
Paulus, ein Mitarbeiter an dem Vorsatz Gottes
Einführung: Freude über Gottes Wort und Beute im Leben
Einen schönen guten Morgen zusammen!
Zuerst eine Frage, damit ihr wach werdet: Habt ihr schon einmal, wenn ihr so zurückdenkt, fette Beute gemacht? Überlegt mal. Nein, ich meine nicht euren letzten Raubzug, sondern vielleicht ein richtig gutes Schnäppchen. Zum Beispiel am Black Friday oder im Supermarkt, wenn ihr eine ganze Packung oder Tüte Nudeln gekauft habt, weil sie besonders günstig waren. Oder vielleicht habt ihr eine schöne Prämie vom Arbeitgeber bekommen. Vielleicht habt ihr zum richtigen Zeitpunkt Aktien gekauft und verkauft. Oder die Kinder, wenn sie mal bei der Oma waren und mit einer Tüte voller Süßigkeiten nach Hause gekommen sind.
In der Bibel lesen wir von jemandem, der sich auch über eine große Beute freut. Im Psalm 119, Vers 162 heißt es: „Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht.“
Auch heute Morgen dürfen wir das Wort Gottes hören. Schön, dass ihr alle da seid – auch alle, die online zuhören. Heute haben wir die Möglichkeit, Gottes Wort zu hören, zu lesen und uns darüber zu freuen, so wie der Psalmist es beschreibt: wie einer, der große Beute macht.
Denkt mal darüber nach, wie ihr euch damals gefreut habt, als ihr so ein Schnäppchen gemacht habt oder etwas bekommen habt, womit ihr nicht gerechnet habt – etwas, das euch richtig gefreut hat.
Auch der Prophet Jeremia sagt in den Versen 15 und 16: „Als ich deine Worte fand, da verschlang ich sie. Deine Worte sind mir zur Freude und Wonne meines Herzens geworden, denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, du Herr, du Gott, der Herrscher.“
Ja, heute dürfen wir hören, dürfen uns freuen. Wir werden heute von Tobi eine Predigt zum Thema „Paulus, ein Mitarbeiter im Vorsatz Gottes“ hören.
Zu Beginn wollen wir erst einmal ein Lied zusammen singen. Wir dürfen jetzt auch ohne Maske singen, deshalb dürft ihr extra kräftig mitsingen. Danach werde ich beten. Ein Kinderlied werden wir ebenfalls noch singen, damit die Kinder in die Kinderstunde gehen können. Anschließend hören wir die Botschaft.
Jetzt singen wir zunächst ein Lied, und zwar „Dein Wort“.
Dank sei dir, Herr Jesus, für diesen guten Morgen, den du uns geschenkt hast. Danke, dass wir zusammenkommen dürfen. Danke für dein Wort, das wir hören dürfen. Danke für dein Wort, das du uns geschenkt hast.
Ich möchte dich bitten für diese Stunde, dass du deinen Segen schenkst, dass du Tobi die richtigen Worte gibst für die Predigt, dass du uns aufmerksam machst, dein Wort zu hören. Danke, dass wir jetzt auch wieder ohne Maske singen dürfen. Danke für deinen Segen, Herr, und danke, dass diese Stunde in deiner Hand liegt. Amen.
Jetzt singen wir zusammen das Kinderlied, und danach hören wir die Predigt.
Hintergrund und Kontext der Predigt: Epheserbrief und der Vorsatz Gottes
Ich möchte heute in der Predigt noch einmal eine Bibelstelle aus dem Epheserbrief, Kapitel 3, betrachten. Es ist eine sehr zentrale Stelle. Was wir heute machen, ist im Grunde ein Rückblick, bevor wir das nächste Mal in Kapitel 6 weitermachen.
Zum Hintergrund müssen wir verstehen, dass die Bibelstelle, die wir uns heute anschauen, eine Parallelstelle zu der ist, über die Daniel letzte Woche gepredigt hat. Das ist auch ein Grund, warum ich diese Predigt heute ausgewählt habe. Wer sich intensiv mit dem Epheser- und dem Kolosserbrief auseinandersetzt, merkt, dass diese beiden Briefe sehr eng miteinander verknüpft sind.
Das liegt daran, dass Paulus beide Briefe zur gleichen Zeit im Gefängnis geschrieben hat. Wenn man sich mit beiden Briefen beschäftigt, erkennt man viele starke Parallelen in den Themen und Ausrichtungen. Beide Briefe setzen unterschiedliche Schwerpunkte, und doch ist vieles sehr ähnlich.
So will ich heute den Abschnitt aus dem Epheserbrief predigen. Daniel wird beim nächsten Mal, ich glaube in zwei bis drei Wochen, wieder dran sein und aus dem Kolosserbrief predigen.
Die Stelle, um die es heute geht, ist Epheser 3,1-13. Hier dreht sich alles stark um den Vorsatz Gottes. Deshalb trägt die Predigt auch die Überschrift: Paulus, ein Mitarbeiter an dem Vorsatz Gottes.
Gottes Plan: Die Gemeinde als Einheit aus Verschiedenheit
Ich weiß nicht, wie sehr euch noch der rote Faden des Epheserbriefs vor Augen ist. Man kann jedoch ganz klar sagen, dass der Epheserbrief darauf hinweist, dass Gott eine Gemeinde aus den unterschiedlichsten Völkergruppen und Menschen mit verschiedenen Prägungen baut.
