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Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl – Teil 3

Jesu Leben und Lehre, Teil 702/703
22.04.2026Matthäus 22,6-9
SERIE - Teil 702 / 703Jesu Leben und Lehre

Einleitung und thematische Verbindung

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 704: Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl, Teil 3.

In der letzten Episode habe ich gezeigt, dass es eine thematische Verbindung zwischen dem Gleichnis von den Weingärtnern und dem Gleichnis vom Hochzeitsmahl gibt. Beide Gleichnisse beziehen sich auf dieselbe Sache, nämlich auf das Reich Gottes.

Das Gleichnis von den Weingärtnern betont die Verantwortung der Weingärtner. Sie bringen Gott nicht die Früchte, die er von ihnen zu Recht erwarten konnte. Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl legt einen Schwerpunkt auf das Desinteresse der geladenen Gäste.

Wenn der Herr Jesus vom Reich Gottes spricht, dann beschreibt er diese Realität als eine doppelte Einladung. Das Reich Gottes ist gleichzeitig eine Einladung zum Dienst wie auch eine Einladung zum Feiern. Beide Aspekte werden von den Pharisäern und Hohenpriestern ignoriert. Sie wollen Gott nicht dienen, und sie wollen sich nicht mit ihm freuen. Sie sind nur daran interessiert, ihren eigenen Geschäften nachzugehen.

Religion ist für sie ein Geschäftsmodell. Und die Idee, dass es sich beim Reich Gottes nicht um eine statische, sondern um eine dynamische Größe handeln könnte, ist ihnen fremd. Aber genau das betont der Herr Jesus hier.

Das Reich Gottes ist eine Einladung zu einem Fest. Es geht um eine Hochzeitsfeier. Für diese Feier ist alles bereitet, und wehe denen, die das nicht sehen können. Wehe denen, die in ihrem alten Trott einfach weitermachen, weil sie nicht begreifen, dass Gott sein Reich Schritt für Schritt zur Erfüllung bringt.

Gott hat einen Plan, und im Zentrum dieses Plans steht sein Sohn, der Messias. Und der bekommt eine Braut: die Gemeinde.

Das Zeugnis der Propheten und die Ablehnung der Boten

Vor denselben Männern, zu denen Jesus das Gleichnis vom Hochzeitsmahl spricht, steht später Stephanus. Und Brand mag fast schon resignierend und kurz vor seiner Steinigung das Verhalten der jüdischen Obrigkeit mit diesen Worten zusammenfassen: Apostelgeschichte 7,51-52.

Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr. Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, welche die Ankunft des Gerechten vorher verkündigten, dessen Verräter und Mörder ihr geworden seid.

Merkt ihr, wie Stephanus die Botschaft der Propheten zusammenfasst? Sie haben die Ankunft des Gerechten verkündigt, und genau den hat der Hohe Rat umgebracht. Sie haben den Sohn des Weinbergbesitzers getötet. Und sie waren nicht bereit, mit Gott die Erfüllung seiner Pläne zu feiern, die Gott schon lange vorher durch die Propheten verheißen hatte.

In unserem Gleichnis schickt der König seine Knechte, aber die Gäste hören nicht auf sie. Einige von den Eingeladenen gehen sogar noch weiter. Ihnen reicht es nicht, kein Interesse zu zeigen, sie werden handgreiflich. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie.

Natürlich lässt sich der König so einen Umgang mit seinen Knechten nicht gefallen. Matthäus 22,7: Der König aber wurde zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand.

Auch dieser Vers erinnert uns an das Gleichnis von den Weingärtnern. Dort stand ja auch die Frage im Raum: Was wird der Weinbergbesitzer mit den Pächtern tun, die ihm die Pacht vorenthalten und dann sogar seinen Sohn töten? Matthäus 21,40-41: Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun? Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen.

Genau, auch ein Gerichtsmotiv wiederholt sich in beiden Gleichnissen. Matthäus 22,7: Der König aber wurde zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand.

