Serie•Teil 2 / 2Das Wort Gottes und seine vielfältigen Wirkungen
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Einleitung und erstes Bild: Reinigung durch das Wort
Wir kommen jetzt zu Bild Nummer fünf auf unserem Skript: Das Wort Gottes wird mit Wasser verglichen.
Wir schlagen Epheser 5,25 auf, wo es um die Liebe des Herrn Jesus Christus zu seiner Gemeinde geht: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei.“
In diesem Abschnitt werden sieben Tätigkeiten des Herrn Jesus an der Gemeinde erwähnt. Das ist also Hausaufgabe: diese sieben Verben herauszusuchen, also das, was der Herr Jesus für die Gemeinde tut. Eines davon ist in Vers 26 zu finden: „sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort“.
Das Wort reinigt wie Wasser. Wie geschieht das konkret? Ganz einfach: Wenn wir die Bibel lesen, dann deckt sie uns Dinge im Leben auf, die uns bisher gar nicht bewusst waren. Und die Bibel macht uns klar, dass es dann wichtig ist, diese Dinge, die nicht recht sind vor Gott, im Gebet vor Gott zu bekennen und zu bereuen. Das ist das Grundlegende, was wir durch 1. Johannes 1,9 gelehrt bekommen: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“
So wird die Bibel für uns ein Wasserbad, denn sie deckt Sünde auf, führt zum Bekenntnis, und so bekommen wir nach Gottes Zusage, nach Gottes Verheißung, Vergebung. Und da sind wir gereinigt durch das Wasser.
In Epheser 5 wird also das Bild des Ritualbads aus dem Judentum verwendet. Das war im Jahr vorgeschrieben; nach 3. Mose 15 musste man für bestimmte Verunreinigungen unter dem Gesetz ein Wasserbad nehmen. Dieses Wasserbad wird hier als Bild für das Wort Gottes verwendet, das uns reinigt, indem es uns zur Buße führt.
Das Zeugnis des Weinstocks und die innere Reinigung
Darum sagte der Herr Jesus den elf Jüngern in Johannes. Wichtig ist: Judas war nicht mehr dabei. Das war nach dem Obersaal. Judas ging ja schon ganz am Anfang der Feier weg. Die Elf haben mit dem Herrn weiter gefeiert, und danach sind sie hinausgegangen.
In Johannes 15 sagt er in Vers 1: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, damit sie mehr Frucht bringe. Eine solche Rebe, die keine Frucht brachte, war Judas, und er wurde an diesem Abend weggenommen.
Er spricht hier ganz allgemein von jeder Rebe. Er spricht nicht die elf Jünger direkt an, sondern er sagt den elf Jüngern: Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg. Aber dann spricht er sie an und sagt in Vers 3: Ihr, und zwar betont; im Griechischen ist es betont, darum in den Elberfelder Sperrdruck: Ihr, im Gegensatz zu Judas, seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Und da haben wir wieder das Wort, das wie Wasser reinigt. Das hat diese Elf, die sich wirklich bekehrt haben, gereinigt.
Und ihnen sagt er dann: Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht an dem Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Und ganz wichtig: In Vers 5 sagt er immer noch direkt an die Elf gerichtet: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Aber dann sagt er: Wer in mir bleibt und ich in ihm, dieser bringt viel Frucht; denn außer mir könnt ihr nichts tun.
In Vers 6 wird es plötzlich anders formuliert: Wenn jemand nicht in mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Da sagt er nicht den elf Wiedergeborenen, die rein waren durch das Wort Gottes: Wenn ihr nicht in mir bleibt, werdet ihr hinausgeworfen. Sondern er sagt: Wenn jemand. Das hat für Judas zugetroffen. Der hatte sich nie bekehrt, und er war nie wiedergeboren worden.
Genau dieses Wort liest man dann weiter. Aber in Vers 7 spricht er sie wieder an, die Elf: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben und so weiter. Also sagt er ihnen: Ihr seid schon rein um des Wortes willen. Auch da haben wir wieder das reinigende Wort vor uns, das eben wäscht und sauber macht.
Das bringt uns zum nächsten Punkt, und wir werden gleich sehen: Obwohl es auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hat, gehört das ganz eng zusammen.
Das Wort als Spiegel und die Vorbereitung auf Gottes Gegenwart
Das nächste Bild: Die Bibel ist ein Spiegel. Jakobus 1.
Ich lese ab Vers 22 des Zusammenhangs wegen: Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit nahe, hineinschaut und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird glückselig sein in seinem Tun.
Hier wird das Wort Gottes mit einem Spiegel verglichen. Das will sagen: Das Wort Gottes deckt schonungslos auf, wer wir sind und wie wir sind.
Warum schauen Menschen am Morgen in den Spiegel? Ja, es kann verschiedene Gründe haben. Ich meine jetzt nicht etwas Krankhaft-Selbstverliebtes. Aber man will doch irgendwelche Dinge korrigieren. Plötzlich stellt man fest: Ach, als Mann habe ich vergessen, mich zu kämmen. Das kann tatsächlich passieren, aber der Spiegel macht es klar. Der Spiegel deckt auch auf, was im Gesicht sonst nicht ganz stimmt und noch korrigiert werden kann.
So ist auch das Wort Gottes. Es zeigt einfach die Wahrheit über uns. Und zwar nicht, um uns zu verletzen oder uns ein Trauma hinzuzufügen, sondern um uns zu helfen, das zu korrigieren, was korrigiert werden muss. So wirkt das Wort Gottes auf uns.
