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Apologetik: Kritik an der Bibelkritik, Teil 1/2

01.01.2004
SerieTeil 1 / 2Apologetik: Kritik an der Bibelkritik
Wie wurde aus der Bibel plötzlich ein Puzzle aus Quellen? Der Kernstreit: Verlässliche Offenbarung oder menschlich zerlegter Text – und was bleibt dann noch vom Glauben?

Einführung in das Thema und die geistliche Ausgangslage

Heute Morgen werden wir uns mit dem Thema Kritik an der Bibelkritik auseinandersetzen. Auf der Einladung war das Thema wie folgt umschrieben:
Vor 293 Jahren, also im Jahr 1711, begann der Pfarrer Witter aufgrund des Wechsels der Gottesnamen in 1. Mose 1 und 2, den Anfang der Bibel bezüglich seiner Echtheit anzuzweifeln. In der Folge entwickelte sich dieser Angriff und erstreckte sich schliesslich unter Mithilfe eines Heeres von liberalen Theologen über das ganze Alte Testament und auch das Neue Testament hinweg. Heute steht man vor dem totalen Scherbenhaufen. Die grossen Kirchen leeren sich, weil alle Substanz des Evangeliums verloren gegangen ist. Die islamische Mission in Europa beruft sich im Kampf gegen das Christentum auf angebliche wissenschaftliche Ergebnisse der liberalen Theologie.
Vor ein paar Jahrzehnten begannen gewisse theologische Lehrer, dieselbe Kritik an der Bibel behutsam in die evangelikalen Kirchen und Gemeinden einzuschleusen. Zunächst geschah dies über die theologischen Ausbildungsstätten, zum Beispiel der Methodistenkirche, später über Sankt Chisona, heute auch über Liebenzell Mission, während die meisten schliefen oder feierten.
Gemäss 2. Korinther 10,4 sind wir nun gefordert, mit göttlichen Waffen, die mächtig zur Zerstörung von Festungen sind, Vernunftschlüsse zu vernichten. Ich möchte diese Stelle nochmals ganz lesen und so an den Anfang stellen:
 2. Korinther 10,3-5: Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern göttlich, mächtig zur Zerstörung von Festungen, indem wir Vernunftsschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich erhebt, gegen die Erkenntnis Gottes, und jeden Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam Christus gegenüber, und bereitstehen, allen Ungehorsam zu rächen.
Heute Morgen wollen wir uns insbesondere mit der Bibelkritik an den fünf Büchern Mose beschäftigen. Dort hat die Bibelkritik nämlich eingesetzt und sich dann, wie gesagt, über das Alte Testament ausgebreitet. Erst später kam dann so richtig die neutestamentliche Bibelkritik hinzu.
Wenn wir uns nun mit der Anfangskritik im Blick auf die fünf Bücher Mose besonders auseinandersetzen, dann werden wir gleich auch die Denkfehler erkennen, in der Wurzel, um schliesslich das ganze Gebäude, das darüber gebaut worden ist, umzuschlagen.

