubrottisch die Brote trägt.
Und der Sabbat sollte daran erinnern, dass der Herr auch innerlich zur Ruhe bringt. Darum hatte ich ja die Brücke gemacht, nicht nur zu Matthäus 12, sondern auch zu den Versen davor, wo ausdrücklich gesagt wird, in jener Zeit war das. Als dann die Pharisäer den Herrn wegen des Sabbatgebotes angegriffen haben, hat er klargemacht: Die tiefe Bedeutung des Sabbats ist diese Ruhe des Herzens und diese Ruhe des Gewissens, die der Herr Jesus allein geben kann. Das wird durch den Sabbat vorgestellt.
Auch das sollte David daran erinnern, als er diese Erfahrung in Nob machte, genau an einem Sabbattag: Ja, der Herr kann mich auch innerlich wieder neu ganz zur Ruhe bringen. Damals hatte er keine Ruhe innerlich, aber der Sabbat sollte ihn daran erinnern, dass der Herr ihn auch innerlich durch die Prüfung hindurch wieder zur Ruhe bringen wird.
Und genauso wie dieser Neumondabend, von dem wir vorher in diesen Kapiteln hatten, sollte ihn daran erinnern: Auch wenn David so versagt hatte, dass sein Licht ausging, kommt wieder ein Neumond. Es gibt für den Erlösten einen Neuanfang, wenn das Licht ausgegangen ist. Und das soll uns eben auch an all diese Punkte erinnern, wo wir gesehen haben: Oh, wie konnte David lügen? Wie konnte er da nochmals lügen? Und zwar mit schweren Konsequenzen.
Aber der Herr ist treu, und er konnte eben, wie durch das Neumondsfest, an dem besondere Opfer dargebracht werden mussten, auch dieses Zeugnis wieder zum Leuchten bringen. Und das alles eigentlich aufgrund des Opfers von Golgatha.

Doeg, das Schwert und der Weg ins Ausland

Ja, jetzt kommen wir zu Vers acht.
Es war aber dort an jenem Tag ein Mann von den Knechten Sauls, der sich zurückgezogen vor dem Herrn aufhielt. Sein Name war Doeg, der Edomiter. Er war der Aufseher der Hirten Sauls.
Interessant: ein Edomiter, ein Nachkomme von Esau, hält sich da in Israel auf und hat hier eine wichtige Position unter König Saul bekommen. Er war also Oberhirte, ein guter Hirte vielleicht in Israel, ein Ausländer, der den Wunsch hat, bei der Stiftshütte zu sein, vor dem Herrn. Also die Beziehung zu Gott zu suchen. Nun, wir werden sehen, was das für ein Mann war.
In Vers neun lesen wir weiter, bevor wir später wieder auf Doeg zurückkommen.
Und David sprach zu Achimelech: Und ist hier nicht unter deiner Hand ein Speer oder ein Schwert? Denn weder mein Schwert noch meine Waffen habe ich zur Hand genommen, weil die Sache des Königs dringend war.
Hm, er lügt nochmals.
Und der Priester sprach: Das Schwert Goliaths, des Philisters, den du im Terebinthental erschlagen hast, siehe, es ist in ein Oberkleid gewickelt hinter dem Ephod. Wenn du es dir nehmen willst, so nimm es, denn es ist kein anderes hier außer diesem.
Und David sprach: Seinesgleichen gibt es nicht, gib es mir.
Und David machte sich auf und floh an diesem Tag vor Saul, und er kam zu Achis, dem König von Gat.
Nun, dieses Schwert Goliaths spricht von dem Tod Christi, von diesem Sieg nach Hebräer 2,14, dass der Jesus durch den Tod den zunichte machte, der die Gewalt des Todes hatte. Aber es fragt sich, ob er an dieser Stelle wirklich dieses Schwert hätte nehmen sollen. Er hat ja das Schwert von Jonathan geschenkt bekommen, das Schwert des Prinzen. Und wir werden sehen, das war die einzige Waffe in Nob, und die Priester werden noch einen wichtigen Schutz nötig haben, wie wir gleich noch sehen werden. Aber David nimmt das Schwert für sich mit einer Lüge.
