Einführung und Kontext der Gemeinde Sardes
Offenbarung 3,1-6
Und dem Vorsteher der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt der, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne. Ich kenne deine Werke; du hast den Namen, dass du lebst, bist aber tot. Werde wach und stärke das andere, das zu sterben droht, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.
So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest. Tue Buße! Wenn du aber nicht wachst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.
Doch du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht befleckt haben. Diese werden mit mir in weißen Kleidern wandeln, denn sie sind es wert. Wer überwindet, wird mit weißen Kleidern bekleidet werden. Ich werde seinen Namen nicht aus dem Buch des Lebens auslöschen und werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.
Zunächst interessiert uns: Was war die Gemeinde von Sardes? Sardes hatte einen berühmten Einwohner, einen König, den alle kannten: Kroisos. Er ist ein deutliches Bild für mächtigen Reichtum – ein Mann, der alles besaß und über alles verfügte. Kroisos war stolz auf seinen Reichtum in Sardes. Er bezeichnete sich selbst gern als den glücklichsten Menschen seiner Zeit und ließ sich dafür auch sehr preisen. Denn Stolz geht oft mit großem Reichtum einher.
Es traf ihn sehr schwer, als sein Sohn bei einer Jagd tödlich verunglückte. Das zeigt, wie plötzlich Leid ins Leben einbrechen kann und einfach da ist.
Heute war ich bei einem zwölfminütigen Gottesdienst. In dieser kurzen Zeit kann man nicht viel machen. Ich habe mir vorgenommen, den Leuten ein Bibelwort plastisch nahe zu bringen. Gestern war es das Thema Angst: „Er reißt mich aus dem Rachen der Angst“. Heute lautete es: „Befiehl dem Herrn deine Wege“. Merkwürdig war, wie danach noch ein fremder Mann kam. Ich gehe dann immer schnell nach hinten raus. Er erzählte, dass seine Frau morgen aus der Klinik zurückkommt, sie liegt im Sterben und ist unheilbar krank. Sie wohnen irgendwo in einem Vorort von Stuttgart.
Die meisten Menschen kommen mit ihrer Not nicht zurecht. Wenn wir nur richtige Seelsorge wären – das heißt, irgendwo hinhören, aufmerksam sein. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie auch sonntags zuhören und fragen: „Ich möchte mal hören, ob heute jemand etwas sagt, was ihn bedrückt.“ Wenn man dann nur sagt: „Ich denke an dich“ oder „Ich bete für dich“ oder wenn jemand überhaupt reden kann – das ist schon viel. Sie wissen doch: Die beste Seelsorge ist das Zuhören.
So war Kroisos, der mit seinem Reichtum ein unglücklicher Mann war.
Die Geschichte des Croesus und die Bedeutung für Sardes
Von dem Croesus wird erzählt, dass er einmal in den Apollotempel ging und dort fragte, was sein Schicksal sei. Die Priester gaben ihm ein Orakel für die Zukunft und sagten, wenn er den Hades überschreite, also den Grenzfluss, werde ein großes Reich zerstört.
Daraufhin griff er sehr mutig und kühn die Perser an. Bei diesem Unternehmen wurde er allerdings furchtbar geschlagen. Er verlor die Schlacht und wandte sich beleidigt an die Apollopriester. Croesus sagte: „Ihr habt mir doch gesagt, dass ein Reich zerfallen wird.“ Die Priester antworteten lachend, sie hätten ihm nicht gesagt, welches Reich zerfällt.
So ist er also schwer auf die Nase gefallen und von den Priestern reingelegt worden. Das ist der Trick: Die entscheidenden Orakel lassen offen, wofür und wieso das so sein soll und wie das genau funktioniert.
Hier geht es nun um eine Gemeinde in Sardes. Bei ihr stimmt es auch nicht. Uns interessiert bei dieser Inspektion: Wo liegen die Schäden bei Gemeinden? Wir wollen daraus lernen und erkennen, was bei uns der Korrektur bedarf.
Es fällt auf, dass in dieser Gemeinde keine Verfolgung herrscht. Bei den bisherigen Gemeinden gab es, wie immer, Verfolgung. Hier aber keine Verfolgung und auch keine Verführung. Erinnern Sie sich an die falsche Prophetin, an die Isebel, die verführt hat? Von so einer Verführung ist in dieser Gemeinde nichts zu sehen.
