
Die Bibel in der Vogelschau - Die 7 Bündnisse und die 7 Heilszeitalter - Einführung ins Studium der biblischen Prophetie
Epheser 1,20-2113.08.2011
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Überblick über den Aufbau der Bibel und der Heilsgeschichte
Die Bibel in der Vogelschau: Die sieben Bündnisse und die sieben Heilszeitalter
Da möchte ich innerhalb von 90 Minuten eine Übersicht über die ganze Bibel geben. Das ist also ziemlich gewagt, was wir da machen, aber wir werden sehen: Das ist tatsächlich möglich.
Ganz kurz zum Aufbau meines Vortrags: Zuerst gibt es eine längere Einleitung, die ziemlich trocken ist, aber wir brauchen sie, um weiterzukommen. Da müssen wir also am meisten arbeiten.
Die Einleitung besteht aus vier Teilen. Zuerst sage ich etwas ganz Grundsätzliches über den Aufbau der Bibel. Zweitens geht es um das Thema der Einteilung in Heilszeitalter. Drittens geht es um den Zusammenhang zwischen Bündnissen und Heilszeitaltern. Und schließlich erkläre ich viertens die Grundstruktur eines jeden Heilszeitalters.
Vom Alten zum Neuen Testament
Kurz zum Aufbau der Bibel:
Wie jeder Bibelleser weiß, besteht die Bibel aus zwei Teilen. Der erste Teil, das Alte Testament, ist eine Sammlung von neununddreißig Büchern, die geschrieben wurden, vom Auszug aus Ägypten 1606 vor Christus bis zum letzten Propheten Maleachi um 420 vor Christus.
Die Verheißung zieht sich durch das ganze Alte Testament hindurch: Der Messias, der verheißene Erlöser, wird kommen. Vor zweitausend Jahren kam Jesus Christus und erfüllte die messianische Prophetie auf den leidenden Messias hin. Und so stellt sein Erlösungswerk am Kreuz, das im Alten Testament vorausgesagt war, zusammen mit seiner Auferstehung das Zentrum der Heilsgeschichte dar.
Der Herr gab seinen Jüngern den Auftrag, das Neue Testament zu schreiben. Es ist eine Sammlung von 27 Büchern, geschrieben in der Zeit zwischen 32 und 100 nach Christus. Durch das Neue Testament zieht sich das Thema der Erfüllung: Der Messias ist gekommen. So verhält sich das Alte zum Neuen Testament wie Verheißung zu Erfüllung.
Nun gibt es viele Christen, die sagen, das sei die einzige Einteilung der Heilsgeschichte, die wir machen können: Altes und Neues Testament. Wer mehr Einteilung macht, sei ein Dispensationalist, und das sei eine Theorie, erfunden von einem gewissen John Nelson Darby im neunzehnten Jahrhundert. Aber das hätte nichts mit biblischer Lehre zu tun.
Nun, es ist ja so, dass uns eben Altes und Neues Testament die ganze Heilsgeschichte vorstellt, beginnend in 1. Mose 1 bis Offenbarung 22. Die Bibel beginnt ganz vorne mit der Schöpfung, im Anfang, und endet schließlich in Offenbarung 21 mit einer neuen Schöpfung. Und alles dazwischen, die ganze Zeit dazwischen, der ganze Zeitstrahl dazwischen, ist durch das Alte Testament und das Neue Testament beschrieben, wobei Jesus Christus und seine Erlösung am Kreuz das Zentrum bilden.
Zwei Zeitalter und die biblische Rede von Haushaltungen
Aber die Behauptung, diese Heilsgeschichte könne man nicht in mehrere Heilszeitalter unterteilen, lässt sich sehr einfach widerlegen. Nicht jede Behauptung kann man so leicht widerlegen, aber hier ist es besonders einfach. Zwei Bibelverse reichen, und das Ganze ist vom Tisch.
In Epheser 1,20 lesen wir, dass Gott ihn, Christus, zu seiner Rechten setzte. In Vers 21 heißt es weiter: über jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in diesem Zeitalter, griechisch „Aion“, sondern auch in dem zukünftigen.
Nun wird in Vers 21 von zwei Zeitaltern gesprochen: diesem Zeitalter und dem zukünftigen Zeitalter. „Aion“ bedeutet im Griechischen Verschiedenes. Es kann Zeitalter, Zeitlauf, Welt oder Ewigkeit bedeuten. Der Zusammenhang entscheidet. Es entspricht genau dem hebräischen Wort „Olam“, das ebenfalls diese Bedeutungsbreite hat.
Hier werden also zwei Zeitalter unterschieden: dieses Zeitalter, dieser Aion, und das zukünftige Zeitalter. Das ist genau so, wie die Rabbiner schon vor zweitausend Jahren gesprochen haben. Sie haben, und das findet man an vielen Stellen in der rabbinischen Literatur, von Ha'olam Hazeh gesprochen, diesem Zeitalter, in dem wir jetzt leben. Und von Ha'olam Haba, dem zukünftigen Zeitalter. Damit meinten sie die Zeit, wenn der Messias kommt als König der Welt, um Gerechtigkeit und Frieden zu bringen.
Nun benutzt der Apostel Paulus im Neuen Testament die gleiche Ausdrucksweise und bestätigt damit, dass diese rabbinische Beschreibung eben keine Phantasie ist, sondern Gottes Gedanken entspricht. Übrigens spricht auch der Herr Jesus selbst in Matthäus 12,32, dann in Markus 10,30 und Lukas 8,30 über dieses Zeitalter und das zukünftige. Er bestätigt diese Einteilung ebenfalls.
Interessant ist auch, dass der Herr Jesus in Matthäus 12 zu seiner Lebzeit von diesem Zeitalter sprach. Also muss das gegenwärtige Zeitalter schon vor dem Kreuz begonnen haben, nicht erst seit dem Kreuz. Nun wissen wir nicht ganz genau, wann es begonnen hat, aber hier auf dieser Grafik habe ich es so angezeichnet: Das gegenwärtige Zeitalter beginnt vor, geht weiter, und schließlich wird es ein zukünftiges Zeitalter geben.
So haben wir bereits zwei Zeitalter.
Die Fülle der Zeiten und die Mehrzahl der vergangenen Epochen
Bevor wir noch die zweite Stelle anschauen, mit der man den Antidispensationalismus widerlegen kann, kurz dazwischen Epheser 1,10. Da spricht der Apostel Paulus über die künftige Herrschaft Christi über die ganze Welt und sagt: Für die Verwaltung, griechisch Oikonomia, der Fülle der Zeiten, alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln und das, was auf der Erde ist, in ihm.
Hier spricht Paulus also von Gottes Ratschluss im Blick auf die Fülle der Zeiten. Das ist eben dieses letzte zukünftige Zeitalter, die Fülle der Zeit. Hier spricht er nun von der Verwaltung der Fülle der Zeiten, in der dann Christus alles im Himmel und auf der Erde sichtbar beherrschen würde. Es geht also hier um das Tausendjährige Reich, in dem Christus über die ganze Welt regieren wird.
Und nun eine Erklärung zu diesem Ausdruck: die Verwaltung der Fülle der Zeiten, griechisch Oikonomia. Oikonomia heißt auf Deutsch Haushaltung. Oikos bedeutet Haus und Nomos Gesetz. Also Haushaltung, oder man könnte auch übersetzen: Hausgesetz. Man kann es aber auch mit Verwaltung übersetzen.
Nicht wahr, jede Familie, jeder Haushalt hat bestimmte Gesetze. Und die sind nicht die gleichen wie in anderen Haushalten. Das ist das Problem mancher Kinder, die sagen: Warum dürfen wir nicht, die dürfen? Da muss man erklären: Ja gut, das ist eine andere Familie, und wir haben diese Regeln. Diese Gesetze gelten in unserem Haushalt, und sie sind nicht zwingend auch in einem anderen Haushalt gültig.
Also spricht der Bibeltext hier von der Oikonomia der Fülle der Zeiten, wo ganz bestimmte Gesetze gelten sollen, die eben nicht unbedingt in früheren Zeitaltern galten. Übrigens: Die lateinische Übersetzung hat Oikonomia hier mit „Dispensatio“ übersetzt, und davon kommt eben das Wort „Dispensation“ und „Dispensationalismus“. Auf Englisch kennen wir das Wort „dispensation“, das kommt vom englischen Verb „to dispense“, also verwalten.
Eine Dispensation ist also eine bestimmte Zeit in der Heilsgeschichte, in der ganz bestimmte Verwaltungsregeln gelten, die sich eben von anderen Zeiten unterscheiden können. Und jetzt bekommt vielleicht dieses unverständliche Wort Dispensationalismus plötzlich Bedeutung. Damit ist gemeint die Einteilung der biblischen Gesamtgeschichte in verschiedene Dispensationen, oder man könnte sagen: Haushaltungen, oder noch klarer: verschiedene Zeitalter, in denen unterschiedliche Regeln gelten.
Zum Beispiel: In der Zeit des Gesetzes mussten die Israeliten Tieropfer darbringen. Es war Gesetz. Keiner von uns bringt heute Tieropfer dar. Warum? Weil uns klar ist, dass diese Regeln eben speziell für diese Zeit waren, für ein anderes Zeitalter, aber das ist heute nicht mehr anwendbar. Denn in dieser Dispensation gelten andere Regeln.
Und das Tausendjährige Reich wird so sein, dass Gott immer dann, wenn offenes Unrecht auf Erden geschieht, eingreifen und sofort ordnen wird. Das gilt heute nicht. Darum haben viele Leute die Frage: Warum greift Gott nicht ein? Wenn es einen gerechten Gott gäbe, warum lässt er dieses Leid zu? Das ist eben, weil wir noch nicht in der Fülle der Zeit leben. Dort wird das anders sein. Da wird die Verwaltung, die Ökonomie, die Haushaltung anders sein als heute.
Man darf also diese Zeitalter nicht miteinander vermischen und verwechseln.
Weitere biblische Hinweise auf mehrere vergangene Zeitalter
So, jetzt haben wir also das gegenwärtige und das zukünftige Zeitalter gesehen. Jetzt schauen wir uns nochmals dieses zukünftige Zeitalter an. Epheser 1,10 spricht also von der Verwaltung der Fülle der Zeiten im Blick auf dieses letzte Zeitalter. Man könnte das auch übersetzen mit: die Haushaltung der Fülle der Zeiten oder die Dispensation der Fülle der Zeiten.
Und jetzt die zweite Stelle, die wir zur Widerlegung des Antidispensionalismus brauchen: Kolosser 1,26. Im Zusammenhang geht es um das Geheimnis „Christus in euch“, eine Wahrheit, die, wie Paulus sagt, jetzt enthüllt ist, aber früher nicht geoffenbart war. Das beschreibt er so: das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Generationen her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist.
Also sagt der Apostel, dass man in den früheren Generationen nichts von diesem Geheimnis „Christus in euch“ wusste. Parallel dazu sagt er, dass es von den Zeitaltern her verborgen war. Da spricht er also über vergangene Zeitalter in der Mehrzahl, im Plural.
Wir haben in der Schule gelernt, vielleicht nicht ausdrücklich so, aber eigentlich sollte es das bedeuten: Einzahl, Singular, bedeutet Dinge, die einmal vorkommen. Plural bedeutet Dinge, die zwei- oder mehrmals vorkommen. Das kann auch drei, vier, tausend oder eine Million sein. Das ist plural. Wenn hier also plural steht, von den Zeitaltern, dann wissen wir, dass es mindestens zwei Zeitalter in der Vergangenheit sind.
Nun reden Epheser 1,21 und Kolosser 1,26 damit von mindestens vier Zeitaltern. Und damit wäre widerlegt, dass es nur ein altes und ein neues Testament als unterschiedliche Epochen gäbe. Es sind mindestens vier.
Jetzt können wir das auf unserem Schema so einzeichnen: Nach der Schöpfung schon einmal ein Zeitalter, ein früheres Zeitalter, dann nochmals ein früheres Zeitalter und erst danach kommt das gegenwärtige Zeitalter, dann das zukünftige Zeitalter.
Der Zusammenhang von Bund und Epoche
Und nun möchte ich den Zusammenhang zwischen Bündnissen und Zeitaltern erklären. Dazu lesen wir aus Jeremia 31,31 diese berühmte Prophezeiung über einen kommenden neuen Bund, ein neues Testament. Testament heißt ja Bund.
Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund machen werde, nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag oder zu der Zeit, da ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Lande Ägypten herauszuführen, welchen meinen Bund sie gebrochen haben; und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht der Herr.
Im ganzen Zusammenhang von Jeremia 31 ist deutlich: Hier geht es um das messianische Reich, wenn der Messias kommt, um über diese Erde zu herrschen. Da wird erklärt, dass Gott dann mit Israel einen neuen Bund schließen wird, und zwar mit dem zwölfstämmigen Volk: dem Haus Israel, also den zehn Stämmen, und dem Haus Juda, also den zwei Stämmen, Benjamin und Juda.
Und dieses neue Zeitalter wird mit einem Bund beginnen. Aber dieser künftige Bund wird hier in Kontrast gestellt zu dem Bund, den Gott mit Israel nach dem Auszug aus Ägypten geschlossen hatte. Das war der Bund vom Sinai, 2. Mose 19.
Interessant ist nun Folgendes: Mit dem Auszug aus Ägypten begann heilsgeschichtlich doch eine ganz neue Epoche. Da finden wir plötzlich ein Volk Gottes auf Erden, ein Volk, das Gott mein Volk nennt. Das gab es vorher nie. Das war ganz neu, das ist eine ganz neue Hausordnung, kann man sagen. Und dieses neue Zeitalter mit dem irdischen Volk Gottes, mit Israel, wurde eben eingeführt mit einem Bund am Sinai.
So haben wir hier eigentlich zwei Zeitalter im Kontrast, und beide beginnen mit einem Bund. Kann man auf die Idee kommen und sich fragen: Gibt es vielleicht noch mehr solche Bündnisse, die Gott mit Menschen geschlossen hat, die am Anfang einer neuen Epoche stehen?
Die sieben Bündnisse als Struktur der Heilsgeschichte
Nun finden wir insgesamt sieben solcher Bündnisse Gottes am Anfang einer neuen Zeit, hier in der Übersicht.
Erstens: der Bund mit Adam, 1. Mose 1-2. In Hosea 6,7 wird ausdrücklich von dem Bund gesprochen, den Adam schließlich gebrochen hatte; so ist es korrekt in der alten Elberfelder Übersetzung.