Wir lesen weiter. Wir lassen so einen Punkt nach dem anderen offen, um nachher darauf zurückzukommen.
Vers elf: Und David machte sich auf und floh an diesem Tag vor Saul, und er kam zu Achis, dem König von Gat.
Jetzt geht er ins Ausland, in das Philisterland, in das Land der Feinde.
Und die Knechte Achis sprachen zu ihm: Ist das nicht David, der König des Landes? Haben sie nicht von diesem im Reigen gesungen und gesprochen: Saul hat seine Tausende erschlagen und David seine Zehntausende?
Wow, die haben das im Ausland wahrgenommen. Also dieser ganze spontane musikalische Auftritt der Frauen aus allen Städten Israels und sogar der Wortlaut des Liedes, das ging bis nach Gat, und die können das immer noch zitieren. Und darum realisieren sie: David ist der König des Landes. Es war doch Saul der König, aber die wussten, dass das eigentlich der Mann ist, den Gott vorgesehen hat.

Angst, Verstellung und die Erfahrung von Wiederherstellung

Vers 13 Und David nahm sich diese Worte zu Herzen und fürchtete sich sehr vor Achis, dem König von Gat. Und er verstellte seinen Verstand vor ihren Augen und tat Unsinn unter ihren Händen. Er kritzelte an die Flügel des Tores und ließ seinen Speichel auf seinen Bart herabfließen.
Da sprach Achis zu seinen Knechten, das heißt wieder zu seinen Ministern, Ewed kann eben Knecht oder Minister bedeuten: Siehe, ihr seht einen wahnsinnigen Mann. Warum bringt ihr ihn zu mir? Fehlt es mir an Wahnsinnigen, dass ihr diesen hergebracht habt, um sich bei mir wahnsinnig zu gebärden? Sollte der in mein Haus kommen?
Und David ging von dort weg und entkam in die Höhle Adullam.
Nun, David geht da ins Ausland, aber dann realisiert er: Das ist ein gefährlicher Ort für mich. Er hat Angst vor dem König. Vor diesem König hätte er sich am wenigsten fürchten sollen, vor den Ministern, ja. Aber wir werden später sehen: Dieser Achis hatte ja schon eine eindrückliche Meinung von David. Dieser Kult der Philister wird unter anderem auch in 1. Samuel 29 erwähnt.
Ich lese vor, und zwar schon ein bisschen davor. Auch da sind die Minister bewusst, wer David ist. In 1. Samuel 29,5 heißt es: Ist das nicht David, von dem sie in den Reigen sangen und sprachen: Saul hat seine Tausende erschlagen, und David seine Zehntausende?
Das Lied, das hat wirklich Bedeutung gehabt. Ja, also auch hier wieder, viel später in der Geschichte sehen wir: Die kennen den Text immer noch auswendig. Und die wissen, wer David ist, aber Achis auch.
6 Und Achis rief David und sprach zu ihm: So wahr der Herr lebt, du bist redlich und wohlgefällig in meinen Augen, und wohlgefällig in meinen Augen ist dein Ausgang und dein Eingang bei mir im Heerlager; denn ich habe nichts Böses an dir gefunden von dem Tag an, als du zu mir gekommen bist, bis auf diesen Tag. Aber in den Augen der Fürsten bist du nicht wohlgefällig.
Darum habe ich gesagt: Also Angst hätte David haben müssen vor den Ministern, vor den obersten Ministern, den Fürsten, aber nicht vor diesem König. Der hatte eine wirklich gute Meinung von David. Und in dem Sinn kann man sagen: David war ihm gegenüber ein Zeugnis. Ja, weil sein Leben war geprägt eben doch von Hingabe an den Herrn, und das wurde gesehen.
Vers 9 Und Achis antwortete und sprach zu David: Ich weiß es, denn du bist wohlgefällig in meinen Augen wie ein Engel Gottes. Pah, so ein Zeugnis. Doch die Fürsten der Philister haben gesagt, er soll nicht mit uns in den Kampf hinaufziehen. So macht euch nun frühmorgens auf, du und die Knechte deines Herrn, die mit dir gekommen sind, und macht euch frühmorgens auf usw.
