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Vier Freunde, Sündenvergebung und der berufene Zöllner

Markus 2,1-1722.04.2026
SerieTeil 6 / 9Bibelseminar: Vollkommener Diener – der Herr Jesus im Markusevangelium
Guten Abend, ich begrüsse alle herzlich, auch die, die über den Livestream mit uns dabei sind.
Wir stehen in Markus 2. Wir kommen zu Markus 2 und lesen zunächst ab Vers 1 bis und mit 12. Darf ich bitten, Urs?
Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum. Und als man hörte, dass er im Haus sei, da versammelten sich sogleich viele, sodass kein Platz mehr war, auch nicht draussen bei der Tür, und er verkündigte ihnen das Wort. Und etliche kamen zu ihm und brachten einen Gelähmten, der von vier Leuten getragen wurde. Und da sie wegen der Menge nicht zu ihm herankommen konnten, deckten sie dort, wo er war, das Dach ab. Und nachdem sie es aufgebrochen hatten, liessen sie die Liegematte herab, auf welcher der Gelähmte lag. Als aber Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es sassen aber dort etliche von den Schriftgelehrten, die dachten in ihren Herzen: Was redet dieser solche Lästerung? Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein? Und sogleich erkannte Jesus in seinem Geist, dass sie so bei sich dachten, und sprach zu ihnen: Warum denkt ihr dies in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind die Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Liegematte und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben, sprach er zum Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm deine Liegematte und geh heim. Und er stand sogleich auf, nahm seine Liegematte und ging vor aller Augen hinaus, sodass sie alle erstaunten und Gott priesen und sprachen: So etwas haben wir noch nie gesehen.
Vielen Dank.
Wir haben letztes Mal schon angekündigt, dass der Zusammenhang zwischen dem Schluss von Kapitel 1 und dem Beginn von Kapitel 2 ganz wichtig ist. Und zwar haben wir letztes Mal gesehen, dass diese Heilung eines Aussätzigen, Markus 1,40-45, eine ganz ausserordentliche Sensation war. Es war ja vorausgesagt, in Jesaja 35, wenn der Messias kommt, dann werden die Kranken geheilt werden. Aber hier geht es um die Heilung eines Aussätzigen, und wir haben letztes Mal gesehen: Eine solche Heilung gab es in Israel nie mehr seit dem Tod von Mose. Miriam, seine Schwester, war aussätzig und wurde wieder geheilt. Aber nach dem Tod von Mose nie mehr in Israel. Ausserhalb von Israel ja, wir haben uns letztes Mal an den Syrer Naaman erinnert, 2. Könige 5, der wurde ausserhalb von Israel geheilt. Aber in Israel nie.
Und trotzdem gab es ja, wie wir gesehen haben, ein ganzes Kapitel, 3. Mose 14, das beschreibt, was getan werden musste, wenn ein Aussätziger geheilt wird. Wie die Priester, die Ärzte im Tempel, ihn untersuchen und die Heilung offiziell attestieren mussten. Genauso wie sie gemäss 3. Mose 13 ganz genaue Anweisungen hatten, wie man die Diagnose für Aussatz korrekt stellte. Also ein ganzes Kapitel, 3. Mose 14, beschreibt, was zu tun ist und welche Rituale im Tempel dann durchgeführt werden sollten nach einer Heilung.
Aber das gab es nie. Und jetzt heilt der Herr diesen Aussätzigen und gebietet ihm, er solle die Opfer darbringen nach 3. Mose 14. Es wird in Vers 44 von Kapitel 1 gesagt, er soll das tun, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Das heisst also: Er ist nach Jerusalem gegangen, musste dort ausserhalb der Stadt warten, jemand musste das im Tempel melden. Er durfte als Aussätziger ja nicht in eine ummauerte Stadt hineingehen. Dann kam ein Spezialist, ein Priester, heraus, stellte die Diagnose, und es war eindeutig so: Er war geheilt.
Wir haben letztes Mal gesehen, das war natürlich eine solche Sensation, die die Frage auslöste: Ist dieser Mann aus Nazaret etwa der Messias? Das erklärt nun dieses volle Haus. Wir haben in Markus 2, Vers 2 gelesen: Und sogleich versammelten sich viele, sodass selbst an der Tür kein Raum mehr war. Aber es wird noch drastischer, wenn wir die Parallelstelle in Lukas 5 aufschlagen. Dort wird auch die Heilung des Aussätzigen und danach diese Versammlung in Kapernaum beieinander erzählt, nämlich Lukas 5,12-16. Das ist der Abschnitt über die Heilung des Aussätzigen, und dann kommt die Versammlung in Kapernaum ab Vers 17.
Urs liest uns Lukas 5,17.
Und es begab sich an einem Tag, dass er lehrte, und es sassen Pharisäer da und Gesetzlehrer, die aus allen Dörfern von Galiläa und Judäa und von Jerusalem gekommen waren, und die Kraft des Herrn war da, um sie zu heilen.
Also, wir haben das auch letztes Mal gesehen: Es ist alles Repetition, aber es ist wichtig, dann bleibt das auch im Gedächtnis. Da kamen Pharisäer und Gesetzeslehrer, also Rabbiner aus ganz Israel nach Kapernaum, und zwar aus jedem Dorf von Galiläa, Nordisrael, und Judäa, Südisrael mit der Hauptstadt und aus Jerusalem. Warum dieser Aufmarsch? Jetzt ging es darum zu prüfen: Ist er der Messias oder nicht?
Und wir sehen, wir sind da im Markus-Evangelium so am Anfang des Dienstes des Herrn Jesus, und da geschieht diese Sensation. Und darum wird die ganze Elite, die ganze religiöse Elite Israels, herausgefordert, sich mit Jesus von Nazaret auseinanderzusetzen. Wer ist er? Die Frage muss beantwortet werden.

Die Prüfung des Messias beginnt im überfüllten Haus

In diesem Zusammenhang ist es ganz interessant: Es gibt in der rabbinischen Literatur von Moses Maimonides, hebräisch Moshe ben Maimon, einem Rabbiner, eine wichtige Schrift über das Erkennen des Messias. Übrigens: Moshe, also Moses Maimonides, wird im Judentum als der zweite Moses bezeichnet, weil er als Rabbiner ein solches Gewicht hat, auch heute noch. Er hat im zwölften Jahrhundert gelebt, also etwa 1138 geboren und 1204 gestorben. Aber er ist noch heute die Autorität. Und wenn unter Orthodoxen diskutiert wird und man sagen kann: Mosche ben Maimon amar, Moses Maimonides hat gesagt, dann kann man die Diskussion zum Ende führen. Ein solches Gewicht.