Die reformatorische Grundlage und der Angriff der Aufklärung

Wir gehen in der Betrachtung der Entwicklung zunächst einmal zurück in die Reformation. Die begann ja Ende Oktober 1517, das war der 31. Oktober, der Tag, an dem Luther die 95 Thesen angeschlagen hatte. Das war der Beginn der Reformation.
Ein ganz wichtiges Grundprinzip, das in der Reformation entdeckt wurde, war sola scriptura, allein durch die Schrift. Wir können die Wahrheit erkennen und wissen nicht durch Konzile von Menschen, durch Beschlüsse von Päpsten, auch nicht durch die Philosophie, die in der katholischen Theologie eine grosse Rolle gespielt hatte, sondern allein durch die Heilige Schrift. Sie ist die einzige Basis für den Glauben. Die Bibel ist Gottes Wort, die einzige Grundlage für Leben, Glauben, aber dann auch für Wissenschaft und Kunst usw.
Man kann also sagen: In der Reformation, im sechzehnten Jahrhundert, hat Gott seinem Volk die Bibel neu geschenkt. Das war auch die Zeit, in der die Bibel endlich in Landessprachen übersetzt worden ist und so weite Verbreitung gefunden hat. Nicht nur Verbreitung, sondern sie wurde dann auch weit herum gelesen und studiert.
Aber Satan hat dann eine Gegenoffensive gestartet, und zwar durch die Gegenreformation und durch grausige Religionskriege, die Europa total verwüstet haben. Zu nennen sind insbesondere der Schmalkaldische Krieg 1546/47, dann die langen Hugenottenkriege 1562 bis 1598 in Frankreich, dann der Dreissigjährige Krieg 1618 bis 1648. Am Ende dieses Krieges war Deutschland am Boden zerstört. Die Evangelischen waren sehr ermüdet, aber die Philosophen wurden in dieser Zeit wach.
Voltaire, ein französischer Philosoph, 1694 bis 1778, sagte im Blick auf all diese Religionskriege: Le dogme aborte le fanatisme. Das Dogma führt zum Fanatismus. Was soll all diese Religion? Wir wollen uns nicht mehr abstützen auf das, was die Kirche sagt. Wir haben auch nichts mehr zu tun mit der Bibel als Autorität. Richtig ist nur, was vernünftig ist. Der Massstab ist die Vernunft des Menschen. Was vernünftig ist, ist richtig, was unvernünftig ist, ist falsch.
So sehen wir: Aus dieser Gegenreaktion gegen die Katastrophe der Religionskriege entstand die Aufklärungsphilosophie. Sie ist gekennzeichnet durch folgende Punkte:
Die Bibel als Gottes Wort wird abgelehnt und verworfen. Früher war also der allgemeine Glaube der Christen der, dass die Bibel von Gott inspiriert ist durch den Heiligen Geist, und das wurde breit in der Philosophie verworfen. So etwas gibt es gar nicht, dass Gott sich durch ein Buch offenbaren würde.
Zweitens, das habe ich schon erwähnt: Die Vernunft des Menschen ist die höchste Instanz. Darum nennt man das Rationalismus, weil die Ratio, die Vernunft, quasi alles beherrschen soll.
Drittens: Gott greift nicht in den Lauf der Welt ein. Also man äusserte die Überzeugung, dass Gott nie irgendwie konkret in die Geschichte eingreift. Man leugnete nicht, dass es einen Schöpfer gibt. Von irgendwo her muss ja alles kommen. Aber man betrachtete in der Philosophie Gott als ein höheres Wesen, das am Anfang die Welt in Betrieb gesetzt hatte, sich dann aber völlig zurückgezogen hatte und darum sich auch nicht dem Menschen irgendwie offenbart, durch die Bibel oder auch durch Wunder. Das ist alles unmöglich.
Man betonte sehr die Toleranz, und zwar nicht aus einer christlichen Nächstenliebe heraus, die den Nächsten achtet, auch wenn er anders denkt, sondern aus der Überzeugung heraus, man kann ja nicht wissen, was wahr ist.
Ein weiterer wichtiger Punkt war der Glaube an das Gute im Menschen. Das ist eigentlich sehr erstaunlich. Nachdem die Bosheit des Menschen in den Religionskriegen so deutlich geworden ist, ist dieser Optimismus wirklich verwunderlich. Im Kern ist der Mensch gut, aber er muss eben durch Bildung gefördert werden. Die Vernunft muss in ihm geweckt werden, und dann wird er schon gut.
Damit war also verbunden ein Glaube an steten Fortschritt in Wissenschaft, in der Gesellschaft etc. Hier finden wir also schon den Ansatz eines starken Evolutionsdenkens, Entwicklungsdenkens: Alles entwickelt sich.

Erste kritische Ansätze gegen die Mosebücher

In den Jahren 1650 bis 1700 verwerfen Philosophen, aufklärerische Philosophen wie z. B. Thomas Hobbes oder dann Despinosa und Simon, also englischsprachige Philosophen, die Inspiration der Bibel und lehnen ausdrücklich auch die mosaische Verfasserschaft des Pentateuch ab. Pentateuch, wenn das Wort noch oft benutzt wird, heißt einfach das Fünfbuch. Also bedeutet der Pentateuch die Gesamtheit der fünf Bücher Mose.
Sie lehrten also: Mose hat die fünf Bücher Mose nicht geschrieben. Aber da sind wir noch im Bereich der Philosophie, und nun kommen wir unter einem neuen Titel auf dem Blatt zu der älteren Urkunde-Hypothese.
Um 1711, wie gesagt, hat Pfarrer Witter aufgrund unterschiedlicher Gottesnamen und aufgrund des Unterschieds im Stil von 1. Mose 1 und 2 auf zwei verschiedene Autoren geschlossen. Also 1. Mose 1 muss von einem anderen Autor stammen als Kapitel 2.
Später hat 1753 der Medizinprofessor Astrück behauptet, Mose habe aber zwei Hauptquellen und zehn bruchstückhafte Quellen, also Fragmente, benutzt. Aber er geht wenigstens noch von Mose aus.
1780 bis 1883 tritt Eichhorn, ein Alttestamentler, also hier sind wir nun ganz klar im Bereich der evangelischen Theologie, mit einer neuen Theorie auf den Plan. Übrigens wird Eichhorn betrachtet als der Vater der alttestamentlichen Bibelkritik. Er teilte 1. Mose in zwei Quellen. Die eine Quelle nannte er J, ja wisst, und die andere E, von Elohist. Und er glaubte auch noch, verschiedene kurze, also fragmentarische Quellen darin zu finden.