Nun ist es interessant: In 2. Mose 38,8 lesen wir im Zusammenhang mit der Stiftshütte von Frauen in Israel und ihren Spiegeln. Und er, Mose, machte das Becken. Hier geht es um das Waschbecken, das im Vorhof stehen sollte, vor dem Eingang ins Heilige, damit die Priester, bevor sie ins Heilige gehen, ihre Hände mit Wasser waschen konnten. Und wir werden gleich noch mehr sehen. Und er machte das Becken aus Kupfer und sein Gestell aus Kupfer, aus den Spiegeln der sich scharenden Frauen, die sich scharten am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft.
Beim Eingang der Stiftshütte war ein besonderer Bereich, wo gottesfürchtige Frauen zu beten pflegten. Das wird übrigens auch in 1. Samuel im Zusammenhang mit der Samuelsgeschichte erwähnt, wo Frauen dort beim Beten sind. Von daher leitet sich dann später im Tempel der Frauenvorhof her. Der Frauenvorhof war ja ein Vorhof, gerade vor dem innersten Vorhof mit dem Waschbecken und dem Altar. Der Frauenvorhof war also der Bereich, wo gottesfürchtige Frauen zu beten pflegten.
Bei der Stiftshütte gab es nur einen Vorhof, aber gerade vor diesem Vorhof haben die Frauen gebetet. Und diese Frauen haben Mose ihre Kupferspiegel zur Verfügung gestellt. Ich besitze einen solchen Kupferspiegel. Und wirklich: Wenn Kupfer so blank poliert ist, sieht man sich darin. Das funktioniert. Es muss gar nicht unbedingt Glas sein. Ja, ich habe jetzt den Spiegel nicht mitgebracht, weil man ihn von da aus ja doch nicht sieht. Aber es funktioniert.
Und so haben diese Frauen darauf verzichtet, damit Mose das Waschbecken machen konnte. Also aus dieser feinen Bronze. Und so sehen wir dort die Kombination von Wasser, das reinigt, und Spiegel, der aufdeckt. Ich habe ja gesagt: Wasser und Spiegel, hier auf dem Blatt Nummer fünf und sechs, das gehört sehr eng zusammen.
Das Waschbecken als Bild der unerschöpflichen Schrift
Und das führt uns eben zu Punkt sieben: das Waschbecken.
Das Waschbecken der Stiftshütte ist tatsächlich auch ein Bild des Wortes Gottes. Die Beschaffenheit wird in 2. Mose 30,17-21 beschrieben, also die genauen Vorschriften, wie es gebaut werden sollte. Und was hier auffällt, ist: Es wird kein Maß angegeben.
In der Stiftshütte wird doch alles so genau festgelegt: die Maße für die Eingangsvorhänge, für die Säulen, die den Vorhang trugen, die Maße für den Altar sind genau angegeben, die Maße für das eigentliche Stiftshüttenhaus, die Größe der Bretter aus Akazienholz, überzogen mit Gold – alles wird so detailliert angegeben. Aber beim Waschbecken gibt es keine Maßangaben.
Es ist so: In der Bibel ist nicht nur wichtig, was drinsteht, sondern auch, was nicht drinsteht. Auch das hat eine Bedeutung. Wenn das Waschbecken von dem Wort Gottes spricht, das uns reinigt durch das Wasser und ein Spiegel ist, der uns aufdeckt, welches Maß sollen wir dann für die Bibel angeben? Es ist so: Die Bibel ist unerschöpflich. Man kann das ganze Leben darin studieren, und es bleibt spannend.
Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass ich eine Woche lang nicht neue Schätze entdecke. Ständig, und das durch Jahrzehnte hindurch. Über 50 Jahre Bibel lesen, und es funktioniert noch immer. Und ich sehe: Das Leben ist zu kurz. Man kommt nie an ein Ende. Darum ist das Waschbecken eben ohne Maß. Die Bibel ist unausforschlich, bleibt wunderbar und wirkt als Spiegel, wirkt als Wasser.
Und es ist ganz wichtig: Das Waschbecken wird uns in der Beschreibung in 2. Mose erklärt. Es war für die Priester. Sie mussten Hände und Füße waschen, bevor sie jeweils ins Heilige gingen. Wenn sie ins Heilige gingen, dann gingen sie bewusst in die Gegenwart Gottes. Und wir können eben nicht in die Gegenwart Gottes gehen und die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn genießen, wenn unsere Hände schmutzig sind und wenn unsere Füße schmutzig sind.
So mussten die Priester jedes Mal Hände und Füße waschen, mit diesem Wasser aus dem Waschbecken, bevor sie hineinging. Und das bedeutet Folgendes: Diese unbefangene Gemeinschaft, diese frohe Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn, die ist eben dann möglich, wenn nicht irgendwie Sünde, die uns bewusst ist, im Wege steht. Sünde, die uns bewusst ist, dämpft die Gemeinschaft, und das muss zuerst gewaschen werden durch das Wort Gottes. Aber dann hineingehen und Gemeinschaft haben mit dem Vater und dem Sohn.
Darum ist es auch so wichtig im Zusammenhang mit dem Abendmahl. In 1. Korinther 11 wird natürlich gesagt: ein jeder prüfe sich selbst. Das ist wichtig. Wenn man die Gemeinschaft beim Brotbrechen mit dem Vater und dem Sohn in so besonderer Weise ausdrücken will, ist es wichtig, dass das Leben vorgeordnet ist. Aber nicht, um solchen, die schon ein feines Gewissen haben, Angst zu machen.
Es ist wichtig, dass man sich fragt: Ist etwas nicht in Ordnung? Ist mir nichts bewusst? Oder: Ja, da ist mir etwas bewusst. Sollen wir das dem Herrn bekennen, ihm sagen, dass es uns leidtut? Dann haben wir die Zusage: Ob wir es spüren oder nicht, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.
