Serie•Teil 9 / 9Ilvesheim 2015 - 1. Korintherbrief Kapitel 12-14
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einordnung des Themas und erste Beobachtungen
Jetzt bei diesem Punkt: Arabisch 4, Anweisung betreffend der Beiträge der Frauen, Verse 34 bis 35.
Wir lesen: Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen eure Frauen in den Versammlungen schweigen, denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden. Sie sollen in Unterordnung sein, so wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie etwas lernen wollen, sollen sie zu Hause die eigenen Männer fragen; denn es ist für Frauen schändlich, in der Versammlung, also in der Gemeindeversammlung, zu reden.
Das ist ja ein recht diskussionsgeladener Vers. Es ist schon viel darüber geschrieben worden, denn Paulus gibt hier einige Begründungen. Er sagt zuerst: Die Frauen sollen schweigen. Vorher hat er ja gesagt, alle haben Beiträge, ungefähr 26. Jeder, jeder, jeder hat etwas: der eine hat das, der andere hat das, und sie können alle reden, zwei oder drei. Und sie können Propheten, zwei oder drei. Aber jeder könnte als Prophet reden, Vers 31. Ihr könnt alle einzeln weissagen, damit alle lernen und alle aufgerufen werden.
Also kommt ganz oft dieses „jeder und alle“ vor. Und die ganz logische Frage, die sich jetzt sofort stellt, ist: Und die Frauen? Die Frauen auch? Bei den Juden durften die Frauen in der Synagoge nicht reden, das war absolut verboten. Was sagt Paulus? Paulus sagt: Die Frauen sollen schweigen.
Er sagt als erste Begründung: so, wie es in allen Gemeinden der Fall ist. Übrigens ziehen manche Bibelübersetzungen diesen Teil, „wie in allen Gemeinden der Fall ist“, zu dem Satz in Vers 33 am Anfang. Das ist grammatikalisch schon möglich, nur vom Zusammenhang her ist es eigentlich nicht so einfach, ja, fast unmöglich. Denn auch die Ausleger, die ich da jetzt gefragt habe, die Grammatikwerke und so weiter, sagen: Rein vom Zusammenhang her macht es eigentlich klar, dass es nicht darum geht, dass Gott ein Gott des Friedens in allen Gemeinden ist. Ja, was soll das? Ist Gott ein Gott des Friedens in allen Gemeinden? Natürlich ist Gott ein Gott des Friedens in allen Gemeinden. Das wäre eine nichtssagende Aussage.
Wenn es aber zu dem nächsten Satz gezogen wird, also: Wie in allen Gemeinden der Fall ist, sollen auch bei euch die Frauen schweigen, dann versteht man, dass es in Korinth Probleme gab und sie ausgeschert sind. Das heißt, es gab einen Konsens unter den Gemeinden, aber die Korinther haben nicht mitgemacht. Nicht nur beim Reden der Frauen, auch bei anderen Dingen nicht. In 1. Korinther 11 spricht er auch noch andere Sachen an, wo die Korinther ausgeschert sind.
Also sagt er, um das zu erhärten, was er sagt: Es ist in allen Gemeinden so. Und in Vers 36 sagt er zu den Korinthern: Oder ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist es zu euch allein gelangt? Seid ihr die einzigen, die die Wahrheit gepachtet haben? Seid ihr die einzigen, die sagen, wie es richtig ist?
Also argumentiert er hier mit den Korinthern: Macht es doch bitte so, wie es in allen Gemeinden der Fall ist.
Die Ordnung der Gemeinden als Maßstab
Das Zweite, was er sagt, ist: Es entspricht dem Gesetz. Er sagt, wie es auch das Gesetz sagt, in Vers 34 am Ende, so wie auch das Gesetz sagt. Das heißt, das Gesetz hat eine Ordnung gegeben, und das hat Gott nicht aufgehoben.
Die Ordnung ist, dass der Mann das Haupt der Frau ist und dass die Frau dem Mann untergeordnet ist. Das steht schon vor dem Sündenfall. Die Frau wurde als Gehilfin dem Mann zugesellt, an die Seite gestellt, um von ihm geliebt zu werden und um ihm in seiner Arbeit zu helfen, aber als untergeordneter Teil.
