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Johannes 4+5

Johannes 4,43-5419.10.2003
SerieTeil 7 / 31Das Johannes-Evangelium
Zwischen Durst, Hunger und Krankheit zeigt sich die eigentliche Frage: Was stillt deinen tiefsten Mangel wirklich? Jesus gibt nicht nur Hilfe, sondern neues Leben – und prüft, ob du ihm vertraust.

Rückblick auf die Begegnung am Brunnen

Wir stehen in Johannes 4. Wir haben letztes Mal bis Vers 30 behandelt. Es ging um die Begegnung des Herrn mit der samaritanischen Frau. Wir haben gesehen, was das Problem zwischen Juden und Samaritern war und wie der Herr Jesus ganz ungewöhnlich über diese Schwierigkeiten hinweggegangen ist und das Herz dieser Frau erreicht hat.
Jetzt lesen wir weiter, Verse 31 bis zum Schluss des Kapitels. Bruno, kannst du? Danke.
Also, wir haben gesehen, wie der Herr Jesus im Gespräch mit der Samariterin den Jakobsbrunnen und das Wasser darin als Anlass genommen hat, um zu zeigen, dass er allein durch das lebendige Wasser des Heiligen Geistes den Durst des Menschen stillen kann. Und nun waren in der Zwischenzeit die Jünger einkaufen gegangen, um Essen für die ganze Gruppe zu besorgen. Der Herr Jesus nimmt nun das Essen wieder als Anlass für eine Belehrung, genauso wie er das Wasser am Brunnen als Anlass genommen hat, um über das lebendige Wasser des Heiligen Geistes zu sprechen.
Er selbst war durstig, das war in Johannes 4,7: Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken. Denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen. Der Herr Jesus hatte Durst, und das wurde zum Anlass, um zu zeigen, wie er Wasser geben kann, das allen Durst in Ewigkeit stillt.
Jetzt hier hat der Herr Hunger. Die Jünger sagen: Rabbi, iss! Und er sagt: Ich habe eine andere Speise, die ihr nicht kennt. Im ersten Moment wissen sie auch nicht, wovon er spricht. Hat er schon etwas gegessen? Genau so, wie die Samariterin sagte: Ja, du kannst mir lebendiges Wasser geben, aber du hast ja kein Schöpfgefäß. So nimmt der Herr also das Alltägliche, das Natürliche, zum Anlass, um plötzlich wieder eine neue Lektion zu erteilen.
Und so erklärt er, was seine Speise ist. Vers 34 liest es nochmals jemand:
Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.
Jawohl, also der Herr nimmt immer das Natürliche, um damit etwas Geistliches zu erklären. Und das ist eigentlich, was die Bibel mit Gottseligkeit meint. Wir haben ja diesen Ausdruck zum Beispiel in 1. Timotheus 4, Gottseligkeit, manchmal auch übersetzt mit Frömmigkeit.
Gottseligkeit meint ein Leben, das erfüllt ist von Gott. 1. Timotheus 4,7-8:
Die unheiligen und altweiberischen Fabeln aber weise ab; übe dich aber zur Gottseligkeit. Denn die leibliche Übung ist zu wenigem nütze, die Gottseligkeit aber ist zu allen Dingen nütze, weil sie die Verheißung des Lebens hat, des jetzigen und des zukünftigen.
Also, die Gottseligkeit ist ein Leben, das erfüllt ist von Gott. Und das fängt eben damit an, dass die ganz natürlichen Dinge uns immer wieder an Gott erinnern. Wenn wir Wasser trinken, dann sollen wir so die Verbindung machen zum lebendigen Wasser des Heiligen Geistes, das unseren inneren Durst stillt. Wenn wir essen, dann sollen wir daran denken, dass das für den Herrn Jesus die wahrste Speise war, eben den Willen Gottes zu tun.
So lehrt der Herr Jesus uns wahre Gottseligkeit, dass wir in allen Dingen, auch in allen rein irdischen, alltäglichen Dingen, überall die Stimme Gottes sehen, die diesen Dingen einen wirklichen, tiefen Sinn gibt.

Ernte, Samen und die verborgene Vorgeschichte

Dann sagt der Herr Jesus in Vers 35: Es sind noch vier Monate bis zur Ernte. In welchem Monat stehen wir da hier? Jetzt können wir Kapitel vier zeitlich einordnen, innerhalb des Jahres. Wann ist die Ernte in biblischer Zeit? Nein, das ist bei uns so.
Ja, also das Passafest. Und 3. Mose 23 erklärt ja: Am Tag nach dem Sabbat müssen die Erstlinge der Gerstenernte zum Tempel gebracht werden. Und erst wenn diese Erstlinge als Brote Gott dargebracht worden sind, durfte man im Land die Gerste ernten. Und dann, fünfzig Tage später, da kommen wir also in den Monat Juni hinein, musste man die Pfingstbrote der Weizenerstlinge zuerst zum Tempel bringen, und dann durfte man in Israel überhaupt den Weizen einbringen.
Also, da sind die Zeiten natürlich gegen uns sehr verschoben. Sagen wir, Passa fällt ungefähr in die Zeit von Mitte April hinein oder Anfang April, dann sind wir hier vier Monate vorher, nämlich im Dezember. Wann war das in der Mose das erste Brot? Die Erstlinge in Verbindung mit dem Passafest, das fällt in die Passawoche hinein. Und wo stand es? 3. Mose 23,9 und folgende. Und eben die Weizenernte, die folgt dann in den weiteren Versen. Das ist die Ernte in Verbindung mit dem Pfingstfest.
Also, wir sind da mitten in der Regenzeit im heutigen Westjordanland, im Monat Dezember. Und der Herr erklärt nun in Verbindung mit dem, dass sie ein Weizenfeld anschauen, wieder geistliche Lektionen. Und zwar erklärt der Vers 36, welchen wichtigen Grundsatz? Dass ein Arbeiter Lohn empfängt, ein Erntearbeiter. Jawohl. Und zweitens: Es gibt zwei Gruppen Leute. Es gibt solche, die säen, es gibt solche, die ernten. Und das müssen nicht unbedingt dieselben sein.
Und so erklärt der Herr Jesus hier den Grundsatz. Aber jeder freut sich über die gesamte Arbeit. Also braucht es keinen Neid zu haben. Der eine sät, der andere erntet. Das gehört zusammen, aber nicht unbedingt tun die gleichen Personen das. Und so ist es eben auch im Geistlichen.
Der Herr erklärt in Vers 38: „Ich habe euch gesandt, zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt. Andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.“ Und gleich in der Folge lesen wir über diese Erweckung unter dem samaritanischen Volk. Die Jünger konnten da quasi Zeugen einer Erweckung werden, aber sie hatten nicht gesät unter den Samaritern. Diese Arbeit ging Jahrhunderte zurück, in die Zeit nämlich der Wegführung der zehn Stämme. Und da haben die Assyrer ja andere Leute eben angesiedelt in Nordisrael. Aus diesen Leuten ist dann das samaritanische Mischvolk entstanden. Das waren Götzendiener, aber die haben sich dann begonnen zu interessieren für den Gott, der in diesem Land früher verehrt worden ist.

Die Vorgeschichte der Samariter und die Frucht des Zeugnisses

Schlagen wir mal auf: 2. Könige 17, liest jemand Verse 24 und folgende?
Da sind wir also im siebten Jahrhundert vor Christus. Und der König von Assyrien brachte Leute aus Babel, aus Kuta, aus Awa, aus Amad und aus Zerfarbeim und ließ sie an Stelle der Kinder Israel in den Städten Samarias wohnen. Und sie nahmen Samaria in Besitz und wohnten in seinen Städten.
Und es geschah am Anfang ihrer Niederlassung, da fürchteten sie den Herrn selbst noch nicht. Da sandte der Herr Löwen unter sie, welche unter ihnen Schaden anrichteten. Und man sprach zu dem König von Assyrien und sagte: Die Nationen, die du weggeführt und in den Städten Samarias hast wohnen lassen, kennen nicht die Weise des Gottes des Landes; und er hat Löwen unter sie gesandt, und siehe, sie töten sie, weil sie die Weise des Gottes des Landes nicht kennen.
