Einleitung und Lesung des biblischen Abschnitts
Guten Tag, ich möchte alle herzlich begrüssen zu dieser Bibelklasse. Wir stehen in 1. Mose 22. Es geht um die Opferung, um die Darbringung von Isaak, und wir lesen gleich zu Beginn Gottes Wort in 1. Mose 22, die Verse 1 bis 19. Darf ich Sie bitten, Christian?
1. Mose 22,1-19
Und es geschah nach diesen Dingen, da prüfte Gott den Abraham. Und er sprach zu ihm: Abraham! Und er sagte: Hier bin ich.
Und er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Moria. Und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werde.
Da machte sich Abraham früh am Morgen auf, sattelte seinen Esel und nahm seine beiden Knechte mit sich und seinen Sohn Isaak. Und er spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf und ging an den Ort, den Gott ihm genannt hatte.
Am dritten Tag erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von ferne. Da sagte Abraham zu seinen Knechten: Bleibt ihr mit dem Esel hier. Ich aber und der Junge wollen dort hingehen und anbeten und zu euch zurückkehren.
Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. In seiner Hand nahm er das Feuer und das Messer, und sie gingen beide miteinander.
Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham und sagte: Mein Vater! Und er sprach: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sagte: Siehe, das Feuer und das Holz, wo aber ist das Schaf zum Brandopfer?
Da sagte Abraham: Gott wird sich das Schaf zum Brandopfer ersehen, mein Sohn. Und sie gingen beide miteinander.
Und sie kamen an den Ort, den Gott ihm genannt hatte. Und Abraham baute dort den Altar und schichtete das Holz auf. Dann band er seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.
Und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel herzu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sagte: Hier bin ich.
Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Jungen und tu ihm nichts. Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest, da du deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast.
Und Abraham erhob seine Augen und sah, und siehe, da war ein Widder hinten im Gestrüpp an seinen Hörnern festgehalten. Da ging Abraham hin, nahm den Widder und opferte ihn anstelle seines Sohnes als Brandopfer.
Und Abraham gab diesem Ort den Namen: Der Herr wird ersehen. Von dem man heute noch sagt: Auf dem Berg des Herrn wird er sehen.
Und der Engel des Herrn rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel herzu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, darum werde ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist. Und deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen.
Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde, dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast.
Dann kehrte Abraham zu seinen Knechten zurück. Und sie machten sich auf und zogen miteinander nach Beerscheba. Und Abraham liess sich in Beerscheba nieder.
Vielen Dank, bis dahin.
Rückblick auf die bisherige Auslegung
Wir haben ja letztes Mal schon mit 1. Mose 22 begonnen und verschiedene Dinge bereits klar gesehen und festgehalten. Ein paar davon wollen wir wiederholen.
Abraham ist bereit, seinen geliebten Sohn als Opfer zu geben. Damit wird deutlich, dass dieser ganze Abschnitt heilsgeschichtlich eine Vorausschattung auf das Evangelium ist.
Wir schlagen Johannes 3,16 auf. Dort wird die Frohe Botschaft in einem Satz zusammengefasst, den Jesus in seinem nächtlichen Gespräch mit einem der führenden Rabbiner des Judentums, Nikodemus, spricht. Fasst es so zusammen, bitte Christian! Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzig eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
Ja, also wir sehen verschiedene wichtige Wörter in diesem Vers, und genau diese finden wir hier in 1. Mose. Daran wird klar, dass der Heilige Geist diese Geschichte extra so durch Mose aufschreiben ließ, dass die Details ein deutlicher Hinweis auf die Gabe des Sohnes durch den Vater sind.
Wir haben letztes Mal schon gesehen: In diesen 19 Versen sind ja nicht viele Wiederholungen. Wie oft heißt es da Sohn? Zehnmal! Zehnmal wird gesagt, dass Isaak eben der Sohn war. Ich habe das in meiner Bibel gerade so mit Farbe unterstrichen, dann kann man das Kapitel überschauen und sieht sofort diese ganz zentralen Ausdrücke. Es geht darum, dass Gott ihm seinen Sohn gegeben hat.
Und das ist das Besondere: dieses Verhältnis der Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn. Und trotzdem war der Vater bereit, Jesus Christus als Opfer für die Welt zu geben.
Dann ist zu sagen: Dreimal wird er genannt, der Einzige. Schon in Vers 2 liest du, Christian: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Moria und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werde.
Ja, also: deinen Sohn, deinen einzigen.
Im Neuen Testament, das haben wir letztes Mal gelesen, wird in Hebräer 11 diese Opferung von Isaak aufgenommen. Dort wird Isaak mit monogenes bezeichnet, auf Griechisch. Man übersetzt das mit „eingeborener“ oder „einziger in seiner Art“. Wir schlagen das kurz auf, weil diese Wiederholung wichtig ist: Hebräer 11,17-19.
Durch Glauben hat Abraham, als er geprüft wurde, den Isaak dargebracht, und er, der die Verheißung empfangen hatte, brachte den einzigen Sohn dar, über den gesagt worden war: In Isaak soll deine Nachkommenschaft genannt werden, indem er dachte, dass Gott auch aus den Toten erwecken könne, von woher er ihn auch im Gleichnis empfing.