Das klassische Beispiel bei den Ephesern sind die Heiden und die Juden. Gott hat diese ganz unterschiedlichen Völkergruppen in seiner Gemeinde zusammengefügt – Gruppen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Unsere heutige Bibelstelle wird uns zeigen, dass Gott sich gerade deshalb verherrlicht. Die Frage lautet: Warum verherrlicht sich Gott dadurch, dass er Menschen zusammenstellt, die unterschiedlicher nicht sein können, und Frieden unter den Gläubigen stiftet? Das ist im Grunde der Gedanke.
Die oberflächliche, schnelle Antwort, die wir noch vertiefen wollen, lautet: Gott verherrlicht sich durch den Frieden unter den Gläubigen. Warum? Weil er den Frieden geschaffen hat.
Gott hat Frieden geschaffen. Am Beispiel der Epheser hat er die Heiden zu Christen gemacht und die Juden zu Christen. Es sind also Völkergruppen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Was hat er mit diesen beiden Völkergruppen gemacht? Er hat sie vor das Kreuz gestellt.
Das klingt zunächst sehr oberflächlich, aber ein Theologe sagte einmal im Hinblick darauf, dass Christus uns vor das Kreuz stellt – und zwar in dem Sinne, dass er jedem Einzelnen seine Sündhaftigkeit zeigt. Genau das passiert, wenn Gott uns vor das Kreuz stellt: Er demütigt uns vor dem Kreuz.
Ein Theologe formulierte es so: Wie kann man arrogant sein, wenn man vor dem Kreuz steht? Das ist wirklich der Gedanke.
Wie können Christen aus dem Heidentum arrogant über Juden denken? Wie können Christen aus dem Heidentum über Juden schimpfen – und umgekehrt? Jeder hatte so sein Steckenpferd, worauf er stolz war.
Die Juden hatten das Gesetz, und sie sahen auf die Heiden, die „Unbeschnittenen“. Die Heiden wiederum hatten ihre Kultur, die Griechen ihre Weisheit und ihren Stolz.
Was macht Christus? Er stellt sie vor das Kreuz und zeigt ihnen: Ihr wart tot in eurer Sünde. Das ist das Fundament, auf dem Frieden möglich ist. Das ist das Fundament, auf dem Frieden möglich ist.
Frieden in der Gemeinde als Ausdruck göttlicher Weisheit
Nun, warum verherrlicht sich Christus durch Frieden in der Gemeinde? Das seht ihr in Kapitel drei, Vers zehn. Denn damit Frieden in der Gemeinde herrschen kann, wird göttliche Weisheit benötigt. Friede entsteht nicht einfach so. Man kann auch nicht einfach Christen aus dem Heidentum oder aus dem Judentum oder Christen aus Ostdeutschland mit Christen aus Westdeutschland oder anderen Regionen zusammenbringen und denken, jetzt wäre Frieden. Das funktioniert nicht.
In Epheser 3,10 lesen wir: Es bedarf göttlicher Weisheit. Weil göttliche Weisheit zum Tragen kommt, wird Gott verherrlicht. Das ist der Zusammenhang, der sich im Grunde aus den Kapiteln eins bis drei im Epheserbrief entfaltet. Heiden und Juden sind eins – warum? Weil Christus es getan hat. Er hat sich vor das Kreuz gestellt, und jetzt verherrlicht er sich dadurch, dass er Frieden geschaffen hat.
Ab Kapitel vier im Epheserbrief folgt dann die Anwendung. Schaut ganz kurz in Kapitel vier, Verse eins bis fünf. Ihr müsst es im Zusammenhang sehen, im Kontext des Friedens und der Einheit, die Christus in der Gemeinde schafft. Wir können es auf uns selbst herunterbrechen. Weil Christus auch bei uns die Grundlage für Frieden geschaffen hat, kommt jetzt die Anwendung.
In Kapitel vier, Vers eins heißt es: "So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene des Herrn, dass ihr der Berufung, mit der ihr berufen seid, würdig wandelt." Was sollen wir tun? Weil Christus Frieden geschaffen hat, sollen wir dieser Berufung auch würdig wandeln.
Und wie? Indem wir demütig zueinander sind, sanftmütig, langmütig und eifrig bemüht, den Frieden zu bewahren (Vers 2-3). Vers zwei sagt sogar, dass wir einander ertragen müssen. Das ist der Gedanke des Einheitsgedankens, den Paulus entfaltet.
Nun lesen wir Kapitel drei, Verse eins bis dreizehn, unseren Hauptbibeltext, der in dieses Beispiel eingefügt ist.
Paulus als Diener des göttlichen Plans
Nun steht dort, Kapitel drei: Deshalb bin ich, Paulus, der Gebundene Christi Jesu, für euch die Heiden. Ihr habt gewiss von der Haushalterschaft der Gnade Gottes gehört, die mir für euch gegeben worden ist. Er hat mich das Geheimnis durch Offenbarung wissen lassen, wie ich es zuvor kurzgeschrieben habe.
Daran könnt ihr, wenn ihr es lest, meine Einsicht in das Geheimnis des Christus erkennen. Dieses Geheimnis wurde in den früheren Generationen den Menschen und Kindern nicht bekannt gemacht. Jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart worden.
Es besagt, dass nämlich die Heiden Miterben sind, um mit zum Leib Gehörige zu werden, um Mitteilhaber seiner Verheißung zu sein in Christus durch das Evangelium. Dessen Diener ich geworden bin, gemäß der Gabe der Gnade Gottes, die mir gegeben ist nach der Wirkung seiner Kraft.
Mir, dem Allergeringsten unter allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, unter den Heiden den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen und alle darüber zu erleuchten, welches die Gemeinschaft ist. Diese Gemeinschaft ist ein Geheimnis, das von den Ewigkeiten her in Gott verborgen war, der alles erschaffen hat durch Jesus Christus.
