Der zweite Timotheusbrief – Vers für Vers – Gottes Wort für dich.
Ich brauche eine Auszeit. Deshalb bekommt ihr in den nächsten Wochen eine ganz neue Reihe von mir zum zweiten Timotheusbrief.
Mein Name ist Jürgen Fischer. Ich wünsche euch beim Zuhören Gottes Segen und viele hilfreiche geistliche Impulse für euer Leben.
Die Herausforderung eines klaren Lebensfokus im Dienst Christi
Nehmt teil an den Leiden als ein guter Streiter Christi Jesu! Das ist eine Entscheidung, die ihr jetzt treffen müsst. Es folgen drei Bilder: Das Bild eines Soldaten, bei dem es um Prioritäten geht; das Bild eines Athleten, bei dem Gehorsam und das Einhalten von Regeln im Mittelpunkt stehen; und das Bild eines Bauern, das harte Arbeit und Ausharren symbolisiert.
Paulus sagt: Niemand, der Kriegsdienste leistet – und hier ist nicht der Reservedienst in Friedenszeiten gemeint, sondern tatsächlich ein Feldzug, also Krieg – verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens. Ihr merkt, durch das Wort „niemand“ erweitert sich der Fokus von „Du, Timotheus, nimm teil an den Leiden“ zu einem allgemeinen Prinzip: Niemand, der Kriegsdienste leistet, lässt sich von den alltäglichen Dingen ablenken.
Wenn wir einen Auftrag von Gott angenommen haben, nämlich das Reich Gottes zu bauen und das Evangelium zu predigen, dann ist der generelle Fokus unseres Lebens klar definiert. Egal, wie viele Entbehrungen der Dienst für Gott mit sich bringt, wir dürfen nicht einfach ein normales Leben führen wie alle anderen. Nur weil das Leben in der Gemeinde und der Dienst für Gott manchmal schwer sind, dürfen wir nicht aufgeben.
Das ist eine große Herausforderung, denn die Welt steht da und sagt: „Hey, nimm mich an, lass mich dich beschenken mit all dem Guten, das ich zu bieten habe. Genieße mich, liebe mich!“ Die Welt wartet mit offenen Armen darauf, uns zu empfangen. Das Einzige, was nicht geht, ist: Wir haben dafür keine Zeit. Versteht ihr? Natürlich leben wir in dieser Welt mit, das ist logisch. Aber wir haben einen anderen Oberbefehlshaber.
Niemand, der Kriegsdienste leistet, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefällt, der ihn angeworben hat. Ich kann nicht leben wie der normale Heide. Natürlich werde ich irgendwie mitleben, mich mitfreuen, heiraten, mir ein Handy kaufen und all diese Dinge tun. Ich habe ein Auto, eine Wohnung und muss Miete zahlen. Klar, diese Dinge gehören zum Leben dazu.
Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem ich sage: Stopp, jetzt reicht es. Ich muss bestimmte Dinge nicht mitmachen. Ich muss nicht jedes Buch lesen, jede Serie gesehen haben oder jeden Urlaubsort erkundet haben. Ich brauche Zeit für etwas anderes. Ich werde mich in diesem Leben beschneiden, weil es nicht mein Leben ist. Es ist das Leben, das Gott mir anvertraut hat, um einen Auftrag zu erfüllen.
Gott hat mich in einen Krieg geschickt, und ich soll bestehen. Mein Fokus und meine Priorität sollen darauf liegen, ihm zu gefallen.
Gehorsam im geistlichen Wettkampf
Vers fünf: Wenn jemand am Wettkampf teilnimmt, erhält er nicht den Siegeskranz, es sei denn, er hat gesetzmäßig gekämpft. Genau so ist es: Ich bekomme keinen Siegeskranz, keine Trophäe und keine Belohnung am Ende, wenn ich nicht gesetzmäßig kämpfe.
Stell dir vor, du nimmst an der Tour de France teil und bist als Erster im Ziel. Wenn jedoch jemand gesehen hat, wie du dich zwischendurch an einem Motorrad festgehalten hast, bekommst du trotzdem nicht das gelbe Trikot. Stattdessen wirst du disqualifiziert. Das ist einfach der Punkt.
Gesetzmäßig kämpfen bedeutet also, sich an die Regeln zu halten – an die Gebote Gottes.
Achtung, das ist immer noch die Überschrift: Nimm teil an den Leiden als jemand, der einen klaren Fokus im Leben hat, als jemand, der bereit ist, gehorsam zu leben, und drittens als jemand, der dranbleibt und sich müht.
Der Ackerbauer, der sich müht, muss als Erster an den Früchten Anteil haben, heißt es hier. Wenn du dich mühst, darfst du gerne darüber nachdenken, was das einmal sein wird, wenn du durch bist.