Also dieser Achis hatte schon eine gute Meinung, aber gerade vor diesem Achis fürchtet sich David hier in Kapitel 21. Und das führt ihn dazu, dass er wieder lügt, und zwar indem er sich wahnsinnig stellt.

Psalmen als Deutung der Krise und als Weg zur inneren Ordnung

Wir können das Buch der Psalmen aufschlagen: Psalm 34. Psalm 34, Vers 1. Von David, als er seinen Verstand vor Abimelech verstellte und dieser ihn wegtrieb und er fortging. Das bezieht sich genau auf 1. Samuel 21. Also hat er nach diesem Betrug mit seinem Wahnsinn Psalm 34 gedichtet, inspiriert durch den Heiligen Geist.
Aber hier steht ja Abimelech, da steht ja gar nicht Achis. Ja, Abimelech finden wir ja schon als Namen des Königs der Philister in der Geschichte von Abraham. Abimelech heißt: Mein Vater ist König. Das war ein Titel der Philisterkönige. Und darum ist das kein Widerspruch in der Bibel, wenn es hier heißt, dass er vor Abimelech seinen Verstand verstellte. Nicht wahr, die Gottlosen, sobald sie so etwas sehen, dann denken sie: Seht ihr, wieder ein Spruch in der Bibel. Die nehmen sich gar nicht die Mühe, darüber nachzudenken. Wie muss man das wohl verstehen? Der Gottesfürchtige überlegt sich: Ja, wie ist das? Aha, aber Abimelech, das haben wir noch mehr bei den Philistern. Das ist eben ein Titel. Und was heißt Abimelech? Mein Vater ist König. Das war der Königstitel bei den Philistern, aber der Eigenname war eben Achis.
Und nun Psalm 34, Vers 2: Den Herrn will ich preisen alle Zeit, beständig soll sein Lob in meinem Mund sein. In dem Herrn soll sich rühmen meine Seele, hören werden es die Sanftmütigen und sich freuen. Da kommt aber nichts mehr von Angst zur Geltung. Ja, eben, im Nachhinein hat David diesen Psalm gedichtet. Als er gesehen hat: Der Herr hat mich dann schlussendlich bei den Philistern doch bewahrt, und ich konnte eben weggehen, und niemand hat mir etwas angetan. Und da hat er die Treue des Herrn gesehen.
Darum Vers 7: Dieser Elende rief, und der Herr hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn. Das hat er so erlebt. Aber natürlich, die Bedrängnisse gingen weiter. Warum steht hier: Aus allen Bedrängnissen errettete er ihn? Nun, das war schon prophetisch, dass eben David schlussendlich aus allen Nöten durch den Herrn gerettet wurde. Aber das konnte er schon singen, in einer Zeit, als das noch nicht vollständig so war. Aber er hatte diese Teilerrettung in Gat erlebt.
Und dann Vers 8: Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und er befreit sie. Schmeckt und seht, dass der Herr gütig ist. Es kann sein, dass man als Gläubiger sich nicht völlig im Klaren ist, ob der Herr freundlich ist. Das kann sein, wenn jemand durch schwere Zeiten hindurchgeht. Und darum ist es hier ein Befehl: Schmeckt und seht. Also wenn man sich gerade dessen nicht so bewusst ist, sagt das Wort Gottes: Schmeckt. Das ist mit dem Mund wahrnehmen, wie gut es ist. Schmeckt und seht, dass der Herr gütig ist. Glückselig der Mann, der zu ihm Zuflucht nimmt.
Und dann wird ein wichtiger Rat gegeben in Vers 13: Wer ist der Mann, der Lust zum Leben hat, der Tage liebt, um Gutes zu sehen? Wen gibt es, der nicht diesen Wunsch hat, dass einem gut geht im Leben? Und jetzt ganz wichtig: Diese Stelle wird ausführlich zitiert in 1. Petrus 3 für die Gläubigen im Neuen Testament. Da könnte man sagen: Aber wie kann Petrus so etwas zitieren im Neuen Testament? Schlage auf, wieder den Finger rein, 1. Petrus 3, Vers 10. Denn wer das Leben liebt und gute Tage sehen will, der halte seine Zunge vom Bösen zurück und seine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes, er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Flehen. Das Angesicht des Herrn aber ist gegen die, die Böses tun.
