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Matthäus 6,1228.10.2007
Serie•Teil 5 / 12Connecting Heaven
Warum noch um Vergebung bitten, wenn Gott doch schon vergibt? Die Antwort: Weil echte Nähe zu ihm nur ehrlich bleibt – mit offener Schuld und einem Herzen, das auch anderen vergibt.

Ein neuer Einstieg in eine vertraute Reihe

Ich freue mich, dass wir ganz viele neue Gesichter haben, die zum Teil zum ersten Mal da sind. Ihr kommt jetzt in eine Reihe hinein, die wir gerade machen, und diese Reihe hat mit dem Thema Gebet zu tun.
Wir sind an dieser Stelle schon eine Weile unterwegs. Das heißt, wir haben schon ein paar Predigten hinter uns. Wir haben uns die Frage gestellt: Welchen Wert hat eigentlich Gebet? Wir haben die Frage für uns beantwortet, dass Gebet im Zentrum geistlichen Lebens steht. Gebet ist das, was wir tun, um Gott zu begegnen, um Gott zu sagen, wie es uns geht.
Wir haben uns dann mit verschiedenen Arten von Gebet beschäftigt. Wir haben uns die Frage gestellt, womit man anfangen sollte, und haben uns das Vaterunser vorgenommen. Dabei haben wir gesehen: Im Vaterunser beginnt alles mit Anbetung. Es beginnt damit, dass wir Gott sagen, wie großartig und wie genial wir ihn finden. Im Vaterunser heißt das: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dann sind wir weitergegangen zur Fürbitte: Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Danach haben wir uns mit dem Thema Sorgen abgeben beschäftigt: Unser tägliches Brot gib uns heute. Dort sind wir mitten im Thema stecken geblieben, weil wir gemerkt haben: Wenn man Sorgen abgibt, dann gehört die Dankbarkeit ganz eng dazu. Deshalb haben wir uns an einem Sonntag mit Dankbarkeit beschäftigt.
Und heute heißt der eher unspektakuläre Titel: Beichten. Manche werden jetzt denken: Komisches Wort, sind wir denn hier in der katholischen Kirche? Dort ist das Beichten ja eher noch ein Thema. Nein, wir sind nicht in einer katholischen Kirche, sondern in einer protestantischen Kirche. Also für alle, die jetzt hier sind: Ihr habt euch nicht verlaufen. Wir sind urevangelisch.
Ich möchte jetzt auch nicht von einem Beichtstuhl erzählen oder von einem Priester, der die Beichte abnimmt. Davon kennt die Bibel nichts. Aber ich habe ein bisschen die Sorge, dass wir Protestanten dazu neigen, Dinge, die auf katholischer Seite betont werden, sofort beiseitezuschieben und zu sagen: Das interessiert uns gar nicht.
Ich habe mal darüber nachgedacht, wie viele Predigten ich in den letzten zwanzig Jahren über das Thema Beichten gehört habe. Es waren nicht viele. Ich selbst habe, glaube ich, einmal eine Predigt in diese Richtung gehalten. Die musste ich wieder zurückziehen. Und dann weiß ich gar nicht, ob jemand anderes jemals wirklich darüber gepredigt hat. Es ist ein Thema, das bei uns Protestanten leicht unter den Tisch fällt.
Dabei steht es doch in der Bibel. Im Vaterunser heißt es nach Matthäus: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Es ist also ein Thema, das in der Bibel steht. Darüber möchte ich heute reden.

Die Spannung zwischen vollendeter Vergebung und täglicher Bitte

Ich möchte eine Frage und zwei Schwerpunkte in meine Predigt bringen. Ich fange mal mit der Frage an.
Die Frage lautet: Warum soll ich eigentlich um Vergebung bitten, wenn Gott mir doch schon alles vergeben hat? Also, was soll das eigentlich? Jesus ist doch für unsere Sünden gestorben. Und wenn ich zu Gott umkehre, dann gilt das doch für mein Leben. Auch für die Sünden, die ich noch tun werde. Warum soll ich dann noch um Vergebung bitten?
Ich fand die Frage schon als junger Christ unglaublich spannend. Denn da entsteht ja eine Spannung, bei der ich sage: Wie löse ich die denn jetzt bitte schön auf?
Auf der einen Seite ist ganz klar: Wir lesen mal ein paar Stellen. Kolosser 3,13. Da ist ja schon wieder so ein Dreher drin, ey, ey, ey! Also: Kolosser 3,13: Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat, wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr.
Also: Der Christus hat euch vergeben.
Das Gleiche noch einmal im Epheserbrief. Da wir gerade zwei Studenten aus Elstal da haben, könnt ihr euch merken: Kolosser und Epheser sind unglaublich dicht beieinander von den Themen her. Also Epheser 1,7 heißt es dann: In ihm, in Christus, haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen. Wir haben das. Das ist eine Realität. Wir haben fortwährend Vergebung. Wer in Christus ist, wer zu Jesus gehört, der hat Vergebung. Der kriegt die nicht irgendwann, vielleicht, und über dem hängt so ein Damoklesschwert: Ah, wird es reichen oder wird es nicht reichen? Nein, der hat Vergebung.
Eine Stelle, die mir persönlich noch sehr gut zu dem Thema gefällt und die in meiner persönlichen geistlichen Entwicklung einiges losgetreten hat, heißt so: Denn mit einem Opfer hat er, Jesus, die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht. Mit einem Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht. Komisch formuliert. Hebräer 10,14.
Jesus bringt ein Opfer und bezahlt. Und damit macht er die, die geheiligt werden, die sich auf diesem Weg der Heiligung begeben, für immer vollkommen. Er hat sie für immer vollkommen gemacht, was unseren Stand als Gottes Kinder angeht.
Da können wir nicht mehr machen, als dass wir uns einfach über die Adoption freuen. Du kannst nichts anstellen, damit Gott dich mehr lieb hat, als er es jetzt tut. Nochmal: Du kannst nichts anstellen, wenn du ein Kind Gottes bist, um dafür zu sorgen, dass Gott dich mehr lieb hat, als er es jetzt tut.