Und er hat in seinen Schriften eben auch viel rabbinisches Wissen aus den frühen Jahrhunderten zusammengefasst. In seinem Buch Hilchot Melachim u Milchamot, Kapitel elf und zwölf, erklärt er, wie man den Messias prüfen muss. Also, es muss klar sein: Er muss aus dem Haus Davids sein.
Nun, das war im Zusammenhang mit dem Herrn Jesus öffentlich bekannt. Immer wieder in den Evangelien wird er genannt: Sohn Davids. Und das wird auch nicht bestritten. Nur ein Beispiel: Lukas 19, der blinde Bartimäus in Jericho ruft: Sohn Davids, erbarme dich meiner. Er wird dort gerügt, er soll da nicht herumschreien. Aber was er sagt, das wird nicht in Frage gestellt. Und zwar, weil damals jeder im Normalfall sein Geschlechtsregister im Archiv in Jerusalem hatte. Und wenn jemand öffentlich auftrat, wurde automatisch das Geschlechtsregister geprüft. Und wenn das nicht einwandfrei gewesen wäre, dann hätte man jemanden sofort als unkompetent abgetan. Und es war klar, dass Jesus eben aus dem Haus Davids war. Joseph, der Pflegevater, war aus dem Haus Davids über die Königslinie, das sagt uns Matthäus 1, und hat also auch juristisch das Recht auf dieses Abstammungsregister auf David zurückgehend weitergegeben. Und Maria, ihr Geschlechtsregister, ist in Lukas 3 im letzten Abschnitt beschrieben. Es geht auch zurück auf König David, über eine Seitenlinie, nicht wie bei Salomo wie Joseph, sondern über Nathan. Also, es war klar: Er ist Sohn Davids.
Und dann schreibt Moses Maimonides, und da ist es wichtig, dass man beobachtet, wie er sich aufführt, ob er eifrig die Tora studiert. Das ist eine wichtige Voraussetzung. Er muss eifrig die Tora studieren und muss sich ganz genau an die Gesetze der Tora halten und an die Gesetze der mündlichen Überlieferung der Ältesten. Das sind also diese Auslegungstraditionen, die ursprünglich mündlich weitergegeben wurden. Erst mit dem Untergang des Tempels im Jahr 70 hat man gesehen: Diese mündliche Tradition könnte verloren gehen. Da hat man begonnen, sie aufzuschreiben. Das hat dann eben den Talmud gegeben. Da haben wir dieses mündliche Gesetz, diese mündlichen Erklärungen. Und der Messias muss also, sagt Moses Maimonides, genau diesen Auslegungsgrundsätzen entsprechen.
Und nun wird geprüft hier in Kapernaum. Und ausgerechnet im Zusammenhang mit dieser Prüfung kommen vier Männer in den Sinn. Sie könnten einen Gelähmten zum Herrn bringen. Gut, das ist ja eine gute Gelegenheit, um zu zeigen, dass er der Messias ist. Nämlich, dass er Gelähmte heilen kann, gemäß Jesaja 35. Da sollten ja die Lahmen springen in der messianischen Zeit. Wir können das kurz aufschlagen. Liest du uns, Urs, Jesaja 35, Verse 4 und 5?
Das gesamte Heer des Himmels wird vergehen. Oh, Jesaja 35. Ah, 35. Du bist Jeremia, nicht wahr? 34. Ja. Jesaja 35, 4. Ja! Sag zu denen, die ein verzagtes Herz haben: Seid tapfer und fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes. Er selbst kommt und wird euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen Lob singen; denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme in der Einöde.
Ja, bis dahin. Also, das Kommen des Messias wird beschrieben: Siehe, euer Gott kommt, und er selbst kommt und wird euch retten. Als Folge davon werden dann die Augen der Blinden aufgetan, und eben im Besonderen wollen wir beachten: Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch. Nun, die bringen also genau zu dem Zeitpunkt einen Gelähmten. Aber sie können ihn gar nicht bringen. Es ist alles eben verstopft, und der Herr ist unerreichbar. Einerseits also wegen all dieser Rabbiner aus ganz Israel, und dann heißt es auch in Vers 4: Und da sie wegen der Volksmenge nicht an ihn herankommen konnten. Also, alle Rabbiner und die Volksmenge waren ein Hindernis.
Und da können wir uns natürlich auch fragen: Wie ist es mit uns persönlich? Jeder ist nämlich entweder eine Hilfe oder ein Hindernis. Können Menschen durch uns gerade zum Herrn kommen, weil wir eine Hilfe sind? Diese vier bringen den Gelähmten zum Herrn, also wollen es wenigstens. Und dann gibt es die, die ein Hindernis sind, denn sie versperren den Weg. Und das wäre verheerend. Die hätten ja sagen können: Der muss unbedingt kommen, also gehen wir auf die Seite. Es ist so wie beim Dessert, wenn man eingeladen ist. Man hat genügend gegessen und vielleicht den Schluss nicht mehr ganz, und dann kommt das Dessert, und man ist bereit, das Dessert abzunehmen. Und die Gastgeber fragen: Wie geht jetzt das? Also, Hauptmahlzeit geht nicht alles runter, und dann plötzlich geht es für Dessert. Aber das ist bei mir ganz ausgeprägt. Also nicht, weil ich Süßes brauche, aber eben wenn etwas ist, was ich ganz besonders gern habe, dann gibt es immer Platz. Und dann erkläre ich: Das ist so, wie wenn die Königin kommt. Die ganzen Straßen sind verstopft, und sobald die Königin kommt, gibt es Platz, kein Problem. Die Königin kommt durch, und das Dessert kommt auch durch.
Also, das ist nicht an sich das Hindernis, dass so viele Leute da waren. Wenn ein Gelähmter kommt, nicht die Königin, dann könnte es auch auf die Seite sein. Und das ist die Frage, ob wir eine Hilfe oder ein Hindernis sind, wenn jemand zu dem Herrn Jesus gebracht werden soll. Aber da war es ein Hindernis, und es zeigt hier: Wenn man unbedingt will, dann gibt es ihm doch einen Weg. Das ist zwar so eine Volksweisheit, aber es ist ein biblisches Prinzip. Also, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und darum gehen die, der Weg führt auf das Dach. Und das hängt natürlich mit der damaligen Architektur zusammen. Die Dächer waren nicht so gebaut wie bei uns, sondern Steinhäuser waren aus Stein gebaut, aber das Dach war eben typischerweise durch Äste abgedeckt und dann mit Lehm ausgestrichen. Also ein Dach, das man immer wieder, gerade nach der Regenzeit, reparieren musste. Das war so etwas, was ständig im Fluss war beim Häuserbau und Häuserunterhalt. So war es eben eine einfache Sache, das Dach zu öffnen. Aber natürlich war es schon ein massiver Angriff. Doch wo ein Wille ist, jemanden zum Herrn zu bringen, dann gibt es auch einen Weg, wenn es auch über das Dach sein muss.