Ausführlich wird also Psalm 34,13-17 zitiert. Da könnte jemand sagen: Aber im Neuen Testament haben wir doch geistliche Segnungen und keine irdischen Verheißungen. Jawohl! Also man kann nicht einfach davon ausgehen: Wenn man gut lebt, dann geht es einem gut. Nein, und irgendwie doch. Schauen wir: Im ersten Petrusbrief wird viel gesprochen über Leiden, und es wird darüber gesprochen, dass man um des Gewissens willen leiden kann, weil man nicht bereit ist, etwas Falsches zu machen, und dann muss man dafür leiden. Das kann sein, 1. Petrus 2,19. Und dann hier in 1. Petrus 3,13 sagt Petrus: Und wer ist es, der euch Böses tun wird, wenn ihr Eifer für das Gute geworden seid?
Jetzt macht aber Petrus klar: Aber grundsätzlich ist es schon so, wenn wir uns am Arbeitsplatz gut benehmen, dann ist die Chance sehr groß, dass es uns gut geht. Es gibt Gläubige, die führen sich unmöglich auf am Arbeitsplatz, die meckern dauernd, und die sind auch ständig am Handy während der Arbeit und noch andere Dinge. Diese Leute müssen leiden, das ist ganz normal. Und wenn man eben mit den Mitarbeitenden nicht freundlich ist, dann muss man leiden. Das ist ganz normal.
Nun sagt Petrus, Vers 14: Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr. Es gibt auch die Möglichkeit, dass man am Arbeitsplatz leidet, weil man sich für die Wahrheit und die Gerechtigkeit einsetzt. Das gibt es auch. Aber so der allgemeine Grundsatz ist: Wenn wir uns richtig aufführen, dann geht es uns auch gut. Und darum zitiert Petrus diesen alttestamentlichen Psalm und wendet ihn auf uns an, aber nicht für hundert Prozent der Fälle, sondern sagt: Aber es kann auch sein, dass man dieses Wort, aber, habe ich mir speziell angestrichen in meiner Bibel, nicht wahr. Es ist eine Verheißung in den Psalmen, doch Vers 14 sagt: Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen. Das ist nicht eine hundertprozentige Garantie, aber es ist ein Grundsatz, der eben so gültig ist im Leben.
Und ist es nicht interessant, dass David diesen Psalm schreibt und sagt: Wenn es einem gut gehen soll, dann bewahre deine Zunge vor Bösem. Psalm 34, Vers 14: Und deine Lippen, damit sie nicht Trug reden. Weiche vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach. Und das macht deutlich, dass David eingesehen hatte: Das war nicht richtig, dass ich mich so wahnsinnig gestellt habe bei Achis. Und diese Sünde kam eben, weil er Angst hatte. Das erinnert uns an Petrus. Der hatte plötzlich auch Angst in dem Vorhof des Hohen Priesters Kajaphas. Aber man kann sich ja fragen: Warum ist er denn überhaupt dorthin gegangen? Ja, Johannes hat ihm sogar die Türe geöffnet, weil er ja dem Hohen Priester bekannt war. Und Johannes konnte Petrus quasi den Zugang in diesen Vorhof verschaffen. Warum hat Johannes so etwas gemacht? Nun, sie kannten das jüdische Gesetz. Wenn jemand angeklagt wurde, denn ich kann das zeigen: In der rabbinischen Literatur ist das so festgelegt, als Erstes bei einem Prozess muss man Zeugen aufrufen, die zugunsten des Angeklagten aussagen können. Und dazu brauchte es wenigstens zwei Zeugen, denn 5. Mose 19,15 sagt: Ein einzelner Zeuge soll nicht auftreten vor Gericht, sondern zwei oder drei. Und darum war es wichtig, Johannes ging, und es war ihm wichtig, dass ein Zweiter reinkommt, und darum hat er Petrus den Zugang verschafft.