Eine Szene, die mehr erklärt als ein Vorbild

Und trotzdem brauchen wir Vergebung. Ich möchte euch dazu eine Geschichte aus dem Johannesevangelium vorlesen, um uns diese beiden Seiten der Vergebung vor Augen zu führen.
Ich lese aus dem Johannesevangelium, Kapitel 13, und zwar ganz bewusst die Verse 1 bis 17:
Vor dem Passafest aber, als Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zu dem Vater hinzugehen, da er die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende. Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, es ins Herz gegeben hatte, dass er ihn überliefere, steht Jesus im Bewusstsein, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe, von dem Abendessen auf und legte die Oberkleider ab. Und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich.
Bis dahin ist alles klar: Man sitzt beim Essen, und plötzlich steht Jesus auf. Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
Er kommt nun zu Simon Petrus, und er spricht zu ihm: Herr, du wäschst meine Füße? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht; du wirst es aber nachher verstehen. Petrus spricht zu ihm: Du sollst nimmermehr meine Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir. Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er kannte den, der ihn überlieferte; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
Als er nun ihre Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, legte er sich wieder zu Tisch und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tut, wie ich euch getan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut.
Warum wäscht Jesus den Jüngern die Füße? Die Antwort, die man immer wieder ganz schnell hört, lautet: Er wollte ihnen ein Vorbild sein, ein Vorbild in puncto Demut. Und das ist erst einmal auch richtig, aber es ist nicht der eigentliche Kern der Geschichte.
Petrus wird damit konfrontiert, dass Jesus an ihm etwas tut, was eigentlich die Aufgabe eines Sklaven war: die Füße waschen. Dreckige, wahrscheinlich mit Schlamm und Modder verkrustete, mit Sandalen durch den Staub gelatschte, schweißige Füße. Wenn man jetzt weiß, dass auch das Abwassersystem damals eher oberirdisch war, sprich: so eine Rinne, in die man alles hineingeschüttet hat, und du latscht da mal rein, dann hast du an so einem typischen Fuß alles dran, was so üblicherweise in der Klärgrube schwimmt.
Und deswegen gab es den Sklaven, der am Eingang eines Hauses den Gästen die Füße gewaschen hat. Man hat den Eindruck, dass dieser Dienst hier vergessen wurde. Anscheinend sind alle zum Essen gekommen, haben sich angeschaut und gedacht: Na, wer macht das denn? Wir haben auch keinen. Doch dann gehen wir halt so rein. Man setzt sich hin, und mitten während des Essens steht Jesus auf und fängt an, Wasser in eine Schüssel zu gießen und zu sagen: So, jetzt wollen wir mal Füße waschen.
Und er kniet sich zu den Füßen von Petrus hin. Petrus kriegt mit, dass Jesus das ernst meint, und antwortet dann: Du sollst nimmermehr meine Füße waschen. Das kommt überhaupt nicht in Frage, dass du meine Füße wäschst.

