Begrüssung und Hinführung zum Thema
Guten Morgen. Ich möchte alle ganz herzlich begrüßen zu diesem Bibelstudientag hier in diesen neuen Räumlichkeiten in Hunzenschwil. Herzlich willkommen, und natürlich auch alle, die durch den Livestream zugeschaltet sind.
Alle haben hier ein Skript bekommen. Diejenigen, die über den Livestream dabei sind, können es unterhalb des Bildes downloaden, den Link anklicken und ausdrucken. Dann ist man voll dabei.
Ich lese gleich vor, wie ich das Thema heute umschrieben habe. Es geht ja darum, dass wir in einer Serie alle fünf Säulen des Calvinismus miteinander im Licht der Bibel untersuchen und betrachten. Die erste Säule haben wir letztes Mal betrachtet, in zwei Teilen. Und die erste Säule ist gefallen.
Jetzt kommt die zweite Säule. Nach dem total depravity, der völligen Verdorbenheit, ist sie gefallen, obwohl der Titel richtig ist. Die Bibel lehrt, dass der Mensch völlig verdorben ist. Aber die erste Säule des Calvinismus besagt damit: Und darum kann der Mensch sich gar nicht bekehren, ist gar nicht fähig, auf den Ruf Gottes zu antworten. Wir haben aber gesehen, dass Gott sehr wohl zieht, und dass bei jedem Menschen die Möglichkeit besteht, in eigener Verantwortung auf den Ruf Gottes zu antworten.
Jetzt lautet die zweite Säule bedingungslose Erwählung, auf Englisch unconditional election. Ich habe einleitend dazu auf dem Skript geschrieben, und ich lese einfach vor:
Wir müssen alles, was über die Bibel gesagt wird, jeweils anhand der Bibel überprüfen. So haben es die Gläubigen in Beröa vorbildlich gemacht, Apostelgeschichte 17,11. Von ihnen sagt Lukas, der Schreiber der Apostelgeschichte, sie waren edler als die Juden in Thessalonich, denn die Juden in Beröa haben jeden Tag die Schriften untersucht, um zu sehen, ob das, was Paulus ihnen sagte, mit der Bibel übereinstimmt. Es wird dort auch noch gesagt, sie haben das Wort mit Bereitschaft, mit Bereitwilligkeit aufgenommen. Also zwei Dinge: Offenheit für die Belehrung, aber nicht blindlings, sondern kontrollieren anhand der Schrift. Und genau das machen wir jetzt mit den fünf Säulen des Calvinismus.
Nochmal: So haben es die Gläubigen in Beröa vorbildlich gemacht. In einer Serie von fünf Teilen werden wir die fünf Säulen des Calvinismus einer gründlichen biblischen Überprüfung unterziehen.
Die zweite Säule wird kurz und knapp „Unconditional Election“, bedingungslose Erwählung, genannt. Damit wird ausgesagt, dass Gottes wunderbare Erwählung seiner Kinder von uns in keiner Weise nachvollzogen werden könne und einfach so umschrieben werden sollte: Gott hat es so gewollt. Also Gott habe gewisse Menschen erwählt, einfach weil er es so gewollt hat. Der Entscheid des Vaters sei von Ewigkeit her von keinem anderen Faktor abhängig gewesen, auch nicht von Gottes Vorherwissen. Es wird behauptet, die Erwählung entspringe dem verborgenen Willen Gottes. Es sei einfach geheimnisvoll. Man kann es nicht nachvollziehen, es ist einfach so, wie es ist.
Wir untersuchen das, indem wir 1. Petrus 1,2 lesen. Des Zusammenhangs wegen schon Vers 1:
Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der Zerstreuung von Pontus, Galatien, Kappadokien, Asien und Bithynien, auserwählt nach Vorkenntnis Gottes des Vaters, durch Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi: Gnade und Friede sei euch vermehrt.
Petrus schreibt an Juden, die in der Diaspora, also im Ausland, lebten, in verschiedenen Provinzen der heutigen Türkei. Das Wort Zerstreuung, griechisch Diaspora, ist der Fachausdruck für Juden, die im Ausland leben, anstatt im Land der Verheißung. Und nun schreibt Petrus in diesem Rundbrief an jüdische Gläubige, von denen er, wie wir noch sehen werden, in den weiteren Versen sagt, sie seien wiedergeboren. Da sagt er, sie seien auserwählt von Gott, dem Vater. Und nun wird hier aber gesagt: auserwählt nach Vorkenntnis Gottes.
Und das dürfte nicht stehen, wenn die zweite Säule richtig wäre, unconditional election, bedingungslose Erwählung. Denn hier sehen wir, dass etwas der Erwählung vorangesetzt wird, vorgeordnet ist: auserwählt nach oder gemäß der Vorkenntnis Gottes. Und jetzt haben wir gerade gehört, im Calvinismus wird gesagt, dass die Entscheidung des Vaters zur Auserwählung eben nicht abhängig gewesen sei von seinem Vorherwissen. Und hier steht: nach Vorkenntnis. Das ist Vorherwissen.