Dann begann dieser Prozess im Haus von Kajaphas, aber es wurden keine Zeugen aufgerufen. Der war von Anfang an gesetzlos. Es waren wenigstens zwanzig Gesetze, die gebrochen wurden in dem Prozess Jesu. Das ist ganz eindrücklich. Wenn man die Evangelien studiert und auf dem Hintergrund der rabbinischen Literatur sieht, war das ein durch und durch gesetzloser Prozess, und zwar ein kurzer Prozess. Ja, also darum ging er hinein, und darum wollte Petrus sich für den Herrn einsetzen. Und dann wurde er eben nicht vor Gericht aufgerufen als Zeuge, sondern einfach eine Frau fragt: Du bist auch einer von denen. Nein, ich kenne ihn nicht. Und er wurde zum falschen Zeugen. Schrecklich.
Ja, aber eben die Angst vor Menschen legt einen Fallstrick. Und das hat auch David hier erlebt. Und darum hat er sich dann wahnsinnig gestellt. Aber er hat auch da eine Wiederherstellung erlebt, denn Psalm 34 zeugt davon, wie er sich klar wurde: Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, damit sie nicht Trug reden.
Und noch einen Psalm sollten wir aufschlagen in dem Zusammenhang: Psalm 56, Vers 1. Dem Vorsänger: „Die Taube der fernen Terebinthen“, von David ein Miktam, als die Philister ihn in Gat ergriffen. Dieser Psalm 56 wurde damals gedichtet, als eben David in Gat war und er merkte: Jetzt wird es gefährlich, und die haben ihn sogar gepackt, den wahnsinnigen David. Dann hat er diesen Psalm gedichtet, indem er in Vers 4 sagt: An dem Tag, da ich mich fürchte, vertraue ich auf dich. Ja, im Moment war das nicht so. Er hatte versagt, er hatte nicht auf den Herrn vertraut. Aber gleich danach dichtet er, inspiriert durch den Heiligen Geist, diesen Psalm: An dem Tag, da ich mich fürchte, vertraue ich auf dich. Und dieses Vertrauen hätte ihn bewahrt, dass er in Gat eben sich nicht verschuldet hätte.
Und dann möchte ich aber noch lesen, Vers 9: Mein Umherirren zählst du. David ist auf der Flucht, und wir werden sehen, er geht von einem Ort zum anderen. Nirgends kommt er so richtig zur Ruhe, aber wir werden doch sehen, wie der Herr ihm immer wieder zwischendurch Ruhe des Herzens gibt. Als der, der versprochen hat: Kommet her zu mir alle, ihr Mühseligen und Beladenen. Aber wir müssen immer wieder kommen, und dann können wir in der Unruhe und im Umherirren zur Ruhe gebracht werden.
Und David betet weiter in Vers 9: Lege in deinen Schlauch meine Tränen. Sind sie nicht in deinem Buch? Gott schreibt alle Tränen auf. Er sammelt sie gewissermaßen in einem Schlauch, den man verwendete für Flüssigkeiten, für Getränke, zum Beispiel Wein. Und wir sehen: Die himmlische Bibliothek besteht aus vielen verschiedenen Büchern, wie dem Buch des Lebens oder den Büchern der Taten der Menschen, die auch geöffnet werden in Offenbarung 20 vor dem großen weißen Thron. Und es gibt noch viele weitere Bücher, die in der Bibel erwähnt werden, eine ganze Bibliothek im Himmel. Und eines ist das Buch der Tränen, wo Gott alle Tränen der Erlösten verzeichnet.
Und wie viel hat David geweint in dieser Zeit des Umherirrens? Ja, wir haben ein bisschen davon gelesen, als er sich trennte von seinem Freund Jonathan, in Kapitel 20, Vers 41 am Schluss. Und sie küssten einander und weinten miteinander, bis David über die Maßen weinte. Aber später darf er eben diesen Psalm schreiben, in dem Bewusstsein, dass Gott alles in seinem Buch verzeichnet.