Gemeinschaft bleibt nur durch fortwährende Reinigung lebendig

Und jetzt antwortet Jesus darauf nicht: Petrus, komm schon, lass es jetzt gut sein. Ich wasche deine Füße, und nächstes Mal kommst du selbst ein bisschen früher darauf, dass es eigentlich gut wäre, seinen Stolz herunterzuschlucken und den anderen zu dienen. Das steht da nicht. Und das ist interessant, denn das würden wir eigentlich erwarten.
Was da steht, klingt so: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir. Ein ganz interessanter Satz: Wenn ich dir deine Füße nicht wasche, hast du kein Teil mit mir.
Jesus nimmt das, was er tut, nicht nur als ein Vorbild, sondern es wird eine bildhafte Handlung. Das war durchaus typisch für die Rabbiner der damaligen Zeit, den Leuten Dinge mit bildhaften Handlungen beizubringen. Und er benutzt die Fußwaschung als ein Bild dafür, um zu erklären, wie ein Jünger in Gemeinschaft mit ihm bleibt. Wie bleibe ich ein Teil von Jesus? Antwort: indem ich mir von ihm die Füße waschen lasse.
Petrus versteht das, und er sagt: Von dieser Gemeinschaft mit dir, ein Teil von dir zu sein, davon kann ich nicht genug kriegen. Also bitte, wenn wir schon bei den Füßen sind, hätte ich da noch die Hände anzubieten, und hier ja also, wenn das so toll ist mit dem alles.
Was sagt Jesus dazu? Er sagt: Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein. Auch wieder eine dieser komischen Antworten. Aber ich glaube, wir verstehen, was er meint.
Wenn jemand gebadet ist, und Jesus spricht hier von der Vergebung, die wir erfahren haben in dem Moment, wo wir zu Gott umkehren, wo wir im Glauben Jesu Opfer am Kreuz für uns annehmen: Wenn jemand gebadet ist, wenn das Evangelium in unser Leben hineingekommen ist, uns verändert hat, uns gerechtfertigt hat, dann sind wir im Blick auf unsere Sünden rein. Und niemand hat nötig, Sonntag für Sonntag hierher zu kommen und eine komplette Lebensbeichte abzugeben. Das kannst du einmal tun, wenn du zu Gott gehst, ihm das Leben auf den Tisch legst und sagst: So sieht es bei mir aus, nimm den Dreck, ich will ihn nicht mehr haben, behalt ihn, bezahl dafür, ich will jetzt für dich leben. Einmal.
Und doch: Auf unserem ganz normalen Leben durch diese Welt passieren Dinge, die in Gottes Augen nicht in Ordnung sind. Sünden. Vielleicht Dinge, die wir gar nicht wollten. So im Vorbeigehen, so wie niemand gerne, wenn er mit den Sandalen durch die Gegend läuft, in Hundedreck tritt. Ja, das passiert einfach. Und du stellst fest: Hm, ich möchte jetzt eigentlich zu Jesus hineingehen, ich möchte jetzt mit ihm Gemeinschaft haben, so wie die Jünger mit ihm gegessen haben. Ich möchte mich jetzt hinknien, und ich möchte anfangen zu beten, ich möchte jetzt Gemeinschaft mit ihm haben. Und mit einem Mal stelle ich fest: Aber da ist das, und das, und das ist passiert. Was mache ich dann?
Und die Antwort lautet: Wenn wir Gemeinschaft mit Jesus haben wollen, dann muss das eine klar sein: Er muss unsere Sünden abgewaschen haben, sonst passen wir gar nicht zu ihm. Und dann kommt das andere dazu: Wenn ich ihm begegne, dann lasse ich es immer wieder zu, dass er mir meine Füße wäscht. Ich halte ihm quasi meine Sünden hin und sage: Bitte wasch sie ab, es tut mir leid.
Und das ist peinlich, oder? Vor allem, wenn man immer wieder mit denselben Sachen kommt, wo man sagt: Ah, schon wieder. Und das war auch für Petrus hier erst einmal peinlich. Aber ich denke, die Geschichte lehrt uns vor allem, dass Jesus lieber uns vergibt, als dass er auf unsere Gemeinschaft verzichtet. Und dass er einlädt und sagt: Hey, komm, ich will dir die Füße waschen. Das mag dir peinlich sein.
Weil natürlich: Ja, man bekehrt sich, und dann denkt man sich, jetzt bin ich ein richtig guter Christ, jetzt mache ich alles richtig, und jetzt möchte ich Gott gefallen. Baff, liegt man wieder auf der Nase. Und dann stellt man sich die Frage: Na, kann Gott mit mir noch was anfangen? Und die Antwort lautet: Nein, natürlich nicht, konnte er vorher auch nicht. Aber das ist ja auch gar nicht der Punkt.
Der Punkt ist nicht, wie stark du bist, was Gott mit dir anfangen kann, das ist überhaupt nicht der Punkt. Der Punkt ist: Bin ich bereit, in der Kraft Gottes es immer wieder zuzulassen, dass Gott durch mich hindurch sein Leben lebt, dass ich in seiner Kraft lebe? Und bin ich bereit, so ehrlich zu sein, dass ich zu ihm gehe und sage: Hier, meine Füße sind dreckig. Ich kann nichts anderes tun, als dich bitten, dass du mir wieder die Füße wäschst.

