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Die 5 Säulen des Calvinismus im prüfenden Licht der Bibel – 3. Säule: Begrenzte Sühne (Vortrag 5)

20.06.2026
SerieTeil 5 / 6Die 5 Säulen des Calvinismus im prüfenden Licht der Bibel
Ist Jesu Tod wirklich nur für wenige gedacht? Die Bibel spricht von „allem“ und „vielen“ – und genau hier entscheidet sich, ob Gottes Rettung klein gedacht oder weit genug für die ganze Welt ist.

Einführung und Grundsatz der Prüfung

Guten Morgen, ich begrüsse alle ganz herzlich zu diesem Bibelstudientag.
Wir sind daran, die fünf Säulen des Calvinismus anhand des Wortes Gottes zu prüfen, und wir haben bisher gesehen, dass bereits zwei Säulen gefallen sind. Heute kommt die dritte Säule von insgesamt fünf Säulen, die die Lehre des Calvinismus so merkfähig zusammenfassen. Diese dritte Säule ist benannt: begrenzte Sühne.
Übrigens: Alle, die durch den Livestream zugeschaltet sind, haben auch die Möglichkeit, das Skript herunterzuladen, und zwar hier unterhalb des Bildes. Dort auf den Link klicken und ausdrucken. Das ist sehr hilfreich.
Ich habe auf dem Skript als Einleitung geschrieben: Wir müssen alles, was über die Bibel gesagt wird, jeweils anhand der Bibel überprüfen. So haben es die Gläubigen in Beröa getan, wie wir das in Apostelgeschichte 17,11 sehen, und sie haben das vorbildlich gemacht. Die Gläubigen, diese gläubigen Juden im orthodoxen Sinn gläubig, wurden mit dem Wort des Apostels Paulus konfrontiert und haben jeden Tag die Schriften untersucht, um zu prüfen, ob das, was Paulus sagt, auch mit dem offenbarten, geschriebenen Wort übereinstimmte. Das müssen wir auch so machen.
Lukas nennt diese Leute edel. Jetzt weiss man, wie man edel wird.

Die dritte Säule im Überblick

In einer Serie von fünf mal zwei Teilen werden wir die fünf Säulen des Kalvinismus einer gründlichen biblischen Überprüfung unterziehen.
Und heute sind wir bei der dritten Säule, die im Englischen kurz und knapp Limited Atonement genannt wird. Das entspricht dem Buchstaben L in dem Wort TULIP, also Tulpe. Man kann sich das gut anhand der einzelnen Buchstaben merken. Daraus ergeben sich die fünf Säulen: T, total depravity, also die totale Verdorbenheit. Das haben wir schon betrachtet. Dann haben wir das U letztes Mal angeschaut, und jetzt kommt dieses Thema der begrenzten Sühne, limited atonement.
Damit drücken Calvinisten aus, dass das Werk des Herrn Jesus nur im Blick auf die Auserwählten stattgefunden habe. Dies stimme damit überein, dass Gott von jeher nur einen Teil der Menschen habe retten wollen, niemals alle Menschen. Im Klartext sagen sie also, dass das Erlösungswerk von Golgatha nicht für alle Menschen reicht, sondern nur für einen Teil, und zwar für den Teil, den Gott angeblich wollte. Die anderen wollte er von Anfang an nicht.
Wir stellen verschiedene kritische Fragen. Hat Gott gemäß Johannes 3,16 seinen Sohn nicht für die ganze Welt gegeben? Dort heißt es ja: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Und darum die Frage: Hat Gott gemäß Johannes 3,16 seinen Sohn nicht für die ganze Welt gegeben? Weshalb besagt 1. Johannes 2,2, dass der Jesus nicht nur die Sühnung ist für unsere Sünden, sondern auch für die ganze Welt?