Und darum war es ihnen möglich, das Dach eben da abzudecken, und sie fanden genau die Stelle, wo der Herr war, und bringen ihn da zu seinen Füßen. Das Bett lassen sie zu ihm hinab. Und was sagt der Herr als Erstes? Ja, also nicht: Du bist geheilt, sondern er sagt: Deine Sünden sind dir vergeben. Und er sagt auch nicht im Namen Gottes: Ich spreche dir Vergebung zu, weil du schließlich deine Schuld bekannt hast, und dann verspricht das Wort, dass es Vergebung gibt. Nein, er sagt: Kind, deine Sünden sind vergeben.
Und jetzt ging es ja darum, dass möglichst eben kein Hindernis da ist für die Schriftgelehrten, dass sie sich da nicht stoßen an irgendwelchen Auslegungsfragen. Aber der Herr sagt genau das zuerst: Sündenvergebung sagt er zu. Und wir werden sehen, das ist schon mal der erste Anstoß. Das passt nicht mit der Auslegungstradition überein. Warum nicht? Ja, das ist ja so. Aber wo ist das Problem? Ja, also das glauben Sie nicht. Und zwar ist es so, dass eben die verbreitete Auffassung im orthodoxen Judentum, wir sehen aber Minderheitsansichten in der rabbinischen Literatur, die das anders sehen, die sehr wohl bezeugen, dass der Messias Gott ist und Mensch. Aber der Hauptstrom der orthodoxen jüdischen Lehre ist: Wenn der Messias kommt, wird er ein ganz normaler Mensch sein. Und darum natürlich das Problem: Er sagt, deine Sünden sind dir vergeben, und zwar in eigener Autorität vergibt er die Sünden.
Und da überlegen sie sich in Vers 6, liest du nochmals, Urs?
Es sassen aber dort etliche von den Schriftgelehrten, die dachten in ihren Herzen: Was redet dieser solche Lästerung? Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein?
Jawohl, also, sie sagen gewissermaßen: Das ist ja Gotteslästerung. Er nimmt ja die Stellung Gottes ein. Und darum ist das natürlich schon einmal eine erste Anstoßung, um zu sagen, dass er unmöglich der Messias sein kann. Der spricht ja gegen die Auslegungstradition, also die hauptsächliche Auslegungstradition. Nur Gott kann vergeben.
Aber interessant ist Folgendes: Der Herr weiß genau, was in ihren Herzen vorgeht. Vers 6, liest du nochmals?
Es sassen aber dort etliche von den Schriftgelehrten, die dachten in ihren Herzen: Was redet dieser solche Lästerung? Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein?
Also, die haben nichts gesagt. Das war wirklich eine Überlegung in ihren Herzen. Und hier an dieser Stelle ist es wichtig: Engel, auch Satan, kennt unser Innerstes nicht. Und das ist übrigens auch der Grund, warum er sich so geirrt hat in seiner Einschätzung von Hiob. In Hiob 1 und 2, da sagt er vor dem Thron Gottes im Himmel: Hiob ist nur so treu als Gläubiger, weil er so reich ist und es ihm so gut geht. Würde er all seinen Besitz verlieren, dann würde sein Glaube zusammenbrechen. Und er hat sich geirrt. Aber Gott wusste ganz genau und hat diese Prüfung zugelassen, dass Satan nämlich seinen Besitz antasten durfte, um das so richtig sichtbar zu machen. Gott allein weiß vollkommen, was in unserem Innern ist.
Da können wir dazu lesen, Psalm 139. Liest du, Urs, die ersten Verse, und zwar bis Vers 6?
Dem Vorsänger von David, ein Psalm. Herr, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es. Du verstehst meine Gedanken von ferne. Du beobachtest mich, ob ich gehe oder liege, und du bist vertraut mit allen meinen Wegen. Ja, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht völlig wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar, zu hoch, als dass ich sie fassen könnte.
Also, Gott kennt die Gedanken bis ins Letzte. Der Gott, der eben vergeben kann, der weiß auch alle Gedanken des Herzens. Übrigens ist das auch der Grund, warum zum Beispiel in 1. Korinther 11 Symbole eine Rolle spielen für die Engelwelt. Paulus sagt ja dort, dass eine Frau sich beim Beten und Weissagen bedecken soll, um der Engel willen. Und dasselbe gilt, wenn ein Mann betet und weissagt, dass er eben nichts auf dem Kopf hat. Und das ist eben auch um der Engel willen. Warum? Weil die Engel unsere innere Herzenshaltung nicht kennen. Aber die Symbole zeigen, wie wir die Schöpfungsordnung Gottes anerkennen oder nicht anerkennen. Das wissen die Engel nicht, was in unserem tiefsten Herzen drin ist, und darum haben diese Symbole ihre Bedeutung für die Engelwelt.
Und natürlich ist das Gleiche auch für die Menschen. Auch wir kennen bei den anderen Menschen nicht das, was zutiefst im Herzen ist. Und das ist der Grund, warum der Apostel Paulus warnt vor Verurteilungen, wo man so tut, als würde man die tiefsten Motive eines anderen Menschen kennen. Ich kann kurz aufschlagen 1. Korinther 4. Die Korinther, das heißt viele von ihnen, haben den Apostel Paulus persönlich sehr stark angegriffen, und er sagt in Vers 3, dass er das absolut nicht akzeptiert. Liest du?
Mir aber ist es das Geringste, dass ich von euch oder von einem menschlichen Gerichtstag beurteilt werde, auch beurteile ich mich nicht selbst, denn ich bin mir nichts bewusst. Aber damit bin ich nicht gerechtfertigt; sondern der Herr ist es, der mich beurteilt. Darum richtet nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen wird, und dann wird jedem das Lob von Gott zuteil werden.