Vergebung empfangen und weitergeben

Und wenn jemand weiß, dass er es täglich nötig hat, dass Jesus ihm die Füße wäscht, dass wir es täglich nötig haben, dass Jesus sich schmutzig macht, weil es in unserem Leben sündige Gedanken, unnütze Worte und böse Taten gab, dann gilt: Wenn wir das wirklich begriffen haben, dann sagt uns der Text: Ich habe euch ein Beispiel gegeben, und in Vers 14: Auch ihr seid schuldig, einander die Füße zu waschen.
Wenn ich begriffen habe, dass ich jeden Tag Vergebung von Jesus brauche, dann sagt mir der Text: Es gibt keine Ausrede dafür, dass ich meinen Geschwistern nicht vergeben möchte. Dann habe ich zu vergeben, weil mir täglich vergeben wird.
Im 2. Petrusbrief, Kapitel 1, Vers 9, da schreibt Petrus davon, dass der, der keine Bruderliebe übt, der das nicht tut, der nicht Vergebung gewährt, blind ist und die Reinigung von seinen eigenen Sünden, von seinen eigenen früheren Sünden, vergessen hat.
So, die Frage war: Warum soll ich um Vergebung bitten, wenn Gott mir doch vergeben hat?
Jetzt die Antwort: Weil es zwei Arten von Vergebung gibt.
Die erste Art könnte man richterliche Vergebung nennen. Im Blick auf richterliche Vergebung sagt Jesus: Ihr seid schon rein. Mehr als mein Leben Gott anvertrauen, ihn im Glauben in mein Herz aufnehmen und seine Vergebung annehmen, kann ich nicht tun.
Aber Leben ist mehr als nur zu Gott umzukehren. Leben geschieht irgendwie täglich. Und das, was passiert, wenn wir zu Gott umkehren, ist der Beginn einer Beziehung zu Gott.
Und in einer Beziehung reicht es nicht, dass ich früher mal zu meiner Frau vor dem Standesamt gesagt habe: Ja, und dann habe ich unterschrieben. Das ist schon richtig. Es geht darum, dass ich jeden Tag, wenn ich morgens aufstehe und diesen Buschel neben mir im Bett liegen sehe, sage: Ja, jeden Tag geht es darum, Beziehung zu leben.
Und das Gleiche gilt in meiner Beziehung zu Gott.
Ich habe zwei Teenager-Töchter, und wer das Verhältnis von Vätern zu Teenager-Töchtern kennt, weiß, dass es da durchaus unterschiedliche Qualitäten gibt. Was muss ich tun, damit die Beziehung zwischen mir und meinen Töchtern funktioniert? Na ja, ich muss dafür sorgen, dass alles, was sich da reindrängt, alles, was diese Beziehung kaputt machen will, wieder rausgeht.
Und genauso ist das mit Gott. Wir sind Teil einer göttlichen Familie, und Gott hat uns eingeladen, seine Kinder mit ihm in Beziehung zu leben. Denn wenn die richterliche Vergebung Gottes so etwas ist wie die Adoption in die Familie, dann ist die väterliche Vergebung, die wir jeden Tag brauchen, das, was unsere Beziehung zu Gott immer wieder herstellt.
Paulus schreibt im Blick auf diese Beziehung: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid, auf den Tag der Erlösung hin.“
Werde das wieder diese zwei Wahrheiten: Ihr seid versiegelt worden. Gott setzt sein Siegel drauf: Ich will dich, und ich lasse dich auch nicht mehr los. Und gleichzeitig: Betrübt nicht den Heiligen Geist. Schau, dass da, wo Gott in dir lebt, wo Gott zu dir spricht, du dafür sorgst, dass diese Beziehung intakt bleibt. Ich möchte, dass du jemand wirst, der sensibel ist für diese Beziehung und, wenn er einen Fehler macht, den Fehler auch zugibt.

Die Beziehung zu Gott ist echt und darum auch verletzlich

Für mich ist das einer der großen Unterschiede zum Islam. Ich weiß nicht, wer sich von euch schon einmal mit dem Islam beschäftigt hat. Im Islam ist es so, dass Gott absolut ist. Wenn ich als Mensch sündige, dann betrifft ihn das eigentlich nicht. Die Sünde bleibt irgendwie von ihm weg.
Wer das einmal nachlesen möchte: Sure 2, Vers 57 sagt, dass Sünde im Islam etwas ist, das nur den Menschen betrifft. Es gibt nicht diese Beziehungsebene zwischen Gott und Mensch. Es gibt keine gemeinsame Ebene zwischen dem Geschöpf und seinem Schöpfer. Und wenn der Mensch sündigt, dann schädigt er sich halt selbst, aber Gott hat damit doch nichts zu tun.
Und jetzt schlage ich meine Bibel auf und merke: Da ist es ganz anders. Meine Sünde schädigt meine Beziehung zu meinem Vater im Himmel. Meine Sünde lässt Gott nicht kalt. Sie berührt sein Herz, und mehr noch: Sie macht ihn zornig. Er möchte das nicht.
Deswegen möchte Gott, dass wir, wenn wir diese Beziehung leben, weil es eine echte Beziehung ist, weil es ein echtes Miteinander ist, ein echtes Zusammen, auch unseren Teil dazu beitragen, diese Beziehung wirklich ehrlich zu leben. Und dazu gehört, dass wir unsere Sünden bekennen.
Das war diese Frage: Warum muss ich überhaupt noch um Vergebung bitten, wenn doch eh alles vergeben ist? Weil die Bibel zwei Arten von Vergebung kennt: eine richterliche, durch die ich zum Kind Gottes werde, und eine väterliche Vergebung, bei der es um die Gemeinschaft geht, um den Genuss der Beziehung.
Und jeder, der Kinder hat und das schon einmal erlebt hat, kennt das: Dann geht so eine Tür auf, und das Kind kommt freudestrahlend herein, und alles ist gut. Und manchmal geht die Tür auf, und das Kind schleicht sich an der Wand entlang vorbei und möchte eigentlich gar nicht Papa anschauen und mit Papa reden. Und du weißt: Es hat etwas ausgefressen.
Oft kommen wir so zu Jesus. Wir haben etwas ausgefressen. Und dann kommt Jesus und sagt: Komm, ich bin bereit, dir deine Füße zu waschen.