Und zwar das griechische Wort, das habe ich auf dem Blatt aufgeführt, heißt Prognosis. Ich lese vor: Die Erlösten wurden auserwählt gemäß der Vorkenntnis Gottes. Vorkenntnis oder Vorherwissen, griechisch Prognosis, zusammengesetzt aus pro, das heißt auf Griechisch vorher. Man darf das nicht verwechseln mit dem Lateinischen; dort heißt pro für. Pro juventute heißt für die Jugend, pro senectute für das Alter. Aber pro im Griechischen, in Prognosis, bedeutet vorher, und gnosis heißt wissen.
Nun dieses Wort kennen wir im Deutschen übernommen aus dem Griechischen: Wetterprognose. Und das ist ja so: Das Wetter wird durch die Wetterprognose nicht im Voraus festgelegt, ob es morgen nochmals einen richtigen Kälteeinbruch geben soll oder nicht. Das wird nicht bei der Wetterprognose beschlossen, sondern bei der Wetterprognose wird im Voraus erkannt, wozu die momentane Entwicklung in der Atmosphäre und so weiter führt. Daraus wird im Voraus erkannt, wie es sein wird. Aber das, was morgen dann geschieht, das ist völlig unabhängig. Ob die nun die Wetterprognose gemacht haben oder nicht, ob sie untätig waren, das Wetter kommt genau gleich heraus. Also das Vorherwissen hat keinen Einfluss auf den Ablauf.
Und das ist nun eben sehr wichtig: Es wird im Voraus erkannt, was kommen wird, ohne das Wetter zu beeinflussen. Und wenn es hier heißt, dass Gott auserwählt hat nach Vorkenntnis, so bedeutet Vorkenntnis nicht, dass Gott etwas schon im Voraus bewirkt hätte, sondern er hat es erkannt. Er hat uns gekannt von Ewigkeit her, und er wusste alles in Bezug auf unsere Person im Voraus. Und gerade was besonders wichtig ist im Zusammenhang mit der Auserwählung, das werden wir noch gleich genauer anschauen.
Aber ich gehe doch schon einen Schritt weiter auf dem Skript: 2. Petrus 3,17. Da kommt das dazugehörige Verb, das Tätigkeitswort, vor: proginosko, also Prognosis ist das Hauptwort und proginosko ist das Verb, zuvor erkennen, im Voraus wissen. Und der Zusammenhang ist nun interessant, und daraus sehen wir, wie Petrus das Wort Prognosis benutzt. Nicht wahr, es ist ja bei uns auch so: Wenn wir miteinander sprechen, merkt man manchmal, dass der Gesprächspartner gewisse Wörter ein bisschen anders gebraucht als wir selber. Also das gibt es, so kleine Nuancen im Gebrauch, die eben personenabhängig sind. Und darum ist es auch wichtig, wenn man Bibel studiert, eben zu sehen, wie die verschiedenen Bibelschreiber ein bestimmtes Wort benutzt haben.
2. Petrus 3: Da geht es um die letzten Tage, die Endzeit. 2. Petrus 3,3: Indem ihr zuerst dies wisst, dass in den letzten Tagen Spötter mit Spötterei kommen werden, die nach ihren eigenen Begierden wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? usw. Also Petrus spricht darüber, wie es sein wird in der Endzeit, in den letzten Tagen. Und dann in Vers 17: Ihr nun, Geliebte, da ihr es vorher wisst, so hütet euch, dass ihr nicht durch den Irrwahn der Frevler mit fortgerissen aus eurer eigenen Festigkeit fallt. Das ist das Wort proginosko.
Die Gläubigen wissen im Voraus, was in der Endzeit kommen wird. Aber sie haben diese Information durch Offenbarung des Wortes Gottes, hier durch Petrus, den Apostel, bekommen. Und darum wissen sie, was kommt. Aber ihr Wissen über das, was in der Endzeit geschieht, beeinflusst nicht die Endzeit. Es kommt nicht so, weil sie es im Voraus wissen, sondern sie wissen, was kommt, und Petrus sagt: Ja, wenn ihr das schon vorher wisst, dann müsst ihr aber aufpassen, dass ihr bei diesen schlimmen Entwicklungen in der Endzeit nicht mitgerissen werdet.
Also, es bestätigt sich: Es bedeutet einfach vorher, im Voraus wissen. Und nun zurück zu 1. Petrus 1,2: auserwählt nach Vorkenntnis Gottes. Gott wusste im Voraus von jedem Menschen, wie er reagieren wird, wenn Gott einmal ihn ruft durch das Evangelium und ihn zu sich zieht.
Wir können nochmals lesen aus Römer 2,4. Das war ein wichtiger Vers letztes Mal:
Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet? Vers 5: Nach deinem Starrsinn und deinem unbußfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf am Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, der jedem vergelten wird nach seinen Werken.