Biblische Spannungen und die Frage nach der Auslegung

Ich lese gerade die Stelle vor, für alle, die sie nicht gerade auswendig gegenwärtig haben, des Zusammenhangs wegen: 1. Johannes 2,1-2.
Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand gesündigt hat, so haben wir einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Jetzt kommt es: Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.
Nochmal die Frage auf dem Blatt: Weshalb besagt 1. Johannes 2,2, dass der Herr Jesus nicht nur die Sühnung ist für unsere Sünden, sondern auch für die ganze Welt? Wie bringt man die scheinbar kontroversen Aussagen in Markus 10,45 und 1. Timotheus 2,6, Lösegeld für viele, Lösegeld für alle, widerspruchsfrei zusammen?
Ich lese auch diese Stellen. Markus 10,45: Jesus Christus sagt: Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. Und wir achten: Hier steht nicht für alle, sondern für viele.
Aber wenn wir 1. Timotheus 2 aufschlagen, dort lese ich des Zusammenhangs wegen ab Vers 3. Und es geht dann um Vers 6: Denn dies ist gut und angenehm vor unserem Heilandgott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn Gott ist einer, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab als Lösegeld für alle.
Hier steht für alle, und an jener Stelle steht für viele. Nun, das ist die Herausforderung. Wir müssen alle Aussagen zusammenbringen. Und eine Auslegung, die das nicht schafft, die können wir beruhigt als falsch beiseite tun. So einfach.
Und es muss natürlich aufgehen. Wenn man ein Tausender-Puzzle macht und einfach beginnt zu drücken und die Puzzleteile kaputtzumachen, dann ist das der Beweis, dass man einfach nicht verstanden hat, wie das Spiel funktioniert. Es muss alles aufgehen, und so ist es in Gottes Wort. Das gilt eben nicht nur bei diesem Thema, sondern bei allen Themen. Wenn man nicht alle Aussagen wirklich zusammenbringt, dann kann man wissen: Irgendwo ist ein Fehler in der Auslegung, nicht in der Bibel.
Das ist der Punkt, denn Gott hat das Versprechen gegeben, dass sein Wort bewahrt bleibt in Ewigkeit. Matthäus 24: Himmel und Erde werden vergehen, sagte der Herr Jesus, meine Worte werden nicht vergehen. Darum haben wir das ganze Wort, und das, was Gott gesagt hat, muss in sich stimmig aufgehen.

Ein Beispiel aus den Königsbüchern und Chronik

Ein Beispiel gefällig, ganz anderer Art. Schlagen wir auf 1. Könige 5,6. Es geht um König Salomo. Dort wird sein Reich bis ins Detail gut organisiert beschrieben.
In 1. Könige 5,6 heißt es: Und Salomo hatte vierzigtausend Stände für Pferde zu seinen Wagen und zwölftausend Reiter.
Und nun schlagen wir die parallele Stelle auf, wo ebenfalls das Reich Salomos beschrieben wird, aber nicht in dem Buch, das von Jeremia geschrieben wurde, sondern in dem Buch, das von Esra geschrieben wurde: 2. Chronik 9,25. Dort heißt es: Und Salomo hatte viertausend Stände für Pferde und Wagen und zwölftausend Reiter, und er verlegte sie in die Wagenstätte und zum König nach Jerusalem.
Man sieht: Hier steht viertausend Stände für Pferde, in 1. Könige steht vierzigtausend Stände für Pferde. Man muss beides zusammenbringen. Wie? Es gibt verschiedene Wege.
Ein wichtiger Weg ist, dass wir uns immer im Klaren sind: Der absolute Text ist der hebräische, aramäische und griechische Grundtext der Bibel. Also schauen wir im Hebräischen nach. Dann sehen wir, dass in 1. Könige 5 für Stände vierzigtausend Stände da steht. Dort steht das Wort Urwa, Urwa. In 2. Chronik 9,25 steht ein ganz ähnliches Wort, aber es heißt nicht Urwa, sondern Urja. Ein Buchstabenunterschied. Also ist es miteinander verwandt, aber sachlich nicht dasselbe.
Urja in 2. Chronik müssen wir erklären mit Ställen, also mit Ständen, in diesem Fall mit zehn Ständen, wo die Pferde angebunden sind und ihre Fressstelle haben. Also sind das eben viertausend Ställe mit Ständen, und wenn man die einzelnen Stände zählt, dann gibt es vierzigtausend.
In diesem Fall hat uns also ein Blick in den hebräischen Grundtext geholfen. Auf Deutsch steht an beiden Orten Stände, aber man muss wissen: Das eine meint eigentlich den Stall mit den Ständen, und das andere meint die Stände.