Warum wird gesagt: aller Ungerechtigkeit? Damit wir nicht denken, vielleicht sind irgendwelche unbewussten Dinge da, die immer noch trennen. Nein, es ist so: Wenn wir zum Herrn kommen und das bringen, was uns bewusst ist, dann dürfen wir das auch in der Gesinnung tun, wie David betet in Psalm 19: Von verborgenen Sünden reinige mich.
Gemeinschaft, Selbstprüfung und die Grenzen religiöser Leistung
Nun, 1. Korinther 11 sagt nicht: „Ein jeder prüfe sich selbst, und er esse nicht“, sondern: „Ein jeder prüfe sich selbst, und also esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch.“
Die Aussage ist: Wir müssen uns prüfen und das dem Herrn bekennen. Das folgt selbstverständlich. Und dann dürfen wir essen, ohne zu denken: Jetzt muss ich mich noch eine Woche bewähren oder zwei Wochen.
Das hängt zusammen mit unserem Fleisch, das eben eine Leistungsreligiosität beinhaltet. Wir denken vielleicht, unser Fleisch ist nur gottlos. Nein, unser Fleisch ist auch religiös. Das sieht man zum Beispiel in der Geschichte von Haman. Haman ist ein Bild des Fleisches, aber schließlich kommt er ja ans Holz. Das war die persische Kreuzigung.
Also: Die aber des Christus sind, haben ihr Fleisch gekreuzigt. Auch die zehn Söhne kamen ans Holz, im Buch Esther. Die aber des Christus sind, sagt Galater 5, haben ihr Fleisch gekreuzigt, samt ihren Leidenschaften und Lüsten. Das sind die zehn Söhne Hamans.
Nun, dieser Haman war ein Feind von Mordochai. Mordochai, der Retter des Volkes Gottes in Esther, ist ein Bild des Herrn Jesus. Und dieser Haman hasste Mordochai. Unser Fleisch ist ein Rebell gegen den Herrn Jesus.
Aber es kam der Moment, wo Haman so geknickt war, dass er bereit war, vor Mordochai auf dem königlichen Pferd herzugehen und zu sagen: „So geschieht mit dem Mann, an dem der König wohlgefallen hat.“ Und er verherrlicht Mordochai, seinen Todfeind. Wie geht das? Da ist das Fleisch religiös geworden.
Ja, unser Fleisch kann sehr religiös sein und trinkt uns auf Leistung und auch Verdienst. Und da müssen wir sagen: Nein. Der Herr sagt: Prüfe sich selbst, und also esse er.
Und wir dürfen die Gemeinschaft eben genießen, wie die Priester. Sie haben ihre Hände gewaschen, ihre Füße gewaschen, und dann sind sie hineingegangen. Nicht nach Hause, sondern hinein ins Haus Gottes.
Honig als Bild von Freude, Weisheit und innerer Stärkung
Wir gehen weiter.
Und dazu schlagen wir Psalm 19 auf. Das ist dieser Psalm, der uns drei Zeugnisse für Gottes Herrlichkeit vorstellt. Zuerst wird nach dem Titel in Vers 1 in den Versen 2 bis 7 die Schöpfung vorgestellt, die von Gottes Herrlichkeit spricht. Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes.
Danach wird in den Versen 8 bis 11 über das Wort Gottes gesprochen, mit verschiedenen Bezeichnungen: das Gesetz des Herrn. Dabei muss man wissen: Gesetz bedeutet im Hebräischen Weisung. Tora bedeutet, mit ausgestrecktem Finger auf den Herrn Jesus zu weisen. Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und erquickt die Seele. Dann wird es das Zeugnis des Herrn genannt. Die Vorschriften des Herrn, das Gebot des Herrn, die Furcht des Herrn, weil das Wort Gottes uns Ehrfurcht vor Gott weckt, und die Rechte des Herrn. Das meint die Rechtsbeschlüsse des Herrn. Gott sagt: Das ist richtig, und das ist richtig.
Dazu werden in diesen Versen vierzehn, also zweimal sieben Kennzeichen der Bibel erwähnt. In Vers 8: Sie ist vollkommen, erquickt die Seele, ist zuverlässig, macht weise, ist richtig, erfreut das Herz, ist lauter, erleuchtet die Augen, ist rein, besteht ewig, ist Wahrheit, und alle Aussagen sind gerecht. Und in diesem Zusammenhang lesen wir in Vers 11 noch Weiteres: Sie ist kostbar und süß. Aber hier in Vers 11 steht: Sie, die kostbar sind als Gold und viel gediegenes Gold und süßer als Honig und Honigseim. Da wird die Bibel mit Honig verglichen, um auszudrücken, wie süß das Wort Gottes ist. Es macht einfach Freude.
Wir haben nicht in allen Momenten das gleiche Verlangen nach Süßigkeit. Darum kann man nicht in allen Momenten verstehen, was das sagen will: süßer als Honig. Aber es gibt Momente, wo man wirklich Zucker braucht. Einen solchen Moment habe ich hier notiert: 1. Samuel 14,27. Jonathan war erschöpft. Und dann besteht natürlich sehr leicht ein Zuckermangel. Was findet er dort? Er findet wilden Honig und nimmt ihn zu sich. Und das Wort Gottes sagt dann, dass seine Augen hell wurden. Was ist geschehen? In der Erschöpfung: Zuckerzufuhr. Das gibt so schnell Energie, dann lebt man richtig auf.