Damit jetzt – und das ist diese Weisheit – warum hat er diese Gemeinschaft zwischen Heiden und Juden geschaffen? Damit jetzt den Fürstentümern und Gewalten in den himmlischen Regionen durch die Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt gemacht werde, nach dem Vorsatz der Ewigkeiten, den er gefasst hat in Christus Jesus, unserem Herrn.
Indem wir die Freimütigkeit und den Zugang haben in Zuversicht durch den Glauben an ihn, darum bitte ich, dass ihr nicht mutlos werdet wegen meiner Bedrängnisse um euretwillen, die euch eine Ehre sind.
Die Predigt hätte den Titel „Paulus, ein Mitarbeiter an dem Vorsatz Gottes“. Nun, wie komme ich zu diesem Titel? Zuerst einmal: Wenn die Bibel vom Vorsatz Gottes redet – und das ist jetzt sehr grundlegend – wollen wir uns kurz anschauen, was dieser Vorsatz Gottes ist, um den ganzen Block an Versen überhaupt zu verstehen.
Wenn die Bibel vom Vorsatz Gottes redet, dann meint sie den Plan Gottes. Der Vorsatz Gottes ist sein Plan, den Gott vor Ewigkeiten geschaffen hat. Das lesen wir in Vers 11. Wir können gemeinsam in Vers 11 schauen: Dort seht ihr, dass Gott sich einen Plan mit der Gemeinde geschaffen hat, und diesen Plan hat er vor Ewigkeiten geschaffen. Das ist nämlich der Vorsatz der Ewigkeiten.
Wenn wir also vom Vorsatz Gottes sprechen, wenn wir davon reden, dass Gott Heiden und Juden zu einer Gemeinde geschaffen hat, wenn wir von Weltmission sprechen oder davon, dass unsere Gemeinde hier in Hersbruck existiert, dann ist das wirklich der Vorsatz Gottes, der aus der Ewigkeit stammt – der Plan Gottes aus der Ewigkeit.
Wenn es um den Vorsatz geht, verstehen wir, dass Gott einen Plan mit seiner Gemeinde hat. Er hat diesen Plan vor Ewigkeiten gefasst. Und was ganz wichtig ist bei diesem Thema: Er hat diesen Plan nicht nur vor Ewigkeiten gefasst, sondern er wird diesen Plan auch ausführen.
Gottes Plan wird ausgeführt. Gottes Plan kann nicht durch meine Untreue zerstört werden. Gottes Plan stammt aus der Ewigkeit, und niemand kann diesen Vorsatz Gottes aus der Ewigkeit zunichte machen.
Gottes Bestimmung geschieht. Gottes Bestimmung geschieht mit der Welt, Gottes Bestimmung geschieht mit dir in deinem ganz persönlichen Leben. Und das ist auf der einen Seite eine Sache.
Wenn wir an diesen Vorsatz Gottes denken, der aus der Ewigkeit stammt und ausgeführt wird, wenn wir an diesen ewigen Plan denken, dann dürfen wir zuallererst in diesem Plan ruhen.
Warum dürfen wir darin ruhen? Wir dürfen darin ruhen, weil nichts auf dieser Erde passiert, was außerhalb von Gottes allmächtigem, souverän herrschendem Plan ist. Es wird nichts passieren, was irgendwie fremdbestimmt ist. Und wir können das auf unser ganz persönliches Leben übertragen.
Zuallererst dürfen wir in dem Vorsatz Gottes ruhen: Gott, der allmächtige Herr, sorgt dafür, dass sein Plan geschieht – mit meinem Leben, mit unserer Gemeinde, mit der Weltmission. Gottes Plan wird zu seiner Zeit ausgeführt.
Das ist der erste Gedanke: Wir dürfen in Gottes Vorsatz ruhen.
Aktiv oder passiv? Paulus’ Haltung zum göttlichen Vorsatz
Jetzt kommt aber auf der anderen Seite das große Aber. Wenn Gottes Plan auf jeden Fall geschieht, lässt diese Wahrheit, dass Gottes Plan mit seiner Gemeinde und mit der Weltmission definitiv verwirklicht wird, Paulus aktiv oder passiv werden? Das ist nämlich oft der Trugschluss, den wir haben.
Lässt diese Wahrheit, dass Paulus weiß, dass Gottes Vorsatz, Gottes Plan mit seiner Gemeinde und mit der Weltmission geschehen wird, Paulus aktiv oder passiv werden? Also lehnt sich Paulus zurück und sagt: „Ja, Gott, dein Wille geschieht eh, ich fahre in Urlaub.“ (Kurze Klammer: Ich fahre heute in Urlaub, ja, es ist nichts dagegen einzuwenden.) Aber versteht ihr, worauf ich hinaus will? Gott, dein Plan geschieht eh, ich kann mich zurücklehnen, ich lasse die anderen gehen. Ist das das, was Paulus macht? Lässt der Vorsatz Gottes Paulus aktiv oder passiv werden?
Wenn ihr in Kapitel 3, Vers 7 einschaut, dort sehen wir, dass Paulus beschreibt, dass er auserwählt wurde, den Heiden das Evangelium zu bringen. Also Gottes Vorsatz in Bezug auf Paulus’ Leben besteht darin, dass Gott möchte, dass die Heiden erreicht werden. Er benutzt dazu Menschen. Und wenn ihr in Vers 8 schaut, benutzt Gott dazu sogar die Geringsten aller Heiligen. Gottes Vorsatz besteht also fort; er benutzt Paulus, laut Vers 8, der Geringste aller Heiligen. (Kurze Klammer: Das ist eine Ermutigung, dass auch du mitarbeiten kannst an diesem ewigen Plan Gottes, dass du nicht der Größte und der Beste unter den Heiligen sein musst.)