Der leidende Messias und die Sprache des Opfers

Und so machen wir es gerade auch in unseren Stellen: Markus 10,45 und 1. Timotheus 2,6. Aber gehen wir doch der Reihe nach.
Wir haben hier auf dem Blatt als erste Stelle Jesaja 53,12. Das ist dieses wunderbare Kapitel über den leidenden Messias, ein Kapitel, das auch schon die alten Rabbiner auf den verheißenen Messias bezogen haben. Hier wird gesagt, dass er eben kommen würde, um als Opfer für unsere Schuld zu sterben. Es wird ganz besonders betont, dass der Messias für Israel sterben wird.
In Jesaja 53,8 sagt Gott in der Mitte, ich lese: Denn er wurde abgeschnitten aus dem Land der Lebendigen; wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Und jetzt eben weiter Vers 12: Darum werde ich ihm Anteil geben an den Vielen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen, dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan.
Hier wird gesagt, dass der Messias sterben sollte „für die Sünden vieler“. Und die Frage stellt sich zu Recht: Warum steht hier nicht „für die Sünden aller“? Und jetzt verstehen wir auch, was Anlass gibt, bei den Calvinisten zu behaupten, das Werk des Herrn Jesus reiche nicht für alle, sondern nur für viele, also für eine begrenzte Zahl, die Gott angeblich von jeher wollte, im Gegensatz zu allen anderen. Also, auch das müssen wir erklären können.
Nehmen wir gerade noch dazu im Neuen Testament Hebräer 9,28. Da geht es um das Thema Jom Kippur, den großen Versöhnungstag, oder eigentlich wäre Jom Kippur besser mit Sühnungstag zu übersetzen. Aber das hat sich im Deutschen so eingebürgert, dass man sagt: Versöhnungstag. Kippur heißt eigentlich in erster Linie Sühnungstag. In Hebräer 9 und 10 wird das vorgestellt, und es wird gezeigt, dass der Herr Jesus das durch sein Opfer erfüllt hat.
Und nun Hebräer 9, Vers 28: So wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um viele Sünden zu tragen, zum zweiten Mal denen, die ihn erwarten, ohne Sünde erscheinen zur Errettung. Also auch hier wird, gerade im Anschluss an Jesaja 53,12, gesagt: die Sünde vieler.
Ja, also das passt ja alles ganz gut zur Aussage in Markus 10,45: Er ist das Lösegeld für viele. Aber jetzt kommt eben unser Hinweis: In 1. Timotheus 2,6 steht: Er ist das Lösegeld für alle.
Ein Blick in den Grundtext macht klar: Auf Deutsch ist beides Mal „für“ dasselbe Wort, aber auf Griechisch nicht. In Markus 10,45 ist „für“ anti, und in 1. Timotheus 2,6 ist „für“ hyper. Was ist der Unterschied?
Hyper heißt im Griechischen „zugunsten“, „im Blick auf“, also „zugunsten von allen“, „im Blick auf alle“. Anti kennt man im Allgemeinen am besten im Sinn von „gegen“. Aber anti bedeutet nicht nur „gegen“, sondern auch „anstelle von“. Zum Beispiel in der Weihnachtsgeschichte, Matthäus 2, da wird ja berichtet, wie schließlich König Herodes starb und sein Sohn König an seiner Stelle wurde. Und „an seiner Stelle“ ist griechisch anti. Er hat also die Stelle eingenommen von seinem Vater, wurde sein Stellvertreter nach seinem Tod.
Und nun ist das natürlich ein wichtiger Unterschied. Anti bedeutet: Oh, jetzt habe ich einen Fehler auf dem Blatt, jetzt müsst ihr das unbedingt korrigieren. Ja, es ist natürlich so, dass bei 1. Timotheus 2 hyper steht und bei Markus 10 anti steht. Das ist wichtig. Also wirklich Stellvertretung: das Lösegeld anstelle von vielen. Aber in Bezug auf alle, für alle war das Werk gemeint. Es sollte zugunsten von allen sein.
Wir wissen ja, dass nicht alle Menschen errettet werden. Aber eben nicht, weil Gott nicht alle gewollt hätte, sondern jetzt schlagen wir nochmals zum ersten Johannesbrief, 3,16, auf. Und nicht nur auswendig: 1. Johannes 3,16. Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

