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Gastfreundschaft: Mehr als nur eine Höflichkeit

23.05.2025
SerieTeil 11 / 17E21 Hauptkonferenz 2025
Warum einladen, wenn du selbst genug zu tun hast? Weil Gastfreundschaft mehr ist als nett sein: Du spiegelst damit Gottes große Einladung – ganz praktisch, mitten im Alltag.

Einleitung und persönliche Vorstellung

Schön, dass ihr da seid, zu diesem Seminar über Gastfreundschaft. Ich habe es überschrieben mit dem Slogan: „Wir laden ein, weil wir eingeladen sind.“
Und ich freue mich, dass du da bist. Den Hall kriegen wir auch noch in den Griff.
Mein Name ist Alex Reindl. Ich bin der Quotenösterreicher im E21-Vorstand, nebst Kai, der zugezogener Österreicher ist. Ich bin der, über den sich dann alle in den Predigten lustig machen, weil sie immer einen Österreicher brauchen, über den sie Witze machen. Habt ihr ja schon gemerkt bei Larry und Gary.
Ich wohne mit meiner Frau Anna und unseren drei Kindern in Tirol, südlich von Innsbruck. Wir halten uns dort beschäftigt mit einer kleinen Gemeinde. Ich bin, wie gesagt, Geschäftsführer und im Vorstand von Die Einundzwanzig, und auch Gründer und Leiter vom Werbum Verlag.
Gastfreundschaft ist gottgemäß, sie entspricht Gott und sie hat eine enorme Prägekraft. Und darum freue ich mich, dass du da bist und dass wir diese nächste Stunde miteinander verbringen dürfen, darüber nachdenken und auch miteinander lernen.
Ich möchte jetzt noch beten, dass Gott uns hilft. Vorher noch ganz kurz: Björn, lässt sich irgendetwas tun an diesem Hall? Wir kriegen das hin.
Wir beten:
Vater, hilf uns, richtig über dich nachzudenken, damit unsere Liebe zu dir und auch zu den Menschen wächst. Amen.

Die Grundidee von Gastfreundschaft

Ich möchte mit einer Definition starten: Das Ziel von Gastfreundschaft ist, die Einladung Gottes widerzuspiegeln.
Das Ziel von Gastfreundschaft ist, die Einladung Gottes widerzuspiegeln.
Ich möchte mir darum mit euch in diesem Seminar drei Punkte anschauen. Zum einen: Warum Gastfreundschaft? Der theologische Case. Für die Jungen unter euch muss es ja immer englisch klingen: der theologische Case. Dann zweitens das Wie, also ein paar praktische Reflexionen. Und drittens das Wir. Das ist ein bisschen geschwindelt, das dritte W, aber da möchte ich mit euch darüber sprechen und eure Gedanken hören.
Beginnen wir mit dem ersten Punkt, dem theologischen Case, dem Warum. Da habe ich drei Dinge, die ich kurz mit euch anschauen möchte: Erstens Gottes Charakter, zweitens Gottes Wort und drittens unsere Zeit.

Gottes Wesen als Ausgangspunkt

Beginnen wir mit dem Charakter Gottes. Wenn wir an Gott denken, wie er uns in der Bibel vorgestellt wird, dann ist er ein dreieiniger, in Ewigkeit in Beziehung lebender Gott.
Dieser dreieinige Gott, Vater, Sohn und Geist, leben und lieben einander ewig. Sie sind ineinander zufrieden und haben grösstmögliche Freude aneinander. Das ist der Startpunkt von allem.
Nur zwei, drei Punkte, die uns das illustrieren: Matthäus 3. Ihr kennt die Stelle, wo der Vater sagt: Das ist mein über alles geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude. Dann, interessant, Lukas 12, wo der Sohn, der Vater und der Geist mit Freude in Verbindung gebracht werden. In derselben Stunde wurde Jesus von der Freude des Heiligen Geistes erfüllt und rief: Vater, du Herr über Himmel und Erde, ich preise dich.
Vater, Sohn und Geist, die Trinität, sind also, wie gesagt, ewig ineinander zufrieden und haben ewige Freude aneinander. Das ist der Startpunkt von allem Nachdenken in unserem Leben und auch von unserem christlichen Weltbild.
Und die Frage, die sich dann stellt, und ihr habt sie bestimmt schon beantwortet, ist: Warum schuf Gott den Menschen? Warum schuf Gott den Menschen? Viele Religionen und Weltanschauungen geben darauf unterschiedliche Antworten. Viele Religionen und Weltanschauungen sagen, dass es einen Gott gab, der aus dem Mangel heraus geschaffen hat, der Menschen geschaffen hat, von denen er etwas möchte, der Menschen geschaffen hat, damit sie ihm etwas geben, ihn zufriedenstellen, ihn erfüllen, ihn ausfüllen.
Der Gott der Bibel, und ich hoffe, du kennst ihn, darum bist du hier, der ist aber ganz anders. Gott schuf nicht aus Mangel, er schuf, um einzuladen. Gott schuf, um einzuladen. Er lädt ein in die Freude, die Vater, Sohn und Geist schon ewig aneinander haben. Und das ist die Absicht: Er will diese Freude teilen.
Darum geht es im Christenleben um so viel mehr als um das Tun oder das Halten von Geboten. Es geht um so viel mehr als darum, das Richtige zu tun. Es geht darum, hineingeladen zu werden in die ewige dreieinige Freude, die in Gott allein zu finden ist.
Wir sehen das auch im 1. Johannes 1,4. Da heisst es: Wir schreiben euch das, damit unsere gemeinsame Freude vollkommen wird. Der Grund, warum Johannes den ersten Johannesbrief schreibt, und wir können sagen und argumentieren, der Grund, warum die ganze Bibel geschrieben ist, ist, damit die Freude an Gott wächst. Sie soll hier auf Erden wachsen, sie wird aber vollkommen sein, vervollkommnet als Freude, wenn Jesus wiederkommt.
Wenn dieser Jesus wiederkommt, dann wird Folgendes in Matthäus 25 beschrieben. Der Kontext ist ein Gleichnis, und dieser Verwalter wird dort angesprochen. Und das heisst, der Meister sagt ihm am Ende, wenn er wiederkommt: Du bist ein guter und treuer Mann, du hast es wenige zuverlässig verwaltet, ich will dir jetzt viel anvertrauen, komm herein zu meinem Freudenfest.
Bei Gott zu sein, wird in der Bibel als Freudenfest beschrieben. Warum? Weil der dreieinige Gott ewige Freude zu sich hat und zu dieser Freude einlädt. Und darum ist das Beste, das mit Abstand Beste, das wir tun können, Menschen zu Gott einzuladen. Das ist die Motivation, der Antrieb für Evangelisation. Er ist das Beste, das es gibt. Und was sollten wir tun, als Menschen zum Besten einzuladen?
Das ist der Grund, warum wir Gastfreundschaft leben, weil er der Beste ist. Das Staunen und Nachdenken über Gottes Charakter soll uns motivieren.

Gottes Wort und die große Einladung

Ich möchte nur noch kurz in Gottes Wort schauen. Das haben wir jetzt schon zum Teil getan, aber ein bewusstes Nachdenken über seinen Charakter war mir wichtig, vorne anzustellen. Du kennst in der Bibel, wenn du deine Bibel kennst, viele Aufträge, viele biblische Mandate, ganz gastfreundlich zu sein. Vielleicht hast du dich schon mal gefragt, warum das so ist. Ist ja irgendwie auch etwas ganz Normales, so funktionieren Menschen. Warum spricht die Bibel so explizit von Gastfreundschaft?
Es beginnt im Alten Testament mit dem sich durchziehenden Mandat, dass man sich um Bedürftige und Schwache kümmern soll. Israel sollte ein Leuchter sein und sich auch um Schwache und Arme kümmern. Im Neuen Testament begegnen uns viele Stellen in den Briefen, wo gesagt wird, jeder Christ soll gastfrei sein, jeder Christ soll in der Gastfreundschaft wachsen. Warum? Weil die Welt etwas sehen soll von dem, wie Gott ist.
Interessant und für manche auch überraschend ist, dass Qualifikationen für Diakone und Älteste sind, gastfrei zu sein. All diese Stellen schauen wir uns nicht an. Ich möchte aber drei Stellen kurz beleuchten, die uns etwas vom Herz Gottes zeigen und was es für uns und unseren Auftrag bedeutet.
Die erste Stelle ist Jesaja 55, und ich lese dann nur drei Verse. Es ist ein tolles Kapitel, wenn dein Herz dessen nachempfinden möchte, wie Gott ist. Hier heißt es: Ihr Durstigen alle, kommt her zum Wasser, kommt her, auch wenn ihr kein Geld habt, es kostet nichts. Warum gebt ihr Geld aus für Brot, das gar keins ist, den Lohn für eure Mühe für das, was niemand satt machen kann? Hört doch auf mich, dann bekommt ihr das Beste. Dann esst ihr euch an Köstlichkeiten satt. Hört auf mich und kommt zu mir, dann lebt eure Seele auf, und ich schließe einen ewigen Bund mit euch.
Noch eine zweite Stelle aus dem Propheten Jesaja, Kapitel 25, Vers 6: Der Herr, der Allmächtige, wird alle Völker zum Fest einladen, zu einem Mahl mit feinsten Speisen und einem guten Tropfen, mit kräftigen, köstlichen Gerichten und gut gelagertem alten Wein.
Der dreieinige ewige Gott sagt vor allem eines, und es ist: Komm, komm! Und ich möchte dich einladen, darüber zu staunen, weil es sehr bemerkenswert ist, dass Gott uns einlädt. Ich möchte euch noch eine Stelle zeigen, um das zu illustrieren.