Also hier wird gesagt, dass, wenn ein Mensch zur Buße kommt, das nicht einfach seine Leistung ist, sondern Gott ist so reich in seiner Güte, in seiner Geduld und in seiner Langmut, dass er eben wirkt, dass der einzelne Mensch zur Buße, das heißt zur Sündenerkenntnis und zur Reue, gelangt. Und: weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet? Das macht Gott.
Aber Vers 5 macht klar: Jemand kann diesem Zug Gottes starrsinnig und unbußfertig widerstehen, und dadurch macht er alles schlimmer für die Ewigkeit. Er häuft sich damit noch mehr Zorn auf. Aber hier wird deutlich, dass Gott also auch solche zieht, die einmal verlorengehen. Ja, hier wird ja gesagt: Wenn sie starrsinnig eben widerstehen, dann werden sie am Tag des Zorns eben umso mehr gerichtet werden.
Das ist ein wichtiger Punkt, weil im Calvinismus gesagt wird, dass Gott nur die Auserwählten zieht, also die, die er aus einem unerklärlichen, verborgenen Grund erwählt hat, die sollen gerettet werden, und nur die werden gezogen. Aber das ist im offenen Widerspruch zum Wort Gottes, wo klar wird, dass Gott auch solche zieht, die verloren gehen. Warum? Weil er möchte, dass alle errettet werden. 1. Timotheus 2,4. Und er möchte nicht, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen. 2. Petrus 3,9. Also ein ganz wichtiger Punkt.
Und jetzt wird also klar: Gott weiß aber im Voraus, wie der Mensch, wenn Gott einmal zieht. Wir haben letztes Mal gesehen, Römer 3 sagt: Da ist keiner, der Gott sucht. Also wir hätten Gott von uns aus nicht gesucht, aber er hat gezogen. Und Gott wusste im Voraus, wer schließlich bei diesem Zug nachgeben wird und wer nicht.
Und zu diesem Zug noch ein ganz besonders schöner Vers aus Hosea 11. Wieso raschelt das so laut? Hosea 11,4. Ich lese schon Vers 3:
Und ich gängelte Ephraim, er nahm sie auf seine Arme, aber sie erkannten nicht, dass ich sie heilte. Mit Menschenbanden zog ich sie, mit Seilen der Liebe, und ich wurde ihnen wie solche, die das Joch auf ihren Kinnbacken emporheben, und sanft gegen sie gab ich ihnen Nahrung.
Das ist so lieblich, so gewaltig, wie Gott mit uns umgeht. Und es wird hier gesagt: Mit seiner Liebe hat er gezogen. Aber eben, es gibt die Möglichkeit, diesem Zug zu widerstehen, und da geht man verloren, ewig verloren. Aber es gibt die Möglichkeit, und das ist die persönliche Verantwortung des Menschen, nachzugeben und sich so zur Buße leiten zu lassen von Gott. Und so wird man errettet.
Und nun, Gott wusste das im Voraus. Und aufgrund dieses Vorherwissens hat Gott beschlossen, von Ewigkeit her: diesen, und diesen, und diesen, eben alle die, die nachgeben würden und sich von den Seilen der Liebe Gottes ziehen lassen würden, die sollen meine Kinder werden, die will ich retten. Also: auserwählt nach Vorkenntnis Gottes.
Nun haben wir gesehen, wie Petrus das Wort gebraucht, im ersten und im zweiten Petrusbrief. Und das passt zusammen, dass Prognosis also wirklich heißt: Vorherwissen Gottes, genauso wie in 2. Petrus 3 proginosko bedeutet Vorherwissen von Menschen. Aber das Wort kommt noch mehr vor im Neuen Testament, und zwar Prognosis auch noch in Apostelgeschichte 2,23.
Und wiederum Petrus’ Predigt, also interessant: Wie benutzt Petrus den Ausdruck? Pfingstpredigt von Petrus, 3000 kommen schließlich zum Glauben, und da sagt er in Vers 22:
Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus den Nazaräer, einen Mann von Gott vor euch bestätigt durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte tat, wie ihr selbst wisst. Diesen hingegeben nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen an das Kreuz geschlagen und umgebracht.
Hier geht es also um das Geschehen der Kreuzigung des Herrn Jesus, und der Jesus wurde von Gott in die Hände von Sündern gegeben, um schlussendlich so auf diesem Weg durch seinen Tod am Kreuz das Erlösungswerk zu bewirken. Und hier sagt Petrus, dass dies geschehen ist gemäß dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes.
Jetzt haben wir hier wieder Vorkenntnis Gottes, Prognosis Gottes, aber wir haben hier auch das wichtige Wort boule, Ratschluss. Boule meint das, was Gott in seiner Souveränität beschlossen hat. Und mit Souveränität meine ich: Das ist eben so ein Wort, das nicht alle gleich benutzen, aber da muss man erklären, wie man das Wort genau benutzt. Wenn ich sage, Gott ist souverän, will ich sagen, dass Gott über allem steht und dass er eben als der Höchste handeln und beschließen kann, wie er will. Ja, und da hat also Gott beschlossen.
