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Der Sünde gestorben

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 21/33
21.09.2025Römer 6,1-4
SERIE - Teil 21 / 33Wir betrachten den Römerbrief
Sünde regiert nicht mehr – wirklich? Wie kann Gnade so stark sein, dass sie selbst in unserem Alltag gewinnt? Dieser Text zeigt, dass Christen durch ihre Verbindung mit Jesus der Sünde „gestorben“ sind – radikal und endgültig. Warum also kämpfen wir manchmal trotzdem noch gegen Versuchungen? Entdecke, wie echte Freiheit von der Sünde aussieht und warum du nicht selbst „der Sünde sterben“ musst, sondern schon tot für sie bist. Wie verändert diese Wahrheit dein tägliches Leben?

Guten Morgen, liebe Gemeinde! Guten Morgen auch an alle, die sich zugeschaltet haben. Wir freuen uns, heute mit dem Römerbrief weiterzumachen. Was für ein Brief!

Lasst uns aufstehen! Römer 6,1-4.

Einführung in das Thema der Gnade und Sünde

Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde? Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?

Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir in Christus Jesus hineingetauft sind, in seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit wir, gleich wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, auch in einem neuen Leben wandeln. Amen!

In Kapitel 5 hat der Apostel dargelegt, dass es für Gott nur zwei Gruppen von Menschen gibt: Entweder du bist in Adam oder du bist in Christus. Unter Adam, dem ersten Stellvertreter der Menschheit, sind alle Menschen zunächst einmal versammelt. Doch weil Adam das Gebot Gottes missachtete und übertrat, kam durch die Sünde des einen die Sünde in die Welt und mit der Sünde der Tod zu allen Menschen. Das ist der Grund, warum wir alle sterben.

Aber wir haben gelernt, dass es noch einen zweiten Adam gibt: Jesus. Durch den Glauben an ihn verbindet dich der Heilige Geist so sehr mit Christus, dass fortan Jesus dein Stellvertreter, dein Haupt, dein Bundeshaupt ist. Während unter Adam der Tod herrscht, herrscht unter Jesus die Gnade. Während unter Adam die Sünde regiert, regiert unter Christus die Gerechtigkeit.

In Kapitel 5, Vers 21, dem Vers vor unserem Predigttext, heißt es: „Damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“

Es gibt also zwei Gruppen: Bist du in Adam, ist die Sünde dein Herrscher. Bist du in Christus, ist die Gnade dein Regent.

Die Herrschaft der Gnade im Christenleben

Unser Predigtabschnitt, jetzt ab Kapitel 6, Verse 1 bis 4, lehrt uns erstens, dass diese Gnade auch in der Heiligung, in deinem täglichen Wandel und in deiner Nachfolge herrscht.

Zweitens zeigt uns der Text, wie diese Gnade herrscht, indem sie uns deutlich macht, dass wir der Sünde gestorben sind. Darüber sprechen wir dann im zweiten Punkt und was dies bedeutet.

Erstens: die absolute Herrschaft der Gnade in allen Bereichen deines Christenlebens, auch in deiner Heiligung. Unter Adam haben wir gesehen, dass die Sünde ein furchtbarer Tyrann ist. Christus hingegen bringt die Gnade. Diese Gnade, und das haben wir vor zwei Wochen beleuchtet, ist im Leben eines Gläubigen unaufhaltsam. Nichts und niemand kann sie stoppen. Kein Staudamm deiner Sünde hält die Gnade zurück.

Wo die Sünde groß ist, ist die Gnade überströmend. Sie ist unaufhaltsam. Überströmend signalisiert auch, dass sie nicht erschöpfend ist. Es ist keine Pfütze, aus der Gott Gnade auf dich träufelt, sondern ein unendliches Meer seiner Gnade. Keine Sünde, die du begehen kannst, hindert seine Gnade daran, dir nachzueilen, dich auf den Weg zurückzubringen und dich in der Heiligung voranzutreiben.

Sie ist unaufhaltsam, sie ist nicht erschöpfend, und sie herrscht. Sie herrscht unangefochten, sie regiert.

Sie herrscht in deiner Bekehrung. In Römer 9,15 heißt es: "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich."

Die Herrschaft der Gnade zeigt sich bei deiner Bekehrung. Sie bringt dich als Gläubigen garantiert immer wieder zurecht, auch auf dem Weg. Denn sie wirkt sowohl das Wollen als auch das Vollbringen, wie es in Philipper 2,13 heißt.