Da gebot der König von Assyrien und sprach: Lasst einen der Priester, die ihr von dort weggeführt habt, dahingehen, dass er hingehe und dort wohne und sie die Weise des Gottes des Landes lehre. Und es kam einer der Priester, die man aus Samaria weggeführt hatte, und wohnte zu Bethel und lehrte sie, wie sie den Herrn fürchten sollten.
Ja, also diese Samaritaner waren herbeitransportierte Heiden, die den Gott der Bibel überhaupt nicht kannten. Durch diese Katastrophe mit den Löwen, die unter ihnen Schaden angerichtet hatten, sind die Leute aufmerksam geworden auf den Gott der früheren zehn Stämme. So wurde ein Priester aus der Verbannung hergeholt, der diesen Heiden das Alte Testament lehrte.
Von daher kommt es, dass die Samaritaner die fünf Bücher Mose, die Tora, übernommen haben, und die haben sie bis zum heutigen Tag, die Samariter. Aber man kann sagen, das war so der erste Same, der unter ihnen gesät wurde. Das hat noch nicht diese große Frucht gebracht, aber nun, Jahrhunderte später, als der Messias kommt, hat er eine Begegnung mit einer Frau, die im Leben so viel Enttäuschung erlebt hatte: fünfmal verheiratet war sie, nun lebte sie im Konkubinat. Und diese Frau wusste, Vers 25: „Ich weiß, dass der Messias kommt. Wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen.“ Und der Herr sagt: „Ich bin’s, der mit dir redet.“
Das ist gewaltig, oder? So wird sie überwältigt von dem Erlöser. Sie geht in die Stadt, ruft die Leute herbei. Vers 29: „Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was irgend ich getan habe; dieser ist doch nicht der Christus, der Messias?“ Das kann ja nicht sein, das wäre ja zu schön. Und so kommen diese Samaritaner zum Glauben.
Lesen wir Vers 39 nochmals: „Aus jener Stadt aber glaubten viele von den Samaritern an ihn um des Wortes der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.“
Also dieses Zeugnis der Frau hat diese Leute so überzeugt. Aber sie kommen dann zu dem Herrn, hören ihn selber und kommen dadurch in eine ganz direkte Beziehung zu dem Erlöser. Und darum ist es so schön, wenn es dann in Vers 41 heißt: „Und noch viele mehr glaubten um seines Wortes willen.“ Sie hören den Messias reden, und diese Beziehung wird so direkt, dass sie zu der Frau sagen: „Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen; denn wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist.“
Wenn es hier heißt „Heiland der Welt“, was meint dieses Wort Welt? Ja, die Menschheit, und mit einer besonderen Betonung eben nicht nur Israel. Also die Welt meint eben alle Völker. Und so ist Jesus Christus nicht nur gekommen für Israel; er kam aber für Israel zuerst. In Matthäus 10 sagte noch der Herr: „Ich bin gesandt nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ Das war sein erster Ruf. Aber er ging dann bereits noch vor seinem Sterben über diese Grenzen hinaus, im Fall der Samaritaner zum Beispiel.
Und so haben sie ihn erkannt als den Retter, der eben nicht nur für das jüdische Volk, sondern für alle Völker gekommen ist: der Heiland der Welt. Aber die Jünger durften das so miterleben, und der Herr erklärte ihnen anhand des Feldes, das sie gesehen haben, dass sie nicht irgendwie stolz sein müssen, dass sie jetzt da so viel Frucht einbringen. Andere haben gearbeitet, und sie haben das Resultat nicht erlebt; und ihr habt jetzt das Resultat. Aber beide freuen sich, und Gott gibt jedem den Lohn.
Das ist eine ganz wichtige Sache, weil unsere Aufgabe nicht nur einfach Ernten ist, sondern wir müssen säen. Und dann ist man vielleicht weniger ermutigt, weil man die Ergebnisse nicht unbedingt direkt sieht. Aber wir müssen das einmal aus der Perspektive der Ewigkeit sehen, wenn dann sowohl der Sät, Vers 36, als auch der da erntet zugleich sich freuen. Es gab offensichtlich ein Sprichwort unter den Juden, das der Herr hier zitiert, denn hierin ist der Spruch wahr: Ein anderer ist es, der da sät, und ein anderer, der da erntet.

Der Weg nach Galiläa und die Frage nach echtem Glauben

Ist bis dahin keine Frage oder eine Ergänzung? Wie machen die denn heute in Israel das mit der Ernte, halten sie sich an diese alten Gesetze?
Ja, gut, diese Brote, diese Erstlingsbrote zum Tempel bringen, das kann man ja nicht, weil der Tempel immer noch zerstört ist und nicht wieder aufgebaut. Aber es ist schon so, dass die Ernte auch heute um die Zeit des Passafestes beginnt und die Weizenernte im Juni um die Zeit des Pfingstfestes. Denn eben diese Festzeiten stimmen auch mit dem natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten in Israel überein.
Ja, ich war gerade das letzte Mal im Juni in Israel, und da habe ich gesehen, wie dort im Land die Weizenernte eingebracht wurde. Das war gerade nach dem Pfingstfest.
Gut, gehen wir weiter. Das war nun in Judäa, in Samarien. Und jetzt geht der Herr nach Galiläa, Vers 43.
Es ist so: In den anderen drei Evangelien, Matthäus, Markus und Lukas, wird der Dienst des Herrn Jesus hauptsächlich wo beschrieben? Wo wird der Dienst des Herrn hauptsächlich beschrieben? In Galiläa, ja. Und im Johannesevangelium hauptsächlich in Jerusalem, ja, das wäre Judäa, der Dienst in Judäa.
Im Johannesevangelium wird dann über Judäa hinausgegangen. Der Herr geht nach Galiläa, das ist eigentlich im Johannesevangelium speziell. Die Hauptsache ist Judäa, und so ist das Johannesevangelium eben eine ganz wichtige Ergänzung zu den anderen drei Evangelien, weil diese Gegend mehr betont wird. Aber auch Galiläa wird beschrieben. Allgemein kann man sagen: Was Johannes beschreibt, auch in Galiläa, sind Dinge, die man in den anderen Evangelien kaum findet. Es ist als letztes Evangelium eine ganz wichtige Ergänzung zu den ersten dreien.
Also hier wird dann auch die Verbindung gezogen: Er kommt nach Galiläa, Vers 45. Die Galiläer nehmen ihn auf, da sie alles gesehen hatten, was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn auch sie kamen auf das Fest.
Das greifen wir nun zurück auf Kapitel 2, Vers 23. Lesen wir das nochmals? Da war ja der Herr in Jerusalem, am ersten Passafest, in seiner öffentlichen Dienstzeit. Da hat er den Tempel zum ersten Mal gereinigt und hat sich so in der königlichen Säulenhalle als König Israels ausgezeichnet, der eben Ordnung schafft im Tempel, entgegen dem höchsten Gremium im Judentum, entgegen dem Hohen Rat. Und da hat er Zeichen getan, Vers 23. Liest das jemand?
Als er aber am Passafest in Jerusalem war, glaubten viele an seinen Namen, weil sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und weil er es nicht nötig hatte, dass jemand von den Menschen Zeugnis gab; denn er wusste selbst, was in Menschen ist.
Ja, also das war eine enttäuschende Erfahrung. Viele haben zwar an ihn geglaubt, eben aufgrund der Zeichen, aber es war kein rettender Glaube. Es war nur ein äußerliches Überführtsein ohne eine wirkliche Herzensumkehr. Darum haben wir ja gesehen, Kapitel 3, das Gespräch des Herrn in der Nacht mit Nikodemus, wo er erklärt, was Wiedergeburt ist, was wahrer rettender Glaube ist, der zum ewigen Leben führt.
Und nun wird hier wieder angeschlossen: Der Herr kommt nach Galiläa, die Leute nehmen ihn dort auf, sie haben ja schließlich erlebt, was er auf dem Fest getan hat. Aber da liegt bereits der Unterton: Ja, sie haben das gesehen, waren beeindruckt, aber wo ist der echte Glaube? Und darum in den weiteren Versen dieser Vorwurf in Kapernaum, Vers 48: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so werdet ihr nicht glauben. Ein Vorwurf. Es ist ein Glaube, der rein auf diese Beweise der Zeichen und Wunder gebaut ist und nicht mehr weitergeht. Es ist gar nicht der rettende Glaube, den diese Masse hatte, die überzeugt wurde, dass er offensichtlich der Messias sein muss.