Also wirklich, ich habe das schon erlebt in der Wüste. Wirklich ein Punkt: Wir hatten zu wenig zu trinken, und es war natürlich nur pralle, knallharte Sonne. Und in einem solchen Moment ist ein Süßgetränk unglaublich. Das ist unglaublich, die Erfahrung. Also schon das Kribbeln im Rücken, so wie bei Grippesymptomen, und dann diese Zufuhr in kürzester Zeit. Dann werden die Augen wieder hell. Das hat Jonathan mit Honig erlebt. Und hier wird das Wort Gottes eben mit diesem Energiespender verglichen, der durch die Inhaltsstoffe sogar noch gesund ist: Honig. Das Wort Gottes ist süßer als Honig und Honigseim.
Was ist Honigseim? Das ist ein Wort, das man heute kaum mehr verwendet. Honigseim ist der fließende Honig, wenn er aus der Wabe fließt. Dann hat der Kristallisationsprozess noch nicht stattgefunden, nicht wahr? Später kristallisiert der Honig, und dann wird die Konsistenz anders. Er ist dann auch weniger süß als der Honigseim. Ja, und darum wird hier die Steigerung gemacht: süßer als Honig und Honigseim. Das ist der Punkt.
Aber wir lesen dazu noch aus Psalm 119, Vers 103. Dieser Psalm spricht so beeindruckend über das Wort Gottes, das das Herz des Psalmisten wirklich erfüllt. Und der Psalmist sagt: Wie süß sind meinem Gaumen deine Worte, mehr als Honig meinem Mund. Interessant: Manchmal wird das Wort Gottes mit Honig verglichen, und dann wird aber auch, wie hier gesagt, es ist noch mehr als Honig. Und diese Vergleiche werden wir noch weiter sehen. Das Wort Gottes wird mit etwas verglichen, oder es wird sogar noch überhöht. Und das Wort Gottes ist noch viel mehr als der Vergleich. Also beides finden wir.
Dazu aus Hohelied 4,11. Da haben wir ja schon gelesen: Der Bräutigam, der jung verheiratete Mann, sagt der Braut, und das sind eben die Gläubigen der Gemeinde, dass in ihrem Mund Honig ist. Da geht es wieder darum, dass wir als Gläubige über das Wort Gottes sprechen, das eben für unsere Herzen so kostbar ist wie die Süße des Honigs.
Und auch in Hohelied 5,1 sagt Salomo wieder, wie er diesen Honig bei Sulamit findet. Und dann ganz interessant: Offenbarung 10. Dort sieht er ein kleines Büchlein, und das muss er essen. Das erinnert uns an Jeremia 15,16: Deine Worte waren vorhanden, und ich habe sie gegessen, und sie waren zur Wonne und Freude meines Herzens.
Also da in Offenbarung 10 sieht er diesen geheimnisvollen Boten Gottes mit dem kleinen Büchlein in der Hand. Man lese ab Vers 1 in Kapitel 10. Und dann heißt es in Vers 9: Und ich ging zu dem Engel oder zu dem Boten und sagte ihm, er möge mir das Büchlein geben. Und er spricht zu mir: Nimm es und iss es auf, und es wird deinen Bauch bitter machen, aber in deinem Mund wird es süß sein wie Honig. Und ich nahm das Büchlein aus der Hand des Engels und aß es auf, und es war in meinem Mund süß wie Honig. Und als ich es gegessen hatte, wurde mein Bauch bitter gemacht. Es wurde mir gesagt: Du musst wieder weissagen über Völker und Nationen und Sprachen und viele Könige.
Nun, das kleine Büchlein in der Offenbarung steht im Kontrast zu diesem großen Buch mit den sieben Siegeln in Offenbarung 5, 6 usw. Das große Buch mit den sieben Siegeln, das ist Gottes Ratschluss der Gerichte über die ganze Welt. Wenn die Siegel geöffnet werden, kommen die Gerichte über die Welt. Und das siebte Siegel besteht dann aus sieben Posaunengerichten, und die siebte Posaune besteht noch aus sieben Schalengerichten. Da ist der ganze Zorn Gottes, der nach der Entrückung über die Welt kommen wird, beschrieben bis zur Wiederkunft Christi als König und Richter der Welt.
Aber in den Kapiteln 10 und 11 wird der Fokus der Prophetie zusammengezogen. Es geht hier nicht um die ganze Welt, sondern ganz besonders um Jerusalem. Kapitel 11 um den Tempel in Jerusalem und um den Überrest in Jerusalem. Es geht um die zwei Zeugen in Jerusalem. Und darum ist es hier das Büchlein, weil der Fokus auf Jerusalem zusammengezogen wird und nicht auf die Welt. Aber es ist ein geöffnetes Büchlein, nicht ein versiegeltes Büchlein. Warum? Weil die Dinge in den sieben Siegeln nicht bekannt waren, bevor die Offenbarung geschrieben wurde. Das war versiegelt, das war unbekannt.
Das ist übrigens wichtig für die, die meinen, die siebte Posaune, die aus dem siebten Siegel herauskommt, nicht wahr? Die siebte Posaune, das sei die Posaune, die Paulus meint in 1. Korinther 15, bei der letzten Posaune wird die Gemeinde entrückt. Nein, damals war das Buch noch nicht bekannt, das Buch mit den sieben Siegeln. Und Paulus benutzt dort den Ausdruck aus dem römischen Heerwesen: die letzte Posaune. Das war die Posaune, wenn die Armee aufbrach. Und so ist die Posaune bei der Entrückung die Posaune zum Aufbruch, um in den Himmel zu gehen.
Aber hier geht es also um das geöffnete Büchlein, weil die Prophetie über Jerusalem schon im Alten Testament ausführlich zu finden ist. Darum ist es ein geöffnetes Büchlein. Aber dieses Büchlein ist für Johannes, und in seinem Mund ist es süß wie Honig. Wenn die Bibel studiert wird und wenn man die Offenbarung studiert, dann ist es so, man wäre glückselig. Da steht ganz am Anfang in Kapitel 1: glückselig, wer diese Worte hört und sie liest.