Was meine Motive in meinem Dienst anbetrifft, die haben sie sehr stark in Frage gestellt, dass er aus falschen Motiven seinen Dienst als Evangelist tat. Und da sagt er: Das hat für mich überhaupt keine Bedeutung. Mir aber ist es das Geringste, dass ich von euch beurteilt werde oder von einem Tag. Dieser Ausdruck meint einen Gerichtstag, also wenn ein Gericht urteilen würde über die Tiefen Motivationen von Paulus, das geht gar nicht. Wir haben kein Recht darüber zu urteilen. Und darum ist es eigentlich auch normal: Wir werden vor Gericht in der Schweiz, in Deutschland ist es dasselbe, nicht für unsere Motive verurteilt, sondern für das, was wir getan haben. Also, es müssen Fakten sein, die verurteilbar sind. Also, man kann nicht sagen: Ja, du meinst es im Tiefsten so und so. Das geht nicht. Also sagt er: Das akzeptiere ich nicht.
Und dann sagt er, aber ich selber kenne mich auch nicht durch und durch. Darum sagt er in Vers 4: Denn ich bin mir selbst nichts bewusst. Ich bin mir zwar nichts bewusst, dass da eine falsche Absicht bei mir wäre, aber er sagt: Aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt, weil es kann wirklich manchmal sein, dass wir ganz verborgene Beweggründe haben, die uns selber nicht ganz bewusst sind. Und darum sagt er, Vers 5: So urteilt nicht irgend etwas vor der Zeit, bis der Herr kommt. Wenn der Herr kommen wird bei der Entrückung, werden wir alle vor den Richtstuhl des Christus gestellt werden, und dann gilt: Auch das Verborgene der Finsternis, also was zutiefst in unserem Inneren verborgen ist, in unserer Seele, in unserem Herzen, das bringt er ans Licht, und die Überlegungen der Herzen werden offenbar werden. Das könnte einen sehr erschrecken. Nur der Paulus, der Apostel, sagt dann sehr überraschend: Und dann wird einem jeden sein Lob werden von Gott, weil Gott uns für all unsere Motive und Absichten, die gut waren im Dienst für den Herrn, das wieder belohnen wird, sogar dann, wenn wir es gar nicht ausführen konnten. Grandios! Aber eben, alles wird so ans Licht kommen.
Übrigens ist es wichtig, das nächste Kapitel in 1. Korinther 5. Und das ist das Kapitel, wo es darum geht, jemand hat Ehebruch begangen, und die Gemeinde war da irgendwie neutral. Und der Apostel Paulus sagt: Ihr müsst die, die drinnen sind in der Gemeinde, richten. Tut den Bösen von euch selbst hinaus! Also in Kapitel 5 sagt er, dass die Gemeinde richten muss. Und zwar heißt es in 1. Korinther 5, Verse 12 und 13:
Denn was gehen mich auch die an, die außerhalb der Gemeinde sind? Dass ihr sie richten solltet, habt ihr nicht die zu richten, welche drinnen sind? Die aber außerhalb sind, richtet Gott. So tut den Bösen aus eurer Mitte hinweg.
Jawohl, und es geht in Kapitel 5, Vers 2, wirklich darum, um die Tat des Ehebruchs, nicht dass in Gedanken die Ehe gebrochen war. Das ist eine schwere Sünde, macht uns die Bergpredigt schon klar. Aber in der Tat, dann muss die Gemeinde handeln mit einem Ausschluss. Und da wird gesagt: Ihr müsst richten. Ja, wie geht das? Kapitel 4 sagt: Richtet nicht, Kapitel 5 sagt: Richtet bitte. Ja, eben, in Kapitel 4 geht es um die Motivationen, die verborgen sind im Herzen, und in Kapitel 5 geht es um die Taten, der diese Tat begangen hat, 1. Korinther 5, Vers 2. Also die Fakten, so wird es eigentlich auch vor dem weltlichen staatlichen Gericht sein müssen. Die Taten werden verurteilt, nicht die tiefsten versteckten Motive des Herzens.
Aber eben, der Herr Jesus kennt die Herzen. Und darum, diese Rabbiner haben einfach überlegt, ich weiß nicht, die haben sich nicht einmal miteinander abgesprochen, aber die waren lehrmäßig wirklich auf der gleichen Linie. Ja. Und da lesen wir nochmals Markus 2, Vers 8. Hast du es, Urs?
Und sogleich erkannte Jesus in seinem Geist, dass sie so bei sich dachten, und sprach zu ihnen: Warum denkt ihr dies in euren Herzen?
Ja, das hätte sie auch treffen müssen. Der kennt unsere tiefsten Gedanken des Herzens. Wir haben nichts gesagt, und er weiß trotzdem, was in uns genau vorgeht. Wer ist denn dieser? Ja, das wäre die Frage gewesen, im Licht von Psalm 139. Aber der Herr macht ihnen das so klar. Aber interessant ist: Er hat also diesen Unglauben ihm gegenüber, dass er nicht der Messias ist, da waren sie voll Unglauben, den hat er erkannt im Herzen. Aber was hat der Herr vorher schon in Vers 5 bei anderen erkannt, beziehungsweise eigentlich die ganze Gesellschaft, die vier, nicht wahr, und den Gelähmten, die kommen zum Herrn, und als Jesus ihren Glauben sah. Wir sehen den Glauben nicht in den Herzen. Die Auswirkungen natürlich, und die sind auch wichtig: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen, das ist das Prinzip auch wieder aus Matthäus 7 aus der Bergpredigt. Aber hier sehen wir, der Herr sah ihren Glauben. So kennt er das Innerste. Und er sah hier, er kannte diesen Unglauben.
Und sehen wir, wie der Herr Jesus systematisch vorgeht. Er heilt immer noch nicht den Gelähmten. Es bleibt also immer noch bei der Aussage: Deine Sünden sind vergeben. Und im Prinzip, das kann ja jeder sagen. Ja, also das kann jeder katholische Priester sagen, und das kann auch jeder sagen, der kein katholischer Priester ist. Aber das heißt noch lange nicht, dass etwas geschieht. Gut, jetzt könnte jemand sagen: Ja, aber bitte, wenn der katholische Priester die Absolution erteilt, dann kann er einfach die Vergebung aus der Bibel zusprechen, denn es heißt ja schließlich in 1. Johannes 1,9: Wenn wir unsere Sünden bekennen Gott gegenüber, so ist er treu und gerecht, da er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Psalm 32 sehen wir, wie es praktisch aussieht: David hat seine Sünde verschwiegen, er hat gelitten, und dann sagt er: Ich tat dir kund meine Übertretung, und du hast vergeben. Also David hat Gott die Schuld bekannt, nicht ein Priester im Tempel, also in der Stiftshütte damals, sondern er hat Gott bekannt, und Gott hat vergeben.