Christus als Gastgeber und Vorbild

Die letzte Nacht, die Jesus mit seinen Jüngern verbrachte, war das letzte Passamal. Es war der Auftakt zu dem, was wir heute als eines der beiden Sakramente im Abendmahl feiern. Jesus sagt zu seinen Jüngern in Lukas 22, ab Vers 15:
Ich habe mich sehr nach diesem Passamal mit euch gesehnt, bevor ich leiden muss. Denn ich sage euch: Ich werde nicht mehr davon essen, bis es im Reich Gottes seine ganze Erfüllung findet.
Niemand anderer als Jesus war der Gastgeber bei diesem letzten Passamal. Und die Logik, die er hier aufwirft, ist: Er wird es wieder sein, wenn er wiederkommt. Er war der letzte Gastgeber dieses Passamals, und er wird es wieder sein.
Und, ihr Lieben, wir müssen darum ringen zu staunen, was das auf der Metaebene des Evangeliums bedeutet. Gott zieht unwürdige Sünder wie dich und mich zu sich. Er bringt uns, die wir an seinem Tisch nichts verloren haben, zu sich. Er lädt uns ein, an seinem Tisch zu sitzen. Den Preis, den er bezahlt hat, damit wir dort sitzen können, ist das Leben seines Sohnes. Er reinigt uns, er kleidet uns würdig ein, damit wir am Tisch des Königs sitzen können.
Wir haben per Definition dort nichts verloren. Wir sind nicht angemessen gekleidet, unser Leben passt nicht zu ihm. Das ist der Zustand eines jeden Menschen ohne Gott. Und die unvorstellbar gute Nachricht der Bibel ist, dass Gott trotzdem sagt: Komm.
Und wenn du zu den unverdient geladenen Gästen gehörst, dann wird es zu deiner herrlichsten Berufung, auch andere zu ihm einzuladen. Wenn du zu den unverdient geladenen Gästen gehörst, wird es zu deiner Berufung, diese Einladung mit deinem Leben nachzuahmen.
Wenn wir Menschen mit Essen und Trinken versorgen, dann symbolisieren wir jedes Mal, wenn irgendjemand an deinem Tisch isst und trinkt, die Realität, dass es jemanden gibt, der den Hunger und den Durst stillt. Und es bist nicht du. Und es ist nicht das Essen und das Trinken auf deinem Tisch.
Wenn du Gastfreundschaft lebst und geladene Gäste bei dir hast, dann zeigst du ihnen, dass du selbst ein Eingeladener bist. Gastfreundschaft bedeutet also, die große Einladung Gottes weiterzugeben. Menschen zu sagen: Komm, weil Gott uns gesagt hat: Komm. Wir sagen: Komm, weil Gott uns gesagt hat: Komm.
Der Blick in Gottes Charakter, der Blick in Gottes Wort und zum Schluss noch ein dritter Grund, wenn wir uns theologisch der Frage nähern, warum Gastfreundschaft wichtig ist, ist, glaube ich, auch ein Blick in unsere Zeit.

Warum Gastfreundschaft heute besonders wichtig ist

Warum ist Gastfreundschaft heute so relevant? Ich glaube, weil wir in einer Kultur leben, in der sich alles um uns selbst dreht. Wir leben in einer Kultur, die uns ständig ruft, zuruft: Gib, gib, gib. Hier komme ich!
Und wir Christen können mit einer ganz anderen Botschaft einen großen Unterschied machen. Wir sagen nicht: Hier komme ich, wir sagen: Komm, komm zu mir, weil Gott mich eingeladen hat.
Das ist das, was Jesus, glaube ich, in Johannes 13 im Blick hat, wenn er uns sagt: Genauso wie ich euch geliebt habe, sollt ihr einander lieben. An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.
Das, was Jesus da beschreibt, ist, dass unser Miteinander, dass wir als Familien, wir als Kirchengemeinden, maximal attraktiv sein sollen für Menschen, weil Gott maximal attraktiv ist. An der Liebe zueinander sollten wir erkannt sein. Unser Miteinander sollte attraktiv sein für Außenstehende. Weil Gott maximal attraktiv ist.
Aber ich glaube, das Gleiche gilt auch innerkirchlich. Wir stehen uns heute unter anderem immer mehr Menschen gegenüber, die den Glauben dekonstruieren. Du hast dieses Schlagwort vielleicht schon mal gehört. Es scheint gefühlt jeder um sich zu werfen damit. Vereinfacht bedeutet Dekonstruktion ein Stück für Stück abbauen und hinterfragen von scheinbar festen Fundamenten. Dekonstruieren ist ein Prozess, in dem man Stück für Stück hinterfragt, ob das Glaubenskonstrukt, das ich von meinen Eltern gehört habe, wirklich solide ist.
Und wir müssen uns in unseren Kirchen und Gemeinden dem stellen, keine Frage. Wir müssen Antworten geben. Aber eine Sache, die mir in der Debatte total unterbeleuchtet scheint, ist, wie wir dem begegnen: Die Antworten, die wir diesen Menschen geben müssen, wo passieren die? In Gemeinschaft.
Die Antworten, die diese Geschwister brauchen oder Verwirrte oder Suchende brauchen, finden sie im Kontext biblischer Gemeinschaft, nicht zuerst im Internet. Was diese Geschwister hören müssen, hören sie in der Art und Weise, wie wir miteinander leben. Das ist der Kontext, wie die lebendige Kirche Gemeinschaft und auch Gastfreundschaft lebt.
Ich glaube, wir müssen auch darum in unserer Zeit ganz neu lernen, Menschen zu sein, die Gastfreundschaft üben gegenüber unseren dekonstruierten Freunden. Wir müssen in einer überzeugenden und jesusförmigen Gemeinschaft ihnen mehr Liebe und Wert anbieten, als die Welt jemals zu bieten hat. Es ist die Gemeinschaft, die die Kirche Gottes ausmachen soll.
Und ich frage mich: Kann es sein, dass es auch darum passiert, dass Menschen dekonstruieren, weil sie das noch wenig erlebt haben? Weil sie vielleicht Kirchen und Gemeinden erleben, die ganz viel über Inhalte sprechen, aber ganz wenig miteinander in tiefen Beziehungen leben. In einer Gastfreundschaftskultur, wo uns das Kommen mehr prägt als das: Gib mir von dir.
Ich glaube, auch der Blick in unsere Zeit macht klar, dass Gastfreundschaft wichtig ist. Und ich vermute, einer der Gründe, warum du hier bist, ist, weil dir das bewusst ist und weil du das auch so siehst.