Aber hier wird auch gesprochen über die Vorkenntnis Gottes, und das ist jetzt wichtig, weil das deutlich macht, dass Ratschluss und Vorkenntnis nicht dasselbe ist. Aber es gehört ganz eng zusammen. Darum steht auch nur im Griechischen der Artikel vor der Ratschluss und Vorkenntnis ohne Artikel. Die zwei Begriffe werden ganz nahe miteinander zu einer Einheit verbunden, aber sie sind unterscheidbar. Der Ratschluss ist nicht dasselbe wie die Vorkenntnis.
Was bedeutet das? Gott hat nicht bestimmt, diese und diese Menschen, zum Beispiel Kajaphas, der Hohepriester, und all diese Ältesten und Pharisäer und Sadduzäer im Sanhedrin, im obersten Gerichtshof, die müssen Christus verwerfen und kreuzigen. Nein, das war ihre eigene Entscheidung in Bosheit. Das hat Gott nicht entschieden, das haben sie selber entschieden. Und das wusste Gott im Voraus. Aber Gott hätte machen können, dass zum Beispiel der Hohepriester Kajaphas am Vorabend der Kreuzigung einen Herzinfarkt hätte, dann hätte er das nicht tun können.
Aber Gott hat beschlossen: Diese Menschen wollen das tun, und dann werden sie es auch tun. Ich drücke mich ganz bewusst und sorgfältig aus: die werden es auch tun. Und so hat Gott beschlossen, dass auf diesem Weg über diese Verwerfung, die aber in absoluter Eigenentscheidung geschehen ist, dann eben die Kreuzigung stattfinden wird, und dann würde der Herr Jesus in den Stunden der Finsternis das Lamm Gottes werden, das die Sünden der Welt trägt. So sind Ratschluss und Vorkenntnis zusammen. Aber interessant: Wieder Petrus benutzt das Wort Prognosis genau in diesem Sinn.
Jetzt eine weitere Stelle: Prognosis kommt dreimal vor. Ein kleiner Fehler, nicht Prognosis, sondern jetzt Apostelgeschichte 26,5, das ist auch proginosko, das Verb. Und zwar ist der Apostel Paulus vor König Agrippa im Gerichtssaal, und er legt Zeugnis ab über seine Bekehrung. Und da sagt er in Apostelgeschichte 26, ab Vers 4:
Mein Lebenswandel nun von Jugend auf, der von früher her unter meiner Nation und in Jerusalem gewesen ist, ist allen Juden bekannt, die mich von Anfang an kennen, wenn sie es bezeugen wollen, dass ich nach der strengsten Sekte unserer Religion als Pharisäer lebte.
Jetzt merkt man: proginosko ist hier übersetzt mit „von Anfang an kennen“. Es ist eben so: pro, habe ich erklärt, bedeutet auf Griechisch vorher, oder es kann eben auch bedeuten früh oder früher, zum Beispiel sagt man pro am Morgen, das heißt früh am Morgen auf Griechisch, auf Altgriechisch. Also hier wird das in dem Sinn benutzt, dass der Apostel Paulus die, die eben von Anfang an oder von früh an mich schon gekannt haben, die wissen, wie mein Lebensweg war. Ich wurde erzogen zu den Füßen eines der größten Rabbiner, Gamaliel, in Jerusalem, im Rahmen der Religionsgruppe der Pharisäer. Also das sagt er: die mich kennen. Einfach Wissen nicht von jeher, aber doch vorher, nämlich von ganz früh an.
Und weiter: Schlagen wir auf Römer 8,29. Da finden wir die sogenannte goldene Kette. Die Reformatoren haben das genannt die goldene Kette, denn:
Welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber zuvor bestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.
Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?
Sehen wir diese fünf Glieder der Kette: Das erste ist zuvor erkennen, und dann zuvor bestimmen. Und dann, Vers 30, berufen und weiter rechtfertigen und schließlich verherrlichen. Fünf Glieder der Kette. Und nun eben wichtig: Das sind zwei verschiedene Glieder der Kette, zuvor erkennen und zuvor bestimmen. Und wiederum der zuvor Bestimmung, ein Akt der Auserwählung, wird vorgeordnet: zuvor erkennen. Und darum habe ich gesagt, die zweite Säule, die ist gleich am Anfang gefallen, mit 1. Petrus 1,2. Es ist nicht richtig zu sagen: bedingungslose Erwählung, wenn die Bibel sagt: Nein, zuerst ist die Vorkenntnis da und dann die Auserwählung beziehungsweise hier die zuvor Bestimmung.
Und nun müssen wir noch Römer 11,2 dazunehmen. Dort haben wir auch das Verb proginosko. Ich beginne des Zusammenhangs wegen in Vers 1:
Römer 11,1: Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit aus dem Geschlecht Abrahams, vom Stamm Benjamin. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erkannt hat.
Oder wisst ihr nicht, was die Schrift in der Geschichte Elias sagt? usw.