Zweitens: der Bund mit Noah, 1. Mose 9. Das war nach der Sintflut; da begann ebenfalls eine ganz neue Epoche.
Drittens: der Bund mit Abraham, 1. Mose 12-22.
Viertens: der Bund mit Israel am Sinai, von dem wir schon gesprochen haben, nach dem Auszug aus Ägypten, 2. Mose 19 und folgende.
Fünftens: der Bund mit David.
Sechstens: das ist nicht so bekannt, der Bund mit Zedekia. Hesekiel 17 spricht davon.
Und schließlich siebtens: der neue Bund mit Israel, Jeremia 31.
Wir können also die ganze Heilsgeschichte von 1. Mose 1 bis Offenbarung 22, von der Schöpfung an bis hin zur Neuschöpfung, heilsgeschichtlich in sieben Epochen einteilen, die mit sieben Bündnissen begonnen haben: dem Bund mit Adam, mit Noah, mit Abraham, mit Israel am Sinai, mit David, mit Zedekia und mit Israel in der Zukunft.
Wir sehen: Es gibt zwei Bündnisse mit Israel, den Alten Bund mit Israel und den Neuen Bund. Die Position ist interessant. Der Alte Bund steht genau in der Mitte der sieben Bündnisse, ganz zentral. Und der Neue Bund schließt alles ab. Das ist der ewige Bund, der auch nie mehr aufhören wird.
Die Grundstruktur jedes Heilszeitalters
Nun, wir sind ja immer noch in der Einleitung, ganz kurz viertens: die Grundstruktur eines Heilszeitalters.
Jedes dieser sieben Heilszeitalter beginnt so: Am Anfang schließt Gott einen Bund mit dem Menschen und gibt seinen Segen. Aber dann gibt es eine Entwicklung, in der sich der Mensch Gott gegenüber als untreu erweist. Jedes Mal kommt es zu einem Niedergang, zu einer Degeneration. Dieser Niedergang wird so schlimm, dass es drittens zum Ende kommt. Gott muss eingreifen und den untreuen Menschen richten. Was mit Segen begann, endet mit Fluch und dem Gericht Gottes, in jedem Fall.
Und dann kommt ein neues Zeitalter: Gott schließt einen Bund, segnet, es kommt zu Degeneration, und dann wieder zu Fluch und Gericht.
Also, wir fassen zusammen: Jedes Heilszeitalter hat erstens einen guten Anfang, zweitens eine traurige Entwicklung und drittens ein Ende, das Gericht fordert. Das alles zusammen bildet ein Zeitalter, ein Heilszeitalter, griechisch Aion und hebräisch Olam.
Damit ausgerüstet können wir jetzt diese Zeitalter eins ums andere in der Übersicht angehen.
Das erste Zeitalter: von Adam bis zur Sintflut
Das erste Heilszeitalter geht von Adam bis zur Sintflut. Es beginnt alles so wunderbar in 1. Mose 1-2 mit der vollkommenen Schöpfung Gottes. Alles ist sehr gut. Es beginnt mit dem Paradies und der Gemeinschaft Gottes mit den Menschen. Gott schließt mit Adam einen Bund. In diesem Bund ist Gott Herr und Gebieter. Er segnet Adam und Eva ganz ausdrücklich.
Gott setzt die Ehe ein, und zwar die Ehe als eine Gemeinschaft von einem Mann und einer Frau, nicht einem Mann und zwei Frauen, sondern in dem Bund mit Adam und damit mit der ganzen Menschheit setzt Gott die Ehe ein. Gott segnet und ruft auf zu Fruchtbarkeit und Vermehrung. Er gibt auch dem Menschen den Auftrag zur Verwaltung der Natur, nicht zur Zerstörung, sondern zur weisen Regierung. Gott weist den Menschen vegetarische Nahrung an. Am Schluss von 1. Mose 1,30 erklärt er, dass Gott alles grüne Kraut den Menschen zur Nahrung zur Verfügung stellt und alle Früchte.
Es gibt allerdings eine Ausnahme als Gehorsamstest: Ein einziger Baum in dem Garten ist verboten. Damit sollte der Mensch seinen Gehorsam gegenüber dem Bund Gottes unter Beweis stellen. Aber wir wissen: Schon sehr bald kam der Niedergang, die traurige Entwicklung. Der Mensch wird ungehorsam gegen Gottes Gebot, der Mensch macht Gott zum Lügner und bricht den Bund. Die Folge ist, dass Fluch, Schmerzen und Tod in die Welt kommen, auch die Erbsünde.
Römer 5,12 sagt, dass durch den Fall des Menschen die Sünde in der Einzahl in die Welt gekommen ist. Dieser Ausdruck die Sünde bezeichnet die böse Natur des Menschen, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, über den Vater und zu allen Generationen durchgedrungen ist. Die Erbsünde ist also nicht eine bestimmte böse Tat, sondern das Böse in uns, das wir als Drang fühlen, als Kraft, das uns zum Negativen, zum Bösen hintreibt oder zieht.
Eine weitere Folge war die Austreibung der ersten Menschen aus dem Paradies. Und schon bald danach kam es zum ersten Mord der Menschheitsgeschichte. Kain erschlägt seinen Bruder. Die Nachkommen von Kain und Kain selbst bauen auch eine Zivilisation auf ohne Gott. Kain wird ein Städtebauer. Er baut eine Stadt und nennt sie nach dem Namen seines Sohnes Hanoch. So verherrlicht er seine eigene Familie.
Ein Nachkomme in der siebten Generation, Lamech, führt die Polygamie ein. Der Bibeltext sagt in 1. Mose 4, dass Lamech sich zwei Frauen nahm, und damit verstößt er ganz direkt gegen den Adamsbund. Und aus dieser Familie kommen Söhne hervor, die sehr erfolgreich sind. Einer wird der Vater der Berufsmusiker, Jubal. Ein anderer ist sehr erfolgreich im Bereich der Ökonomie. Er ist der Vater derer, die Herden besitzen und in Zelten wohnen, und so können sie sehr systematisch ihren Reichtum durch Zucht von Tieren ausdehnen. Ein dritter, Tubalkain, wird ein Spezialist in der Metallbearbeitung, und zwar für Kupfer und Eisen.
Interessant an dieser Stelle: Ich war ja jahrelang Dozent für Archäologie, und da ist es für mich natürlich schon sehr bemerkenswert, wenn man sagen kann, Tubalkain hat nicht gewartet, bis die Bronzezeit kam, und schon gar nicht, bis die Eisenzeit kam. Das hat er schon vorsintflutlich gemacht.
Wir finden auch Poesie, zum ersten Mal menschliche Poesie. Lamech erschlägt einen jungen Mann, der ihn verletzt hatte, und dann dichtet er ein Gedicht über diese Ereignisse. Also benutzt er die Schönheit der Form, die man in die Sprache hineinbringen kann, um das Böse zu idealisieren. Wir finden hier alles so im Ansatz, was sich später immer mehr entwickelt hat.
Musik ist an sich nicht ein Problem, aber wenn Musik gebraucht wird, um die Leere ohne Gott zu füllen, dann ist es ein Problem. Ökonomie ist an sich nicht ein Problem, aber wenn der Wunsch nach Reichtum eben da ist, um die Leere ohne Gott zu füllen, ist es sehr wohl ein Problem. Und das mit der Technologie genauso. Das ist ein sehr aktuelles Thema. Menschen sind richtig fasziniert von besonders elektronischer Technologie, und das nimmt ihre ganze Freizeit, ihre ganzen Gedanken richtiggehend gefangen. Aber auch Literatur kann man einsetzen und Film, um das Böse zu idealisieren.
Wir finden auch in 1. Mose 6, dass die Gewalt immer mehr zugenommen hat, und es kam sogar zu okkulter Perversion. Und so wurde der Punkt erreicht, wo Gott schließlich eingreifen musste. Aber noch vorher möchte ich in dieser Dunkelheit dieses Niedergangs auf das Licht hinweisen aus 1. Mose 3,15. Unmittelbar nach dem Sündenfall kündigt Gott den kommenden Erlöser an als Nachkomme von Eva. Der würde kommen und der Schlange, der Macht des Bösen, den Kopf zertreten. Aber selber würde er dabei eine Todeswunde erleiden. Die Schlange würde ihm in die Ferse beißen, stechen, eine Todeswunde. Aber dadurch wird die Erlösung kommen. Und so wussten die Menschen von Anfang an: Der Retter wird eines Tages kommen und Licht in unsere Dunkelheit hineinbringen.
Dann werden uns die Generationen von Adam über den gläubigen Seth, der als Ersatz für den ermordeten Abel eingeführt wurde, beschrieben. Es sind zehn Generationen von Adam bis Noah: Adam, Seth, Enos, Kenan, Mahalalel, Jered, Henoch, Methusala, Lamech und dann Noah. Die Lebensdaten werden angegeben, und so kann man errechnen, dass diese ganze Periode von Adam bis Noah eine Epoche von 1656 Jahren war.
Aber es ist so bewegend: Achtmal lesen wir in diesem Kapitel nicht nur über das Leben dieser Männer, sondern danach heißt es: Und er starb, und er starb, und er starb. Wie Donnerschläge. Das ist die Folge des Bruches des Bundes mit Adam. Der Tod kam in diese Welt und ist zu allen durchgedrungen, wie Römer 5 sagt. Aber es gab eine Ausnahme: Henoch wurde entrückt, und damit hat Gott gewissermaßen vorausgreifend auf die kommende Erlösung durch den Messias gezeigt, dass der Tod einmal besiegt werden wird. Und wie ein Pfand zeigt Gott mit der Entrückung Henochs, dass im Blick auf das Erlösungswerk des Messias für Gott dieser Tod bereits besiegt ist. Darum konnte Henoch so entrückt werden, ohne dass er den Tod gesehen hätte.
Also diese zehn Generationen sind gewissermaßen ein Zeugnis für Gott inmitten des Niedergangs. Das sieht man in den verschiedenen Zeitaltern immer wieder. Es gibt zwar einen allgemeinen Niedergang, aber Gott behält einen Überrest für sich, der treu bleibt. Und so kommt das Ende des Zeitalters, die Sintflut, nach hundertzwanzig Jahren Gnadenzeit, in denen Noah gepredigt hatte. Aber aus dieser Menschheit, das müssen Millionen von Menschen schon gewesen sein, da haben sich nur acht Menschen retten lassen, und zwar Noah und seine Familie.
Wenn man heute viel über Gemeindebau spricht und Methodik, um Gemeindewachstum hinzukriegen, dann müsste man sagen: Also irgendwie hatte Noah ein Problem. 120 Jahre predigen und dann sind am Schluss acht Leute in der Arche, irgendwie ist da etwas schiefgegangen. Aber das ist nicht so. Die Bibel sagt in 2. Petrus 2, dass Noah der Prediger der Gerechtigkeit war. Der hat das nicht falsch gemacht. Das heißt also, der Erfolg ist nicht, oder der geringe Erfolg ist nicht automatisch ein Beweis für falsches Vorgehen. Die Menschen damals wollten nicht.
Also sehen wir: Das erste Heilszeitalter ganz nach Schema, ein guter Anfang, eine traurige Entwicklung und schließlich ein Ende, das Gericht fordert. Das war das erste Zeitalter.
Das zweite Zeitalter: von Noah bis Abraham
Das zweite Zeitalter geht von Noah bis Abraham. Mit der Sintflut wird ein Schlussstrich gezogen. Die Arche landet auf dem Gebirge Arad, das übrigens bis über 5000 Meter hochgeht.
Noah beginnt ganz von vorne, und Gott schließt mit Noah einen Bund. Dieser Bund wird ausdrücklich mit der ganzen Erde geschlossen, und er gilt, solange die Erde besteht. Wir werden also sehen: Das zweite Zeitalter beginnt mit dem noachitischen Bund. Das heißt aber nicht, dass dieser Bund nur für das zweite Zeitalter gültig ist. Er gilt bis ans Ende der Weltgeschichte.
Das Gleiche können wir vom Bund mit Adam sagen. Dieser Bund war nicht nur für das erste Zeitalter, sondern reicht bis ans Ende. Er gilt auch für die ganze Menschheit, für alle Nachkommen von Adam und Eva. Natürlich, das mit dem Baum ist vorbei. Der Garten Eden ist endgültig ausgelöscht worden durch die Sintflut. Aber all diese Grundsätze, was die Ehe und die Einehe anbetrifft, und der Auftrag der Fruchtbarkeit und Vermehrung, das gilt immer noch für die Menschheit.
Dieser neue Bund mit Noah wurde durch den Regenbogen als Zeichen versehen. Gott segnet ausdrücklich Noah und seine Söhne, 1. Mose 9,1. Und Gott weist den Menschen nun auch Fleisch als Nahrung an. Wir sehen: Die Hausordnung ändert sich. Früher war nur vegetarische Nahrung erlaubt, und jetzt sagt Gott ausdrücklich, man darf Fleisch essen. Aber wieder mit einer Einschränkung, als Gehorsamstest.
Das Blut soll nicht als Nahrungsmittel verwendet werden. Beim Schlachten soll das Blut ausfließen. So wie das bei uns ja auch üblich ist, ob man schächtet ohne vorherige Betäubung oder ob man einen Bolzen reinschlägt und dann die Blutwege öffnet. Darauf kommt es grundsätzlich nicht an. Es geht darum, dass das Blut abfließen soll, und dass es nicht wiedergewonnen werden soll als Nahrungsmittel.
Natürlich gibt es im Fleisch Blutreste. Das ist ja gar nicht zu vermeiden, denn es fließt nie alles Blut aus den feinen Haargefäßen aus. Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist das Blut, das man beim Schlachten abfließen lässt. Das soll man nicht zurückholen. Das ist der Gehorsamstest.
Staat, Familie und die Entwicklung zum Gericht
Interessant: Im Neuen Testament, in Apostelgeschichte 15, kommt die Frage auf, wie es nun mit Menschen ist, die keine Juden sind. Wenn Menschen aus den anderen Völkern zum Glauben an den Messias Jesus kommen, müssen sie dann auch die Gesetze halten, die für Israel gelten, also das Gesetz vom Sinai?
Und da sagen die Apostel ganz klar: Nein, auf keinen Fall! Die Gemeinde steht nicht unter dem Bund vom Sinai. Aber dann wird gesagt, man solle darauf achten, dass diese Menschen aus den anderen Völkern bestimmte wichtige Dinge einhalten: dass sie sich enthalten von Blut, von Götzenopfern und auch von Hurerei.
