Sie meinte er sei der Gärtner

Die letzten Tage von Jesus auf dieser Erde — Teil 4/7
Jürg Birnstiel
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Serie | 7 Teile

Die letzten Tage von Jesus auf dieser Erde


Reihe: Die letzten Tage von Jesus auf dieser Erde (4/7)

Johannes-Evangelium 20,11-18

Einleitende Gedanken

Josef von Arimathäa war ein heimlicher Jünger von Jesus. Aus Angst vor den Juden bekannte er sich nicht öffentlich zu Jesus. Doch als Jesus gekreuzigt wurde, bat er Pilatus um seinen Leichnam. Er wollte ihn vom Kreuz nehmen und in ein Grab legen, das er vermutlich für sich selber herrichten liess. Nikodemus, der Pharisäer, ein Mitglied des hohen Rats, war auch ein heimlicher Verehrer von Jesus. Eines Nachts suchte er Jesus auf und sie hatten ein interessantes Gespräch, das – davon gehe ich aus – sein Leben fundamental veränderte. Nachlesen kannst du das im Johannesevangelium Kapitel drei. Dieser Nikodemus half Josef bei der Beisetzung von Jesus. Sie banden Jesus in Leinentücher und sie verwendeten wohlriechende Öle, wie es bei den Juden üblich war. So bekam Jesus eine würdige Beisetzung. Die führenden Juden kümmerten sich nicht, um eine würdevolle Beisetzung von Jesus. Nochmals wurden sie bei Pilatus vorstellig und sagten: „Herr, uns ist eingefallen, dass dieser Betrüger, als er noch lebte, behauptet hat: ‚Nach drei Tagen werde ich auferstehen.‘ Befiehl deshalb bitte, dass das Grab bis zum dritten Tag bewacht wird! Sonst könnten seine Jünger kommen und den Leichnam stehlen und dann dem Volk gegenüber behaupten, er sei von den Toten auferstanden. Dieser zweite Betrug wäre noch schlimmer als der erste.“ Mt.27,63-64. Auf die Idee kamen die Jünger nicht! Aber es ist erstaunlich, dass diese Leute genau wussten, was Jesus über sich sagte. Sie wussten, wenn Jesus auferstehen würde, dann wäre das der eindeutige Beweis dafür, dass er der Messias ist. Wenn es diesen Männern um die Wahrheit gegangen wäre und nicht um ihre Macht, dann hätten sie sich selber vor das Grab gesetzt, um zu sehen, ob Jesus auferstehen würde. Tragisch, wie Menschen mutwillig die Augen vor der Wahrheit verschliessen. Nun wollen wir sehen, was geschah, als Maria von Magdala am dritten Tag nach der Kreuzigung das Grab von Jesus aufsuchte. Ich lese aus dem Johannes-Evangelium Kapitel 20, die Verse 1-18. Am ersten Tag der neuen Woche, frühmorgens, als es noch dunkel war, ging Maria aus Magdala zum Grab. Sie sah, dass der Stein, mit dem man das Grab verschlossen hatte, nicht mehr vor dem Eingang war. Da lief sie zu Simon Petrus und zu dem Jünger, den Jesus besonders lieb gehabt hatte, und berichtete ihnen: „Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben.