Einführung in das Gleichnis und sein biblischer Bezug
Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 699
Das Gleichnis von den Weingärtnern, Teil 4
Der Herr Jesus schließt das Gleichnis von den Weingärtnern mit einem Zitat aus Psalm 118 ab. Markus 12,11-12:
Habt ihr nicht auch diese Schrift gelesen? Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen.
Wir müssen jetzt zuerst überlegen, wie wir von dem Gleichnis über boshafte Weingärtner zu diesem Bild von einem Stein kommen, den die Bauleute zuerst verwerfen, der dann aber durch Gottes Initiative zum Eckstein wird. Das verbindende Element ist die Verwerfung.
Die Weingärtner sehen den Sohn und werfen ihn aus dem Weinberg hinaus und töten ihn. Sie erkennen ihn nicht als den Sohn und damit erst recht nicht als den rechtmäßigen Erben an. Vielmehr denken sie, dass sie nach dem Tod den Weinberg in Besitz nehmen können, weil der rechtmäßige Erbe ja nicht mehr lebt.
Ähnlich wie dem Sohn des Weinbergbesitzers ergeht es dem Stein, den die Bauleute als unnütz verwerfen. Sie beurteilen den Stein, aber sie kommen zu dem Ergebnis: Mit diesem Stein können wir nichts anfangen.
Der verworfene Stein wird zum Eckstein
Und nun der Clou: Genau der Stein, der verworfen wird, wird zum Eckstein, also zum wichtigsten Stein des Gebäudes. Was unbrauchbar aussieht, ist unendlich kostbar und wertvoll.
Wie kann das sein? Vom Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen. Es ist Gott selbst, der hinter dieser Entwicklung steht. Aus menschlicher Perspektive ist das ganze Geschehen merkwürdig. Gott handelt auf eine ganz erstaunliche, überraschende Weise, über die wir nur staunen und uns wundern können.
Achtung: Der verworfene Stein wird nicht trotz, sondern mittels der Verwerfung zum Eckstein. Damit wird sichtbar, dass Gottes Heilshandeln nicht an menschliche Plausibilität gebunden ist, sondern seiner eigenen, souveränen Logik folgt.
Was will Jesus seinen Gegnern damit sagen? Er will, dass sie verstehen, was gerade passiert. Sie stehen nicht einfach vor einem Lehrer, den man annehmen oder ablehnen kann, sondern vor dem vom Weinbergbesitzer gesandten Sohn, vor dem Eckstein. Indem sie ihn verwerfen, handeln sie nicht außerhalb von Gottes Plan, sondern geraten, ohne es zu merken, genau ins Zentrum dessen, was im Alten Testament längst prophezeit worden war. Sie werden zu den Bauleuten in Psalm 118.
Die Verantwortung der Gegner und die Konsequenz ihrer Ablehnung
Und damit legt Jesus ihre Verantwortung offen. Wenn sie den Sohn ablehnen, hinauswerfen und töten, dann ist das eine bewusste Zurückweisung dessen, der im Namen des Herrn gekommen ist. Sie prüfen den Stein und halten ihn für ungeeignet. Und offenbaren damit doch nur ihr Unwissen und ihr eigenes unbussfertiges Herz.
Und so wird das, was Jesus hier sagt, zugleich Einladung und Warnung. Einladung, weil sie noch erkennen können, wer er ist. Noch ist Zeit, das Urteil über diesen Rabbi aus Nazaret zu korrigieren. Aber es ist eben auch eine deutliche Warnung. Wer den Stein verwirft, baut nicht nur falsch, sondern verliert damit auch Anteil an dem neuen Bau, den Gott errichten wird und dessen Eckstein Jesus sein wird. So jemand verliert das Reich Gottes.
Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird. Noch direkter geht es kaum. Das Reich Gottes wird von euch weggenommen werden. Das ist die logische Konsequenz. Oder, im Bild des Gleichnisses: Matthäus 20,41. Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit.
Das hier ist die Logik des Gleichnisses aus dem Mund seiner Feinde. Was soll Gott auch tun? Er schickt die Propheten, und am Ende den Sohn, und niemand reagiert. Ja, schlimmer noch: Sie töten den Sohn. Was soll Gott tun? Die einzig logische Folge muss sein: Weg mit den ersten Weingärtnern. Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und dann her mit neuen Weingärtnern.
Der Bund mit Israel und die Forderung nach Frucht
Matthäus 20,43: Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird.
Jesus spricht hier zu den Vertretern der jüdischen Aristokratie, die das Volk Israel repräsentieren. Vermutlich stehen zahlreiche Mitglieder des Hohen Rates vor ihm, und denen muss er mitteilen: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen.
Der alte Bund war mit dem Volk Israel geschlossen worden. Sie hatten das Reich Gottes erhalten, das Volk Israel war zu Gottes Besitz geworden.
5. Mose 14,2: Denn ein heiliges Volk bist du dem Herrn, deinem Gott, und dich hat der Herr erwählt, dass du ihm zum Volk seines Eigentums wirst, aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind.
Warum hatte Gott das Volk erwählt? Antwort: Aus reiner Liebe und aus Treue zu den Vorvätern.
5. Mose 7,6.8: Denn du bist dem Herrn, deinem Gott, ein heiliges Volk. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt, dass du ihm zum Volk seines Eigentums wirst, aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind, wegen der Liebe des Herrn zu euch und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen hat. Der Herr hat euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Sklavenhaus, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.
Aber wie das häufig bei Verheißungen ist, gibt es auch Bedingungen. Und die hören sich so an:
2. Mose 19,5: Und nun, wenn ihr willig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, dann sollt ihr aus allen Völkern mein Eigentum sein, denn mir gehört die ganze Erde.
Merkt: Wenn ihr willig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, dann heißt das, wenn sie die Rechtsbestimmungen des alten Bundes bewahren und tun, wird Gott ihnen den Bund und seine Güte auch bewahren. Aber wenn sie das nicht tun, wird Gott sich gegen sie wenden und sie vernichten.
Und genau dieser Moment war jetzt gekommen. Sie hatten den Bogen überspannt.
Gottes Suche nach Frucht und der abschließende Ruf zur Besinnung
Gott suchte die Früchte, die ihm als Besitzer des Weinbergs zustanden. Er wollte Recht und Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Glauben und Bundestreue. Er wollte, dass seine Boten gehört werden und sein Sohn angenommen wird. Er wollte, wir erinnern uns an das Gleichnis von den zwei Söhnen, mehr als verbale Zustimmung. Er wollte Taten sehen.
Gott suchte Herzen, die ihn suchen. Er suchte nach Menschen, die ein Leben führten, das ihn als den Gott offenbart, der sie heiligt. Aber all das hatte Israel ihm vorenthalten. Und so kann Jesus seinen Feinden nur prophezeien, was auf Israel zukommen wird: Matthäus 21,43.
Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird.
Was könntest du jetzt tun? Lies doch die Bibelstellen aus dem Alten Testament noch einmal nach, auch die, auf die ich im Skript zusätzlich verweise. Das war's für heute. Denke darüber nach, wie du den Gottesdienst und vor allem die Predigt vom Sonntag nachbereiten willst.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden! Amen.