Das gründet sich nun nicht auf den Bund vom Sinai, sondern auf den Bund mit Adam und mit Noah. Im Adamsbund hat Gott die Ehe eingesetzt, also ein Bündnis zwischen Mann und Frau. Jeder Geschlechtsverkehr außerhalb dieses Bündnisses ist Hurerei. Darum müssen sie sich davon enthalten, denn der Adamsbund gilt für sie.
Sie dürfen auch keine Götzenopfer zu sich nehmen, denn im Adamsbund stellt sich Gott als der einzige Gott vor. Darum darf nicht die Schöpfung und nicht eine andere Gottheit verehrt werden. Deshalb keine Götzenopfer. Und schließlich sollen sie sich vom Blut enthalten. Das geht zurück auf den Noabund, der mit der ganzen Erde geschlossen wurde.
Das wird dann im Neuen Testament wiederholt. In Apostelgeschichte 15,4,21,25 wird klargemacht: Das gilt immer noch. Übrigens wurde im Noabund auch die Obrigkeit von Gott eingesetzt. Gott sagt: Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden. Hier setzt also Gott Menschen als Richter über andere Menschen ein. Im Fall von Mord muss der Mord nicht durch Gottes Eingreifen, sondern durch Menschen bestraft werden, und zwar mit dem Tod.
Das war im ersten Zeitalter nicht so. Nicht wahr, Kain wurde ja mit einem Zeichen versehen, damit niemand, der ihm begegnet, ihn erschlagen würde für seinen Mord. Aber jetzt kommt ein neues Zeitalter, eine neue Hausordnung, und nun gilt eben die Todesstrafe im Fall von Mord.
Im Neuen Testament wird das in Römer 13 bestätigt, denn Paulus sagt, jede Obrigkeit ist von Gott verordnet. Das ist nicht eine menschliche Erfindung, sondern es ist Gottes Plan, dass eine Regierung existiert. Dann wird gesagt, diese Regierung sei Gottes Dienerin zur Bestrafung des Bösen, und sie trage das Schwert nicht umsonst.
Nun, es ist uns allen klar: Das Schwert ist nicht da, um unter den Armen zu kitzeln, sondern das Schwert ist der Inbegriff der Todesstrafe. Und so können wir auch die staatliche Gewalt als von Gott gewollt umschreiben, das heißt also, auch die Polizeigewalt im Kampf gegen die Unordnung ist von Gott gewollt. Die Obrigkeit trägt das Schwert nicht umsonst. Und auch die Selbstverteidigung eines Staates ist Gott gewollt.
Aber wichtig: Nicht die Gemeinde hat dieses Schwert bekommen, sondern die Regierung. Das darf man natürlich nie miteinander vermischen. Das haben schon viele Leute so vermischt, und dann sagten sie sich: Ja, aber wie kann das sein, dass Amerika Krieg führt, und dabei ist Amerika doch ein Land mit so vielen Christen? Das geht doch nicht. Die haben die Dinge vermischt. Nicht die Gemeinde hat den Auftrag, eben das Gewaltmonopol im Kampf gegen das Böse einzusetzen, sondern die Regierung. Und das müssen wir ganz klar trennen.
Das hat übrigens Luther auch sehr, sehr schön umschrieben in seiner sogenannten Zwei-Reiche-Lehre. Er sagt, das Reich Gottes und das Reich der Welt, damit meint er eben die Regierungen, das sind zwei Dinge, die von Gott sind, aber es ist nicht das Gleiche. Und sobald wir diese Dinge miteinander vermischen, haben wir nachher ein Chaos.
Aber nach diesem schönen Anfang bei Noah geht alles abwärts. Noah, der ein gerechter Mann war, wird Weinbauer und betrinkt sich. Ham, sein jüngster Sohn, belustigt sich in übelster Weise über seinen Vater, der sich im Rausch unwürdig im Zelt entkleidet. Als die älteren Brüder davon erfahren, gehen sie durch Ham ins Zelt hinein, rückwärts, und decken die Blöße ihres Vaters zu. Als Noah nach seinem Schlaf erfährt, was geschehen ist, wird Hams Sohn Kanaan verflucht.
Übrigens, nur so nebenbei gesagt: Die Stelle ist interessant, weil sie zeigt, dass das Nichtaufdecken der Blöße auch in der Familie gilt. Das ist gerade in der heutigen Zeit auch sehr, sehr wichtig. Wir hören ja sehr viel von Missbrauch in Familien. Da ist es eben ganz wichtig, dass man diese Grenzen ganz klar anerkennt, dass die Eltern sich zum Beispiel den Kindern gegenüber nicht unbekleidet zeigen und dass auch die Kinder ab einem Alter, wo sie beginnen, die Scham zu empfinden, das respektiert wird und dass die Eltern sie dann auch nicht mehr unbekleidet sehen.
Und das ist auch eine sehr, sehr wichtige Sache. Ich meine, wenn da Töchter heranwachsen, da hat der Vater kein Recht, sie zu sehen. Also das sind ganz gesunde Grenzen, die man in der Familie einhalten muss, und die sind eine Hilfe, dass es da niemals zu Übergriffen kommt. Das darf nicht sein.
Babel, Zerstreuung und die Berufung Abrahams
Nun wird die Menschheit vermehrt, und Nimrod wird der erste Gewaltherrscher. Sein Name bedeutet: „Lasst uns rebellieren.“ Er ist der Anführer der Menschheit, die sich am Anfang vereinigt, um im heutigen Südirak in Babel, in Babylon, den Turm zu Babel zu bauen.
Dieser Turm war ein Götzentempel, eine Zikkurat, wie man sie hier auf dem Bild sieht. Das ist ein künstlicher Tempelberg, und obendrauf befand sich ein sogenanntes Allerheiligstes. Dort sollten Naturgötter herabkommen, zum Beispiel der Geist des Mondes oder der Sonne oder der Sternbilder usw. Und so begannen die Menschen eben, Gott, dem Schöpfer, den Rücken zu kehren. Sie verehrten die Natur oder Naturkräfte beziehungsweise okkulte Kräfte anstelle Gottes.
In Jesaja 47,12 wird gesagt, dass Babylon oder Babel von Jugend an Magie getrieben habe. Da finden wir in 1. Mose 11 die Jugend von Babylon. Es ist aber auch der Hochmut der Menschheit: Sie wollen einen Turm bauen, um sich damit einen Namen zu machen. Es ist Rebellion gegen Gottes Gebot, denn im Noah-Bund und schon davor im Adams-Bund hatte Gott gesagt, dass die Menschen fruchtbar sein sollen, sich vermehren sollen und dabei die Erde füllen sollen. Das heißt, die Menschheit sollte das ganze Festland der Erde besiedeln und nicht an einem Punkt zusammenbleiben. Aber die Menschen sagten sich in den frühen Generationen: „Wir bleiben zusammen, zusammen sind wir stark, und wir machen uns einen Namen.“
Die Menschheit organisiert sich. In 1. Mose 10 werden auch die ältesten Städte erwähnt, wie Erek, Akkad, Kalne, Assur, Ninive, alle im heutigen Zweistromland. Aber auch schon Sodom und Gomorra werden dort erwähnt als erste nachsintflutliche Städte. In 1. Mose 10 wird uns eine Übersicht gegeben über die Generationen von Sem, dem Sohn Noas, bis auf Abraham. Es sind auch wieder genau zehn Generationen, wie von Adam bis auf Noah. Die ganze Zeit dieser zehn Generationen bis Abraham dauert 427 Jahre.
Als die Menschheit in Babel baute, musste Gott mit dem Gericht eingreifen. Durch die Sprachenverwirrung kam es zur Zerstreuung der Völker, und so mussten die verschiedenen Stämme auswandern. Die Jafetiten gingen nach Europa, hamitische Stämme verschoben sich nach Afrika, und so begann die Besiedlung des gesamten Festlandes der Erde. Dabei ließ Gott die Völker in Unwissenheit und Unmoral fallen als Gericht.
In Römer 1,24 lesen wir: „Darum hat Gott sie auch dahingegeben in den Gelüsten ihres Herzens, in Unreinigkeit ihre Leiber untereinander zu schänden, welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf mehr Verehrung und Dienst dargebracht haben als dem Schöpfer, welcher gepriesen ist in Ewigkeit, Amen.“ Die Menschen gingen weg, vergaßen den wahren Gott und fielen in Unmoral. Sie bauten ihre eigenen Religionen auf.
Auch Vers 28 sagt in Römer 1: „Und gleich wie sie es nicht für gut fanden, Gott in Erkenntnis zu haben, hat Gott sie dahingegeben in einen verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht geziemt, erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht usw.“ Paulus sagt später in Apostelgeschichte 14,16, als er zu einem heidnischen Menschen spricht: Gott, der in den vergangenen Generationen alle Nationen in ihren eigenen Wegen gehen ließ. Das begann damals in Babel.
Und auf dem Areopag in Athen sagt Paulus in Apostelgeschichte 17,30: „Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle an allen Orten Buße tun sollen.“ Die Zeiten der Unwissenheit über Gott begannen in Babel und dauerten, bis dann schließlich die Weltmission beginnen sollte im Neuen Testament. Da sollte jetzt an alle Menschen, an allen Orten der Welt, auf dem ganzen Festland der Ruf ergehen zur Umkehr zum wahren Gott.
Aber noch etwas ganz besonders Trauriges: Sogar die Linie, die letztlich zum Messias führen sollte, also von Sem bis auf Abraham, verfiel schließlich in den Götzendienst. In Josua 24,2 sagt Josua: „So spricht der Herr, der Gott Israels: Eure Väter wohnten vor Alters jenseits des Stroms, das Euphrat, Tara, der Vater Abrahams und der Vater Nahors, und sie dienten anderen Göttern.“ Also waren sogar Tara und Abraham Götzendiener.
Ein guter Anfang, eine traurige Entwicklung, ein Ende, das Gericht fordert: Sprachenverwirrung und das Fallenlassen der Völker in die Unwissenheit.
Das dritte Zeitalter: von Abraham bis Mose
Das dritte Zeitalter von Abraham bis Mose
Plötzlich erscheint der wahre Gott dem Abraham in Ur, im heutigen Südirak. Und er sagt zu ihm, 1. Mose 12,2: Ich will dich zu einer grossen Nation machen und dich segnen. Ich will deinen Namen gross machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen. In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.
Gott liess die Völker ihre eigenen Wege gehen und beruft einen Mann, Abraham. Er soll Stammvater des auserwählten Volkes werden. Und aus diesem Volk soll schliesslich der Messias kommen, durch den alle anderen Völker gesegnet werden.
Wir sehen: Die Erwählung Israels bedeutete nicht die Verwerfung der anderen Völker. Die Erwählung Israels bedeutete, dass aus diesem Volk der Retter für alle Völker kommt. Und so finden wir hier eigentlich im Kern schon die Botschaft von Johannes 3,16. Also hat Gott nicht Israel geliebt, heisst es dort, sondern also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Abraham kommt im Jahr 2036 vor Christus nach strenger biblischer Chronologie ins verheissene Land Kanaan. In 1. Mose 12,6 steht: Und Abraham durchzog das Land bis zu dem Orte Sichem, bis zu der Terebinthe Mores, und die Kanaaniter waren damals im Land. Und der Herr erschien dem Abraham und sprach: Deinem Samen will ich dieses Land geben. Und er baute dort dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar.
Gott verheisst also Abraham, nachdem er ihm Segen zugesprochen hatte, dass seine Nachkommenschaft dieses Land bekommen werde. Und das wird in der Bibel beschrieben als Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hat.
Wenn man die Chronologie durchrechnet, sind es von 1. Mose 12 bis zum Bund am Sinai exakt 430 Jahre. In Galater 3,17 steht: Dieses aber sage ich: Einen vorher von Gott bestätigten Bund mit Abraham macht das 430 Jahre danach entstandene Gesetz nicht ungültig, um die Verheissung aufzuheben. Also sagt Paulus, der Bund mit Abraham, der steht, der bleibt gültig, der wird nicht durch den 430 Jahre später geschlossenen Bund vom Sinai annulliert.
Bei den Stammvätern Israels, ich habe hier alle Stellen angegeben, 1. Mose 12, 15, 17, 22, 26, 28, 35, geht es immer um den gleichen Bund, den Bund mit Abraham und seiner Nachkommenschaft.
Nebenbei gesagt: Wo wurde dieser Bund mit Abraham geschlossen? In Sichem. Sichem ist heute Nablus, die grösste Palästinenserstadt im sogenannten besetzten Westjordanland, von dem die UNO und die Weltgemeinschaft sagen, die Juden haben hier nichts zu suchen. Ausgerechnet sagt die Bibel, dass genau dort im Westjordanland die Verheissung gegeben wurde: Deinem Samen will ich dieses Land geben. Ausdrücklich wird von diesem Bund gesagt, er wird nicht durch spätere Bündnisse aufgehoben, er gilt.
Dann bald darauf: Abraham wusste, wir werden ein Kind bekommen, obwohl Sarah unfruchtbar war. Und er wartete und wartete, bis er dachte: Ich muss da ein bisschen nachhelfen. Und so heiratete er Hagar. Es gab damals unter den heidnischen Völkern das Gesetz, dass, wenn ein Herr eine Sklavin seiner Ehefrau gibt, dann wird das Kind der Herrin zugerechnet. Und so wollte Abraham diese Verheissung, dass er einen Sohn bekommen wird und daraus das Volk Israel entstehen würde, auf diese Weise umsetzen.
Aber damit hatte er den Bund mit Adam gebrochen. Das war Polygamie, und das war von Anfang an gegen Gottes Gedanken. Und wenn man in der Bibel liest, in 1. Mose 17, sieht man: Danach hat Gott 13 Jahre lang nicht mehr mit Abraham gesprochen. Einfach keine Kommunikation mehr.
Und dann sehen wir: Es gibt Probleme in der Familie Abrahams. Isaak, der dann schliesslich doch auf die Welt kommt durch Sarah, wie Gott das verheissen hatte, hat einen Konflikt mit Ismael. Hagar hat einen Konflikt mit Sarah. Es gibt Probleme dann auch in der Familie von Isaak. Jakob betrügt seinen Vater, angewiesen durch die Mutter. Es gibt einen tödlichen Streit zwischen den Brüdern Jakob und Esau. Jakob muss fliehen und wird seine Mutter nie mehr sehen, wenn er zurückkommt.