Es ist ja so: Im Tierreich kennen wir keine Tiere, die aus Traurigkeit Tränen vergießen. Krokodile machen große Tränen, aber das ist nur ein physiologischer Prozess des Stoffwechselaustausches, hat aber nichts zu tun mit Emotionen. Und überhaupt, Krokodile, was haben die für Emotionen? Nicht wahr, die sind einfach da, Schnauze offen, unbeweglich. Ich habe schon mal mit einer Angel so einem einen Fisch angeboten, in der Hoffnung, den Fisch schnell wieder raufzuziehen, aber die waren einfach da, und plötzlich war der Fisch weg. Wirklich, wie eine Maschine, so gefühlslos, gefühlskalt. Kognitiv sind sie wie Schlangen, die haben keine Gefühle. Also wer Schlangen zu Hause hat, der muss nicht meinen, dass er da irgendwie Emotionen erlebt, wie manche das bei der Katze und beim Hund erleben oder beim Pferd, aber bei den Krokodilen sicher nicht. Und die machen schon Tränen. Aber überhaupt keine Tiere, auch die Affen vergießen keine Tränen, wenn sie traurig sind. Das ist typisch menschlich.
Und einmal hat mir jemand gesagt: Ich habe sehr viel in meinem Leben geweint. Aber alle Tränen sind verzeichnet. Und wir haben die Zusage in Offenbarung 7 und auch Offenbarung 21, dass Gott schlussendlich alle Tränen erwischen wird. Das ist doch schon wunderbar. Und wirklich, es gibt Leute, die haben schon versucht zu berechnen, wie viele Liter man pro Leben weint. Aber eben, das ist ja sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen, die weinen fast nicht. Das ist eine Gefahr bei Männern, und zwar weil sie eine falsche Vorstellung haben, was ein Mann ist. Aber wo erfahren wir, was ein Mann ist? Man muss die Bibel lesen. Da zeigt uns Gott, was ist eine Frau nach seinen Gedanken: eschet chail, eine tüchtige Frau. Wer wird sie finden? Sprüche 31,10. Und das Wort Gottes zeigt, wer eine eschet chail ist. Eine Frau nach Gottes Gedanken. Aber die Bibel zeigt uns auch einen Mann nach Gottes Gedanken. Und das ist nicht einer, der immer denkt, man muss einfach tapfer sein und ja keine Tränen vergießen.
Von dem Herrn Jesus lesen wir am Grab von Lazarus in Johannes 11,35: Jesus vergoss Tränen. Der kürzeste Vers im Neuen Testament. Wer das Gefühl hat: Ich weiß keine Bibelverse auswendig, ich habe so Mühe mit dem Gedächtnis, also jetzt hast du: Jesus vergoss Tränen. Und im Durchschnitt vergisst man 80 Liter Tränen pro Leben. Aber eben, es gibt Menschen, die haben deutlich mehr geweint. Aber Gott nimmt das wahr, und auch die ganz versteckten Tränen, eben von denen niemand etwas weiß und auch niemand etwas wissen soll. Wir lesen das sehr schön in der Geschichte von Hiskia. Als er todkrank war und wusste: Jetzt muss ich sterben. Da wurde er so traurig, er wollte noch weiterleben. Jesaja 36, 37, 38, 39. Und dann heißt es dort, dass er sich gegen die Wand drehte im Bett, damit ja niemand sieht, wie er weint. Und dann hat er gegurt wie eine Taube. So steht das. Ja, aber der Herr nimmt das alles wahr.
Und so waren diese Psalmen eben ein Begleiter, ein Trost und auch ein Ausdruck der Gefühle. Und das waren nicht einfach Gedichte, das waren eben Psalmen. Warum werden wir aufgerufen in Epheser 5,18 zu singen? Warum nicht einfach zu rezitieren? Ja, natürlich, wir könnten alle unsere Lieder rezitieren, das geht. Im Chor kann man rezitieren, so wie das an Beerdigungen gemacht wird mit dem Unser Vater, obwohl der Herr eigentlich gesagt hat: Geh in deine Kammer und schließe die Tür. Aber es wird trotzdem in der Öffentlichkeit auch gebraucht, im Chor: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name.