Die Entstehung der Quellenscheidung und ihre Ausweitung

Jetzt, wie kommt die Bezeichnung dieser Quelle, woher kommt diese Bezeichnung? In 1. Mose 1 lesen wir doch immer von Gott. 1. Mose 1,1: Im Anfang schuf Gott, hebräisch Elohim, die Himmel und die Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe. Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Gottes ist Elohim. 1. Mose 1,3: Und Gott, Elohim, sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Gott, Elohim, sah das Licht, dass es gut war, und Gott, Elohim, schied das Licht von der Finsternis usw.
Also in 1. Mose 1 haben wir immer für Gott die Bezeichnung Elohim. Aber wenn wir zu Kapitel 2 gehen, dann klingt das etwas anders. 1. Mose 2,4: Dies ist die Geschichte des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden, an dem Tag, da der Herr, Yahweh, Gott, Elohim, Erde und Himmel machte. Und ehe alles Gesträuch des Feldes auf der Erde war und ehe alles Kraut des Feldes sproste, denn Yahweh Elohim hatte nicht Regen fallen lassen auf die Erde, und kein Mensch war da, um den Erdboden zu bebauen. Ein Dunst aber stieg von der Erde auf und befeuchtete die ganze Oberfläche des Erdbodens, und Yahweh Elohim bildete den Menschen aus Staub von dem Erdboden. Und dann 1. Mose 2,8: Und Yahweh Elohim pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten und setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte.
Also hier finden wir dauernd den Namen Yahweh, den wir im ersten Kapitel nicht finden. Und darum hat Eichhorn gesagt: Also hier in Kapitel 2 haben wir einen anderen Schreiber. Und weil er Gott eben Yahweh nennt, ist das der Jahwist. Und weil der Schreiber von Kapitel 1 Gott Elohim nennt, ist das der Elohist. Also er führt diese Bezeichnungen Quelle J und Quelle E ein.
Etwas später, 1805, hat De Wette, auch wieder ein Theologieprofessor in Deutschland, behauptet, das fünfte Buch Mose sei aus einer weiteren Quelle. Das stammt aus der Quelle D, Abkürzung von Deuteronomium als Bezeichnung für das fünfte Buch Mose. Und er sagte, diese Quelle D, also das fünfte Buch Mose, sei geschrieben worden im Jahr 621 v. Chr.
Wie kommt er genau auf diese Zeit? Nun, man kann das nachlesen in 2. Chronika 34,14-33. Der König Josia kommt ja zu einer Umkehr zu Gott, gelangt zu einer Umkehr und bewirkt eine Reformation in Juda. Er lässt den Tempel renovieren, und bei der Renovationsarbeit wird das Gesetzbuch von Mose entdeckt. Und De Wette sagt: Das ist nicht so, dass es damals entdeckt worden wäre, als ein schon bestehendes Buch, sondern es wurde damals verfasst, und zwar als wäre es von Mose. Also damals wurde das fünfte Buch Mose verfasst. Das gefundene Gesetzbuch war also einfach eine Fälschung aus dieser Zeit, die man aber, um dem Buch mehr Gewicht zu verleihen, Mose zugeschrieben habe. Also mit anderen Worten: ein reiner Betrug.
Und das war übrigens das Ergebnis einer Habilitationsschrift damals. Damit hat er sich zum Professor habilitiert.

Von der Fragmenten- zur Ergänzungshypothese

Nun, das wäre also die ältere Urkunden-Hypothese. Jetzt schauen wir uns an, dass es auch andere gab, die etwas andere Ideen hatten. Wir kommen nun zur Fragmenten-Hypothese.
Diese wurde in der Zeit von 1792 bis 1800 von Goethes veröffentlicht. Goethes sagte: Nein, es gibt nicht eine Quelle J und eine Quelle E in sich geschlossene in den Mosebüchern. Es gibt nur Fragmente, die dort verwendet worden sind. Also sind die fünf Bücher Mose einfach die Zusammensetzung durch einen Redaktor, der viele völlig unabhängige Fragmente benutzt habe, die sich auch untereinander widersprechen. Und da habe ein Redaktor das später irgendwie zusammengesetzt.
Ihm folgte auch der Theologe Jott Vater in den Jahren 1802 bis 1805. Das wäre also die Fragmentenhypothese.
Jetzt kommen wir zu einer weiteren Hypothese: Die Ergänzungstheorie ist später entstanden, und zwar aus folgendem Grund. Beim Lesen der fünf Bücher Mose fällt einem ja auf: Das ist ja nicht irgendwie eine zusammengewürfelte Sache von verschiedenen Texten, sondern da gibt es einen planmäßigen Aufbau, da gibt es einen inneren Zusammenhang. Das kann also gar nicht so sein, dass das aus irgendwelchen sich widersprechenden Fragmenten einfach so zusammengestückelt worden sei. So wurde also in der Ergänzungstheorie das abgelehnt.
Der bekannte Vertreter war der Theologe Ewald. 1823 hat er geschrieben, dass die fünf Bücher Mose so entstanden sind: Es gab eine elohistische Grundschrift, das ist der Grundstock, und dieser Grundstock sei dann eben später durch javistische Zusätze ergänzt worden. Aber nicht einfach so kleine Fragmente, sondern da gibt es wirklich einen zusammenhängenden Grundstock.
1840 hat Ewald das dann noch ein bisschen anders formuliert. Er sagte, alle Verfasser, die Material zu den Mosebüchern hinzufügten, hätten das Ganze auch noch überarbeitet. Das macht das Ganze noch schwieriger, weil man dann gar nicht mehr richtig entscheiden kann, was nun Überarbeitung ist und was irgendwie eine ursprüngliche Quelle war.