Und sie herrscht sogar bis zu deiner Vollendung. Bis du das Ziel erreicht hast, gibt es keinen Herrschaftswechsel im Leben eines Christen. Die Gnade herrscht, denn das gute Werk, das sie angefangen hat, wird sie auch vollenden (Philipper 1,6).

Übergang zu Kapitel 6: Die praktische Bedeutung der Gnade im Alltag

Paulus beginnt hier in Kapitel 6 einen neuen Abschnitt. Zuvor sprach er im Römerbrief intensiv über die totale Verdorbenheit des Menschen. Er stellte fest, dass niemand gerecht ist, auch nicht einer. Es gibt keinen, der nach Gott fragt. Ihre Kehlen sind wie ein offenes Grab – das haben wir gehört.

Im nächsten Abschnitt lobte er dann die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben an Jesus Christus kommt. Jesus hat diese Gerechtigkeit stellvertretend für uns am Kreuz von Golgatha erworben. Sie wird uns allein aus Glauben zugerechnet, ohne Werke.

Nun wendet sich Paulus einem neuen Thema zu. Er diskutiert: Wir haben verstanden, dass wir durch und durch Sünder sind. Die Gerechtigkeit Christi wird uns durch den Glauben zugerechnet. Aber was bedeutet das für mein tägliches Leben? Was bedeutet es für meinen Wandel, für meine Nachfolge und für meine Heiligung?

Wir lernen heute, dass auch in der Heiligung die Gnade herrscht. Denn in Römer 5,20, der vorletzte Vers vor unserem gelesenen Text, heißt es: „Wo sich das Maß der Sünde voll auswirkte, ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.“ Dieser Satz hat es in sich. Nimm ihn dir zu Herzen.

Die Neue Genfer Übersetzung gibt es so wieder: „Wo sich das Maß der Sünde in vollem Maß auswirkte, ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.“ Mit anderen Worten: Dort, wo die Sünde groß ist, ist die Gnade noch viel größer.

Die Herausforderung der Gnadenlehre und die Antwort Paulus’

Nun, Paulus ahnte, dass, wenn er so einen Satz niederschreibt, in den Gedanken seiner Leser – und ich vermute auch in denen des einen oder anderen hier – etwas ausgelöst werden kann. Also schreibt er und nimmt die Frage, die im Raum steht, jetzt vorweg: Kapitel 6, Vers 1: Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde?

Wenn also die Sünde in vollem Maß sich auswirkt und die Gnade dann umso größer ist, kann es sein, dass der eine oder andere meint: „Na, dann kann ich ja weiter sündigen.“ Paulus, deine Gnadenlehre führt zur Ungesetzlichkeit! Paulus, dieses Evangelium der Gnade führt doch dazu, den Gläubigen zu motivieren, in der Sünde zu verharren, denn je mehr er sündigt, desto größer die Gnade. Also kitzeln wir, wenn wir es mal so nennen wollen, aus Gott noch mehr Gnade heraus – was ja positiv ist –, wenn wir noch mehr sündigen.

Paulus, es wäre besser, wenn du der Gnade Grenzen setzt! Ähnliches wird auch gedacht und diskutiert bei einer anderen Lehre, nämlich der Wahrheit von der Bewahrung der Gläubigen. Die Bibel erklärt uns, dass Gott vor Grundlegung der Welt seine Kinder zum Heil auserwählt hat. Sie erklärt uns auch, dass er dafür sorgen wird, dass sie das Ziel erreichen. Weil das Heil nicht in ihnen verankert ist und nicht von ihren schwankenden Emotionen abhängt, sondern von einem souveränen Ratschluss, den Gott vor Grundlegung der Welt gefasst hat.