Ehrlichkeit vor Gott und das Licht der Wahrheit

Wenn zwei Dinge stimmen, erstens – und jetzt kommen wir zu den zwei Punkten, über die ich kurz reden möchte –, dann brauchen wir ein klares Verständnis von der Wichtigkeit eines ehrlichen Sündenbewusstseins und von der Wichtigkeit des Bekenntnisses.
Ich will eine Stelle nehmen, die die meisten hier kennen, weil wir lange darüber geredet haben. Da heißt es im 1. Johannes 1,8: Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Wenn du dich hinstellst und sagst: Bei mir ist eigentlich alles in Ordnung, dann kann ich dir sagen: Das ist die letzte Lüge, die ich von dir gehört habe. Aber es ist definitiv eine Lüge. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. Im gleichen Text heißt es auch, dass wir im Licht wandeln sollen, wenn wir die Gemeinschaft mit Gott genießen wollen.
Und ich hoffe, die meisten erinnern sich noch an mein Kakerlaken-Beispiel. Christen sollen gerade nicht wie Kakerlaken sein. Kakerlaken, Sommerurlaub, Mittelmeer: Du gehst nachts in die Küche, weil du noch etwas trinken willst. Du machst das Licht an, und du siehst auf dem Boden, da lebt etwas und huscht in die Dunkelheit.
Christen sollen nicht wie Kakerlaken sein, die, wenn Gottes Licht in ihrem Leben angeht, wenn Gottes Licht in ihr Leben hineinscheint und ihnen etwas deutlich macht, wenn Gott sagt: Hey, an der Stelle möchte ich, dass du dich änderst, weil mir nicht gefällt, wie du das da machst, dann sollen wir nicht in die Dunkelheit huschen, uns irgendwo verstecken, in einer Ritze vor Gott und sagen: Da muss ich hinschauen, vielleicht sieht er mich auch nicht.
Sondern wir sollen im Licht wandeln. Wenn Gott uns etwas zeigt, wenn wir Gottes Anspruch verstehen, wenn du einfach in der Bibel liest und merkst: Aha, so ist Gott drauf, das möchte er, dann sollen wir uns nicht verstecken, sondern sagen: Halleluja! Wunderbar, ich freue mich so sehr, dass ich das verstanden habe, und ich möchte danach leben.
Ich möchte es zulassen, dass mich Gottes Wort korrigiert. Ich möchte es zulassen, dass ich überführt werde von Sünde. Ich freue mich sogar darauf, weil ich ja Gott gefallen will. Und ich möchte ja auch ganz pragmatisch, ja, ich möchte ja auch die Dinge richtig machen im Leben, wo Gott sagt: Mach es doch bitte so, wie ich dir das sage.
Man kann immer alles auch auf die harte Tour lernen, klar. Aber es ist einfach auch ganz praktisch gut, Gott zu folgen.
Jetzt sagt der Text: Wenn dir das klar wird, dann sollst du Sünde bekennen. Bekennen, das griechische Wort bedeutet ganz einfach dasselbe sagen. Bekennen ist das Gegenteil von: Ich finde eine Ausrede, oder ich leugne etwas, oder ich streite etwas ab.
Ich habe ein Beispiel. Wir waren ja in Prag. Ihr habt mich gefragt, wie Prag war. Prag war schön, ein schöner Urlaub. Mittendrin hatten wir einen kurzen, aber heftigen Streit. Der war nicht so schön. Und unabhängig von den Beweggründen, warum wir uns gestritten haben, kommt am Ende der Punkt, wo sich die Frage stellt: Jürgen, was machst du jetzt?
Ich weiß nämlich, dass Gott gegen Streit ist. Ich weiß sogar, wo das in der Bibel steht, dass Gott gegen Streit ist. Ich weiß, dass Gott einen Mann, der Streit anfängt, für einen ziemlichen Dummkopf hält, und so weiter. Ich weiß das alles. Deswegen war mir völlig klar: Am Ende der Geschichte steht ein Gebet zwischen mir und Gott.
Also nicht nur, dass ich das mit meiner Frau wieder auf die Reihe kriege, das sowieso, ja. Aber am Ende der Geschichte hört sich das ungefähr so an: Ja, Vater, das war ein Streit. Und ja, ich weiß, dass du gegen Streit bist, und es war falsch, dass ich mich nicht beherrscht habe, und ich bitte dich um Vergebung.