Das sind besondere Gefahren: Druck von außen, Verfolgung oder das Einbringen von Sonderlehren. Darf ich Sie ganz offen warnen? Auch in unserer Gemeinde gehen jetzt Leute umher, die mit fröhlichem Gesicht fragen: „Sind Sie heute schon missionarisch tätig gewesen?“
Ich war in Liebenzell kaum im Zelt hinten, als ich mich hingesetzt habe. Gleich kam ein leicht beschwingtes Fräulein und sprach mich an. Ich fragte sie, was sie von Beruf sei. Sie sagte: „Seien Sie doch mal eine tüchtige Krankenschwester.“
Auf diesen Missionarsfimmel bin ich gar nicht eingestiegen. Später sah ich, wie sie ihre Traktate verteilte. Es gibt Leute, die von einer Gruppe aus überall werben. Zwei Mitarbeiter in Krelingen haben auch gleich Schriften mitgebracht und wurden von den Schriften Horst Schafraneks beeinflusst.
Das ist an sich nichts Böses, doch es geht wieder in eine bestimmte Richtung. Im Moment gehen immer wieder viele Leute los und wollen die Gemeinde in ihre Richtung bringen. Das sind Heilsbringer jedweder Art.
Wir wollen auf das Wort der Bibel hören. Wir wollen nicht immer wieder von Gruppe zu Gruppe ziehen, neue Gemeinden gründen und Neues machen. Das ist nicht das Heil an sich. Vielmehr wollen wir schauen, wie wir das geistliche Leben dort stärken, wo wir sind.
Wir wollen hören, wie uns der Herr heute segnen kann. Davon bin ich überzeugt: Wo wir sind und wo wir die Bibel aufschlagen, da ist Jesus mitten unter uns. Und da will er uns seinen Segen geben.
Die innere Not der Gemeinde Sardes
Und was war das Problem bei dieser Gemeinde? Es gab keine Verführung, keine falsche Lehre, keinen Druck von außen. Dennoch hatte sie den Ruf, lebendig zu sein, war aber tatsächlich tot. Das ist eine Not, die uns sehr bedrückt.
Wir beobachten das oft bei Kirchengemeinden. Auch wenn es beispielsweise in Stuttgart großartige kirchliche Tage gab, stellt sich die Frage: War das wirklich geistliches Leben? Oder wurde dort nur mit großem finanziellem Aufwand etwas in Bewegung gesetzt? Und dann freut man sich noch, dass beim katholischen Priester die meisten Leute kamen.
Es ist ja bedrückend, wenn beim Landesbischof nicht einmal zweihundert Leute bei der Bibelarbeit sind. Aber dort war auch kein geistlicher Hunger; es ging nicht von der Mitte aus. Was ist Leben? Ist es, Veranstaltungen zu organisieren und ein großes Programm auf die Beine zu stellen? Man kann ja viel machen. Wir haben auch eine Auflistung von etwa acht Seiten, auf denen all die Kreise und Gruppen genannt sind. Das sagt aber noch nichts darüber aus, ob etwas Lebendiges darunter ist.
Vor einigen Jahren passierte in Göttingen Folgendes: Auf einem Fenstersims in der Universität standen einige Flaschen Orangensaft mit einem Zettel darunter, auf dem stand: „Lasst euch gut schmecken.“ Einige Studenten dachten, es sei frischer Saft, öffneten die Flaschen und tranken daraus – doch der Saft war vergiftet. Eine Flasche Orangensaft löste damals große Unruhe aus. Eine Orangensaftflasche sieht so einladend aus, wenn man Durst hat. Man denkt, man kann daraus trinken. Doch wenn man es tut, ist es giftig, ein Todeswasser und nichts, was erquickt.
Das muss uns zum Nachdenken bringen: Die meisten Menschen in unserem Volk sind von der Kirche und von Christen schockiert, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Jeder kann davon erzählen. Es beginnt mit dem Religionsunterricht, bei den Konfirmanden und meistens mit Erlebnissen mit der Pfarrerschaft, mit uns. Wir müssen uns selbst an der Nase nehmen. Es sind Erfahrungen mit Christen, mit frommen Leuten – ganz besonders schlechte Erfahrungen. Die Leute sagen: „Geh nur weg von denen!“ Ich habe einmal eine Tante gehabt, und es war so schrecklich, was sie mir angetan hat, wie sie meine Jugend zerstört hat. Sie hat kein Leben gefunden. Die Menschen stoßen ab.