Wir haben eben gelesen: Wer das gute Werk begonnen hat, der wird es auch vollenden. Und Jesus hat doch auch gesagt, dass seine Schafe in Ewigkeit nicht verlorengehen, dass niemand sie aus seiner Hand reißen kann und dass niemand sie aus der Hand des Vaters reißen kann. Auch hier kommen Kritiker und sagen: „Oh, das kann man so nicht sagen. Wenn du die Bewahrung der Gläubigen in dieser Weise predigst, dann sagst du ihnen eigentlich, dass sie sündigen können, wie sie wollen, denn am Ende wird schließlich doch alles in Ordnung sein.“

Also – und das ist jetzt echt wichtig – meint man häufig, auch gut gemeint, das Evangelium der Gnade ein wenig einzuzäunen, damit bloß niemand zu falschen Schlüssen kommt und in der Sünde verharrt oder sich zu sicher fühlt. Man will dem Evangelium der Gnade etwas zufügen, man will es nicht so stehen lassen. Man sagt: Die Gnade allein genügt nicht. Oder anders ausgedrückt: Die Gnade herrscht nicht. Sie ist ein schwacher Herrscher, sie braucht Unterstützung von uns. Wir müssen etwas tun.

Das ist nicht nur bei Gesetzeslehrern so. Wenn wir die Gesetzeslehren hören, denken wir an die Pharisäer und Schriftgelehrten usw. Dieses Denken war bei den Galatern verbreitet, dieses Denken war bei den Römern verbreitet, dieses Denken war in der ersten Gemeinde verbreitet, dieses Denken ist über die Kirchengeschichte immer und überall verbreitet gewesen. Dieses Denken herrscht auch in unseren Köpfen häufig vor: Wir müssen etwas tun, wir müssen mit unseren Anstrengungen dafür sorgen, nicht in der Sünde zu bleiben.

Das denkst du auch. Ich kenne dich, weil ich mich kenne. Es braucht doch unsere Bemühungen, das Ziel bei Gott zu erreichen. Die Hauptkritik an Paulus hier lautet also: Paulus, wenn du sagst: „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden“, dann lässt du zu sehr die Zügel los. Du verlierst die Kontrolle über die Kirche. Du musst Grenzen ziehen! In der Gemeinde wird es drunter und drüber zugehen, es wird einen Haufen von Gesetzlosigkeit geben.

Die Kritiker haben Angst vor Kontrollverlust und wollen daher die Gnade regeln und Regeln beimischen. Aber Paulus lässt das nicht durchgehen. Auch das müssen wir echt verstehen, immer wieder neu verstehen. Paulus fühlt sich nicht veranlasst, jetzt auf diese Kritik einen Schritt zuzugehen und zu sagen: „Na ja, okay.“ Ganz im Gegenteil: Er stellt eine Gegenfrage.

Die Unmöglichkeit, in der Sünde zu verharren

Kannst du, wenn du ein Christ bist, wirklich gerettet sein und gleichzeitig im System der Sünde verharren? Das ist die Frage. Ist das möglich? Kannst du ein wiedergeborenes Gotteskind sein und dieselbe Beziehung zur Sünde haben wie damals, als du noch in Adam warst?

Die Antwort lautet: Das sei ferne.

Mit anderen Worten: Keinesfalls, niemals! Dieser Gedanke ist dem Apostel zuwider. Nein, nein, nochmals nein! In der Sünde zu verharren und in ihr zu leben, als wäre nichts passiert, nachdem du aus Adam heraus in Christus hineingepflanzt wurdest, ist nicht nur nicht gestattet, sondern sogar unmöglich.

Wir sehen das, wenn wir Paulus lesen. Wir haben den Eindruck, er ist ein sehr strukturierter Mensch. Vielleicht hast du manchmal auch den Eindruck, er sei sehr kopfgesteuert. Aber er kann auch emotional sein, sehr emotional sogar. Hier gibt er seinen emotionalen Raum frei, denn die Wahrheit Gottes lässt unsere Emotionen nicht kalt.

Paulus hatte ein sehr feines Gespür für Gedanken, für Worte und für Lehren, die sich gegen das Evangelium der Gnade richteten. In Galater 1 zum Beispiel fängt er gleich an: "Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkünden würden als das, was wir euch verkündigt haben, was dann? Der sei verflucht!" Und dann wiederholt er es noch einmal: "Ich sag's noch einmal, der sei verflucht!"

Wenn das Evangelium der Gnade untergraben wird, dann steht Paulus buchstäblich aus den Socken auf, um es so zu sagen. Er steht gerade und wird fast emotional. "Das sei fern, das sei fern!" Denn er erkennt, dass von zwei Seiten versucht wird, das Evangelium anzugreifen.

Die eine Seite bilden die Gesetzeslehrer. Sie predigen, dass die Gnade unsere Unterstützung braucht, weil sie aus ihrer Sicht nicht umfassend herrscht. Die andere Seite wird von den Liberalen gebildet, die rufen: "Ja, Paulus, predige weiter! Wir können einfach weiter sündigen, es gibt gar keine Grenzen."