Ja, also hier wird Isaak als der Eingeborene bezeichnet. Und dass eben dieses Wort monogenes, das wir in Johannes 3,16 im Griechischen finden, seinen einzigen Sohn oder eingeborenen Sohn meint, bedeutet eben auch „einziger in seiner Art“. Und das wird so gesagt, obwohl Abraham noch einen zweiten Sohn hat, natürlich nicht nach Gottes Plan, sondern durch diese Zweitehe mit Hagar, Ismael. Aber weil Isaak eben der Einzige in seiner Art war, der Sohn nach Gottes Plan, aus dieser Ehe, wie Gott das wollte, Abraham und Sarah, darum wird er der Einzige genannt. Er ist der Einzige in seiner Art.
In diesem Sinn muss man auch Johannes 3,16 verstehen: einzig geborener. Da geht es um den ewigen Sohn, der aber eben in seiner Art einzig ist, unvergleichlich. Und den hat Gott gegeben.
Also diese Bezeichnung in Hebräer 11 ist ganz wichtig, um zu verstehen, worum es da eigentlich geht. Und wie gesagt: Sohn zehnmal. Aber dass es der Sohn des Vaters ist, wird vierzehnmal betont, denn es wird ständig gesagt: sein Sohn oder dein Sohn. Das Possessivpronomen wird im Ganzen 14 Mal gebraucht, um zu sagen, dass es der Sohn von Abraham ist, beziehungsweise 13 Mal, dass es sein Sohn ist. Und dann wird noch einmal gesagt in Vers 2: den du liebst. Also diese Beziehung der Liebe wird auch noch einmal speziell betont.
Die Frage nach dem prophetischen Sinn
Und jetzt haben wir hier das Thema Typologie vor uns. Typologie bezeichnet die Lehre der prophetischen Vorbilder im Alten Testament. Das nennt man Typologie. Typos heißt auf Griechisch Bild oder Vorbild.
Nun gibt es aber gerade unter den Evangelikalen viele, die sagen: Achtung, mit Typologie muss man sehr, sehr aufpassen. Und man kann natürlich nur das im Alten Testament typologisch auslegen, was das Neue Testament ausdrücklich typologisch auslegt.
Frage: Hätten wir da eine Grundlage? Wo wird im Neuen Testament gesagt, dass diese Geschichte von Abraham und Isaak einen prophetischen, typologischen Sinn hat? Die Frage ist ein bisschen schwierig, aber es steht dort, dass das ein Hinweis ist, prophetisch. Das können wir aber aufschlagen.
Jakobus 2, du meinst natürlich ab Vers 20, nicht wahr? 20 bis 24. Christian.
Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne die Werke nutzlos ist? Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte? Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammen wirkte und der Glaube aus den Werken vollendet wurde. Und die Schrift wurde erfüllt, welche sagt: Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und er wurde Freund Gottes genannt. Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.
Ja, danke. Also, Jakobus ist nicht im Kontrast zum Römerbrief, wo in Kapitel 3 ausdrücklich gesagt wird, dass der Mensch nur aus Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke, und trotzdem scheint es, er widerspreche. Es wird nämlich hier gesagt, in Vers 24, es wird ein lehrmässiger Grundsatz aus der Geschichte abgeleitet: Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein. Das muss man gut beachten.
Jakobus zitiert in Vers 23: Und die Schrift wurde erfüllt, die sagt: Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Woher ist dieses Zitat? 1. Mose 15,6, genau. Und Jakobus zitiert die Geschichte von der Darbringung von Abrahams Sohn in Vers 21: Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte, oder darbrachte? Das griechische Wort heißt darbringen. Er hat ihn ja schliesslich nicht geopfert, aber dargebracht. Das ist hier so ausgedrückt.
Aus welchem Kapitel ist das klar? Ich meine jetzt, dass Abraham seinen Sohn darbringt: 1. Mose 22. Und das ist jetzt wichtig. Also, dieser Satz Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, das ist Kapitel 15. Und erst später, Kapitel 22, kommt das mit den Werken. Das heisst also, bereits als Abraham Gott glaubte, war klar: Abraham ist von Gott gerechtfertigt durch Glauben. Und das mit den Werken, 1. Mose 22, kam später und hat eben bestätigt, dass dieser Glaube echt war von Abraham und nicht einfach so ein Fürwahrhalten.
Also, die Werke haben sichtbar gemacht für alle Menschen, dass Abraham ein wirklicher Gläubiger ist. Und insofern spricht eben Jakobus von der Rechtfertigung vor den Menschen, dass Gott vor den Menschen das klar macht, wer ein Gerechter ist. Und das ist deutlich geworden durch die Werke, 1. Mose 22. Aber vor Gott war das von Anfang an klar, ohne die Werke, 1. Mose 15: Eben Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.
Und so kann man sagen: Dieser Abschnitt spricht nun nicht typologisch, eben als Hinweis auf Golgatha, sondern der Abschnitt wird hier benutzt, um lehrmässige Grundsätze herauszuarbeiten. Das zeigt uns: Bibelauslegung bewegt sich auf verschiedenen Ebenen, und eine Ebene ist, was können wir an biblischer Lehre daraus ableiten. Das wird uns hier gezeigt. Also: Durch Glauben wird man vor Gott gerechtfertigt, und durch die Werke wird das sichtbar auch nach außen, und da wird man vor den Menschen gerechtfertigt. Das ergänzt sich. Der wahre Glaube zeigt sich schliesslich in Auswirkungen, in Taten. Aber Abraham wurde nicht erst in 1. Mose 22 gerettet, aber da hat sich der Glaube sichtbar bestätigt.