Und auf der Flucht, bei Laban angelangt, wird er durch den eigenen Onkel grausam betrogen. Und deshalb heiratet schliesslich Jakob vier Frauen. Auch da bricht er den Adamsbund. In dieser Familie gibt es sehr viele Probleme. Zehn Brüder hassen Josef, die vier Frauen streiten sich, die Tochter Dina wird geschändet. Was ist das für eine Familie? Joseph wird als Sklave nach Ägypten verkauft, die zehn Söhne betrügen Jakob, Ruben begeht Inzest mit einer der Frauen seines Vaters, Juda, einer der Söhne, begeht Hurerei mit Tamar. Und deshalb musste Gott diese Familie schwer züchtigen. So kam eine schreckliche Hungersnot über das Land Kanaan. Die Familie wusste nicht mehr, wie sie überleben könnte.
Aber Gottes Gnade war da. Schliesslich wird die Familie nach Ägypten gebracht. Joseph war ja als Sklave dorthin verkauft worden, stieg aber später zum Herrscher Nummer zwei in Ägypten auf und kann so seine ganze Familie retten. Aber seine Familie geht durch schwere innere Nöte, und Joseph gibt sich nicht gleich zu erkennen. Er führt sich als harter Herrscher in Ägypten auf und will schauen: Wie sieht es in den Herzen meiner Brüder aus? Hat sich etwas in den Jahren geändert? Deshalb wollte er den jüngsten Sohn als Gefangenen nehmen in Ägypten, Benjamin. Aber Ruben, einer der Brüder, setzt sich mit seinem eigenen Leben für Benjamin ein. Und so merkt er: Ah, die würden nicht mehr das Gleiche machen, wie sie das bei mir gemacht haben.
Und erst nach schweren inneren Nöten gibt sich Joseph zu erkennen: Ich bin Joseph, euer Bruder. Diese zehn Männer brechen fast zusammen, und es kommt zu einer Versöhnung und zu einem Überleben in Ägypten.
Aber aus dieser Grossfamilie wird schliesslich ein Volk. Sie vermehren sich sehr, sehr stark, sagt die Bibel, in Ägypten. Aber schliesslich passen sich diese Nachkommen so den Ägyptern an, dass sie beginnen, die ägyptischen Götter zu verehren. Hesekiel 23 und Hesekiel 20 sagen ganz klar, dass die Israeliten in Ägypten den ägyptischen Göttern dienten. Und so kam Gottes Gericht über dieses Volk. Gott liess Israel in die Hand der Ägypter fallen. Sie konnten sie versklaven und konnten sich an den Jungs vergreifen. Alle sollten im Nil ersäuft werden.
Das ist das Ende des dritten Heilszeitalters. Es begann damit, dass Abraham den Götzendienst verlässt, und es endet damit, dass Abrahams Nachkommen in den Götzendienst fallen. Auch da alles nach Schema, wie wir das gesehen haben.
Das vierte Zeitalter: Mose bis Saul
Und dann kommt das vierte Heilszeitalter, Mose bis David. Es beginnt damit, dass Gott Ägypten durch die zehn Plagen richtet. Denn Gott hatte schon Abraham gesagt: Wer dir flucht, den werde ich verfluchen. Ägypten hatte Israel mit der Versklavung geflucht, und so kam das Gericht über diese Nation.
Gott erlöste Israel, nachdem er Mose als Befreier berufen hatte. Aber das geschah eben erst dann, als die Israeliten begannen, zu dem Gott ihrer Väter zu schreien. Als sich eine Umkehr abzeichnete, begann Gott einzugreifen.
Am Sinai schließt Gott dann nach dem Auszug aus Ägypten einen Bund mit Israel. Die Israeliten müssen die Stiftshütte bauen, einen transportablen Tempel als Abbild des Tempels Gottes im Himmel. Das irdische Volk Gottes sollte ein Stück Himmel, ein Abbild des Himmels auf Erden, haben. Gott segnet Israel ausdrücklich, 2. Mose 39,43.
Dann geht das Volk auf der Wanderung durch die Wüste, um schließlich das Land Kanaan einzunehmen. Und auch dort im Land, in der Zeit des Buches Joshua, wird das Volk überreich gesegnet, Joshua 21,43-45. Aber sehr schnell kommt der Niedergang.
Noch bevor das Volk Israel die zehn Gebote, die sie mündlich am Sinai gehört hatten, von der Stimme Gottes proklamiert, brechen sie die Gebote. Mose sollte die schriftliche Form, die Tafeln auf dem Berg, empfangen. Aber er verzog viele Tage, und dann begann Israel, das goldene Kalb zu machen und zu verehren. Das war also Abfall von Gott, der Bruch des ersten Gebotes: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Das zweite Gebot: Du sollst dir kein Bildnis machen, um es zu verehren. Und bevor sie die Tafeln in Händen hatten, war das Gesetz schon gebrochen.
Aber wir sehen auch auf der ganzen Wüstenwanderung ständig Ungehorsam des Volkes gegen Gott. Und später, dann im Land, nach dem Tod von Joshua, kommt die Richterzeit. Siebenmal gibt es in der Richterzeit einen Abfall von Gott, während dieser 450 Jahre der Richterzeit, wie Apostelgeschichte 13,20 das sagt. Es gilt nach Richter 17,6, das ist der Refrain in Richter, der viermal vorkommt: Ein jeder tat, was recht war in seinen Augen. Die Israeliten richteten sich nicht nach Gottes Wort, nach der Bibel, sondern jeder tat, was er gerade für richtig betrachtete.
Wir müssen ganz klar sehen, was eigentlich mit diesem neuen Zeitalter geschehen war. Gott wollte ein Volk für sich haben. Gott gab diesem Volk die Bibel, also die ersten Teile der Bibel. Und damit war das das erste Volk, das die Bibel hatte. Und diese Bibel, diese Gesetze in den fünf Büchern Mose, sollten das Volk leiten in allen Entscheidungen des Alltags, des Lebens und der Regierung. Also Gott wollte hier eine Theokratie, eine Gottesherrschaft, durch die Bibel. Gott wollte keinen König in Israel.
Darum waren auch die Richter später im Land, nach Mose und Joshua, keine Könige und sollten keine Könige sein. Das waren nur Richter, die bei Unklarheiten, bei Streitigkeiten unter den Leuten sagen mussten, was die Bibel dazu sagt. Auf diese Weise sollte das Volk direkt durch die Bibel regiert werden, so sollte Gott der König sein.
Aber das funktioniert nur, wenn alle die Bibel anerkennen. Das ist das Gleiche heute in den Gemeinden. Wir können sagen, was für uns gilt, das sind nicht irgendwelche menschlichen Statuten oder Traditionen, für uns gilt die Bibel, das Wort Gottes. Ja, das funktioniert, solange alle die Autorität der Bibel hundert Prozent anerkennen. Aber wenn der eine sagt: Ja gut, das war die Ansicht von Paulus, oder das war eben noch dieser jüdische Einfluss und so weiter, dann hat die Bibel die Autorität verloren. Und dann wird alles relativistisch. Ein jeder tut, was recht ist in seinen Augen.
Und so funktionierte das nicht. Und die Israeliten haben gemerkt: Es geht einfach nicht so. Und da kam dann beim letzten Richter Samuel der Wunsch auf: Wir möchten einen König haben. Wir wollen nicht mehr speziell sein als Volk, wir wollen so sein wie die anderen Völker. Wir brauchen einen König, der uns sagt, was wir zu tun haben, dann brauchen wir nicht mehr zu denken. So einfach ist das.
Und das war für Samuel sehr schlimm, weil er realisierte, was das bedeutete. 1. Samuel 8,7: Und der Herr sprach zu Samuel: Höre auf die Stimmen des Volkes in allem, was sie dir sagen; denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll. Das war die Verwerfung Gottes.
Und so hat also diese lange Entwicklung des Niedergangs einen Endpunkt erreicht, in der Verwerfung Gottes als König. Und so musste das Ende dieses Zeitalters kommen. Sie kriegten dann einen König, einen Kopf größer als alle anderen: Saul, der Begehrte, Shaul, der Begehrte. Aber in Hosea 13 lesen wir, Vers 11: Ich gab dir einen König in meinem Zorn und nahm ihn weg in meinem Grimm.
Gott richtete Israel, indem er ihnen einen König nach ihrem Herzen gab, der für Israel zum Verhängnis wird. Denn Saul führte schließlich Israel in den Krieg gegen die Philister, indem sie katastrophal besiegt werden, Land verlieren an die Philister. Das Ganze endet mit einem Fiasko. Also war Saul ein Gericht Gottes über Israel.
Und das Ganze endet so traurig. Hier sehen wir die Überreste des alten Betschean in Israel. Hier an der Stadtmauer dieser einstigen Philisterstadt wurde die Leiche von Saul aufgehängt. Damit endet dieses vierte Zeitalter mit der Leiche des Königs, der an Stelle Gottes sein sollte, an der Stadtmauer der Feinde. Auch da: ein guter Anfang, eine traurige Entwicklung, ein Ende, das Gericht fordert.
Das fünfte Zeitalter: David bis Zedekia
Nun kommen wir aber zum fünften Heilszeitalter, von David bis Zedekia. Nach dem Fiasko Sauls erwählt Gott David als König. Und Stammvater des Messias, des Weltherrschers.
Jetzt setzt Gott von seiner Seite einen König ein, der aber Vater des Messias sein sollte. Gottes Plan war, dass einmal der Messias als Mensch über Israel und alle Völker regieren sollte. Und als Vorgeschmack dafür setzte Gott David ein.
1. Samuel 13,14: Der Herr hat sich einen Mann gesucht nach seinem Herzen, und der Herr hat ihn zum Fürsten über sein Volk bestellt.
Gott erwählt in dieser Zeit auch Jerusalem als seine Tempelstadt. „Fülle dein Horn mit Öl und gehe hin, ich will dich zu Isai, dem Bethlehemiter, senden; denn ich habe mir unter seinen Söhnen einen König ersehen.“
David eroberte die Enklave Jerusalem und machte schließlich diese Stadt zur Hauptstadt Israels. Dort ließ er von Hiram, dem Tyrer, einen Palast bauen. Wir wissen heute ganz genau, wo der Palast ist. Da oberhalb des Millo, dieser gigantischen Steinaufschüttung, von der wir hier nur einen kleinen Ausschnitt sehen, da oben war der Palast. Und vor wenigen Jahren wurden nun Überreste des Davidspalastes mit ungewöhnlich großen Steinen entdeckt. Das sind originale Steine aus dem Palast Davids.
Und als David König war, hat Gott mit ihm einen Bund geschlossen. Psalm 89,3 spricht davon: Ein Bund habe ich mit meinem Auserwählten gemacht, habe David, meinem Knecht, geschworen: Bis in Ewigkeit will ich feststellen deinen Samen, deine Nachkommenschaft, und auf alle Geschlechter hin bauen deinen Thron.
Aber Salomo, sein Sohn, fällt in Götzendienst. Israel spaltet sich in zwei Nationen. Israel, die zehn Stämme, fällt von Gott ab in den Götzendienst. Im Nordreich der zehn Stämme gibt es nur gottlose Könige, im Südreich meist gottlose Könige. Und ständig lesen wir diesen Refrain der Bibel von den Königen und der Tat, was böse war in den Augen des Herrn.
Im Nordreich haben wir nur gottlose Könige. Im Südreich die hier genannten, Asa, Josaphat und so weiter, das waren solche, die eine Umkehr erlebten und zum Teil eine Reformation brachten. Aber es endet mit nur noch gottlosen Königen, ab Jojachin bis Zedekia.
Und so musste Gott eingreifen. Die zehn Stämme wurden 722 weggeführt nach Assyrien, das Nordreich wurde zusammengeschlagen, und das Südreich Juda wurde in den Jahren 606 bis 582 weggeführt nach Babylon. Und so kam es zum Ende des Königreiches der Söhne Davids.
Im Jahr 586 wurde sogar Jerusalem und der Tempel zerstört, und damit war das Ende erreicht.
Das sechste Zeitalter: die Zeiten der Nationen
Jetzt kommen wir zum sechsten Heilszeitalter. Im Jahr 606 wurde Juda zu einem unterworfenen Staat von Babylon. Die Babylonier kamen, und schliesslich haben sie im Jahr 586 dieses Königreich Juda auch noch ganz zerstört. Das hätte aber nicht so kommen müssen, denn Nebukadnezar schloss mit Zedekia, dem letzten König, einen Bund. Und darin musste Zedekia sich verpflichten, dass er als König auf dem Thron Davids bereit ist, sich der Oberhoheit der heidnischen Nation Babylon zu unterstellen. Das war ja Gottes Gericht, und das musste er akzeptieren.
Aber Hesekiel 17 sagt, dass Zedekia schliesslich diesen Bund gebrochen hat. Er rebellierte gegen die Babylonier, und so kamen sie und haben alles zerstört und die Juden weggeführt. Dann war definitiv alles am Ende. Und dieser Bund mit Zedekia ist so wichtig, dass Gott in Hesekiel 17 diesen Bund, wir haben jetzt nicht die Zeit, um das im Einzelnen durchzulesen, denn wir haben nur noch zwei Minuten für den ganzen Rest, also Gott nennt diesen Bund meinen Bund, Vers 19. Den er gebrochen hat, wird Gott auf seinen Kopf bringen. Also dieser Bund war Gottes Bund. Und er beinhaltete: Israel ist nun nicht mehr die führende Nation, sondern soll immer heidnischen Völkern unterworfen und durch sie bevormundet werden.
Und der Weggeführte nach Babylon war auch der junge Prophet Daniel. Und er musste ja Nebukadnezar einen Traum deuten. Daniel 2,37, da erklärte Daniel: „Du, o König, du König der Könige, dem der Gott des Himmels das Königtum, die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben hat.“ Und dann erklärt Daniel dieses Standbild, das Nebukadnezar im Traum gesehen hatte, mit einem goldenen Kopf, dann einer silbernen Brust, einer Hüfte aus Bronze und Beinen aus Eisen. Das sind vier verschiedene Nationen, die Weltherrscher sein würden in der Geschichte. Und der Kopf aus Gold bedeutet Babylon. 38 Du bist das Haupt von Gold.