Aber diese Verknüpfung mit Kapitel 2, die da hergestellt wird, macht deutlich: Der Herr Jesus, die Galiläer wussten, dass der Herr Jesus sich in Jerusalem erwiesen hat als der König über alle Könige. Und jetzt kommt da ein königlicher Beamter, Vers 46. Liest nochmals jemand Vers 46?
Er kam nun wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war in Kapernaum ein königlicher Beamter, dessen Sohn krank war.
Ja, schon reichend. Ein königlicher Beamter, das war also ein hoher Politiker. Im Dienst von wem? Welcher Herodes? Ja? Herodes der Großvater, Geburt. Also irgendeiner seiner Nachfolger. Ja, genau, einer seiner Söhne. In Galiläa war Herodes Antipas gekommen, einer der Söhne Herodes. In Judäa, wer war König damals? Das ist eine Fangfrage. Niemand, denn Judäa war ja zu dieser Zeit politisch besetzt, Galiläa auch. Aber in Judäa war ja noch der Herodes-Sohn Archelaus König. Das war einer der brutalsten Herodes-Söhne, und das hat ja damals Joseph veranlasst, als sie aus Ägypten zurückkamen, nicht in Judäa Wohnsitz zu nehmen, sondern nach Galiläa zu gehen, weil der Antipas weniger schlimm war.
Aber die Römer haben dieser Herrschaft ein Ende bereitet, im Jahr 6 nach Christus. Und von da an wurde Judäa durch Landpfleger regiert. Und in dieser Zeit war dann eben der Landpfleger Pilatus, der über Judäa regiert hatte. Und darum lesen wir hier von einem gewissen königlichen Beamten.
Also irgendwie hatte das, könnte man sagen, Galiläa noch einen gewissen königlichen Glanz, aber nur einen scheinbaren Glanz. Denn Herodes selber war ja ein Edomiter, also ein Nachkomme von Esau, und einer der Makkabäer-Nachkommen hatte ja die Edomiter gezwungen, Juden zu werden. Aber das war nur so eine rein äußerliche Übernahme des Judentums.
Äußerlich war da so ein königlicher Glanz in Galiläa, aber das hat überhaupt nichts zu tun mit dem Glanz des Königtums, das unter David von Gott eingesetzt war. Und das Ziel war ja schließlich, dass dann einmal der Sohn Davids das weltweite Königreich von Israel aus aufrichten würde.
Also was wir da eigentlich finden, ist ein Volk Israel im Land, das aber im Sterben war. Genau so wie dieser Sohn. Und da lesen wir Vers 47 nochmals:
Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinem Sohn zu helfen; denn er war todkrank.
Ja, oder er lag im Sterben. Und er weist durch dieses zweite Wunder seine Macht über die Gewalt des Todes, könnte man sagen. Dieses zweite Zeichen wird besonders erwähnt als zweites Zeichen, nicht wahr? Vers 54: Dies tat Jesus wiederum als zweites Zeichen, als er aus Judäa nach Galiläa gekommen war.
Was war denn das erste Zeichen? Ja, Wasser zu Wein. Wasser zu Wein. Damals haben wir ja gesehen, dieses Zeichen war ein ganz bemerkenswerter Gegensatz zu der ersten Plage unter Mose. Da wurde Wasser zu Blut, also Wasser als das wesentliche Element zum Leben wird dort zum Symbol des Todes, Blut. Aber der Herr Jesus hat das Wasser verwandelt in Wein, ein Bild der Freude, will sagen der Lebensfreude.
Und hier ein Sohn im Sterben, und der Herr Jesus heilt ihn, um die Macht über den Tod zu zeigen. Also er ist nicht nur der, der das Leben und die Lebensfreude gibt, sondern der auch von dem Tod erretten kann und das Leben geben kann. Darum sind also diese zwei Zeichen eng verzahnt.
Übrigens, in Vers 46 wird ja gerade auch noch die Verbindung gemacht zum ersten Zeichen: Er kam nun wiederum nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Also der ganze Abschnitt ist verzahnt durch diesen Hinweis auf das erste Wunder. Also der Zusammenhang muss deutlich gesehen werden: der Jesus als die Quelle der Lebensfreude, Wasser zu Wein, und der Jesus als die Rettung von dem Tod, der das Leben verleiht.
Stimmt es auch geographisch, liegt Kana höher als Kapernaum, weil hier immer gesagt wird, dass er herabkomme? Der königliche Beamte spricht davon, Jesus möchte herabkommen, zumindest in meiner Übersetzung.
Ja, wahrscheinlich doch schon, weil es da doch am See lag, oder? Der See ist ja meistens von Bergen eingebettet. Kapernaum? Ja, natürlich, und die Gegend liegt sogar weit, zweihundert Meter unter dem Meeresspiegel, also gehört zu den tiefsten Gegenden der Welt schlechthin. Das Tote Meer ist noch weiter unten, vierhundert Meter unter dem Meeresspiegel, der tiefste Punkt der Welt.
Ja, also von daher ist das geografisch zu verstehen: herab nach Kapernaum. Was bedeutet Kapernaum auf Deutsch? Dorf des Nachum. Ja, und Nachum heißt? Trösten, trösten. Nuach, la nuach, ruhen, lenachem, trösten. Also das Dorf des Trösters.
Das war ja die Wahlheimat des Herrn. Gerade bevor er den öffentlichen Dienst begonnen hatte, zog er ja von Nazareth nach Kapernaum. Und darum wird Kapernaum seine Stadt genannt, in Matthäus 9,1. Das Dorf des Trösters. Und da tröstet er auch über das Elend des Todes und heilt so diesen Sohn des königlichen Beamten.
Also vorbildlich in einer tiefen Bedeutung sagt dieses Zeichen aus: Das jüdische Volk hatte zwar so einen morbiden Schein von Königtum, ja, aber es war alles unecht, und so war dieses Volk im Sterben. Und nur durch den Messias kann dieses Volk eben wieder voll zum Leben kommen. Nur der Herr Jesus wird einmal das Königtum, das wahre Königtum im jüdischen Volk wiederherstellen.
Also in diesem Sinn ist dieses Zeichen auch ein wichtiger Hinweis auf den Herrn, den wahren König, der dem jüdischen Volk das wahre Leben geben wird. Aber das Ganze verlangt eben den Glauben, und zwar den echten Glauben.
Vers 50: Der Herr sagt, gehe hin, dein Sohn lebt. Und der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Das war ein echter Glaube bei diesem Mann, der auch Taten zur Folge hatte.
Wir haben gelesen in Johannes 3,36. Lesen wir es nochmals?
Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Hier haben wir glauben und gehorchen als Gegensatz, ja? Das zeigt uns eben: Glauben und nicht gehorchen als Gegensatz, das macht uns deutlich, wahrer Glaube drückt sich aus durch Gehorsam. Und bei diesem königlichen Beamten sehen wir Glauben, der auch Taten zur Folge hatte. Gehorsam: Er ging hin. Er glaubte und ging hin.
Aber im Nachhinein reflektierte er dann doch: Ja, wie war das ganz genau? Wann ist er gesund geworden? Und das ist auch eine wichtige Sache als Gläubige. Da kann jemand sagen, von ganzem Herzen: Ich bin bekehrt, ich glaube, ich bin ein Kind Gottes. Und trotzdem sollen wir über unseren Glauben nachdenken und uns fragen, auf welcher Grundlage glaube ich eigentlich?
Und oftmals kann man feststellen unter Gläubigen, dass, wenn sie dann ihren Glauben erklären sollen, dass sie Mühe haben. Wenn jemand fragt: Ja, du glaubst, die Bibel ist Gottes Wort. Warum, wieso bist du so sicher, dass nicht der Koran Gottes Wort ist? Und man hat dann oftmals Mühe, den Glauben zu erklären.
Darum ist es schon wichtig, dass wir auch nach der Bekehrung über unseren Glauben nachdenken und uns fragen, wo sind eigentlich die Argumente dafür, dass wir glauben? Denn der Glaube ist ja nicht einfach ein Sprung ins Dunkle. Paulus konnte am Ende seines Lebens sagen: Ich weiß, wem ich geglaubt habe. Seine Frage in Verbindung mit der Bekehrungsgeschichte war: Herr, wer bist du? Und in seinem Testament, in seinem letzten Brief aus der Todeszelle, schreibt er in 2. Timotheus 1: Ich weiß, wem ich geglaubt habe.