Übergang zur Praxis: Sicht und Hindernisse

Bevor wir uns jetzt dem praktischeren Teil zuwenden, möchte ich als Überleitung noch zwei Dinge mit euch bewegen. Das erste ist die Frage: Was ist notwendig, damit diese Gastfreundschaft, vielleicht auch dieses Anliegen, in mir wächst? Und das zweite ist: Was hält mich, was hält uns, aber vielleicht auch oft davon ab? Was braucht es, um darin zu wachsen, und was hält uns davon ab?
Ich glaube, was es braucht, um darin zu wachsen, ist eine klare Sicht. Ich möchte das mit einer Brille vergleichen. Ich bin kein Brillenträger, aber so viel verstehe ich: Wenn du eine Brille trägst, dann muss sie geputzt und gereinigt sein. Und in diesem Bild glaube ich, dass unsere Brillengläser in zweierlei Hinsicht gereinigt sein müssen.
Zum einen braucht es einen klaren Blick auf mich selbst. Und wenn es dir geht wie mir, dann verlieren wir den so oft aus den Augen. Ich muss sehen, dass ich ein Eingeladener bin, ein Beschenkter, jemand, dem viel gegeben wurde, jemand, dem viel vergeben wurde. Der lernt, wie Jesus sagt, zu vergeben. Der, der eingeladen wurde, lädt andere ein. Eine klare Sicht auf uns selbst.
Aber ich glaube, es braucht auch eine klare Sicht auf andere. Ich habe im Nachdenken in der Vorbereitung wieder neu darüber gestaunt, was C. S. Lewis in seiner Predigt The Weight of Glory gesagt hat, die er 1941 gehalten hat. Er hat Folgendes gesagt. Ich habe es hier auf Englisch; ich lese euch meine deutsche Übersetzung:
Es gibt keine gewöhnlichen Menschen. Du hast noch nie mit einem bloß sterblichen Menschen gesprochen. Es sind unsterbliche Menschen, mit denen wir Witze machen, arbeiten und die wir heiraten. Jeden Menschen erwartet unsterbliche Herrlichkeit oder unsterbliche Schrecken, ewige Herrlichkeit oder ewige Schrecken.
Wenn wir bedenken, dass jeder Mensch, den wir treffen, ein Abbild des lebendigen Gottes ist, der ewig leben wird, dann wird das verändern, wie wir Menschen sehen. Ewig verherrlicht oder ewig leidend ist die Bestimmung eines jeden Menschen, den du triffst.
Wenn wir wollen, ihr Lieben, dass Menschen diese ewige Herrlichkeit kennen, dann müssen wir bereit sein, Gelegenheiten zu schaffen, um sie zu dieser ewigen Einladung Gottes zu führen.
Und warum spreche ich von der Brille? Weil, wenn es dir geht wie mir, meine Brillengläser oft verschmutzt und oft getrübt sind. Ich habe so oft diesen klaren Blick auf mich und auf andere nicht. Und darum glaube ich, ist es wichtig, wie wir dann noch sehen werden, mit Gott das zu suchen, was unsere Brille reinigt.

Stolz, Menschenfurcht und das Evangelium

Ich möchte aber auch zweitens noch mit euch teilen, was ich glaube, was uns oft auch davon abhält, zu investieren. Ich glaube, ein Grund dafür, es gibt mehrere, aber ein Grund ist Stolz, warum wir nicht einladen und warum wir nicht investieren.
Und dieser Stolz hat, glaube ich, zwei Formen. Es gibt einen offensichtlichen Stolz. Es ist der Stolz, dass ich etwas Besseres bin. Unsere Kultur ist sehr gut darin, diesen Refrain zu singen: Selbstverwirklichung, Selfcare, Selbstbewusstsein. Und wenn du deine Bibel kennst, dann weißt du, dass das genau das Gegenteil ist von dem, was Jesus sagt. Selbstaufgabe ist sein Mandat.
Und manchmal hält uns das davon ab, zu investieren, weil wir am Ende glauben, dass wir uns mehr um uns selbst kümmern müssen als um andere. Der offensichtliche Stolz ist, und ich vermute, nicht der eigentliche Stolz bei den meisten von uns.
Ich glaube, es gibt aber auch einen versteckten Stolz, der ungefähr so aussieht, dass ich glaube und fürchte, dass andere von mir schlecht denken könnten. Die Bibel nennt es Menschenfurcht. Die Angst vor dem, was andere von mir denken.
Wie drückt sich das aus? Zum Beispiel, wenn ich jetzt Menschen in mein Leben lasse, dann ist der Gedankenprozess der: Wenn ich Menschen in mein Leben lasse, dann werden sie sehen, wie ich wirklich bin. Und vielleicht mögen sie mich dann gar nicht. Wenn ich sie in mein Leben lasse, dann werden sie sehen, wie unordentlich meine Wohnung ist, wie überfordert ich bin als Papa und Mama. Und dann werden sie mich nicht mehr respektieren.
Oder ich sage: Ich kann das halt einfach nicht so gut wie andere. Ich bin nicht so ein toller Koch, und dann wird die Person schlecht von mir denken. Ich finde es schwer, Gespräche zu führen. Ich bin nicht so lustig, nicht so interessant, und darum wird mich der andere nicht mögen.
Und wenn wir ehrlich sind, dann ist das, was dahinter steckt, dass wir eigentlich Bestätigung von Menschen wollen. Beide Formen von Stolz können dazu führen, dass ich nicht investiere, dass ich nicht einlade.
Und jetzt kommen wir zurück. Du wirst jetzt denken: Was willst du jetzt mit deiner Brille? Jetzt kommen wir zurück zur geputzten Brille. Wir überwinden diesen Stolz nur mit einer besseren Perspektive. Wir überwinden diesen Stolz nur mit einer großen Sicht auf Gott.
Mein egoistisches Herz wird verändert, wenn ich mich mit Gott beschäftige, weil er so anders ist. Er ist so anders als ich. Und was sagt er? Komm, komm zu mir. Jesus, so wird er uns in der Bibel vorgestellt, ist der Größte, den es gibt, und er macht sich zum Niedrigsten. Er gab sein Leben als Diener. Er hat egoistischen Jüngern und auch uns die Füße gewaschen.
Was wir also brauchen, um in Jesus ähnlicher Gemeinschaft zu wachsen, ist das Evangelium. Das Evangelium ist die Kraft zur Veränderung. Und wenn dein und mein Herz müde ist, wenn dein und mein Herz Stolz kennt, dann ist der Weg zur Veränderung das Evangelium.
Wir sind jetzt schon eine halbe Stunde hier zusammen unterwegs, und vielleicht denkst du dir jetzt: Ich habe etwas anderes erwartet von dem Seminar, hätte ich mich doch woanders angemeldet. Wir haben den größten Teil der Zeit jetzt womit verbracht? Mit Theologie. Und nicht mit Methoden. Warum? Weil ich überzeugt bin, dass uns das am meisten verändert.
Das Nachdenken über Gott, über sein Herz, über seinen Charakter, das verändert uns am meisten. Aber nicht abhauen, wir wollen auch über die Praxis reden. Und das machen wir jetzt.

Praktische Grundsätze für den Alltag

Einige praktische Überlegungen dazu, wie wir in der Gastfreundschaft wachsen können.
Mein Hauptanliegen, persönlich und auch das meiner Frau und unserer Familie, ist folgendes: Gastfreundschaft machbar machen. Lasst uns Gastfreundschaft machbar machen. Mit anderen Worten: ein Slogan.
Unspektakuläre Gastfreundschaft verwendet Gott für spektakuläre Dinge. Unspektakuläre Gastfreundschaft verwendet Gott für spektakuläre Dinge.
Gastfreundschaft ist keine Sache für die Superchristen. Gastfreundschaft ist auch nicht die Sache für die besonders Sozialen unter uns. Gastfreundschaft ist eine Lebenseinstellung für jeden von uns.
Gastfreundschaft bedeutet praktisch, dass wir das, was Gott uns anvertraut hat, großzügig teilen und in andere investieren. Das ist es, was Gastfreundschaft bedeutet: dass du deine Zeit, deine Energie, deinen Wohnort, deinen Besitz, deine kreativen Talente, deine handwerklichen Talente und deine Worte investierst und großzügig teilst.
Und ich glaube, wenn wir solide darüber nachdenken und das systematisch durchdenken wollen, dann passiert Gastfreundschaft wahrscheinlich in den drei Sphären: zuhause, in der Arbeit und in der Kirche.
Ich möchte mich heute bei den praktischen Überlegungen auf das Zuhause konzentrieren, weil viele der Prinzipien auch in den anderen Bereichen anwendbar sind.
Ich habe euch zwölf Punkte mitgebracht, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Zwölf Punkte, die ich vor allem mit meiner Frau in den letzten Wochen durchgesprochen habe: Dinge, die uns wichtig geworden sind und Dinge, die uns helfen, Gastfreundschaft zu üben. Die Punkte sind, wie schon der erste Punkt verrät, unspektakulär.