Sünde beim Namen nennen und Beziehungen heilen

Und ich merke immer wieder: Man braucht für so ein Gebet einen gewissen Widerstand. Da muss man einfach „poppen“, obwohl ich das gewohnt bin, wenn ich sündige, um Vergebung zu bitten.
Es ist immer so ein kleiner Widerstand, bei dem man sagt: Ach, so schlimm war es eigentlich gar nicht. Und eigentlich war das doch gerechtfertigt, so wie meine Frau sich da verhalten hat. Ihr hättet sie mal erleben sollen, ihr lehrt das nicht gut.
Also, da fällt mir viel ein, warum dieser Streit eigentlich gar nicht so schlimm war und warum das eigentlich kein Streit, sondern vielleicht doch nur eine positive Meinungsverschiedenheit war. Und letztlich reinigt doch jedes Gewitter die Luft, und was einem da alles einfällt.
Und jetzt merkt ihr, was Bekennen heißt. Dasselbe sage ich, wenn ich bereit werde, die Dinge so zu nennen, wie Gott sie nennt. Und Gott sagt: Jürgen, das war ein Streit, und ich bin gegen Streit. Punkt. Und du hast dich nicht beherrscht, und du hast deine Funktion als Mann an der Stelle leider nicht gebracht. Du hast versagt, und das möchte ich, dass du wieder in Ordnung bringst.
So einfach ist Christsein, ja? Also, wenn wir unsere Sünden bekennen, dann ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt. Und wenn ich meine Frau wirklich liebe, und das tue ich, dann habe ich ein Interesse daran, dass unsere Beziehung immer schöner wird. Und wenn ich Gott liebe, dann geht es mir da genauso. Dann möchte ich, dass nichts zwischen ihm und mir steht, einfach nichts.
Und wenn ich mitkriege, da ist irgendwas faul und irgendwie stimmt da was nicht, und ich kann euch gar nicht sagen, wie man das mitkriegt. Ich glaube, dass das etwas mit dem Heiligen Geist zu tun hat, dass man innerlich merkt: Ist jetzt zwischen mir und Gott alles in Ordnung oder nicht?
Auf der gleichen Ebene übrigens, wo man das auch mit seiner Frau merkt. Du spürst ja innerlich, es ist jetzt gut oder es ist nicht gut. Wenn das so ist, dann heißt es bekennen, dann heißt es, Dinge in Ordnung bringen.
Und deswegen denke ich, es ist auch wichtig, dass wir uns im Blick auf unsere Beziehung zu Gott regelmäßig prüfen: Wie sieht es eigentlich gerade aus? Und es ist nichts Verkehrtes, auch dafür zu beten.
In Psalm 139 betet David, ja durchaus für uns ein Vorbild im Glauben, Psalm 139, Vers 23: Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken.
Vater im Himmel, ich möchte dich darum bitten, dass du mich prüfst. Wann hast du das das letzte Mal gebetet? Ich wünsche mir, dass du mich in Situationen bringst, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, in Situationen, wo ich richtig gut sehen kann, wie es echt um mich steht. Prüfe mich, zeig mir, was dran ist.
Vers 24: Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist. Vater im Himmel, gibt es irgendwo in meinem Leben Bereiche, wo ich gerade dabei bin, mich völlig zu verrennen? Wo ich vielleicht irgendwohin unterwegs bin, und da ist einfach kein Segen drauf, das ist nicht dein Weg mit mir. Das ist vielleicht mein Weg, das ist ein Weg der Mühsal, der Schwierigkeiten. Und leite mich abschließend, leite mich auf dem ewigen Weg.
Das ist ein tolles Gebet: Vater im Himmel, prüfe mich, hilf mir zu verstehen, wo ich im Blick auf dich stehe. Das ist deshalb ein so schönes Gebet, weil es einfach eine Katastrophe ist, wenn wir ein Leben lang im Selbstbetrug leben. Ein Leben lang denken, eigentlich ist alles gut, und in Wirklichkeit ist nichts gut.

Krankheit, Gemeinde und das Licht der Offenheit

Und deswegen ist es, wenn wir krank werden, auch gut, wenn wir uns die Frage stellen: Warum werde ich eigentlich krank? Ist da im Hintergrund vielleicht Sünde? Die Bibel sagt, dass die Ursache von Krankheit Sünde sein kann. Ich will nicht so verstanden werden, dass ihr denkt, hinter jeder Krankheit steckt Sünde. Das nicht. Aber es kann eine Ursache sein.
Und die Bibel ist an der Stelle deutlich: Wenn du krank wirst, bitte denk mal darüber nach. Irgendwie hängt das mit Sünde zusammen. Im Jakobusbrief, Kapitel 5, heißt es dazu ab Vers 14, Jakobus 5,14:
Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich.
Das passiert auch nicht so furchtbar häufig, könnte durchaus öfter sein. Ist jemand krank unter euch, er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich, und sie mögen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten. Und wenn er Sünden begangen hat, also wenn das der Hintergrund ist, wird ihm vergeben werden.
Und dann ein Vers, den ich sehr wichtig finde: Bekennt nun einander die Vergehungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet.
Bist du krank, ruf die Ältesten. Aber Vorsicht: Wenn du die Ältesten rufst und wenn sie kommen, dann werden sie dich fragen: Gibt es in deinem Leben etwas zu bekennen? Dann geht es darum, Dinge ans Licht zu bringen.
Ich genieße die Gemeinschaft hier in der Gemeinde, die wir unter einem Teil der Männer haben, weil wir miteinander sehr ehrlich sind. Männer tun sich ja durchaus schwer, mal die Wahrheit zu sagen. Wir sind ja immer die Coolen, bis wir den Mund aufkriegen. Das dauert ja immer eine ganze Weile.
Ich habe das, was so gewachsen ist, die Ehrlichkeit unter Männern hier in der Gemeinde, wirklich schätzen gelernt. Vor allem, wenn es darum geht, auch mal Fehler, Schwächen und Sünde zuzugeben. Und ich glaube, jeder, der das angenommen hat, der weiß: Bestimmte Sünden, die müssen erst ans Licht kommen, die muss man einem anderen gegenüber mal bekannt haben, bevor sie ihre Kraft verlieren. Und deswegen ist das hier eine Stelle, dass man einander Sünde bekennt.
Das gilt natürlich auch für die Frauen. Ich wünsche euch das Gleiche. Es ist gut, wenn man an bestimmten Stellen im geistlichen Leben nicht weiterkommt, mal einander dazuzuhören, so geht es mir, ich möchte jetzt nicht mehr, dass das im Verborgenen bleibt. Komm, lasst uns jetzt füreinander beten, dass das vorangeht. Es ist eine unglaubliche Hilfe, die wir da einander geben können. Und ihr merkt: Da ist kein Beichtstuhl und kein Priester, sondern das ist einander.
Dann nimmst du dir deinen besten Freund und sagst: So geht es mir wirklich, bitte hilf mir. Lass uns jetzt dafür beten, und frag mal nach und tritt an meine Seite und werde für mich zu einem Lastenträger. Nimm mir etwas ab von dieser Not.