Das heißt, sie ist nicht weniger wert, aber sie hat eine andere Rolle. Wenn man so sagen will, hat sie eine andere Funktion. Es hat also nichts mit Wertigkeit zu tun, sondern es geht darum, wie es funktioniert.
Jemand hat mal gesagt, ich glaube, das war Wilhelm Pahls: Du hast ein Pferd und du hast einen Wagen, und es kostet genau beides gleich viel, aber du kannst trotzdem nicht einfach den Wagen vor das Pferd spannen. Also einer muss ziehen. Obwohl beide gleichwertig sind, muss einer vorne ziehen, und in dem Fall ist es das Pferd.
Und genau so ist es auch in der Ehe. Du hast zwei gleichwertige Partner, aber einer muss vorne stehen, sonst geht es nicht. Das ist heute natürlich völlig anders in der Gesellschaft. Deshalb haben wir ja die Probleme, weil wir seit hundert Jahren eine Emanzipationsbewegung haben. Wir sind natürlich geprägt, das Pendel schlug in die andere Richtung. Vorher wurden die Frauen richtig unterdrückt. Das war der Grund für die Emanzipationsbewegung: die Unterdrückung der Frauen durch nicht liebende Männer. Und dann schlug das Pendel in die andere Richtung, und wir haben heute damit zu schaffen.
Aber es ist gesund, wenn wir uns jetzt die biblische Mitte suchen. Und die biblische Mitte ist sehr schön. Der Mann liebt die Frau über alles, und er tut alles für die Frau, und er ist bereit, für sie zu sterben, so wie Jesus Christus bereit ist, für die Frau zu sterben. Und sie unterordnet sich ihm.
Das ist ihre Rolle in der Ehe. Und nicht nur in der Ehe hat sie eine untergeordnete Rolle. Auch dort, wo sie in der Gesellschaft, wo in der Gemeinde, jetzt hier öffentlich die ganze Gemeinde versammelt ist, also es geht um etwas Öffentliches, um etwas Größeres, nicht um meine Telefonzellengemeinde, dort schweigt sie und zeigt durch ihre Unterordnung.
Der Rahmen der öffentlichen Versammlung
Dann kommen nähere Erläuterungen über den Umfang des Schweigens. Er sagt dann in Vers 35: Wenn sie etwas zu lernen wünschen, sollen sie zu Hause die eigenen Männer fragen.
Also sehen wir hier schon, dass er zwischen Zuhause und Gemeinde unterscheidet. Damit meint er nicht das Gemeindehaus, das ist falsch. Er meint die Versammlung. Er stellt die Versammlung gegenüber, wenn die ganze Versammlung an einem Ort zusammenkommt. Das ist etwas Öffentliches.
Wir sind ja immer noch bei dem, was er sagt, und das ist immer noch abhängig von Vers 23 und Vers 26. Was haben wir da gelesen? Vers 23: Wenn also die ganze Gemeinde am selben Ort zusammenkäme. Vers 26: Wie ist es also, Brüder, wann immer ihr zusammenkommt, dann ist das und das und das.
Und es gibt Regelungen, und die Regelungen sind nur vernünftig, wenn das eine größere Schar ist. Sonst sind sie nicht vernünftig. Wenn es nur drei Leute sind, dann kann man nicht sagen, es sollen bitte nur zwei oder drei reden. Nein, was denn sonst? Wenn nur drei da sind, können nur drei reden. Es geht also um eine große Gruppe.
Und dort, in dieser regelmäßigen Versammlung, wo die ganze Gemeinde zusammen ist, hat die Frau hier einen ganz besonderen Platz, und ihr Platz ist nicht der des öffentlichen Redens. Gemeint ist natürlich das Reden vor den anderen. Das ist klar nicht das Private, also jemandem aus der Nachbarschaft etwas sagen oder gemeinsam singen. Darum geht es nicht. Das ist nicht das Thema. Es geht um das Sprechen vor anderen, so dass sie praktisch nur ihre eigene Stimme hört und vor den anderen redet.