Erste praktische Hinweise: klein, einfach, offen

Erster Punkt: Gastfreundschaft ist unspektakulär.
Der englische Comedian Rourke, so spricht man ihn schnell aus, hat in seinem Programm „All Trouble in the World“ Folgendes gesagt: Everybody wants to save the world, nobody wants to help mom do the dishes. Everybody wants to change the world, nobody wants to change diapers.
Kurz übersetzt für die, die nicht so gut im Englischen bewandert sind: Jeder von uns will die Welt verändern, aber die allerwenigsten wollen Mama beim Ausräumen der Spülmaschine helfen.
Und ich glaube, wir müssen ganz neu lernen, dass Gastfreundschaft, und das gilt übrigens ganz allgemein für Heiligung, im Nicht-Gehypten, im Nicht-Glamourösen passiert.
Mach es machbar. Du hast das Gefühl, dass du in dem Bereich noch ganz wenig aktiv bist und dass dich das massiv überfordert? Dann ist meine Ermutigung: Fang klein an. Fang an, heute dafür zu beten. Fang an mit einer Initiative pro Woche, mit einer Person oder mit einer Gruppe von Menschen, für die du ein Anliegen entwickelst. Fang klein an, weil Gastfreundschaft unspektakulär ist.
Der zweite Punkt ist eben nicht unverwandt und doch ein bisschen anders gelagert: Halte es einfach. Du musst dir nicht zuerst einen Tisch für fünfzehn Personen kaufen oder einen Kochkurs belegen, um anzufangen.
Lade jemanden nach der Arbeit zu dir zum Essen ein, weil du sowieso etwas isst, bevor ihr beide dann vielleicht danach in die Kleingruppe, in die Bibelstunde oder was auch immer eure Kontexte sind, fahrt. Kaufe etwas ein, kaufe zwei belegte Brote. Das Brot schafft jeder von uns. Und lade die Person ein, mit dir Abend zu essen, bevor ihr gemeinsam in die Bibelstunde fahrt.
Halte es einfach. Wenn du nicht kochen kannst oder in einem WG-Zimmer mit einem anderen wohnst, dann kauft euch zwei Brote und geht in den Park. Geht spazieren, kauft euch etwas und setzt euch, wenn es sein muss, auf den Parkplatz von dem Supermarkt, wo ihr es gekauft habt. Halte es einfach. Du brauchst nicht viel.
Drittens: Ihr merkt die Handschrift meiner Frau. Du brauchst keinen Reinraum. Reinraum kommt von mir, das weiß sie gar nicht, was es ist. Ich komme ursprünglich aus der Halbleiterindustrie. Ein Reinraum ist ein Raum, in dem gewisse Reinheitsvorschriften eingehalten werden müssen. Nur dann darfst du hinein, mit Mundmaske und allem Möglichen.
Also: Du brauchst keinen Reinraum. Befreie dich davon, dass dein Zuhause irgendwelchen Reinheitsvorschriften entsprechen muss, bevor du Menschen einlädst. Dein Zuhause muss kein Reinraum mit einem Gütesiegel sein. Deine Gäste werden vielleicht zum Teil unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was eine saubere Wohnung ist. Absolut okay.
Das Prinzip ist: Das klingt im Englischen alles besser, darum sage ich es euch im Englischen: Bless do not impress. Bless do not impress. Sei ein Segen, versuch nicht zu beeindrucken.
Du brauchst kein Zuhause, das irgendeinem Reinheitsgütesiegel entspricht, um Menschen zu dir einzuladen. Merkst du das Muster, wenn wir es doch wollen, dass wir eigentlich auf Anerkennung von anderen aus sind? Darum lass dich ermutigen: Du brauchst keinen Reinraum, um in Gastfreundschaft zu wachsen.
Weiter geht’s: Du bist kein Hilton. Hilton ist ein Hotel für alle, die wie ich nicht in Fünf-Sterne-Hotels absteigen. Du bist kein Hilton, du bist kein Hotel für die High Society, sondern ein Ort, wo schwache und bedürftige Menschen sich wohlfühlen lernen. Wo sie getröstet werden, wo sie gestärkt werden, wo sie ermutigt werden, wo sie weinen und wo sie lachen können.
Lade sie ein in dein Leben mit allen Macken und Beschränkungen. Sie kommen, um Leben zu teilen, nicht weil sie einen Logenplatz in einem Theater gebucht haben. Sie kommen, um Leben zu teilen.
Du brauchst kein Hilton.

Essen, Hilfe und echte Gemeinschaft

Ich wohne, wie ich gesagt habe, in den Tiroler Bergen, einem der schönsten Orte auf der Welt. Und bei uns im Tal, am Land, in Kaffhausen wird es hier nicht anders sein: Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen gastfreundlich sind. Es ist nicht ungewöhnlich. Aber sie leben Gastfreundschaft ganz anders, als wir sie leben wollen.
In der Regel funktioniert es so: Du wirst eingeladen. Und um einen Termin zu finden, dauert es schon ein paar Wochen. Warum? Weil drei Tage vorher und drei Tage nachher und an dem Tag nichts anderes passieren darf, als dass du mich zu Besuch hast. Es dauert Wochen, bis wir einen Termin finden.
Und dann tauchst du auf. Die Musik läuft, die veganen Duftkerzen sind aktiviert, der Tisch ist gedeckt mit dem besten Besteck. Das Fünfgänge-Menü steht bereit, der beste Wein ist aus dem Keller geholt, die Gourmet-Nachspeise mit der Trüffelnote und Papayastücken drauf steht schon bereit. Und je nach Gastgeber gibt es auch Zigarre und Whisky für später. Ich werde übrigens gern eingeladen.
Und du verabschiedest dich dann bei den Gastgebern und sagst: Das nächste Mal sind wir dran, das nächste Mal sind wir dran. Und meine Frau erinnert mich immer wieder daran, dass ich übertreibe. Aber die Logik ist dann: Du lädst ein, und das eine Ziel ist, dass du noch einen draufsetzt.
Ich habe einen Freund gehabt, einen Arbeitskollegen, der vor ein paar Monaten bei uns war. Und der hat das nicht ganz so übertrieben, aber doch in der Logik erklärt, dass seine Eltern so eine Gruppe hatten von Leuten, die sich gegenseitig eingeladen haben. Und nach jahrelang genau diesem Prozess haben sie aufgehört, sich zu treffen, weil sie alle die Schnauze voll hatten. Keiner konnte mehr eins draufsetzen.
Die Logik ist: Du lädst zurück ein, und die Show muss getoppt werden. Der Menüplan setzt noch einen drauf, die Zutaten sind noch exklusiver, der Wein ist noch älter und noch tiefer aus dem Keller rausgetragen. Das Prinzip, wenn auch übertrieben, ist real. Gastfreundschaft hat das Ziel, den Gast zu beeindrucken.
Das, wovon die Bibel spricht, ist aber ganz anders. Das, wovon die Bibel spricht, ist ganz anders. Du bist kein Hilton.
Fünfter Punkt: Gastfreundschaft muss nicht, kann aber Essen beinhalten. Die meisten von uns essen zwei- bis dreimal pro Tag. Die, die gerade in irgendeiner komischen Diät sind, slim fasten und wie heißt das Zeug dann immer hier, Intervallfasten und so, die essen halt nur zweimal. Das sind 14 bis 21 Mahlzeiten pro Woche. 14 bis 21 Mahlzeiten ohne Kaffee, ohne Tee, ohne Wein und Whisky am Abend. 14 bis 21 Möglichkeiten, um miteinander zu essen.
Nutze diese Gewohnheiten. Nutze diese Gewohnheiten. Plane ein einfaches Essen. Meine Frau zum Beispiel hat immer, immer einen Kilo Sugo im Gefrierfach. Sugo, versteht ihr das? Tomatensoße für Spaghetti, Sugo, Spaghettisoße für mindestens fünf bis zehn Leute, damit sie ganz spontan einfach sagen kann: Komm.
Koch am Sonntag für zwei, drei Leute extra und halte spontan im Gottesdienst Ausschau nach Leuten, die du einladen kannst. Du bist kein Koch? Kein Problem. Kauf was ein. Kauft euch Sandwiches. Geht gemeinsam spazieren. Setzt euch in die Sonne. Gastfreundschaft muss nicht, aber es ist so naheliegend, das mit Essen zu verbinden.
Du hast vierzehn bis einundzwanzig Mahlzeiten pro Woche. Das wäre mal eine Diät. Vierzehn bis einundzwanzig Mahlzeiten pro Woche. Nutz eine davon. Fang mit einer an, wo du regelmäßig Leute einlädst.
Sechstens: Nimm Hilfe an. Menschen fühlen sich wohler bei dir, wenn sie etwas beitragen können. Dein Gast ist nicht dein König. Vergiss diesen bescheuerten Spruch von der Oma. Dein Gast ist nicht dein König, dein Gast ist dein Freund.
Kann ich was mitbringen? Widerstehe dem Impuls, den du gelernt hast zu sagen: Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, bitte nicht, bitte nicht! Sag gern: Nimm gern was mit.
Wenn er dich besucht, frag ihn: Kannst du mir bei der Wäsche helfen? Kannst du, meine ich ernst, kannst du den Kindern bei den Hausaufgaben helfen? Kannst du, während ich das Essen zubereite, mit meiner Tochter die Matheaufgaben fertig machen? Kannst du mir im Garten helfen?
Kommuniziere nicht, dass du alles selbst kannst. Wie schrecklich sind Menschen, die alles selbst können. Du willst nicht eingeladen werden von jemandem, der alles selbst kann.
Meine Frau hat gelernt, und ich von ihr, Gäste aktiv zu fragen: Kannst du bitte eure Bettwäsche mitbringen? Kannst du was zum Essen mitbringen? Nimm Hilfe an und involviere deine Gäste.