Gericht über die Stadt und Blick auf die Erfüllung

Wenn ich diesen Vers lese, dann kann ich, obwohl es sich um ein Gleichnis handelt und ich bei der Übertragung vorsichtig sein will, nicht anders, als an die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 nach Christus zu denken. Was hier formuliert wird, erfüllt sich nämlich wortwörtlich.

Nach einer mehrmonatigen Belagerung wurde die Stadt Jerusalem von den Römern systematisch ausgehungert. Interne Fraktionskämpfe verschärften die Lage. Schließlich durchbrachen die römischen Truppen die Mauern, eroberten die Festung Antonia und setzten den Tempel in Brand. Der Tempel wurde vollständig zerstört, große Teile der Bevölkerung wurden getötet oder versklavt, und die Stadt wurde weitgehend niedergebrannt.

Warum ist das wichtig? Weil unser Gleichnis zwei Ereignisse zusammen betrachtet: einerseits die Zerstörung der Stadt, andererseits die Hochzeitsfeier. Das Gleichnis geht dabei davon aus, dass sich die Mörder in einer Stadt aufhalten und dass die Hochzeitsfeier gleichzeitig an einem anderen Ort stattfindet.

Oder anders gesagt: Während das irdische Jerusalem vernichtet wird, findet im himmlischen Jerusalem die Hochzeitsfeier statt.

Die Einladung an neue Gäste

Aber mit wem? Die Gäste hatten ja nicht gewollt. Kein Problem, dann müssen neue Gäste her. Matthäus 22,8-9.

Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Eingeladenen waren nicht würdig. So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen. Und so viele ihr immer finden werdet, ladet zur Hochzeit ein.

Jetzt wird es spannend. Der Wechsel in die Gegenwartsform, dann „sagt er zu seinen Knechten“, betont noch einmal die Dramatik der Situation. In der Chronologie des Gleichnisses springen wir wieder etwas zurück. Während sich die Truppen auf den Weg machen, werden wieder Knechte ausgesandt. Sie sollen neue Gäste einladen. Diesmal handelt es sich jedoch um Leute, die sich an den Kreuzwegen der Landstraßen aufhalten.

Diese Kreuzwege müssen wir uns als Plätze vorstellen, die sich in Vorortschaften befinden. Es waren die Kreuzungspunkte von Landstraßen, also Orte, an denen sich viele Menschen aufhielten und vorbeikamen. Die neuen Gäste waren Normalos, Hinz und Kunz, jeder und jede, die da so rumstanden oder vorübergingen. So viele ihr immer finden werdet, ladet zur Hochzeit ein.

Ein irritierender Gedanke, vielleicht sogar ein anstößiger. Das wäre so, als ob mich ein Unbekannter in der U-Bahn anspricht, ob ich nicht Lust hätte, heute Abend völlig umsonst mit dem Bundespräsidenten und seiner Frau bei Tim Raue essen zu gehen. So etwas passiert einfach nicht. Und darauf kommt es hier an.

Was hier steht, sprengt jede Erwartung von Ordnung, von Fairness, von dem, was man für angemessen hält. Die Grenze zwischen drinnen und draußen wird nicht nur verschoben, sie wird aufgehoben. Auf einmal zählt nicht mehr, wer man ist, woher man kommt oder ob man ursprünglich auf der Gästeliste stand. Entscheidend ist nur noch eines: dass man sich einladen lässt.

Und genau darin liegt die eigentliche Provokation des Gleichnisses. Nicht das Gericht ist das Überraschende, sondern die Gnade, dass der König an seinem Plan festhält und dass jetzt wirklich jeder kommen darf.

Schluss und Anwendung

Was könntest du jetzt tun? Nimm dir Zeit, um Gott für seine Gnade zu feiern und ihn für sein Gericht anzubeten.

Das war’s für heute. Wenn du Frogwords magst, dann erzähle einer Person von meinem Internetauftritt.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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