Es ist interessant: Lebendigkeit bedeutet nicht eine Fülle von Veranstaltungen, viel Betrieb oder Routine. Sondern was ist Leben? „Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot“ heißt es im ersten Vers. Deshalb war es nicht nötig, dass die Gemeinde verfolgt wurde, denn innerlich war sie schon tot.
Was prüft Jesus hier mit seinen durchdringenden Augen bei einer Gemeinde? Gibt es wirklich eine Verbundenheit mit Jesus, wie bei einer Pflanze? Hat sie noch Verbindung zum Wurzelwerk, zum Stamm, oder ist sie schon abgestorben? Kommt das Fruchtbringen wirklich von innen, aus der Tiefe der Erfahrung mit Jesus?
Für eine Gemeinde ist das die entscheidende Frage: Lebt sie nur noch, weil vielleicht genügend professionelle hauptamtliche Mitarbeiter als Animateure auftreten? Oder lebt da wirklich etwas durch die Gemeinde?
Ich kann Ihnen sagen, es ist wunderbar, wenn man sieht, was in einer Gemeinde durch viele Menschen lebendig ist. Mich beeindruckt es immer wieder, wenn ich feststellen darf, wie Gespräche, die geführt wurden, wie Kontakte, die aufgenommen wurden, und Besuche, die gemacht wurden, ungemein weiterwirken. Da ist Leben drin, wenn Jesus durch Menschen hindurch wirkt – geistliches Leben.
Das kann man nicht so schnell von außen beurteilen. Jesus muss das immer wieder prüfen. Wie ist es bei mir? Ist es nur noch Routine? Man kann im christlichen Betrieb mitlaufen, aber es kommt keine Kraft mehr heraus. Man spürt das sehr schnell und sagt: „Da gehe ich leer weg, ich nehme nichts mehr mit.“ Das sind Alarmzeichen – nicht nur bei anderen, sondern auch bei uns selbst, wenn wir geistliches Leben in uns tragen.
Was ist das? Dass Jesus in uns etwas wirken kann. Und das geschieht nur, wenn wir aus dem Gebet heraus handeln. Sie wissen genau, wenn Sie einen Besuch machen, ob man nur da sitzt und Belangloses redet, oder ob wirklich Jesus unseren Dienst gebrauchen kann. Ob die Briefe, die wir schreiben, die Trostgespräche, die wir führen, von Jesus gewirkt sind. Das gilt besonders für eine Gemeinde.
Die Gemeinde von Sardes hat ihre Not und Schuld nicht bemerkt. Sie war sogar stolz darauf, was sie alles auf die Beine gestellt hatte. Aber die Fülle von Veranstaltungen ist nicht entscheidend. Wir sollten uns immer wieder überlegen, wie wir die Anzahl der Veranstaltungen reduzieren und wie wir alle wieder mit der Gegenwart Jesu erfüllt werden. So können wir Werkzeuge in seiner Hand sein.
Die Diagnose: geistlicher Tod trotz äußerem Leben
Ein kritisches Wort, das hier steht: Du bist tot.
Bei „tot“ denken wir natürlich immer an einen Leichnam. Haben Sie schon einmal einen Toten gesehen? Man sagt, das sieht dann plötzlich so wächsern aus, und das Gesicht wirkt fahl. Heute gibt es Menschen, die eigentlich schon gestorben sind, aber durch Maschinen noch am Leben gehalten werden – im Krankenhaus, auf der Intensivstation. Dort pumpen Maschinen das Blut durch, und die Patienten werden künstlich beatmet. So erscheint es mir heute oft: Wenn man die großen Geldmittel einmal wegnehmen würde, würden die meisten schnell zusammenbrechen. Es wäre nichts mehr da, weil der Tod schon längst alles absterben ließ.
Oder wo sind dann wirklich die Gebetskreise? Wo sind die Menschen, die aus dem Wort leben? Wo sind diejenigen, die das Wort auslegen können? Du hast den Namen, dass du lebst – das ist das, was über einer Gemeinde steht. Sie hat den Namen, dass sie lebt. Und dann denken Sie jetzt wieder an den Orangensaft, der da steht. Eigentlich ist es unsere Aufgabe, anderen Menschen das Leben weiterzugeben. Durch unser Reden soll das Leben auf andere übergreifen.