Gastfreundschaft als Beziehung statt Projekt

Siebter Punkt: Gastfreundschaft ist nicht Sozialarbeit.
Ich habe das nicht so formuliert, dass das alles Insta-Tweets werden können oder wie das heisst, sondern versucht, es kompakt zu formulieren: Gastfreundschaft ist nicht Sozialarbeit.
Denkt mal an die Singles, und ich hoffe, viele von euch machen das, wenn ihr Familie habt, dass ihr regelmässig Singles einladet. Aber da gibt es ein Problem, das ich schon oft genug erlebt habe. Wenn du Singles in die Familie involvieren willst, dann geht es nicht darum, der Person einfach zu helfen, damit sie nicht alleine ist. Gib ihr Anteil, nimm sie mit hinein.
Gastfreundschaft gegenüber einem Single, einer alleinstehenden Person, ist nicht one way. Sie möchte nicht needy sein, sondern das Gefühl haben, dass sie needed ist, dass sie Teil deiner Familie wird, mindestens an dem Abend. Überleg dir, wie du das kommunizieren kannst, was sie tun kann, um euch zu dienen, um Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Kommuniziere, dass du sie brauchst und dass du sie willst. Kommuniziere nicht: Du brauchst mich. Darum lade ich dich ein, weil dir etwas fehlt.
Gastfreundschaft ist nicht Sozialarbeit, und ich glaube, dass es besonders wichtig ist, wenn wir alleinstehende, Singles, schwache oder kranke Menschen einladen. Es ist kein Sozialprojekt. Die Person will kein Sozialprojekt von dir sein, und du willst es auch nicht.
Achtens: Gastfreundschaft ist ein Familienprojekt.
Wenn ihr es als Familie noch nicht habt, dann ermutige ich euch, über ein Familienstatement nachzudenken, ein Familien-Mission-Statement. Und redet aktiv mit der Familie, mit den Kindern, darüber und betet dafür.
Wir als Familie haben das für uns so heruntergebrochen: Die Reindls wollen eine Familie für andere sein. Die Reindls darfst du kopieren. Die Reindls wollen eine Familie für andere sein.
Das bedeutet für uns: Wir haben viel Besuch. Wir verzichten bewusst auf Alone-Time. Wir überlegen, wen wir einladen und in wen wir investieren können. Wir beten jeden Abend aktuell mit Gebetskarten, dass eines der Kinder ziehen darf für zwei Personen, für zwei Familien. Wir fragen die Kinder, ob es Menschen gibt, die ihnen gerade besonders am Herzen liegen, und wir investieren gemeinsam in ihre Freunde, in die Familien ihrer Klassenkollegen und Kindergartenfreunde.
Mach es zu einem Familienprojekt. Warum? Gerade in Bezug auf die Kinder, weil wir es alle lieben, Teil von etwas Grösserem zu sein. Wir sind geschaffen dafür, nicht für uns selbst zu leben.
Noch etwas ganz Praktisches vielleicht für dich als Familienvater, Mutter oder auch wenn du in der Gemeindeverantwortung bist: Mein Eindruck ist, dass Familien heute erwarten, dass sich Kirche um Familie dreht. Und ich möchte zu einem Evangeliumsblick ermutigen, in dem wir sehen, dass sich Familie um Kirche drehen soll.
Das heisst ganz praktisch, dass sich nicht der Kirchenkalender an deinem Familienkalender orientiert, sondern dein Familienkalender an dem der Kirche und dem Einladen von Menschen. Mach es zu einem Familienprojekt. Ich bin begeistert, dass unsere Kids trotz aller Herausforderungen es lieben, in andere zu investieren. Schaffe früh eine Kultur, in der das passiert.

Grenzen, Planung und kluge Prioritäten

Neuntens: Und auch, weil ich verheiratet bin.
Achte auf deine Grenzen und auf die deiner Familie. Das ist ein notwendiges Gegenüber zu Punkt acht. Wir wollen opferungsvoll investieren, und wir wollen das manchmal auch über unsere Grenzen hinaus tun. Diese Illusion, dass du Menschen dienen kannst und dich das nichts kostet, kommt von Disney. Nicht aus der Bibel.
Ja, oft auch über unser menschliches Vermögen hinaus. Aber wichtig ist: Die Bibel ist klar, dass wir gesunde Haushalter sein sollen. Gesunde Haushalter unserer Energie, unserer Kapazitäten. Und je nach Familie und Lebenssituation wird Gastfreundschaft auch anders aussehen.
Unsere Kinder schreien jetzt nicht mehr nach Muttermilch oder wegen voller Windeln. Und darum sieht auch Gastfreundschaft für uns heute anders aus als vor fünf Jahren. Sei ganz aktiv mit deiner Familie darüber im Gespräch. Halte die Vision hoch, streckt euch gemeinsam aus, um zu dienen. Aber frag auch: Ist es zu viel? Müssen wir justieren?
Eine Lektion, wahrscheinlich vor allem für mich: Hör auf deine Frau. Eine Lebenslektion, scheint mir. Meine Frau und ich sind sehr unterschiedliche Typen. Ich bin ein Typ, der Energie von Menschen bekommt. Sie ist ein Typ, der Energie verliert, wenn sie mit Menschen ist. Und beides ist gut. Sie braucht mehr Ruhe und mehr Distanz, um dann wieder ganz aktiv mit Energie zu investieren.
Darum sei im Gespräch mit deiner Frau, sei im Gespräch mit deiner Familie. Und vergiss nicht, warum das wichtig ist: Weil das Christenleben und Gastfreundschaft kein Hundertmetersprint sind, sondern ein Marathon. Ihr wollt es euer Leben lang machen und nicht nach hundert Metern ausbrennen.
Achte auf die Grenzen und sei dir bewusst: Eine Lektion, die ich leichter predige als lebe, ist, dass es immer mehr Menschen und Nöte gibt, als du Kapazitäten hast. Es gibt immer mehr Menschen und Nöte, als du Kapazitäten hast. Darum achte auf deine Grenzen.
Zehntens: Plane aktiv.
Die meisten von uns, bestimmt nicht jeder, aber die meisten von uns funktionieren so. Und auch unser Alltag funktioniert so, dass Dinge, die uns wichtig sind, eingeplant werden müssen. Dinge, die uns wichtig sind, die müssen wir planen. In unseren Kalender schreiben, wenn du so etwas hast. Wenn wir sie uns aktiv vornehmen oder nicht vornehmen, passieren sie weniger. Und darum die einfache Ermutigung: Plane. Überlege aktiv, in wen du investieren kannst, wen du einladen kannst.
Seit ungefähr zehn Jahren haben meine Frau und ich eine Routine am Sonntagabend. Damals aus der Not geboren, weil ich für vieles davon noch nicht empfänglich war, gibt es eine Stunde, die wir uns nehmen, bevor wir ins Bett gehen. In dieser Stunde reflektieren wir miteinander, reden betend über die letzte Woche und sprechen über die nächste Woche. Eine Stunde am Sonntagabend. Und diese Routine hilft uns enorm.
Warum? Weil wir zum einen ganz praktisch schauen: Was ist letzte Woche passiert? Mit wem hat Gott uns in Kontakt gebracht? Was davon sollten wir vielleicht ganz neu noch einmal aufnehmen? Und auch mutig in die neue Woche schauen und überlegen: Ist das eine oder andere vielleicht zu viel? Ist etwas passiert, das wir öfter justieren müssen? Und wer wird diese kommende Woche in unserem Haus sein, sofern wir das wissen? Mit wem werden wir in Beziehung sein?
Aber überlege nicht nur, in wen du investieren kannst, wenn du so eine Routine noch nicht hast. Fang klein an, vergiss das nicht. Sondern überlege dir auch und bete, bevor Menschen zu dir kommen oder bevor du dich mit Menschen triffst. Überlege: Was könnte die Person brauchen? Gibt es gerade eine ganz spezifische Not, durch die die Person geht?
Wir haben immer wieder mal Singles bei uns, die eher aus der Kategorie hochbegabt in ihrem Beruf sind und socially ziemlich underdeveloped, würde man sagen. Und du fragst dich dann immer wieder: Okay, was machen wir? Und da gibt es, denk doch darüber nach, der eine spielt zum Beispiel unglaublich gern Spiele mit den Kindern. Das Erste, wenn er kommt, ist: Helena, zack, Spiel, hier. Und das ist kein plumpes Mittel, um irgendjemanden zu kategorisieren, sondern ein Überlegen: Was kann ich tun, um der Person in dem, wie sie ist, gut zu begegnen?
Denke darüber nach, bete für die Person, was sie braucht. Vielleicht ist es ein Brettspiel, vielleicht ist es ein Gespräch. Aktiv und initiativ zu sein, sowohl bei dem, wen wir einladen wollen, als auch, wenn die Person bei uns ist, wir mit ihr unterwegs sind, was sie braucht.
Wenn es dir geht wie mir, dann ist es so leicht, dass wir in diese Dinge hineinstolpern. Oh ja, heute Abend kommt jemand, und ich komme direkt von der Arbeit. Und nicht einen Moment der Ruhe und des Überlegens und des Betens. Herr, öffne mir die Augen heute Abend für das, wo die Person bei uns ist. Gibt es Dinge, wo ich helfen kann? Gibt es Dinge, wo ich dienen kann?
Sei aktiv. Plane aktiv.