Und jetzt kann natürlich ein Mensch jemandem sagen, der seine Schuld Gott bekannt hat und immer noch zweifelt an der Vergebung: Ja, schau, es ist eine Zusage. Es heißt ja: Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt. Also Gott hat es verheißt, dann hast du Vergebung. Aber das ist natürlich nicht das Gleiche wie das Verständnis in der katholischen Kirche von Absolution. Und das kann man so beweisen. Man müsste einen Priester fragen: Also, ich komme nicht zur Beichte. Ich bekenne meine Schuld Gott gegenüber. Sind die Sünden vergeben? Nein, ich brauche die Absolution nicht von einem Menschen. Die Zusage ist: Wenn ich Gott bekenne, dann vergibt er. Also wird da ein Recht angemaßt, Sünden zu vergeben, das eben nur Gott zusteht. Und so haben sie richtig erkannt, wer Sünden vergeben kann als nur Gott allein. Aber sie hätten sich eben fragen müssen: Wer ist denn dieser, der eben alle Gedanken des Herzens kennt? Und sie hätten sich noch mehr fragen müssen: Was sagt die Schrift wirklich über den Messias? Können wir kurz aufschlagen Jesaja 9, Verse 5?
Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, ewig Vater, Friedefürst.
Danke. Also Moses Maimonides schreibt in seinem Brief an eine jemenitische jüdische Gemeinde, die Probleme hatte mit einem falschen Messias damals im zwölften Jahrhundert, in seinem Brief Igeret Teman, dass Jesaja 9, Vers 5 von dem Messias spricht. Okay. Dann wird klar: Ein Kind ist uns geboren, dann wird der Messias ein Mensch sein. Aber nachher heißt es: Und man nennt seinen Namen wunderbarer Berater, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Friedefürst. Im Hebräischen sind es immer zwei Wörter, also vier Doppelnamen des Messias, und der zweite heißt eben El-Gibbor, Gott starker, auf Deutsch starker Gott. Ja, also wenn er als Kind geboren ist, ist er ein Mensch, und wenn aber sein Name ist El Gibbor, dann ist er Gott.
Und vielleicht noch deutlicher: In Jesaja 8, also nur ein Kapitel davor, liest du, Urs, Verse 13 und 14?
Den Herrn der Heerscharen, den sollt ihr heiligen, er sei eure Furcht und euer Schrecken, so wird er euch zum Heiligtum werden. Aber zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Strauchelns für die beiden Häuser Israels, zum Fallstrick und zur Schlinge für die Bewohner von Jerusalem.
Ja, also da kann man nachlesen im Talmud, im babylonischen Talmud, Sanhedrin 38a: Dieser Fels, dieser Stein des Anstoßes, dieser Fels des Strauchelns wird dort bezogen auf den Messias, den Sohn Davids. Und ich mag mich erinnern, in einer Diskussion mit einem Rabbi öffentlich habe ich diese Stelle gebracht und ihm auch gesagt: Siehst du, im Talmud wird klar gesagt, dass der Messias ein Stein des Anstoßes sein wird. Und das ist der Grund, warum du dich ärgerst an Jesus Christus als Messias. Du erfüllst genau die Prophetie. Und dann hat er kurz die Stelle nochmals genauer angeschaut, und dann sagt er mir: Ja, ob ich wisse, im Zusammenhang, von wem hier eigentlich die Rede ist. Dann habe ich gesagt: Ja, natürlich. Ihm ist ja aufgefallen, in Vers 13 da steht nicht der Messias, nicht wahr, sondern es heißt den Herrn, also das ist der Gottesname, Yahweh, der Ewigseiende. Den Herrn der Heerscharen, den sollt ihr heiligen, er sei eure Furcht und euer Schrecken, und er wird zum Heiligtum sein, aber zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Strauchelns. Da hat er gesagt: Ja, bezieht sich quasi nicht auf den Messias. Da hat er gesagt: Doch, die Rabbiner haben das Richtige erkannt im Talmud und gesagt, der Stein des Anstoßes, der Fels des Strauchelns, das ist der Messias. Aber tatsächlich sagt der Zusammenhang, dass es hier um den ewigen Gott Yahweh geht, den, der ohne Anfang und ohne Ende ist. Und damit ist eben der Messias der Ewige. Das war nicht zu widerlegen. Die Schrift ist so scharf, so klar, und das hätten diese Rabbis sich auch überlegen müssen: Ja, aber wer ist denn dieser Stein des Anstoßes, an dem sie sich gerade hier gestoßen hatten? Ja, das ist der Herr, das ist Gott, und Gott kann Sünden vergeben. Und darum hat er das Recht, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben.
Aber eben das Problem ist: Das kann ja jeder, habe ich schon gesagt. Wirklich jeder kann einem sagen: Deine Sünden sind vergeben. Und man kann ja nicht kontrollieren. Wie will man kontrollieren, ob nach einer Absolution Vergebung da ist oder eben keine Vergebung? Und es ist ja wichtig, dass man die Sünden eben nicht einfach einem Menschen bekennt, sondern Gott. Das war ja genau das Verhängnis von Judas in Matthäus 27. Er bringt das Geld zurück in den Tempel und sagt den Priestern: Ich habe gesündigt, indem ich unschuldiges Blut überliefert habe. Er bekennt das den Priestern, aber er bekam keine Vergebung. Er hätte das Gott bekennen sollen und hätte noch im letzten Moment Gelegenheit gehabt, zum Beispiel, als der Herr beim Garten Gethsemane zu ihm sagt: Freund, wozu bist du gekommen? Als er ihn durch einen Kuss verraten hatte. Warum sagt der Herr Freund und warum stellte ihm die Frage: Leg Rechenschaft ab, was machst du eigentlich? Das wäre der Moment gewesen, dass er zusammenbricht. Hätte er Vergebung bekommen, noch in dem Moment. Der Herr hat wirklich bis zum Schluss sein Herz gesucht. Und ja, also er hat Menschen bekannt, aber es gab dann keine Vergebung. Wir müssen es Gott bekennen.
Also, jetzt ist ganz wichtig die Argumentation in Vers 9. Liest du, Urs?
Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind die Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, und nimm deine Liegematte und geh umher?
