Einordnung der Auserwählung im Licht von Blutbesprengung und Gehorsam
Wir fahren weiter und kommen nochmals zurück auf 1. Petrus 1,2: Auserwählt nach Vorkenntnis Gottes des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi. Gnade und Friede sei euch vermehrt.
Wir haben hier noch mehr mitgeteilt. Nicht nur, dass die Auserwählung eben gemäß dem Vorherwissen Gottes erfolgt ist, sondern es wird hier gesagt, dass wir aus der Welt sind zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi. Die Blutbesprengung bedeutet also, dass das Blut des Erlösers auf uns angewandt wird, und das bedeutet Errettung.
Das ist sehr wichtig, weil es auch die nicht kalvinistische Lehre gibt, die besagt, die Auserwählung hätte eigentlich mit der Errettung nichts zu tun, sondern es gehe nur um eine besondere Stellung. Nicht wahr, das ist ja absolut richtig, wenn es zum Beispiel um die Auserwählung von Abraham geht. Abraham wurde auserwählt, Stammvater des Volkes Israel zu werden, und Gott hat ihn berufen in 1. Mose 12,1-3. Aber das bedeutete nicht, dass deswegen, weil seine Brüder nicht dazu berufen waren, sie deswegen verloren gehen sollten.
Diese Auserwählung zum Stammvater Israels war eine Auserwählung zu einer besonderen Stellung, dass er nämlich Stammvater des Volkes Israel werden sollte. Und gerade in Römer 9, das Kapitel, das Calvinisten gerne für ihre Lehre in Anspruch nehmen, aber eigentlich den Calvinismus widerlegt. Wir hatten ja mal einen Bibelstudientag: Römer 9 bis 11 bestätigt oder widerlegt das den Calvinismus? Und da haben wir gesehen, es widerlegt den Calvinismus. Aber sie berufen sich sehr gerne darauf, und dort finden wir eben auch die Auserwählung von Isaak.
Ja, Isaak wurde als der richtige Erbe von Abraham von Gott erwählt und nicht Ismael. Aber das bedeutet nicht, dass Ismael damit dem Fluch übergeben worden war. Gott hat auch Ismael gesegnet, und Ismael ist nicht deswegen etwa verlorengegangen, weil er nicht auserwählt war wie Isaak.
Und später: Wie war das mit Jakob und Esau? Gott hat den Jüngeren erwählt, um diese Linie des Volkes Israel weiterzuführen, des ausgewählten Volkes weiterzuführen, und nicht Esau. Aber das hat mit der Rettung nichts zu tun, sondern mit der Stellung. Esau hätte auch gerettet werden können, nur das Wort Gottes sagt, er war ein Gottloser. Er hat eben das, was mit Gott und seinen Plänen zu tun gehabt hat, einfach billig verworfen.
Nun, da ist es korrekt. Aber wenn es jetzt hier um die Auserwählung der Gläubigen, der Gemeinde im Neuen Testament geht, da hat die Auserwählung tatsächlich etwas mit der Errettung zu tun. Aber eben diese Auserwählung zur Blutbesprengung ist so geschehen: Gott hat beschlossen, weil ich im Voraus sehe, dass er meine Gnade annehmen wird und sich beugen wird, wenn ich ihn, sie zur Buße leite, dann will ich diese Person auch retten. Und so geht alles auf.
Logik, Geheimnis und Gottes Wesen
Im Kalvinismus sagt man, es sei ein Geheimnis, und man bringe das nicht zusammen. Es gebe die Verantwortung des Menschen und es gebe den Ratschluss Gottes, aber das lasse sich nicht miteinander vereinbaren. Das sei einfach geheimnisvoll.
Aber mit diesem Geheimnisvollen ist oft ein Trick gemeint. Immer dann, wenn etwas logisch nicht aufgeht, sagt man am besten: Es ist ein Geheimnis. Doch es geht logisch auf, und dann wird gesagt: Ja, das ist menschliche Logik. Ja, bitte, woher haben wir unsere Logik? Sie kommt von Gott selbst. Der Herr Jesus wird ja in Johannes 1 genannt: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott. Wort, logos, und von logos kommt Logik.
Warum ist das ganze Universum logisch? Warum sind Sonnenblumen so angeordnet nach Fibonacci-Zahlen, und auch Muscheln? Und warum ist das ganze Universum logisch und mathematisch? Weil Gott so ist. Wenn man die Briefe im Neuen Testament studiert, dann wird dort sehr viel argumentiert, und zwar logisch argumentiert. Man könnte das einmal systematisch herausarbeiten: Welche Logikkategorien werden im Neuen Testament in der Argumentation benutzt? Dann lernt man, logisch zu denken.
Es ist ein Problem, wenn Leute unlogisch sind. Logik ist nicht einfach etwas Menschliches, sondern wir haben sie von Gott. Und wenn wir sehen, dass etwas logisch gar nicht aufgeht, dann müssen wir nicht sagen, das sei ein Geheimnis. Dann müssen wir sagen: Das System ist falsch.