Die klassische Form der Quellenscheidung und ihre inneren Widersprüche

Nun ging die Entwicklung weiter und führte schließlich zur modernen Quellentscheidungstheorie, also zu der Theorie, die in der Theologie üblicherweise bis heute an den Universitäten gelehrt wird. Was wir bisher gesehen haben, waren alles Vorläufer.
1853 ist Hupfeld zu nennen. Er lehnt die Ergänzungsidee ab. Er sagte also: Der Jawist sei eine vollständige Quelle und nicht einfach eine Ergänzung, so wie Ewald es gemeint hatte. Und E, also der Elohist, sei eigentlich eine Zusammensetzung aus zwei verschiedenen Quellen. Er spaltete den Elohisten also nochmals auf in E1 und E2.
Später hat man E1 dann P genannt. Heute spricht man in der Theologie nicht mehr von E1, sondern von P, und das bedeutet Priesterschrift. E2 wäre dann später einfach E. Also diese drei Quellen, J, P und E, haben zusammen die Bücher Erste bis Vierte Mose ergeben. Fünfte Mose sei eben die Quelle D von De Wette, der das so gelehrt hatte.
Er sagte außerdem, die Entstehung dieser Quellen sei zeitlich so zu ordnen: Die älteste Quelle ist P, die Priesterschrift. Später wurde der Elohist verfasst, dann der Jawist, und das späteste ist der Deuteronomist, D. Also: P, E, J, D. Sie sagt: Nein, die Reihenfolge ist anders. Der Jawist ist die älteste Quelle. Also sagte sie nicht P, E, J, D, sondern J, E, D, P. Alles klar?
Das hat noch Bedeutung, was die Chronologie betrifft. Ich komme darauf zurück.
Aber nun zu einem ganz wichtigen Namen: Wellhausen. Das ist wirklich, könnte man sagen, einer der wichtigsten Geister in der liberalen Theologie. 1876 bis 1878 bringt er die Hypothese von Graf und Kuenen in die klassische Form, so wie sie eben heute in Deutschland und in der Schweiz gelehrt wird. Seine Darstellung erobert in kurzer Zeit, also im Eiltempo, die ältesten Menschheitsstudien in Europa und auch in Amerika.
Wellhausen sagt: J wurde geschrieben um 850 v. Chr. Also sehen wir etwa siebenhundert Jahre nach Mose. E sei geschrieben worden um 750 v. Chr. Dann seien J und E zusammengesetzt worden zu J E; das sei im Jahr 650 v. Chr. geschehen. Die Quelle P, die Priesterschrift, sei im sechsten, fünften Jahrhundert vor Christus verfasst worden, und D eben als Fälschung in der Zeit von Josia, 621 v. Chr.