Über die eigene Blase hinaus und mit der Zeit umgehen

Noch zwei Punkte, und dann gibt es ein gemeinsames Gespräch.
Überwinde die Grenzen deiner Bubble. Was meine ich damit? Wir alle haben Bubbles. Das ist kein deutsches Wort, sondern ein englisches Wort für unsere engsten Leute, mit denen wir uns ganz natürlich vernetzen. Ähnliches Alter, ähnlicher Lebensumstand, ähnliche Interessen. Das ist alles super, damit gibt es gar kein Problem.
Aber das Evangelium befähigt uns auch zu einem Blick außerhalb der Bubble, zu Menschen, die älter sind, zu überforderten Mamas, die dich nervös machen, zu Singles, mit denen du nicht natürlich etwas zu tun hättest, zu Leidenden, die nicht aktiv auf dich zugehen. Es ist ein gutes Training für uns. Es hilft uns, uns aktiv auszustrecken und die Augen offen zu haben für Menschen, die leicht untergehen, weil sie gerade in keiner Bubble sind. Überlege, wer es sein könnte, in den du investieren kannst.
Und der letzte Punkt ist für mich ein herausfordernder: Wir haben keine Zeit. Wirklich? Ich oute mich: Ich bin genervt von Menschen und von mir selbst, viel zu oft, weil wir ständig sagen: Ich habe keine Zeit. Ich habe keine Zeit.
Am Ende, ihr Lieben, habe ich eine ganz revolutionäre Neuigkeit für euch: Es ist mehr als ein Kalenderspruch, wir haben alle die gleiche Zeit. Alle die gleiche Zeit. Hättet ihr nicht gedacht, oder? Vierundzwanzig Stunden, sieben Tage. Wir haben alle die gleiche Zeit. Und die Frage ist, wofür wir uns entscheiden, die Zeit zu verwenden.
Wenn es dir geht wie mir, dann finden wir uns so oft in der Situation wieder, in der wir so wenig Zeit und Energie übrig haben, weil wir Lebensweichen gestellt haben, die dazu führen, dass das so ist. Und ja, dieses Fass ist deutlich größer und komplizierter, als ich das jetzt gerade provokant dargestellt habe, das ist mir bewusst. Aber ich glaube, wir können nicht über Gastfreundschaft und das Investieren in Menschen reden und selbst diese elf, vielleicht mehr oder weniger hilfreichen, praktischen Punkte mitnehmen, ohne darüber zu reden oder zu ignorieren, dass es bei vielen von uns meistens am Faktor Zeit scheitert.
Manchmal, und das ist mir bewusst, ist diese Geschäftigkeit in einer gewissen Phase unvermeidbar. Aber das ist meine Ermutigung: Nehmt nichts mehr davon mit von dem Punkt als diese Ermutigung. Wenn wir ehrlich sind, ist es doch auch das Ergebnis unserer Entscheidungen. Wir wollen die Beförderung unbedingt. Wir wollen akademisch erfolgreich sein. Wir wollen, dass unsere Kinder die beste Ernährung haben, die besten Sportangebote nutzen und in allen Vereinen angemeldet sind, die möglich sind.
Was auch immer die Gründe sind: Ein zu voller Kalender kann Gastfreundschaft im Wege stehen. Und wie wäre es, mutig zu fragen, vielleicht auch heute, vielleicht mit deiner Familie zu Hause, ob diese Weichen, die ihr gestellt habt, die besten Weichen sind? Wie wäre es, mutig und bewusst Zeit für Gastfreundschaft und Investition in Menschen einzuplanen? Wie wäre es damit, bewusst auf etwas zu verzichten, das du machen könntest, um bewusst in andere zu investieren?
Wann hast du das letzte Mal verzichtet, um mehr Zeit zu haben für Gastfreundschaft? Auf einen Karriereschritt, auf eine Fortbildung, auf einen Urlaub, auf einen Ausflug, einen Sportkurs? Alles gute Dinge, alles gute Dinge. Meine Sorge ist, reflektiert von meinem eigenen Leben, dass wir sehr viele gute Dinge machen und dadurch für die wichtigeren Dinge wenig Zeit haben.
Vielleicht braucht es eine Inventur deiner Lebensweichen. Vielleicht braucht es auch mutige Entscheidungen. Und es ist überhaupt keine schlechte Gewissenkeule, mit der ich euch jetzt ganz zum Schluss noch mal nach Hause schicken will, überhaupt nicht. Es ist eine Ermutigung, innezuhalten und, wo nötig, sich auch neu auszurichten. Es lohnt sich.

Eine persönliche Geschichte als Ermutigung

Ich möchte mit einer Geschichte schließen, bevor wir dann gemeinsam noch ins Gespräch kommen.
Vor fünf Jahren sind wir als Familie in ein neues Haus eingezogen. Direkt neben uns wohnte ein älteres Paar, ich nenne sie hier Fred und Wilma. Anna hat ihnen Kuchen gebracht und sich vorgestellt. Ihre erste Reaktion war: „Ah, wieder ein Neuer. Meistens merke ich mir die Namen nicht, weil die auch schnell wieder weg sind.“ Also keine unbedingt sehr positive Reaktion auf den Kuchen. Den Kuchen haben sie trotzdem genommen.
Wir haben angefangen, für sie zu beten. Ich weiß noch, wie die anderen nach Hause kamen und davon erzählt haben. Wir waren entmutigt. Wir haben weiter für sie gebetet und sie eingeladen, und anfangs waren sie sehr ablehnend. Die Kinder haben auch schon viel erlebt und ihren Teil dazu beigetragen, vor allem, um sein Herz zu wärmen.
Bald darauf haben wir von seiner schweren Diagnose erfahren: COPD, eine Lungenkrankheit. Und gerade während COVID, in einer Zeit, in der er kaum noch aus dem Haus kam, haben wir begonnen, für sie einzukaufen, ihnen Essen zu bringen und ihnen Videos von den Kindern zu schicken, wenn sie irgendwelche komischen Witze erzählt haben. Wir haben die Hecke im Garten gestutzt. Die Hecke war vorher so hoch, dass man die Nachbarn nicht sehen konnte. Wir haben sie so gestutzt, dass man sich sehen konnte.
Wir haben im Garten miteinander Kaffee getrunken, über den Zaun hinweg, und sie haben sich von Woche zu Woche geöffnet. Und wir als Familie haben sie sehr lieb gewonnen. Sie waren Abend für Abend bei unseren Familienandachten dabei. Wir haben sie zu Weihnachten bei uns gehabt, und wir haben die Bibel gelesen.
Als wir vor zwei Jahren die Gemeinde gegründet haben, waren sie in den ersten Gottesdiensten dabei. Die Kinder waren oft alleine bei ihnen, wenn wir zu zweit unterwegs waren. Wir haben mit seinem portablen Sauerstoff noch ein paar letzte Ausflüge mit ihm geplant, bis es dann immer schlechter wurde und er letztes Jahr vor Weihnachten ins Krankenhaus musste. Danach ist er nicht mehr nach Hause gekommen.
Kurz nach Silvester hat sie mich angerufen und gesagt: „Alex, kannst du bitte noch einmal kommen, bevor wir die Beatmungsmaschinen abschalten?“ Und ich habe ihm noch einmal Psalm 23 gelesen und ihm noch einmal gesagt: „Kommt zu Jesus, kommt zu ihm!“
In den letzten fünf Jahren hat er mich so oft gefragt: „Warum machst du das? Warum machst du das?“ Und er hat immer wieder versucht, mir Geld zuzuschieben. Er hat gesagt: „Ich kann dir das nicht zurückzahlen. Warum machst du das?“ Ich habe ihm immer wieder gesagt: „Weil ich ein Eingeladener bin.“
Vor fünf Jahren hat sie gesagt: „Wir merken uns eure Namen nicht.“ Und vor ein paar Monaten hat sie gesagt: „Komm bitte zu mir, komm bitte zu mir.“
Ich weiß nicht, ob er bei Jesus ist. In den letzten Stunden hat er nicht mehr reagiert. Aber ich weiß, dass jede Investition es wert war, weil es für uns nichts Wichtigeres gibt, als Menschen diese große Einladung zuzurufen.
Gastfreundschaft, ihr Lieben, ist kostspielig, aber sie ist es wert. Warum? Weil wir die große Einladung Gottes mit unserem Leben widerspiegeln dürfen. Und was könnte es Schöneres geben, als dafür zu leben?
Dazu möchte ich euch Mut machen, und dazu möchte ich einladen.