Gut, aber meine Frage war ja: Wo wird jetzt im Neuen Testament erklärt, dass 1. Mose 22 eine typologische Bedeutung hat, die hinweist auf das Werk von Golgatha, Gottes Gabe von seinem Sohn?
Galater 4, schlagen wir auf, lesen wir gerade den Zusammenhang ab Vers 21.
Sagt mir, die ihr unter Gesetz sein wollt, hört ihr das Gesetz nicht? Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien. Aber der von der Magd war nach dem Fleisch geboren, der von der Freien jedoch durch die Verheissung. Dies hat einen bildlichen Sinn, denn diese Frauen bedeuten zwei Bündnisse, eines vom Berg Sinai, das in die Sklaverei hinein gebiert, das ist Hagar. Denn Hagar ist der Berg Sinai in Arabien, entspricht aber dem jetzigen Jerusalem, denn es ist mit seinen Kindern in Sklaverei. Das Jerusalem droben aber ist frei, und das ist unsere Mutter. Denn es steht geschrieben: Freu dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst, brich in Jubel aus und rufe laut, die du keine Geburtswehen erleidest, denn viele sind die Kinder der Einsamen, mehr als die derjenigen, die den Mann hat. Ihr aber, Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheissung. Aber so wie damals der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geist Geborenen verfolgte, so ist es auch jetzt. Aber was sagt die Schrift? Stoße die Magd und ihren Sohn hinaus, denn der Sohn der Magd soll nicht mit dem Sohn der Freien erben. Daher, Brüder, sind wir nicht Kinder einer Magd, sondern der Freien!
Ja, wie würdest du jetzt argumentieren, Andreas, im Zusammenhang mit 1. Mose 22? Also, die Allegorie oder eben Typologie, das kann man zum Teil, das überschneidet sich, das sind zwei Ausdrücke, die sich stark entsprechen, die wird hier angewendet eben auf die zwei Söhne, Ismael und Isaak, dass also Isaak eine prophetische Bedeutung hat, nicht wahr? Habe ich es richtig wiedergegeben, Andreas?
Ja, gut, also hier wird ja gesagt, es geht um die Magd Hagar, Vers 22, und um die Freie, Sarah. Und da wird gesagt, das sind zwei Bündnisse. Und zwar ist Hagar ein Repräsentant von dem Gesetz, vom Sinai, das zur Knechtschaft führte, und Sarah ist eben ein Bild von dem Bund der Verheissung an Abraham. Und darum wird gesagt, sie bedeuten zwei Bündnisse.
Siehst du, in Vers 24, was einen bildlichen Sinn hat. Auf Griechisch steht hier allegoreo, und davon kommt das deutsche Wort Allegorie, also Deutsch, ein Fremdwort. Das heisst eben wörtlich: anders reden. Das heisst, eine Geschichte hat eine bildliche Bedeutung, das ist Allegorie.
Und das hilft uns also schon mal weiter. Aber was wir sagen können, ist: Galater 4 ist eigentlich eine wichtige typologische Erklärung von 1. Mose 21. Da hatten wir doch letztes Mal die Austreibung von Hagar und Ismael. Und wir haben das alles so im Detail angeschaut, aber wir haben letztes Mal kein einziges Wort gesagt über Galater 4, diesen Abschnitt. Und darum ist es gut, dass das jetzt aufgenommen worden ist. Da wird nämlich erklärt, was wir letztes Mal durchgenommen haben.
Gott sagte Abraham: Du musst Hagar hinausschicken, sie muss gehen, und auch Ismael. Das war für Abraham ganz schwierig nachzuvollziehen. Aber Gott sagt: In diesem Fall musst du auf deine Frau hören. Er hat ja einmal auf seine Frau gehört, er solle Hagar heiraten. Das war ihre Idee. Und das hat zu dieser Katastrophe geführt in 1. Mose 16. Das war ganz falsch. Aber diesmal sagt Gott: Jetzt da musst du auf Sarah hören. Und sie wurde hinausgetan.
Und jetzt wird eben hier erklärt in Galater 4: Das hat eine tiefere prophetische Bedeutung. Diese zwei Frauen, Sarah die Freie und Hagar die Magd, stellen eben bildlich zwei Bündnisse dar, eben das Bündnis vom Sinai, wo Gott den Bund mit Israel geschlossen hat und Israel quasi unter das Gesetz, man könnte sagen sklavisch, unter das Gesetz verpflichtet hat, während Sarah die freie Frau ist. Sie symbolisiert eben dieses Bündnis, das Freiheit bedeutet, das Bündnis mit Abraham.