Es geht aber logisch auf, wenn Gott im Voraus gewusst hat, wer sich bekehrt, und die Auserwählten hat. Dann kann Gott eben auch wirklich Liebe sein. Er hat die ganze Welt geliebt, und er gibt allen die Möglichkeit, errettet zu werden. Aber Gott lässt die Verantwortung des Menschen bestehen, sodass er widerstehen kann und schließlich verloren geht.
Der menschliche Widerstand gegen Gottes Ruf
Und jetzt ein Vers: Wenn ich Calvinist wäre, könnte ich heute Abend nicht gut einschlafen wegen Lukas 7. Es geht um die Taufe von Johannes, nicht wahr? Ganz viele sind zu Johannes gekommen, sie haben ihre Sünden bekannt und sich von Johannes im Jordan taufen lassen. Aber da kamen auch Pharisäer, und die wollten das gar nicht akzeptieren, was Johannes predigte.
Lukas 7,29: Und das ganze Volk, das zuhörte, und die Zöllner rechtfertigten Gott dadurch, dass sie mit der Taufe des Johannes getauft wurden. Rechtfertigen bedeutet: Gott Recht geben. Du bist gerecht, ich bin ungerecht. Ich muss mich bekehren, ich muss umkehren, ich muss meine Sünden bekennen.
Und dann heißt es in Vers 30: Die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten machten in Bezug auf sich selbst den Ratschluss Gottes wirkungslos, weil sie sich nicht von ihm taufen ließen. Das ist ja unglaublich. Hier geht es nicht um die Vorkenntnis, sondern es geht um den Ratschluss Gottes. Gott beschließt in seiner Souveränität. Aber hier heißt es, Menschen machen in Bezug auf sich selbst den Ratschluss Gottes wirkungslos. Das darf es doch nicht geben. Doch.
Und übrigens heißt es nicht, sie haben den Ratschluss Gottes wirkungslos gemacht, sondern in Bezug auf sich selbst. Sie haben sich ausgeschlossen von diesem Plan Gottes der Errettung. Gott hat einen Plan, er hat einen Ratschluss, und den zieht er durch. Aber er zwingt niemanden. Die Verantwortung des Menschen ist sowas von entscheidend. Und darum wird hier gesagt: In Bezug auf sich selbst haben sie den Ratschluss Gottes wirkungslos gemacht. Aber das ist, weil Gott eben diese Würde seiner Geschöpfe als autonome Geschöpfe, die sich entscheiden können, stehen lässt und achtet.
Und ganz wichtig: In Prediger 7 heißt es, Gott hat den Menschen gerade erschaffen, sie aber haben viele Ränke gesucht. Immer wieder kommt die Frage: Woher kommt das Böse? Ganz einfach: Das kommt aus der Entscheidung des Menschen, Nein zu sagen zu Gott. Nicht wahr, Gott hat Adam und Eva schuldlos, sündlos erschaffen, aber als wirkliche Personen. Und das beinhaltete die Möglichkeit, dass eine Person eines Tages sagen kann: Ich will Gott nicht dienen, ich will meinen eigenen Weg gehen. Und so kam es zum Sündenfall.
Aber wichtig: Das war nicht ein eingebauter Virus im System. Adam wurde wirklich gerade erschaffen, wie Prediger 7 das sagt. Da war kein Virus drin. Aber in der Tatsache, dass Gott Personen erschaffen hat, mit einem richtigen Ich. Nicht wahr, Computer haben kein Ich, und KI wird nie ein Ich bekommen. Die Gottlosen warten immer noch darauf, dass endlich das Ich kommen muss. Es ist immer noch nicht da. Und Sie können KI fragen: Bist du eine Person? Nein, ich bin keine Person. Okay, das Ich, das ist etwas, das können wir nicht machen. Wir Menschen können keine Maschinen erschaffen, die eben Personen sind, die sich wirklich als Ich-Bewusstheit entscheiden können. Das hat Gott gemacht, und darum kam es zum Sündenfall.
Und wie war es mit den Engeln? Die hat Gott auch erschaffen, als heilige Engel, aber auch als Personen. Und darum war es möglich, dass ein Engel, ein Cherub, sich erhob und sein wollte wie Gott und dann gestürzt wurde. Jesaja 14,12, Parallelstelle Hesekiel 28,12 und folgende. Das ist der Punkt: Gott ist nicht der Urheber des Bösen, aber die Möglichkeit zum Bösen war ihm gegeben durch die Personhaftigkeit von Engeln und Menschen.
Wiedergeburt, Erwählung und die goldene Kette
Jetzt noch etwas Wichtiges: Wir gehen noch einmal zurück zu 1. Petrus 2. Ich habe das zwar gesagt, aber das geht, wie beim Pingpongspielen, einfach daneben, wenn man das nicht wirklich liest.