Er sagt: Wenn sie Fragen haben. Das zeigt jetzt den Umfang des Schweigens. Es bezieht sich nicht nur, wie man vielleicht meinen könnte, auf das Beurteilen. Also nicht nur darauf, dass die anderen beurteilen sollen und die Frauen beim Beurteilen schweigen. Nein, auch beim Fragenstellen sollen sie schweigen. Sie sollen also keine Fragen stellen, sondern sie sollen sie privat stellen, das heißt zu Hause dem Ehemann. Und wenn sie keinen Ehemann hat, dann gibt es sicher andere Männer oder Gemeindeleiter oder sonst jemanden, den man ebenfalls privat fragen kann.
Und die dritte Begründung, oder der dritte Satz, den er hier in Vers 35 sagt, lautet: Denn es ist schändlich. Auch das ist eine Begründung: Denn es ist schändlich.
Der Konflikt zwischen Empfinden und Schrift
Das ist jetzt für uns schwierig, oder? Denn wir empfinden das ja nicht mehr als schändlich. Wir haben uns so daran gewöhnt. Die ganze Gesellschaft hat sich in den letzten hundert Jahren so stark gewandelt, dass wir das heute überhaupt nicht mehr als schändlich empfinden, wenn eine Frau in der Öffentlichkeit spricht. Im Gegenteil: Wir haben eine Bundeskanzlerin, und wir haben andere Politikerinnen.
Aber die Schrift sagt es, und da müssen wir jetzt lernen, uns wieder der Schrift zu beugen. Das heißt: Wenn die Schrift sagt, es ist schändlich, dann darf ich nicht einfach sagen, ich empfinde es aber nicht als schändlich. Einer sagt: Ich gehe auf den FKK-Strand, und ich empfinde das nicht als schändlich. Wenn ich es nicht als schändlich empfinde, dann ist es nicht schändlich. Das stimmt nicht. Auch dann, wenn ich es nicht als schändlich empfinde, ist es schändlich. Also muss ich hier ganz bewusst sagen: Nein, Gott sagt es anders. Das heißt, ich muss hier lernen, mein Empfinden zu ändern.
Bruder Herbert Janssen habe ich heute einen Artikel gelesen, und ich habe jetzt gesagt, da hat er über Fragen zum Reden der Frau geschrieben. Da habe ich gesagt, das werde ich jetzt als Folie noch schnell machen, weil ich finde das sehr gut, die Fragen, die er hier gestellt hat. Also, das sind auch Fragen, die uns kommen.
Erste Frage: Worauf bezieht sich dieses Schweigen? Auf alles oder nur auf einiges? Da müssen wir auf den Text schauen. Ich habe hier keine Antwort dazu. Da müssen wir auf den Text schauen. Das heißt, wir müssen uns überlegen: Meint jetzt der Apostel, die Frau soll nur schweigen in Bezug auf das Zungenreden? Oder meint er, sie soll nur schweigen in Bezug auf das Prophezeien? Oder meint er, sie soll nur schweigen in Bezug auf das Übersetzen der Zungenrede? Oder meint er, sie soll nur schweigen in Bezug auf das Beurteilen der Prophetie? Oder was? Nur, da ringen ja die Ausleger, wenn man heute verschiedene Ausleger liest. Da ringen sie darum.
Interessant ist: Früher, die älteren Ausleger, die hatten kein Problem. Die sagen, das bezieht sich auf den Zusammenhang. Und der Zusammenhang ist ja klar. Der Zusammenhang ist das, was er erwähnt hat: Dort, wo immer steht, jeder kann beitragen, dort schränkt dieses Jeder jetzt ein auf die Männer. Aber die moderneren Ausleger, nicht alle, aber viele von den moderneren Auslegern, die haben da Schwierigkeiten. Warum? Weil sich die Kultur gewandelt hat, und jetzt hat man mit dem Bibeltext Schwierigkeiten. Ist ja klar: Wenn die Kultur anders ist und der Bibeltext nicht mehr in die Kultur passt, dann ringt man mit dem Bibeltext. Als die Kultur noch anders war, hatte man das einfach akzeptiert und fertig. Das heißt, das Problem heute ist: Die Kultur hat sich gewandelt.