Der zweite Schwerpunkt: Vergebung als Lebensstil

Also ein klares Sündenbewusstsein und dieses Bekennen, das ist so der erste Punkt. Das gehört zusammen, dass wir uns nichts vormachen, dass wir nicht so tun, als wären wir die Tollen, in Wirklichkeit aber Hilfe brauchen. Und das Zweite geht dann Hand in Hand damit.
Der zweite Punkt ist die uneingeschränkte Vergebungsbereitschaft. Da heißt es im Epheserbrief, dazu gibt es auch eine Parallele im Kolosserbrief, aber die lese ich nicht vor: Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei seien von euch weggetan samt aller Bosheit. Seid aber zueinander gütig, mitleidig und vergebt einander, so wie Gott in Christus euch vergeben hat.
Du sollst vergeben. Unser Leben soll von Vergebung geprägt sein. Jemand wird schuldig an mir, ich soll vergeben, wie Christus mir vergeben hat. Das ist die Idee dabei.
Und jetzt möchte ich praktisch etwas dazu sagen, zum Thema Seelsorge. Ich denke, es ist ein Unterschied, ob wir vergeben oder ob wir Vergebung zusprechen. Das muss man unterscheiden. Das eine soll umfassend und sofort geschehen, das andere, wenn es darum geht, einem Vergebung zuzusprechen, hat eine Vorbedingung. Die Vorbedingung ist, dass der andere Buße getan hat.
Also, wo ich merke, dass in meinem Herzen Bitterkeit, Hass, Wut und solche Dinge hochkommen, dem muss ich sofort einen Riegel vorschieben. Da wird einer an mir schuldig, und ich denke: Riegel vor und vergeben. Und jetzt kommt das eigentliche Problem. In dem Moment, wo ich vergeben habe, bin ich berufen zu lieben.
Das heißt: Sich über den anderen, der an mir schuldig wird, aufzuregen und sich zu ärgern, das kann jeder Heide. Aber sich hinzusetzen und zu überlegen: Wie kann ich denn dem anderen jetzt helfen? Wie kriege ich denn den anderen dahin, dass er erkennt, was er falsch macht? Wie kriege ich ihn denn dahin, dass er Buße tut und damit aufhört? Wie kann ich ihn so sehr lieben, weil das ein Akt der Liebe ist, dass ich ihm an der Stelle helfe? Das verlangt irre viel Weisheit.
Wir haben mal einer Familie Kinderkleidung ausgeliehen, und als wir sie zurückhaben wollten, stellten wir fest, dass sie in die Altkleidersammlung gegeben worden war. Ich habe damals unweise reagiert. Das war das Ende der Beziehung zu dieser Familie. Das ist die Realität.
Jemand wird schuldig an dir, und in dem Moment, wo das passiert, brauchen wir ganz, ganz viel Weisheit. Und es ist völlig falsch, einfach davonzulaufen und sich zu ärgern, weil Gott möchte, ich lese euch das mal aus Lukas 17 vor, dass wir helfen:
Habt Acht auf euch selbst! Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht. Lukas 17,3.
Das ist unsere Aufgabe. Und das ist nicht einfach nur hingeben und sagen: Du Depp, was hast du denn da mit mir gemacht? Sondern das heißt nachdenken: Wie sage ich ihm das, dass er es annehmen kann? Es ist nicht immer einfach, es braucht viel Weisheit.
Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es bereut, so vergib ihm. Unser Job ist es, ihn zu gewinnen, und wenn er bereut, zu sagen: Ich vergebe dir. Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben.
Ein sehr schönes Beispiel ist im Alten Testament der Umgang von Josef mit seinen Brüdern. Also, wenn ihr heute Abend nichts zu tun habt, lest euch die Geschichte mal durch, wie er sie einmal kommen lässt und eigentlich in einer komischen Weise abserviert. Und dann kommen sie wieder, und es passieren wieder merkwürdige Sachen. Und wisst ihr, was am Ende passiert? Am Ende ist echte Buße und echte Versöhnung da.
Es gibt diesen billigen Frieden, dass man so einen Zuckerguss über Beziehungen schüttet, aber innen drin ist alles kaputt. Das ist nicht unser Ding. Wir wollen echte Wiederherstellung, wir wollen echte Buße.