Also hier wird gesagt, dass Gott sein Volk nicht verstoßen hat. Das ist, kann man sagen, der Todesstoß für die Bundestheologie. Die Bundestheologie sagt, Israel als Nation sei auf die Seite gestellt worden durch die damalige Verwerfung, und nun sei die Gemeinde an ihre Stelle getreten, und Juden nur insofern, als sie eben Teil der Gemeinde werden durch Bekehrung. Aber hier wird eben gerade das Thema eingeführt in Römer 11: Das ist nicht wahr. Gott hat mit der Nachkommenschaft Abrahams, Isaaks und Jakobs einen Heilsplan, und den wird er auch bis zum Ende ausführen.
Und hier wird also gesagt: Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erkannt hat. Da heißt es nicht, dass er zuvor bestimmt hat, sondern zuvor erkannt hat. Das heißt, Gott hat gesehen, was in der Zukunft geschehen wird, und er wusste zum Beispiel auch, dass ganz am Ende der Heilsgeschichte in der großen Drangsal zwei Drittel im Land Israel umkommen werden. Aber ein Drittel, das wären nach den heutigen Zahlen schon weit über zwei Millionen, die werden sich bekehren. Und darum sagt dann Paulus in Römer 11: Ganz Israel wird errettet werden.
Aber Gott hat das alles im Voraus erkannt, und darum hat er dieses Volk nicht verstoßen, von dem er genau wusste im Voraus, was geschehen wird, und dass einmal wirklich ein Israel hier auf Erden sein wird, das nur aus bekehrten, wiedergeborenen Menschen bestehen wird. Ganz Israel wird gerettet werden. Das ist Römer 11,25:
Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet, dass Israel zum Teil Verhärtung widerfahren ist, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen ist. Und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: Aus Zion wird der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeit von Jakob abwenden; und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.
Gott wird einen neuen Bund schließen mit dem bekehrten Israel, und das hat Gott im Voraus gewusst. Und wie kann jemand denken, Gott hätte sein Volk verstoßen, von dem er ganz genau weiß, dass sein Ratschluss, einmal ein bekehrtes Israel zu haben, das haben wir im Alten Testament nie gehabt, ab dem Auszug aus Ägypten. Das war immer eine Mischung von Gläubigen und solchen, die nicht bekehrt waren, nicht glaubten. Durch die ganze Geschichte bis heute. Aber Gott hat sein Volk eben im Voraus erkannt. Es wird so kommen, dieser Ratschluss wird in Erfüllung gehen, und Gott wird den neuen Bund mit diesem bekehrten Israel, und zwar eben dem wörtlichen Volk Israel, dem Volk, das zurückgeht auf Abraham, Isaak und Jakob, einen neuen Bund schließen.
Ja, jetzt haben wir alle Stellen betrachtet. Nun muss man auch wissen: Calvinisten würden sagen, ja, aber da in Römer 8, proginosko, das muss man anders verstehen, nicht als Vorherwissen, sondern das muss man verstehen als liebevolles Zuwenden und Planen. Wie kommen sie darauf? Nirgends in der griechischen Literatur – wir haben eine umfassende altgriechische Literatur aus der Antike, die immer noch da ist, und da kann man ja sehen, wie wird ein bestimmtes Wort gebraucht. Und darum wird in den altgriechischen Wörterbüchern Prognosko eben übersetzt mit „im Voraus wissen“, „im Voraus erkennen“ usw. Aber nicht mit „liebevoll sich zuwenden und festlegen“. Wie kommen die darauf?
Ja, das ist ja biblisches Griechisch, nicht außerbiblisches Altgriechisch. Und die biblischen Schreiber, die haben eben im Rahmen des Alten Testaments gedacht, und im Hebräischen ist es ja so: Das Wort jada, wissen, kennen, erkennen, das kann ja gebraucht werden, nicht nur einfach für Wissen, für Information, sondern wenn es heißt in 1. Mose 4, Adam erkannte seine Frau und sie wurde schwanger, dann bedeutet erkennen eine schöne Umschreibung der geschlechtlichen Vereinigung in der Ehe, die eben eine Vereinigung ist von Geist, Seele und Körper. Und das wird im Hebräischen bezeichnet mit jada, wissen.
Und darum sei eben im Neuen Testament, wenn von Wissen, ginosko, die Rede ist, habe das eben oft diesen Sinn, dass es um ein liebevolles, um eine Gemeinschaft, eine Beziehung geht, und proginosko im Voraus eben liebevoll sich zuwenden. Ja, aber das Wort wird so im Altgriechischen nicht gebraucht. Ja, aber im Neuen Testament. Ja gut, jetzt stellt sich die Frage: Ist es wirklich so, dass im Neuen Testament diese Wörter plötzlich eine andere Bedeutung haben als sonst im Griechischen, weil es eben dann gut passen würde in die kalvinistische Lehre? Das ist ein Problem.