Probleme der Kriterien und die Ausweitung im 20. Jahrhundert

Jetzt merken wir an dieser Stelle schon einige Probleme und Widersprüche. Da wurde doch ganz am Anfang gesagt, aufgrund verschiedener Gottesnamen können wir verschiedene Quellen erkennen. Eben in Kapitel 1 Elohim, Elohim, Elohim, in Kapitel 2 spricht es immer von Yahweh. Aber wir haben ja gesehen, E wurde aufgespalten in zwei Quellen, in P und E, und beide sind also charakterisiert durch den Namen Elohim, ja. Aber sie benutzen ja denselben Namen, denselben Gottesnamen, und sollen trotzdem zwei verschiedene Quellen sein. Also sind die unterschiedlichen Gottesnamen nicht so die klaren Unterscheidungsmerkmale, denn zwei verschiedene Quellen können auch denselben Namen benutzen.
Und man hat unterschieden zwischen E und J, aber man sagte, es sei sehr schwierig, E und J zu unterscheiden, weil sie sich in Thematik, Stil und Wortschatz sehr, sehr ähnlich sind. Also wo sind denn die eindeutigen Kriterien, um die Quellen unterscheiden zu können? Und wenn wir nur schon beginnen: Kapitel 1 ist klar Elohim, Elohim, Elohim, aber Kapitel 2, das soll ein javistischer Text sein, aber dort haben wir nicht immer Yahweh, sondern wir haben immer gehabt Yahweh, Elohim in der Kombination. Also das ist ja auch nicht so klar. Warum ist denn das der Javist, der braucht ja auch immer Elohim?
Gut, aber diese Dinge konnte man dann immer wieder so umgehen und sagen: Ja, spätere Redaktoren, die haben das eben auch wieder umgearbeitet, und darum ist es dann nicht unbedingt so konsequent. Ja gut, aber dann wird immer deutlicher, dass das Ganze ja gar nicht so klar ist, wo denn da unterschieden werden soll.
Dann wird behauptet von den älteren Kritikern: J, also der Javist, sei jünger als E, der Elohist. Warum? Weil Jachwe, das sei ein Name, der erst später in der Geschichte überhaupt aufgetaucht sei. Aber Kuenen und Wellhausen, die sagen, J sei viel älter als E. Sie sagen genau das Gegenteil. Es wird behauptet, P unterscheide sich am meisten in Thematik und Wortschatz von J. Da haben die älteren Kritiker gesagt: P, das ist das älteste Dokument überhaupt. Aber Graf, Kuenen und Wellhausen haben gesagt: Nein, P ist das jüngste Dokument von allen. Warum? Immer wenn Abschnitte kommen in den fünf Büchern Mose, wo es besonders um die Opfer und bestimmte Gesetze im Blick auf Gottesdienst usw. geht, dann sagt man, das ist typisch Priesterschrift. Aber weil man die ganze Geschichte Israels völlig revidiert hat und gesagt hat, die Geschichte Israels muss man im evolutionistischen Rahmen sehen, haben Wellhausen und andere zum Beispiel gesagt: Also diese hoch entwickelten Gesetze mit detaillierten Angaben über Opfer und Riten im Tempel, die konnten ja erst ganz spät entstanden sein. Die kann man nicht in die Frühzeit ansetzen, denn alles ist quasi in einer Evolution immer höher gegangen. Und darum kommen sie zur Überzeugung, P müsse eben das jüngste Dokument sein.
Wellhausen lehrte also, die Israeliten hätten früher eben noch einen primitiven Vielgötterglauben gehabt, und das hätte sich allmählich erst entwickelt, und erst ganz spät seien sie dann in einem Evolutionsprozess zu dem Eingottglauben gekommen. Auf dieses Thema komme ich nochmals zurück.
Jetzt gehen wir zum zwanzigsten Jahrhundert. Theologen wie Smith, Driver und Briggs übernehmen aus Deutschland diese Quellenscheidungstheorie von Wellhausen und machen sie im englischsprachigen Raum populär. Also diese Bibelkritik ist in den englischen Sprachraum erst später hineingetragen worden.
Jetzt wird das alles noch ein bisschen komplizierter. Der Theologe Butte und Sment teilen 1912 J nochmals auf in zwei verschiedene Quellen, also J I und J II. Sie haben gemerkt, da sind nochmals zwei Autoren drin, die muss man nochmals aufsplitten. Eichrodt, 1916, und Eisfeld, 1922, unterscheiden in J noch eine bestimmte Quelle, die sie entdeckt haben, und die nannten sie die Laienquelle und gaben ihr den Namen El. Die sei entstanden in der Zeit von Elias, und man findet sie auch im Richterbuch und in den Samuelbüchern.
Aber 1927 entdeckt Morgenstern noch eine weitere Quelle im Zweiten Mose, eine Quelle K, die nennt er die kinetische Quelle. Und 1934 teilt Gerhard von Rad P in zwei parallele Quellen auf. Er hat gemerkt: In P, das ist nicht nur einfach eine Quelle, sondern das muss man auch nochmals aufspalten in verschiedene Autoren. Der Theologieprofessor Pfeiffer entdeckt 1941 noch eine Quelle S, die er die Quelle Seir nennt, die Seir-Quelle. Darum S. Die sei entstanden sechshundert bis vierhundert vor Christus. Und diese Quelle S fände man in J- und E-Teilen der fünf Bücher Mose.
Nun merken wir hier, das Ganze wird wieder ein bisschen komplizierter. Das noch nahezu einfache Schema JEDP wird jetzt plötzlich zu einem J1J2EDP1P2LKS-Schema. Kenneth 1920 und Hölscher 1922 datieren die Quelle D. Wie viel jünger als 621 v. Chr.? Aber Kegel 1919, Welch 1924 und Robertson 1936 bis 1944 datieren sie auf eine viel frühere Zeit als 621 v. Chr.
Warum bringe ich das alles? Um zu zeigen, wie eindeutig klar die Sache ist, wie sich die verschiedenen Theologieprofessoren gegenseitig widersprechen, und zwar diametral widersprechen. Aber ein anderer Theologe, Loehr, 1924, behauptet, die Quelle P, die gibt es einfach gar nicht, das stimmt nicht. Der Pentateuch, die fünf Bücher Mose, seien von Esra zusammengestellt worden, und zwar mit Material, das man nicht mit J und E identifizieren könne.
Volls und Rudolf bringen 1933 in einem gemeinsamen Buch eine umgekehrte Ergänzungstheorie. Früher sagte man, E, das sei die Haupturkunde, und J, das sei quasi die Ergänzung zu dieser Grundschrift. Aber sie sagen: Nein, das ist falsch. J ist die Urkunde, die Grundurkunde, und E sei die Ergänzung dazu.
Also, ich muss sagen, bei dieser Aufsplitterung ging man je nachdem sogar so weit, dass ein einzelner Vers in etwa drei Quellen aufgeteilt werden konnte. Und wenn irgendetwas nicht passte, dann konnte man sich erklären: Ja, das ist eben durch einen späteren Redaktor so geändert worden, und darum kann man das nicht so konsequent durchziehen. Aber das Tragische ist: Das wird quasi trotzdem heute in den theologischen Fakultäten einfach als Tatsache gelernt. Also geht man nach Zürich oder Basel oder Bern oder nach Neuenburg oder Lausanne, das ist einfach eine Tatsache, diese Quellenscheidung. Und das wird dann wieder weitergegeben im Religionsunterricht.
Also mein Religionslehrer in der Gymnasialzeit hat uns erklärt: Das erste Kapitel, 1. Mose 1, eine Priesterschrift, die ist deutlich jünger als Kapitel 2, das ist eine javistische Quelle. Und zwar könne man das am Hebräischen merken, das Hebräische ist ein späteres Hebräisch in Kapitel 2. Er hat aber nicht erklärt, was der Unterschied ist. Und für mich war das eine interessante Entdeckung, als ich ein Jahr später mit ihm telefoniert habe und ihn gefragt habe: In Daniel 9, was ist das für eine Verbform, teda, wenn der Engel zu ihm sagt: Du sollst wissen, teda? Dann sagt er, das könnte er nicht mehr sagen, alles vom Hebräischen hätte er vergessen.
Ja gut, aber es wird so als Faktum hingestellt, ganz anderes Hebräisch und so. Aber oft ist es ja so in der Theologie, dass man Hebräisch im Alttempo lernt heute, und dann benutzt man es gar nicht mehr. Die meisten benutzen es nicht mehr, und schon ein Jahr später sind sie gar nicht mehr in der Lage, mit Hebräisch wirklich gründlich umgehen zu können. Aber die Dinge werden so als Fakten, als wissenschaftliche Ergebnisse weitergegeben. Sie haben dann später selber Hebräisch gelernt und nichts davon gefunden, von einem späteren Hebräisch in 1. Mose 2 als in Kapitel 1, nichts.