Paulus selbst sagt von sich, er sei der geringste von allen. Ja, er ist der geringste von allen, und das meint er wirklich ernst. Wenn Paulus hier unter uns sitzen würde, würde er sich wirklich als den Geringsten von uns allen sehen. Warum? Weil Christus ihn genauso behandelt hat, wie Paulus es vorher versucht hatte, die Juden und die Heiden einzuschüchtern. Christus hat Paulus zuerst vor das Kreuz gestellt. Paulus hat seine ganze Sünde seines alten Lebens gesehen: dass er Zwang ausgeübt hat über andere Christen und all diese Dinge, dass er ein Terrorist gegen das Christentum war. Das war Paulus vor Augen. Paulus vergleicht sich mit den anderen Christen und sagt: „Ich bin der geringste von allen.“ Aber das Schöne ist, dass er trotzdem mitarbeiten darf an dem Vorsatz Gottes.
Nun, die Frage war: Lässt der Vorsatz Gottes, der definitiv geschieht – mit oder ohne Paulus –, Paulus aktiv oder passiv werden? War Paulus faul und leidensscheu, weil Gottes Wille eh geschehen wird? Schaut mit mir in Vers 7 und Vers 8. Paulus wird nicht leidensscheu, sondern er sieht es als eine Gnade an, dass der ewige Gott Paulus erwählt hat, um ihm zu dienen. Paulus sieht es als eine Gnade an, dass er mitarbeiten darf an diesem Vorsatz. Und diese Gnade – es ist wirklich die Gnade –, die ihn antreibt. Diese Gnade macht Paulus so aktiv, dass er bereit ist, für diesen Vorsatz ins Gefängnis zu gehen. Das seht ihr in Vers 13: Paulus ist um Christi willen in Bedrängnis, im Gefängnis.
Versteht ihr diesen Gedanken? Ja, wir ruhen in Gottes Vorsatz, Gottes ewigem Plan. Er wird zustande kommen. Aber macht das mich jetzt faul und ruhig? Macht es mich passiv in Bezug darauf, Seelen zu gewinnen und Gott zu dienen? Nein! Paulus ist bereit, für diesen Vorsatz, der auf jeden Fall geschieht, ins Gefängnis zu gehen.
Die Bedeutung der Evangelisation trotz göttlicher Erwählung
Ich weiß, dass es in Bezug auf die Erwählung verschiedene Meinungen gibt, und ich möchte ganz bewusst respektieren, was andere glauben.
Worum es mir jetzt geht, ist folgendes: Oft hört man das Argument, dass, wenn Gott sowieso schon erwählt hat, wer zum Glauben kommt, und wenn Gottes Vorsatz definitiv geschieht, warum wir dann überhaupt noch evangelisieren sollen. Vielleicht habt ihr dieses Argument schon einmal gehört: Wenn Gott sowieso erwählt hat, wer zum Glauben kommt, warum sollen wir dann noch evangelisieren? Wenn sein Plan geschieht, warum sollen wir das tun?
Ich möchte mit euch eine Stelle aus 2. Timotheus 2,10 anschauen. Diese gibt uns eine sehr klare Antwort auf diese Frage. Wenn Gott eh erwählt hat und seinen Vorsatz geschehen lässt, werden wir dann passiv oder aktiv? Müssen wir jetzt aufhören zu evangelisieren, oder treibt uns das erst recht zur Evangelisation an?
Lasst uns den Finger im Epheserbrief lassen, wir kehren gleich zurück. In 2. Timotheus 2,10, und auch in Vers 9, sehen wir Paulus, der Leiden erträgt. Er hat sogar Ketten wie ein Übeltäter – es geht hier um sein Gefängnis und all solche Schwierigkeiten. Jetzt schaut mal, was Paulus sagt.
In Bezug auf die Frage oder These, die ich eben gestellt habe: Wenn die Erwählten sowieso zum Glauben kommen und Gottes Vorsatz sowieso geschieht, warum sollen wir uns dann noch aufmachen? Warum sollen wir noch evangelisieren? Wisst ihr, was Paulus darauf antwortet?
Paulus sagt in Bezug auf sein Gefängnis, seine Leiden und sein ganzes Engagement für die Mission: „Darum ertrage ich alles standhaft.“ Er erträgt diese Leiden standhaft. Warum? Für wen? Für die Auserwählten. Damit auch sie die Errettung erlangen, die in Christus Jesus ist.
Hier geht es nicht um Erwählte, die schon längst gläubig sind, sondern um die Erwählten, die noch nicht zum Glauben gekommen sind, die nach dem ewigen Vorsatz Gottes gerufen sind. Paulus sagt nicht: „Ach ja, weil der Vorsatz Gottes eh geschieht, lege ich mich in meine Hängematte.“ Stattdessen ist Paulus bereit, für diesen Vorsatz, für die Auserwählten, die noch gar nicht gläubig sind, alles hinzugeben, damit auch sie die Rettung finden.
Das ist der Gedanke, den Paulus hat. Lässt der Vorsatz Gottes, lässt die Souveränität Gottes Paulus aktiv oder passiv werden? Paulus sieht es laut Epheser 3,7-8 als eine Gnade an, Teil dieses ewigen Vorsatzes Gottes sein zu dürfen. Für ihn ist es einfach eine unglaubliche Gnade. Deshalb erträgt er gern diese Dinge und ist bereit, diese Ketten auszuhalten.
„Gott, wenn es zu deinem ewigen Plan gehört, den du vor Ewigkeiten beschlossen hast, dass ich für dich ins Gefängnis komme, dann soll es geschehen.“ So schreibt er in seinem zweiten Timotheusbrief: „Ich ertrage es gerne.“ Paulus legt sich unglaublich ins Zeug, damit Gottes Vorsatz zustande kommt.