Also da ist einiges gegangen in diesen Jahren, von der Bekehrung bis zum Märtyrertod. Und so ist es eben auch wichtig, dass wir uns über unseren Glauben reflektieren und dass wir zum Beispiel lernen: Ja, natürlich haben wir viele Begründungen für unseren Glauben. Wir können die erfüllte Prophetie zitieren, die Hunderte von Prophezeiungen, die sich ganz und wortwörtlich erfüllt haben: über 300 durch das erste Kommen des Herrn Jesus, über 200 betreffend die Weltgeschichte im Buch Daniel. Das gibt uns schon mal 500, über 500. Und dann die Prophetie über das Volk Israel, das 2000 Jahre unter allen Völkern zerstreut war, am Ende der Zeit zurückkehren sollte ins Land der Väter. Die Wüste sollte wieder aufblühen, und die umliegenden Völker sollen es dann hassen und versuchen, es auszulöschen.
All diese Dinge haben wir in der Heiligen Schrift, und wir können im Nachhinein auch unseren Glauben so stärken und festigen. Und das soll uns helfen, eben auch unseren Glauben gegenüber Ungläubigen zu erklären, zu begründen.
Ich habe das mal erlebt: Ein junger Mann hat mir gesagt, der war bekehrt und hat auch regelmäßig am Abendmahl teilgenommen, jede Woche. Aber der hat mir erklärt: Ich habe immer Zweifel gehabt an meinem Glauben, und bis zu dem Punkt, wo ich das wirklich gesehen habe, mit der Prophetie über die Jahrwochen im Buch Daniel, wo der genaue Zeitpunkt des Kommens des Erlösers vorausgesagt wird, neunundsechzig Wochen nach dem Erlass, Jerusalem wieder aufzubauen. Und das kann man so wunderschön nachrechnen. Und seit ich das gesehen habe, habe ich keinen Zweifel mehr.
Also das können wir nehmen aus diesem eigenartigen Glauben des königlichen Beamten: Er glaubt, ist gehorsam, aber dann rechnet er doch im Nachhinein nochmals nach und versichert sich. Es war nicht einfach ein grundloser Glaube, sondern ein Glaube, der der messbaren Realität entspricht. Genau um die siebte Stunde hat er gesagt, ein Sohn lebt, und da ist er auch gesund geworden.

Der Übergang zu Johannes 5 und die Frage nach dem Fest

In Johannes 5. Lesen wir mal das Kapitel durch. Bruno, willst du wieder?
Ja, gerne.
Dann machen wir Pause und können nachher das Kapitel betrachten. Danke.
Jetzt kommen wir wieder nach Judäa, also nach diesem kurzen Ausflug nach Galiläa, zuvor noch Samaria, sind wir wieder zurück in Judäa, und zwar in Jerusalem. Welches Fest ist da wohl gemeint, in Vers 1? Was steht bei euch? Steht Passa? Das ist ein Hinweis auf Kapitel 6, Vers 4. Dann hat er dann am Pfingsten Zeitung.
Ja, wie kommst du auf Pfingsten? Herr, Passa war gerade vorbei, Erntezeit, das nächste Fest ist dann Pfingsten oder so.
Ja gut, die Erntezeit, der Herr sagt ja: In vier Monaten ist Erntezeit. Ja, da ist Tempel bei Dezember.
Was auf Dezember?
Ja gut, aber die Frage ist ja: Wir wissen ja nicht, wie viel Zeit das in Anspruch genommen hat, der Aufenthalt in Galiläa. Es wird einfach aneinandergefügt, aber das heisst nicht, dass es unmittelbar oder dass da keine zeitlichen Lücken dazwischen sind.
Laubhüttenfest, wie kommst du darauf?
Gut, jetzt wird ja immer wieder im Neuen Testament, im Johannesevangelium, über die Feste der Juden gesprochen, zum Beispiel auch in Verbindung ausdrücklich mit dem Passa. Später kommen wir darauf, aber hier steht: Nach diesem war ein Fest der Juden. So muss man sagen, im Mehrheitstext: Nach diesem war das Fest der Juden. Und das Fest war welches im Alten Testament?
Nein, das Laubhüttenfest. Das Laubhüttenfest wird im Alten Testament schlicht genannt Hachak, das Fest, und zwar war es als das siebte der sieben Feste des Herrn, 3. Mose 23, eigentlich alle Feste in sich vereinigte. Damit wurde der Festzyklus des Jahres abgeschlossen. Es war das Fest der grössten Freude. Die Tora betont an drei Stellen, dass man sich an diesem Fest freuen soll und nur freuen soll. Und so schliesst also dieses Fest das ab.
Der Mehrheitstext, muss ich kurz erklären, bedeutet dies: Wir haben heute etwa 5300 Handschriften vom Neuen Testament. Das heisst, eine Handschrift kann das ganze Neue Testament umfassen oder fast, oder nur ein kleines Fragment sein, aber insgesamt 5300 Handschriften. Und das ist etwas ganz Unerhörtes, weil für antike Schreiber, Schriftsteller, da hat man für ein Werk, wenn es sehr gut kommt, ein Dutzend Handschriften. Für das Neue Testament: 5300. Aber der grösste Teil dieser Handschriften zeigt eine unglaubliche Übereinstimmung auf. Diese übereinstimmenden Handschriften nennt man den Mehrheitstext.
Dieser Text war der Text, den man in der griechisch sprechenden byzantinischen Christenheit über tausend Jahre benutzte, während im Westen hat man ja die lateinische Bibel, die Vulgata-Bibel, benutzt. Aber im Osten hatte man, weil man Griechisch konnte, diesen Mehrheitstext. Und der Text, den die Reformatoren benutzten, um dann die Bibel wieder in Landessprachen zu übersetzen, das war auch ein Typus, der zu diesem Mehrheitstext gehört.
Aber ab dem neunzehnten Jahrhundert hat man Handschriftenfunde gemacht in Ägypten, und die haben gewisse Abweichungen. Aber da haben Gelehrte gesagt, wie Westcott und Hort, das ist der beste Text. Diese ganz alten Handschriften aus Ägypten, die haben dann begonnen, wissenschaftliche Ausgaben zu machen, wo man sich eben hauptsächlich auf diesen ägyptischen Typ abstützt. Das hat sich bis heute fortgesetzt, und darum bauen die meisten modernen Übersetzungen nicht mehr auf dem Mehrheitstext, sondern auf diesem ägyptischen Text.
Aber diese Leute wie Westcott und Hort, die mussten sich ja erklären: Wie ist es überhaupt möglich, dass die Mehrheit der Handschriften eine so gewaltige Übereinstimmung haben? Die haben sich gesagt: Ja, da muss irgendwie im vierten Jahrhundert, als die konstantinische Wende kam, Kaiser Konstantin hat das Christentum zur Staatsreligion gemacht, die Christen waren nicht mehr verfolgt, da muss offensichtlich eine Rezension des Neuen Testaments durchgeführt worden sein. Dass die Kirche, die jetzt zur Macht gekommen war, alle Handschriften weg, jetzt gilt nur noch diese Ausgabe, und alles hat sich dann nur noch auf diese vorgegebene Vorlage abgestützt. Und das erklärt nun diese Einheit.
Aber das ist ein Märchen, das heute niemand mehr glaubt, denn es hat nie eine Rezension des Neuen Testaments gegeben im vierten Jahrhundert. Also selbst diejenigen, die ganz viele ägyptische Texte sind, die behaupten das heute auch nicht mehr. Ja gut, jetzt dreht sich der Spiess. Wenn ihr sagt, es hat ja nie eine Rezension gegeben, warum hat dann die Mehrheit eine so grosse Übereinstimmung? Ja gut, das Argument ist: Der ägyptische Text, das ist offensichtlich eine lokale Veränderung. Da gab es diese Handschriften, Abänderungen, aber auf die Handschriften in der Türkei, in Griechenland, in Italien usw. hat das keinen Einfluss gehabt. Und so kann man heute wieder sehr stark argumentieren: Wir müssten nach dem Mehrheitstext, der ja eigentlich auch der Text war durch die ganze Kirchengeschichte hindurch, auf den müssen wir uns abstützen.
Der langen Rede kurzer Sinn: Der Mehrheitstext hat also hier das Fest. Da können wir ans Laubhüttenfest denken. Wann war das denn zeitlich? Was ist denn heute? Heute ist es zu Ende.