Und dann wird noch gesagt, dass Hagar noch einem Berg entspricht. Nicht wahr? Es wird gesagt in Vers 25: Denn Hagar ist der Berg Sinai in Arabien. Schon speziell: Hagar ist der Berg Sinai. Ja, damit wäre eigentlich der Abendmahlsstreit zwischen Luther und Zwingli geklärt. Luther hat gesagt: Aber es steht, dies ist mein Leib, und dann muss man das auch so verstehen. Und Zwingli von Zürich sagte: Nein, das hat den Sinn, dies bedeutet, dies repräsentiert, dies stellt dar meinen Leib. Und die haben sich nicht verstanden.
Ja gut, wenn Luther Recht gehabt hätte, er hat sich aber eben geirrt, hätte er Recht gehabt, dann müsste man sagen: Abraham war mit einem Berg verheiratet. Ja, denn hier steht: Hagar ist der Berg Sinai in Arabien. Aber der Sinn ist der: Hagar symbolisiert, bedeutet der Berg Sinai, der Berg des Bundes der Knechtschaft. Und so sprechen wir auch heute. Wenn ein Bild zeigen würde von meiner Familie und ich sage: Das ist meine Familie, dann denkt niemand, ich sei verrückt. Ein Papier kann ja nicht eine Familie sein. Nein, aber das, was auf diesem Papier ist, das repräsentiert meine Familie. Das ist der Sinn. So sprechen wir: Das ist meine Familie, aber es stellt sie nur dar.
Und so haben wir das noch viel, viel mehr im Neuen Testament. Diese Sprache ist ganz, ganz normal, und Zwingli hat das also hier richtig verstanden, im Kontrast zu Luther. Aber was da noch herauskommt, ist Folgendes: Paulus macht klar anhand dieser Geschichte, das Leben in der Freiheit des Glaubens, also von Abraham, und das Leben unter Gesetz, nach dem Gesetz von Sinai, das erträgt sich nicht zusammen. Und darum hat eben Ismael, der Sohn von Hagar, Isaak verfolgt. Da gibt es ständig einen Konflikt. Und dann wird erklärt: Wenn man Gesetz und Gnade miteinander mischen will, das geht nicht. Und darum hat Gott gesagt: Hagar muss raus mit dem Sohn, um das eben zu illustrieren. Das gehört nicht zusammen, das muss man trennen.
Und darum haben eben Orthodoxe die frühen Christen verfolgt in der Apostelgeschichte, denn das geht nicht zusammen. Unter dem Gesetz von Sinai bleiben wollen, das führt zur Feindschaft mit denen, die die Freiheit in dem Messias, in Christus, entdeckt haben. Und das wird hier mit dieser Geschichte, mit dieser Austreibung, symbolisiert.
Übrigens kann man die Geschichte nicht verwenden, um seine Frau einfach wegzujagen. Es ist nämlich noch so, dass beachtet werden muss, dass Hagar zwar verheiratet war, das war nicht eine Konkubine, aber Gott hat die Polygamie von Anfang an nie gewollt, 1. Mose 2. Und sie ging also als polygame zweite Frau. Und das ist etwas ganz anderes, als wenn man sagen würde, jemand ist verheiratet und es gibt da Streit, also kann man die Frau wegschicken. Das geht gar nicht.
Aber hier geht es wirklich um die, es geht um einen Fall von Polygamie, und Gott wollte mit diesem Beispiel heilsgeschichtlich illustrieren: Gesetz und Gnade mischen geht nicht. Da wird es immer einen Konflikt geben, und zwar bis hin zu Verfolgung. Und darum musste Hagar gehen.
Die Grenzen und Möglichkeiten typologischer Auslegung
Aber jetzt können wir das gerade noch brauchen, um meine frühere Frage oder das Thema, das ich angerissen habe, weiter auszuführen. Ich habe gesagt: Es gibt viele Evangelikale, die sagen, bei Typologie muss man sehr, sehr aufpassen. Man dürfe nur die Dinge typologisch verstehen, die im Neuen Testament ausdrücklich so erklärt werden. Alles andere nicht.
Das heißt also: Das, was gerade in den Brüdergemeinden seit dem 19. Jahrhundert sehr verbreitet ist, nämlich in allen möglichen Geschichten des Alten Testaments prophetische Hinweise zu sehen, das sei falsch. Und auch das, was unter messianischen Juden sehr verbreitet und üblich ist, also bei Juden, die an den Herrn Jesus, den Messias, geglaubt haben, dass man in den Geschichten des Alten Testaments Vorschattungen auf den Messias hin sieht, das sei ebenfalls nicht zulässig. Ja, aber viele Evangelikale sagen: Nein, das ist falsch, das darf man nicht.
Schauen wir uns Galater 4 an. Paulus macht den Galatern dort einen Vorwurf. In Vers 21 sagt er: Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt, hört ihr das Gesetz nicht? Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien usw.
Paulus macht den Galatern also den Vorwurf, dass sie nicht schon selbst auf die Idee gekommen sind, in der Geschichte der Austreibung von Hagar und Ismael einen prophetischen Hinweis zu sehen, nämlich auf Gesetz und Gnade. Und genau das war das Problem der Galater: Sie wollten einerseits die Gnade des Evangeliums, aber dann wollten sie sich als Nichtjuden auch noch unter das Gesetz stellen, die jüdischen Feste feiern, sich beschneiden lassen usw. Und Paulus sagt: Das geht gar nicht.