“ Sofort machten sich Petrus und der andere Jünger auf den Weg und gingen zum Grab hinaus. Die beiden liefen zusammen los, aber der andere Jünger war schneller als Petrus und erreichte das Grab als Erster. Er beugte sich vor, um hineinzuschauen, und sah die Leinenbinden daliegen; aber er ging nicht hinein. Simon Petrus jedoch, der inzwischen auch angekommen war, ging in die Grabkammer hinein. Er sah die Leinenbinden daliegen und sah auch das Tuch, das man dem Toten um den Kopf gewickelt hatte. Es lag zusammengerollt an einer anderen Stelle, nicht bei den Binden. Jetzt ging auch der Jünger, der zuerst angekommen war, ins Grab hinein und sah alles. Und er glaubte. Nach der Schrift stand es ja fest, dass Jesus von den Toten auferstehen würde; aber das verstanden sie damals noch nicht. Die beiden Jünger gingen nun wieder nach Hause. Maria aber blieb draussen vor dem Grab stehen; sie weinte. Und während sie weinte, beugte sie sich vor, um ins Grab hineinzuschauen. Da sah sie an der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte, zwei Engel in weissen Gewändern sitzen, den einen am Kopfende und den anderen am Fussende. “Warum weinst du, liebe Frau?“, fragten die Engel. Maria antwortete: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiss nicht, wohin sie ihn gebracht haben.“ Auf einmal stand Jesus hinter ihr. Sie drehte sich nach ihm um und sah ihn, erkannte ihn jedoch nicht. „Warum weinst du, liebe Frau?“, fragte er sie. „Wen suchst du?“ Maria dachte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: „Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast, dann hole ich ihn wieder.“ „Maria!“, sagte Jesus. Da wandte sie sich um und rief: „Rabbuni!“ (Das bedeutet „Meister“; Maria gebrauchte den hebräischen Ausdruck.) Jesus sagte zu ihr: „Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht zum Vater in den Himmel zurückgekehrt. Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen, dass ich zu ihm zurückkehre – zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ Da ging Maria aus Magdala zu den Jüngern zurück. „Ich habe den Herrn gesehen!“, verkündete sie und erzählte ihnen, was er zu ihr gesagt hatte. Johannes 20,1-18