Meistens haben wir gesehen: 1. Petrus 1,2, auserwählt nach Vorkenntnis, und dann 1. Petrus 1,3: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten.
Bei „wiedergezeugt“ steht in der Elberfelder die Fußnote „wiedergeboren“. Also wird hier ganz klar gesagt, dass die, die Petrus anspricht, Wiedergeborene sind. Und die Wiedergeborenen, das sind die Auserwählten. Aber nicht einfach aus einem geheimnisvollen Grund, der eigentlich Gottes Gerechtigkeit und Gottes Liebe in Frage stellen würde, sondern Gott hat auserwählt nach Vorkenntnis. So bleibt Gott, ohne dass wir von einem Geheimnis sprechen müssen, offenkundig gerecht, und Gott ist Liebe in seinem Wesen. Das ehrt Gott, wenn wir bei der Logik bleiben, die von ihm kommt.
Und nun: Wir haben in Römer 8,29 gesehen, das bestätigt 1. Petrus 1,2. Gott hat also als Erstes in der logischen Verkettung uns zuvor erkannt. Und da wusste er, dass wir uns schlussendlich bekehren würden und dem Zug Gottes nachgeben würden. Darum heißt es: Welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Mit anderen Worten bedeutet das: Gott wollte uns als seine Söhne. Und wenn die Bibel sagt „Söhne“, dann sind die Töchter eingeschlossen. Das ist einfach so. Früher konnte man noch Deutsch, und da wusste man, was das Masculinum genericum ist. Das heißt: Die maskuline Form wird gebraucht für Mann und Frau im Kollektiv. Dann ist es eben so, dass das einfach so zu verstehen ist.
Aber in 2. Korinther 6 hat Paulus das noch explizit, falls dann jemand doch Zweifel hat, auch so ausgedrückt. Er sagt in 2. Korinther 6,18: Und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein, spricht der Herr, der Allmächtige.
Also: Die Schwestern müssen nicht denken, sie seien Söhne, sie sind Töchter. Aber wenn die Bibel eben über die Söhne Gottes und über den Erstgeborenen unter den Brüdern spricht, dann sind bei den Brüdern auch die Schwestern gemeint.
Übrigens wissen wir Männer das auch. Wenn man im Deutschen sagt: „Geschwister“, dann ist das ja noch nicht griechisch, aber auf Deutsch sagen wir „Geschwister“. Und das Wort „Ge-“ ist so ein Kollektivwort. Immer Dinge, die im Kollektiv zusammengehören, können eine Vorsilbe haben, „Ge-“. „Schwister“ kommt von Schwester, also Geschwister. Aber das meint nicht nur Schwestern, sondern auch Brüder. Wenn wir sagen: liebe Geschwister, dann sind auch die Brüder gemeint, und das wissen wir.
Und so müsst ihr auch jetzt an die Schwestern gerichtet verstehen, wenn gesprochen wird: der Erstgeborene unter vielen Brüdern. Dann sind auch hier die Schwestern gemeint. Aber übrigens nicht so wie in manchen modernen Übersetzungen, wo man jetzt plötzlich übersetzt, sobald es Brüder heißt in der Bibel, dann übersetzen sie: liebe Brüder und Schwestern. Nein, es gibt auch Stellen, wo einfach nur die Brüder gemeint sind, das gibt es auch. Aber sehr oft sind eben beide gemeint. Und was entscheidet? Der Kontext, der Zusammenhang.
Also: Der Herr Jesus ist Mensch geworden. Er ist als Gott von Ewigkeit her der ewige Sohn Gottes, aber als Mensch ist er von Gott gezeugt worden: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt, Psalm 2. Und als Mensch ist er gewissermaßen das Bild, das wir jetzt auch bekommen. Alle Erlösten sind Söhne und Töchter Gottes, und der Herr Jesus ist in dem Sinn der Erstgeborene, der den absoluten ersten Rang hat unter vielen Brüdern, meinen Brüdern und Schwestern.
Berufung, Vergebung und die vollkommene Rechtfertigung
Nun, Gott hat also zuvor erkannt und hat vorherbestimmt. Und diese möchte ich als meine Söhne und Töchter. Er hat uns bestimmt, dass wir dieses Bild des Sohnes tragen, in dem wir Brüder und Schwestern sind und damit Söhne und Töchter Gottes, des Vaters.
Und dann heißt es in Vers 30: Welche er aber zuvor bestimmt hat, diese hat er auch berufen. Das ist in der von Ewigkeit her geschehen. Diese Zuvorbestimmungen, das war wunderbar.
In Epheser 1 heißt es, dass wir auserwählt worden sind vor Grundlegung der Welt. Also ist es auch wunderbar zu wissen: Ich war von Gott gewollt, von Ewigkeit her, bevor das Universum bestand.