Das war nun der Beginn der Zeiten der Nationen, wie der Herr Jesus das in Lukas 21,24 nennt. Immer nicht israelitische Nationen sollten die Welt beherrschen, bis dass der Messias kommt. Daniel hat später einen Traum von vier schlimmen Tieren. Die bedeuten auch wieder diese vier Weltreiche: ein Löwe mit Adlersflügeln, Babylon; ein gefrässiger Bär, Medopersien; ein schneller Leopard mit Flügeln, Griechenland unter Alexander dem Grossen; und schliesslich eine furchtbare, grausame Bestie mit zehn Hörnern, das Römische Reich. Und dann sah er im Traum vom Himmel her auf den Wolken den Sohn des Menschen, den Messias, der kommt und die Weltherrschaft übernehmen würde.
Da haben wir eine Übersicht über die Zeiten der Nationen. Da sollen vier Weltreiche herrschen: Babylon, Medo-Persien, Griechenland, Rom. Und dann würde das Reich Gottes kommen. Ja, das haben wir hoffentlich so in der Schule gelernt: das babylonische Reich, dann haben die Perser 539 Babylon erobert, dann kam die medo-persische Zeit, dann hat Alexander der Grosse alles erobert bis nach Indien, und später kam das Römische Reich. So vier Weltreiche nacheinander, und Israel war immer diesen Völkern eben tiefer gestellt.
Aber beim Römischen Reich ist Folgendes zu beachten: In Offenbarung 17 wird dieses vierte Tier von Daniel mit den zehn Hörnern nochmals gesehen, und da wird erklärt: Das Tier, welches du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und ins Verderben gehen. Das Tier war, das Tier ist nicht, es wird heraufsteigen. Drei Phasen sollte es geben.
Und nicht wahr, wir wissen, es gab ein Römisches Reich. Damals kam Jesus Christus zum ersten Mal. Und das weströmische Reich ging dann 476 unter durch den Ansturm der Barbaren. Aber das Oströmische Reich blieb noch bis 1453, dann haben die Türken es vernichtet. Aber damit war nicht fertig, denn noch vorher, um 800, hat der Westen sich wieder rehabilitiert. Karl der Grosse hat das Heilig-Römische Reich beherrscht im Westen, und später wurde es genannt das Heilig-Römische Reich deutscher Nation, weil immer deutsche Kaiser durch den Papst von Rom eingesetzt regieren sollten. Dieses Heilig-Römische Reich hat sich fortgesetzt bis 1806, als Kaiser Franz Joseph die Krone des Römischen Reiches abgelegt hatte.
Aber zwei Jahre zuvor hatte Napoleon sich selber gekrönt und seine Feldzüge gemacht bis nach Russland, um das Römische Reich fortzusetzen. Aber 1813, in der Schlacht von Leipzig, war fertig. Im nächsten Jahr hat das Parlament Napoleon beseitigt von der Herrschaft, und dann kam wirklich eine Zeit, da gab es kein Römisches Reich mehr. Europa wurde nationalistisch, jeder war stolz auf seine Herkunft: ich bin Deutsch, ich bin Spanier usw. Diese innere Zersplitterung führte zu einem ersten Höhepunkt im Ersten Weltkrieg. Und damit war nicht fertig. Wenige Jahre später kam der Zweite Weltkrieg, und dann war 1945 Europa zerstört am Boden.
Und dann kam Winston Churchill nach Zürich 1946 und sagte an der Uni: Let Europe Arise! Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa schaffen. Der Weg dahin ist einfach. Es braucht nicht mehr als das. Und da hat er erklärt, wie es geht. Dann kam die Integration, die römischen Verträge von 1957, die EG wurde gebildet, ich erzähle also ein bisschen gerafft. Dann wurde daraus die EU mit heute 27 Nationen. Was ist das für ein Gebilde? Nun, das ist das widerstehende Römische Reich, und das haben die Europavisionäre ja klar gesehen. Schon Emil Luss hat gesagt: In den fünfzig Jahren Europa, die europäische Einheit, müssen wir nicht schaffen, sondern lediglich wiederherstellen. Und eine unserer Staatssekretärin der Schweiz, Doktor Franz Blankart, hat vor einigen Jahren gesagt: Ein heilig römisches Reich europäischer Nation soll gezimmert werden.
Aber das Eindrückliche ist: Hier wird gesagt, wird aus dem Abgrund heraufsteigen. Abyssos auf Griechisch ist das Wort in Römer 10 für das Totenreich. Und tatsächlich, dieses neue Reich Europa kam aus dem schrecklichsten Krieg der Menschheitsgeschichte mit etwa 70 Millionen Toten herauf. Es war eine direkte Folge des Zweiten Weltkrieges. Aber die Bibel sagt: heraufsteigen und dann ins Verderben gehen. Die Offenbarung macht klar, dass dann der Herr Jesus kommen wird als Richter der Welt, genau in der Zeit, wenn das Reich wieder heraufsteigt.
Sechstes Zeitalter, es sind die Zeiten der Nationen. Wir haben in der Übersicht gesehen die Prophetie in Daniel 2 und 7 von den vier Weltreichen, und danach wird der Messias kommen, um das letzte, das zukünftige Zeitalter einzuführen. Also dieses sechste Zeitalter, das ist das gegenwärtige Zeitalter. Das dauert, bis der Messias als König kommt. Und jetzt wird auch deutlich, dass eben dieses Zeitalter tatsächlich vor dem Kreuz schon begonnen hatte. Der Herr sagt ja vor dem Kreuz in Matthäus 12 dieses Zeitalter, das zukünftige. Dieses Zeitalter hat mit dem Bund mit Zedekia begonnen.
Die siebzig Jahrwochen und die Unterbrechung der Geschichte
Und eine weitere wichtige Übersicht über dieses Zeitalter gibt die Prophetie Daniels über die siebzig Jahrwochen. Die wollen wir uns jetzt auch anschauen.
In Daniel 9,23 wird gesagt: So merke auf das Wort und verstehe die Vision. Auch wir sollen auf dieses Wort achten. Es ist wichtig, und wir sollen diese Vision begreifen. Wir werden gleich sehen, dass das Verständnis dieser Prophetie ein ganz wesentlicher Schlüssel ist, um die ganze Prophetie der Bibel zu verstehen. Wer also diese Prophetie verpasst, der bekommt einfach nicht den Zugang zur Offenbarung, zu den kleinen Propheten, zu Hesekiel, Jesaja, Jeremia usw.
Vers 24: 70 Jahrwochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt, um den Abfall zum Abschluss zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen und die Ungerechtigkeit zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen und Gesicht und Propheten zu versiegeln und ein Allerheiligstes zu salben.
Hier wird erklärt: Es kommt eine Zeitepoche von siebzig Jahrwochen. Sie steht in Verbindung mit dem Volk Daniels, Israel, und mit der Stadt Jerusalem, der heiligen Stadt. Wenn diese siebzig Jahrwochen abgeschlossen sind, dann wird der Abfall des Volkes Israel zu einem Ende kommen. Das Volk Israel wird wiederhergestellt werden, den Sünden wird ein Ende gemacht werden, und es gibt Vergebung. Die Ungerechtigkeit wird gesühnt werden, dann wird eine ewige göttliche Gerechtigkeit in dieser Welt eingeführt werden, und alle Prophetie der Bibel, Gesicht, die Gesichter, die Visionen der Propheten werden versiegelt. Das heißt: Durch die Erfüllung werden sie als Gottes Wort besiegelt werden. Und dann wird ein neuer Tempel stehen, der gesalbt wird.
Eine Jahrwoche bedeutet eben nicht sieben Tage, das ist eine normale Woche. Eine Jahrwoche ist eine Periode von sieben Jahren. Also bedeuten siebzig Jahrwochen vierhundertneunzig Jahre.
Wir lesen in Daniel 9,25: So wisse denn und verstehe. Nochmals wird betont, dass uns diese Dinge bewusst sein sollen und dass wir sie begreifen müssen. Das ist ein Befehl. So wisse denn und verstehe: vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind sieben Jahrwochen und 62 Jahrwochen.
Zur Zeit dieser Prophetie in Daniel 9, im Jahr 539 v. Chr., war Jerusalem eine Ruine, und auch der Tempel. Nun wird hier gesagt: Von dem Moment an, wo ein Wort, ein Befehl ausgeht, dass Jerusalem wiederhergestellt werden soll, von da an kann man rechnen, bis der Messias kommt. Dafür vergehen siebenundsechzig, will sagen insgesamt neunundsechzig Jahrwochen. Dann kommt der Messias als Fürst.
Hier haben wir eine Übersicht: Also vom Erlass zum Aufbau, von da an müssen wir rechnen. Zunächst sieben Jahrwochen, dann haben wir 62 Jahrwochen, und am Ende der 62 Jahrwochen kommt der Messias als Fürst. Das alles fällt in die Zeiten der Nationen hinein, da, wo die Weltreiche herrschen und Israel untergeordnet ist.
Eine Jahrwoche, hebräisch Schavua, habe ich bereits erklärt, ist eine Epoche von sieben Jahren. Wichtig: Die prophetischen Jahre der Bibel sind Jahre von dreihundertsechzig Tagen. Das sieht man zum Beispiel in Offenbarung 11, da werden dreieinhalb Jahre gleichgesetzt mit zweiundvierzig Monaten. Das sind dreieinhalb Jahre, oder? Und gleichgesetzt mit eintausendzweihundertsechzig Tagen. Das sind genau zweiundvierzig Monate von dreißig Tagen. Also ein Jahr mit 360 Tagen.
Nun können wir also diese 69 Jahrwochen in Tage umrechnen. Das ergibt 69 mal 7 mal 360 = 173.880 Tage. Die sollen dazwischen liegen zwischen dem Erlass zum Aufbau Jerusalems und dem Kommen des Messias als Fürst.
Und lese ich da weiter in Daniel 9,25: Straßen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden, und zwar im Drangsal der Zeiten. Also: Dieser Erlass kommt, und dann wird Jerusalem wirklich wieder aufgebaut, aber das würde eine schwere Zeit sein für Israel. Es kam genau so.
Im Jahr 445 v. Chr. hat König Artaxerxes von Persien Nehemia die Erlaubnis gegeben, die Stadt Jerusalem wieder aufzubauen. Nicht wahr, schon Kores hatte ja 539 v. Chr. die Erlaubnis gegeben, die Juden dürfen heimkehren ins Land der Väter. Die babylonische Gefangenschaft war vorüber. Da gingen ja viele mit Serubbabel zurück. Sie haben den Tempel wieder gebaut, aber die Stadt haben sie nicht wieder aufgebaut.
Erst 445 v. Chr., als Artaxerxes diesen Erlass herausgab, hat Nehemia wirklich zuerst die Stadtmauern und dann auch die Stadt wieder aufgebaut. Das kann man nachlesen in Nehemia 2 und folgende. Da wird auch deutlich, wie Israel ständig unter Druck und Bedrohung der umliegenden heidnischen Nationen war. Also genau so, wie es hier steht: Straßen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden, und zwar im Drangsal der Zeiten.
Das bezieht sich nun auf diese ersten sieben Jahrwochen, will sagen neunundvierzig Jahre. Warum haben wir diese Einteilung in sieben und zweiundsechzig? Ganz einfach: Es gab eben zwei Erlasse, Jerusalem aufzubauen, den von Kores, 539 v. Chr., und den von Artaxerxes, 445 v. Chr.
Nun, welcher ist gemeint in Daniel 9? Ja, man könnte natürlich minimalistisch sagen: Wir schauen, wann der Messias gekommen ist, und dann rechnen wir zurück, und dann haben wir es. Aber es wäre ja gut, wenn man schon im Alten Testament wissen konnte, von welchem Zeitpunkt wir rechnen müssen. Und da muss man also schauen: 49 Jahre nach dem Erlass, nach sieben mal sieben Jahren, sollte Jerusalem wieder eine vollkommene Stadt sein. Also die Zahl hat wörtliche und symbolische Bedeutung.
Und 49 Jahre nach Kores war Jerusalem immer noch eine Ruine. Viel, viel länger. Das ging ja fast hundert Jahre, bis dann Nehemia wirklich aufbrach, 445 v. Chr., und dann wurde die Stadt gebaut. In etwas mehr als einem Monat wurden die Stadtmauern gebaut, und dann wurden auch die Häuser darin aufgebaut, Straßen und Gräben. Also ist klar: Noch bevor der Messias gekommen ist, müssen wir von Nehemia an rechnen. Das waren also diese sieben Jahrwochen, und dann kamen direkt darauf die 62 Jahrwochen.
Und nun: Wann kam Jesus Christus als Fürst? Es gab nur einen Tag, an dem er wirklich als Fürst auftrat, das war Palmsonntag, kurz vor der Kreuzigung. Das war also im Frühjahr, im Monat Nisan, 32 n. Chr.
Wie kommt man auf 32? Ganz einfach: In Lukas 3 steht, im fünfzehnten Jahr von Tiberius begann Johannes der Täufer zu predigen. Dann wurde Jesus Christus getauft, er predigte drei Jahre, sagt Lukas 13,6-9. Ja, man kann in jedem Lexikon nachschauen: Tiberius wurde Kaiser im Jahr 14 n. Chr., als Augustus gestorben war. 14 plus 15 gibt 29, 29 plus 3 gibt 32. Es ist ziemlich einfach. Und das war also auch im Monat Nisan, März/April 32, der Einzug nach Jerusalem.
Und der Erlass in Nehemia 2 wurde auch gegeben im Monat Nisan, entsprechend unserem Kalender März/April. Nun ist es so: Heute kann man das ja mit dem Computer sehr einfach machen, alle Tage berechnen zwischen März/April 445 v. Chr. bis März/April 32 n. Chr. Und da passen die 173.880 Tage exakt hinein. Das ist also phänomenal, diese Erfüllung von Prophetie.
Und so kann man Menschen beweisen, dass Jesus der Christus ist, der Messias. Das heißt es ja schon von Paulus in Apostelgeschichte 9: Er bewies, er brachte die Juden in der Synagoge in Damaskus außer Fassung, indem er bewies, dass dieser der Christus ist. Wir müssen vielmehr diese Argumentation benutzen, auch in der Evangelisation. Auch Apollos, Apostelgeschichte 18, am Schluss heißt es: kräftig widerlegte er die Juden öffentlich, er selber war auch Jude, aber messiasgläubiger Jude, indem er bewies, dass dieser der Christus ist. Es steht das Wort beweisen. Es gibt Leute, die ärgern sich, wenn man über Beweise und Glauben spricht, aber die Bibel spricht darüber.
Nun also: Genau nach 69 Jahrwochen kam der Messias. Jetzt geht der Text aber weiter in Vers 26: Und nach den 62 Jahrwochen wird der Messias ausgerottet werden und nichts haben. Es wird nicht gesagt, wie viel später, einfach nachher.