Das Grab ist leer!

Jesus befreite Maria aus Magdala von sieben bösen Geistern. Von diesem Tag an, war sie eine eifrige Nachfolgerin von Jesus. Sie gehörte zu den Frauen, die Jesus und seine Jünger begleiteten. Sie dienten ihnen und setzten dafür auch ihren Besitz ein. Diese Maria beobachtete, wie Jesus gekreuzigt wurde und sie war auch bei seiner Grablegung dabei. Nach den Festtagen, das war drei Tage nach der Kreuzigung, macht sie sich frühmorgens, als es noch dunkel ist, auf den Weg zum Grab. Sie will Jesus die letzte Ehre erweisen. Doch beim Grab angekommen: „Sah sie, dass der Stein, mit dem man das Grab verschlossen hatte, nicht mehr vor dem Eingang war.“ Joh.20,1. Sie sieht, dass Jesus nicht mehr im Grab liegt. Das Grab ist leer! Da lief sie zu Simon Petrus und zu dem Jünger, den Jesus besonders lieb gehabt hatte, und berichtete ihnen: „Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben.“ Joh.20,2. Sie haben keine Ahnung wo Jesus ist. Maria war nicht die einzige Frau, die zum Grab ging. Aufgrund der Erzählungen der anderen Evangelien wissen wir, dass Maria mit einer Gruppe von Frauen unterwegs war. Johannes konzentriert sich aber bei seiner Erzählung ganz auf Maria aus Magdala. Mit diesem „wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben“ lässt Johannes erkennen, dass er wohl weiss, dass noch andere Frauen dabei waren. Als Petrus und Johannes hören, dass Jesus verschwunden sei, laufen sie los. „Sofort machten sich Petrus und der andere Jünger auf den Weg und gingen zum Grab hinaus.“ Joh.20,3. Johannes ist als erster dort. „Er beugte sich vor, um hineinzuschauen, und sah die Leinenbinden daliegen; aber er ging nicht hinein.“ Joh.20,5. Irgendwie scheut er sich davor, das Grab zu betreten. Petrus hat damit kein Problem. „Simon Petrus, der inzwischen auch angekommen war, ging in die Grabkammer hinein. Er sah die Leinenbinden daliegen.“ Joh.20,6. Eine sonderbare Situation, die er in diesem Grab vorfindet. Das Leinentuch liegt da, wie wenn Jesus durch das Tuch hindurch verschwunden wäre. Und das Tuch, das um seinen Kopf gewickelt war, liegt zusammengerollt an einer anderen Stelle. Eine verstörende Situation. Man kann sich nicht wirklich erklären, warum das so ist. Wäre der Leichnam gestohlen worden, hätten sie ihn doch gleich mitgenommen und ihm nicht zuerst die Binden entfernt. Und wenn sie ihm die Binden abgenommen hätten, dann hätten sie diese wohl kaum so ordentlich und speziell hinlegen können. Nun folgt auch Johannes dem Petrus ins Grab und sie stehen da und wissen nicht so recht, was sie nun denken sollen. Es gibt keine plausible Erklärung. Ob sie miteinander darüber gesprochen haben, wissen wir nicht. Aber Johannes scheint langsam zu begreifen, was hier vor sich gegangen ist. Jesus musste auferstanden sein! „Und Johannes glaubte.“ Joh.20,8. Ob er sich konkret vorstellen konnte, dass Jesus ihm nächstens begegnen wird, wissen wir nicht. Aber er glaubte, dass Jesus auferstanden war. Vielleicht war er bereits beim Vater, aber was er da sah, weist auf eine Auferstehung hin. Diese Überzeugung muss er für sich behalten haben, denn wie hätte er es den Jüngern erklären können. Aber im Rückblick ist alles klar und Johannes schreibt: „Nach der Schrift stand es ja fest, dass Jesus von den Toten auferstehen würde; aber das verstanden sie damals noch nicht.“ Joh.20,9. Johannes glaubte es, aber er verstand nicht, wie das geschehen ist. Nun kehren die beiden Jünger wieder zurück. Die Auferstehung eines Toten ist für uns unvorstellbar. Und wenn wir mit Menschen über das Leben nach dem Tod sprechen, dann sagen sie oft, es sei noch kein Toter zurückgekommen. Ja klar, es kommen Leute zurück, die ein Nahtoderlebnis hatten. Aber drei Tage nach dem Tod, kommt niemand zurück, ausser Gott greift ein, wie bei Lazarus. Jesus ist auch zurückgekommen. Jesus kam aber nicht nur von dem Tod zurück, sondern er war schon vor seiner Geburt beim Vater. Er verliess die Herrlichkeit beim Vater, um zu uns zu kommen. Deshalb ist es wichtig, auf Jesus zu hören. Wenn uns jemand etwas Zuverlässiges über das Leben nach dem Tod und über die neue Welt sagen kann, dann ist es Jesus. Das Grab war leer, weil Jesus auferstanden ist. Nicht weil sein Leichnam gestohlen wurde.

Wo ist Jesus?