Heute nicht. Aber dann kann es noch nicht sein mit dem Passa vier Monate vorher.
Nein, es ist so: Das Johannesevangelium, wie alle Evangelien, die berichten ja nur selektiv. Und wenn wir denken, so viele Dinge, die wir jetzt im Johannesevangelium lesen, was der Herr in Judäa getan hat, die finden wir in den anderen Evangelien nicht, weil sie ihren Fokus auf Galiläa richten. Und die Evangelien sind eben selektiv in der Auswahl. Wenn man zum Beispiel alle Reden des Herrn in den vier Evangelien zusammen nimmt, gibt es etwa zwei Stunden. In zwei Stunden könnten wir das vorlesen, alle Worte Jesu. Der Herr hat drei Jahre lang gepredigt. Also sieht man, wie das nur ein kleiner Ausschnitt aus seinem ganzen Dienst ist, der uns wiedergegeben ist. Also die Evangelien sind eine ganz bewusste und kleine Auswahl aus dem Leben und dem Dienst des Herrn. Aber Gott hat uns genau das gegeben, was ganz wesentlich war, eben dass wir es für alle Zeiten hätten.
Herr Lidy, vorhin wurde vorgelesen nach Vers 3, der Vers 4, wie auch die Leute, die dort in den fünf Säulenhallen lagen, die hätten auf die Bewegung des Wassers gewartet. Da steht bei mir hier, dass das erst eingefügt worden sei in einer späteren Handschrift. Ist das auch so ein Mehrheit-Minderheits?
Ganz genau. Also der Mehrheitstext bezeugt das ganz klar als echt, und damit hat die ganze Erklärung von vorhin noch mehr Bedeutung als nur gerade für den bestimmten Artikel, das Fest. Das ist ja einer dieser grösseren Unterschiede. Dazu kommt ja noch Markus 16, der Markus-Schluss, und der Bericht der Ehebrecherin. Das sind so die grossen Stellen, wo es Fragezeichen gibt. Aber es sind nur Fragezeichen, solange man den Mehrheitstext ignoriert, denn der Mehrheitstext sagt ganz klar: Das ist der Grundtext.
Also die hätten besser geschrieben, als ein paar spätere Handschriften, hätten die gesagt: Der Mehrheitstext bezeugt diese Verse.
Wie heisst denn der Vers 4? Bei mir geht es gleich von 3 auf 5.
Ja, eben. Gleiche Ausgabe wie bei mir. Und nicht mal in der Fussnote ist der Mehrheitstext angegeben. Also, ich lese nochmals und dann gehen wir aber in die Pause.
Vers 3: In diesen lag eine Menge kranker, blinder, lahmer, dürrer. Jetzt kommt, was sie nicht haben: die auf die Bewegung des Wassers warteten. Denn zu gewissen Zeiten stieg ein Engel in den Teich herab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, ward gesund, mit welcher Krankheit irgend er behaftet war. Das ist der totale Text.
Ja, also, erfrischen wir uns.
 Johannes 5,1: Das Fest der Juden, das Laubhüttenfest, wie gesagt das Fest der Freude, die das Gesetz verordnet. Du sollst dich nur freuen an diesem gesetzlichen Fest.
Vers 2: Es ist aber in Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der auf Hebräisch Bethesda zubenannt ist.
Was ist das Schaftor?
Wo die Opfertiere einkamen.
Ja, das war also das nördliche Tor zum, nicht östlich, nördliche Tor zum Tempelplatz, durch das die Opfertiere hineingebracht wurden. Der Herr Jesus nimmt ja Bezug auf dieses Tor. In Johannes 10, Vers 7, da erklärt er die geistliche Bedeutung. Wer liest? 7 und 9.
Jesus sprach nun wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe. Alle, die irgend vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.
Im Hebräischen hiess dieses Tor „Sha'ar Zon“. Zon ist sowohl Schafe wie Ziegen, das Kleinvieh. Das waren ja die Opfer der mittleren Grösse. Es gab noch grössere, das Opfer der Stiere, und kleiner das Opfer der Tauben, also nicht allgemein Vätervieh, sondern Tauben. So heisst also das Opfertor das Schaftor, wo gewissermassen der vor Gott schuldige Mensch mit dem unschuldigen Stellvertreter hineinkommt, in die Gegenwart Gottes. Nur auf der Grundlage des stellvertretenden Opfers gibt es Frieden mit Gott und Rettung. Und so sagte Herr Jesus: Ich bin die Tür der Schafe, wer durch mich eingeht, wird errettet werden. Wer also vor Gott erscheint, auf der Grundlage des stellvertretenden Opfers, das Jesus Christus ist, der wird errettet.
Aber hier in Johannes 5 wird das einfach als eine Tatsache der Beschaffenheit Jerusalems erwähnt. Erst in Kapitel 10 kommt dann die geistliche Bedeutung. Und da in der Nähe des Schaftores war der Bethesda-Teich. Was bedeutet Bethesda?
Bet-chesta, das ist Mikna, das Haus der Gnade.
Ja, genau. Jetzt gibt es aber in den verschiedenen Übersetzungen nicht unbedingt nur Bet-chesta. Hat jemand etwas anderes?
Betsata, das ist halt ägyptischer Text.
Ich habe nicht verstanden, was Sie gesagt haben.
Haus der Gnade. Betesta, Haus der Gnade. Und also Betsata, es gibt noch mehr Variationen, können wir vergessen. Der Mehrheitstext hat Betesta, also Haus der Gnade. Mitsata würde bedeuten Haus des Öls. Aber wir sehen, dass ausgerechnet Haus der Gnade wunderbar passt, denn in diesem Haus der Gnade macht dieser 38 Jahre lang kranke Mensch eine Begegnung mit dem Messias.
Ich glaube, wir haben hier Johannes 1 gelesen. Wer liest nochmals? Johannes 1, Vers 17. Und zuvor noch Vers 14.
Jawohl, voll Gnade und Wahrheit!
Jetzt sehen wir hier gleich auch diese Gegenüberstellung von Mose und Christus, das Gesetz und dann die Gnade. Wir hatten diesen Gegensatz schon mal zwischen Mose und Christus: Mose hat Wasser in Blut verwandelt, Christus Wasser in Wein. Hier haben wir den Herrn Jesus, der Gnade bringt, in Bethesda, und im gleichen Kapitel haben wir Mose, der einmal die Juden anklagen wird, die ihre Hoffnung nicht auf Christus gesetzt haben, Kapitel 5,45: Ihr sollt nicht meinen, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt, Mose, auf den ihr hofft.
Jawohl, Mose bringt die Klage zum Tode.
Wichtig ist aber, wenn wir auch diesen Gegensatz sehen zwischen dem Gesetz und der Gnade, zwischen Mose und Christus, es ist nicht ein Gegensatz im Sinn von: Das ist ein Widerspruch oder das eine ist schlecht, das andere gut, denn der Herr Jesus betont die Übereinstimmung. Er sagt in Vers 46 in unserem Kapitel: Denn wenn ihr Mose glaubtet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften, also der Tora, nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben? Also es ist völlige Übereinstimmung, aber das Gesetz betont eben das Gericht, denn das Gesetz kann den Menschen nicht retten, aber damit wies es hin auf die Notwendigkeit des Erlösers. So müssen wir das Verhältnis von Gesetz und Gnade sehen.
Dieser Bethesda-Teich: Diesen Bethesda-Teich hat man begonnen auszugraben, 1888 bei der Sankt-Anna-Kirche, ganz nahe von der Nordmauer des Tempelplatzes. Man hat dort zwei trapezoidförmige Becken ausgegraben, von hundert bis hundertzehn Meter Länge und zweiundsechzig bis achtzig Meter Breite und in der Tiefe etwa sieben bis acht Meter. Bewundern, die sind herausgeschlagen worden aus dem gewachsenen Felsen des Sankt-Anna-Tales dort.
Und die fünf Säulen hatten ein Apophon?
Nein, aber das ergibt sich, diese fünf Säulen aus den zwei Becken nebeneinander. Da gibt es also auf den Seitenlinien vier Säulenhallen und eine Säulenhalle zwischen den zwei Becken, das gibt eine fünfte. Das entspricht genau dieser Angabe. Es wird ja einfach gesprochen, nicht von den zwei Bethesda-Teichen, sondern einfach von dem Teich, der auf Hebräisch Bethesda zubenannt ist, welcher fünf Säulenhallen hat. Und wenn man sich so einfach einen Teich vorstellt, hat man ein bisschen Mühe, wie die fünf Säulenhallen untergebracht werden. Man hat ausgegraben, es waren zwei Teiche, also ein Doppelteich. Das gibt die fünf Hallen rundherum und zwischendurch.