Aber in der Zeit kam der Moment, wo Gott begann, uns zu rufen, ganz unterschiedlich. Und jeder kann erzählen, wie es in seinem Leben verschiedene Momente gab, wo er ganz speziell gemerkt hat: Jetzt ruft Gott mich zur Bekehrung. Ich wusste als Zehnjähriger, mein Herz hat richtig geklopft. Ich wusste, jetzt ruft mich der Herr. Und dann habe ich diese bewusste Entscheidung für Jesus Christus gefasst.
Also Gott ruft, und die, die er berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt. In dem Moment, in dem wir unsere Sünden Gott bekannt haben, bereut haben, da hat Gott uns die Vergebung gegeben, und zwar Vergebung so total. In Kolosser 2,13 ist das ein wichtiges Mittel gegen viele Formen von Depressionen, nicht alle. Es gibt so viele verschiedene Depressionen, aber eine Form der Depression, wo es ganz stark um Schuld geht, um Schuld, ich sage jetzt nicht Gefühle, sondern um Schuldbewusstsein.
Es ist so entlastend, weil dort steht, dass Gott uns alle unsere Vergehungen vergeben hat. Ein Aorist, eine punktuelle Handlung in der Vergangenheit, wird dort ausgedrückt. Das heißt, in der Vergangenheit hat Gott mir alles vergeben.
Und das bedeutet nicht nur die Sünden von Anfang meines Lebens bis zur Bekehrung. Auch nicht nur die Sünden von der Bekehrung bis heute, sondern sogar das, was in der Zukunft liegt.
Die Tragweite des Kreuzes und die Sicherheit der Vergebung
Kolosser 2,13
Ich muss es aufschlagen, sonst geht der Pingpongball unter den Tisch. Aber eben: Was man hört und sieht, das sitzt einfach viel besser.
Kolosserbrief 2,13:
Und euch, als ihr tot wart in den Vergehungen und der Vorhaut eures Fleisches, hat er mitlebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat. Als er die uns entgegenstehende Handschrift in Satzungen ausgetilgt hat, die gegen uns war, hat er sie auch aus der Mitte weggenommen, indem er sie an das Kreuz nagelte. Als er die Fürstentümer und die Gewalten, das sind die dämonischen Mächte, ausgezogen, das heißt völlig entwaffnet hatte, stellte er sie öffentlich zur Schau, indem er durch dasselbe über sie einen Triumph hielt.
Am Schluss heißt es: indem er uns alle Vergehungen vergeben hat. An dieser Stelle sage ich gerne immer wieder einmal das Gleiche. In einem amerikanischen Gerichtsfall wurde das Wort all, also alles, definiert. Es war in diesem Zusammenhang wichtig, und die Richter haben gesagt: The word all includes everything but excludes nothing. Das Wort alles schließt jedes Ding ein und schließt kein Ding aus. Das ist alles im Sinne von absolut. Und so ist es hier gemeint.
Und wie kann man dann noch Depression haben und immer wieder Schuldempfindung, die aufkommt, obwohl es dem Herrn bekannt ist und abgegeben war? Nein, da muss man das wirklich glauben. Alle Übertretungen, alle Vergehen vergeben. Und das bedeutet Rechtfertigung.
Nicht wahr: Rechtfertigen heißt, jemanden als gerecht erklären. Wenn man an sich selber denkt und sich jetzt überlegt: alle Sünden weg, von Anfang der Existenz bis zum Tod, alle Sünden weg, was bleibt noch übrig? Ein Gerechter. Das ist Rechtfertigen. Und bei der Bekehrung spricht Gott den Sünder gerecht. Darum Römer 5,1:
Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott.
Auch ein Aorist. Punktuelle, abgeschlossene Handlung: gerechtfertigt. Also, die hat er auch gerechtfertigt. Welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.
Sind wir so herrlich? Ja, 2. Korinther 5,17 klärt uns auf:
Daher, wenn jemand in Christus ist, bei der Bekehrung wird jemand in Christus hineingepflanzt, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.
Das ist herrlich, verherrlicht, eine neue Schöpfung. Also sehr schön, wie die Reformatoren das bezeichnet haben, als eine goldene Kette mit diesen fünf Gliedern. Und an jedem Glied kann man sich freuen. Und das beginnt mit der Vorkenntnis.
Nun habe ich auf dem Skript noch etwas zur Kirchengeschichte geschrieben.
Frühere Lehrtraditionen und der Bruch bei Augustinus
Die Bibellehrer vom ersten Jahrhundert bis 412 nach Christus lehrten typischerweise, dass Gott im Voraus gewusst hat, wer sich auf sein Rufen und Ziehen hin bekehren würde und wer nicht. Die Menschen, die auf Gottes Ruf antworten würden, hat Gott im Voraus bestimmt, seine Kinder zu werden. Und ich könnte das auch belegen.