Das heißt übrigens, dass die Bibel eben glückselig macht, solche, die lesen können, und solche, die Analphabeten sind. Ja, gerade im ersten Jahrhundert musste die Bibel noch viel mehr in der Gemeinde vorgelesen werden als heute. Heute auch, aber es ist ganz wichtig, wenn man die Bibel vorliest, dass man genau liest, dass man nicht zu schnell liest, deutlich liest, versucht, richtig zu betonen. Dadurch wird der Text auch verständlicher. Paulus sagt in 1. Timotheus 4: Halte an mit dem Vorlesen. Aber das ist eben in einer Gesellschaft, wo es Analphabeten gibt. Und die gibt es auch heute, zum Beispiel in Thailand. Es ist ganz wichtig, dass man vorliest, weil nicht alle lesen können oder nicht gut lesen können.
Also glückselig der, der hören und der lesen kann. Aber alle werden glückselig durch das Lesen der Offenbarung. Nach dem Schluss der Offenbarung wird nochmals gesagt, dass man glückselig ist mit diesem Buch. Aber da stehen auch viele Dinge, die uns traurig machen. Wenn wir an Angehörige denken, die noch nicht errettet sind, wenn man an Nachbarn denkt, denen man auf den Herrn hingewiesen hat und die sich immer noch nicht bekehrt haben, und man sieht, was da über diese Welt kommt, dann wird das gleiche Wort, das süß ist, auch bitter sein können.
Und darum ist es nicht so beim Bibellesen, dass man immer nur Freude hat. Aber es ist alles wichtig, alles zur Erbauung. Doch es gibt auch Dinge, die wir im Magen als bitter empfinden können. So stellt das Wort Gottes sich uns vor.
Weitere Nuancen des Honigbildes und die innere Wirkung des Wortes
Aber gehen wir weiter zu Punkt neun: Honig sein. Das ist eben ein anderes Wort. Dwasch ist Honig, Psalm 19,11. Dwasch kann übrigens Bienenhonig bedeuten, aber auch Frucht; verdickte Fruchtsäfte werden auch Dwasch genannt in der Bibel.
Und das hebräische Wort für Honigseim ist Nofet, und das heißt eigentlich Gitter, ja, wie das Gitter der Honigwaben. Wenn aus der Honigwabe eben der Honig ausfließt, das ist diese besondere Konsistenz, die eben noch süßer ist als der kristallisierte Honig. Und das Wort Gottes wird eben auch damit verglichen.
Und was Jonathan eben damals in 1. Samuel 14,27 zu sich nahm in der Erschöpfung, das ihm wieder richtig aus der Erschöpfung herausgeholfen hat, als Energiespender, so kann es sein: Ein Wort zur richtigen Zeit, der richtigen Person weitergegeben, das kann genau so sein wie Honigseim im Mund von Jonathan, dem Erschöpften. Sprüche 24,13.
Da sagt Salomo: Iss Honig, mein Sohn, denn er ist gut, und Honigseim ist deinem Gaumen süß. Ebenso betrachte die Weisheit für deine Seele. Da sehen wir den Vergleich: Honig wird hier mit der Weisheit verglichen, und das ist natürlich die Weisheit des Wortes Gottes. Wenn du sie gefunden hast, so gibt es eine Zukunft, und deine Hoffnung wird nicht vernichtet werden.
Wirklich, das Wort Gottes gibt uns Perspektive für die Zukunft und gibt uns eben auch Ausweg und Erklärung für schwierige Fragen in unserem Leben. So will das Wort Gottes uns diese Weisheit geben. Das ist dieser Honig.
Dann Kapitel 27,7: Eine satte Seele zertritt Honigseim, aber einer hungrigen Seele ist alles Bittere süß. Also da haben wir genau diesen Punkt. Ich habe gesagt, nicht in jedem Moment ist man auf Süßes aus. Also es gibt für mich viele Momente, wenn mir jemand irgendetwas Süßes anbietet, ich will gar nichts damit zu tun haben. Ich trinke lieber etwas ganz Bescheidenes, und so ist mir wohl. Aber ich brauche da nicht noch ein Kuchenstück und noch das und mit so viel Rahm und so und Zucker. Also es ist nicht in jeder Situation gleich.
Und eine satte Seele, die ist gar nicht darauf aus. Aber wenn man eben hungrig ist und Zucker braucht, dann ist das ganz anders. Ebenso wird auch das, was bitter ist, ganz anders empfunden. Und so ist das eben auch bei uns, dass die Voraussetzung nicht immer gleich ist. Das hängt zusammen mit unseren bestimmten Umständen.
Gold und Silber als Bilder der Kostbarkeit und Reinheit
Gehen wir weiter zum nächsten Punkt: 10. Die Bibel wird verglichen mit Gold, und zwar wieder in Psalm 19,11. Sie, die kostbar sind. Es geht um die Rechte, also die Rechtsentscheidungen des Herrn in seinem Wort. Sie sind kostbarer als Gold und viel gediegenes Gold.
Auch da sehen wir eine Steigerung, wie bei Honig und Honigseim: Gold und gediegenes Gold. Gediegen meint eben wirklich reines Gold, nicht nur 24 Karat, das ist schon nicht schlecht. Aber reines Gold ist nochmals etwas anderes. Und die Bibel wird mit reinem Gold verglichen, um zu betonen: Es ist gar nichts im Wort Gottes drin, was nicht stimmt.