Woran erkennt man den Tod? Das ist eine gefährliche Sache. Es könnte ja überheblich sein, wenn wir das nur bei anderen feststellen. Wo prüfen wir uns selbst daran, ob wir tot sind oder ob wir eine lebendige Gemeinde sind?
Ich kenne deine Werke. Und in Vers 2 heißt es: Ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott. Wenn wir unser Tun im Licht des heiligen Gottes prüfen, sind unsere Werke wirklich von Jesus angenommene und bestätigte Werke? Tun wir das, was wir tun, so, dass es von Jesus benutzt wird? Unsere Worte, unsere Dienste – ist die Liebe, die wir dort üben, eine echte, selbstlose Liebe? Oder tun wir das nur um der Anerkennung willen?
Es hat mich in der Vorbereitung zum Gemeindetag sehr beschäftigt, ob dieser ganze Tag nur eine Schau sein soll oder ob wir ihn wirklich als einen Tag erleben, an dem Jesus Raum hat und an uns wirkt. Wir sollten so in diesen Tag hineingehen und sagen: Herr, jetzt ist uns gar nicht wichtig, was die Presse nachher darüber schreibt. Es ist uns auch nicht wichtig, ob das Fernsehen oder sonst jemand berichtet. Das geht gar nicht. Es geht nur darum, dass du an diesem Tag uns alle ansprichst und gegenwärtig bist.
Dann beten wir anders für diesen Tag. So wollen wir auch die Dienste einer Gemeinde tragen, damit unsere Werke vor Gott vollkommen befunden werden. Unser Tun und Arbeiten soll in der Prüfung bei Gott bestehen können. Dabei wollen wir immer auch unsere Motive prüfen: Warum tun wir etwas? Meint das Herz es redlich, oder geht es nur um Eitelkeit?
Im christlichen Gemeindedienst gibt es leider sehr viel Menschelei. Viele sind eitel. Uns, die im Dienst stehen, ist es oft sehr wichtig, wie wir ankommen und wie viel Ehre wir empfangen. Ich sage das ganz selbstkritisch. Da müssen wir aufpassen, ob wir in all den Diensten – der Jugendarbeit, der Gruppenleitung – vor unserem Herrn Werke tun, die in den kritischen Augen Gottes bestehen können.
Eine Gemeinde kann äußerlich sehr flott aussehen, und es kann viel gewirkt werden. Aber das sagt noch lange nicht, was das wirklich ist. Ein weiteres Kennzeichen ist: Die Werke sind nicht vollkommen. Das war das eine. Das andere ist: Es stirbt um uns herum.
Die Frage nach geistlicher Frucht und Glaubensweitergabe
Kommen andere Menschen zum Glauben?
Diese Frage ist entscheidend: Kommen tatsächlich andere Menschen durch uns zum Glauben? Wen durften wir in den letzten Monaten zu Jesus führen? Haben wir jemanden zum Glauben gebracht? Oft geschieht das, ohne dass wir es wissen. Markus Bender hat mir das neulich gesagt, und es hat mich sehr getröstet. Er berichtete von einem Mann, der am Sonntag wieder in der Kirche saß und erzählte, er sei im Gottesdienst zum Glauben gekommen. Solche Geschichten erfahren wir kaum.
Es ist ein Dienst, bei dem wir einander helfen müssen. Wir dürfen wie Hebammen tätig sein, Menschen zeigen, wie man betet und die Bibel liest. Es gibt viele, die suchen. Ich wurde zum Beispiel gebeten, eine Taufe zu übernehmen. Es sind Leute, die außerhalb der Gemeinde wohnen. Einer sagte, er sei Katholik, aber er komme hierher und lese den Neukirchener Kalender. Wissen Sie eigentlich, dass die Menschen, die neben Ihnen sitzen und oft schüchtern sind, im Grunde alle darauf warten, dass ihnen jemand hilft?