Also dieser Ort war ein Ort, wo Gott von Zeit zu Zeit Heilung bewirkte durch einen Engel. Israel hat so ganz besondere Gnadenerweise erlebt, auch in der Zeit nach dem letzten Propheten des Alten Testaments, nach Maleachi. Zum Beispiel liest man in einem Talmud davon, dass am grossen Versöhnungstag immer wieder erlebt wurde, wie die Schnur, die weisse Wollschnur, die man dem Sündenbock um die Hörner gebunden hatte, wie die rote Schnur, wie die dann nach dem Tod des Sündenbockes weiss wurde. Aufgrund von Jesaja 1,18: Wenn eure Sünden blutrot sind, wie Schnee sollen sie weiss werden. Das war die Zusage an Jerusalem dort. Und solche Dinge hat man im Judentum erlebt, aber dann auch zum Beispiel im Moment des Todes des Herrn Jesus: Der Scheidevorhang, den Gott zerriss von oben nach unten, das war auch so ein übernatürliches Eingreifen im damaligen Judentum. Und so muss man also das einordnen, diese eigenartige Erscheinung da in Bethesda.
Aber was nun wichtig ist in unserem Text: Da war ein Mensch, Vers 5, 38 Jahre lang krank, und vom Wesen seiner Krankheit her konnte er sich ja kaum bewegen, war es ihm gar nicht möglich, je zur Heilung zu kommen. Und er hatte auch niemanden, der ihm geholfen hätte. Und da wartet und warte er, und da erscheint eben der Erlöser im Haus der Gnade und stellt ihm die Frage, Vers 6, Vers 7, Vers 6, ja, am Schluss, wer liest?
Willst du gesund werden?
Jawohl. Und da erklärte dann: Ich habe keinen Menschen, der usw.
Ja, man fragt sich: Warum überhaupt die Frage, willst du gesund werden, das war doch klar. Aber es ist ja so, wir müssen den Menschen auffragen, ob sie wirklich mit Gott in Ordnung kommen möchten oder ob sie ewiges Leben möchten. Es kann schon einer behaupten, ich habe gerade gestern eine Kassette gehört von einem Evangelisten, der hat gesagt, eigentlich könnte man sagen, alle Menschen suchen Gott, suchen Jesus Christus. Überrascht? Kann man das wirklich sagen? Und der Begründete ist: Ja, wir alle merken, dass uns etwas fehlt, wir sind alle auf der Suche. Aber dem würde ich nicht sagen, dass die Menschen Jesus Christus suchen. Sie suchen eine Erfüllung, aber meistens suchen sie am falschen Ort. Römer 3 sagt sogar über die Menschheit: Da ist keiner, der Gott suche, auch nicht einer. Der Mensch von sich aus sucht in allen möglichen Dingen, er sucht nicht bei Gott. Und wenn ein Mensch beginnt Gott zu suchen, dann ist es nur, weil der Heilige Geist ihn zieht. Aber das verdorbene Wesen, das wir von Adam geerbt haben, ist so verdorben, dass wir Gott nie suchen würden von uns aus. Und das Buch des Predigers zeigt auch, wie ein Mensch, der die Gemeinschaft mit Gott verloren hat, wie er versucht, in allen möglichen Dingen Befriedigung zu finden und letztlich sagen muss: Es bringt überhaupt nichts, Eitelkeit der Eitelkeiten.
Aber ist es nicht so, dass, ich glaube, das kannst du ja von dir selbst, beim Vergleich Mensch und Tier, dass es eben keine religiösen Tiere gibt oder keine religiösen Praktiken wie die Tiere anders? Also irgendwie ist ein Drang im Menschen doch da, wie man das erklären kann, so etwas nach etwas Höherem. Und darum lassen auch viele Menschen es gelten, eine höhere Macht.
Aber man kann sagen, das menschliche Herz ist immer geschaffen worden in Bezug auf Gott. Dadurch, dass wir gefallene Geschöpfe sind, richten wir es eben nicht auf Gott aus, sondern auf die Götter. Und wenn unser Herz auf Gott bezogen wird, dann ist es, weil Gott uns zieht. Und erst dann bekommen wir eben die innere Befriedigung. Aber eben, wie du sagst, das Herz braucht eine Ausrichtung, und das menschliche Herz ist entweder auf Gott oder auf die Götter, die Abgötter, ausgerichtet. Also darum ist es auch wichtig, suchenden Menschen wirklich noch einmal die Frage zu stellen: Möchtest du wirklich? Befriedigung, natürlich, klar, aber der Mensch da suchte die Lösung der Gesundheit eben hier im Teich von Bethesda, und es war ihm gar nicht möglich, da Gesundheit zu finden. Achtunddreissig Jahre lang krank.
Woran erinnern uns diese achtunddreissig Jahre? Wo in der Heilsgeschichte haben achtunddreissig Jahre eine besondere Rolle gespielt?
Realisten meinen Sie.
Die waren doch vierzig?
Vierzig.
Ja, äh, du bist schon auf der richtigen Spur. Es wären eigentlich nur zwei Jahre gewesen, aber wegen ihrem Unglauben wurden sie um achtunddreissig Jahre verlängert.
Ja, die Verlängerung. Der Wüstenreise war achtunddreissig Jahre, denn sie kamen ja aus Ägypten zuerst an den Sinai, da bekamen sie das Gesetz, haben die Stiftshütte aufgebaut, und danach erst ging es nach Kadesh Barnea. Aussendung der Kundschafter, das Volk reagiert mit Unglauben, und Gott führt das Volk zurück in die Wüste, bis die Auszugsgeneration gestorben wäre. Und das sind dann noch achtunddreissig Jahre, so sind sie in 5. Mose 2 zu finden, also eine verhängnisvolle Zahl. Wer liest 5. Mose 2, Vers 14?
Die Tage aber, die wir von Kadesch-Barnea gegangen sind, bis wir über den Bach Sered zogen, waren achtunddreissig Jahre, bis das ganze Geschlecht der Kriegsleute aus dem Lager aufgegeben war, so wie der Herr ihnen geschworen hatte.
Also nachzulesen in 4. Mose 14 und folgende, dort haben wir die ganze Sache mit Kadesch-Barnea, aber hier haben wir die Zahl, achtunddreissig Jahre. Das heisst also, die Zahl 38, das ist die Zahl der Jahre, die Israel als Volk unter dem Gesetz eben unter der Zucht Gottes als Prüfung durchmachen musste, weil sie dem Gesetz gar nicht gehorsam waren. Unsere verdorbene Natur ist auch gar nicht fähig, sich Gottes Gesetz zu unterwerfen. Und so symbolisiert also dieser Mann, der sich kaum fortbewegen konnte, symbolisiert uns Menschen, die wir unfähig sind, gemäss den Geboten Gottes zu leben.
Willst du gesund werden? Ja, und viele Menschen versuchen, er kann sich ein bisschen bewegen, oder? Aber nicht genügend schnell. Und wir versuchen so herumkriechend eben die Lösung unseres Problems zu finden, und es bringt es nicht. Nur die Begegnung mit dem Messias, Vers 8: Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett auf und wandle. Und alsbald wurde der Mensch gesund, nahm sein Bett auf und wandelte.
Also die 38 Jahre haben eigentlich schon in der Anfangszeit der Geschichte Israels und dem Gesetz gezeigt: Der Mensch wird auf dem Weg des Gesetzes nicht den Frieden und den Segen finden. Darum also eine interessante Verbindung hier zu diesem Mann im Haus der Gnade.
Übrigens, das Schaftor war offensichtlich auf einer Linie zu dem südlichen Tor des Tempelbezirks, und wie hiess das? Wie? Die schöne Pforte. Und dort war auch einer, Apostelgeschichte 3. Was für einer?