Und zwar ist es nämlich so: Wenn man zum Beispiel KI befragt, was bedeutet proginosko im Altgriechischen, dann kommt Vorauswissen usw. Aber wieso gibt es denn Calvinisten, die sagen, proginosko bedeutet liebevoll sich zuwenden und festlegen? Das tun sie nicht aufgrund von sprachlichen Gegebenheiten, sondern aufgrund ihres Systems. Also man hat ein System, und dann werden die Wörter so geformt nach diesem System. Das ist das Problem. Sprachlich geht das nicht.
Und jetzt wollen wir auch noch schauen: Jetzt könnte man sagen, ja, aber ganz wichtig war ja auch noch die Septuaginta. Die Septuaginta ist die älteste Übersetzung des hebräischen Alten Testaments auf Griechisch. Sie entstand im dritten Jahrhundert vor Christus in Alexandria in Ägypten, von Juden übersetzt. Ja, und im Neuen Testament, wenn Verse aus dem Alten Testament zitiert werden auf Griechisch, wird oft der Text der Septuaginta benutzt. Nicht immer, die Bibelschreiber haben auch eigene Übersetzungen, aber oft sieht man: Das ist genau der Text der Septuaginta oder fast der Text der Septuaginta. Es gibt alle Nuancen.
Nun, die Septuaginta hat eine spezielle Sprache. Eben das war die griechische Bibel, die Juden besonders im Ausland in der Antike gelesen haben, und diese Bibel haben auch die Apostel benutzt, auf Griechisch, um zu predigen und eben auch um im Neuen Testament zu schreiben. Und jetzt ist die Frage: Wie verwendet die Septuaginta das Wort proginosko? Ich habe hier alle Stellen wiedergegeben, es sind gar nicht viele, und zwar kommen die nur in den Apokryphen vor.
So, eben die Septuaginta hat das ganze Alte Testament zum Inhalt, alle biblischen Bücher. Aber die Septuaginta-Übersetzer haben noch weitere jüdische Schriften aus der Zeit nach Maleachi, dem letzten Propheten, also 400 v. Chr. und noch vor dem Neuen Testament, geschrieben, die haben sie auch übersetzt. Aber im Judentum wusste man, dass die nicht zur Bibel gehören. Im Talmud, im Traktat Sanhedrin, heißt es: Nach dem Tod der Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi wich der Heilige Geist von Israel. Also es war ihnen klar, es gibt keine Propheten mehr, Schriftpropheten.
Und in dieser Zeit, wo es keine Schriftpropheten mehr gab, wurden eben auch Bücher geschrieben wie zum Beispiel Judith, Weisheit oder 1. Makkabäer, 2. Makkabäer und so weiter. Also diese Bücher, die im Judentum ganz klar abgelehnt wurden als biblische Bücher, die wurden auch auf Griechisch übersetzt und der Septuaginta quasi hinzugefügt. Und da wird das Wort Prognosis und proginosko verwendet.
Jetzt lese ich aus Judith 9,6. Da wird zu Gott gesagt:
Und die Dinge, die du beschlossen hattest, standen da und sprachen: Siehe, hier sind wir, denn alle deine Wege sind bereitet, und dein Gericht ist bekannt in der Vorkenntnis.
Also hier wird gesagt, dass Gott Dinge von früher her beschlossen hat, dass er die Wege, die kommen sollten, vorbereitet hat, und das Gericht, das er ausüben würde, das war schon in seiner Vorkenntnis bekannt. Aber da ist nicht der Gedanke drin von liebendem Sich-Zuwenden, sondern einfach: Gott weiß im Voraus, welche Gerichte einmal von ihm über die Welt gebracht werden sollten, über die Menschen.
Dann haben wir weiter in Judith 11,19 einen interessanten Vers, und dort spricht Judith zu Holofernes. Holofernes ist im Buch Judith der General der Armee von Nebukadnezar, und sie sagt ihm etwas voraus, wie es kommen wird, und sagt, das habe Gott ihr mitgeteilt. Und jetzt der Vers:
Das alles wurde mir gesagt zu meiner Vorkenntnis, und es wurde mir mitgeteilt, und ich bin gesandt, es dir mitzuteilen.
Versteht man: Prognosis wird gebraucht im Sinne von Judith wusste das im Voraus, weil Gott es ihr gesagt hatte. Das ist im Prinzip das Gleiche wie 2. Petrus 3, weil Petrus eben durch göttliche Offenbarung den Gläubigen mitteilen konnte, was in der Endzeit geschieht. Können wir das im Voraus wissen? Oder konnten die Gläubigen das schon vor zweitausend Jahren wissen?
Und weiter, jetzt in dem Buch Weisheit 6,13: Da geht es um die Weisheit, die Weisheit Gottes. Da heißt es:
Die Weisheit eilt, dass sie von denen, die sie begehren, früh erkannt wird.