Das ist so interessant: Gottes Vorsatz kommt zustande, und Paulus setzt sich mit aller Kraft dafür ein, dass er zustande kommt. Warum tut Paulus das? Warum legt er sich so ins Zeug, damit der Vorsatz Gottes geschieht? Weil Paulus selbst ein Teil dieses Vorsatzes ist. Auch Paulus gehört zu dem ewigen Vorsatz, den Gott vor Ewigkeiten erdacht hat. Paulus ist erwählt, sozusagen in Epheser 3,7-8, für die Heiden in die Mission zu gehen.
Paulus’ Freude und Demut im Dienst
Nun, ich hoffe, ihr habt alle Epheser Kapitel drei aufgeschlagen. Im Grunde geht es in Epheser Kapitel drei um das, was ich am Anfang schon ein bisschen versucht habe zusammenzufassen. Wenn ihr in die Verse eins und zwei schaut, lest ihr dort, dass Paulus beschreibt, dass er für die Heiden bestimmt ist, also für die Heidenmission.
In Vers drei beschreibt Paulus, dass ihm ein Geheimnis geoffenbart worden ist. Dieses Geheimnis gab es im Alten Testament so nicht. Und zwar ist das Geheimnis, wie in Vers 6 beschrieben, dass jetzt auch die Heiden Miterben sind oder eben mit zum Leib Christi gehören. Der Gedanke ist einfach: Das Heil geht von den Juden hinaus auch zu den Heiden. Das war vorher nicht so bekannt.
Paulus erhält diesen Plan Gottes offenbart, der so nicht bekannt war. Er bekommt den Plan gezeigt, dass das Evangelium auch mich und dich, die wir hier in Hersbruck und Umgebung wohnen, erreichen soll. Paulus sieht, dass seine Gemeinde aus allen Nationen, aus allen Stämmen und aus allen Sprachen gebaut wird. Das Heil geht also über die Juden hinaus auch zu den Heiden.
Paulus bekommt von Gott diese Erkenntnis, und das ist seine Freude. Wenn wir die Verse 1 bis 13 lesen, klingt das eigentlich recht nüchtern. Aber in Wirklichkeit ist Paulus außer sich, Paulus ist voller Begeisterung. Er erhält von Gott eine Erkenntnis, die vorher noch keiner so wusste. Nicht nur das: Paulus wird sogar erwählt, hingehen zu dürfen.
Paulus liest hier nicht nur aus Biographien von irgendwelchen Missionaren, die gegangen sind. Er beobachtet das Ganze nicht nur aus der Ferne und erkennt es nicht nur aus theologischen Grundsätzen. Nein, er bekommt von Gott ein Geheimnis offenbart. Und dann darf er gehen, mitarbeiten und teilhaben. Paulus darf mitarbeiten, und das ist die Freude, die ihn so ins Schwärmen bringt.
In Vers 8 heißt es: "Mir, dem Geringsten, ist dieses Geheimnis geoffenbart worden." Wisst ihr, was für eine Freude in ihm steckt? Der ewige Gott hat einen ewigen Plan, und ich darf mitarbeiten. Ich darf mitarbeiten!
Das Gleiche gilt als Anwendung für dich. Paulus war ein großer Missionar, aber jeder von uns darf in dem kleinen Bereich, in dem Gott ihn gestellt hat, mitarbeiten an einem Plan, der aus der Ewigkeit stammt. Ich bete und wünsche, dass uns die Augen unseres Herzens aufgehen, welche Dimension hier gerade auf uns einwirkt.
Die Anwendung ist schon: Wenn wir sehen, wie Paulus sich darüber freut, wie er sich selbst gering achtet, aber dennoch dieses Geheimnis ausführen darf, möchte ich dich fragen, wie froh du darüber bist, dass du Gott dienen darfst. Bist du froh darüber? Ist es für dich eine richtige Ehre?
Ach, wie oft sind wir müde, Gott zu dienen, und wie oft habe ich keine Lust, mich vorzubereiten, weil ich vom Alltag müde bin. Ja, tatsächlich, wisst ihr, wie oft ich mich schwer tue, Gott zu dienen, und wie viel einfacher oft andere Dinge gehen?
Wir können von Paulus lernen, dass es so eine Ehre ist, Gott dienen zu dürfen. Es ist eine große Freude, weil wir mitarbeiten an dem Vorsatz der Ewigkeiten. In Vers 11 heißt es: Egal wie groß oder klein du bist, egal wie viel du tust und egal, welche Verantwortung Gott dir gegeben hat – du bist ein Puzzleteil in Gottes großem ewigen Vorsatz.
Jedes ermutigende Gespräch, das du führst, jede Arbeit, die du zu Hause oder an deinem Arbeitsplatz zur Ehre Gottes tust, dient diesem ewigen Vorsatz.
Die Kraft Gottes als Grundlage für den Dienst
Nun, in Kapitel 3, Vers 7 steht: „dessen Diener ich geworden bin.“ Paulus spricht hier von dem Vorsatz gemäß der Gabe der Gnade Gottes, die ihm gegeben ist nach der Wirkung seiner Kraft.
Paulus beschreibt, dass er ein Diener ist und bezieht sich dabei auf dieses Geheimnis, auf das Evangelium. Seine Aufgabe ist es, das Evangelium zu den Heiden zu bringen. Er sieht seine Begabung als Gnade an – in Vers 7 nennt er es eine Gnade für sich.