Aber ihr wollt euch ja unter das Gesetz stellen. Bitte, hört ihr nicht, was das Gesetz sagt? Denn 1. Mose gehört ja auch zum Gesetz Mose, zu den fünf Büchern Mose, man nennt das die Tora, das Gesetz. Hört ihr das Gesetz nicht? Denn es steht geschrieben.
Sie hätten also selbst auf die Idee kommen sollen, noch bevor Paulus ihnen das erklärt. Also lernen wir daraus: Wir sollten selbst solche Zusammenhänge entdecken, auch wenn sie uns im Neuen Testament nicht ausdrücklich vorgegeben sind.
Die Verbindung zu Römer 8 und die Frage nach der direkten Entsprechung
Und jetzt aber: Ich habe gesagt, das ist eine schwierige Frage. Wird 1. Mose 22 im Neuen Testament so übertragen? Ja, in Römer 8. Aber jetzt sieht man auch, warum ich gesagt habe, das ist eine ganz schwierige Frage.
Liest du Vers 31, Christian, bis 32?
Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat, wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?
Diese Formulierung hier gut vergleichen mit 1. Mose 22, Vers 16. Da heisst es: „Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, dass, weil du dies getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast.“
Jetzt ist es so: In der LfL sieht man „mir“ klein gedruckt. Das ist im Deutschen ergänzt. Im Hebräischen steht einfach: „und deinen Sohn nicht vorenthalten hast.“
Jetzt ist es so, das Wort vorenthalten heisst auch verschonen. Und so ist es übrigens in der ältesten griechischen Übersetzung, der Septuaginta, die ja oft im Neuen Testament zitiert wird und die auch die Sprache des Neuen Testamentes stark geprägt hat. Diese Übersetzung stammt von Juden aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Sie wird auch oft benutzt bei direkten Zitaten, aber eben auch bei Anspielungen.
Und in der Septuaginta von 1. Mose 22,16 steht: „Deinen Sohn nicht verschont hast.“ Und jetzt sieht man, das ist genau die Formulierung in Römer 8, Vers 32: „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat.“ Also diese Formulierung aus der Septuaginta macht ganz klar: Jetzt wird das bezogen auf Gott, den Vater, der seinen Sohn nicht verschont hat.
Also bestätigt das Neue Testament, dass wir diese Geschichte so prophetisch, als prophetisches Bild, lesen müssen. Aber das reizt mich, weil diese Herausforderung, die habe ich schon so oft erlebt: eben diese Zurückhaltung. Ja, man muss aufpassen, dass man nicht zu viel, dass man nicht Fantasie anwendet. Einverstanden, da sind wir voll einverstanden. Also nicht wilde Fantasie anwenden bei der Typologie. Man muss das wirklich genau und detailliert begründen können.
Aber zum Beispiel schlagen wir auf Hebräer 9. Da beschreiben die Verse 1 bis 5 die Stiftshütte. Liest du kurz vor, Christian.
Es hat nun zwar auch der erste Bund Satzungen des Dienstes und das irdische Heiligtum. Denn es wurde ein Zelt aufgerichtet, das vordere, in dem sowohl der Leuchter als auch der Tisch und die Schaubrote waren, das das Heilige genannt wird; hinter dem zweiten Vorhang aber ein Zelt, das das Allerheiligste genannt wird, das einen goldenen Räucheraltar und die überall mit Gold bedeckte Lade des Bundes hatte, in welcher der goldene Krug, der das Manna enthielt, und der Stab Aarons, der gesprosst hatte, und die Tafeln des Bundes waren; oben über ihr aber die Cherubim der Herrlichkeit, die den Versöhnungsdeckel überschatteten, von welchen Dingen jetzt nicht im Einzelnen zu reden ist.
Also da wird schön erklärt, wie die Stiftshütte aufgebaut war, mit Heiligem und Allerheiligstem. Im Allerheiligsten die Bundeslade, die Details werden da noch ausgeführt. Dann wird über den goldenen Räucheraltar gesprochen, über den Tisch, über das Schaubrot, den Tisch, über den Leuchter, die Menorah. Und dann heisst es in Vers 5: „Worüber jetzt nicht im Einzelnen zu reden ist.“
Es gibt keine Erklärung im Hebräerbrief, was bedeutet die Menorah, was bedeutet die Bundeslade, was bedeutet der goldene Räucheraltar? Nichts. Ja, warum wird es denn hier gesagt? Damit wir das checken. Da gibt es ganz viel zu finden. Jetzt Arbeit beim Bibellesen.
Es wird nicht alles im Neuen Testament erklärt, was Typologie ist. Aber hier werden wir quasi wie belehrt: So, jetzt noch Hausaufgaben, und die könnt ihr selber erfüllen. Wir haben dann schon anderswo gewisse Dinge, aber nicht alles von hier, neutestamentlich erklärt. Zum Beispiel die Bundeslade mit dem Deckel, der hier erwähnt wird, dem Sühnedeckel.
Ja, in Römer 3, wenn wir kurz aufschlagen, Vers 24, 25:
Und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühnort oder diesen Sühnedeckel durch den Glauben an sein Blut.
Ja, danke, das reicht.