Stell dir vor, wie genial der Moment sein wird, wenn du in der Ewigkeit ankommst und auf dein Leben zurückblickst. Du hast viel Zeit, Energie und Verstand in das Reich Gottes investiert. Dann kannst du überlegen, was daraus geworden ist – das ist schon ein schöner Gedanke.
Du hast dich in Menschen investiert, und sie sind geistlich gewachsen und haben sich bekehrt. Du hast ihre Kinder geprägt, und etwas Gesundes ist entstanden. Das ist ein schöner Gedanke, sich darüber Gedanken zu machen.
Selbstreflexion und geistliche Entwicklung
Und deswegen drei Punkte:
Nimm teil an den Leiden als einer, der fokussiert lebt. Die Rückfrage dazu lautet: Wo hast du dich in einem Leben verloren, das geprägt ist von unnützen Dingen? Dabei geht es gar nicht so sehr um Sünde – das ist das zweite Bild –, sondern zunächst um die Idee des Unnützen. Wo vertändelst du Zeit mit Dingen, die eigentlich nichts bringen? Die für das Reich Gottes nicht relevant sind und die du nur machst, weil man es so macht oder weil diese Welt dir eingeredet hat, dass es irgendwie dazugehört.
Das würde einen besonderen Kick geben. Schau dir mal deine Freizeitgestaltung an. Ein ganz spannender Punkt ist, wenn die Bibel sagt: sechs Tage Arbeit, ein Tag Pause. Wie hast du das denn geregelt? Was sind deine Schwerpunkte?
Der zweite Punkt ist das Thema Gehorsam. Hat sich da irgendwo in deinem Leben vielleicht ein Stück Sünde eingeschlichen? Bist du überhaupt noch dabei, Sünde jeden Tag zu bekennen? Ist das überhaupt noch ein Punkt für dich? Hast du wenigstens angefangen, irgendwo mal eine Liste zu führen mit deinen Top-Ten-Sünden?
Denn wenn du das nicht hast, nicht regelmäßig dafür betest und noch nie einen Bibelvers dazu gelernt hast, dann glaube ich dir nicht, dass Heiligung für dich etwas ist, das dich interessiert. In der Bibel steht aber: „Jagt der Heiligung nach, ohne die niemand den Herrn sehen wird.“ (Hebräer 12,14). Wie machen wir denn nachjagen? Indem wir ab und zu abnicken beim Brotbrechen, dass wir grundsätzlich Sünder sind? Ihr versteht mich, ja, darum geht es hier.
Und dann die Sache mit der Mühe: Bin ich bereit, mich wirklich reinzuhängen? Tut mir der Dienst auch ein bisschen weh? Oder bin ich immer nur der, der mit angezogener Handbremse unterwegs ist und gerade so viel dient, wie es noch geht, ohne mich groß aus meiner Komfortzone herauszubewegen? Wo stehst du?
Paulus fordert hier Timotheus und uns auf: Nimm teil an den Leiden durch einen klaren Fokus, durch die Bereitschaft, gehorsam zu leben, und dann eben auch durch die Bereitschaft, sich zu mühen.
Die Bedeutung des Nachdenkens und der geistlichen Dynamik
Vers sieben: Bedenke, was ich sage – ein schöner Vers. Du musst nicht alles verstehen, was gepredigt wird, aber du musst darüber nachdenken. Gott möchte dich in deinem geistlichen Leben beschenken, indem du verstehst, was gesagt wird. Er möchte, dass du in die Lage versetzt wirst, das Gehörte auch tatsächlich anzuwenden.
Aber das funktioniert nur, wenn du selbst nachdenkst. Da sind wir wieder bei Bibelverse auswendig lernen und darüber nachsinnen. Du brauchst eine Zeit, in der du dich zurückziehst und überlegst: Was mache ich jetzt mit dem Gehörten? Du bist nicht fertig, wenn du nur gehört hast.
„Seht nun genau zu, wie ihr hört“, sagt der Herr Jesus in Lukas 8,18. Denn wer hat, dem wird gegeben. Verstehst du? Achte darauf, wie du zuhörst, was du mit dem Gehörten machst und wie du es umsetzt.
Schau bitte ganz ehrlich in deinem Leben, was sich im letzten Jahr geistlich konkret geändert hat. Wo bin ich im letzten Jahr lieber geworden, heiliger, geduldiger, barmherziger oder disziplinierter? Wo ist Frucht des Geistes sichtbar geworden? Gehe das komplette Programm durch: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Inhaltsamkeit. Hake ab, wo du weitergekommen bist.