Die Antwort des Apostels in beide Richtungen lautet: Das sei ferne! Auf keinen Fall!

Die Begründung für das Sterben der Sünde

Zweitens: Was ist denn jetzt die Begründung „der Sünde gestorben“?

Statt die Gnade zu relativieren, untermauert der Apostel seine starke Verneinung mit reichhaltigen Gedanken, die uns noch tiefer in die Herrlichkeit der Gnade führen.

Was wäre deine Antwort auf die Frage: Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde? Was würdest du einem Neubekehrten oder deinem Teenager-Kind sagen, das anfängt, theologisch zu denken? Das Kind reibt sich schon die Hände und sagt: „Yeah, ich kann machen, was ich will.“ Was antwortest du?

Nun, einige von uns – und vielleicht alle – würden sagen: „Junge, Mädel, das sei ferne, richtig.“ Aber warum ist das ferne? Instinktiv wissen wir, dass da etwas nicht stimmt. Aber warum? Das ist ja die Frage. Würdest du als Begründung sagen: „Du weißt doch, Junge, wir haben die zehn Gebote, und die müssen wir schon halten. Wir sündigen nicht einfach weiter, weil wir die Gebote Gottes haben.“

Paulus sagt das hier interessanterweise nicht. Warum nicht? Er hat doch schließlich gelehrt, dass das Gesetz gut ist. Und er lehrt auch an keiner Stelle, dass wir das Gesetz übertreten sollen. Sondern er lehrt, dass es ein Spiegel ist, der uns unsere Sünde erkennen lässt.

Seine Antwort lautet nicht: „Durch den Glauben an Jesus sind deine Sünden vergeben, und nun halte die Gebote, streng dich an, sieh zu, wie du in der Auseinandersetzung mit deinen Versuchungen fertig wirst.“ So denkst du ganz oft – so denke ich ganz oft. Zu Beginn meines Lebens hat Jesus meine Sünden vergeben, und jetzt sieh zu!

Seine Antwort ist anders. Vers 2: „Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?“

Ist es richtig, die zehn Gebote zu halten? Absolut ja. Doch wenn wir meinen, dass wir durch das Halten der Gebote der Gnade nachhelfen müssen, dann haben wir etwas Grundlegendes nicht verstanden. Wir haben noch nicht begriffen, welche massive Veränderung die Gnade in deinem Leben, in meinem Leben bewirkt hat.

Wir haben nicht verstanden, welche Transformation in unserem Inneren stattgefunden hat. Wir fixieren uns sofort auf die To-dos und lassen außer Blick, was Gott durch seine verändernde Gnade, durch den Heiligen Geist, durch seine herrschende Gnade in uns, in unserer Identität, in unserem Wesen verändert hat.

Wir sind nicht mehr die Alten. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist Neues geworden. Deswegen fragt er – weil wir es nicht begriffen haben und weil wir es immer wieder vergessen – in Vers 3: „Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus hineingetauft sind, in seinen Tod getauft sind?“

Hat euch niemand erklärt, was mit euch geschah, als ihr zu Jesus kamt und Jesus euch befreit hat? Oder habt ihr es vergessen? Ihr wurdet bei eurer Wiedergeburt so sehr mit Jesus vereint, dass sein Tod, den er der Sünde starb, auch euer Tod gegenüber der Sünde bedeutet.

Weißt du das? Deine Wiedergeburt wurde, wie Paulus hier darlegt, durch deine Taufe als äußeres Zeichen sichtbar: Du bist mit Christus gestorben, begraben und auferstanden. Du wurdest durch den Heiligen Geist mit Jesus auch in seinem Tod und in seiner Auferstehung vereint.

Nun hör zu: Dieser Jesus ist nicht nur gemäß 1. Korinther 15, Vers 3 „für unsere Sünden gestorben“, sondern er ist auch der Sünde gestorben. Schau mal in Römer 6, Vers 10: Denn was er gestorben ist, Jesus, das ist er der Sünde gestorben – ein für allemal.

Jesus ist der Sünde gestorben. Er ist für deine Sünden (1. Korinther 15) gestorben, aber er ist auch der Sünde gestorben. Und weil er der Sünde starb – er ist tot für die Sünde – deswegen bist auch du, weil du durch den Geist mit ihm vereint bist, nun tot für die Sünde.