Nun rückblickend können wir sagen: Ja, tatsächlich, fünf Tage nach Palmsonntag, an Karfreitag, wurde der Messias gekreuzigt, durch die Römer ausgerottet. Und nichts haben, das heißt, er würde kein Friedensreich hier auf Erden aufgerichtet haben.
Eines der wichtigsten Argumente, wenn man mit orthodoxen Juden spricht, über den Messias, ist dieses: Die sagen, Jesus kann nicht der Messias gewesen sein, denn sonst hätten wir ja schon seit zweitausend Jahren Frieden auf Erden. Und ich habe mit einem orthodoxen Juden gesprochen und ihm gesagt: Wenn es seit zweitausend Jahren Frieden gäbe, wäre Jesus nicht der Messias. Ja, es steht ja in Daniel 9. Ich habe die Stelle aufgeschlagen: VeYikaret Maschiach veEinlo. Der Messias wird ausgerottet werden und nichts haben. Das musste so sein. Er wird getötet und hat kein Reich.
Also, das geschah nach den 62 Jahrwochen. Da wurde er auf dem Golgatha-Felsen vor den Stadtmauern Jerusalems gekreuzigt. Jetzt vervollständigen wir unser Schema der Jahrwochen: 69 Jahrwochen bis der Messias kommt als Fürst, und danach wird er ausgerottet.
Jerusalem, die Nationen und die lange Zeit der Verwüstung
Jetzt kann man sich fragen: Ja, und wo ist die siebzigste Jahrwoche? Es wird nichts davon gesagt. Also, hier in der Übersicht: Wir haben die Zeiten der Nationen, und darin spielen diese 70. Jahrwoche eine ganz entscheidende Rolle. 69 bis das Jahr 62 nach Christus, dann wird der Messias gekreuzigt, und jetzt sollte doch irgendwann einmal die 70. Jahrwoche auch noch kommen.
Ab wann müssen wir sie rechnen? Ab Palmsonntag? Ja, aber dann steht eben: Danach wird er ausgerottet werden. Sollen wir ab Freitag die 70. Jahrwoche ansetzen? Nun, 32 nach Christus plus sieben Jahre, das gäbe neunundsechzig, das gäbe neununddreißig, und dann müsste das Reich Gottes kommen. Aber da haben wir ein Problem, nicht wahr? Das ist ja überhaupt nicht so gekommen.
Es ist schon erstaunlich: Jetzt hatten wir doch eine Prophetie, die so umwerfend präzise ist, und jetzt, wenn wir da weiterfahren in der 70. Jahrwoche, haben wir ein Problem. Aber wenn man Probleme hat beim Lesen, muss man einfach ganz nahe beim Text bleiben. Wir haben gelesen: sieben Jahrwochen und 62 bis auf den Messias als Fürsten, danach wird er ausgerottet werden und nichts haben. Der Text spricht jetzt da nicht von einer weiteren Jahrwoche, also bleiben wir einfach beim Text.
Ich lese weiter in Vers 26: Der Messias wird ausgerottet, nichts haben, und dann steht: Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören. Das war ein Schock für Daniel. Man muss sich vorstellen, als ein Jude, der Jerusalem liebte und den Tempel liebte über alles. In Psalm 137 steht: Wenn Jerusalem nicht über alle meine Freude steht, dann soll meine rechte Hand ihren Dienst versagen und meine Zunge an meinem Gaumen kleben. Jerusalem muss die höchste Freude sein für einen Juden.
Das ist übrigens auch der Grund, wenn man im Judentum heiratet, da wird ja bei jeder Hochzeitsfeier ein Glas am Boden zerschmettert. Und das aus dem Grund als Erinnerung an die Zerstörung des Tempels. Wenn man heiratet, dann ist die Gefahr, dass die Freude der Hochzeit höher wird als die Freude an Jerusalem. Und darum soll man auch bei diesem Freudenfest denken an die Zerstörung des Tempels, und da zerschmettert man ein Glas am Boden.
Jetzt muss man sich vorstellen: Daniel lebte zur Zeit, als der Salomontempel in Staub und Asche lag. Dann kommt die Prophetie, das Wort wird ausgehen, Jerusalem wieder aufzurichten, dann vergehen 67 Jahrwochen, dann wird der Messias kommen, dann wird er ausgerottet werden und nichts haben. Und dann kommt ein Volk von einem kommenden Fürsten, das wird die Stadt und auch das Heiligtum zerstören. Da wusste Daniel: Aha, Jerusalem wird wieder zerstört werden, und zwar nachdem der Messias getötet wird, und auch der zweite Tempel wird untergehen. Das war klar: Der zweite Tempel wird zerstört werden.
Und das hat sich ja erfüllt im Jahr siebzig nach Christus. Da endete die zweite Tempelperiode. Da haben die Römer, das war das Volk des kommenden Fürsten, die Stadt Jerusalem vernichtet und den zweiten Tempel verbrannt. Das sind originale Steine, die ich da fotografiert habe, der Zerstörung des Tempels in Jerusalem aus dem Jahr siebzig, die die Römer da runtergeschmissen haben auf der Westseite.
Ja, da sind wir aber schon im Jahr siebzig, und was ist mit der siebzigsten Jahrwoche? Warten wir einfach, lesen wir den Text so schön durch, wie es da steht. Jetzt können wir das vervollständigen: Also der Messias wird ausgerottet werden, nichts haben, und dann würde die Stadt und der Tempel zerstört werden. Das hat sich im Jahr siebzig nach Christus erfüllt.
Jetzt muss ich noch Folgendes erklären: Der Herr Jesus hat ja in Lukas 21 am Dienstag vor Karfreitag die Zukunft vorausgesagt. Er wusste, dass er jetzt bald gekreuzigt werden würde, und dann sagte er in Lukas 21,24: Und sie, die Juden, werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt werden unter alle Nationen, und Jerusalem wird zertreten werden von den Nationen, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden.
Also der Herr Jesus sagt hier nicht voraus: Ja, also bald wird das Reich kommen und ich werde Frieden bringen in dieser Welt. Nein, er sagt, das jüdische Volk wird deportiert werden unter alle Nationen der Welt. Jerusalem wird ständig von nichtjüdischen Völkern zertreten werden, und das soll so dauern, bis die Zeiten der Nationen dann zum Ende kommen. Also dieses sechste Zeitalter sollte weitergehen und gekennzeichnet sein durch die Zerstreuung der Juden in aller Welt.
Wir wissen ja: Ab dem Jahr siebzig wurde das jüdische Volk weltweit unter alle fünf Kontinente zerstreut, und es gab keinen jüdischen Staat mehr durch die Jahrhunderte hindurch. Also setzen wir das auch noch ein. Nicht nur die Kreuzigung, die Zerstörung Jerusalems und des Tempels, sondern auch die Zerstreuung der Juden. Das braucht ja ein bisschen Zeit, oder? Bis ein Volk unter allen Nationen zerstreut ist. Und tatsächlich, das war ein Prozess von Jahrhunderten, bis die Juden in ganz Europa zerstreut worden waren, in Asien, bis nach China, bis nach Australien, bis nach Südafrika, bis nach Chile und Argentinien und bis nach Nordamerika, bis nach Schweden und Norwegen ganz im Norden Europas.
Ja, jetzt lese ich nochmals in Daniel 9,26: Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, das ist klar, und das Ende davon wird durch die überströmende Flut sein. Ja, das Ende wovon? Das Ende davon. Hier lohnt es sich, eine ganz genaue Übersetzung aus dem Hebräischen zu haben, und im Deutschen ist also hier wirklich am präzisesten die alte Elberfelder oder die leichte Revision von CSV Hückeswagen. Leider ist die revidierte Elberfelder von Brockhaus an dieser Stelle ein echtes Problem, denn der Punkt ist falsch gesetzt worden, es macht die ganze Prophetie kaputt.
Darum eine genaue Übersetzung: Das Ende davon wird durch die überströmende Flut sein. Das Ende wovon? Ja, es geht um die Zerstörung von Jerusalem und dem Tempel. Was war das? Das war Gottes Gericht über sein irdisches Volk wegen der Verwerfung des Erlösers. Aber das war nicht alles, sondern das sollte eine weitere Kette von Gerichten beinhalten bis in die Endzeit.
Ja, weil der Text weitergeht: Und bis ans Ende, das heißt bis in die Endzeit, Krieg, fest beschlossenes von Verwüstungen. Also das Gericht über das abgefallene Volk sollte eine Serie sein vom Jahr siebzig bis in die Endzeit, in der Jerusalem ständig durch Krieg und Verwüstung hindurchgehen sollte bis in die Endzeit. Aber das kommt alles dann zum Schluss durch die letzte Phase des Gerichtes, das ist die überströmende Flut, auch ein bisschen geheimnisvoll.
Wenn man etwas nicht versteht, muss man es einfach mal stehen lassen. Sie sagen also: Gut, die überströmende Flut, das ist dann das Ende. Aber jetzt müssen wir uns fragen: Wo ist die siebzigste Jahrwoche? Nun, das wird ja durch den Text in Daniel 9 hinausgeschoben, hinausgeschoben, hinausgeschoben. Da steht: bis in die Endzeit Krieg und Verwüstungen. Das geht also da ab dem Jahr siebzig weiter, weiter, weiter, weiter bis in die Endzeit.
Die Rückkehr Israels und die letzte Woche der Geschichte
Und wie hat sich das erfüllt? Ganz dramatisch. Hier sind die wichtigsten Ereignisse der Verwüstungen über Jerusalem vom Jahr siebzig nach Christus bis ins zwanzigste Jahrhundert.
Also im Jahr 70: Zerstörung Jerusalems mit mehr als einer Million Toten unter dem jüdischen Volk. Dann gab es einen zweiten Aufstand der Juden gegen die Römer. Im Jahr 132 bis 135 endete er wieder mit der Zerstörung Jerusalems, mit mehr als einer Million Toten unter den Juden. Damals unter der Führung des falschen Messias Bar Kochbar.
Dann 614 Verwüstung Jerusalems durch die Perser, 629 Eroberung Jerusalems durch Byzanz, 638 Eroberung Jerusalems durch die muslimischen Araber aus der saudischen Insel. Nicht wahr, 632 starb Muhammad. Damals war die ganze arabische Halbinsel erobert durch den Islam. Und dann gingen sie nach Norden und eroberten einen Landstrich um den anderen. 638 wurde das Land der Bibel erobert, Jerusalem erobert. In der Folge wurde der Felsendom auf den Tempelplatz gestellt, und die El-Aqsa-Moschee. Die stehen bis heute.
Dann 1071 Eroberung Jerusalems durch die Türken, 1099 durch die Kreuzfahrer aus Europa. Auch sie haben Jerusalem zertreten. Dann 1187 Eroberung Jerusalems durch Sultan Saladin, da wurde wieder der Islam in Jerusalem eingeführt. 1244 Eroberung durch die wilden Tataren aus Zentralasien, 1517 Eroberung durch die Osmanen, die türkischen Osmanen. Dann 1917, im Ersten Weltkrieg, Eroberung Jerusalems durch die Engländer. Dabei kamen etwa 20 Soldaten ums Leben in diesem Kampf. Die meisten waren Türken, also Osmanen.
Und dann 1948, gleich nach der Ausrufung des Staates Israel, kam dieser totale Krieg der Araber gegen die Juden. Da wurde Ostjerusalem durch Jordanien verwüstet, durch eine Mauer abgetrennt und jordanisch annektiert. Aber dann, 1967 im Sechstagekrieg, als die Araber zum zweiten Mal versuchten, die Juden auszurotten, eroberte Israel Ostjerusalem mit dem Tempelberg und auch das Westjordanland, den Gazastreifen und die Golanhöhen.
Aber sehen wir eine Kette von Krieg und Verwüstung bis in das 20. Jahrhundert. Nun, ich habe gesagt: bis in die Endzeit. Was ist Endzeit in der Bibel? Man kann das so definieren: Endzeit ist die Zeit, wenn das jüdische Volk aus der weltweiten Zerstreuung zurückkehrt.
Ein biblischer Beleg: Hesekiel 38,8. Da geht es um einen Feind im äußersten Norden, der Israel in der Endzeit angreifen wird. Und da steht: „am Ende der Jahre“. Es gibt in der Bibel die Endzeit als „am Ende der Tage“, „am Ende der Zeit“, „das Ende“, „die letzten Tage“, „die letzte Stunde“. Es gibt auch den Ausdruck „am Ende der Jahre“. Das bezeichnet im Prinzip alles dasselbe.
Am Ende der Jahre sollst du in das Land kommen, das vom Schwert wiederhergestellt sein wird, zu einem Volk, das aus vielen Völkern gesammelt sein wird, auf die Berge Israels, welche beständig verödet dalagen. Ja, es wird herausgeführt sein aus den Völkern. Also wenn dieser Feind aus dem Norden Israel angreift in der Endzeit, dann ist es die Zeit, in der das Land Israel für die Juden wiederhergestellt wird. Und es ist die Zeit, in der sie aus vielen Völkern gesammelt werden, nachdem das Land jahrhundertelang wüst dalag, was ja so geschehen ist. Und sie werden auf die Berge Israels kommen. Die meisten Berge Israels befinden sich heute im Westjordanland. Interessant, nicht wahr? Und das wurde 1967 besetzt.
Ja, das ist die Endzeit. Endzeit ist also niemals der Weltuntergang, sondern das Ende des sechsten Zeitalters, das Ende dieser langen Wartezeit, bis der Messias kommen würde, um als König zu herrschen. Das ist die Endzeit.
Nun können wir das also auch in unserem Schema hier einsetzen. Da haben wir diese lange Kette von Krieg und Verwüstung bis in die Endzeit. Und jetzt sehen wir: Ab 1882 haben die Juden begonnen, in mehreren Phasen zurückzukehren ins Land der Väter. Es war damals die erste Einwanderungswelle aus Russland, dann kam die zweite Welle, dann kam der Erste Weltkrieg. Nach dem Krieg die dritte Welle, dann die vierte Welle, die fünfte Welle, und so ging das weiter bis heute. 2011: drei Millionen Juden sind zurückgekehrt aus allen fünf Kontinenten.