Gesprächsphase und Fragen aus dem Plenum

Wir kommen jetzt zum letzten Teil des Seminars. Wir haben noch ungefähr 15 Minuten Zeit, und da freue ich mich, von euch zu hören. Ich habe dann am Ende noch ein paar Literaturempfehlungen für euch, und sofern es die Zeit erlaubt, wäre es toll, wenn wir auch noch gemeinsam beten.
Also, jetzt ist die Zeit, in der ihr Fragen stellen könnt, wenn ihr sagt, es wäre cool, wenn wir noch ein bisschen genauer reingehen. Gern auch Anmerkungen oder Dinge, die ihr erlebt habt und die zu den zwölf Punkten noch dazugehören. Björn hat ein Mikrofon, das ist ganz toll. Also: Eure Anmerkungen, eure Fragen – Björn wird euch ein Mikrofon bringen.
Alex, wie gehst du mit Freunden und Nachbarn um? Wir haben Leute eingeladen, und sie sind gekommen, fanden es auch ganz toll, waren begeistert. Und dann kommt immer die Antwort: Ja, das nächste Mal kommt ihr zu uns. Ziehen Wochen und Monate ins Land, die Leute sind beschäftigt. Wie du sagst: Laden wir sie immer wieder ein, oder wie gehen wir damit um, wenn Leute so einen vollen Terminkalender haben? Der Gedanke ist natürlich auch, man möchte sie nicht beschämen, dass sie nicht dazu kommen, die Gegeneinladung auszusprechen.
Ja, super Punkt. Das begegnet uns alltäglich. Wir werden unterdurchschnittlich oft eingeladen, wir laden mehr ein, das ist auch eine Realität. Und trotzdem würde ich ermutigen, weiter einzuladen. Wenn du an einen Punkt kommst, wo du merkst, dass es irgendwie komisch wird für die Beziehung, dann vielleicht auch den Mut haben, es mal anzusprechen. Einfach auch zu sagen: Wir laden nicht ein, weil wir etwas von euch erwarten. Wir laden euch gerne zu uns ein, für uns ist das gut machbar. Wir freuen uns sehr, wenn ihr kommt, wir verbringen gern Zeit mit euch.
Vielleicht auch irgendwo in diesem Zwischenraum die Person treffen, auf dem Spielplatz, im Garten, über den Zaun, wie auch immer. Aber das, was du beschreibst, kenne ich sehr, sehr gut. Mehr Tipps als: dranbleiben, das auch aushalten oder manchmal ansprechen, habe ich, glaube ich, nicht. Aber gern auch von anderen Kommentare dazu.
Also ich denke, vielleicht gibt es darauf auch keine so klare Antwort. Aber ich frage mich manchmal, was strategisch besser ist, wenn man sehr, sehr viele Leute kennt, die einem im Kopf sind, auch vielleicht aus der Gemeinde, Nachbarn, wie auch immer, die man alle gerne einladen würde. Ob man dann lieber einfach jede Woche einlädt und dafür dauert es dann ein halbes Jahr, bis man die Person nochmal einlädt, so dass man viele im Blick hat, oder ob man sich lieber auf wenige konzentriert?
Ja, sehr gut. Die Antwort heißt: ja. Anna und ich sprechen fast jede Woche darüber, weil die Liste derer, die wir eigentlich schon lange wieder hätten sehen wollen, lang ist. Gleichzeitig kommen wir persönlich, aber da sind wir auch gerade irgendwo so ein bisschen am Ringen und Umdenken. Es sind viele. Es ist oft Thema am Sonntagabend, dass wir tendenziell Gott und seinen Geist einfach auch bitten, diese offenen Türen zu zeigen.
Und wir wollen jetzt nicht Hilton Hotel sein oder nicht Hilton Hotel sein. Das kann bedeuten: Ich bin nicht der Fünf-Sterne-Typ. Es kann aber auch bedeuten: Ich habe einfach immer nur Durchzugsluft bei mir. Und uns geht es um Beziehung und Begegnung. Und wenn wir merken, da sind wir auch gerade bei ein paar Freunden in dem Thema, wo wir merken, da ist so wenig Interesse, da ist so wenig auch irgendwie offene Tür, so viel Wunsch nach Tiefe, dann gibt es definitiv manchmal Leute, die Gott uns aufs Herz legt, einfach dranzubleiben. Aber auch immer mehr Leute, wo wir sagen: Offensichtlich lieber in dieser Lebensphase nicht 50 Leute einmal im Jahr sehen, sondern zehn öfter. Aber da stecken wir selber gerade auch drin.
Es wurde teilweise auch ein wenig angeschnitten. Wenn es zu viel wird, und ich kenne das Problem auch bei Kindern, die sich teilweise vernachlässigt fühlen von den Eltern, weil die Eltern quasi ständig alle Leute im Blick haben, außer den eigenen Kindern, und die Kinder dann teilweise auch gar keine Christen mehr sind, weil sie einfach sagen: Ich hätte Zeit mit Mama und Papa gebraucht, und die hatten immer Zeit für alle, außer einfach mal nur für uns als Familie. Wie geht ihr mit dieser Problematik um?
Das erleben wir sehr, sehr ähnlich. Genau diesen Punkt nach Punkt acht braucht es: dieses aktive Gespräch mit meiner Frau und auch mit den Kindern über die Frage, wo es zu viel ist. Da bin ich auf jeden Fall der, der mutiger das eine oder andere Mal zurückrudern muss, weil ich das weniger auf dem Schirm habe für meine Frau oder auch die Kinder.
Gleichzeitig möchte ich trotzdem noch mal mutig sagen: proaktiv nicht gegensteuern, sondern formen mit der Vision, die Kinder da wirklich Teil des Teams sein zu lassen und ihnen auch eine Stimme zu geben in der Frage, für wen und auch in der Frage, das war doch dann auch mal einfach was, alleine machen und schwimmen gehen. Also für beides Räume schaffen und sie gewinnen für die Vision, wofür wir da sind.
Ich glaube, beides tun. Das eine ist, dass wir positiv die Vision prägen, nicht dass Mama und Papa, während sie im Bett sind, dann ihre Pläne schmieden und am nächsten Tag dann auf einmal Leute dastehen, sondern sie mit reinzunehmen. Morgen planen wir, diese und jene Person einzuladen. Aktuell geht es der Person in dem Bereich nicht so gut. Würdest du mit uns für sie beten? Du könntest sie lieben, indem du ihr etwas malst. Du könntest sie lieben, indem du Zeit mit ihr verbringst. Und sie da ganz aktiv mit reinzunehmen.
Gleichzeitig aber eben auch, und da bin ich ganz bei dir, mutig gegenzusteuern und darauf zu achten, dass es eine Routine gibt. Wir haben eine Routine, die nennt sich „Friday Family Fun Night“, wo wir nur als Familie sind und Freitagabend immer mit einer gewissen Routine. Die Kinder warten immer auf den letzten Punkt, da heißt es meistens, was zusammenschauen, und alle Dinge vorher müssen sie über sich ergehen lassen wie Spielen und Reden usw. Aber diese Routine, die wissen sie, die ist heilig. Die machen wir, da sind wir zusammen, wir reden auch über andere, wir beten für andere. Aber sie wissen, dass es diese Routinen gibt.
Also: Gegensteuern, wo notwendig, aktiv Routinen schaffen, wo das ausgedrückt wird, und die Familie ganz aktiv mit reinnehmen. Das ist keine Sache von dir oder von dir und deinem Mann, sondern es ist eine Sache von uns. Und sie haben da eine Stimme, weil wir wollen, dass sie Teil davon sind.
Wie geht man am besten damit um, wenn man jetzt Freunde, Bekannte, Nachbarn hat, sobald es aber zum Thema Glauben kommt, am besten möchten die dann auch gar nicht, im Gegenteil, es kann sogar zu Spannung kommen. Letztendlich möchte man natürlich auch einen, um gerne den Glauben nahezubringen. Hast du da eine Idee?
Ja, super. Das ist noch mal ein ganz, ganz zweites Seminar, würde ich sagen, in der Frage, wie wir dann in so einem Lebensstil mit Menschen in der Tiefe wachsen, um auch über Jesus zu reden. Das ist das Ziel, wir wollen die Einladung ausdrücken. Aber was ich heute versucht habe zu machen, ist zu zeigen, dass die Tatsache, dass wir einladen, ein Ausdruck dieser großen Einladung ist, dieser Lebensstil, dieser Modus.
Und das, was du ansprichst, ist eine ganz reale Herausforderung, die wir alle kennen. Dann gibt es jene, die nie mit dir darüber reden wollen. Das kann ein Fall sein von auf Dauer. Vielleicht ist das eher eine geschlossene Tür. Kann aber auch einfach etwas sein, was wir auch oft erleben, wo es unglaublich viel Geduld braucht.
Und die meisten Möglichkeiten, über den Glauben zu reden – das wird auch den meisten von euch nicht anders gehen – sind, wenn Leid im Leben der Person ist. Und wenn du dann immer noch der bist, der sagt: Komm, und immer noch der bist, bei dem das Aroma und das Selbstverständnis von: Ich nenne dich jetzt mal Hans, weil ich nicht weiß, wie du heißt. Wenn man weiß, Hans ist der, der für mich da ist, mit ihm kann ich reden, dann gibt es wunderbare Möglichkeiten, Zeugnis zu geben von der Hoffnung, von der Petrus sagt, die in uns lebt.
Von daher: Ja, auch in der Frage gibt es ein Ringen um mutig. Und wir als Familie wollen da auch ganz aktiv darüber reden. Man muss da auch die Kinder manchmal ein bisschen coachen, weil die dann so: Ah, ist es die, für die wir beten, dass sie zum Glauben kommen, und so. Da braucht es auch eine Atmosphäre und ein Klima, sie zu sensibilisieren dafür, dass es nicht alle gut finden usw.
Aber kleine Dinge wie, dass wir vor dem Essen beten oder mit ihnen etwas singen oder ich auch, wenn es ein neuer Gast ist, einfach kurz erkläre: Wir sind überzeugt, dass diese Gaben von Gott kommen, und wir geben ihm gemeinsam dafür ein Dankeschön vor dem Essen. Ich hoffe, es ist okay, wenn wir etwas singen. Also in kleinen Portionen auch das Leben, was uns ausmacht.
Und wenn da ansatzweise eine offene Tür ist, ein Interesse beim Gegenüber, ist mein Verständnis: Wenn du interessiert bist an ihm und der auch nur einen Hauch von Menschlichkeit verspürt, dann wird er Gegeninteresse ausdrücken wollen. Und in diesen Raum hinein, und vor allem in den Raum von Not und Leid, dann den König hineinzurufen, der die Antwort ist auf all das.
Aber super Frage, Hans, und wir, Sascha, top, wir sitzen im gleichen Boot.