Herbert Jansen fragt: Haben Paulus nicht Kulturrücksichten bestimmt, so dass das Gebot zeitlich begrenzt wäre, also nur in der Kultur, wo die Frauen sowieso nicht reden dürfen, dort ist das so zu tun, wie es in der Bibel steht? Dann fragt er: Nach welcher Kultur soll man sich denn richten, wenn mehrere in der Umgebung vertreten sind? Nach der islamischen, nach der deutschen alten, nach der deutschen neuen? Seit 1968 haben wir eine Kulturrevolution. Jetzt haben wir eine alte Kultur und eine neue Kultur. Nach welcher sollen wir uns jetzt richten? Nach vor 68 oder nach 68? Nach welcher sollen wir uns richten? Wie soll man sich verhalten, wenn die Kultur im Wandel begriffen ist, wenn sich die Kultur ständig ändert? Sollen wir uns dann auch ständig ändern? Wie soll man das machen? Gibt es eine christliche Kultur? Oder nicht?
Ich würde sagen: Ja, es gibt eine christliche Kultur. Die hat sich sogar sehr stark festgesetzt in Europa, bis dann eine Kulturrevolution kam, die die christliche Kultur wieder abgewandelt hat in eine andere Kultur. Das heißt also, wir müssen Acht geben: Das Kulturargument ist kein gutes Argument. Vor allem, weil ja Paulus auch nicht von der Kultur her argumentiert, sondern anders. Wir kommen gleich darauf.
Macht es einen Unterschied, wenn wir erfahren, dass Kulturen nicht nur vom Gewissen, sondern auch von Lehren von Dämonen, aber auch von Gott bestimmt werden? Wir erfahren ja in der Bibel, dass Kulturen verschieden bestimmt werden. Das heißt, eine Kultur: Was ist eigentlich eine Kultur? Eine Kultur ist eine Gepflogenheit. Das heißt: Wie kleidet man sich, wie redet man, wie singt man, wie lebt man, wie verbringt man den Sonntag, wie lebt man in der Gesellschaft, welche Rollen haben Männer und Frauen usw.? Das alles ist Kultur.
Und jetzt ist es so, dass Kulturen nicht nur vom Gewissen des einzelnen Menschen bestimmt werden, sondern die Kulturen werden ja auch bestimmt von Lehren von Dämonen. Das heißt, die Dämonen schlafen nicht. Die Dämonen sind sehr interessiert, wie sich die Welt entwickelt, und sie wollen ihre Gedanken einfließen lassen in die Politiker zum Beispiel. Neomarxisten wollen jetzt zum Beispiel, dass allen Europäern klar ist: Es gibt keine absolute Wahrheit. Keine absolute Wahrheit. In Sachen Religion darf niemand sagen, das ist absolut wahr. In Sachen Religion muss man alles tolerieren und sagen, es gibt mehrere Wahrheiten, was natürlich logisch gar nicht geht, wenn sie sich widersprechen, oder? Aber man muss das alles stehen lassen. Es geht nicht.
Oder wenn irgendwelche meinen, die Homosexuellen gehörten gleichberechtigt wie die Ehe usw., dann wandelt sich ja die Kultur. Und das sind Lehren von Dämonen. Das lernen wir von Paulus in 1. Timotheus 4,1, dass Dämonen also Lehren in die Welt setzen. Infolgedessen werden also Kulturen heute nicht nur vom Gewissen bestimmt, sondern auch von Lehren von Dämonen bestimmt.
Und jetzt ist die Frage: Sollen wir Christen uns beugen unter die Lehren der Dämonen? Sollen wir klein beigeben und sagen: Ja, okay, lassen wir es so, wie die Dämonen das eingerichtet haben? Oder sollen wir den Mut haben und sagen: Nein, aber was sagt denn die Schrift? Von daher sind diese Fragen, diese Frauenfragen zum Beispiel jetzt mit der Rolle der Frau, so heiß diskutiert unter den Christen, weil die Christen jetzt mit der Zeit irgendwie weich werden und sagen: Wir können doch nicht ewig die von gestern sein und so anders wie die anderen, dass sie nur noch lachen über uns.
Wer sollte besser wissen, was sich unter Christen geziemt: der durch die Apostel sprechende Christus oder die Welt? Was geziemt sich eigentlich? Was ist kulturell richtig? Christus darf es sagen. Das heißt, Apostel Paulus spricht ja im Auftrag von Christus. Das ist ja nicht die Meinung von Paulus, was wir jetzt gelesen haben. Das ist ja die Meinung von Jesus Christus. Oder sollen wir hören auf die Welt, wenn die Welt sagt, es ist nicht schändlich, dass eine Frau öffentlich spricht, und der Christus sagt, es ist schon schändlich? Es ist die Frage: Worauf hören wir?