Ein Gelähmter. Er konnte nicht hinein in den Tempel, er sass draussen vor der Tür. Und als dann Petrus kommt, er bringt ihm kein Silber und Gold, er sagt: Im Namen Jesu, des Nazareers, des Messias, stehe auf und wandle. Auch durch die Begegnung mit dem Messias kann er gehen, und schliesslich tritt er mit den Aposteln ein in den Tempel. Von sich aus konnte er keine Begegnung mit Gott machen, aber durch die Begegnung mit dem auferstandenen Christus war das möglich. Wie lange war er gelähmt?
Ja, wie viel?
Über vierzig, glaube ich, gell?
Bei vierzig Jahren, ja? Da haben wir die Zahl der gesamten Wüstenreise. Das ist schon interessant, ja. Also die Leute, einer auf der Nordseite, einer auf der Südseite, einer erinnert uns an die Katastrophe der ganzen Wüstenreise, denn Israel, bevor es unter dem Gesetz war, hat schon dauernd gegen Gott gemurrt. Dann bekam sie das Gesetz, und das hat ihnen diese Strafwanderung von 38 Jahren gebracht. Und der andere, der auf der Nordseite, erinnert uns eben an die Zeit ab Barnea. Aber nur die Begegnung mit dem Auferstandenen oder die Begegnung mit Christus kann hier Lösung bringen.
Nun hat das Ganze aber ein Problem gehabt. Die Heilung fand an welchem Tag statt? Sabbat. Und er kam dann mit den führenden Juden in Kontakt, Vers 10. Die Juden haben wir ja schon ein paarmal erklärt im Johannesevangelium immer die führenden Juden. Aber noch mal eine Frage zuvor: Ich bin gerade bei Apostelgeschichte 3, wo steht denn das, dass er vierzig Jahre krank war?
In Apostelgeschichte 4, Vers 22. War mehr als vierzig Jahre alt und er war von Mutter Leide an. Das steht in 3, dass er vom Mutterleibe an krank gewesen war.
Okay, danke.
Also mehr als 40, im Bereich von 40 Jahren. Gut, nun, der Haken war also: Das Ganze geschah am Sabbat, und das forderte natürlich die leitenden Juden heraus, Stellung zu nehmen zu dieser Heilung. Eine solche Heilung könnte ein Hinweis sein, dass es sich um den Messias handelt, aber der Mann hat etwas getan, was ihrer Ansicht nach gegen das Gesetz geht. Denken wir immer daran, um die Zeit des Laubhüttenfestes, das ist das Fest der Freude des Gesetzes. Also der Gedanke: Gesetz. Das Spannungsfeld Gesetz-Gnade steht hier im Vordergrund. Sie sagen: Das ist dir gar nicht erlaubt, das Bett dazutragen. Und er beruft sich einfach auf die Autorität dessen, der geheilt hat. Vers 11, wer liest?
Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf und geh umher.
Jawohl. Und sie wollen wissen, wer ist der Mensch? Wer hat eine solche Autorität, etwas derartiges zu befehlen, was gegen die Lehre der führenden Juden geht? Und schliesslich kommt es aber zu einer Begegnung mit dem Herrn Jesus im Tempel. Der Geheilte wusste ja nicht, wer es war. Aber in Vers 14 begegnet er dem Herrn im Tempel, und der Herr sagt ihm im Tempel was. Wer liest Vers 14?
Danach findet Jesus ihn im Tempel, und er sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfahre.
Ja, aus diesem Vers schliessen wir, dass der Mann aus Sünde krank geworden war. Nicht wahr, wir wissen ganz genau, dass Krankheit und Leid ganz verschiedene Ursachen haben können, und eine unter den Ursachen kann Sünde sein. Die Freunde Hiobs haben zack zack geurteilt: Hiob ist schwer krank, also war er ein Sünder, der geheuchelt hatte, und ihre ganze Schlussfolgerung war grundverkehrt und falsch. Aber hier sagt der Herr, er soll aufhören zu sündigen, damit nicht noch Ärgeres geschieht. Also die 38 Jahre standen in Verbindung mit Sünde, genau so wie die 38 Jahre ab Kadesch-Barnea.
Und nun, der Mann hat wirklich etwas erlebt mit dem Herrn, denn er beginnt nun zu zeugen, Vers 15. Jetzt weiss er, wer es ist, und er verkündet den Juden, dass es Jesus sei. Das führt zu Verfolgung, sie wollen ihn töten, Vers 16, und zwar noch aus einem anderen Grund, nicht, das ist der eine Grund, aber, ja, weil Gott, liest er es nochmals vor, Vers 18:
Mein Vater wirkt bisher und ich wirke auch.
Darum trachteten ihn die Juden nun vielmehr nach, dass sie ihn töteten, dass er nicht allein den Sabbat brach, sondern sagte, auch Gott sei sein Vater und machte sich selbst gottgleich.
Jawohl, noch genauer übersetzt: sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, sich selbst gottgleich machend. Also zwei Anklagegründe: Verletzung des Sabbatgebotes und er nennt Gott seinen eigenen Vater.
Ja, wie hat der Herr über Gott gesprochen, in Vers 17?
Mein Vater wirkt...
Ja, mein Vater, das wäre hebräisch, avi. Und da könnt ihr die jüdischen Gebetsbücher durcharbeiten, es gibt viele Gebetsbücher. Und ich werde mir wohl keinen einzigen Beleg finden für Avi, mein Vater. Es steht auch im Talmud, Traktat Brachot, man soll sich immer mit dem Kollektiv eins machen, wenn man Gott anspricht. Also man soll Gott nennen, Avinu, unser Vater. Quasi wir als Volk stehen zu ihm in Beziehung, aber nicht der Einzelne hat quasi eine exklusive Beziehung.
Und darum, wenn der Herr sagt „Mein Vater“, das kann im Griechischen die Übersetzung sein von „Avi“ oder noch von einem anderen Ausdruck „Aba“. „Aba“ ist hebräisch-aramäisch für „Papa“. Und da könnt ihr alle Gebetsbücher durchgehen, ich werde nie finden, dass Gott mit „Aba“ angesprochen wird. Aber Avinu, natürlich dauernd: unser Vater. Übrigens im Sinn von Gott als dem Schöpfer. So findet man das in Jesaja 63 zum Beispiel, alttestamentlich die Grundlage für diese Ansprache in den Gebetsbüchern, Jesaja 64, Vers 8. Wer liest?
Aber nun, Herr, du bist unser Vater, wir sind der Ton und du bist unser Bildner, und wir alle sind das Werk deiner Hände.
Ja, unser Vater, und das steht in Verbindung mit dem, dass er der Töpfer ist, der Schöpfer. Aber der Herr Jesus nannte Gott Avi beziehungsweise Abba. Übrigens das Wort Abba, wo kommt das im Neuen Testament vor?
Ja, Römer 8 und noch vorher im Garten Gethsemane, Markus 14, ganz gut merken: Markus 14, der Herr in Gethsemane, Abba, Vater, wenn es möglich ist, so geht dieser Kelch mir vorüber. Dann Römer 8, der Geist der Sohnschaft ruft durch uns Abba, Vater, und die Parallelstelle Galater 4, der Geist der Sohnschaft ruft Abba, Vater. Also wir Gläubige heute, die wir Kinder Gottes sind durch den Glauben, Johannes 1, Vers 12: so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu sein, die an seinen Namen glauben und eben aus Gott geboren sind, die dürfen Gott so ansprechen, wie es der Herr getan hat, was im Judentum absolut nicht möglich ist, denn sie haben nicht eine Beziehung als wiedergeborene Kinder Gottes zu dem ewigen Vater des ewigen Sohnes Jesus Christus.
Der Herr Jesus hat diese Beziehung gehabt, er nannte Gott „Avi“, mein Vater, oder „Aba“, und sie haben dabei erkannt, dass er sich Gott gleichmachte, indem er ihn seinen eigenen Vater nannte, also indem er quasi die Stellung einnahm als der einzige Sohn. Wenn er sagt „mein Vater“, dann ist er der einzige Sohn. Da haben sie erkannt: Das stellt ihn Gott gleich. Interessant, sie sagen nicht, Sohnschaft bedeutet, dass er kleiner ist als Gott, geringer ist als Gott, sondern diese Beziehung von Sohn und Vater stellt ihn auf die gleiche Stufe.
Wir haben in Sprüche 30 einen Hinweis auf diesen ewigen Sohn Gottes, Sprüche 30, Vers 4, wer liest uns das vor?