Die Bedeutung von Welt, alle Menschen und jeder

Jeder – das ist ein ganz wichtiges Wort. Das griechische Wort meint: jeder oder jeder Einzelne wird errettet, wenn er dieses Opfer, das Gott für die Welt gegeben hat, für sich persönlich in Anspruch nimmt. Davon hängt es ab, wer errettet wird und wem dieses Lösegeld zugerechnet wird.
Aber eines ist uns jetzt schon klar: Das Lösegeld gilt für alle, zugunsten von allen. Gott hat dieses Erlösungswerk des Herrn Jesus im Blick auf alle Menschen, auf die ganze Welt, ausführen lassen. Wirksam wird es aber nur für viele, nämlich für die, die es annehmen.
Darum sagt Johannes 3,16 nicht: Gott hat die Welt geliebt, und alle werden errettet. Sondern: Er hat die Welt geliebt und seinen Sohn für die Welt gegeben. Und jetzt geht es um den Einzelnen, damit jeder Einzelne, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Aber jeder Einzelne, der dieses Angebot, dieses Lösegeld, das zu seinen Gunsten da ist, nicht annimmt, geht verloren. Nicht wegen Gottes Schuld. Der Herr Jesus sagt in Matthäus 23 zu Jerusalem: Wie oft habe ich euch versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt. Also nicht Gott hat nicht gewollt, sondern alle, die verloren gehen, gehen verloren, weil sie nicht wollten.
Also ist Johannes 3,16 wichtig: Gott liebte die Welt. Hier haben wir das griechische Wort Kosmos. Kosmos hat in der Bibel etwa zehn verschiedene Bedeutungen. Eine davon ist Kosmos im Sinne des ganzen Universums. Und zum Universum gehört ja auch die Erde, nicht wahr? Das ganze Universum, das ganze Weltall, Himmel und Erde.
In Epheser 1 wird gesagt, dass Gott die Erlösten für sich haben wollte, vor Grundlegung der Welt, also vor Erschaffung des Universums. Aber Kosmos kann eben auch Menschheit bedeuten, also alle Menschen, nicht das ganze Universum, sondern alle Menschen. Und das ist der Sinn von Johannes 3,16: Gott hat die Welt geliebt, die gesamte Menschheit ist hier gemeint.
Es gibt noch weitere Bedeutungen. Zum Beispiel Schmuck – ja, das gleiche Wort Kosmos in 1. Petrus 3, wo es um den Schmuck von Frauen geht, ist ebenfalls Kosmos. Das ist ganz einfach zu erklären, warum dasselbe Wort auch das bedeuten kann. Kosmos geht zurück auf ein Verb, das schmücken und ordnen bedeutet.
Das ganze Universum ist ja ein mathematisch, ich will sagen: für den Menschen unüberschaubares, unendlich unfassbares System. Alles ist bis ins Letzte geordnet, mit Feinabstimmung. Das ist Kosmos. Das ist das Gegenteil von Chaos. Das griechische Wort Chaos ist das Gegenteil von Kosmos.
Und nun ist es eben so, dass das Wort Kosmos dann auch Schmuck bedeuten kann, weil Schmuck ein Werk eines Künstlers ist, der Ordnung, Überlegung und Harmonie hineinbringt. Kosmos kann übrigens auch das weltliche System Satans bedeuten, wodurch er die Menschen versucht, von Gott abzuhalten. So heißt es in 1. Johannes 2: Liebe nicht die Welt.
Johannes schreibt in Johannes 3,16: Gott hat die Welt geliebt. Und den Gläubigen sagt er in 1. Johannes 2: Liebt nicht die Welt. Aber das ist kein Widerspruch, weil Gott hat die Welt geliebt bedeutet: die Menschheit. Und in 1. Johannes 2 bedeutet Kosmos eben das weltliche System, durch das Satan versucht, die Menschen von Gott abzuhalten und sie in Vergnügungen und falschen Ideen, Philosophien, zu fangen. Das ist auch Welt.
Ja, das war ein kleiner Exkurs zu diesen Wörtern. Aber wir sehen, dass Kosmos ein Wort ist, das ganz umfassend ist. Und warum betone ich das so? Dafür gibt es einen besonderen Grund. Wenn man jetzt einem Kalvinisten sagen würde: Schau, Johannes 3,16 ist doch völlig klar. Also hat Gott die Welt geliebt, Kosmos. Dann ist man erstaunt, denn das beeindruckt ihn nicht, er zuckt nicht mit den Wimpern.
Wie kann er das ertragen? Das heißt doch wirklich: alle geliebt. Nein, Gott hat nicht alle Menschen geliebt. Als Geschöpfe, dass er ihnen Nahrung gibt und so weiter, die allgemeine Menschenliebe, ja, ja, das schon. Aber keine Retterliebe. Aber in Johannes 3,16 geht es ja gerade um Retterliebe. Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, zum Opfer. Da geht es nicht um Nahrung, Sonnenlicht und Regen und so weiter, sondern es geht um die Rettung. Er zuckt eben noch nicht mit den Wimpern.
Warum? Da muss man fragen: Was verstehst du denn unter Welt? Ja, das bedeutet eben nicht nur Israel, sondern auch Menschen aus den anderen Völkern. Aber nicht alle, nein, nicht alle.
Ja, aber wie ist es denn in 1. Timotheus 2? Da haben wir doch auch gelesen. Da heißt es doch in Vers 3 und 4 nochmals: Denn dies ist gut und angenehm vor unserem Rettergott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Und da kann man sagen: Hier steht nicht Welt, aber hier steht alle Menschen! Und wiederum zuckt er nicht mit den Wimpern. Ja, aber was bedeutet denn alle Menschen? Ja, das bedeutet eben Arme und Reiche, Deutsche, Schweizer, Russen, Inder, alle verschiedenen Arten von Menschen.