Und jetzt lese ich weiter in Daniel 9, schön der Reihe nach: Daniel 9,27. Und er wird einen festen Bund mit den vielen schließen für eine Jahrwoche. Ja, jetzt haben wir sie! Endlich kommt die Jahrwoche. Aber der Text macht klar: Dazwischen liegt nach der 69. die Ermordung des Messias. Er hat kein Königreich, Jerusalem und der Tempel werden verwüstet, und dann kommt eine Kette von Krieg und Verwüstung bis in die Endzeit. Und die wird abgeschlossen werden durch die überströmende Flut, und dann wird von einer weiteren Woche gesprochen.
Auch geheimnisvoll: Er wird einen festen Bund mit den vielen schließen. Wer ist er? Nun muss man im Text zurückkehren, bis man eine Person findet, die vorher erwähnt worden war. Wir hatten ja schon gelesen: Das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören. Aha, es wird nicht gesagt, der Fürst macht das, sondern das Volk des kommenden Fürsten zerstört. Welches Volk war das? Das römische Volk. Also dieser kommende Fürst, das muss ein Römer sein, einer aus dem römischen Reich. Und der wird mit Israel einen Bund schließen für sieben Jahre.
Ja, da steht ja gar nichts von Israel, die vielen. Rabim ist ein Ausdruck in Daniel, der die Masse des jüdischen Volkes bezeichnet. Das kommt eben auch später vor, in Daniel 11,33, 12,3. Die vielen ist immer Israel, die Masse des jüdischen Volkes. Aha, also da wird in der Endzeit das römische Reich bestehen, und da wird ein kommender Führer dieses Reiches mit der Masse des jüdischen Volkes einen Bund schließen für sieben Jahre.
Nun, da muss also in der Zeit, in der das jüdische Volk zurückkehrt, ein römisches Reich geben. Aber das gab es ja nicht mehr. Nicht wahr, wir haben gesehen, wie das römische Reich untergegangen ist. Und mit Franz Joseph kam wirklich eine ganz entscheidende Wende, als er die Krone des Heiligen Römischen Reiches ablegte. Aber wir haben gesehen: Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das römische Reich wieder herauf. Das musste in der gleichen Epoche sein, als die Juden zurückkehrten und ihren Staat wieder gründeten. Und so wird also das neue Europa unter einem kommenden Herrscher sich mit Israel verbünden.
Jetzt können wir da die 70. Jahrwoche einzeichnen. Und es ist also nicht irgendwie Fantasie, dass man da eine Zeit zwischen 69 und 70 einschiebt, sondern der Bibeltext im Alten Testament macht klar: Da ist ein Aufschub bis in die Endzeit.
Die letzte Drangsal und das Ende des sechsten Zeitalters
Jetzt lese ich noch weiter, Vers 27 nochmals: Und er wird einen festen Bund mit den vielen schließen für eine Jahrwoche, und zur Hälfte der Jahrwoche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen.
Oh, da wird also die Jahrwoche halbiert: sieben Jahre geteilt durch zwei, also dreieinhalb und dreieinhalb Jahre. Nach dreieinhalb Jahren wird dieser kommende Fürst aus Europa bewirken, dass man nicht mehr Schlachtopfer und Speisopfer darbringen kann.
Oh, das ist aber interessant, weil wir noch gelesen haben, dass der zweite Tempel zerstört werden sollte. Und der Tempel wurde nie mehr aufgebaut, durch fast 2000 Jahre hinweg bis heute. Aber da muss ja wieder ein Tempel stehen, und nach der Tora darf man ja nur dort in Jerusalem auf dem Tempelplatz opfern. Es gibt keine Alternative.
Ja, aber dann müssten ja die Juden wieder den Tempelberg zurückkriegen. Und den haben sie ja zweitausend Jahre lang nie mehr gehabt. Ja, natürlich, Jerusalem wurde zertreten von den Nationen, bis in die Zeit, wo dann die Zeiten der Nationen zu Ende kommen sollten.
Tja, aber 1967 wurde der Tempelberg erobert. Und seither haben sich Organisationen gebildet, die ganz konkret auf die Wiederherstellung des Tempels hinarbeiten. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie der goldene Räucheraltar wiederhergestellt wurde. Den siebenarmigen Leuchter, den Israel 2000 Jahre lang nicht mehr hatte, hat man jetzt wieder. Da habe ich den Schaubrotisch aus Gold gesehen, bereit für den Tempeldienst, und viele andere Tempelgeräte. Ich habe sogar Originale in den Händen gehalten. Das ist unglaublich. Jetzt plötzlich ist das wieder da. Also, diese Opfer werden wiederkommen. Bis zum heutigen Tag noch nicht, aber die Vorbereitungen sind seit 1967 auf Volltouren angelaufen.
Aber dann werden diese Opfer gestoppt werden. Also, wir halbieren mal diese siebzigste Jahrwoche und lesen weiter in Daniel 9,27 am Schluss: Und wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen, und zwar bis Vernichtung und Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden.
Ich gebe zu, sehr geheimnisvoll geschrieben, aber wir müssen das sorgfältig anschauen. Da wird also von Gräueln gesprochen. Und dann würde ein Verwüster kommen, der nochmals Vernichtung bringt, und Festbeschlossenes, und das würde ausgegossen werden. Wer ist dieser Verwüster?
Nun, aus vielen prophetischen Abschnitten kennen wir diesen Verwüster, der Israel in der Endzeit überrennen wird, und zwar so, dass das ganze Land verbrannt wird. Joel 2 beschreibt den Angreifer aus dem Norden. Man kann also dazu lesen: Joel 1 und 2, Jesaja 28 bis 29, Micha 5, Sacharja 12 bis 14 und so weiter und so weiter.
Dieser Angriff, in dem Israel völlig überrannt wird, wird so ausführlich und detailliert in der Prophetie beschrieben. Und immer wieder wird klargemacht: Der Angriff kommt aus dem Norden. Und auch in Daniel 11,40 bis 45 wird über diesen Angriff gesprochen. Da wird gesagt, dass der König des Nordens kommen wird, natürlich von Norden her, und er wird das Land Israel überschwemmen und überfluten.
Aber das ist doch interessant, weil wir haben doch in Daniel 9 gelesen: Und das Ende davon wird sein durch die überströmende Flut, durch die überströmende Geißel. Also auch da im Wasser. Und in Daniel 11,40 wird dieser König des Nordens beschrieben als einer, der über das Land Israel kommt und es überschwemmt und überflutet, als Gericht Gottes, als eine Geißel Gottes. Das ist der letzte Angriff. Und dann kommt die Befreiung für Israel.
Nun würde es uns interessieren: Wer ist denn dieser König des Nordens? In den Parallelstellen in Jesaja 28, Micha 5 wird dieser Feind genannt: der Assyrer. Wir können ganz genau sagen, was das ist. Assyrien war ja ein Reich, das große Teile im Nahen Osten umfasst hat. Der König des Nordens in Daniel 11 kann ganz genau erklärt werden. Warum? Daniel 11,1-36 ist alles erfüllt.
Ich habe das mal ausgezählt, es sind etwa über 150 prophetische Einzelaussagen, die sich alle nachweislich in der Geschichte erfüllt haben. Und zwar geht es dort dauernd um den König des Nordens und den König des Südens. In der erfüllten Prophetie war das immer der König des Nordens Syrien, der König des Südens Ägypten. Und Israel wurde als Spielball zwischen diesen beiden Mächten hin und her geworfen. Es ist also fantastisch: 150 Prophezeiungen, nachweislich alle in der richtigen Reihenfolge erfüllt in der Geschichte.
Nun muss ich aber erklären: Der König des Nordens war Syrien, aber Großsyrien. Dieses Gebiet umfasste das heutige Syrien, Libanon, über Türkei, Armenien bis nach Pakistan. Das ganze Gebiet, auch Iran und Irak, ist da mit drin. Das war der König des Nordens.
Interessant ist ja: Heute ist das ein Block, dieses Gebiet, der islamisch ist. Man fragt sich ja, woher kommt dann dieser Hass dieses Königs des Nordens, der Israel zerstören und überrennen will? Nun, heute können wir es erklären: Das ist die Kraft des Islams dahinter. Dieser Angriff wird also kommen von Norden her.
Und wieso? Wegen der Beschirmung der Gräuel. Was sind denn das für Gräuel? Nun, das Wort Gräuel bedeutet in der Bibel sehr oft Götzen. Der Herr Jesus sagt in der Endzeitrede in Matthäus 24,15: Und wenn ihr aber den Gräuel der Verwüstung, von welchem Daniel der Prophet geredet hat, stehen seht an heiligem Ort, dann sollen die, die in Judäa sind, auf die Berge fliehen. Und dann sagt er weiter: Dann wird große Drangsal sein, dergleichen nicht gewesen ist von Anfang der Welt an noch je wieder sein wird.
Nun, der Jesus sagt, der Gräuel der Verwüstung wird aufgestellt werden an heiligem Ort, das heißt auf dem Tempelplatz. Was ist denn das, ein Gräuel der Verwüstung auf dem Tempelplatz? Auch das können wir ganz genau beantworten, denn in den bereits erfüllten Versen in Daniel 11,1-36 finden wir diesen Ausdruck auch schon mal. Und da hat sich das erfüllt, als die Syrer unter Antiochus Epiphanes in der Makkabäerzeit, im zweiten Jahrhundert vor Christus, den Tempel in Jerusalem geschändet, ein Schwein auf dem Altar geschlachtet und ein Götzenbild aufgestellt haben, von Zeus, das die Gesichtszüge von Antiochus Epiphanes trug. Und das war der Gräuel der Verwüstung.
Und nun sagt der Herr Jesus: Also in der Endzeit wird ein Gräuel der Verwüstung auf dem Tempelplatz stehen. Jetzt wird klar: In der Offenbarung wird doch gesprochen über das Tier aus dem Meer, ein kommender Diktator über das wiedererstehende römische Reich, und dann ein zweites Tier aus der Erde, das aussieht wie ein Lamm, aber redet wie ein Drache. Das ist der falsche Messias. Der Antichrist, der sich gibt, als wäre er das Lamm Gottes. Und von ihm heißt es, er kann Feuer vom Himmel herabholen. Er kann ein Götzenbild für den Führer von Europa, für das Tier, herstellen, das sprechen kann und verlangt, dass jeder getötet wird, der es nicht anbetet.
Der Antichrist wird dieses Götzenbild im künftig gebauten jüdischen Tempel in Jerusalem aufstellen. Und dann sagt der Herr Jesus: Und wenn ihr den Gräuel der Verwüstung seht an heiligem Ort ... Aber in Daniel 9 haben wir gelesen: wegen der Beschirmung der Gräuel. Das ist Mehrzahl. Der braucht jetzt also mindestens noch einen zweiten Gräuel. Natürlich, 2. Thessalonicher 2 sagt, dass der Antichrist, der Mensch der Sünde, sich selbst in den Tempel setzen wird und sagen wird, er sei Gott. Das sieht man natürlich nicht von außen. Darum sagt der Herr Jesus: Wenn ihr den Gräuel stehen seht an heiligem Ort, dann sollen sie fliehen.
Aber es gibt zwei Gräuel: einen im Tempelhaus drin und einen draußen im Tempelvorhof. Und das ist das Signal für die Katastrophe. Wegen der Beschirmung der Gräuel, weil die Masse der Juden den Antichristen akzeptieren wird und den Freund in Europa, der den Bund schließen wird mit Israel, um sie zu schützen gegen die islamische Gefahr. Das werden sie akzeptieren, und das wird der Grund sein, dass Gott seine schützende Hand über Israel wegnehmen wird in allen Existenzkriegen seit 1948, und dann 1956, 1967, 73, 73, 81, 91, 91 und so weiter. Jedem Krieg wurde Israel bewahrt. Aber dann wird die schützende Hand Gottes weggehen, und der von Norden kommende, der Verwüster, wird das Land überschwemmen und verwüsten.
Das ist die große Drangsalzeit, der schlimmste Krieg der Weltgeschichte wird kommen. Das ist in der zweiten Hälfte da. Und indem eben das Götzenbild aufgestellt wird an heiligem Ort, dann können die Juden, die dann wieder opfern, nicht mehr opfern. Und so wird eben der kommende Fürst nach dreieinhalb Jahren die Schlachtopfer aufhören lassen.
Aber dann kommt das Ende. Der Herr Jesus wird am Ende dieser dreieinhalb Jahre erscheinen in Macht und Herrlichkeit und wird so die Menschheit vor der Selbstvernichtung bewahren. Aber er selber wird dann kommen als Richter der Welt, und so wird dieses sechste Zeitalter durch Gericht abgeschlossen, durch die große Drangsal und die Wiederkunft Jesu. Alles ganz schön nach Schema.
Ein guter Anfang: Zedekia hat sich unterworfen, hat diesen Bund geschlossen, hat geschworen bei Gott, aber dann hat er sich aufgelehnt, es ging runter, es ging nur noch runter. Dann kam der Messias, er wurde abgelehnt, es ging runter, die Juden wurden zerstreut. Aber wenn sie zurückkehren in Gottes Gnade, wird die Masse den Antichristen akzeptieren, und da muss noch einmal das Gericht kommen, und dann der Messias als Richter der Welt. Ganz nach Schema.
Das siebte Zeitalter: das tausendjährige Reich und die neue Schöpfung
Jetzt kommen wir zum siebten Heilszeitalter, das ist das tausendjährige Reich. Also der Herr Jesus wird kommen nach den siebzig Jahrwochen. Dann wird Israel wiederhergestellt werden, alle, die in dieser Zeit der Not umgekehrt sind und eben auch geflohen sind auf die Berge, wie der Herr Jesus das in Matthäus 24 vorausgesagt hat. Das ist der Überrest aus Israel, der umkehren wird. Der wird dann befreit werden und ins tausendjährige Reich eingehen.
Es wird alles so wunderbar anfangen, wie das in Offenbarung 20 beschrieben wird: zuerst die Wiederkunft Jesu, Offenbarung 19, und dann Offenbarung 20. Er wird tausend Jahre herrschen. Es ist so schwer zu verstehen, dass Leute sagen, wir seien heute schon im tausendjährigen Reich. Gibt es ja solche, die sagen das. In Offenbarung 19 steht die Wiederkunft Jesu als Richter der Welt, und dann im nächsten Kapitel kommt das tausendjährige Reich. Und dann steht ja noch: Der Teufel wird dann tausend Jahre gebunden. Also ich weiss nicht, wie die Leute sich das vorstellen, wie das auf der Erde ist, wenn der Teufel gebunden ist. Dann ist es doch nicht mehr so wie jetzt. Heute ist der Teufel los.