In der Literatur der Kirchengeschichte spricht man ja von den sogenannten Apologeten und von den sogenannten Kirchenvätern. Ich habe den Ausdruck nicht gerne, weil der Herr Jesus gesagt hat: Lasst euch nicht Vater nennen, einer ist euer Vater. Also geistlicher Vater, weil die Kinder dürfen mir schon Papa sagen. Aber eben darum, die sogenannten Kirchenväter, sage ich: Das waren doch die Bibellehrer in den frühen Jahrhunderten. Und ich kann zeigen, bei Irenaeus oder bei Origenes, bei Ambrosius, die lehrten wirklich so. Die haben das mit der Vorkenntnis so verstanden. Prognosis heißt: Gott wusste im Voraus. Und dann ging das Ganze auf, und sie mussten von keinem Geheimnis sprechen, nur weil es einfach logisch nicht aufgeht.
Also, das war so. Und dann kam eine Wende. Ab 412 war das anders. Augustinus lehrte ab seiner Bekehrung bis 412 nach Christus auch so. Ab 412 begann er zu lehren, dass Gott im Voraus festgelegt habe, wer errettet und wer verdammt werden soll, völlig unabhängig von seinem Vorherwissen. Natürlich hat Augustinus herumgeknorzt an Römer 8,29: Die, welche er zuvor erkannt hat, die hat er zuvor bestimmt. Das Wort zuvor erkannt hat ein Problem gehabt, aber mit dem muss man kein Problem haben, und die vor ihm hatten auch kein Problem. Aber plötzlich hat er da ab 412 begonnen zu lehren, dass Gott im Voraus festgelegt habe, wer errettet und wer verdammt werden soll, völlig unabhängig von seinem Vorherwissen.
Vor der Bekehrung war Augustinus mehrere Jahre in der Sekte der Manichäer. Das war eine sogenannte gnostische Sekte. Die Gnostiker waren diese Sekte, die zum Beispiel auch bekannt waren dafür, dass sie lehrten, Jesus Christus sei nicht ein wirklicher Mensch geworden, er habe nur einen Scheinleib angenommen. Und 1. Johannes 4,1 sagt: Jeder Geist, der nicht bekennt, Jesus Christus im Fleisch gekommen, ist nicht aus Gott, und das ist das Wesen des Antichristen. Also, er war in einer solch schlimmen Sekte vor seiner Bekehrung.
Seine Mutter war gläubig, Monika. Sie hat so viel gelitten und so viel gebetet für Augustinus, und schließlich hat er sich eben bekehrt. Der war nicht nur in dieser Sekte, der war ja auch Philosoph, und der hat ein völlig unmoralisches, übles Leben geführt. Und eines Tages hatte er im Garten auf seinen Knien ein Manuskript vom Römerbrief und mochte gar nicht so recht darin lesen. Und dann hat er, wie ein Kind im Nachbarbereich so spielte und rief: Tolle lege, tolle lege, tolle lege, nimm und lies, nimm und lies. Da hat er gesagt: Könnte ich ja machen. Hat er den Römerbrief genommen und hat sich dann bei Kapitel 13 am Schluss, wo es um das ausschweifende Leben ablegen geht, bekehrt.
Und dann hat er eben auch so gelehrt: Gott hat im Voraus gewusst. Aber ab 412 hat er das begonnen zu ändern, und das sieht man in seinen Schriften.
Die Herkunft der Prädestinationslehre aus Irrtümern und Philosophie
Und eben darum ist wichtig, ich lese nochmals vor:
Vor der Bekehrung war Augustinus mehrere Jahre in der Sekte der Manichäer, die lehrte, dass der gnostische Gott einen Teil der Menschheit vor Grundlegung der Welt mutwillig zur Verdammnis bestimmt habe. Gut, manche würden sagen: Ja, so kann man es auch nicht sagen. Okay, einverstanden. Diese gnostische Lehre ist so, dass einfach gesagt wird, gewisse Menschen haben das Böse in sich von Anfang an, und andere nicht.
Dann wird gesagt: Ja, nicht der manichäische Gott bestimmt das. Aber ich meine, der manichäische Gott, der müsste ja über allem stehen und müsste ja alle retten, aber das macht er nicht. Also ist für ihn ein Teil für die Rettung, ein Teil nicht für die Rettung. Also die Formulierung, da könnte man noch ein bisschen dran schleifen. Aber das Grundprinzip, dass von Anfang an ein Teil der Menschheit einfach für die Verdammnis da ist und ein anderer Teil, der wird gerettet, das hatte er aus dieser Sekte gelehrt.
Und jetzt versteht man auch, warum die früheren Kirchenlehrer eben vor Augustin ständig sehr betont haben: Der Mensch hat einen Willen, und der Mensch muss sich mit diesem Willen entscheiden. Warum? Weil sie es ständig mit diesen Irrlehren der Gnostiker zu tun haben, die gerade auch da die Willensfreiheit und die Willensmöglichkeit, wenn wir ganz vorsichtig ausdrücken, infrage stellten.