Fürbitte, öffentliche Ordnung und der Auftrag der Gemeinde

Also, die verstehen es immer wieder anders. Übrigens, in 1. Timotheus 2,1 haben wir das nicht gelesen, aber das ist der Zusammenhang:
Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten und Danksagungen getan werden für alle Menschen.
Heißt das jetzt einfach für ein paar Russen oder für viele Russen, aber ja nicht für alle? Und viele Deutsche, aber nicht für alle? Oder bedeutet das, dass wir für alle Menschen einstehen sollen, für alle Menschen? Und dann heißt es: für Könige.
Und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst.
Dann wird der Calvinist sagen: Ja, eben, hier geht es um verschiedene soziale Schichten. Eben für alle, für Könige und auch in anderen sozialen Abstufungen sollen wir beten, für die Regierung. Übrigens nicht, damit wir ein beschauliches Sofaleben führen könnten. Wenn es heißt, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können, das Wort still, hesychios, meint zum Beispiel politischen Frieden, und das Wort ruhig, eremos, bedeutet friedlich, gelassen, leise.
Also beten wir, dass wir weiterhin in der Schweiz keine Revolution haben wie 1848. Keine Revolution, keine Aufstände, keine Anarchie. Denn in dieser Situation, wie es jetzt ist, wenn wir eben nicht ein Sofaleben führen, dann ist es das Ideale, um das Evangelium zu verkündigen. Denn unser Anliegen ist ja, alle Menschen zu erreichen.
Und wenn wir Menschen begegnen, einfach so ungeplant, dann dürfen wir immer wissen: Gott liebt diesen Menschen. Und ich kann ihm sagen: Gott hat dich geliebt, und er hat seinen Sohn für dich gegeben. Ein Calvinist kann das nicht. Der müsste immer denken: Vielleicht ist das ein Auserwählter, vielleicht ist das aber ein Verworfener. Also kann ich ihm nicht sagen: Gott liebt dich, weil Gott eben nicht alle mit Retterliebe liebt, höchstens mit allgemeiner Menschenliebe, eben wegen des Essens und so.
Aber darum ist das natürlich ein Riesenunterschied, wenn wir verstehen: Beten für alle Menschen. Dann geht es eben um unser Anliegen, das Evangelium allen zu bringen, und zwar mit der persönlichen Überzeugung: Dieser Mensch, der vor mir steht, Gott möchte ihn.
Und das wird nun unterstrichen in Vers 3, denn dies ist gut und angenehm vor unserem Rettergott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Also, Gott ist ein Rettergott, und er möchte alle Menschen. Da haben wir wieder alle Menschen. Der Calvinist sagt: Nein, das sind einfach alle Arten von Menschen.
Nicht wahr, das bringt einen ein bisschen in Not. Welchen Ausdruck müssten wir denn in der Bibel haben, um klarzumachen, dass wirklich alle gemeint sind, nicht nur alle Völker und nicht nur alle verschiedenen sozialen Klassen?
Ja, 1. Johannes 2, jetzt haben wir es doch alle im Kopf, 1. Johannes 2,2, dort steht’s, dort steht’s:
Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.
Nochmals Kosmos, aber noch das Wort ganz dazu. Jetzt haben wir es, und wiederum kein Wimperzucken. Ja, das meint eben wirklich alle, alle Nichtjuden. Johannes spricht zu jüdischen Gläubigen, und er sagt: Es ist nicht nur für uns jüdische Gläubige. Nicht wahr, Jesaja 53 sagt, dass der Jesus eben für das Volk Israel sterben sollte, haben wir gelesen: Gott sagt, für die Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Ja, aber es betrifft auch eben die anderen Völker.
Ganze Welt heißt eben wirklich alle Nationen, aber niemals alle Menschen. Damit klar wird, dass jetzt wirklich alle Menschen gemeint sind. Ja, dann müsste eben hier ausdrücklich stehen: Ganze Welt, für alle Auserwählten und auch für alle Verworfenen. Aber das steht nicht, und darum steht es nicht, so dass Gott alle Menschen liebt.
Aber merkt man langsam, man schreibt eigentlich letztlich vor, wie Gott sein Wort formulieren müsste, um einen normalen Ausdruck wie alle Menschen und die Welt, die ganze Welt, damit es das bedeutet, was jeder sofort so versteht bei einem natürlichen Gebrauch der Sprache.