Wenn du sagst: „Oh, letztes Jahr war ein schwieriges Jahr“, dann nimm die letzten fünf Jahre. Wenn du deinen besten Freund oder deine Ehefrau fragen würdest: „Schatz, habe ich mich entwickelt? Bin ich mehr geworden wie Jesus?“ – was würde sie sagen? Würde sie antworten: „Na klar, das sieht man! Du wirst jedes Jahr ein Stück geduldiger und sanftmütiger.“ Oder würde sie sagen: „Meinst du Jesus oder den Teufel? Ich habe dich jetzt nicht ganz richtig verstanden. Wem wolltest du ähnlicher werden?“
Die natürliche Tendenz ist, dass wir dem Teufel ähnlicher werden. Entschuldigt, was wir vorhin hatten, dieses einfache Beispiel: Die natürliche Tendenz ist, dass ein Mann aufhört, seine Frau zu bewundern. Oder ihr lieben Schwestern, wann habt ihr das letzte Mal einen schmachtenden Liebesbrief bekommen? Genau, ich weiß, das ist nur so eine triviale Sache, ein Liebesbrief. Aber es ist ein Beleg dafür, dass da etwas weniger wird. Das ist leider die Norm.
Jetzt kommt aber die Bibel daher und sagt solche Dinge wie die, die wir hier haben. Und jetzt kommt die Verheißung: „Denn der Herr wird dir Verständnis geben in allen Dingen.“ Ja, in allen Dingen, über die du nachdenkst – das ist der Kontext. Wenn du nicht darüber nachdenkst, gibt es kein Verständnis. Die Verheißung lautet: Gott wird dir Verständnis geben in allen Dingen, wenn du darüber nachdenkst.
Schön, oder? Gott weiß schon, was du brauchst, und kümmert sich auch darum. Aber wir müssen an der Stelle auch wirklich bereit sein, unseren Teil dazu beizutragen. Ihr merkt schon, ich habe so ein bisschen die Idee, dass Leben Dynamik ist. Und dass sich Dynamik darin zeigt, dass man ganz kleine Schritte geht, ganz kleine gute Gewohnheiten langsam im Leben einführt. Das ist der Clou, wenn du geistlich vorankommen willst.
Meine Homepage heißt Frogwords. Man könnte denken, ich mag Frösche – hält sich in Grenzen. Das ist so ein Spitznamending, da haben andere dafür gesorgt, dass ich den bekam. Aber Frösche sind die mit dem großen Satz: so, so flapp.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass Christen darauf warten, dass irgendetwas Mirakulöses im Leben geschieht. Dann macht es flapp, und sie sind irgendwie für einen großen Schritt in der Heiligung weiter. Wenn du das glauben solltest: Das gibt es nicht.
Was es gibt, ist dieses: Ich lese die Bibel, ich sinne darüber nach, und ich mache einen kleinen Schritt. Ich schreibe vielleicht meiner Frau eine SMS, in der etwas Nettes steht, so in diese Richtung. Und dann gehe ich morgen wieder einen kleinen Schritt.
Das sieht nach nichts aus. Aber weil ich das jeden Tag mache, bewege ich mich richtig dynamisch vorwärts. Versteht ihr? Es ist so eine Bewegung drin – Schritt für Schritt für Schritt, SMS für Liebesbrief, Einladung zum Eheabend, eine schöne Flasche Rotwein kaufen. Es geht alles in kleinen Schritten, und weil ich das tue, komme ich tatsächlich voran.
Der Clou ist: Nach einer Weile, wenn du das ein halbes Jahr lang machst, verändert sich dein Charakter. Irgendwann – das werden Schwestern nicht glauben – schreiben die Typen diese Briefe von allein, einfach so. Das ist dann einfach da. Dann fängt das an, sich wirklich als eine Bewunderung und als Teil des Charakters zu entwickeln. Es geschieht intuitiv.
Stellt euch das mal vor: Was das für ein Zeugnis wäre. Stellt euch nur vor, was das für ein Zeugnis auf der Arbeit wäre, wenn du dort sitzt und denkst: „Hey, ich muss meiner Frau noch einen schönen Liebesbrief schreiben, weil sie einfach eine tolle Frau ist.“
Und jetzt stell dir vor, deine Frau würde ihren Kolleginnen oder Nachbarinnen erzählen: „Hey, ich habe schon wieder einen Liebesbrief von meinem Mann bekommen.“ Kannst du dir vorstellen, dass das Evangelium an keiner Stelle deutlicher zum Ausdruck käme? Gerade dort, wo in einer Gesellschaft der normale Mitfünfziger seine Frau nicht mehr bewundert, du aber immer noch etwas von ihm bekommst.
Wenn sie sich fragt, warum er das macht, und er ihr einfach sagt: „Na, der hat Jesus lieb. Der ist einfach nur gehorsam. Von sich aus würde er das nie tun. Das steckt nicht in ihm drin. Da brauchst du ein neues ewiges Leben, sonst klappt das nie.“ Aber das wäre das, worum es geht.
Das war’s für heute. In der nächsten Episode wird diese Reihe fortgesetzt. Mit dem regulären Podcast geht es am 14. November 2022 weiter. Viele alte Episoden findest du auch in der App und in den meisten Podcast-Playern.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