Es ist so wichtig, wenn wir das Wort Gottes lesen und vielleicht mit der einen oder anderen Stelle Mühe haben, eine Verständnisschwierigkeit. Dann dürfen wir einfach von vornherein wissen: Es ist gediegenes Gold. Und es gibt eine Antwort auf alle Fragen, auch wenn man sie selber im Moment nicht hat. Das ist wichtig, und dieser Glaube ehrt Gott.
Und er wird auch belohnt, indem man erlebt, durch Jahrzehnte hinweg, wie eine Schwierigkeit nach der anderen aufgelöst wird. Das ist doch das Schöne am Wort Gottes. Darum ist es irgendwie noch schöner, wenn man die Bibel 50 Jahre studiert hat, als wenn man sie erst ein Jahr oder drei Jahre studiert hat. Dann merkt man: Es ist reines Gold.
Und das führt uns gerade zum nächsten Punkt. Auf dem Blatt habe ich noch mehr Stellen, wo Gottes Wort mit Gold verglichen wird. Aber wir gehen schon zu 11. Silber. Die Bibel wird auch mit Silber verglichen. Jetzt muss man nicht denken: Ja, aber Silber ist ja weniger wert als Gold.
Nein, Gold ist aus bestimmten Gründen beliebt. Natürlich schon sehr früh nach der Sintflut, als die Menschen in grossem Masse begannen, Gold abzubauen und zu bearbeiten, haben sie gemerkt, wie fantastisch es ist, Gold zu bearbeiten. Es ist so weich, man kann es verformen. Und es ist auch ein Metall, das wir als Edelmetall bezeichnen. Das heisst, es ist nicht verbindungsfreudig. Gold hat als chemischer Stoff Mühe, mit anderen Elementen eine Verbindung einzugehen. Es gibt es schon, nicht wahr? Aber Gold ist eben als Edelmetall sehr zurückhaltend und darum so einfach in reiner Form zu haben.
Und natürlich auch dieses Gelbliche: Es gibt kein anderes Metall, das diese Farbe hat. Darum können auch andere Edelmetalle eben nicht mit Gold aufwarten. Dieser Glanz des Goldes und diese Farbe des Goldes, die auch an das Sonnenlicht erinnert, das ist etwas ganz Besonderes.
Aber Silber hat eben wieder andere Eigenschaften. Es geht viel schneller eine Verbindung ein mit einem anderen Element als Gold. Aber wenn das Silber geläutert ist, das heisst ohne Schlacken, ohne Verbindung, dann ist es so hell, heller als Gold. Das Licht wird zu 99,5 Prozent von Silber wieder abgestoßen. Also dieser helle Glanz des wirklich reinen Silbers ist eben etwas ganz Besonderes.
Und dann hat es Eigenschaften wie diese, dass es Bakterien tötet und Pilze tötet. Darum hat man schon im Altertum festgestellt: Man muss ein bisschen Silber ins Trinkwasser reintun. So kann man in den Zisternen, zum Beispiel auf Massada oben, das Wasser über Jahre gesund erhalten. Also es braucht nicht nur Chlor, vielleicht im Swimmingpool, um das Wasser zu erhalten und gegen Algen zu schützen. Das geht auch mit Silber und ist schon angenehmer als Chlorwasser. Ja, das geht dann gar nicht.
Also Silber hat wieder besondere Eigenschaften und drückt eben wieder andere Seiten von der Herrlichkeit des Wortes Gottes aus als Gold. Darum gibt Gott uns so viele Vergleiche, um uns eben die Vielfältigkeit des Wortes Gottes deutlich zu machen.
Das Wort als Feuer, Licht und schneidendes Gericht
Und nun Psalm 12, Vers 7: Die Worte des Herrn sind reine Worte, Silber, das geläutert im Schmelztiegel zur Erde fließt, siebenmal gereinigt.
Hier wird Silber genommen, nicht Gold, weil Silber eben wirklich mit Schlacke verbunden sein kann. Aber durch das Läutern kann man das Silber reinigen und davon lösen. Und wenn man das eben nicht nur einmal tut, sondern den Prozess siebenmal durchläuft – das ist die Zahl der Vollkommenheit in der Bibel –, dann will das sagen: Das Wort Gottes ist wirklich so vollkommen, es gibt gar nichts, was irgendwie menschliche Unvollkommenheit ist in dem Wort Gottes. Es ist perfekt, das wird hier so betont.
Und in Psalm 119,162 sagt der Psalmist, um das noch zu überhöhen, das Wort Gottes ist nicht nur so kostbar wie Gold und wie Silber, sondern er sagt in Vers 162: Das Wort Gottes ist eben der Freude wert, wie eine grosse Beute. Der Psalmist vergleicht sich mit jemandem, der grosse Beute gefunden hat. Ich freue mich über dein Wort, wie einer, der grosse Beute findet. Das kann Silber und Gold umfassen, aber auch noch viele andere wertvolle Dinge, die im Kampf errungen worden sind. Und so freut sich der Psalmist.
Wir müssen eines wissen: Satan hasst es, wenn wir uns an der Bibel freuen und wenn wir das Wort Gottes studieren. Darum ist er ständig interessiert, wie er das torpedieren kann. Er hasst die ganze Bibel. Das beginnt schon bei 1. Mose 3. Dort wird ja schon sein Ende angekündigt, dass der Messias kommen wird und sein Kopf, sein Schlangenkopf, zertreten wird. Darum war Satan bemüht, den Menschen einzureden, das erste Buch Mose sei ein Märchenbuch. Und das mit dem Schöpfungsbericht, das sei alles falsche, altmodische Ansicht von den Menschen der Antike. Wir wissen das viel besser, also braucht man gar nicht zu studieren.