Der reiche junge Mann als Beispiel persönlicher Zuwendung

Ja, aber wir sind ja noch nicht am Ende. Wir gehen weiter, und zwar passend jetzt zu Markus 10. Das ist eine so wunderschöne Geschichte, zwar traurig, aber eigentlich ist das eine bittere Pille für den Calvinismus.
In Markus 10,17 heißt es: „Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herbei, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Lehrer, was soll ich tun, um ewiges Leben zu erben?“ Jesus aber sprach zu ihm: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer: Gott. Die Gebote kennst du: Du sollst nicht töten, du sollst nicht Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis ablegen, du sollst nicht vorenthalten, ehre deinen Vater und deine Mutter!“ Er aber sprach zu ihm: „Lehrer, dies alles habe ich beachtet von meiner Jugend an.“ Jesus blickte ihn an, liebte ihn und sprach zu ihm: „Eins fehlt dir: Geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst deinen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach!“ Er aber wurde traurig über das Wort und ging betrübt weg, denn er hatte viele Besitztümer.
In den Paralleltexten in den anderen Evangelien, wo die Geschichte auch erzählt wird, wird sogar gesagt, dass das ein Oberster war. Der Ausdruck Oberster meint ein Mitglied des Sanhedrins, also des obersten Gerichtshofs von Israel, mit einundsiebzig Richtern: der Hohepriester und noch 70 Richter dazu. Das heißt, das war ein junger Mensch, und er hatte wirklich die größte Karriere gemacht, die man sich denken kann im Judentum, und war bereits Richter des Sanhedrins geworden.
Und wir sehen: Er hat sich bemüht, die Gebote einzuhalten, aber er hatte ein Problem tief in seinem Herzen, Geldliebe. Und er hat gesehen, genau das ist das Problem. Dort ist Sünde greifbar. Darum hat der Herr in diesem speziellen Fall gesagt: „Verkauf alles, folge mir nach.“ Dann heißt es, er geht weg, betrübt, und nie mehr wird in der Bibel berichtet, dass er später wiedergekommen wäre.
Aber es heißt hier: Jesus blickte ihn an. Es lohnt sich, alle sieben Stellen in den Evangelien zusammenzusuchen, wo der Jesus bestimmte Menschen in die Augen schaut, also nicht nur herumblickt, sondern wo er Menschen ganz konkret in die Augen schaut. Sieben Stellen, und das ist eine davon: „Jesus aber blickte ihn an“ in Vers 21, „liebte ihn und sprach zu ihm.“
Man muss sich diesen Augenkontakt vorstellen. Der Herr Jesus kam, er wollte ihn retten, er liebte ihn. Er hat ihn nicht von Anfang an nicht gewollt. Keiner war für ihn vom Vater von Ewigkeit her verworfen. Und dieser junge Mann hat diesen Blick einen Moment aushalten müssen, und dann ist er gegangen.
Aber das zeigt, dass wir wirklich Recht haben, wenn wir evangelisieren und Menschen ganz konkret als Persönlichkeiten sehen, die der Herr möchte, die der Herr will und für die er gekommen ist in diese Welt, um sein Leben hinzugeben. Also auch eine wichtige Stelle, um zu zeigen, dass Gott alle Menschen liebt, alle Menschen geliebt hat.