Diese Menschen brauchen oft Beistand, weil sie mit dem Glauben zu kämpfen haben. Es gibt Hindernisse beim Bibellesen, Glaubenszweifel oder andere Schwierigkeiten. Wenn wir ihnen helfen dürfen, eine klare Entscheidung für Jesus zu treffen, ist das wunderbar. Wir haben vieles ausprobiert, was Sie kennen: Nachversammlungen und Treffen nach dem Gottesdienst. Doch oft funktioniert das nicht, die Leute kommen nicht. Trotzdem glaube ich, dass es gerade wir am besten können, auch im Umgang mit Kollegen.
Ein Zeichen dafür, ob wir wirklich Leben haben, ist, ob andere durch uns zum geistlichen Leben finden. Ob sie Jesus entdecken und gläubig werden – nicht durch Streitdiskussionen, sondern durch unseren Dienst. Sie dürfen gerne einladen, aber vor allem sollten sie diesen Dienst tun und sagen: „Ich möchte, dass Menschen durch mich zum Glauben kommen.“
Am Krankenbett leisten wir ebenfalls diesen Dienst: Wir stärken den Glauben und helfen den Menschen, in einer kritischen Lage durchzuhalten. Wir wollen Beistand leisten. Darum geht es doch! Daran erkennt man, ob unser Glaube lebendig ist, ob wir das wirklich leben und ob es bei uns geschieht.
In der Gemeinde von Sardes war das früher sicher so, besonders in der Anfangszeit. Leider nimmt das mit der Zeit ab. Alle lebendigen Gemeinden fallen irgendwann wieder in den alten Trott zurück. Für mich ist das eine große Frage: Wie können wir das in unserer Gemeinde verhindern? Wie können wir neben dem Gottesdienst Formen entwickeln, um zweifelnden und kritisch denkenden Menschen heute zu begegnen?
Wir freuen uns, dass im März nächsten Jahres auch Pro Christ mit Billy Graham kommt. Das sind Möglichkeiten, uns zu bemühen, wie wir anderen etwas weitergeben können. Wir gehen doch nicht nur zu christlichen Versammlungen, um uns selbst zu erbauen, sondern um etwas davon weiterzugeben.
Ich möchte Sie bitten, Kassetten sehr vorsichtig bei Ungläubigen einzusetzen. Meiner Meinung nach sollten Sie persönlich sprechen. Die Kassetten sind eigentlich nur für Gottesdienstteilnehmer sinnvoll. Fremde fühlen sich oft nicht angesprochen, sondern eher abgestoßen. Für Gläubige können sie eine Hilfe sein, aber Sie müssen mit Ihrem eigenen Wort sprechen. Sagen Sie hier und da ein Wort, sprechen Sie mit anderen über Jesus und ermutigen Sie sie zum Glauben.
Wenn wir merken, dass es um uns herum „stirbt“, wenn zum Beispiel nach der Konfirmation viele wegbleiben, dann ist das eine Frage an uns. Wenn sich Leute aus dem Bibelkreis, die dabei waren, abwenden, ist das schwer. Aber wir müssen immer wieder kritisch fragen: Was ist bei uns los? Haben wir noch das geistliche Leben?
Die Notwendigkeit der Umkehr und geistlichen Erneuerung
Das geistliche Leben bedeutet nicht, dass wir etwas Neues oder anderes suchen. Was brauchen wir? Wir brauchen Buße. Aber was heißt Buße tun? Es bedeutet, wieder dorthin zurückzukehren, wo der erste Schritt im Glauben begonnen hat – die Umkehr zu Jesus.
Jesus hat am meisten Buße gepredigt. Viele verbinden das Wort „Buße“ mit einem Bußgeldbescheid, den man hinter die Scheibenwischer klemmt. Doch Buße bedeutet nicht das. Buße heißt: sich bekehren, sich umdrehen. Es ist eine Wende im Leben. Eine Gemeinde braucht fortwährende Umkehr zu einem neuen Leben.
Im Kraichgau, in Richtung Karlsruhe, gibt es ein Dorf, das weder von der Eisenbahn noch von einer Bundesstraße erschlossen ist. Es liegt also abgelegen, jenseits von Gut und Böse. In dieser Gemeinde war nicht mehr viel los. Die Menschen gingen weder regelmäßig in die Kirche noch zu den Veranstaltungen.