Wer ist hinaufgestiegen zum Himmel und herabgefahren, wer hat den Wind in seine Fäuste gesammelt, wer hat die Wasser in ein Tuch eingebunden, wer hat aufgerichtet alle Enden der Erde, was ist sein Name und was der Name seines Sohnes, wenn du es weisst?
Das war eine Frage: Was ist der Name Gottes? Da könnte man sagen, ja Gott. Nein, was ist der Name Gottes und wie heisst sein Sohn, nicht einer seiner Söhne? Sein Sohn, das ist der einzige Sohn, der eingeborene Sohn. Ja, das wird erst neutestamentlich beantwortet: Was ist der Name seines Sohnes, wenn du es weisst? Jesus.
Und der Jesus als Sohn ist in diese Welt gekommen, um den Namen des Vaters zu offenbaren. Johannes 17,5: Da spricht der Sohn Gottes: Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Der ewige Sohn beim ewigen Vater, vor Erschaffung der Welt. Ich habe deinen Namen geoffenbart den Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast. Welchen Namen? Das ist der Name des Vaters, Avi, aber.
Und die Juden haben erkannt, wenn er sagt „Mein Vater wirkt und ich wirke“, dann macht er sich damit gottgleich. Und so hatten sie jetzt zwei Anklagegründe.
Ich habe zu diesem Vers 16 noch mal eine Nachfrage. Witzigerweise steht in meiner Übersetzung lediglich: „Und sie verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat getan hatte.“ Nicht die Geschichte und suchten ihn zu töten, wie anders vorgelesen wurde.
Ja, das ist wieder Mehrheitstext.
Ach so, altägyptischer.
Ja, ganz genau. Ohne dass eine Notiz dabei steht, interessanterweise. Ja ja, die Notiz kommt nur bei diesen wichtigen Stellen, normalerweise eben wie Johannes 5, Markus 16, Johannes 8. Jede Übersetzung werden angegeben, da ist unter anderem auch eine Ergänzung mit älteren Handschriften und ohne ältere Handschriften. Ist das damit gemeint? Ich habe mir da überhaupt keinen Reim draus machen können.
Nein, wenn normalerweise von ältesten Handschriften gesprochen wird, dann sind das ägyptische. Und zwar hängt das damit zusammen: Ägypten ist so trocken und so heiss, dass dort viel ältere Handschriften überleben konnten als in der Türkei, in Griechenland und Italien. Darum sind eben die Mehrheitstext-Handschriften gewöhnlich jünger als diese ägyptischen. Und darum wird dann behauptet, das sind die ältesten Handschriften, und darum müssen wir uns auf die abstützen.
Aber die Mehrheitstext-Handschriften können gar nicht älter sein oder kaum, weil sie aus etwas feuchteren Gebieten stammen als der ägyptische Text. Aber dadurch, dass das eben geografisch so weit abgedeckt ist, kann man zeigen, dass das ein ursprünglicher Text sein muss, weil wenn an einem Ort eine Änderung eingeführt wird, sagen wir um 150, ja gut, dann wirkt sich das aus, örtlich in den Abschriften, die man in Ägypten macht, aber das hat keinen Einfluss auf alle Handschriften in der Türkei, Italien, Griechenland, Italien, Spanien. Und darum gerade diese geografisch weitverbreitete Einheit, die ist darum ein ganz starkes Indiz, dass das der ursprüngliche Text ist.
Ja, also das wäre wieder so ein kleiner Punkt zum Mehrheitstext. Aber muss man schauen, alte Lutherbibel, dann kann man davon ausgehen, dass das drin ist, weil Luther hat eben den Textus receptus, das ist eine Spezialform des Mehrheitstextes, benutzt.
Gut, nun werden wir nächstes Mal weiterfahren, aber was ich noch andeuten möchte: Der Herr hält nun eine Rede, im Weiteren den Juden gegenüber. Er spricht über seine Beziehung von Sohn zum Vater und er nimmt Bezug auf sein Handeln am Sabbat. Und er sagt da in Vers 17: Mein Vater wirkt bis jetzt und ich wirke.
Schlagen wir mal auf Jesaja 43.
Gott hatte ja auch am Sabbat geruht nach dem Schöpfungswerk, aber das war seine frei gewählte Ruhe. Gott steht nicht unter einem Sabbatgebot, oder? Und jetzt kommt dazu Jesaja 43, Vers 24. Diese Sabbatruhe Gottes hat schon längst ein Ende genommen. Wer liest dort in der Mitte?
Aber du hast mir Arbeit gemacht mit deinen Sünden, du hast mich ermüdet mit deinen Sünden. Meinten Sie das?
Ja, ja, genau. Und dann noch weiter: Ich bin es, der deine Verbrechen auslöscht um meines Willen, und deiner Sünden will ich nicht gedenken.
Ja, da haben wir den gnädigen Gott, der arbeitet. Diese Ruhe Gottes ist mit dem Sündenfall des Menschen zum Ende gekommen. Gott wirkt, weil der Mensch verloren gegangen ist, und es waren nicht Adam und Eva, die gerufen haben nach dem Fall: „Gott, wo bist du?“ Der Mensch sucht nicht Gott. Gott ist gekommen und hat gesagt: „Adam, wo bist du?“ Und Gott wirkt. Es ist schön übersetzt bei ihnen: Du hast mir Arbeit gemacht. Und so sagte Herr Jesus: Der Vater arbeitet, ihr feiert Sabbat, denkt aber darüber nach, dass Gott arbeiten muss, auch am Sabbat, und der Sohn, der ihm eben gleich ist, steht auch nicht als Sohn Gottes unter dem Gesetz. Dadurch hat der Herr gezeigt, er steht in seiner Autorität darüber, er kann in diesem Spezialfall diesen Menschen sagen: Nimm dein Bett auf, weil er als der ewige Sohn über dem Gebot steht, und er kann auch eine Ausnahme des Gebots machen, wenn er will. Das zeigt seine Souveränität als ewiger Gott.
Und dann nächstes Mal fahren wir weiter, der Herr spricht dann über das Gericht, das Gott ihm übergeben hat. Das ist doch interessant. Wo hat die Heilung stattgefunden? Im Haus der Gnade. Und ein Mensch hat Gnade gefunden bei dem Herrn Jesus Christus. Aber jetzt zeigte Herr Jesus: Wer die Gnade nicht annimmt, der kommt unter das Gericht Gottes. Und so erklärt der Herr, dass der Vater ihm das ganze Gericht übergeben hat, Vers 24, und er hat ihm Gewalt gegeben, auch Gericht zu halten. Darum diese Gegenüberstellung von dem Haus der Gnade und dann diese ausführlichen Belehrungen über das Gericht, das der Sohn ausüben wird, ist schon interessant. Es geht alles verloren, wenn man Betesda hat, das Haus des Öls, es ist eben das Haus der Gnade. Und auch der Gegensatz eben zu diesen 38 Jahren Israel unter dem Gesetz, es geht alles verloren.
Und vielleicht noch abschliessend ein wichtiger Punkt: Dieser Mensch war ja gewissermassen wie lebendig tot, und das erklärt, warum der Herr Jesus hier plötzlich über die Auferstehung spricht. Dieser Mensch konnte ja nicht stehen. Der Herr sagte ihm, Vers 8: Steh auf, nimm dein Bett auf und wandle. Und das weist auf ein noch grösseres Wunder hin, nämlich dass der Herr Tote auferweckt. Finden wir in Vers 24 bis 29 Ausführungen über die Auferstehung, wie der Herr Jesus eben die Toten auferwecken wird. Und das ist also auch direkt im Zusammenhang zu sehen mit dem Mann, der da lag und sich nicht wirklich bewegen konnte, wie lebendig tot. Aber das wollen wir nächstes Mal anschauen und auch genauer, was mit der Auferstehung da gemeint ist. Denn es gibt drei Typen von Auferstehung: Menschen, die tot sind in der Sünde, die durch das Evangelium zum Leben kommen, und dann gibt es die Gläubigen, die einmal aus dem Tod auferweckt werden, und auch die Ungläubigen werden auch auferweckt werden. Also wir haben drei verschiedene Arten von Auferweckung, die der Sohn Gottes bewirken wird, sowohl Auferweckung zum Leben als auch dann Auferweckung zum Gericht. Denn wir stehen gewissermassen zwischen der Wahl: Haus der Gnade oder dann das Gericht, das das Gesetz fordert.
Ja, dann wollen wir noch beten zum Schluss.

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