Und das hat nämlich auch dazu geführt, dass gewisse, die Pelagianer, noch weiter gingen, und die haben dem Menschen quasi zugeschrieben, der Mensch kann sich selber kehren, wann er will, und wirklich, der Mensch macht es eigentlich aus. Und die gingen ganz klar gegen das Wort Gottes, und Augustin hat mit denen gekämpft und hat irgendwie gesehen: Ich muss die Willensfreiheit so beschränken, dann kann ich gegen die ankommen. Und so, durch diesen Irrtum der Pelagianer, kam er in den Irrtum und wurde der erste Calvinist.
Es gibt ja ein Büchlein, das heisst: War Augustinus der erste Calvinist? Das ist natürlich humorvoll gemeint gewesen. Ich habe eine Mitteilung bekommen, da war jemand so erzürnt über diesen doofen, dummen Titel: Das ist völlig absurd, Calvin lebt ja viel später. Wie kann man sagen, Augustin war der erste Calvinist? Das kommt eben daher.
Das Humorvolle erklärt sich so: Calvin hat von sich gesagt, meine Theologie kann man aus der Theologie von Augustinus zusammensetzen. Sehr krass ausgedrückt. Er hat das alles von ihm übernommen, auch diese Art von Prädestinationslehre. Das geht auf Augustin zurück, in dem Sinne war Augustin halt der erste Calvinist. Ja, Augustin ist auch weniger bekannt dafür, aber Calvin, und darum der Titel.
Aber es ist schon tragisch, eben im Kampf gegen ein Irrtum kommt er selber in einen anderen Irrtum hinein. Darum ist 412 etwas ganz Entscheidendes, Wichtiges.
Ich habe hier noch aufgeführt dieses Buch von Dr. Dr. Ken Wilson. So, das ist ein Arzt, ein Chirurg, und der hat dann nochmals doktoriert in Kirchengeschichte. Seine Doktorarbeit in Kirchengeschichte heisst: Augustins conversion from traditional free choice to non free will, Mohr Siebeck, Tübingen, 2019. Die Doktorarbeit wurde 2012 angenommen.
Da geht es also um Augustin, und er hat alle Werke von Augustinus, alle seine Bücher, das ist eine riesige Bibliothek, gelesen, aber bewusst in der chronologischen Reihenfolge, so wie Augustin das geschrieben hat. Da konnte er zum ersten Mal ganz klar machen: 412 gab es bei Augustin eine Schnittstelle. Vorher hat er noch richtig gelehrt, wie die anderen Lehrer in Bezug auf dieses Thema, und dann hat er gewechselt, und in seinen Büchern kann man das sehr klar zeigen.
Es gibt eine einfache Kurzversion von Ken Wilson mit dem Titel: War Augustinus der erste Calvinist? Erschien bei CMV Hagedorn. Ich habe dazu ein Vorwort geschrieben, und das hat mir sehr viel Zorn eingebracht. Und übrigens wichtig: Warum habe ich das Vorwort geschrieben? Weil mir war das so wichtig, dass diese Erkenntnis von Ken Wilson, dieser Beleg, dass Augustin vorher richtig lehrte mit der Vorkenntnis Gottes, dann hat er das gewechselt, dass das so klar herauskommt. Und er hat auch eben klargemacht, dass Augustin eben in dieser Sekte der Manichäer war und grundsätzlich dieses Denken, dass Menschen einfach festgelegt sind für Verdammnis, das hat er von dort, aus einer Sekte. Und das ist natürlich wie eine Bombe.
Wenn das bekannt wird, und darum hat das mir auch so viel Zorn nur für das Vorwort eingebracht, und das war nicht, um zu sagen, alles genau wie Ken Wilson denkt, so würde ich auch denken. Nein, es ging mir darum, dieses Thema, was er darlegt, das muss bekannt gemacht werden. Das ist wirklich eine Hilfe.
Griechische Philosophie, Stoiker und der Einfluss auf spätere Systeme
Nun ist wichtig, woher die Gnostiker und die Manichäer diese Gedanken haben. Sie haben sie aus der griechischen Philosophie. Zum Beispiel findet man eben dieses „Alles ist festgelegt“ schon bei der Philosophie der Stoiker. Die Stoiker, das sind die mit der stoischen Miene. Sie sagen, man müsse das Leiden in dieser Welt überwinden, indem man einfach gefühllos reagiert.
Nun, der Apostel Paulus hatte auch mit den Stoikern zu tun. In Apostelgeschichte 17, nicht wahr, da war er auf dem Areopag. Bevor er auf dem Areopag war, war er auf dem Marktplatz und hat mit den Leuten über das Evangelium gesprochen. Da wurde er angegriffen von epikuräischen und stoischen Philosophen, und die haben ihn massiv angegangen. Die haben ihn völlig unkompetent abgetan: Was will denn diese Saatkrähe, was will denn dieser Schwätzer? Sie waren Feinde des Evangeliums.