Doch nun kommt wieder ein Aber: Paulus weiß, dass er an diesem ewigen Vorsatz Gottes nicht arbeiten kann, wenn er nicht von Gottes Kraft in Bewegung gesetzt wird. Das lesen wir in Vers 7. Paulus weiß, dass seine Begabung eine Gnade ist, aber er bleibt nicht nur bei dieser Begabung und diesem Auftrag stehen. Er erkennt, dass er nicht an Gottes Vorsatz mitarbeiten kann, wenn er nicht von Gottes Kraft angetrieben wird.
In Vers 7 heißt es, dass ihm die Gabe für das Evangelium, für die Heidenmission, gegeben wurde – und zwar nach der Wirkung von Gottes Kraft.
Wisst ihr, wie groß die Kraft ist, die Paulus, dich und mich für den Dienst an dem Vorsatz Gottes ausrüstet? Denkt ihr an Epheser 1, Verse 19 und 20. Dort wird beschrieben, wie groß diese Kraft ist, mit der Jesus Christus aus den Toten auferweckt wurde. Es ist die gleiche Kraft, die in dir und mir wirkt. Und es ist auch die gleiche Kraft, die wir brauchen, um Gott zu dienen.
In Epheser 3, Vers 16 bittet Paulus kurz nach unserem Text darum, dass die Epheser durch Gottes Geist mit dieser gleichen Kraft gestärkt werden – und zwar an ihrem inneren Menschen. Diese Kraft, die Jesus Christus aus den Toten auferweckt hat, muss auch in dir und mir wirken, damit wir mitarbeiten können an Gottes Vorsatz.
Was glaubt ihr, wie Paulus es geschafft hat, in der Mission zu predigen und Menschen öffneten sich die Herzen? Denkt ihr, das lag an seiner Rhetorik? Dass alle zuhörten und dann saß Lydia im Publikum, und Gott tat ihr das Herz auf? Nein, das ist das Wirken Gottes.
Wie hat Paulus es geschafft, zu predigen, dass Menschen zum Glauben kamen? Wie hat er es geschafft, dass Menschen Buße taten? Wie hat er es ausgehalten, im Gefängnis zu sitzen und trotzdem froh zu sein, dass das Evangelium weiterläuft?
Paulus sagt selbst: „Ich bin zwar im Gefängnis, alles um mich herum ist dreckig und nass, aber ich bin froh, weil das Evangelium läuft.“ Wie schafft man das, wenn nicht durch Gottes Kraft, die einen in Bewegung setzt für diesen Vorsatz Gottes?
Hat Paulus es geschafft, treu zu bleiben, obwohl er ein Mann der Narben war? Hat Paulus es geschafft, so demütig zu sein, dass er sich wirklich als den geringsten aller Heiligen empfand? Das war seine Herzenshaltung – ohne Arroganz. Er hatte zwar einen Hang zur Arroganz, deshalb gab Christus ihm einen Dorn im Fleisch, damit er demütig bleibt. Auch das ist Gottes Wirken an ihm für seinen Vorsatz.
Seht ihr, wie Gott Paulus ausrüstet, um ihm zu dienen?
Wie hat Paulus es geschafft? Ich weiß nicht, wie euer Gebetsleben aussieht. Meines ist wirklich eine große Baustelle, das meine ich ernst. Aber Paulus hat ein anhaltendes Gebetsleben geführt und für alle Heiligen gebetet. Denkt ihr, das kam aus seinem Fleisch, aus seiner Disziplin oder was sonst?
Paulus, wie wir in Epheser 3 gelesen haben, hat seinen Auftrag durch Gottes Kraft erfüllen können – durch die Wirksamkeit seiner Kraft (Vers 7). Wie hat Paulus das geschafft? Weil Gott durch seinen Geist in derselben Kraft, mit der er Christus aus den Toten auferweckt hat, in seinem inneren Menschen gewirkt hat.
Paulus war gestärkt in Gott.
Nun mal ehrlich: Glaubt ihr, ihr könnt mit eurer eigenen Kraft – und mit eigener Kraft meine ich alles, was euch im Fleisch gegeben ist – an einem Vorsatz mitarbeiten, der aus der Ewigkeit stammt? Denkt ihr, ihr könnt etwas für diesen ewigen Vorsatz aus euch heraus bewirken?
Wie wichtig ist es, wie Paulus in Epheser 3, Vers 16, auf die Knie zu gehen und um diese Kraft Gottes zu bitten!
Das war der erste Punkt: Ich wollte mit euch diese eine Berufung anschauen, die Paulus bekommen hat. Aber auch, dass er durch Gott für diese ewige Berufung in Bewegung gesetzt wurde – das sehen wir in Vers 7.
Die Berufung und der Wert des Geheimnisses
Nun wollen wir uns im zweiten Punkt die Verse 8 bis 12 etwas genauer anschauen. Wir werden gleich darauf eingehen.
Im ersten Punkt haben wir gesehen, dass Paulus es als eine Gnade ansieht, mitarbeiten zu dürfen. Paulus ist erstaunt, dass er dieses Geheimnis empfangen hat, das vorher noch niemand kannte. Außerdem haben wir festgehalten, dass er sich in Vers 8 für den Geringsten aller Gläubigen hält. Das ist eine sehr gute, demütige Haltung, die wir im Dienst brauchen. Gleichzeitig bringt diese Haltung ihn in die Anbetung und ins Staunen. Er hält sich für so gering, doch Gott fügt ihn trotzdem in einen ewigen Plan ein. Deshalb staunt Paulus so.