Weitere Einwände und ihre Prüfung
Müssen wir jetzt entscheiden? Nächste Frage: Betrifft die Anweisung etwa nur das störende Reden der Frauen untereinander? Da gibt es die These, in Korinth habe es das Problem gegeben, dass die Frauen einfach gestört hätten, und Paulus gebe jetzt hier eine ganz klare Anweisung: Die Frauen sollen einfach schweigen.
Jetzt müssen wir aber Acht geben. Man muss nicht, ich habe hier das gerade notiert, allen Frauen das Reden verbieten, nur weil einige stören. Paulus hätte doch sagen können: Liebe Geschwister, ich will, dass die Frauen, die stören, ruhig sind. Und die anderen Frauen, die ruhig reden, sollen weiterreden. Aber die Frauen, die stören, die bekommen ein Mundverbot. Oder er hätte auch sagen können: Geschwister, das ist nicht christlich, das ist nicht liebevoll, hört auf zu stören. Fertig. Das hätte er ganz weise und liebenswürdig sagen können.
Übrigens können Kinder auch stören, und Männer können auch stören. Alle Leute können in der Gemeinde, in der Versammlung, stören. Für einen solchen Missstand ist die Sprache hier viel zu allgemein und zu stark. Ein Verweis des verständnisvollen Apostels hätte da genügen können. Also, das passt wohl nicht, diese These.
Andere Frage: Aber in 1. Korinther 11 steht doch ganz klar, dass die Frau beten darf und reden darf und prophezeien darf und so weiter, wenn sie das Haupt bedeckt. 1. Korinther 11, Verse 2-16: Paulus hat doch einen ganzen Abschnitt darüber gesprochen, wie die Frau sich zu verhalten hat, wenn sie betet und weissagt. Also ist doch ganz klar: Die Frau darf beten und weissagen, das ist entsprechend.
Richtig, hat er gesagt. Aber von einer Versammlung ist in 1. Korinther 11 überhaupt nicht die Rede. Von einer Versammlung ist erst die Rede ab Vers 17 in 1. Korinther 11, nach dem Abschnitt über die Kopfbedeckung. Dann spricht er von dem Zusammenkommen. Ich darf das vielleicht zitieren: 1. Korinther 11,17: Während ich dieses anweise, lobe ich nicht, dass ihr nicht zum Besseren, sondern zum Schlimmeren zusammenkommt. Denn erstens höre ich: Wenn ihr zusammenkommt in der Gemeinde, also in der Versammlung, dann sind Spaltungen unter euch vorhanden, und zum Teil glaube ich es auch, und so weiter.
Das heißt, jetzt kommt er zu dem Thema Spaltungen, wenn sie zusammenkommen. Vorher hat er nur über Haupt und Mann und Frau, Christus und Gott, also die vier Häupter, gesprochen, oder drei Häupter vielleicht: Der Mann ist Haupt der Frau, Christus ist Haupt des Mannes, und Gott ist Haupt Christi. Da spricht er also in ganz allgemeiner Art. Erst in Vers 17 kommt Paulus zum Thema Missbräuche in der versammelten Gemeinde. Vorher bespricht er grundsätzliche Dinge.
Also, ich habe hier notiert: Von einer Versammlung ist in 1. Korinther 11 nicht die Rede. Wenn ein Reden der Frau in 1. Korinther 14 verboten ist, so gibt es außerhalb der Zusammenkunft doch reichlich Gelegenheit, zu beten und zu weissagen und sonstige Sachen zu reden. Das heißt, die Frau darf sehr wohl reden. Es ist ihr erlaubt, zu reden. Aber an einem Punkt soll sie nicht reden: Wenn die ganze Versammlung an einem Ort zusammenkommt, dann gibt es Regelungen. Zwei oder drei und so weiter. Da gibt es eine ganze Reihe Regeln, und die letzte Regel ist, was die Frauen betrifft: Sie sollen schweigen.