Mit anderen Worten: Du bist für die Sünde uninteressant. Du bist nicht nur der Sünde tot, sondern – Vers 4 – du bist sogar begraben. Und das, wie in Vers 10, ein für allemal.

Wie können wir also, die wir der Sünde gestorben sind, weiter in ihr leben? Leute, das geht nicht, sagt Paulus. Das ist ein Widerspruch in sich selbst.

Die Identität des Christen in Christus

Mir ist jetzt ganz wichtig, dass wir mit der Hilfe Gottes verstehen, worum es hier geht. Es geht um ein grundlegendes Verständnis. Hinter diesen Ausführungen steckt nämlich die wesentliche Frage: Was bedeutet es eigentlich, ein Christ zu sein? Was bedeutet das wirklich?

Paulus macht deutlich, dass das Evangelium nicht einfach die Löschung deines Sündenregisters ist. Es ist nicht so, wie wenn eine Tafel in der Schule beschmiert ist, du dann Tafeldienst hast und mit einem nassen Lappen einmal darüberwischst. Danach müsstest du dich anstrengen, ein besseres Leben zu führen.

Nein, Christ zu sein bedeutet, dass Gott etwas mit dir getan hat. Er hat dich radikal in deiner Identität verändert. Du bist nicht mehr in Adam, sondern in Christus. Und weil du in Christus bist, bist du der Sünde gestorben. Das ist das Wesentliche, das dich ausmacht.

Eines der größten Probleme von uns Christen ist, dass wir uns nicht bewusst sind, was mit uns geschehen ist. Wir vergessen es oder haben es nie gehört und fallen wieder in das Leistungsdenken zurück. Doch unsere Vereinigung mit Jesus bedeutet, dass wir der Sünde gestorben sind und mit Christus zu einem neuen Leben auferweckt wurden (Römer 6,4). Deshalb wandeln auch wir in einem neuen Leben.

Meine Frage ist: Wie sehr ist dir diese Wahrheit, dass du der Sünde gestorben bist, wirklich in deinem Denken verankert? Wie oft hast du letzte Woche darüber nachgedacht: „Ich bin tot der Sünde“? Letztlich ist es Paulus, der die Frage stellt: „Oder wisst ihr nicht, dass ihr der Sünde gestorben seid?“ (Römer 6,2).

Welchen Unterschied macht es in deinem Alltag, dass du für die Sünde tot bist? Um in der Heiligung voranzukommen, müssen wir diesem Gedanken mehr Raum geben. Wir müssen dem Wort Gottes erlauben, unser Denken stärker zu prägen. Paulus richtet sich deshalb an unser Denken: „Wisst ihr nicht?“ Wenn unser Denken von den Wahrheiten Gottes geprägt ist, dann beeinflusst das auch unsere Entscheidungen an jedem Tag der Woche – Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag.

Wir müssen die Wahrheiten des Wortes immer wieder in uns aufnehmen. Ich muss das tun, wie alle anderen auch. Wir müssen uns erinnern: Ich bin in Christus, und Christus ist der Sünde gestorben. Und weil er der Sünde gestorben ist, bin auch ich der Sünde tot. Das macht mich aus. Das bin ich.

Wenn also die Sünde heute Abend an dich herantritt, um dich zu versuchen – was machst du dann? Dann denkst du daran, dass du der Sünde gestorben bist. Amen! Dann denkst du daran, dass du tot bist. Die Sünde hat keine Macht mehr über dich.

Wenn du zappelst und kämpfst, als würdest du gegen einen wilden Bären im Wald ankämpfen, dann macht sie Jagd auf dich. Doch wenn du ihr gegenüber keine Reaktion zeigst, dann bist du für sie uninteressant.

Praktische Illustration: Die Methode des Totstellens

Das ist übrigens eine erprobte Methode, wenn dir im Wald ein Braunbär oder ein Grizzlybär begegnet. Meine Tochter hat es auf dem Weg in die Arche für mich gegoogelt. Ich zitiere das Internet, das fast immer Recht hat, aber das ist jetzt geprüft.

Die Methode, sich bei Braunbären oder Grizzlybären bei einem direkten Angriff totzustellen, ist am wirksamsten. Legen Sie sich auf den Bauch, hören Sie zu, verschränken Sie die Hände im Nacken, um Ihren Hinterkopf zu schützen, und spreizen Sie die Beine, damit der Bär Sie nicht umdrehen kann. Bleiben Sie ruhig liegen, bis der Bär das Gebiet verlassen hat.