Aber warum sagt Gott singen? Nun, singen und sprechen hängen sehr zusammen, sind sehr ähnlich. Und es gelten auch gleiche Gesetze, wie man sprechen soll in einem Vortrag und eben wie man auch atmen soll beim Sprechen. Das Gleiche gilt für das Singen. Aber es ist so: Der Tonumfang beim Sprechen, der ist kleiner. Ich spreche nicht auf einem Ton, das wäre furchtbar, das kann man nicht aushalten. Und ich spreche auch nicht wie Rap, das ist gar keine Sprache, das ist gegen das Wesen der Sprache, wo man mit Vergrößerung des Tempos arbeitet und dann wieder ruhiger wird, also ein Ritardando macht, genau wie in der Musik. Das Tempo wird geführt beim Sprechen. Das macht es interessant, sonst wäre es langweilig. Aber der Tonumfang ist auch nicht immer gleich, sondern es geht rauf, runter, aber nie in diesem Umfang wie beim Singen. Nicht wahr, das Lied: Er lebt, er lebt, mein Herr und Heiland lebt, das beginnt mit einem Sechstsprung, sechs Töne hoch. Und dieser Sprung ist ganz wichtig, denn das ist quasi der Jubel, das Jauchzen über die Tatsache der Auferstehung des Herrn Jesus.
Und darum können wir durch das Singen noch besser und noch mehr unsere Gefühle ausdrücken, und das möchte Gott. Und darum hat er uns auch das Buch der Psalmen gegeben, um uns zu zeigen: Wir sollten die Gefühle nicht einfach einsperren. Es gibt Menschen, die haben Mühe, ihre Gefühle zu zeigen, andere haben es einfacher, aber das Wort Gottes lehrt uns, dass wir die Gefühle im richtigen Maß, nicht ungenügend, aber im richtigen Maß eben auch zum Ausdruck bringen. Und das Singen ist gerade eine riesige Hilfe, dass man mit den Gefühlen richtig umgehen kann. Und so war das für David eben auch ein steter Begleiter. Er sang und drückte seine Not und seine Freude aus, auch in diesen Kapiteln des Exils. Und das hat ja schon begonnen. Früher, schauen wir mal, in 1. Samuel 19, da haben wir doch gesehen, wie David vor Saul floh. Und seine Frau hat dann den Dreck gemacht mit dem Bett und da dieser Puppe im Bett. 1. Samuel 19,11: Da sandte Saul Boten in das Haus Davids, ihn zu bewachen und ihn am Morgen zu töten.
Jetzt schlagen wir auf Psalm 59. Das habe ich damals nicht erwähnt bei Kapitel 59, weil man nicht alles sagen kann auf einmal. Aber nach und nach kann man vieles sagen. Psalm 59, Vers 1: Dem Vorsänger: „Verdirb nicht“, von David ein Miktam, als Saul sandte und sie sein Haus bewachten, um ihn zu töten. Befreie mich von meinen Feinden, mein Gott, setze mich in Sicherheit vor denen, die sich gegen mich erheben, befreie mich von denen, die usw. Damals in 1. Samuel 19. Also all diese Gedichte, die er dann auch vertonte, waren Begleiter gerade in diesen schwierigen Zeiten.

Die Höhle als nächster Lernort

Und nun lese ich weiter in Kapitel 22, Vers 1: Und David ging von dort weg und entkam in die Höhle Adulam.
Das wird das Thema der nächsten Einheit sein: David in der Höhle Adulam, nach dieser Episode in Gat bei seinen Feinden. Und wir sehen also, wie David durch all diese Etappen von dem Herrn geformt wurde und wie er auch aus seinen Fehlern gelernt hat.
Diese Lernetappen finden wir dann auch wieder in diesen Psalmen ausgeführt, die aus diesen Nöten entstanden sind. Hätte David einfach die ganze Zeit ein schönes Leben gehabt, dann wären auch diese Psalmen nicht entstanden. Und die Erlösten durch die Jahrtausende hindurch, die sich mit diesen Psalmen beschäftigt haben und daraus auch gelernt haben, wie man betet, fragen: Wie sollen wir beten? Das zeigt uns die Bibel.
Darum formt uns das Lesen der biblischen Gebete, um eben so zu beten, wie Gott das will. Und so sehen wir, wie all diese Nöte von David für unzählige Erlöste durch die Jahrtausende hindurch zu einem großen Segen geworden sind.

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