Übergang zur Traditionsgeschichte und zur mündlichen Überlieferung

Jetzt gehen wir weiter, und zwar zum nächsten Titel. Es geht immer noch um das zwanzigste Jahrhundert, aber nun entsteht eine neue Richtung, und zwar nennt man das den überlieferungsgeschichtlichen Lösungsversuch.
Gunkel um 1900 und Gessmann um 1920 verwerfen die JEDP-Quellen und sagen, es sei nicht möglich, solche Quellen im Text festzulegen. Man müsse ganz anders vorgehen. Man müsse vielmehr verschiedene literarische Gattungen im Text erkennen. Also müsse man zum Beispiel bestimmte Legenden unterscheiden, die mit bestimmten Orten verknüpft sind, zum Beispiel Abrahams Legenden, die mit Hebron oder mit Sichem usw. verknüpft sind.
Man müsse auch verschiedene Texte erkennen, die in Israel einen bestimmten Sitz im Leben hatten, also Texte, die man in einer ganz bestimmten Situation besonders gebraucht habe und die dann eben auch immer weiter mündlich überliefert worden seien. Und gerade durch diese mündliche Überlieferung über Generationen hinweg habe sich auch der Inhalt ständig gewandelt.
Kurz vor oder nach der babylonischen Gefangenschaft, die ja von 605 bis 538 v. Chr. war, seien dann diese mündlichen Überlieferungen, bei denen man unterscheiden muss, ob es Lieder, Legenden oder Geschichten sind, die einen bestimmten Ursprung erklären wollen, zum Beispiel die Herkunft der Schöpfung, erst dann schriftlich fixiert worden. Man könne nicht Quellen und Fragmente unterscheiden, aber es gebe verschiedene Überlieferungseinheiten, Traditionseinheiten. Diese seien dann später eben zu einem Guss zusammengeführt worden.
Auch zu dieser Richtung gehört die Uppsala-Schule. In Schweden ist das sehr populär geworden. Man nennt sie auch die Oraltraditionalisten. Oral heißt mündlich, also hat man mündlich überliefert. Wichtige Namen sind da Pedersen um 1930 und Engnell um 1950. Sie legten die größte Betonung auf die mündliche Tradition, also noch mehr als die Männer, die ich vorhin erwähnt habe.
Engnell sagt: 1. Mose 1 bis 4 ist eine Quelle, die man als P bezeichnen müsse. Für ihn bedeutet P etwas ganz anderes als bisher. Und 5. Mose bis 2. Könige ist eine weitere Quelle, die man als D bezeichnen müsse. P stamme aus Judäa und D stamme aus dem Nordreich. Er hat also sogar noch herausgefunden, wo der Schreiber gelebt haben muss.
Die Schule von Leipzig baute auf der Arbeit von Theologieprofessor Alt 1929 auf. Sie legte noch mehr Betonung weniger auf die Traditionseinheiten, sondern auf den Sitz im Leben. Was haben die Texte einmal für die Israeliten bedeutet in ihrem Umfeld? Also, was war die theologische Bedeutung der Texte damals für Israel?
Zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte: Was hat die für eine Bedeutung gehabt für die Israeliten? Für sie war also weniger die Frage, welche Quelle, woher kommt die Quelle, sondern was ist die Bedeutung jetzt dieser Traditionseinheit, des Schöpfungsberichts?
Gerhard von Rad betont also jetzt mehr die theologische Bedeutung des Textes, und das Historische wird in den Hintergrund gestellt. Pannenberg sagt 1961: „Wir müssen in den Texten suchen nach dem theologischen Impuls, was war der Antrieb, um das zu schreiben.“ Man betonte: Wir müssen im Text das Kerygma suchen.