In Vers 8 schreibt Paulus also, dass er der Geringste ist. Was liest er weiter? Was ist seine Berufung? Er ist berufen, unter den Heiden Jesus Christus zu verkündigen – das ist einmal die Mission. Zweitens ist er berufen, alle darüber zu erleuchten, was die Gemeinschaft ist, die Gott geschaffen hat. Diese Gemeinschaft besteht aus Juden und Heiden, also aus verschiedensten Christen. Das ist jetzt ganz wichtig: Diese Gemeinschaft ist von Gott geschaffen.
Paulus hat die Gnade, diese Wahrheit zu lehren, dass nun auch Heiden teilhaben dürfen. In Vers 9 heißt es, dieses Geheimnis stammt aus der Ewigkeit, es ist seit Ewigkeiten geplant. Nun stellt sich die Frage: Warum ist das so besonders, dass Paulus so außer sich ist? Warum ist es für Paulus so eine große Gnade, Heiden das Evangelium zu bringen? Warum ist es für Paulus so etwas Besonderes, dieses Geheimnis den Menschen zu bringen? Das ist nicht nur eine rhetorische Frage, sondern eine sehr ernst zu nehmende.
Paulus ist so außer sich, weil er weiß, dass das, was er hier verkündet – in Bezug auf Mission, auf dieses Geheimnis, auf die Ewigkeit und auf die unsichtbare Welt – einen unglaublich großen Wert hat. Das klingt vielleicht verrückt, aber Paulus weiß, dass das, was er verkündet, in Bezug auf die Ewigkeit und die unsichtbare Welt einen enormen Wert besitzt.
Warum? Schauen wir uns Vers 10 an. Vers 10 beginnt mit dem Wort „damit“. Welcher Zweck wird erfüllt, weil Gott laut Vers 9 Frieden in der Gemeinde geschaffen hat? Gott hat seit Ewigkeiten bestimmt, dass in der Gemeinde Frieden herrschen soll. Das Musterbeispiel ist die Gemeinschaft von Juden und Heiden.
Welcher Zweck wird dadurch erfüllt? Vers 10 sagt: Damit den Fürstentümern und Gewalten in den himmlischen Regionen – hier geht es um Engel und Dämonen, das ist die Perspektive, die Paulus hat – durch die Gemeinde Gottes Weisheit bekannt gemacht wird.
Das ist eine unglaublich tiefe Wahrheit. Stellt euch das mal vor: Engel und Dämonen schauen auf die Gemeinde. Sie sehen laut Epheser 2, Vers 10 die Gemeinde, die Gottes Gebilde ist, Gottes Schöpfung, geschaffen in Jesus Christus. Sie beobachten, wie Christen Frieden untereinander haben, wie Christen durch Gott bewahrt werden, wie Menschen zum Glauben finden und in die Gemeinde eingepflanzt werden. Sie sehen dieses ganze Gebilde von Gemeinde – und das alles geschieht, damit diesen Engeln und Dämonen durch die Gemeinde Gottes Weisheit bekannt gemacht wird.
Das ist die Dimension. Bei allem, was wir hier tun, geht es darum, dass Gott in seinem Wesen, in seiner Weisheit und in seinem Tun großgemacht wird. Das sind keine leeren Worte. Wir alle reden davon, wir wollen zu Gottes Ehre leben. Aber laut diesem Text haben wir Beobachter, die auf die Gemeinde schauen. Deshalb sagt Paulus:
Ich will nochmal den roten Faden aufhängen: Christus hat eins gemacht, und deswegen sollen wir laut Kapitel 4 dieser Berufung würdig wandeln, indem wir demütig sind, uns einander ertragen und lieben und all diese Dinge tun, wie es in Kapitel 4 steht. Damit passiert Folgendes: Die Weisheit Gottes wird bekannt gemacht.
Die Engel müssen anerkennen: „Oh Gott, du bist weise! Wie schaffst du es, Leute, die unglaublich egoistisch sind, zu Menschen zu machen, die sich lieben, die sich selbst zurücknehmen und so weiter? Die eigentlich hochmütig über andere gedacht haben, so wie die Juden über die Heiden, und sie umgetreten haben – auf einmal schätzen sie sich, achten einander höher.“ Das ist Weisheit, das ist Gottes Weisheit.
Diese Weisheit dient nicht nur dem Selbstwert, sondern dazu, dass Gott bekannt gemacht wird. Die Gemeinde und unser Miteinander sind wie ein Lichtkegel, der auf die Weisheit Gottes strahlt. Gott präsentiert sich durch dich und mich, laut Kapitel 3, Vers 10, nach einem Vorsatz, den er vor Ewigkeiten geschaffen hat.
Vor Ewigkeiten hat er sich ausgedacht, wie er seine Weisheit präsentiert. Du und ich sind ein Teil davon. Man könnte meinen, Engel und Dämonen wissen schon alles über Gott, aber es soll ihnen bekannt gemacht werden. Das heißt, hier sollen noch Augen geöffnet werden. Auch sie können die Größe und Herrlichkeit Gottes nicht ausschöpfen.
Bei allem, was hier passiert, geht es um die Ehre Gottes – wirklich um die Ehre Gottes. Deshalb müssen auch wir, auf uns heruntergebrochen, aufpassen, wie es im Galaterbrief steht, dass wir uns nicht gegenseitig beißen und fressen. Und beißen und fressen – ich weiß nicht, ob ihr schon mal gesehen habt, wenn zwei Hunde aufeinander losgehen, wie laut und unangenehm das wird.
Wenn Gott sich dadurch verherrlicht, dass Frieden in der Gemeinde herrscht (Vers 9) durch die Gemeinschaft – das ist die Gemeinschaft zwischen Heiden und Juden – und (Vers 10) damit die Herrlichkeit bekannt gemacht wird, dann ist das der ganze rote Faden. Das ist ein zentraler Bibelvers.