Also muss man Acht geben, in welchem Rahmen schweigt sie, und in welchem Rahmen kann die Frau reden. 1. Korinther 11 ist der allgemeine Rahmen, da kann sie natürlich reden und weissagen. Übrigens haben sich die Christen an verschiedenen Orten getroffen. Auch am Montag, auch am Dienstag. Man war nicht so im Beruf eingespannt. Mann und Frau waren berufstätig? Das war gar nicht der Fall. Die Frauen waren gar nicht berufstätig, die hatten also viel Zeit, sich zu versammeln. Da gab es Gebetskreise, da gab es, auch die Männer übrigens, waren nicht so stark im Beruf eingespannt, dass man von morgens um sieben Uhr bis abends um sieben Uhr unterwegs war. Sondern das Leben hat sich viel mehr auf der Straße abgespielt, noch dazu im Orient, in Korinth sowieso, im Vorderen Orient und Griechenland.
Also, das heißt: Christen haben sich oft getroffen, und Gelegenheit zur Zusammenkunft gab es oft. Ich erinnere mich, wir waren in Rumänien. Wir kamen da in den Ort, wo die Zigeuner waren, und dann haben die Zigeuner uns gesehen, die kannten uns schon: Thomas und Max sind da. Und dann sind sie ein bisschen herumgelaufen, in zehn Minuten haben wir eine Versammlung. Die kamen da aus ihren Häusern zusammen, die die Zeit hatten, und dann hatten wir eine Versammlung, da waren wir alle zusammen. So stelle ich mir das auch vor in Griechenland. Jedenfalls dürfen wir nicht meinen, dass es nicht reichlich Gelegenheit gegeben hat, sich zu treffen und zu beten und zu weissagen.
Der Unterschied zwischen 1. Korinther 11 und 1. Korinther 14 ist nicht zwischen großer und kleiner Versammlung, sondern zwischen Versammlungen. Die regelmäßige Versammlung galt als regelmäßige Versammlung, das war meistens eine in der Woche, und sonstige Begegnungen, ob groß oder klein, ob im Freien oder im Haus oder am Strand oder sonst irgendwo, ob geplant oder ungeplant. Das heißt, es gab gewisse Versammlungen, die hatten so stark Öffentlichkeitscharakter, öffentlich in dem Sinn, dass viele Leute da waren, dass man gesagt hat: Da ist es schändlich, dass die Frau spricht. Und nur da hat sie geschwiegen.
Der Zusammenhang von Beurteilung, Fragen und Lernen
Weiters noch eine Frage: Ist das Redeverbot der Frauen auf die Teilnahme an der Bewertung oder Beurteilung der Weissagung zu beschränken? Das klingt recht plausibel. Manche Ausleger sagen: Schau, das Schweigen der Frau bezieht sich doch nur auf das Beurteilen der Prophetie.
Diese Lösung scheint also recht plausibel. Aber dieser Text vom Schweigen passt genauso in den grösseren wie in den kleineren Zusammenhang. Der kleinere Zusammenhang wäre ja der Vers gerade vorher, Vers 31 war das, Kapitel 14, Vers 31 und 29. 29 vorhaben, die anderen sollen urteilen. Oder der grössere Zusammenhang geht bis zurück zu Vers 26. Und dieser Text passt so oder so.
Es bleibt offen. Gut, aber jetzt ist daran zu erinnern, dass es Paulus nicht nur um das Urteilen geht, sondern dass es ausdrücklich auch um ein Lernen geht. Denn er spricht von Fragen stellen, Fragen stellen, wenn sie etwas lernen wollen. Wo sollen sie die Fragen stellen? Nicht in der Gemeindeversammlung. Es geht also nicht nur um Beurteilen, es geht auch um Fragen stellen. Das zeigt: Der Zusammenhang ist nicht nur das Beurteilen von Prophetie, der Zusammenhang ist auch Lernen.
Zudem gibt der Text keinerlei Anlass zu einer Annahme, dass das Prüfen der Weissagung in Form eines öffentlichen Gesprächs stattfand, das habe ich schon gesagt. Wenn er sagt, die anderen sollen prüfen, heisst das nicht, die anderen sollen sprechen beim Prüfen. Jeder soll beurteilen. Also diese These, dass es doch das Redeverbot nur auf das Beurteilen zu beschränken ist, ist eigentlich nicht haltbar.