Also hier wird das Wort, das wir auch da haben in Hebräer 9 für den Deckel der Bundeslade, Sühnedeckel, ja, in 9 Vers 5, das auf Griechisch Hilasterion heisst, dieses Wort ist da benutzt in Vers 25: den Gott dargestellt hat als ein Hilasterion, als einen Sühnedeckel, durch den Glauben an sein Blut.
Am Jom Kippur hat der Hohe Priester einmal von dem Blut des stellvertretenden Opfers für das Volk auf die Bundeslade gespritzt. So hat er Sühnung erwirkt. Und jetzt wird hier gesagt: Der Sühnedeckel spricht von Jesus Christus, der sein Blut gegeben hat, sodass Gott uns jetzt vergeben kann. Also wird das direkt auf Christus bezogen. Typologisch. Hier wird das erklärt.
Und eine andere Stelle einfach als Beispiel jetzt: Apostelgeschichte 26. Da ist Paulus vor König Agrippa, ein Konsultativverfahren, und da muss Paulus erklären, wo er steht. Und er erklärt in Vers 22, dass er alles glaubt, was im Alten Testament ist, dass man ihm nicht vorwerfen kann, er würde Abfall vom Glauben predigen.
Liest du Vers 22?
Da ich nun Beistand von Gott erlangte, stehe ich bis zu diesem Tag und bezeuge Kleinen und Grossen, indem ich nichts sage ausser dem, was auch die Propheten und Mose geredet haben, dass es geschehen werde, dass der Christus leiden sollte, dass er als Erster durch Totenauferstehung Licht verkündigen sollte, sowohl dem Volk als auch den Nationen.
Ja, wenn man das so liest, muss man auch darüber nachdenken. Paulus sagt, Mose habe gesagt, dass, Vers 23, der Christus, der Messias, leiden sollte, dass er als Erster durch Totenauferstehung Licht verkündigen sollte. Wo steht das in den fünf Büchern Mose?
Man kann wirklich alles durchlesen von 1. Mose 1 bis 5. Mose 34. Man findet nichts. Man kann es auch rückwärts lesen auf Hebräisch, man findet nichts, ausser man würde stehenbleiben bei 2. Mose 25, der Beschreibung von dem goldenen Leuchter. Gott hat Mose auf dem Berg die Vorlage gezeigt, und er sollte es alles so ausführen. Und genau dort findet man diese Typologie.
Nicht wahr, der Leuchter wird dort vorgeschrieben. Der sollte aus reinem Gold sein, und zwar durfte er nicht gegossen werden, sondern er musste in Schmiedearbeit, in getriebener Arbeit, also Gold wird heiss gemacht und dann mit dem Hammer das Gold getrieben, so sollte er hergestellt werden.
Und dieser Leuchter hat ja sieben Lampen, Öllampen, und das Olivenöl spricht eben von Christus. Christus heisst auf Griechisch der Gesalbte, hebräisch Messias, der Gesalbte. Also dieses siebenfache Öl spricht von Christus, dem Messias.
Jeder Hammerschlag, den Bezaleel da ausgeübt hat zum Treiben des Goldes, hat ausgedrückt: Der Messias sollte leiden. Es ist vorgeschrieben in 2. Mose 25, an dem Leuchter müssen 22 Mandelblüten, Knauf und Blume angebracht werden.
Nun, der Mandelbaum ist der erste Baum in Israel, der nach dem Winter beginnt zu blühen. Ende Januar, Anfang Februar, mit seinen weissen Blüten kündigt er das neue Leben an. Ja, das ist genau das: dass er als Erster durch Totenauferstehung Licht verkündigen sollte, siebenmal Licht.
Also jedes Detail wird hier mit Selbstverständlichkeit vorgestellt. Aber Paulus sagt nicht: König Agrippa, wenn man so ein Flair für Typologie hat, wie ich als messiasgläubiger Jude, dann könnte man unter Umständen, aber man darf natürlich nicht zu viel Fantasie anwenden, könnte man im leuchtenden Menorah so eine Beziehung zu Christus herstellen, nicht wahr, mit dem Öl und mit den Hammerschlägen und mit den Mandelblüten.
Nein, er sagt mit aller Selbstverständlichkeit: Ich sage nichts anderes, was auch die Propheten und Mose geredet haben, dass es geschehen werde, nämlich dass der Christus leiden sollte, dass er als Erster durch Totenauferstehung Licht verkündigen sollte.
Das ist wirklich gewollt, sagt er so im Bibeltext. Und das zeigt uns eben, mit welcher Selbstverständlichkeit man das Alte Testament typologisch lesen sollte. Man sollte zuerst historisch lesen: Was steht da? Was ist genau so geschehen? Und dann sollte man das auch praktisch lesen, wenn ich mich frage: Was kann ich aus der Geschichte von Abraham für mich lernen?
Das haben wir letztes Mal schon gesehen: Gott hat Abrahams Glauben auf die Probe gestellt. Und auch unser Glaube wird immer wieder auf die Probe gestellt. Aber wir haben letztes Mal gesehen: Gott versucht nie zur Sünde, sondern wenn er unseren Glauben testet, dann ist es, um eben die Echtheit des Glaubens sichtbar zu machen.