Wenn Gott dadurch verherrlicht wird, wird er nicht verunehrt. Wenn wir uns beißen und fressen, ist das eine andere Sache. Das ist die Frage an dich persönlich: Möchtest du auch teilhaben an der Ehre Gottes? Möchtest du Teilmitarbeiter sein an der Ehre Gottes?
Paulus weiß das, weil er diese Wahrheit verstanden hat, um welche Dimensionen es hier wirklich geht. Es geht hier nicht um Selbstzwecke oder Selbstverherrlichung, sondern wir als Gemeinde und das Leben eines einzelnen Christen – Paulus hat verstanden, um was es hier geht, besonders in Bezug auf seine Mission. Deshalb hält Paulus es für eine unglaubliche Gnade, mitarbeiten zu dürfen, obwohl er weiß, wer er früher war – ein Verfolger der Gemeinde.
Das müsst ihr euch mal vorstellen: Ein Verfolger der Gemeinde darf auf einmal der Gemeinde dienen. Deshalb hält er es für so eine unglaubliche Gnade. Dem Allergeringsten, den Allerheiligen ist die Gnade gegeben worden, Gott zu dienen.
Deshalb ist er auch bereit, alles zu erleiden, wie wir es im 2. Timotheusbrief gelesen haben: Gefängnis und alles, damit die Auserwählten gerettet werden.
So könnten wir mit Paulus beten: „O Herr, bitte benutze mich, damit dein Ruhm zunimmt, in Bezug darauf, dass wir verstanden haben, um welche Dimensionen es sich handelt. O Herr, bitte benutze mich, damit dein Ruhm zunimmt, und lass mich laut Vers 11 mitarbeiten an dem Vorsatz der Ewigkeiten. Aber weil meine Kraft nicht reicht, bitte ich um deinen Geist. Stärke mich durch deinen Geist an dem inneren Menschen.“
Das könnten wir beten, ja? „O Herr, benutze mich, damit dein Ruhm zunimmt, und lass mich mitarbeiten an diesem Vorsatz der Ewigkeiten. Aber weil meine Kraft nicht reicht, bitte ich um deinen Geist. Bitte setze du mich in Bewegung.“
So hoffe ich, und ich werde im Nachgang noch dafür beten, dass diese Wahrheit – die vielleicht auch für euch ziemlich nüchtern klingt – euch ermutigt. Wenn ihr noch nicht ermutigt seid, denkt mehr über diese Wahrheit nach. Das meine ich wirklich ernst. Nehmt euch den Text noch einmal vor und denkt intensiver darüber nach.
Ich hoffe, ihr seid ermutigt worden oder werdet noch ermutigt. Vielleicht seid ihr aber auch gleichzeitig mutlos angesichts so einer großen Aufgabe. Das ist nämlich die andere Seite.
Vielleicht bist du jemand, der sich ganz diesem Vorsatz hingeben will, aber du weißt zutiefst, wie gering du bist, welche Baustellen du in deinem Leben hast, die dich vielleicht unwürdig machen oder disqualifizieren. Vielleicht weißt du wirklich, wie gering du bist.
Ich möchte dich damit ermutigen, dass auch Paulus wusste, wie gering er ist. Denkt ihr, Paulus hat sich für tüchtig gehalten? Man könnte es meinen, aber glaubt ihr, Paulus hat sich für tüchtig gehalten, in die Heidenmission zu gehen?
Wisst ihr, was Paulus in 2. Korinther 3,4-6 sagt? Dort sagt er, dass Gott ihn tüchtig gemacht hat. Nicht Paulus war der Held an sich, sondern Gott hat ihn tüchtig gemacht. Er war nicht tüchtig, Gott macht ihn tüchtig.
Du bist nicht tüchtig, aber Gott macht dich brauchbar. Du hast keine eigene Gerechtigkeit, aber deine Gerechtigkeit ist in Christus.
So möchte ich dich ermutigen: Wenn du an diesen Vorsatz denkst und dir vielleicht neu vornimmst, in deiner Umgebung ein Zeuge für Jesus zu sein, aber vielleicht Angst hast vor Ausgrenzung oder andere Anfechtungen in deinem persönlichen Leben dich hindern, dich mit ganzem Eifer hinzugeben, dann möchte ich dich bitten:
Wenn dich diese Not wachrüttelt, fang an zu beten, so wie es in Epheser 3,16 steht, dass Gott dich mit der Kraft Jesu Christi an deinem inneren Menschen stärkt. Gott kann dich ausrüsten, mitzuarbeiten an diesem Vorsatz. Aber wir müssen beten.
Paulus hat auch gebetet. Er hat nicht einfach gesagt: „Ach, der Vorsatz Gottes wird schon passieren.“ Er hat sich nicht zurückgelehnt, sondern voll gekämpft.
Es geht um die Ehre Gottes. Gott möchte durch dein Leben und unser Leben in der Gemeinde und durch unsere Einheit seine Weisheit präsentieren. Deshalb müssen wir beten:
„Bitte benutze mich, dass dein Ruhm zunimmt, und lass mich mitarbeiten an dem Vorsatz der Ewigkeiten. Aber weil meine Kraft nicht reicht, bitte ich um deinen Geist. Bitte, Herr Jesus, stärke mich durch deinen Geist an dem inneren Menschen.“ Amen.
Schlusslied und Abschluss
Singen und nicht nur hören – im Leben und im Sterben. Denn er versprach, dass er mich nach Hause führen wird.
Ja, Tag für Tag wird Jesus mich erneuern. Bis zu dem Moment, an dem der Tod mich trifft, geschieht alles nur durch Christus in mir. Nur durch Christus in mir.