Und wirklich, das Evangelium ist nicht so: Wir beißen auf die Zähne und machen ein gefühlsloses Gesicht, und so stehen wir über allen Nöten und Schwierigkeiten des Lebens. Nein, der Herr Jesus hat am Grab von Lazarus geweint. Als Mann, ja. In Hiob 16 und in Klagelieder 2 heißt es: Schütte dein Herz aus wie Wasser vor dem Angesicht des Herrn, wegen der Kinder, die an allen Straßenecken verhungern. Also das Herz ausschütten wie Wasser, das heißt, Bäche von Tränen fließen lassen. Wir dürfen das Leid empfinden. Aber das Schöne ist: „Schütte dein Herz aus wie Wasser vor dem Herrn“, dass wir eben mit diesen Nöten zu dem Herrn Jesus gehen. Er steht souverän über allem und hat die Kontrolle. Das ist der Unterschied.
Aber eben diese Stoiker haben so ein zuvor festgelegt Sein gelehrt, dass der Mensch eben nicht wirklich einen freien Willen hat. Das kommt aus der Philosophie. Und was sagt uns Kolosser 2,8? „Gebt Acht, dass nicht jemand da sei, der euch als Beute wegführe durch die Philosophie und durch eitlen Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen, das heißt nach den Grundsätzen der Menschen, nach den Elementen, den Grundsätzen der Welt und nicht nach Christus“, nicht christusgemäß. Wir werden also gewarnt vor der Philosophie. Und der Calvinismus ist eben Ausdruck davon, dass diese griechische Philosophie über die Gnostiker in die Kirche hineingekommen ist.
Übrigens findet man diese Art von Vorbestimmungslehre auch in der Sekte von Qumran. Die Qumran-Leute waren eben auch beeinflusst durch die griechische Philosophie, nicht wahr? Alexander der Große hatte ja von Griechenland ausgehend den Nahen Osten erobert, bis nach Indien, bis zum Indus. Und er hat auch Israel erobert. So kam eben auch der Einfluss der griechischen Philosophie nach Israel hinein.
Darum hatten die Qumran-Leute zum Beispiel ein Leben im Zölibat. Das ist völlig gegen die Bibel, die Lehre vom Zölibat. Alte die Meinung, wenn man ledig bleibt, dann ist man geistlich höher. Nein, der Apostel Paulus sagt, das kann eine große Hilfe sein, damit man sich für die Sache des Herrn besser einsetzen kann, wenn man damit umgehen kann. Ja, aber nicht von einem Gelübde und von einer Verpflichtung und vor allem nicht mit dem Denken, es sei geistlich höher. Aber das kommt eben über die griechische Philosophie, in diesem Fall über die Lehre von Plato. Aber eben auch die Lehre der Stoiker kam ins Judentum hinein, und das hat sich in der Sekte der Qumran-Leute ausgewirkt, die eben typischerweise zölibatär lebten, da am Toten Meer.
Und diese Lehre haben wir auch im Islam. Dort wird gelehrt, Allah habe alles zuvor bestimmt, wer in die Hölle geht, wer gerettet wird. Und woher kommt das? Das kommt eben auch durch diese Kontakte. Mohammed war ja durch seine Handelsreisen, von heute Saudi-Arabien bis nach Syrien, mit Christen und Juden in Kontakt. Und er kam eben auch gerade mit sektiererischen Christen in Kontakt, geprägt durch dieses gnostische Denken. So kam das auch in den Islam hinein.
Jeder weiß: Allah ist nach dem Koran nicht der Gott der Liebe. Dieser Gott, von dem es heißt in Johannes 3,16: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ Und woher kommt das? Genau aus den gleichen trüben Quellen der griechischen Philosophie, vor der uns die Bibel eben warnt.
Der universale Ruf Christi und die Verantwortung des Menschen
Nun wollen wir noch einen Vers lesen aus Matthäus 23,37. Der Herr Jesus spricht zu Jerusalem und sagt: Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und die steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt.
Und da wird wieder deutlich, dass der Herr Jesus alle gesucht hat, nicht nur einen Teil. Denn er sagt ja von denen, die dann unter das Gericht kommen: Wie oft habe ich versucht, euch zu versammeln, ebenso wie eine Henne ihre Flügel ausbreitet und die Küken dort Zuflucht finden können.
Und so hat der Herr Jesus seine Hände am Kreuz ausgebreitet. In Johannes 12 sagt er: Und wenn ich erhöht worden bin von der Erde, werde ich alle zu mir ziehen. Alle ziehen, aber der Einzelne muss sich entscheiden.
Und da sagt der Herr Jesus: Und ihr habt nicht gewollt. Also schreibt Gott ganz klar dem Menschen diese Fähigkeit zu, dass er sich entscheiden kann, so oder so. Genau wie in Jesaja 30,15: Ihr habt nicht gewollt. Alttestamentlich, neutestamentlich.
Der lange Satz des Epheserbriefs als Lobpreis der Erwählung
Und jetzt zum Schluss noch ein Satz aus Epheser 1,3-14.