Die theologische Zuspitzung und der Verlust des historischen Fundaments

Ich muss hier in Klammer noch anfügen: Da sind wir ja schon weit vorgeschritten im zwanzigsten Jahrhundert. Das ist schon die Zeit von Rudolf Bultmann, der ja die Gottes-Tod-Theologie gebracht hat. Aber Bultmann war ein Neutestamentler, kein Alttestamentler. Und er hat also vor allem im Neuen Testament Kritik geübt. Bultmann hat gesagt: Christus ist nicht auferstanden. Das kann der moderne Mensch so nicht akzeptieren. Aber die frühen Menschen haben eben noch ganz mythologisch und legendenhaft gedacht.
Aber wir müssen jetzt die Bibel nicht einfach wegstellen, sondern wir müssen in der Bibel herausfinden, was nun die Aussage der Auferstehung ist. Und da kommt man eben zu solchen Ideen: Ja, wenn ich glaube, Christus ist auferstanden, dann muss ich quasi in meinem Nächsten Christus erkennen, der gewissermaßen im Nächsten weiterlebt, so gedanklich. Und da hat also Bultmann sehr betont: Wir müssen im Neuen Testament das Kerygma, die Grundaussage, suchen. Obwohl alles historisch nicht haltbar ist, ist doch eine Aussage darin, und die müssen wir herüberholen. Und das muss dann auch in der Predigt verkündigt werden.
Also: Die haben alle Grundlagen des Christentums aufgegeben, aber auf dieser Basis konnten sie immer noch schön predigen und sagen: Christus ist am dritten Tag auferstanden. Und die Hörer in der Kirche denken: Aha, schön, der glaubt das alles. Er glaubt das überhaupt nicht, sondern er glaubt, das ist eine Legende. Aber in dieser Aussage muss die Aussage der Auferstehung in uns weiterleben.
Und so war das also auch mit dem Alten Testament. Was entwickelte man damit? Man suchte nach der Aussage, obwohl man den historischen Sinn ablehnte. Und dadurch entstand eine theologische Philosophie ohne geschichtliches und damit auch ohne göttliches Fundament. Denn die Bibel als Gotteswort war schon längst völlig aufgegeben.