Die Gnade für alle und die weltweite Ernte

Also weiter mit Titus 2,11.
Der Titusbrief ist wunderbar aufgebaut. Wir haben ständig so einen Block mit einem lehrmäßigen Konzentrat, in dem Gottes herrlicher Ratschluss enthüllt wird. Danach geht es um die praktische Umsetzung. Dann kommt wieder so ein Block, und wieder die praktische Umsetzung. Und jetzt beginnt hier ein weiterer Block, Titus 2,11.
Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf, in dem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes, Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken. Dieses rede und ermahne und überführe mit allem Nachdruck. Lass niemand dich verachten. Lehr Überzeugung, wann diese Dinge weitergeben sollen.
Ja, also dieser Block, Titus 2,11-14, beginnt damit: Die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen. Und jetzt wieder kein Zucken mit den Augen. Ja, alle Menschen, alle Völker, alle Klassen, aber nicht alle Menschen. Alle Menschen heißt nicht alle Menschen. Damit aber kein Missverständnis vorliegt: Die Bibel sagt, dass Menschen errettet werden, weil Gott eben alles im Voraus weiß. Er weiß auch, wer sich als jeder einzelne für den Sohn Gottes entscheiden wird, um ewiges Leben zu haben. Johannes 3,16.
Darum schlagen wir auf in Offenbarung 5. Da sehen wir die Gemeinde im Himmel, dargestellt in den 24 Ältesten. Sie singen das neue Lied, und das neue Lied lautet so. Also tönt, nein, nicht klingt, nicht tönt, sondern lautet so. Der Klang kommt noch dazu, aber ich singe es nicht vor, sondern ich lese es vor. Offenbarung 5,9:
Und sie singen ein neues Lied: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft durch dein Blut aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation und hast sie unserem Gott zu Königen und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen.
Hier wird also bezeugt, dass durch das Blut Gottes Menschen aus allen Stämmen, aus allen Sprachen, aus allen Völkern und aus allen Nationen einmal zu den Geretteten gehören werden. Hier macht sich übrigens die Gemeinde eins mit den Gläubigen aus allen Zeitaltern. Und zusammen ist das so, dass wirklich jede Nation im Evangelium erreicht wird, und es gibt Frucht aus jeder Nation.
Es gibt weltweit etwa zweihundert Nationen, griechisch Ethnos. Das ist die größte soziale Einheit, und die meisten gehören ja zur UNO. Aber dann gibt es eben eine kleine Einheit, das ist Volk, griechisch Laos. Laos: Man unterscheidet weltweit über zehntausend verschiedene Völker. Das heißt also, viele Nationen wie Indien, Russland oder Kamerun und Kongo und was auch immer bestehen aus ganz verschiedenen Völkern. Das ist eben Laos. Und dann haben wir noch zusätzlich eine kleine Einheit, Stamm. Also es gibt dazu noch unzählige Stämme. Und wenn Stämme wachsen, wachsen, wachsen, wachsen, werden sie schließlich zu Völkern. Also das ist so ein Größenhinweis.
Ja, und dann haben wir aus allen Sprachen. Weltweit unterscheiden wir heute in der Linguistik über 7.000 verschiedene Sprachen, die aktuell noch gesprochen werden. Ich zähle also nicht die Toten sprachen und auch gar nicht die Dialekte, sonst wäre es ein Mehrfaches. Wenn wir dann bei Deutsch sind, mit Baseldeutsch und Berndeutsch und Zürchdeutsch und Walliserdeutsch, Deetsch, ja, aber das ist nicht mitgezählt unter den 7.000 Sprachen. Und es gibt manchmal kleine Stämme von nur ein paar hundert Leuten, die haben eine eigene Sprache. Aber selbst aus diesen Minoritätsgruppen werden wir Erlöste einmal sehen im Himmel.
Dann Offenbarung 7. Dort sieht Johannes, dass nicht nur ein Überrest aus Israel durch die Drangsal gehen wird in der Zukunft und errettet wird, sondern auch ein Überrest aus allen Nationen wird noch zum Glauben kommen, Menschen, die vorher das Evangelium nicht gehört haben. Und in Offenbarung 7 heißt es, Vers 9:
Nach diesem sah ich, und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation, Ethnos, und aus Stämmen und Völkern und Sprachen. Wieder diese Einteilung. Und sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern, und Palmen waren in ihren Händen.
Und es wird weiter gesagt in Vers 14, am Schluss: Sie kommen aus der großen Drangsal, sie haben ihre Gewänder gewaschen und haben sie weiß gemacht in dem Blut des Lammes.
Auch da wieder ein Hinweis auf jede Nation, auf alle Stämme, auf alle Völker und Sprachen.