Und vor kurzem kam eine Bibelschülerin mit einem Problem. Ein Dozent hat erklärt: Ja, eben das tausendjährige Reich jetzt. Und hat sie ziemlich durcheinandergebracht, weil sie das immer anders gehört hat, bei uns in der Gemeinde. Und dann habe ich hier gesagt: Schau, du kannst das so machen. Um herauszufinden, ob wir schon im tausendjährigen Reich sind oder nicht, gehst du in den Zoo in Zürich. Und in einer Hand hast du Fleisch, in der anderen Hand Stroh. Und dann gehst du zum Löwen und hältst die beiden Hände hin und schaust, was er nimmt. Wenn er Stroh nimmt, sind wir im tausendjährigen Reich. Jesaja 11. Wenn er Fleisch nimmt, dann noch nicht. Okay, so kann man das verstehen.
Nun, im tausendjährigen Reich wird es auch eine Entwicklung geben. Die Gottlosen werden durch die Gerichte bei der Wiederkunft Jesu in der Drangsal weggerafft werden. Der Überrest aus Israel und aus den anderen Völkern wird ins tausendjährige Reich eingehen. Aber die haben immer noch den gleichen Körper wie vorher, und auch die Sünde ist immer noch in ihnen. Im tausendjährigen Reich kann man immer noch sündigen. Natürlich, es gibt den Hesekiel-Tempel, Hesekiel 40 bis 48. Da werden auch Sündopfer dargebracht, weil es immer noch Sünde gibt. Aber wenn jemand offen gegen die Herrschaft des Herrn Jesus rebelliert, dann wird er weggerafft. Psalm 101: Jeden Morgen wird der Gesetzlose hinweggerafft werden, ausgerottet werden.
Ja, und diese, die ins Reich Gottes kommen, wiedergeboren sind, die werden Kinder haben. Und Kinder sind nicht automatisch bekehrt. Früher hat man gesagt, Spurgeon hat gesagt: Die Gnade fliesst nicht im Blut. Heute würden wir sagen: Die Gnade ist nicht in unserer DNS programmiert, im Erbgut. Jede Generation muss sich selber bekehren. Und so wird es viele geben im tausendjährigen Reich, die werden sich nicht bekehren, sondern sich nur äusserlich der Herrschaft des Herrn Jesus in Jerusalem unterwerfen. Und das ist natürlich Heuchelei.
Aber am Ende des tausendjährigen Reiches, da wird der Teufel nochmals losgelassen werden, sagt Offenbarung 20, und er wird all die Menschen verführen können, die sich nicht bekehrt haben. Und wird sie zum letzten Aufstand von Gog und Magog verführen. Und dann wird Gott Feuer vom Himmel senden, diesen Aufstand vernichten, und dann wird das ganze Weltteil im Brand aufgelöst. Und Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Und so vergeht das siebte Heilszeitalter genau nach Schema.
Am Anfang wird Gott den neuen Bund mit Israel schliessen, sagt einer. Ja, aber der neue Bund ist doch schon längst geschlossen. Ja, der Herr Jesus ist ja gestorben, und mit seinem Blut hat er den neuen Bund in seinem Blut besiegelt. Das drücken wir auch im Abendmahl aus. Aber die Bibel sagt nicht, dass der neue Bund mit der Gemeinde geschlossen worden ist, sondern in allen Stellen sagt die Bibel, dass dieser neue Bund mit Israel geschlossen wird. Aber die Gemeinde bereits nutzt diese alle Segnungen des neuen Bundes. Diese Segnungen des Bundes haben wir, weil der Herr Jesus bereits die Grundlage für den Bund gelegt hat durch sein Sterben. Offiziell wird dann dieser Bund vollzogen werden am Anfang des tausendjährigen Reiches mit Israel. Aber dieser Bund bedeutet Segen auch für alle anderen Völker.
Und so geht das ganz schön nach Schema auf. Auch das tausendjährige Reich hat einen guten Anfang, eine traurige Entwicklung, ein Ende, das Gericht fordert, und dann kommt, was Petrus in seinem letzten Vers von 2. Petrus 3 aus der Todeszelle schreibt: Ihm sei die Herrlichkeit auf den Tag der Ewigkeit. Dann kommt die Ewigkeit mit neuem Himmel und neuer Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.
Im tausendjährigen Reich herrscht Gerechtigkeit und wird gegen alle Widerstände durchgesetzt. Aber in der neuen Schöpfung ist alles vollkommen, und Gott wird abwischen alle Tränen von den Augen. Das ist ja schon so beeindruckend. Es gibt nämlich kein Lebewesen auf Erden, das bei Traurigkeit Tränen vergiessen kann, ausser den Menschen. Also bei den Affen ist das nicht so, die weinen keine Tränen, wenn sie traurig sind. Hunde auch nicht, Krokodile auch nicht. Darum die Krokodilstränen, die sind ja ein Bild dafür, für Menschen, die so weinen, weil man sie im Bösen erwischt hat, aber gar nicht Busse tun. Das sind dann grosse Krokodilstränen. Die Krokodile vergiessen Tränen, das ist nur ein physiologischer Prozess in ihrem Körper, hat aber mit Traurigkeit, mit Gefühlen nichts zu tun. Es gibt kein Lebewesen, das Tränen vergiessen kann, nur die Menschen.
Und für Gott sind unsere Tränen so wichtig, dass wir in den Psalmen lesen, dass Gott unsere Tränen verzeichnet hat in seinem Buch. Es gibt ein Buch der Tränen. Gott nimmt alle verborgenen Tränen wahr. Und sogar nach dem Tod werden wir getröstet werden über alle Dinge, die wir im Leben doch irgendwie nicht überwunden hatten. Von dem armen Lazarus heisst es in Lukas 16: Jetzt wird er hier getröstet, sagt Abraham zum reichen Mann am Ort der Qual, du aber leidest Pein. Also nach dem Tod werden Erlöste im Himmel getröstet.
Und sogar wenn Offenbarung 21 vom neuen Himmel und der neuen Erde spricht, dann heisst es: Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Also dann werden die allerletzten Tränen geweint, und Gott wird sie abwischen. Es ist ja so, manchmal können wir Tränen sehr gut überwinden, wobei es ja Leute gibt, die denken, Männer dürfen nicht weinen. Aber der Herr Jesus hat am Grab von Lazarus Tränen vergossen. Das ist der kürzeste Vers oder einer der kürzesten Verse in der Bibel, im Neuen Testament, Johannes 11,35. Jesus vergoss Tränen. Das ist der ganze Vers. Und so ist das absolut richtig.
Aber manchmal sind wir ein bisschen tapfer. Wie ist es bei ganz kleinen Kindern? Das kann man so schön erleben. Die machen sich irgendwo weh, sind aber ganz tapfer. Und wenn man sie dann in die Arme nimmt und ihnen Mitgefühl zeigt, dann fliessen die Tränen. Und wie kann es sein, dass am Anfang des neuen Himmels und der neuen Erde steht: Gott wird abwischen alle ihre Tränen? Nun, Gott fühlt mit, so wie Jesaja 63,8 sagt: In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt. Und wenn wir dieses Mitgefühl Gottes, des Vaters und des Sohnes erleben, dann werden die letzten Tränen geweint, und Gott wird sie abwischen. Und dann kommt wirklich das Vollkommene, der Tag der Ewigkeit.
Die Gemeinde als Geheimnis in Gottes Heilsplan
Jetzt haben wir also eine Übersicht gehabt von 1. Mose bis Offenbarung, von der Schöpfung bis zur Neuschöpfung. Und wir haben gesehen, dass dieser ganze Zeitstrahl der Geschichte der Menschheit eingeteilt werden kann in sieben Zeitalter, die immer beginnen mit einem Bündnis: mit Adam, mit Noah, mit Abraham, mit Israel, mit David, mit Zedekia und schliesslich nochmals mit Israel.
Und jetzt kommt natürlich die Frage: Ja, und was ist mit der Gemeinde? Es geht ja nicht, dass man da in einer Gemeinde in Innsbruck über die Bibel spricht und dann spricht man nicht einmal über die Gemeinde. Irgendwie ein bisschen seltsam.
Nun, das Zeitalter der Zeitalter wird in Epheser 3 erwähnt. Dort heisst es: Gott sei die Ehre in der Gemeinde, in Christus Jesus, durch alle Generationen hindurch des Zeitalters der Zeitalter. Leider haben gewisse Übersetzungen übersetzt mit „in die Zeitalter der Zeitalter“. Das ist aber eindeutig falsch. Es ist dort Einzahl: alle Generationen des Zeitalters der Zeitalter.
Auf Hebräisch drückt man einen Superlativ, also die höchste Steigerung, zum Beispiel durch Wiederholung aus. Zum Beispiel das Lied der Lieder, das ist das Hohelied, Shir Hashirim; das Allerheiligste, das ist Kodesch Hakodaschim, das Heilige der Heiligen. Und das Zeitalter der Zeitalter, das ist das herrlichste Zeitalter.
Und das nennt Paulus in Epheser 3 ein Geheimnis, das im Alten Testament nicht mitgeteilt war und erst jetzt im Neuen Testament geoffenbart worden ist. Und dieses Geheimnis fiel genau in diese Zeit hinein, zwischen der 69. und der 70. Jahrwoche. Da kann man sich fragen: Warum diese lange, lange, lange Zeit? Israel zerstreut, kein Staat mehr, immer verfolgt, Krieg und Verwüstung über Jerusalem. Aber was ist eigentlich der Sinn dieser Zeit?
Nun, da hat Gott den Plan, den er von Ewigkeit her hatte, mit der Gemeinde realisiert. Als totale Überraschung: Das war im Alten Testament nicht vorausgesagt, es war ein Geheimnis, verborgen in Gott, sagt Epheser 3.
Und jetzt ist die Gemeinde da, und die Engelwelt schaut zu. Paulus sagt in Epheser 3: Durch die Gemeinde wird den Fürstentümern in der Himmelswelt die mannigfaltige Weisheit Gottes mitgeteilt. Die staunen über das, was Gott mit uns Menschen gemacht hat.
Also inmitten dieser Reiche der Zeit der Nationen die Gemeinde als Geheimnis eingefügt. Das wäre natürlich ein Thema für sich. Die acht Geheimnisse in den Paulusbriefen, die haben alle mit der Gemeinde zu tun: das Geheimnis der Vollzahl aus Nationen, das Geheimnis der Verwandlung, das Geheimnis seines Willens, das Geheimnis der Einverleibung der Nationen, das Geheimnis der Frau des Christus, das Geheimnis Christus in euch, das Geheimnis der Gottseligkeit, das Geheimnis der Gesetzlosigkeit. Alles in Verbindung mit der Gemeinde.
Dinge, die im Alten Testament verschwiegen waren, sind erst jetzt da. Im Alten Testament war klar: Da liegt eine lange Epoche von Katastrophen für das jüdische Volk. Aber in der gleichen Zeit würde die Gemeinde unter allen fünf Kontinenten realisiert werden. Und das begann mit Pfingsten, als der Heilige Geist kam, um in der Gemeinde zu wohnen. Das ist sensationell. Das hat es noch nie gegeben, dass der Heilige Geist in einem Volk, in jedem einzelnen Gläubigen, bleibend wohnt.
Im Alten Testament kam der Heilige Geist auf Propheten für eine Zeit, konnte wieder weggehen, wiederkommen. Jetzt bleibt er in der Gemeinde. Die Gemeinde ist der Tempel Gottes hier auf Erden. Fantastisch. Aber das soll nicht ewig dauern. Offenbarung 22 sagt: Der Geist und die Braut sagen: Komm! Der Heilige Geist wird mit der Braut wieder nach Hause gehen, und dann soll die Hochzeit geschehen.
Es ist die Braut verheiratet. In der Verlobungszeit lebt man getrennt, stimmt’s, lebt man getrennt. Und dann kommt die Vereinigung mit der Hochzeit. Und so wird der Herr Jesus wiederkommen, und der Geist und die Braut werden weggehen von der Erde. Also die Entrückung der Gemeinde, ein Geheimnis nach 1. Korinther 15: Siehe, ich sage euch ein Geheimnis. Das hat Händel so schön vertont im Messias: Behold, I tell you a Mystery, wunderbares Duett dort.
Ja, also da geht der Heilige Geist weg. Und in 2. Thessalonicher 2 sagt Paulus: Jetzt ist noch der, der zurückhält, bis er aus dem Wege ist, und dann kann der Gesetzlose offenbar werden. Also der Antichrist kann gar nicht sich manifestieren, sich zeigen, solange der Geist Gottes da ist auf der Erde. Dann geht er weg. Aber dort steht ja auch noch das, was zurückhält. Ja, natürlich: Geist auf Griechisch, Pneuma, ist ja sächlich, das Geist. Aber weil der Heilige Geist Gott ist, wird eben gesagt: bis der, der zurückhält.
Jetzt haben wir eine Übersicht gehabt über die ganze Bibel, die sieben Bündnisse und die sieben Heilszeitalter, und dann diese gewaltige Überraschung der Gemeinde. Jetzt wird auch deutlich: Die Gemeinde ist eigentlich im Heilsplan Gottes das Höchste. Das hat Gott einfach verschwiegen, es war ihm so kostbar, und erst als dann der Messias gestorben und auferstanden war, dann wurde es richtig enthüllt und umgesetzt, realisiert.
Das irdische Volk war ein Hinweis auf dieses himmlische Volk, und dazu dürfen wir gehören. Wenn man so über Israel spricht, dann kann man sehr schnell von Leuten bezeichnet werden, das sei ein Fanatiker, ein Israel-Fanatiker. Ja, aber es ist eine Überraschung, wenn man dann als sogenannter Israel-Fanatiker plötzlich sagt: Die Gemeinde ist das Höchste, höher als Israel in den Plänen Gottes. Das war ein Geheimnis, verborgen in Gott, und dann enthüllt.
Wenn man das so mal richtig versteht, dann wird das Thema Gemeinde etwas ganz Grandioses. Aber nicht so, dass dann Israel keine Bedeutung mehr hat. Alles an seinem richtigen Platz, und dann geht die Heilsgeschichte einfach wunderbar auf. Man staunt über diese Perfektion der Darstellung.
Schlusswort und Lobpreis
Jetzt möchte ich mit einem kurzen Wort aus Römer 11 schließen, Römer 11,33. Nachdem Paulus Gottes Wege mit Israel und der Gemeinde beschrieben hat, sagte er in Anbetung:
O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege. Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen, oder wer hat ihm zuvor gegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge. Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
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