Ja, und beim letzten Buch: Dort wird ja sein Ende im Feuersee beschrieben, das hasst er auch. Und darum sagt er den Leuten: Die Offenbarung, das ist viel zu kompliziert, das ist ein Buch mit sieben Siegeln. Ha, muss man nur lesen, das stimmt ja gar nicht. Das Buch mit den sieben Siegeln ist im Himmel und ist ein anderes Buch als die Bibel, die wir in unseren Händen haben. Also er will sagen, das ist zu kompliziert, das muss man gar nicht studieren. Und das ist so mystisch und unverständlich mit all den Symbolen da drin. Er will uns einfach abbringen.
Und es kann auch sein, dass der Teufel versucht, dass wir beginnen, die Bibel gegen uns zu lesen. Es ist ein Phänomen, das es immer wieder gibt, dass Gläubige lesen und anstatt das, was Freude machen sollte, wird irgendwie wie feindlich empfunden. Das macht der Teufel. Und was machen wir, wenn er etwas macht? Erst recht das Gegenteil. Da darf man wirklich und muss man trotzig sein.
Und so ist es eben mit Kampf verbunden, die Schätze des Wortes Gottes zu erobern. Und das sagt der Psalmist: Ich freue mich wie einer, der grosse Beute findet. Das sind Schätze, wo es durch Kämpfe hindurchgegangen ist, manchmal auch seelische Kämpfe im Glaubensleben, bis man durchgerungen ist und versteht und zur Ruhe kommt durch das, was das Wort Gottes uns sagt.
Und dann, dreizehntes Beispiel: In Jeremia 23,29 wird das Wort Gottes mit Feuer verglichen. Gott sagt: Ist mein Wort nicht so wie Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert? Und Jeremia beschreibt es so in Kapitel 20, Vers 9, dass, wenn er das Wort Gottes nicht weitergeben wollte – er hatte den Auftrag, das Wort Gottes weiterzugeben, und die Menschen um ihn herum lehnten seine Verkündigung ab, es war sehr schwierig für ihn –, aber er sagt: Das Wort Gottes ist in mir wie ein Feuer, und ich kann dem gar nicht widerstehen, um nicht davon zu sprechen. Dieses Wort hat in ihm ein Feuer entfacht.
Und das ist genauso, in einer anderen Art, wieder in Lukas 24,32: die Emmausjünger, die mit dem Herrn von Jerusalem nach Emmaus spazierten, und der Herr hat ihnen das Alte Testament geöffnet und gezeigt, was alles auf ihn als Messias hinwies. Die sagten: Brannte nicht unser Herz, als er mit uns redete auf dem Weg und die Schriften uns öffnete? Das ist das Wort Gottes eben wie ein Feuer.
Und das ist auch der Grund, warum es in Apostelgeschichte 18,25 von Apollos heisst, dass er brennend im Geist war. Das Wort Gottes hat dieses Brennen bei ihm ausgelöst.
Und wenn wir bei Feuer sind, kommen wir zu 14, Lampe. Psalm 119,105 sagt, dass das Wort Gottes eine Lampe ist und ein Licht: Dein Wort ist Leuchte meinem Fuss und Licht für meinen Pfad. Das sind zwei Verszeilen in diesem Gedicht. Es ist nicht einfach das Gleiche: Leuchte und Licht. Leuchte meint also eine Lampe, hebräisch Ner, zum Beispiel der Leuchter in der Stiftshütte. Die siebennamige Menorah wird genannt in 2. Mose 27,20: Leuchter, Lampe, auch in 1. Samuel 3,3. Also, der siebennamige Leuchter ist ein Bild von dem Wort Gottes, das uns eben göttliches Licht gibt und uns Orientierung gibt in einer Welt ohne Orientierung.
Ich habe bei Punkt fünfzehn Licht hingeschrieben. Hier hebräisch or: Das ist das gleiche Wort wie in 1. Mose 1,3, und Gott sprach: Es werde Licht. Das muss man unterscheiden. In 1. Mose 1,14 und 16 geht es um die Erschaffung von Sonne und Mond, und die werden Lichter genannt, nicht wahr? Also Mehrzahl. Aber das ist nicht das Wort or, sondern ma'or. Das M vorne dran deutet an, das ist ein Ort, wo etwas geschieht, nämlich wo Licht entfaltet wird. Aber or, das ist der Lichtstrahl, die Lichtwelle an sich, das ist or.
Und so ist das Wort Gottes eben wie der siebenarmige Leuchter eine Lampe, die uns zeigt, wo wir gehen sollen in unserem Leben, Schritt für Schritt. Und es ist einfach auch dieses vollkommene Licht an sich, das in der Finsternis leuchtet.
Das Schwert des Geistes und der umfassende Ratschluss Gottes
Und wir haben bereits Jeremia 23,29 gelesen: Das Wort Gottes ist wie Feuer, und Gott sagt im gleichen Vers: „Ein Hammer, der Felsen zerschmettert.“ Das dürfen wir bei Menschen sehen, die ein ganz hartes Herz haben, wie Fels. Und manchmal denkt man: Ich kann mir unmöglich vorstellen, dass dieser Mensch sich einmal noch bekehrt. Und trotzdem haben wir erlebt, dass solche harten Herzen schliesslich doch durch die Gewalt des Wortes Gottes, durch die innewohnende Gewalt, zerbrochen wurden und sich bekehren konnten.
Dann gehen wir noch zu Hebräer 4,12, wo das Wort Gottes mit einem Schwert verglichen wird:
Hebräer 4,12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Überlegungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles ist bloss und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.