Das ist das proginosko im Passiv, erkannt werden. Aber jetzt merkt man: pro hat hier nicht den Sinn von vorher, sondern früh. Also die Weisheit möchte, dass die Gläubigen, die Weisheit haben möchten von Gott, dass sie die auch ganz früh schon erkennen. Das ist also ganz im Sinn von Apostelgeschichte 26,5, wo Paulus sagt: Also die, die mich von früher her kennen, die wissen, wie mein Lebenswandel gewesen war.
Und weiter, Weisheit 8,8: Sie, es geht um die Weisheit, kennt Zeichen und Wunder im Voraus, Prognosko, und die Erfüllung von Zeitpunkten und Zeiten. Also auch da geht es nicht um liebevolle Zuwendung und Gemeinschaft, sondern es geht darum, die Weisheit weiß im Voraus, welche Zeichen und Wunder Gott einmal in der Heilsgeschichte tun würde, und weiß auch die Erfüllung von prophezeiten Dingen für bestimmte Zeitpunkte und Zeitabschnitte.
Dann Weisheit 18,6: Es geht um die Nacht des Auszugs aus Ägypten, aus Pithom und Ramses im Nildelta, und da heißt es von dieser Nacht:
Diese Nacht wurde unseren Vätern im Voraus bekannt gemacht, damit sie ermutigt seien, indem sie mit Sicherheit wüssten, welchen Eidversprechen sie geglaubt hatten.
Auch da wird gesagt, dass eben die Israeliten in Ägypten im Voraus wussten, dass eine ganz bestimmte Nacht festgelegt ist von Gott, da werden sie mit erhobener Hand ausziehen aus Ägypten. Und auch da bedeutet es im Voraus wissen, damit sie wissen: Gott hat in einem Eid Abraham, Isaak und Jakob versprochen, dass einmal das Volk Israel aus der Sklaverei hinausgeführt werden sollte. Das haben sie geglaubt.
Also der Gebrauch der Septuaginta bestätigt genau den Gebrauch, wie das ist in der altgriechischen Literatur: proginosko im Vorauswissen, Prognosis, Kenntnis im Voraus oder von früher her.
Im bewährten Menge-Wörterbuch – ich habe unzählige Wörterbücher des Altgriechischen, so viele, ich weiß gar nicht wie viele, ich habe sie ja nie gezählt – aber eines ist so ein Geheimtipp: das Wörterbuch von Hermann Menge. Und zwar hat der Mann eine ganz interessante Lebensgeschichte gehabt. Er war ein griechischer Spezialist, er war religiös, er ging in die Kirche, aber er war nicht bekehrt. Er hat sich wirklich erst im Alter bekehrt und dann auch noch seine Menge-Bibelübersetzung gemacht. Ja, aber das Wörterbuch – ich wollte ja nicht seine Lebensgeschichte erzählen – ist doch schön: eben ein Mann, der sich mit Griechisch und auch mit dem griechischen Neuen Testament so ein Leben lang beschäftigt hat, aber nicht bekehrt war und sich dann wirklich bekehren konnte. Aber sein Wörterbuch ist eben ausgezeichnet durch sehr, sehr viele Bedeutungen für einzelne Wörter. Es gibt manchmal griechische Wörterbücher, die sind so enttäuschend, da hat man für ein Wort vielleicht zwei, drei Bedeutungen und das war’s. Und bei ihm typischerweise eine Fülle von Bedeutungen.
Und jetzt zum Beispiel bei proginosko schreibt er: im Voraus erkennen, kennenlernen, vorher erfahren, einsehen, bedenken, vorauswissen, also vorher erfahren, vorher einsehen, vorher bedenken, richtig verstehen und vorauswissen. Und dann macht er zweitens ein Kreuz und sagt quasi: im biblischen Gebrauch bedeutet das ... Und dann kommt das Ähnliche, wie ich das schon erklärt habe im Calvinismus. Aber wie kommt er darauf? Ja, nur eben, weil es dieses Denksystem gibt. Also das proginosko könnte bedeuten im Neuen Testament liebevolles Sich-Zuwenden und so bestimmen, aber nicht, weil es in der altgriechischen Literatur so belegt wäre. Also es ist wirklich: Nur weil man ein System hat, müssen jetzt die Wörter auch so gebogen werden. Und das geht nicht.
Und zwar warum nicht? Weil es eben den anderen Bibelstellen klar widerspricht, dass es ebenso ist: Gott hat die ganze Welt geliebt und seinen Sohn gegeben, und nicht nur einen Teil der Menschheit. Also Johannes 3,16: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Und das ist ganz klar im Widerspruch zum Calvinismus, wenn man sagt: Nein, Gott hat eigentlich nur einen Teil der Menschheit geliebt. Das geht nicht. Und das können wir nie akzeptieren, das greift das Evangelium an. Und dann können wir doch nicht, weil es mit Johannes 3,16 eben für sie nicht passt, dann plötzlich Wörter biegen, damit sie im Neuen Testament etwas anderes bedeuten.