Maria will die Grabstätte nicht verlassen. Sie ist traurig und will bleiben, wo sie Jesus zum letzten Mal sah, nämlich als sie ihn ins Grab legten. „Maria blieb draussen vor dem Grab stehen; sie weinte. Und während sie weinte, beugte sie sich vor, um ins Grab hineinzuschauen.“ Joh.20,11. Vielleicht ist Jesus wieder da. So unerklärlich er verschwand, so überraschend könnte er ja wieder auftauchen. Doch Jesus ist nicht da, aber sie sieht etwas Überraschendes. „An der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte, sah sie zwei Engel in weissen Gewändern sitzen, den einen am Kopfende und den anderen am Fussende.“ Joh.20,12. Die Engel in weissen Gewändern fragen Maria: “Warum weinst du, Frau?“ Joh.20,13. Maria scheint weder erschrocken noch überrascht zu sein. Diese Engel scheinen sie nicht besonders zu erstaunen. Sie klagt ihnen ihr Leid: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiss nicht, wohin sie ihn gebracht haben.“ Joh.20,13. Sie will Jesus unbedingt finden. Sie kann den Gedanken nicht ertragen, dass man ihren Herrn irgendwohin geworfen hat. Sie will Jesus die letzte Ehre erweisen, wie das bei den Juden üblich war. Plötzlich steht jemand hinter Maria und fragt sie nochmals, was sie eben von den Engeln gefragt wurde: „Warum weinst du, Frau? Wen suchst du?“ Joh.20,15. Maria wendet sich dem Mann zu, schaut ihm aber nicht direkt ins Gesicht. Sie denkt er sei der Gärtner. In ihr wächst die Hoffnung, dass sie Jesus nun finden wird, denn wenn jemand wissen kann, wo Jesus ist, dann ist das am ehesten der Gärtner. So bittet sie: „Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast, dann hole ich ihn wieder.“ Joh.20,15. Wie rührend! Sie will Jesus holen und sie will ihn wieder in sein Grab zurücklegen. Sie denkt nicht einen Augenblick daran, dass Jesus auferstanden sein könnte. Nun gibt sich der Gärtner zu erkennen. „Maria!“, sagte Jesus. Joh.20,16. Wie oft hatte sie ihren Namen aus seinem Munde gehört! Es muss für sie, wie Jesus ihren Namen aussprach, ein vertrauter Klang gewesen sein. Wie ein persönlicher Zuspruch. Vielleicht ähnlich wie Gott durch Jesaja zu seinem Volk sagte: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Jes.43,1. Jedenfalls ist es Maria sofort klar: den Mann, den sie für den Gärtner hielt, ist ihr Herr, ihr Jesus, der jetzt ihren Namen ausgesprochen hat. Sie wendet sich Jesus ganz zu und ruft erfreut und erleichtert: „Rabbuni!“ (Das bedeutet „Meister“; Maria gebrauchte den hebräischen Ausdruck.) Joh.20,16. Aus lauter Erleichterung und Freude fasst sie Jesus, wie es Matthäus berichtet, bei den Füssen. „Sie liefen zu Jesus hin, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füsse.“ Mt.28,9. Aus lauter Freude und Erleichterung hält Maria Jesus dermassen fest, dass man den Eindruck bekommen konnte, dass sie ihn nie mehr loslassen will. Doch Jesus sagt ihr: „Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht zum Vater in den Himmel zurückgekehrt.“ Joh.20,17. Maria, mein Weg geht weiter. Du darfst mich jetzt nicht festhalten. Ich werde zum Vater gehen und du hast jetzt auch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Du sollst als erste Augenzeugin meiner Auferstehung den Jüngern berichten, was du gesehen hast: „Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen, dass ich zu ihm zurückkehre – zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ Joh.20,17. Zum ersten Mal spricht Jesus hier im Johannesevangelium davon, dass Gott ihr Vater sei. Aber es ist keine Gleichstellung mit ihm. Jesus spricht nicht von unserem Vater und unserem Gott. Jesus wird immer seine Sonderstellung behalten. Jesus wird nie, auch wenn er die Jünger als seine Brüder bezeichnet, dieselbe Stellung einnehmen. Jesus bleibt auch als Bruder der Jünger der einzige Sohn Gottes. Da ging Maria aus Magdala zu den Jüngern zurück. „Ich habe den Herrn gesehen!“, verkündete sie und erzählte ihnen, was er zu ihr gesagt hatte. Johannes 20,18

Schlussgedanke

Jesus ist auferstanden! Mit dieser Auferstehung ist der Beweis erbracht, dass Jesus stärker als das Totenreich ist. Das Totenreich konnte ihn nicht zurückhalten. Damit hat Jesus die Macht des Teufels gebrochen. Jesus sagt in der Offenbarung zu Johannes: „Du brauchst dich nicht zu fürchten! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, aber jetzt lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zum Totenreich.“ Offb.1,17-18. Durch die Auferstehung hat Jesus bewiesen, dass er den Schlüssel zum Totenreich und somit den Schlüssel zur Erlösung hat. Wer erlöst werden will, der muss sich Jesus zuwenden. Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das?“ Johannes 11,25-26