Dann kam ein alter Pfarrer dorthin, ein Auslaufmodell kurz vor dem Ruhestand, ungefähr in meinem Alter. Er sagte, das sei seine letzte Stelle, bevor er in den Ruhestand gehe. Dieser Pfarrer war ein Mann des Gebets und des geistlichen Lebens. Er hatte viel von Erweckung gehört und wollte, dass Gott etwas wachrüttelt. Es war Onkel Otto Rieger in Adelshofen, diesem kleinen Dorf.
Dort hat Gott etwas geschenkt – aus einer ganz schlichten Gemeinde. Ich war noch Vikar, als mein Dekan bei einer Autofahrt sagte: „Jetzt schauen wir noch kurz rein, da ist etwas ganz Wunderbares passiert.“ Noch im Pfarrhaus versammelten sich damals die Ersten zum Gebet.
Man merkte sofort: So ist es, wenn Menschen beten und mit Jesus rechnen, dass er wirklich Veränderung bewirkt und Erneuerung schenkt. Und das geschieht auch. Wir dürfen erleben, dass Menschen zum Glauben kommen, dass Ehen geheilt werden, dass Kinder sich mit ihren Eltern versöhnen, dass Heilungen geschehen und Verwandlungen stattfinden. Jesus wirkt.
Er wirkt aber auch anders: Er macht Menschen im Sterben gläubig. Sie sterben fröhlich, weil sie nicht nur das irdische Leben repariert bekommen, sondern auch mit klarem Durchblick in die neue Welt hineingehen.
Das wollen wir hier immer wieder von Gott erwarten und erbitten. Ich freue mich sehr über die vielen jungen Menschen, die auch sonntags zum Gottesdienst kommen. Gleichzeitig wollen wir uns immer wieder kritisch vor Gott fragen lassen, ob wir alles tun, damit er ungehindert wirken kann. So können wir auch diesen jungen Menschen das weitergeben, was wir im geistlichen Leben bei Jesus empfangen haben.
Die Quelle des Lebens und die Bedeutung der Treue
Das sagt er: Wer hat die sieben Geister Gottes? Jesus hat die Geister Gottes, die Geister, die lebendig machen. Er kann erwecken, er kann lebendig machen.
Noch einmal ein paar klare Worte: Das kann man hier im Bibeltraining immer wieder tun. Ich halte nichts von Gemeindeneugründungen, möchte aber niemandem zu nahe treten, weil ich auch die Schwestern und Brüder der Freikirchen ehre und liebe.
Auch heute kenne ich viele, die irgendwo in Gemeinden sind, die sich trennen und sagen: Wir wollen eine neue Gemeinde aufbauen. Sie wissen, dass mir die Organisationsfrage nicht das Wichtigste ist. Darum will ich jetzt auch nicht den Ton verschärfen.
Ich weiß aber, dass Gott die größten Erweckungen immer wieder in der alten Kirche gemacht hat. So komisch das auch ist. Ich weiß auch aus Russland, dass die größten Erweckungen nicht durch die Evangeliumschristen passieren, sondern durch die orthodoxe Kirche. Dort bricht das geistliche Leben wieder auf, die Menschen lesen die Bibel und nehmen Jesus in ihrem Leben auf.
Darum ist es mir nicht so wichtig, jetzt noch eine neue Formation zu bilden. Denn sie wissen, dass in 50 Jahren all die neuen Formationen genauso erstarrt sein werden wie die anderen. Das ist eben eine Sache: Nach 50 Jahren ist alles Äußere erlahmt und in festen Formen geprägt.
Was wir wollen, ist, dass wir immer wieder dort, wo wir in dieser Kirche sind, erleben, dass Jesus durch sein Wort Menschen bekehrt, sie herumholt und mit Jesus die Früchte des geistlichen Lebens sichtbar macht. Das heißt, dass sie Beter sind, vom Wort Gottes getriebene Menschen, die sich nach den Ordnungen Gottes richten und in der Liebe Jesu stehen.
Wo das geschieht, dort ist eine Gemeinde wach geworden. Das geschieht sehr häufig. Wenn man sich umsieht, kann man sich nur freuen: Auch jetzt in unserem württembergischen Land geschieht das an so vielen Stellen in wirklich wunderbarer Weise.