Jetzt ist die nächste Frage: Ja, und wie ist es mit dem Beten? Ist das öffentliche Beten denn noch im Redeverbot auch noch eingeschlossen? Nun, grundsätzlich ist das Beten ja auch etwas Öffentliches, wenn es in der grossen Versammlung geschieht. Es ist eindeutig etwas Öffentliches. In 1. Korinther 11 wird es mit Weissagen gepaart. Da sagt er: Wenn die Frau betet oder weissagt, dann soll sie sich den Kopf bedecken. Das heisst, 1. Korinther 11 stellt ihr Beten und Weissagen so nebeneinander, als ob sie zusammengehören, auf einer Stufe. Und das soll uns natürlich zu denken geben, oder? Das heisst, wenn er Beten und Weissagen so nebeneinander stellt.
Und ausserdem: Das Nächste wäre dann doch ja, und wie ist das mit dem Liedersingen, das Sologebet oder das Sololied, wie ist es da, wenn sie jetzt ein Lied, ein Gebet singt? Müsste sie sich nach 1. Korinther 11 genauso bedecken und nach 1. Korinther 14 dort genauso schweigen? Das heisst, wenn wir uns Gedanken über dieses Thema machen, müssen wir uns ganz intensiv mit dem Text auseinandersetzen und uns überlegen, was hier wirklich alles gemeint ist.
Zungenreden ist eingeschlossen. Und was ist Zungenreden? Zungenreden ist ein Beten. Also wenn jetzt eine Frau gerne Zungen reden würde in der grossen Versammlung, dann darf sie das nicht, denn Paulus sagt, sie soll schweigen. Jetzt sagt sie: Okay, also auf Finnisch darf ich nicht beten, darf ich auf Deutsch beten? Es steht nicht da im Text, Paulus das Gebet erwähnt er nicht, ja, aber wir müssen uns einfach Rechenschaft ablegen von dem.
Es geht nicht darum, dass ich meine Meinung einfach sage, sondern wir müssen ringen mit dem Text. Das heisst, wir müssen schauen, was steht eigentlich im Text geschrieben? Und wenn wir uns so diese Fragen stellen, deshalb habe ich das bewusst jetzt so gemacht: Fragen stellen und jetzt versuchen, auf diese Fragen einzugehen. Jeder von uns muss ringen darum, um eine Klarheit: Was ist hier gemeint?
Und ich denke, wenn wir ringen, wird der Herr uns zu seiner Zeit eine Harmonie, also einen Konsens geben, dass wir verstehen: Der stimmt eigentlich, der Text sagt eigentlich genau das. Aber wir müssen uns Rechenschaft ablegen. Wir dürfen nicht über die Schrift hinausgehen und sagen: Mir passt das nicht, ich mache es jetzt einfach anders. So geht es nicht. Aber wir müssen uns ganz klar, ganz scharf in den Text hineinversetzen und schauen, was steht im Text? Das ist unsere Aufgabe. Jeder Christ muss das tun.
Die Hauptleiter der Versammlung sind hier natürlich ganz zuerst gefragt. Die müssen hier am meisten arbeiten, aber die anderen auch.
Der Blick auf 1. Timotheus und die Rolle der Männer
Dann zum Beten noch: Es ist interessant, es gibt noch einen Vergleich. In 1. Timotheus 2 spricht ja der Apostel weiter über das Beten. Es ist ja nicht nur hier diese Stelle über das Beten, 1. Timotheus 2,1. Im 1. Timotheusbrief werden Anordnungen gegeben über die Gemeindeversammlung, und zwar heißt es dort in 1. Timotheus 2: Wir versuchen, 1. Timotheus 2: Wir ersuchen euch aber ... Nein, ich bin im falschen Brief, Entschuldigung.
Vor allem lege ich dir nahe, dass Flehen, Gebete und Fürbitten und Dank für alle Menschen dargebracht werden. Wo? Paulus, der Missionar, schreibt an Timotheus, den Missionar, er soll schauen, dass es in den Gemeinden recht zugeht. Und jetzt sagt er: Vor allen Dingen schau dazu, dass Flehen, Gebete, Fürbitten und Dank für alle Menschen dargebracht werden, und für Könige und so weiter und so weiter.