Versöhnung, Botschaft und Schlussfolgerung

Ja, also es ist schon so, dass Gott am Schluss aus Völkern und Stämmen, Sprachen und Nationen Menschen retten wird. Denn er will Menschen aus ihnen retten. Gott will alle Menschen. Und darum sagt uns Titus 2: heilbringend für alle Menschen.
Das bedeutet nicht, dass alle gerettet werden. Heilbringend bedeutet vielmehr, dass dieses Heil allen Menschen vonseiten Gottes angeboten wird.
Und das passt jetzt genau zu 2. Korinther 5,19. Der Zusammenhang wegen lese ich ab Vers 18:
Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat, das ist unser evangelistischer Dienst, den jeder Gläubige hat. So gehen wir auf die Menschen zu, in diesem Sinn, nämlich, dass Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und er hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt. So sind wir nun Gesandte für Christus, also Botschafter, eine große Würde, die verpflichtet. So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott. Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.
Und jetzt muss man beachten: Da lohnt es sich, eine genaue Übersetzung zu haben. Die Elberfelder übersetzt das mit Partizipien: die Welt mit sich selbst versöhnend, nicht: er hat die Welt versöhnt, sondern versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend. Das ist eben hier gemeint als Durativ, so im Grundtext. Das ist eine Tätigkeit, die fortläuft.
Also ist diese Versöhnung ein Prozess. Und jeder, der sich bekehrt, kommt wieder dazu und wird aus dieser Welt versöhnt. Nicht die ganze Welt ist versöhnt mit Gott. Versöhnen heißt ja: Ein Feind wird umgewandelt in einen Freund. Das Grundwort von versöhnen im Griechischen bedeutet wechseln, umwandeln.
Also wird die Welt nicht gesamthaft Freund Gottes. Aber die Welt wird eben in einem Prozess versöhnt, in dem das Evangelium ausgebreitet wird. Menschen bekehren sich, und Menschen bekehren sich, und Menschen bekehren sich. So erfüllt sich das.
Aber auch da ist wieder klar, dass diese Versöhnung im Blick auf alle Menschen geschieht. Diese Möglichkeit, Vergebung zu bekommen, dass die Übertretung nicht zugerechnet wird, das ist auch ein Prozess, der eben jedem, der kommt, dann auch wirklich zugerechnet wird. Also auch da wieder wichtig der Ausdruck „die Welt“. Das zeigt wieder: Gott möchte alle.
Wir machen jetzt Pause, eine Viertelstunde, und dann geht es weiter mit 2. Korinther 5.

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