Hier steht für Schwert das griechische Wort Machaira. Machaira ist nicht das lange Schwert, sondern das Kurzschwert, und zwar das gerade Schwert, darum zweischneidig. Man muss es unterscheiden von dem früheren Rundschwert, das die Israeliten benutzten, also in den frühen Geschichten der Bibel. Immer wenn vom Schwert und vom Schlagen mit dem Schwert die Rede ist, dann ist das Rundschwert gemeint. Mit dem hat man nicht gestochen, also nicht stabbing, sondern man hat geschlagen, und es hatte nur eine Klinge.
Und kennen wir nicht die Geschichte in Richter 3, wo Ehud sich ein gerades Kurzschwert machte, ein Schwert mit zwei Klingen? Das war eine Sensation. In Europa, im europäischen Raum, kannte man das Langschwert, das Gerade, schon längst. Aber im Nahen Osten war eben das Krumschwert das Übliche. Und erst als die Philister ihre zweite grosse Invasion machten, um 1200 vor Christus, aus der Ägäis über Ägypten kamen sie in das Gebiet des heutigen Gazastreifens und darum herum. Die Philister wurden zu den Todfeinden Israels am Ende der Richtergeschichte. Dann, in 1. Samuel, zuerst Eli, dann Saul und dann David, wird zum Sieger über sie. Aber die Philister brachten aus Europa das gerade Schwert mit, und das hat ihnen einen grossen militärischen Vorteil gebracht.
Darum ist diese Geschichte in Richter 3 so speziell. Da sind wir nämlich noch vor der Invasion der Philister mit dem geraden Schwert, und dieser Ehud macht sich ein gerades Schwert. Dann geht er zum König von Moab und sagt: Ich habe ein Wort Gottes an dich. Alle gehen hinaus, und er nimmt dieses gerade Schwert und besiegt den Feind. Das ist dieses zweischneidige Schwert, und das ist hier in Hebräer 4 gemeint.
Dieses Schwert durchdringt Seele und Geist. Übrigens ist damit nicht gemeint, dass die Seele vom Geist getrennt wird. Die Seele ist der Sitz der Persönlichkeit, und der Geist ist die Fähigkeit des höheren Denkens. Aber es ist so: Scheidung von Seele und Geist meint, dass das Schwert durch unser Denkvermögen hindurchgeht und durch unsere Persönlichkeit. Die müssen nicht voneinander getrennt werden, die gehören zusammen. Aber es ist auch wichtig, wenn man das trennt; das ist sehr schlecht. Denken und auch unser Fühlen, das gehört zusammen. Und das Wort Gottes will das zusammen haben. Aber das Wort Gottes geht hindurch und durchdringt alles in unserer ganzen Persönlichkeit, wie ein Messer von einem Chirurgen. Darum wird gesagt: sowohl der Gelenke als auch des Markes. Also das Wort Gottes geht zutiefst hinein und durchdringt alles in unserer Persönlichkeit.
Und jetzt in Epheser 6,17: Die Waffenrüstung Gottes wird dort vorgestellt, und dann heisst es, wir sollen das Schwert des Geistes nehmen, welches Gottes Wort ist. Und dort ist auch Machaira, das kurze Schwert. Das ist also das kurze Schwert, welches Gottes Wort ist. Und dort steht für Wort Gottes nicht Logos, sondern Rhema. Der Unterschied zwischen Rhema und Logos ist vielfältig, wenn das als Kontrast gesehen wird. Der Logos ist mehr das umfassende Wort, und Rhema das kurze Wort, zum Beispiel ein Ausspruch, ein gesprochenes, kurzes Wort. Also in Epheser 6 ist der Akzent darauf, dass wir einzelne Bibelworte im Kampf gegen den Feind einsetzen. Es steht geschrieben, und wir berufen uns auf Gottes Aussagen in seinem Wort.
Aber jetzt haben wir noch Punkt 18: das Langschwert. In Offenbarung 1,16, Offenbarung 2,12 und Offenbarung 19,15 kommt der Herr Jesus aus dem Himmel, und aus seinem Mund geht ein Schwert hervor. In Offenbarung 19,15 heisst es: „Und aus seinem Mund geht hervor ein scharfes zweischneidiges Schwert, damit er damit die Nationen schlage.“ Und dieses Schwert hier ist eben Romphaia, nicht Machaira, auf der ersten Silbe betont, sondern Romphaia, auf der vorletzten Silbe betont. Das ist das lange Schwert. Und hier geht es eben um Gottes Wort im umfassenden Sinn.
Wichtig ist natürlich auch das einzelne kurze Wort Gottes. Ich muss sagen: In Hebräer 4, das Wort Gottes ist lebendig und wirksam wie das zweischneidige Schwert, dort haben wir auch Logos. Also auch das kurze Wort, das in Epheser 6 Rhema genannt wird, ist auch Logos, weil es ja zum ganzen Wort Gottes hinzugehört. Aber der Akzent ist dort mehr auf dem kurzen Ausspruch beim Kurzschwert, und beim Langschwert auf dem ganzen Wort Gottes.
Und es ist so wichtig, dass wir uns eben auf einzelne Bibelworte abstützen, aber auch darauf aus sind, die Zusammenhänge des ganzen Wortes Gottes kennenzulernen. Darum sagt der Apostel Paulus den Ältesten von Ephesus in Apostelgeschichte 20: Ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen. Ich bin rein vom Blut aller. Er wäre schuldig geworden, hätte Blutschuld auf sich geladen, wenn er nicht den ganzen Ratschluss Gottes erzählt hätte.
So brauchen wir beides, eben das Langschwert und das Kurzschwert. Diese verschiedenen Bilder sind dazu da, um uns die Vielfältigkeit und die Wirkungsweise des Wortes Gottes zu zeigen. Wollen wir hier schliessen.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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