Also, wenn die Sünde heute Abend kommt, legst du dich auf den Boden, auf den Bauch. Du nimmst deine Hände in den Nacken, spreizt die Beine, damit sie dich nicht umdrehen kann, und dann bleibst du totliegen, weil du der Sünde gestorben bist. Dann wartest du, bis sie das Gebiet verlassen hat. Halleluja!

Das ist, was Paulus hier sagt. Deshalb heißt es in Vers 11: Haltet euch selbst dafür, dass ihr für die Sünde tot seid! Und bitte fall nicht in das alte Denkmuster zurück: Ich muss, ich muss, ich muss der Gnade helfen. Nein, erinnere dich, was die Gnade schon in dir getan hat. Du bist neu in Christus und du bist der Sünde gestorben.

Das trifft übrigens auf alle Christen zu. Es gilt nicht nur für besonders Heilige. Vielleicht denkst du das, wenn du mich kennen würdest. Christian, ich weiß, hier sind 80, 90 in der Halle, die machen das schon richtig, aber ich, ich glaube nicht. Es gilt nicht nur für die Superheiligen, für die im Glauben starken Christen, sondern für jeden Christen.

Vers 3 nochmals: Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus hineingetauft sind, in seinen Tod getauft sind? Die einzige Voraussetzung ist, dass du in Christus bist. Wenn du eines Tages in deinem Leben Jesus dein Leben übergeben hast, ihm deine Sünden gebracht hast und gesagt hast: Jesus, ich glaube, dass du am Kreuz für meine Schuld gestorben bist, dann bist du in Christus. Und dann gilt das auch für dich: der Sünde gestorben zu sein.

Das trifft auf alle Christen zu. Es heißt auch, dass wir tatsächlich nichts mehr tun brauchen, außer tot dazuliegen und zu vertrauen, dass wir in Christus sind. Wir gehen nicht aus diesem Gottesdienst heraus und sagen uns selbst: Okay, in der nächsten Woche werde ich versuchen, der Sünde zu sterben.

Lieber Bruder, liebe Schwester, es ist schon geschehen. Wie heißt es? Wisst ihr nicht, dass ihr der Sünde gestorben seid? Und nun haltet euch selbst dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid! Du musst morgen nicht mehr der Sünde sterben, das hat Christus schon für dich getan.

Alles, was du machen musst, ist, in ihm zu sein, in ihm zu leben und zu wandeln und entsprechend seines vollbrachten Werks auf Golgatha deine Identität, nämlich den Tod der Sünde gegenüber, anzunehmen und auszuleben. Mehr brauchst du nicht zu tun.

Wir brauchen tatsächlich nichts mehr zu tun, denn du bist jemand, der der Herrschaft der Sünde gestorben ist.

Die Herausforderung im Dienst eines Pastors und die Gewissheit der Befreiung

John Owen, der Puritaner, hat gesagt, dass es im Dienst eines Pastors zwei große Herausforderungen gibt. Herausforderung Nummer eins ist, diejenigen zu überzeugen, die unter der Herrschaft der Sünde stehen, dass sie tatsächlich unter der Herrschaft der Sünde sind. Verstehen wir das? Das ist die Herausforderung bei der Evangelisation: die Menschen davon zu überzeugen, dass sie unter der Sünde stehen.

Problem Nummer eins also: zu überzeugen, dass man unter der Sünde steht.

Dann sagt Owen, dass Problem Nummer zwei im Dienst eines Geistlichen darin besteht, diejenigen zu überzeugen, die nicht länger unter der Herrschaft der Sünde stehen, dass sie tatsächlich nicht länger unter der Herrschaft der Sünde sind.

Genau das ist es, was Paulus hier tut. Er überzeugt uns heute Morgen, dass wir, die wir nicht länger unter der Herrschaft der Sünde stehen, wirklich nicht mehr unter dieser Herrschaft sind.

Das müssen wir hören. Wir müssen unser Denken damit füllen, damit wir in diesem Bewusstsein in unser Christenleben hineingehen können.

Die Gegenwart der Sünde trotz Befreiung von ihrer Herrschaft

Zum Schluss bleibt eine Frage: Warum sündigen wir denn noch?