Gott ruft Abraham, und seine Antwort auf den Ruf Abraham ist: Ja, vergräsch sogar, Hineni, ein Wort: Hier bin ich. Also wenn Gott ruft, sofort bereit sein, antworten: Hier bin ich!
Und dann sagt Gott: Nimm deinen Sohn, deinen Einzigen. Und das war eben das, was für Abraham irgendwie das Grösste geworden ist. Und jetzt muss er das hergeben. Und das hätte er irgendwie hinauszögern können. Schwierige Aufgaben zögert man gerne hinaus, das kennen wir. Aber wir lesen hier, dass Abraham am nächsten Morgen früh morgens aufsteht und geht.
Also so ein Beispiel. Wir können so viel Praktisches lernen aus diesem Kapitel. Aber jetzt sehen wir: Das Ganze hat eben noch einen bildlich-prophetischen Sinn und weist hin auf Gott, den Vater, der seinen ewigen Sohn, den geliebten Sohn, hingeben sollte zum Opfer.
Und so müssen wir die Bibel auf verschiedenen Ebenen lesen, das klar unterscheiden. Und wir haben auch gesehen, eine weitere Ebene: Jakobus 2. Was können wir aus diesem Abschnitt an grundsätzlichen Lehren der Bibel illustriert erkennen? Und dann haben wir das gesehen: Glaube, der rechtfertigt, 1. Mose 15, muss natürlich auch Werke haben, wo man sieht, das ist echt.
Wenn einer sagt: Ja, ich bin gläubig, er lebt genau so weiter wie vorher und lebt in der Sünde und sieht auch kein Problem und sagt vielleicht, wenn man ihn anspricht: Ja, bei mir ist das Thema heute noch nicht dran. Okay, das ist kein echter Glaube.
Der Glaube, dass er sichtbar wird für die Menschen, muss Werke haben, und natürlich auch in den Augen Gottes muss er sich auswirken, sonst war es eben kein echter Glaube. Aber Gott weiss es natürlich schon, was im Herzen ist, ohne die Auswirkungen. Wir nicht, wir brauchen unbedingt die Auswirkungen. Aber Gott will die Auswirkungen auch sehen, wir kommen noch darauf.
Zurück zu 1. Mose 22: Liebe, Ort und Auferstehung
Also gehen wir zurück zu 1. Mose 22. Wir haben schon gesehen: Gott sagt zu Abraham: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast.
Übrigens: Wie oft wird im Johannesevangelium, also in dem Evangelium mit Johannes 3,16, „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab“, gesagt, dass der Vater den Sohn liebt? Wenn ich die Frage so stelle, kann man sie eigentlich schon beantworten. Sie ist fast suggestiv. Ja, siebenmal. Sieben Stellen. Das ist jetzt Hausaufgabe: alle Stellen zu finden. Es ist das Wort Agapao, das im Neuen Testament ganz speziell die Liebe Gottes bezeichnet, und einmal ist es Phileo. Phileo ist besonders freundschaftliche Liebe, eine Liebe, die auf etwas antwortet, was einem beim anderen wohlgefällig und sympathisch ist. Wir finden also beides: einmal übersetzen die Elberfelder mit „der Vater hat den Sohn lieb“ – mit Liebhaben – und sechsmal mit Lieben, also Agapao. Aber insgesamt siebenmal: Der Vater liebt den Sohn, und diesen Sohn hat er gegeben.
Und hier wird das gesagt: Deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und zieh hin in das Land Moria. Wir haben letztes Mal gesehen: Wo wurde Isaak dargebracht? Auf einem der Berge im Land Moria. Also er hat ihn nicht auf dem Berg Moria geopfert, sondern auf einem der Berge im Land Moria.
Warum nennt Gott nicht gleich den Namen des Ortes? Ja, das ist ja das Problem. Nicht alle Berge, nicht alle Hügel hatten damals schon Namen. Nach der Sintflut hat man nach und nach die geographischen Namen gegeben. Aber gerade dieser Hügel hatte noch keinen Namen. Der Berg Moria aber war bekannt. Warum? Ja, weil Salem, kurz vor Jerusalem, die Königsstadt von Melchisedek, diesem kanaanitischen König aus 1. Mose 14, eben gebaut war auf dem langgestreckten Südabhang des Berges Moria. Und der Berg Moria heißt in der Bibel meistens Zion, ja. Also Zion, der Berg Zion, wird in der Bibel austauschbar gebraucht mit Berg Moria. Es ist derselbe.
Darum sagt das Alte Testament: Der Tempel Salomos war gebaut auf dem Berg Moria, 2. Chronika 3,1, und es wird gesagt, er war gebaut auf Zion. Das haben wir letztes Mal so ausgearbeitet: Gott sagt nur: Geh hin in das Land Moria. Das heißt also in dieses Gebiet, in diese Region, wo der bekannte Berg Moria mit der Königsstadt Salem auf dem Südabhang steht. Und dort, wenn du dann in die Region kommst, zeige ich dir einen ganz bestimmten Berg, und dort sollte er ihn opfern.
Also nicht auf dem Tempelberg, korrekt, wie du sagst, Philipp, sondern auf einem Berg dort. Ja, genau, das haben wir letztes Mal eben schon so ausgearbeitet, dass dieser Berg noch keinen Namen hatte, und Abraham gibt ihm den Namen in Vers 14. Lies nochmals, Christian.