Da sind viele Dinge ins Leben gekommen und lebendig geworden, sei es Müttergruppen, Gebetskreise, Religionsunterricht mit Erwachsenen und vieles mehr. Da ist so viel Mutmachendes dabei, das kann man oft gar nicht zusammenzählen. Und das wird erst später sichtbar werden. Dort waren einfach Menschen, die jetzt mit Jesus gerechnet haben.
Es freut mich auch hier in der Gemeinde sehr, so viele tätige Leute zu sehen, die mit Jesus leben und die Früchte sichtbar machen. Der, der die Geister Gottes hat – Jesus gibt diesen Geist, der Leben schenkt und ihn brauchbar macht.
Rückbesinnung auf das Ursprüngliche und die Aufforderung zur Umkehr
Denke daran, wie du empfangen und gehört hast. Es geht darum, an das Alte anzuknüpfen. Das ist mir heute bei vielen modernen Erneuerungsgruppen oft unklar – warum suchen sie immer das Neue? Ich möchte ans Alte anknüpfen. Ich möchte dort anknüpfen, wo Martin Luther war, wo Augustinus war, wo Bodelschwingh war.
Ich suche nichts Neues. Ich möchte an die Orte anknüpfen, an denen Gottes Geschichte schon Großes gewirkt hat – im Mittelalter. Dort möchte ich mit meinem geistlichen Leben dran sein. Ich möchte bei der Erweckungsbewegung sein. Es war ja auch in unserem Württembergerland schön zu sehen, wie das geistliche Leben im Pietismus begann. Es waren einfach ungläubige Leute, die plötzlich vom Wort der Bibel getroffen wurden. So geht das. Sie wurden wach und wollten mehr von der Bibel wissen. Dann versammelten sie sich in Hausgruppen.
Die Bibelstunde der Pietisten war nicht wie heute oft eine feierliche Kirchenstunde, in der man eine halbe oder dreiviertel Stunde eine Predigt hört. Keiner kann so lange einfach absitzen. Stattdessen waren es Fragestunden. Man konnte Fragen stellen und sagen: Wie mache ich das bei meinem Kind? Wie erziehe ich mein Kind? Die Brüder saßen vorne am Tisch und gaben Antworten. Das war doch toll! Dort wurden viele praktische Lebensfragen besprochen.
Der Ernst Vater, um einen unverdächtigen Zeugen zu nennen, sagte einmal ganz bitter, als ich ihn auf einer Reise begleitete: „Wenn unsere Gemeinschaften nicht endlich anfangen, über praktische Lebensfragen zu reden und den Männern mal sagen, wie sie ihre Frau in den Wechseljahren behandeln müssen, dann haben die Gemeinschaften keinen Wert mehr.“ Stellen Sie sich das vor!
Wir müssen immer wieder darauf achten, dass wir lebendige Gruppen sind, wie im Hauskreis. Wir dürfen nicht über die Köpfe der Leute hinwegreden, sondern müssen die Fragen aufnehmen. Dabei sollten es keine künstlichen Fragen sein, sondern die, die gerade an Nöten in der Gemeinde entstehen, wo Spannungen sind oder bei Menschenfragen. Lasst uns das besprechen: Wie lebt man mit Jesus?
Es ist nichts Neues. Was hast du denn empfangen? Wie wird unser Leben neu? Was sind die Gebote Gottes für unser Leben? Wie leben wir nach Gottes Ordnung? Wie können wir ihm treu dienen – von der Vergebung an? Was du empfangen und gehört hast, dreht sich immer nur um den alten Anfang, um das Evangelium, das uns Jesus geschenkt hat.
Halte es fest und tue Buße! Kehre um! Buße heißt Lebenswende. Wenn nicht, so werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Der Dieb stiehlt alles, und dann ist alles ausgelöscht.
Das Schwere ist, dass viele dieser kleinen asiatischen Gemeinden, als der Islam kam, ausgelöscht wurden. Es ist wahr, dass Gott unser ganzes kirchliches Leben absterben lassen kann – auch sichtbar. Aber ich freue mich immer, dass heute noch wahr ist: Jesus, der die Geister hat, macht Leben möglich.
Ich möchte Mut machen. Ich gebe ja nur ein kurzes Wort beim Gemeindetag in der Arbeitsgruppe von Neuem Leben. Ich möchte nur sagen: Es ist doch gar nicht wichtig, ob der Pfarrer mitmacht. In so vielen Gemeinden sagen Leute: „Da kann ich gar nichts machen.“ Aber dann weiß ich, dass es auch dort über die Kinderkirche oder einen Hauskreis so tiefe geistliche Frucht geben kann.