Wir haben gesehen, dass wir in Adam einst unter der Herrschaft der Sünde standen. Sie herrschte wie ein schrecklicher König. Doch wir wurden aus dem Reich der Finsternis herausgenommen und in ein anderes Reich versetzt.

In Kolosser 1,13 heißt es: Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden.

Es ist das Reich Gottes, in dem die Gnade herrscht. Im Moment deiner Wiedergeburt wurdest du aus dem Reich der Finsternis in das Reich des geliebten Sohnes transferiert. Der einzige Weg aus dem Reich der Finsternis führt über den Sohn, Jesus Christus. Er hat am Kreuz das Reich der Finsternis verändert, Sünde und Tod besiegt und ist siegreich aus dem Grab auferstanden.

Du darfst durch den Glauben mit ihm vereint genau dieses für dich erleben, weil du in Christus bist. Doch dieses Königreich der Sünde ist nicht aus der Welt verschwunden. Das sehen wir täglich. Der Tyrann ist noch da, um uns herum: Hauen und Stechen, Lüge, Mord, Totschlag, Krieg, Vergewaltigung, Folter, Ehestreit, Unversöhnlichkeit – das volle Programm.

Du lebst noch in dieser Welt, in der dieses dunkle Reich überall um dich herum ist, wo immer du auch hinsiehst. Aber du bist nicht mehr Teil dieses Reiches, denn du bist in Jesus der Sünde gestorben und zu einem neuen Leben auferweckt. Weil Jesus der Sünde gestorben ist, bist auch du der Sünde gestorben.

Also: Wenn ich von der Herrschaft der Sünde befreit bin – warum sündige ich dann noch?

Antwort: Obwohl du von der Herrschaft der Sünde befreit bist, bist du noch nicht von der Gegenwart der Sünde befreit. Menschen, die von der Herrschaft der Sünde befreit sind, aber noch nicht von ihrer Gegenwart, haben einen Konflikt in ihrem Leben, den Ungläubige nicht kennen.

Da ist der alte und der neue Mensch in einem ständigen Kampf. Im Römerbrief zeigt Paulus, wie er diesen Kampf erlebt. Wir sind von der Herrschaft der Sünde befreit, aber noch nicht von der Gegenwart der Sünde. Das lässt uns von Herzen rufen: Maranatha, Herr, komme bald! Befreie mich nicht nur von der Herrschaft der Sünde, sondern auch von der Gegenwart der Sünde in meinem Leben.

Eines Tages werden wir auch von der Gegenwart der Sünde befreit sein. Über das himmlische Jerusalem heißt es in Offenbarung 21: Und es wird niemals jemand in sie hineingehen, der verunreinigt ist, noch jemand, der Gräuel und Lüge verübt, sondern nur die, welche geschrieben stehen im Buch des Lebens des Lammes. Das sind die, die reingewaschen sind durch das Blut des Lammes.

Die Herrschaft der Sünde ist gebrochen. Es kommt der Tag, lieber Bruder, liebe Schwester, an dem auch die Gegenwart der Sünde für immer nicht mehr vorhanden sein wird.

Bis dahin stehen wir in einem Kampf. Bist du müde im Kampf? Hast du letzte Woche wieder eine Niederlage erlebt? Fehlen dir aus deiner Sicht die Möglichkeiten, den ständigen Attacken der Sünde zu widerstehen?

Lasst uns tiefer in die Gnade eintauchen. Lasst uns uns totstellen. Lasst uns Christus in unserem Leben groß sein lassen, und wir werden den Attacken des Teufels mehr und mehr Widerstand leisten.

Bis dahin stehen wir im Kampf. Es ist eine Schlacht, eine brutale Schlacht. Aber wir kämpfen nicht mit Geboten, nicht mit Regeln, nicht mit Satzungen. Sondern wir kämpfen unter der Herrschaft der Gnade und im Wissen, dass wir in Christus der Sünde gestorben sind.

Deswegen hat sie keine Macht mehr über uns. Hör zu: Du kämpfst nicht um den Sieg, sondern du kämpfst schon aus der Position des Siegers heraus, denn Jesus hat den Sieg über die Sünde für uns errungen.

Was bleibt uns nun übrig, außer Christus zu preisen? Es gibt nichts Größeres, was er in unserem Leben tun kann. Mein Gebet ist, dass dies tief in unsere Herzen fällt und wir dadurch zur Ehre Gottes verändert werden. Amen.