Und Abraham gab diesem Ort den Namen „Der Herr wird ersehen“, von dem man heute noch sagt: Auf dem Berg des Herrn wird ersehen.
Ja, also Abraham nennt diesen Ort Adonai-jireh. Ab dem Moment hat dieser Ort einen Namen. Und wichtig ist eben: In der Zukunftsform sagt er Adonai-jireh, der Herr wird sich ersehen. Das heißt also: Bisher hatte er es noch nicht, und Isaak sollte verschont werden. Da war klar: Auf diesem Berg im Land Moria, da wird einmal das wahre Opfer von Gott gestellt werden, und zwar ist das darum in Golgatha.
Aus dieser Stelle konnte man von da an wissen: Wenn der Messias einmal kommt, also der Samen der Frau aus 1. Mose 3, der der Schlange den Kopf zertreten sollte und dabei einen tödlichen Biss in die Verse erhalten würde, dann wird der Messias sterben im Land Moria, beim späteren Tempelberg. Golgatha ist eben der Nordwesthügel der heutigen Altstadt von Jerusalem, also gerade ein Nachbarhügel von Moria, Zion. Dort hat Gott das wahre Opfer gegeben.
Und Mose sagt also in Vers 14b: Daher sagt man heute: Auf dem Berg des Herrn wird ersehen werden. Dieser Berg wurde Berg des Herrn genannt. Und da wird Gott einmal das Opfer geben. Und es ist eine Tatsache: Jesus Christus ist im Land Moria auf einem der Berge dort gestorben.
Und es ist so eindrücklich: Wenn du nochmals liest, Christian, Vers 3.
Da machte sich Abraham früh am Morgen auf, sattelte seinen Esel und nahm seine beiden Knechte mit sich und seinen Sohn Isaak. Er spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf und ging an den Ort, den Gott ihm genannt hatte.
Ja, da sehen wir: Der Ort, Hamakom, wird ganz speziell hervorgehoben, der Ort. Und das war eben der Ort, an dem Gott zwischenzeitlich gesagt hat: Das ist er jetzt, als er im Land Moria war. Und man muss sich ja vorstellen: Er hatte kein GPS und auch keine Landkarte. Er kam in das Land Moria, und dann hatte der Berg erst noch keinen Namen. Also man konnte auch nicht die Ortsansässigen fragen: Welcher Berg ist es? Ja, Gott hat keinen Namen gesagt, weil es keinen Namen gab. Aber Gott hat ihm klargemacht: Der Ort. Das hat er ihm gesagt.
Und dann ist Vers 4 so eindrücklich: Am dritten Tag erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von fern. Also er kam mit seiner Reise von Süden her, von Beerscheba, und dann hat er einen Punkt erreicht, von dem aus man bereits diesen Hügel sehen konnte, den Ort. Und das war am dritten Tag.
Und der dritte Tag erinnert uns an welches Thema? Auferstehung. Ja, und wir haben ja in Hebräer 11 gelesen, dass Abraham durch Glauben bereit war, seinen Sohn darzubringen und ihn geopfert hätte. Er war überzeugt, dass Gott, weil er ja verheißen hat, dass über Isaak die Segensverheißung weitergehen wird, ihn auferwecken wird. Und dann haben wir vorhin in Hebräer 11 gelesen: Im Bild hat er ihn dort wieder zurückerhalten. Es war quasi wie eine Auferstehung. Er hat innerlich abgeschlossen: Jetzt stirbt mein Sohn. Gott hat ihn gegeben, und jetzt nimmt er ihn.
Also ganz im Sinne von Hiob 1,21: Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen. Übrigens ein eindrückliches Wortspiel: Auf Hebräisch heißt das Adonai Nathan, Adonai lakach, Jehischem Adonai Jevorach. Ein richtiges Gedicht. So hat Hiob alle seine Kinder hergegeben, und Abraham war auch bereit. Aber im Bild, als er ihn dann eben behalten durfte, war das für ihn wie eine Auferstehung. Und darum haben wir gelesen in Hebräer 11, dass er ihn aus den Toten sozusagen im Bild wieder zurückerhalten hat. Da wird doch ein weiterer Hinweis im Neuen Testament, dass diese Geschichte eben eine bildlich-prophetische Bedeutung hat.
Hebräer 11,19: Wobei er urteilt, dass Gott auch aus den Toten aufzuwecken vermag, woher er ihn auch im Gleichnis empfing. Was die Bibel sagt, das ist ein Gleichnis. Anderswo finden wir den Ausdruck Typos, Vorbild, und wir haben in Galater 4 den Ausdruck Allegorie gefunden.
Jetzt gehen wir im Detail weiter. Er nimmt also noch zwei Knechte mit. Die werden hier bezeichnet mit Na'ar. Na'ar kann bedeuten: ein Kind, ein Jugendlicher oder auch ein Knecht. Ein sehr weites Wort. Ja, und die waren mit dabei. Und als er dann diesen Ort sieht, sagt er in Vers 5 zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel.
Nach der Pause schauen wir uns an, was die Bedeutung ist, dass die da nicht mitkommen durften. Zwanzig Minuten Pause.