Das bedeutet proginosko einfach: Gott wusste im Voraus. Und damit wird eben auch klar, dass Gott wirklich Liebe ist. Er möchte, dass alle Menschen errettet werden, 1. Timotheus 2,4, 2. Petrus 3,9. Aber es gibt keine Allversöhnung. Die Allversöhnung ist eine Irrlehre, die mir sagt: Am Schluss kommen alle, alle, alle in den Himmel. Nein, darum sagt Johannes 3,16: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Der Einzelne muss sich entscheiden und bekehren, aber sein Willensentscheid ist eben entscheidend. Und Gott wollte eben keine Computer. Computer kann man programmieren, und dann machen sie, falls man nicht noch kleine Fehler macht, das, was man will. Ja, aber wir sind auch keine Marionetten, die einfach das machen, wo die Fäden ziehen, sondern Gott hat uns als würdevolle Geschöpfe erschaffen, die eine eigene Person sind, einen eigenen Willen haben. Und Gott wollte von uns geliebt werden, nicht weil wir so programmiert sind, sondern weil wir ihn lieben wollen. Und das macht ja auch eine Ehe wertvoll. Wenn die Frau einfach programmiert ist, das ist nicht so toll, echt nicht. Und umgekehrt auch nicht, nicht wahr, es gibt auch dressierte Männer, aber nein: Eine Entscheidung, ein Wille, das macht Liebe wirklich wertvoll.
Und so hat Gott uns erschaffen, aber er hat allen Menschen die Möglichkeit gegeben, er gibt allen Menschen die Möglichkeit, errettet zu werden, und wenn wir verloren gehen, dann ist es unsere Schuld. Wir kommen auf diesen Punkt zurück. Jetzt sehe ich gerade, ich habe das Skript nur Seite eins von zwei. Hilfst du mir aus? Vielen, vielen Dank!
Ja, wir gehen nochmals zu Römer 2,4:
Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet? Nach deinem Starrsinn und deinem unbußfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf am Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, der jedem vergelten wird nach seinen Werken.
Also wie gesagt, Gott wusste im Voraus, wer bis zum Ende störrisch bleiben würde, wenn er ihn in seiner Güte zur Buße hinziehen würde. Und diese Güte ist wieder eine Umschreibung der Liebe Gottes, seine Güte, und zwar heißt es hier der Reichtum seiner Güte, seine Geduld, seine Langmut. Und mit dieser Güte Gottes wird der Mensch zur Buße geleitet. Aber der Mensch kann widerstehen, weil Gott uns eben als wirkliche Personen erschaffen hat.
Nun, Gott wusste alles im Voraus. Und wenn wir Matthäus 11 aufschlagen, dann sehen wir, dass Gottes Allwissenheit noch viel großartiger ist. Gott weiß nämlich nicht nur alles im Voraus, was kommen wird, sondern auch, was gekommen wäre, wenn ...
Matthäus 11,20: Der Jesus spricht, nachdem erklärt wird: Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen seine meisten Wunderwerke geschehen waren, weil sie nicht Buße getan hatten. Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch. Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden. Denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag. Doch ich sage euch: Dem Land von Sodom wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir.
Hier geht es um diese drei Städte, die zusammen so ein Dreieck bilden: Chorazin, Bethsaida und Kapernaum. Der Herr hatte dort besonders viele Wunderwerke getan als Messias, und trotzdem ist er da auf besonders viel Widerstand gestoßen. Und der Herr sagt: Wäre das, was in Chorazin und in Bethsaida geschehen ist, im Libanon geschehen, in Tyrus und in Sidon, in diesen südlibanesischen Städten, übrigens heute Hochburgen der Hisbollah, dieser Terrorarmee, dann hätten die ein Bußereignis gemacht und hätten sich also kollektiv da gebeugt in Sack und Asche. Und der Herr sagt: Wenn das gleich geschehen wäre in Sodom damals, hätten die Leute von Sodom gerade einen öffentlichen Buß- und Bettag veranstaltet.
Also der Herr wusste, was geschehen wäre, wenn ... Wenn man sich das so ganz konkret überlegt, wenn man sich überlegt: Wäre ich nicht geboren am 4.9.58 in Zürich, dann wäre ich vielleicht geboren worden 1887 in Moskau, in einer ... Jetzt könnte ich noch die Familie beschreiben usw. Und Gott wüsste genau, wie mein Leben verlaufen wäre. Oder ich überlege mir: Ich wäre geboren worden 1517 in Bombay in einer hinduistischen Familie. Und Gott weiß genau, was aus meinem Leben geworden wäre. Aber es ist ja nicht so geschehen. Jeder kann sich das von sich vorstellen, und alle Kombinationen, und Gott weiß alles im Voraus. Das ist Allwissenheit.
Und eben Gott wusste im Voraus, was in unserem Leben geschehen würde, wenn er uns rufen würde, und wie wir reagieren würden. Und da, wo er wusste: Ja, er, sie wird sich bekehren, dann wird das eben auch so sein, dass die sich bekehren. Und Gott hat beschlossen: Und die möchte ich als meine Kinder annehmen.
Jetzt machen wir Pause, eine Viertelstunde.