Das bezieht sich jetzt nicht auf Sie, die von anderen Gemeinden hier sind – nur damit Sie es immer wissen. Wir freuen uns sehr, dass Sie hier sind. Aber ich möchte das den Leuten sagen, die irgendwo im Kaiserstuhl oder im Schwarzwald leben und fragen: „Was soll ich denn tun?“ Da möchte ich ihnen Mut machen und sagen: Fangt doch an und tut etwas!
Wir haben das ja einmal auch mit der Gemeinde an verschiedenen Stellen mitverfolgt, als Ingo Golze in Steinenbronn begann und Pfarrer Haxamer Wollniksen so etwas wie CvdM gründete. Das hat ungeheuer viel gewirkt. Das kann man machen. In unserer Kirche gibt es auch die nötige Freiheit und die Formen, um so etwas zu tun – neues geistliches Leben zu beginnen. Dazu ist das ein Aufruf.
Die Bewahrung der Treuen und die Warnung vor dem Ausschluss
Du hast einige in Sardes, Verse 4, die ihre Kleider nicht besudelt haben. Die werden mit mir ein Heer gehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. Waren sie sündlos? Nein. Das sind solche, die ihre gereinigten Kleider haben, die Vergebung empfangen haben und diese Brautliebe zu Jesus bewahren.
Und da steht auch noch zum Schluss: Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht aus dem Buch des Lebens auslöschen. Da erschrickt man, wenn man daran denkt, dass Jesus unseren Namen ausstreichen kann. Denken Sie einmal darüber nach: Wie werden die, die einst darin standen, plötzlich getilgt und sind nicht mehr dabei? Wir meinen, wir seien noch dabei. Wir sagen: Herr, wir haben doch in deinem Namen viel getan. Und er sagt: Ich kenne euch nicht.
In einer Kirchengemeinde gehört das zu den wichtigsten Fragen, die ein Kirchengemeinderat fortwährend behandeln muss: Gehören wir dazu oder nicht? In unserer Kirche wird das oft nicht geduldet, nicht in unserer Gemeinde hier, aber in der Kirche allgemein wird oft gesagt, man solle den Glauben nicht absprechen. Nun, das können wir nicht absprechen. Aber wir sollten uns immer wieder kritisch fragen: Ist es noch so, dass Jesus heute geistliches Leben in unserer Mitte wirkt?
Wo die geistliche Frage nicht mehr gestellt werden kann, wird es schwierig. Was tut der Herr heute? Sonst streicht er unseren Namen aus dem Buch des Lebens aus. Umgekehrt darf ich sagen: Auf der Treue liegt ein großer Segen. Die Treue ist mutmachend und schön. Jesus will von uns nichts weiter, als dass wir treu dabei bleiben und an unserem Platz Dienst tun.
Ich möchte jetzt all denen danken, die Besuche machen, zum Beispiel im Krankenhaus, wie unsere Frau Wärz, oder wie viele, die in der Kinderkirche helfen, mit dem Erzählen. Das ist ein Dienst, bei dem man an seinem Platz einfach mit aller Schwachheit dient und sagt: Aber du, Jesus, du kannst daraus Frucht wirken. Ob jemand im Chor mitsingt oder seine Gaben einbringt, wo er mit seinen Möglichkeiten mithilft – das Leben geschieht.
Dort wird es so sein, dass sie wirken dürfen, auch an dem Platz, wo sie sind – in der Familie, im Altenheim oder wo sie leben. Sie dürfen das weitergeben und wissen: Der Herr gebraucht mich dazu. Wir können uns immer wieder kritisch fragen: Bin ich in dieser Gemeinde von Sardes? Bin ich Teil einer erstarrten Gemeinde, einer toten Gemeinde?
Darum soll es uns nie um Formen gehen. Es ist schlimm, wenn Christen die Formen zu wichtig nehmen. Die Formen sind gar nicht so wesentlich. Wir sollten auch in den Formen recht mobil sein. Aber wichtig ist, dass Leben drin ist, dass etwas geschieht, dass Menschen, die mit uns in Berührung kommen, von Jesus berührt werden und sein Leben empfangen.