Ja, wenn man sagt: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher, dann kann man nachher kontrollieren, ob der Gelähmte aufsteht. Aber eben, das mit dem Sündenvergeben, das ist ganz einfach, das zu sagen, weil es ja doch niemand kontrollieren kann und den Beweis geben kann, ob Vergebung da ist oder nicht. Aber bei der Heilung, da kam es sehr wohl. Und der Punkt ist jetzt der: Der Herr sagt nicht, oder im Namen Gottes: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher, sondern der Herr sagt einfach in seiner eigenen Autorität: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher! Und das ist natürlich etwas anderes, als irgendein Mensch tut in der Kraft Gottes ein Wunder, sondern das Wunder tun in seiner eigenen Kraft. Wer kann das? Und da hätten sie erkennen müssen: Wer ist denn dieser? Er muss es nicht im Namen Gottes tun. Er sagt einfach: Steh auf! Und so geschieht es dann auch.
Vers 10: Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Gewalt hat, auf der Erde Sünden zu vergeben, spricht er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus.
In eigener Autorität tut er es. Und wirklich, Vers 12, liest du:
Und er stand sogleich auf, nahm seine Liegematte und ging vor aller Augen hinaus, so dass sie alle erstaunten, Gott priesen und sprachen: So etwas haben wir noch nie gesehen.
Ja, tatsächlich, noch nie. Und natürlich haben wir im Alten Testament Menschen, die große Zeichen und Wunder getan haben, wie Mose in Ägypten und auch während der Wüstenwanderung. Wir denken an die prophetische Zeit, Elija und Elisa, eine Zeit mit einer unglaublichen Konzentration von Zeichen und Wundern. Aber das war alles im Namen Gottes geschehen, nicht in ihrer eigenen Autorität. Und darum müssen sie sagen: So etwas ist einfach außergewöhnlich. Die geraten außer sich, und sie geben Gott die Ehre, nicht einem Menschen.
Also, jetzt merken sie: Aber dieser Mensch hat gesagt in seiner eigenen Autorität: Steh auf! Und hat ihnen gezeigt, dass er wirklich der El Gibbor ist, das Kind, das in Bethlehem geboren worden war, und jetzt tut er diesen Dienst als der vollkommene Diener.
Und jetzt müssen wir aber noch etwas klären. Der Herr sagt in Vers 10 noch etwas ganz Wichtiges: Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben. Ja, da sagt er klar, er hat als der Sohn des Menschen die Vollmacht. Und es ist wichtig zu wissen, der Ausdruck Sohn des Menschen, was bedeutet das im Judentum, wenn man das so sagt? Ja, das ist ein Titel für den Messias. Also ganz wichtig. Und es gibt ja manchmal Leute, die sagen: Jesus Christus hat nie behauptet, dass er der Messias ist. Wie bitte? Ja. Als der Hohepriester Kajaphas da in dem Prozess, der zum Todesurteil führte, in Matthäus 26 sagte: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist. Christus ist griechisch für Messias. Was sagt der Herr? Du sagst es. Ja gut, jetzt sagen Leute: Ja, das sagen wir doch manchmal auch, jemand sagt etwas und dann sagt man auf Schweizerdeutsch: Du sagst es. Ja, das sagst du. Aber hier muss man wissen, in der griechischen Sprache, im altgriechischen Sprache, um zu betonen, jawohl, ganz genau so, sagt man: Du hast es gesagt. Und wer das nicht glaubt, Standard-Grammatik, wissenschaftliche Grammatik zum Neuen Testament, Blass-de-Brunner, dort wird das schön klargemacht. Das ist genau die Ausdrucksweise, um zu sagen: Jawohl, so ist es! Natürlich hat er sich als Christus bezeichnet.
Aber in ganz vielen Stellen spricht der Herr über sich selber als der Sohn des Menschen. Und das war eben immer eine klare Deklaration, eine klare Erklärung: Ich bin der Messias. Und zwar, weil der Messias eben in der berühmten Stelle in Daniel 7,13.14 beschrieben wird, wie er nach den Zeiten der Nationen kommen wird mit den Wolken des Himmels. Da wird er eben beschrieben als Sohn des Menschen. Wichtig ist eben, dass der Ausdruck genau so zu verstehen ist: Sohn des Menschen, nicht Sohn der Menschen. Wir alle sind Söhne beziehungsweise Töchter der Menschen, weil wir alle einen Vater und eine Mutter haben, menschlich. In Epheser 3, dieser Ausdruck, ist der Noalausdruck für uns Menschen, Söhne der Menschen. Aber der Messias sollte gemäß Jesaja 7,14 von einer Jungfrau geboren werden. Und das heißt also nur eben eine Mutter haben, menschlich, und nicht einen menschlichen Vater, und darum ist er der Sohn des Menschen.
Ja, und da sagt er also: Der Sohn des Menschen hat Gewalt, Autorität, auf der Erde Sünden zu vergeben. Das haben wir gesehen. Er kann das in eigener Gewalt sagen, nicht im Namen Gottes: Deine Sünden sind vergeben, sondern: Kind, deine Sünden sind vergeben. Und jetzt ist die Frage: Warum sagt er aber auf der Erde? Warum ist dieses auf der Erde noch mit dabei? Wie? Weil es also nur, solange man auf der Erde lebt, möglich ist, und danach ist es zu spät. Genau. Das ist also das Prinzip von Hebräer 9,27: Und so gewiss es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.
Ja, das reicht. Noch wichtig: In der Elberfelder ist das auch sichtbar gemacht. Einmal wird dort kursiv gedruckt, damit man versteht, das ist ein Zahlwort. Also lesen wir: Ebenso wie es den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben. Danach aber das Gericht. Also nicht irgendwann einmal, sondern einmal sterben. Das heißt also, die Bibel macht klar, dass der Grundsatz für die Menschheit besteht, dass man nur einmal stirbt. Das ist wichtig für die, die an Reinkarnation glauben. Nein, nicht tausendmal oder eine Million mal wiedergeboren werden und dann wieder sterben, sondern einmal leben wir hier auf der Erde und dann sterben wir nur einmal. Das ist das Grundprinzip für die Menschheit und danach das Gericht. Das heißt also, mit dem Tod ist die Möglichkeit, Vergebung zu bekommen, vorbei. Die Bibel kennt kein Fegefeuer, eine menschliche Erfindung findet man nirgends in der Bibel. Es gibt keine nachträgliche Vergebung, es gibt auch kein Gebet für die verlorenen Toten. Gibt es nirgends in der Bibel, das ist alles wirklich gegen das Wort Gottes, und auch die Reinkarnationslehre wird vollkommen durch die Bibel verurteilt. Also nur auf der Erde, während unserer Lebzeit hier, ist es möglich, dass wir Vergebung bekommen, wenn wir unsere Schuld ehrlich Gott bekennen, bereuen und das Opfer des Herrn Jesus für uns im Glauben in Anspruch nehmen. Und darum sagt der Herr, er hat Gewalt, auf der Erde Sünden zu vergeben. Ganz wichtig.