Schutz, Rahmen und mehrere Gäste

Ich glaube, zwei Fragen hätten wir noch Zeit?
How to protect your family or your kids from the people who come to your house but may not wish you the best.
Ja, sehr gute Frage. Ich glaube, das gehört zu dem Punkt neun, der Grenzen und Kapazitäten der Familie. Und zu Grenzen der Familie gehört auch Schutz. Und dementsprechend würde ich ganz klar und mutig sagen: Es ist deine und eure primäre Verantwortung als Hirten für die Kinder, diese Grenzen auch zu ziehen.
Ich weiss nicht, ob es einen konkreten Fall gibt. Wenn du möchtest, können wir auch gerne danach nochmal darüber sprechen. Aber das Prinzip ist, dass wir als Familie gemeinsam in einer Mission sind, Menschen zu Gott einzuladen. Aber diese Mission leben wir in einem Schlachtfeld aus. Diese Mission leben wir in einer Welt, die Gott hasst und die auch uns gegenüber in der Regel nicht wohlgesonnen ist.
Da muss es Grenzen geben. Und das kann sehr schnell und mutig dazu führen, dass diese Person nicht mehr zu euch kommt. Wie gesagt, ich weiss nicht genau, was du im Blick hast, aber absolut muss es diese Grenzen geben, wenn Grenzen der Familie gegenüber, dem Schutz der Kinder und dem Wohlwollen der Kinder entgegenstehen. Da muss es klare Grenzen geben.
Vielleicht sprechen wir dann auch noch mal zu zweit. Ist das okay?
Super. Eine letzte Frage: Wir wollen keine Partys machen, wo wir irgendwie fünf oder sechs oder acht Familien einladen, aber kannst du was dazu sagen, was vielleicht auch ein guter Rahmen ist, wie man mehrere Leute gleichzeitig einladen kann? Ich denke zum Beispiel an Singles, wenn man zwei oder drei einlädt als Familie, oder wenn man zwei Familien einlädt. Hast du dafür Ratschläge, wie man Gastfreundschaft so lebt, dass Beziehungen geknüpft werden können, aber gleichzeitig auch mehrere Familien zusammenkommen? Oder würdest du das eher nicht raten?
Also ich glaube, ich würde grundsätzlich sagen: Das hängt sehr von euch ab und auch bewusst vom Fokus hier auf dem Kleinen und Machbaren. Und für die allermeisten, wenn sie dann über Gastfreundschaft nachdenken und eigentlich den Wunsch haben, darin zu wachsen, aber nicht unbedingt den Wunsch haben, ich würde am liebsten fünf Familien gleichzeitig einladen, werden sehr schnell überfordert. Und das, glaube ich, ist nicht notwendig.
Gleichzeitig ist es eine tolle Möglichkeit. Das ist ein bisschen das, was ich reflektiere bei dem Bereich ausserhalb der Bubble, um zu sagen: Okay, wo sind bewusst Leute, die ich mit reinholen kann? Wir laden meistens mehr als zwei, drei Personen ein, damit genau das passiert. Wenn der Tisch gross genug ist oder der Garten oder der Spaziergang im Park es erlaubt, dann auch gern mehrere, weil Gemeinschaft da untereinander gelebt wird.
Also absolute Ermutigung. Wir erleben das auch und erleben das als etwas sehr Positives. Gleichzeitig ist es nicht das, was dich umtreiben muss, wenn du an Gastfreundschaft denkst. Vielleicht ist viel mehr daran, dass du in ein oder zwei Personen investierst und dir bewusst für die Zeit nimmst.
Bei dem, was du jetzt beschreibst, gibt es natürlich auch ganz andere Dynamiken. Da gibt es auch Herausforderungen. Muss ich dann irgendwie so ein Gespräch moderieren mit allen, wenn das alles ITler sind? Ich hoffe, es sind keine ITler da, die dann am Tisch sitzen und keiner weiss, wie man ein Gespräch anfangen muss usw. Das ist dann wieder eine eigene Frage. Muss man das machen? Ich liebe ITler! Aber da muss man sich auch bewusst sein, dass es da wieder andere Dynamiken gibt.
Aber ich finde es toll, wenn es auch einzelne Familien im Herz haben und die Kapazität haben, viele einzuladen, dann top.
Sollen wir noch eine Frage nehmen? Es ist eure Pause, 15.30 Uhr?
Gut, eine letzte Frage und dann beten wir noch.
Ich wollte nur ergänzen dazu: Also für uns war es teilweise eher im machbaren Bereich, mehr als einen Haushalt einzuladen, weil man dann eben nicht unbedingt moderieren muss. Das war eher hilfreich, zu sagen: Hey, jetzt sitzen hier drei Parteien am Tisch, ich kann auch mal ruhig sein, das ist kein peinliches Schweigen. Dann läuft es manchmal einfach von selbst, und dann steigt man wieder ein.
Und gleichzeitig auch da noch mal: Natürlich kann der Kontext sehr oft Tisch sein und Essen und kreiertes Gespräch, aber viel mehr, wie das denken wir Gastfreundschaft viel weiter. Dann verlagert sich hoffentlich schon gleich zum Start eine kleine Uno-Spielrunde auf die Couch, wo die Kinder involviert sind, und da muss ich auch nicht moderieren. Also Gastfreundschaft in dem Erleben zu sehen und in Beziehungen, die in dem Raum stattfinden.
Aber ich bin ganz bei dir: Es ist toll, wenn man dann auch noch Leute einlädt, die auch gern mal ein Gespräch anfangen oder Fragen stellen. Das kann sehr, sehr gut sein.