Wann Vergebung im Gebet konkret wird

Also zwei Dinge.
Auf der einen Seite: Wir vergeben. Die Frage ist, wann sollen wir vergeben? Na ja, Jesus sagt: Wenn du anfängst zu beten, dann wäre es eine gute Gelegenheit, auch zu vergeben. Markus 11,25: Wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater in den Himmeln euch eure Übertretungen vergebe.
Merkt ihr, was das bedeutet? Wenn du anfängst zu beten und dir fällt ein, da gibt es noch Bruder Z oder Schwester XY oder mein Nachbar, das ist vielleicht ein Stinkstiefel, den kann ich überhaupt nicht ausstehen, was der sich wieder erlaubt hat am Gartenzaun. Ich weiß nicht, was da vorgefallen ist. Wenn du anfängst zu beten, dann ist die Gelegenheit da, dass du vergibst. Umfassend.
Wir gehen nicht ins Gebet, ohne dass wir vergeben. Warum? Na ja, weil wir doch gleich mit unseren Dingen zu Gott kommen. Ich weiß doch schon im Hintergrund, was ich gleich Gott beichten möchte. Und weil ich schon weiß, dass ich Gottes Vergebung brauche: Wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. Gott möchte dir gerne vergeben, aber er bittet dich, dass du dasselbe tust.
Und deswegen: Dieses umfassende Vergeben geschieht in dem Moment, wo du das nächste Mal betest.
Und dann gibt es diesen Ansatz, wo wir Leute gewinnen. Und wenn einer seine Sünde bereut, wie heißt es da? Wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, dann sollen wir vergeben. Der reuige Sünder hat wirklich ein Recht auf Vergebung. Aber ich kann ihm doch nicht ins Herz schauen. Weiß er gar nicht, ob das echt ist?
Stimmt, das wirst du nie tun können. Du musst seinen Worten glauben. Und solange nicht irgendetwas ganz gravierend dagegen spricht, sagt die Bibel: siebenmal am Tag. Das heißt, es geht nicht, dass du sagst: Das hat er ja gestern schon gemacht und vorgestern. Nein, selbst wenn er es vorhin gemacht hat und noch mal fünf Minuten vorher und fünf Minuten vorher. Die Wiederholung ist noch lange kein Indiz dafür, dass seine Buße nicht echt ist.
Wenn jemand kommt und sagt: Es tut mir wirklich leid, bitte vergib mir, dann hat er ein Recht darauf, dass wir vergeben.
Und das geht noch weiter. Im zweiten Korintherbrief wird ein Fall beschrieben, wo es um grobe Sünde geht und wo ein Ausschluss stattgefunden hat. Ich möchte lesen: 2. Korinther 2,6-8 und 11. 2. Korinther 2, ab Vers 6:
Dem Betreffenden schreibt Paulus: Genügt diese Strafe von den meisten der Gemeinde, da ist jemand ausgeschlossen worden, hat aber Buße getan, das muss ich jetzt hier vorausschicken. Dem Betreffenden genügt diese Strafe von den meisten der Gemeinde, so dass ihr im Gegenteil viel mehr vergeben und ermuntern solltet, damit der Betreffende nicht etwa durch übermäßige Traurigkeit verschlungen werde. Darum ermahne ich euch, zu beschließen, ihm gegenüber Liebe zu üben.
Und dann Vers 11: Damit wir nicht vom Satan übervorteilt werden, denn seine Gedanken sind uns nicht unbekannt.

Schlussgedanken und ein letzter Moment der Stille

Der Teufel zieht uns an der Stelle über den Tisch, wo wir, wenn echte Buße vorliegt, nicht bereit sind zu vergeben. Ein Mangel an Vergebungsbereitschaft ist tatsächlich Sünde.
Und wenn wir als Gemeinde die Aufgabe haben, Sünde zu ahnden, und das haben wir, wenn jemand grob sündigt, dann hat die Gemeinde ihm gegenüber eine Verpflichtung: ihn zu gewinnen und im schlimmsten Fall sogar aus der Gemeinde auszuschließen. Wenn das eine Aufgabe ist, dann haben wir in gleicher Weise die Aufgabe, dort, wo jemand umkehrt und sagt: Ich habe es verstanden, danke schön, danke, dass ihr mir geholfen habt, es zu verstehen, ihm gegenüber Liebe zu üben. Wir sollen dafür sorgen, dass er jetzt nicht von übermäßiger Traurigkeit, heißt es im Text, verschlungen wird. Und deswegen schreibt Paulus, ihm gegenüber Liebe zu beschließen, ihm gegenüber Liebe zu üben. Das ist wichtig.
Ich glaube, wenn eine Gemeinde einem reuigen Sünder den Eindruck vermittelt: Wir wollen dich nicht mehr, dann hat sie einfach versagt.
Ich fasse noch einmal kurz zusammen. Es ging mir heute um das Thema Beichten. Beichten und damit verknüpft das Thema Vergeben. Es gibt keine Beichte, ohne dass ich anderen vergebe. Denn wenn ich die Vergebung Gottes suche, dann muss ich sie selber gewähren.
Was müssen wir uns merken? Also, was ich mir wünsche, dass ihr euch merkt, ist: Bei der Bekehrung vergibt mir Gott als Richter. Zweitens: Meine täglichen Sünden betrüben den Heiligen Geist und schädigen meine Beziehung, meine gelebte Beziehung, meine Gemeinschaft mit Gott. Und wenn ich bete, soll ich deshalb auch in mich gehen und mir selbst die Frage stellen: Wie sieht es da mit mir aus? Und wenn ich Sünden in meinem Leben finde, soll ich sie bekennen. Ihr müsst natürlich nicht warten bis zum nächsten Gebet, ja, also ihr könnt das auch gleich machen.
Und gleichzeitig ist das Gebet der späteste Moment in meinem Leben, wo ich aufgefordert werde, denen zu vergeben, denen wir schuldig geworden sind. Nehmt euch ungefähr drei bis fünf Minuten Zeit. Jörg wird uns ein Instrumentalstück spielen, und ich möchte, dass ihr diese Zeit nutzt, um nachzudenken. Ich weiß nicht, wie eure Woche war, aber wir werden gleich Gott Lieder singen und ihn danach anbeten. Deswegen wäre es gut, wenn wir uns vorher Zeit nehmen würden, damit Jesus uns die Füße waschen kann.
Geh durch deine Woche durch. Bring die Dinge vor Gott, die bekannt werden müssen. Und dann überleg dir: Wer ist an mir schuldig geworden? Gibt es da noch Menschen, denen ich noch nicht vergeben habe? Und mach das auch.
Wie gesagt: drei bis fünf Minuten, um darüber nachzudenken, wo gibt es Dinge, die ich noch bekennen sollte, und wo gibt es Menschen, denen ich noch vergeben sollte.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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