Und dann tut er das Zeichen, und das sollte bestätigen, wer er ist und warum er eben die Gedanken der Herzen kennt und warum er eben Sünden vergeben kann. Aber diese Kombination von Sündenvergebung und Krankenheilung ist noch aus einem Grund ganz, ganz wichtig. Kommt uns die Frage in den Sinn? Es ist fast motivierend. Kommt uns eine Bibelstelle in den Sinn? Ja, wenn wir sie dann lesen, dann heißt es: Aha, ja, natürlich. Ja, Jakobus 5, sehr gut, aber noch kompakter und gerade jetzt auf den Herrn bezogen von Wichtigkeit bin ich voll einverstanden mit Jakobus 5. Psalm 103, liest du Verse 1 bis 3, los.
Lobe den Herrn, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen.
Ja, es ist klar, um wen es geht. Preise den Herrn, Vers 1, Vers 2, preise den Herrn, und zwar Herr mit Großbuchstaben im Deutschen, das ist der Eigenname Gottes, der fast siebentausendmal im Alten Testament vorkommt, JHWH, Yahweh, der Ewigseiende, der Unwandelbare. Und von ihm heißt es: Der, der vergibt alle deine Ungerechtigkeit, der da heilt alle deine Krankheiten. In der Reihenfolge hat der Herr das gemacht in Markus 2. Also man könnte über den Abschnitt Markus 2,1-10 setzen: Psalm 103, Vers 3. Ja, also eindrücklich, wie der Herr das macht, und er hat nicht einfach die Schwierigkeit umgangen. Ja, also könnt ihr da vielleicht ein anderes Mal vorbeikommen. Nein, er hat ausgerechnet in dem Moment, wo man hätte sagen können: Jetzt nur nicht das mit der Sündenvergebung, die werden ja wieder nach Hause gehen und eine große Reise machen bis nach Judäa und Jerusalem, wo sie hier kamen, und dann könnte man das ja immer noch sagen mit der Vergebung. Nein, der Herr hat diese Konfrontation aufgenommen und hat sich damit eben gegen die Tradition gestellt. Und das war ein Problem für die meisten der Rabbiner.
Nun haben wir gesehen, in dieser ersten Phase: Sie schauen einfach zu, sagen nichts. Jetzt in einer weiteren Phase sehen wir, die beginnen, Fragen zu stellen. Und auch im Talmud findet man das, wie man die Identität des Messias durch Fragen an ihn ermitteln kann, wenn dann einmal der Messias kommt und er kommt irgendwie anders, als man sich das vorgestellt hat, dann ihn fragen. Und jetzt kommt tatsächlich das Fragen. Lesen wir zuerst 13 und 14 weiter, Urs.
Da ging er wieder an den See hinaus, und die ganze Menge kam zu ihm, und er lehrte sie. Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, an der Zollstätte sitzen, und er sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm.
Und es geschah ...
Ja, das reicht mal bis hier. Also, jetzt lehrt der Herr wieder, aber nicht mehr in der Begrenztheit eines Hauses. Es war zwar das Haus von Petrus, das eben ein großes Haus war, in Kapernaum, wie wir das letztes Mal auch gesehen haben oder in den vergangenen Malen, und jetzt ist er am See draußen. Da gibt es für alle Leute genügend Platz. Und unter all diesen vielen, vielen Menschen sieht er einen. Das ist so schön. Also, ich habe mir in meiner Bibel immer wieder angestrichen, wo es heißt: sah. Kapitel 1, Vers 16: Und als er am See von Galiläa entlang ging, sah er Simon und Andreas. Vers 19: Und als er ein wenig weiter gegangen war, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder. Und jetzt eben hier wieder in Markus 2, Vers 5 haben wir gesehen: Und als Jesus ihren Glauben sah. Der Herr hat immer offene Augen. Das ist der gute Hirte. Und er sieht den Einzelnen, und er sah, dass dieser Levi, aus anderen Evangelien erfahren wir, das war Matthäus Levi, also der spätere Evangelist, der das erste Evangelium schreiben sollte. Aber da war ein Zöllner, und damit war er ausgeschlossen aus der Synagoge. Zöllner und solche, die in schwerer Sünde lebten, Zöllner und Sünder, waren aus der Synagoge ausgeschlossen.
Er hat das natürlich ganz genau gewusst: Wenn ich Zöllner werde und mit der Besatzungsmacht zusammenarbeite und damit mein gutes Geld mache, dann verliere ich meine ganze Reputation in Israel. Das war ihm gleich, das Geld war ihm wichtiger. Und offensichtlich wollte er dem König der Könige in Rom dienen. Und jetzt kommt der Knecht vorbei, der vollkommene Knecht, und sieht ihn. Aber er war schon vorbereitet mit all dem, was er schon von dem Herrn gehört hatte, und der Herr ruft ihn in die Nachfolge, und er steht auf und geht. So eindrücklich.
Es ist so wichtig, dass man daran denkt: Als der Herr Jesus damals in jener Nacht in Johannes 3 mit Nikodemus, einem der Obersten des Judentums, ein Gespräch hatte, sagt er in Vers 16: Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Da hat der Herr also ausgedrückt, dass Gott die ganze Menschheit liebt. Aber das könnte uns leicht dazu bringen, dass wir denken, der Herr liebt die Menschheit als eine Masse. Aber das ist eben nicht so. Er sieht uns als einzelne, und darum, trotz der Volksmenge: Das war gut, dass ganze Volksmengen kommen konnten, da konnten alle gleichzeitig hören, aber er sieht den Einzelnen. Er sah Levi. Und Levi heißt auf Deutsch: der Anhängliche. Ja, und hat sich wirklich an den Herrn geklammert und seine Geldliebe aufgegeben.
Und dann sehen wir, nächster Abschnitt, liest du Verse 15 bis 17:
Und es geschah, als er in dessen Haus zu Tisch saß, dass auch viele Zöllner und Sünder sich mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch setzten; denn es waren viele, die ihm nachfolgten. Und als die Schriftgelehrten und die Pharisäer sahen, dass er mit den Zöllnern und Sündern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern? Als Jesus es hörte, sprach er zu ihnen: Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße.