Er ist verantwortlich dafür, dass in den Gemeinden, dort, wo du jetzt hingestellt bist, in Ephesus, in Milet, in Troas, in dieser ganzen Gegend, wo Timotheus dort jetzt verantwortlich war, solange Paulus weg war, dort musste er jetzt dazuschauen, dass es gut und richtig abläuft in den Gemeinden. Denn Gott ist ein Gott der Ordnung, und er ist nicht ein Gott der Unordnung und des Unfriedens. Also es soll Ordnung geben. Timotheus als Missionar hat hier also zu sorgen dafür, was geschieht in den Gemeinden.
Und dann sagt er in Vers 8: Es ist also mein Wille, dass die Männer an jedem Ort beten, an jedem Ort. Was meint er? Er meint nicht im Wohnzimmer und im Badezimmer und im Klo und auf der Arbeit, am Feld, das ist nicht gemeint, sondern in Troas und in Milet und in Ephesus, an diesen Orten, wo eben Timotheus verantwortlich war. Überall, wo die Christen sich trafen zum Gebet, dort sollten die Männer beten.
Wieso sagt er das? Weil die Männer so höflich sind und so bequem, und sie reden halt nicht so schnell. Denn die Frauen sind viel schneller mitreden. Die Frauen haben ein besseres Sprachzentrum, hat Gott ihnen in das Gehirn hineingelegt. Deshalb sprechen wir auch von einer Muttersprache und nicht von der Vatersprache. Die Frauen haben die Aufgabe, den Kindern das Sprechen beizubringen, und Gott hat sie besonders ausgerüstet mit einem speziellen Sprachcomputer. Die Männer sind einfach langsamer, die brauchen dreimal so lange, um das richtige Wort zu finden, die Frau hat es schon längst gesagt. Die Männer müssen jetzt, denen muss man helfen: Ihr müsst beten. Also die Männer sollen beten.
Es ist mein Wille, dass die Männer an jedem Ort beten, und wenn sie beten, dann sollen die Hände, die sie aufheben, heilig sein, sagt er, und nicht unheilig. Das ist ja auch so eine Sache bei Männern, dass die Hände unheilig sein könnten, und auch ohne Zorn und ohne Zweifel. Das sind die zwei Probleme der Männer: entweder zornig oder unsicher, Zweifel. Weg mit dem Zorn und weg mit dem Zweifel.
Und was sollen die Frauen? Die Frauen, von denen will ich, dass sie sich selbst in schicklichem Betragen schmücken und so weiter, verbunden mit Zurückhaltung. Schamhaftigkeit steht bei Ihnen vielleicht, das Wort ist scheu, Schamhaftigkeit, Sittsamkeit, Bescheidenheit, Zurückhaltung. Das Wort heißt also: Die Frau soll sich zurückhalten, die Männer sollen hervor, sollen beten. Und Vers 11: Eine Frau lerne in der Stille, das ist genau gleich wie 1. Korinther 14. Die Frau lerne in der Stille, die Männer sollen beten, die Männer müssen lernen, die Verantwortung zu übernehmen in der großen Versammlung, also in der regelmäßigen Versammlung.
Wenn die Versammlung keine ist, dann ist die Sache natürlich ganz anders. Das heißt, wenn die Versammlung nicht die regelmäßige Versammlung ist, sondern nur ein Hauskreis oder sonst ein Gebetskreis oder irgendetwas ist, ist das ganz etwas anderes. Also, ich stelle das in den Raum. Ich mache hier keine Vorschläge, sondern es geht uns darum, dass wir mit dem Text ringen müssen und schauen, was der Text sagt und was eigentlich der Apostel hier sagt.
Ist dann das Mitsingen auch verboten? Das geht ja gar nicht um das Mitsingen hier. Vom Zusammenhang her geht es um ein Sprechen vor anderen, es geht nicht um ein Chorgebet oder Chorgesang, sondern es geht um das Alleine, das man vor den anderen alleine ausübt, so dass man nur seine eigene Stimme hört, die anderen horchen jetzt zu. Das ist gemeint in diesem Zusammenhang in 1. Korinther 14.
Also, nachdem ich das jetzt so ... Da ich schon meine Zeit überzogen habe, will ich hier schließen.