Der Apostel Paulus ist in Halbgefangenschaft in Rom, zusammengebunden mit zwei römischen Soldaten. So war es üblich in seinem gemieteten Haus in Rom, wo er Menschen empfangen konnte, um über das Evangelium zu sprechen. Aus dieser Gefangenschaft schreibt er den Epheserbrief. Und das ist der längste Satz der Bibel, Epheser 1,3-14.
Er beschreibt hier, wie reich die Erlösten sind, die Gott, der Vater, für sich wollte. Das heisst also, er kann nicht mehr aufhören gewissermassen. Eine Segnung wird an die andere angehängt, obwohl die äusseren Umstände nicht erfreulich waren.
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus. Wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und untadelig seien vor ihm in Liebe, und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst, nach dem Wohlgefallen seines Willens.
Und merkt man, was hier steht: zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst. Wir denken oft, Gott hat uns errettet, weil er uns glücklich machen wollte. Und das stimmt für ewig. Aber er hat uns auch zu seinen Kindern, zu seinen Söhnen und Töchtern gemacht, für sich selbst, zu seiner eigenen Freude. Und das hat er von Ewigkeit her so geplant.
Und jetzt sehen wir dieses Thema. Das ist nicht einfach ein Thema, um zu streiten. Das soll kein Streit morgen gewesen sein, sondern wir wollten anhand des Wortes untersuchen, was die Bibel lehrt. Dann ist aber wichtig: Dieses Thema sollte unsere Herzen ergreifen.
Und wie kann man selber merken, ob es eine Herzenssache ist oder nicht? Wenn man diese Dinge in der Anbetung vor Gott bringen kann. Das ist ein hilfreicher Gradmesser, um zu merken: Wo ist das in meinem Herzen? Ist das einfach etwas, das ich jetzt so intellektuell aufgenommen habe, oder ist das etwas, von dem ich ergriffen bin?
Anbetung: Gepriesen sei der Gott und Vater, wie er uns auserwählt hat und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preis der Herrlichkeit seiner Gnade, womit er uns begnadigt hat in dem Geliebten, indem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen nach dem Reichtum seiner Gnade, die er gegen uns hat überströmen lassen in aller Weisheit und Einsicht, indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst für die Verwaltung der Fülle der Zeiten, alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln und das, was auf der Erde ist, in ihm.
In ihm haben wir auch ein Erbteil erlangt, die wir zuvor bestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rat seines Willens, damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben. Indem auch ihr, also wir, das sind Juden und jetzt Heiden, indem auch ihr, nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, indem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geist der Verheissung, der Unterpfand unseres Erbes ist zur Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Preis seiner Herrlichkeit.
Also, eine solche Überfülle kann niemand einfach so auf Anhieb erfassen. Diese Sätze muss man lesen und nochmals lesen, nochmals lesen. Man muss die einzelnen Sätze auseinandernehmen für sich, und dann wächst das Verständnis.
Aber wichtig ist: Dieses Thema der Erwählung ist etwas, was unsere Herzen eben ergreifen muss. Daran zu denken, dass Gott, der Vater, an mich gedacht hat von Ewigkeit her und dieses Heil schon von Ewigkeit her geplant hat, so wie auch der Herr Jesus zuvor erkannt war als das Lamm Gottes, 1. Petrus 1,20. Und dann kann man sich richtig über das Thema freuen.
Der Blick auf Antiochia und der abschließende Ruf zur Entscheidung
Und natürlich erlebt man dann immer wieder Auseinandersetzungen. Vielleicht noch eine letzte Auseinandersetzung: Was macht ihr, wenn jetzt plötzlich morgen jemand kommt und sagt: Ja, dann lies mal Apostelgeschichte 13, dann ist deine Freude dahin? Also nehmen wir das lieber gleich vorweg.
Der Apostel Paulus verkündigt das Evangelium in der heutigen Türkei, in Antiochia. Apostelgeschichte 13,48: Als aber die aus den Nationen es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn. Und es glaubten so viele, wie zum ewigen Leben bestimmt waren.
Ja, also, die waren zum ewigen Leben bestimmt, und darum haben sie sich bekehrt. Ja, es war genau so: Die, die zum Glauben gekommen sind, die durften wissen, ich bin zum ewigen Leben bestimmt worden. Aber nach Vorkenntnis, weil Gott im Voraus gewusst hatte, dass sie, wenn Paulus nach Antiochia kommt und sie ruft, dem Ruf folgen werden, sollen sie das ewige Leben haben. Und darum kommen die zum Glauben, die zum ewigen Leben bestimmt waren.
Aber nicht etwa mutwillig, dass Gott gewisse wollte und gewisse wollte er nicht. Er will alle, und das hat der Herr Jesus gezeigt in Matthäus 23: Kommt, wie oft habe ich euch versammeln wollen, und Matthäus 11: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.
Und wenn wir nicht kommen, dann sind wir eben verantwortlich. Da wollen wir hier schließen.