Ja, also schon eindrücklich, dass dieser Matthäus Levi nun ein Anliegen hat, dass auch seine Kollegen den vollkommenen Diener kennenlernen, der Autorität hat über alles, wie wir gesehen haben, über die bösen Geister. Er hat Autorität über das Fieber. Wir denken an die Schwiegermutter von Petrus, Kapitel 1, Vers 30, 31. Und in diesem Zusammenhang, das habe ich damals noch nicht gesagt: Im Talmud wird gesagt, eigentlich ist dieses Wunder, jemanden, der fieberkrank ist, zu heilen, ein größeres Wunder als das Wunder der Rettung aus dem Feuer in Daniel 3, die drei Freunde Daniels im Feuerofen. Weil Feuer können Menschen löschen, aber Feuer vom Himmel, das kann niemand löschen. Und das erleben wir nicht mehr. Wenn ein Kind 40 Grad Fieber hat und dann 40,1, 40,2 und man möchte das Fieber wegbringen, merkt man: Also mit einer Dusche könnte man ein Feuer löschen. Dieses Feuer vom Himmel können wir nicht einfach so löschen und aus uns heraus. Und der Herr hat eben Autorität über das Feuer vom Himmel, er hat Autorität über den Aussatz, er hat Autorität über die Lähmung. Und das ist der Knecht, der Levi berufen hat, und so will er, dass seine Kollegen ihn auch kennenlernen.
Und zwar lädt er da viele Zöllner und Sünder ein. In Matthäus 9 beschreibt Matthäus selber diese Geschichte. Aber er fügt nicht hinzu, was sein Freund Lukas tut. In der Parallelstelle in Lukas heißt es, dass Levi ein großes Mahl machte. Das schreibt Matthäus nicht, Markus schreibt es auch nicht, aber Lukas, Arzt, weist darauf hin, ein kleines Detail: Das war nicht irgendein Essen, das war ein riesiges Essen. Und zwar hatte er ein Anliegen: Sein Geld für die Sache des Herrn einzusetzen, damit so viele Zöllner und Sünder ihn kennenlernen würden.
Und jetzt geht aber die Prüfung weiter mit den Schriftgelehrten und Pharisäern. Und jetzt kam die Frage ja die ganze Frage der Absonderung. Ja, aber wie kann er mit diesen Leuten, die eigentlich eben aus der Synagoge ausgeschlossen sind, jetzt ist er mit ihnen? Problem! Also wenn er der Messias ist, dann würde er doch eben mit denen gerade nichts zu tun haben. Und der Herr ist mit ihnen. Und darum kommt jetzt diese Phase, wo sie Fragen stellen, und zwar zunächst einmal gehen sie nicht zum Herrn direkt. Sie fragen die Jünger: Ja, wie ist das, warum isst und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern? Aber immerhin, sie stellen eine Frage, die wollen hören, wie kann er das begründen? Und der Herr hört das auch, dann stellt er sich quasi vor die Jünger. Er muss doch die Antwort geben, nicht die Jünger. Die authentische Antwort sollten wir nicht bei den anderen suchen, wenn es einen betrifft. Da soll man direkt hingehen: Wie begründest du das? Und der Herr sagt: Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
Die hätten realisieren sollen, dass sie eigentlich alle auch aus der Synagoge ausgeschlossen werden sollten, wenn sie eine solche Ablehnung gegenüber dem Messias haben. Haben wir doch kein Recht zur Synagoge, wo das Wort Gottes verkündigt wird, wo der Messias angekündigt wird, und 5. Mose 18 sagt: Wenn der Messias kommt, der Prophet, dann muss man auf alles hören, was er sagt. Ja, und was bedeutete ihnen sein Wort? Und der Herr macht klar: Ich bin gekommen für die, die merken, dass sie krank sind, dass sie gesund werden, und nicht solche, die eben sich als Gerechte sehen in ihren eigenen Augen.
Und dann werden wir nächstes Mal weitergehen, Verse 18 bis 22. Da geht es darum, dass die Johannesjünger und die Jünger der Pharisäer, die haben immer wieder gefastet, und die Pharisäer stellen fest: Aber jetzt die Nachfolger von diesem Mann, der der Messias sein könnte, die fasten nicht. Also irgendwie würde man jetzt eine sehr, sehr ernste Bewegung erwarten, und die fasten gerade nicht. Also all so Fragen, die aufkamen: Ja, wie ist das möglich? Er macht das eigentlich nicht so, wie wir das erwartet hätten. Und der Herr gibt dann da eine grandiose Antwort, und das werden wir uns nächstes Mal anschauen in Verbindung mit Hohelied 5. Das ist wirklich der absolute Hammer. Dieser Zusammenhang zwischen Hohelied 5, wo es eben um den Bräutigam geht, und der Herr sagt: Der Bräutigam, wenn er da ist, dann in dieser Zeit, da fasten die Freunde des Bräutigams nicht, da sind sie fröhlich, der Messias ist da. Aber das hängt dann ganz stark zusammen mit dem Hohen Lied und der prophetischen Bedeutung in Hohelied 5.
Ja, und dann werden wir sehen, Verse 23 bis 28: Dort am Sabbat pflücken die Jünger im Kornfeld Ähren ab. Und das ist natürlich ein Problem für die Pharisäer. Warum tun sie das am Sabbat? Und zwar muss man wissen: Die Tradition, also die orthodoxe Tradition, die genau regelt, was am Sabbat möglich ist und was nicht. Zum Beispiel einen Kinderwagen darf man schieben. Also am Sabbat ist man plötzlich nicht mehr Vater oder Mutter. Also die Väter können Wagen schieben, aber man darf doch nicht arbeiten. Ja natürlich, aber Kinder, ja, also, aber das wird genau geregelt. Und was man nicht darf am Sabbat, ist eben ernten und auch nicht dreschen. Und wir werden dann sehen, nächstes Mal, die Jünger, die haben gepflückt, und das wurde bereits als Ernten eingestuft. Auch wieder eine Definitionsfrage: Ja, ist das schon Ernten oder ist das Pflücken? Und dann haben sie es verrieben, und das ist bereits Dreschen.
Ja, aber das Problem eben: Wie Moses Maimonides das zusammengefasst hat, der Messias muss sich an die Tradition halten, sonst ist er nicht der Messias. Und der Herr macht es gerade nicht. Aber sie fragen: Warum tun sie am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Der Vorwurf ist zwar schon drin, und der Herr gibt die Antwort, und wir werden sehen: Die Antwort ist sensationell. Wie der Herr das als Messias aus den Schriften begründet.
Ja, also wir haben noch einiges Interessantes vor uns nächstes Mal, ohne hier zu schließen.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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