Die umgedeutete Geschichte Israels und die Kritik an der Evolutionslogik

Nun möchte ich noch erklären, wie man in der Bibelkritik die Geschichte Israels sieht. Ich gehe davon aus, dass wir alle wissen, wie die Geschichte Israels ab dem Auszug aus Ägypten verlaufen ist. Das haben wir in anderen Bibelstudentagen miteinander auch bereits betrachtet.
Aber mit Wellhausen und anderen wurde die Geschichte völlig umgekrempelt. Und da gibt es drei Hauptperioden. Man unterscheidet die Urzeit. Ich sage nicht von Abraham, sondern die Urzeit, weil in der liberalen Theologie Abraham als eine Legende, also als eine legendäre Figur, gesehen wird. Diese Urzeit reicht bis 760 v. Chr. Das sei die Zeit, in der die Israeliten noch Animisten waren.
Animisten, das muss ich erklären, ist die Art des Glaubens in den Stammesreligionen, in Afrika, bei Indianern usw., wo man überall Seelen und Geister in der Natur sieht. Also glaubt man in der liberalen Theologie, die Israeliten hätten Steine angebetet. Da wird dann schön verwiesen auf 1. Mose 28,18, den Stein von Jakob, den er aufgestellt hatte. Oder man hätte damals noch Bäume angebetet, und man verweist auf 1. Mose 12,6. Ich lese das: Da kommt Abraham ausgezogen aus Ur in Chaldäa ins Land Kanaan, und Abraham durchzog das Land bis zu dem Ort Sichem, bis zur Terebinthe Mores. Und die Kanaaniter waren damals im Land. Und der Herr erschien dem Abraham und sprach: Deinem Samen will ich dieses Land geben. Also da wird diese Terebinthe Mores erwähnt. Auch an späterer Stelle wieder. Und da wird einfach geschlossen: Aha, da war Abraham eben zu der Zeit noch ein Baumverehrer.
Man sagt, die Israeliten seien damals noch Tieranbeter gewesen, und verweist auf 2. Mose 32, das goldene Kalb. Sie hätten noch Kinder geopfert und an viele Götter geglaubt. Und der Name Elohim sei noch ein Überrest davon. Ich muss erklären: Elohim ist im Hebräischen eine Mehrzahlform. Im ist die männliche Mehrzahl, Eloah ist Einzahl, Elohim ist Mehrzahl. Ich erkläre ein paar andere Wörter: Seraph ist Einzahl, der Seraph; Seraphim ist Plural. Cherub, der Cherub; Cherubim ist die Mehrzahl.
Also Elohim sei ein Plural, und Gott werde weiterhin im Alten Testament Elohim genannt. Aber das sei noch ein Rest von einem Vielgötterglauben. Das ist natürlich reiner Unsinn, denn Elohim, der Plural, kann bei Hauptwörtern im Hebräischen eine Ausdehnung ausdrücken. Zum Beispiel dieser Saurier in Hiob 41, der seinen Schwanz biegt, gleich einer Zeder. Der heißt Behemoth. Ot ist die weibliche Mehrzahl, Behemah heißt das Tier, Behemoth Tiere. Das eine Tier dort wird im Plural bezeichnet als Behemoth. Warum? Eben das ist ein pluralis extensionis, also eine Mehrzahl der Ausdehnung.
Und so ist es zum Beispiel auch mit dem Wort Himmel. Himmel ist im Hebräischen immer in der Mehrzahl, Schamayim, und das drückt eben die Ausdehnung des Himmels aus. Und so ist Elohim eben ein Plural, der die unendliche Größe Gottes zeigt. Wenn im ersten Satz der Bibel Elohim verwendet wird, muss man beachten: Bereshit, im Anfang, bara, schuf, Elohim, Gott. Bara ist in der Einzahl, also dritte Person Einzahl. Das Verb ist Einzahl, und das Wort Elohim wird so als Einzahlwort verwendet. Die Pluralendung bedeutet seine Ausdehnung. Also hat das nichts zu tun mit dem Rest von Polytheismus.
Übrigens kommt mir noch in den Sinn: Als die Philister Simson gefangen genommen haben, in Richter 16, da haben sie dann zur Ehre ihres Gottes Dagon dieses Gedicht verfasst: „Natan Eloheinu bejadenu et Schimson ojweinu.“ Also: Gott hat in unsere Hand gegeben den Simson, unseren Feind. Das war das Gedicht, das sie gemacht haben. Und nun ist interessant: Sie nennen dort ihren Gott Dagon auch Elohim, aber sie betrachten ihn nicht als eine Person. Also konnten auch die Heiden einen einzelnen Gott als Elohim bezeichnen, was eben einfach für sie die Größe ihres Gottes ausdrückte.

Die religionsgeschichtliche Umdeutung und der Abschluss mit der Pause

Nun, was schlimm ist, noch schlimmer ist: In der liberalen Theologie wird also gesagt, Yahweh sei ursprünglich ein Lokalgott gewesen, wie viele andere Götter, und sei dann später von den Israeliten zum Hauptgott gemacht worden. Und das ist die ärgste Gotteslästerung, die man sich nur denken kann. Aber man muss sich ganz im Klaren sein: Das wird an den Universitäten gelehrt. Hier wird wirklich im Grundsatz der christliche Glaube zerstört und vernichtet.
Also, das wäre die Urzeit bis 760 v. Chr. Und dann wird die prophetische Periode unterschieden, 760 bis 587 v. Chr. Da sei die Idee des Monotheismus, also der Glaube an einen Gott, durch Amos eingeführt worden. Amos habe feurige Anhänger gehabt, nämlich Hosea, Jesaja, Micha, und auch die hätten den Eingottglauben feurig in ihren Schriften vertreten.
Der Monotheismus sei also im fünften Buch Mose um 621 v. Chr. festgelegt worden. Da hätte man dieses Buch als Fälschung verfasst und Mose zugeschrieben, um ihm Gewicht zu verleihen, als Person aus uralten Zeiten. In dieser Zeit sei dann der Stamm Levi zur Priesterschaft gekommen, und in dieser Zeit hätte sich dann auch das Gottesbild gewandelt, von einem hartherzigen, eifersüchtigen Gott hin zu einem liebenden Gott.
Das ist natürlich alles reiner Unsinn, denn wir finden auch in den späteren Prophetenbüchern Gott als den Rächer über die Sünde, der sich aber über den Bußfertigen erbarmt. Das war ja auch dann das große Argument in der Hitlerzeit. Da wurde ja auch gesagt, das Alte Testament sei jüdisch und habe mit einem rächenden Gott zu tun, während das Neue Testament den liebenden Gott zeige.
Wilhelm Busch, dieser Jugendpfarrer aus Essen, hat einmal jemandem einen Vers aus der Bibel zitiert: Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Ja, siehst du, das ist dieser Yahweh-Gott der Juden. Warte mal, noch ein anderer Vers: Ja, mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, aus lauter Güte habe ich dich zu mir gezogen. Ach, das ist das Neue Testament, das ist der Gott des Neuen Testaments.
Man sagte Wilhelm Busch: Ja, also der erste Vers, Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen, das ist aus dem Neuen Testament, Hebräer 10, und der andere Vers ist aus Jeremia 31.
Ja, es ist Zeit für Pause. Wir machen Pause bis viertel nach.

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