Bileam - Nur Bares ist Wahres!
4. Mose 2216.03.2008
Serie•Teil 3 / 9Männer...
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Eine ungewöhnliche Gestalt mit vielen Gegensätzen
Wir treffen heute mit dem Ammoniter Biliam, dem Sohn des Beor aus Ptor am Euphrat, auf einen Charakter in der Bibel, bei dem ich denke: Ich kenne nur wenige Charaktere, die so komplex und auch so widersprüchlich sind.
Ich möchte euch kurz die Ausgangssituation schildern, die uns hier vorliegt. Wir schreiben etwa das Jahr 1406 vor Christus. Das Volk Israel steht am Ende der Wüstenwanderung, es ist kurz vor dem Einzug ins verheissene Land. Nach einem Sieg über das Heer der Amoriter lagert das Volk östlich vom Jordan, und es flösst mit seiner militärischen Überlegenheit den umliegenden Völkern Respekt und Angst ein, vor allem den Moabitern und den Midianitern.
Im Raum steht die Frage: Was kann ich gegen ein Volk unternehmen, das sich anscheinend mit Waffengewalt nicht besiegen lässt, weil der eine lebendige Gott auf seiner Seite steht? Die Antwort klingt für unsere Ohren ungewöhnlich, aber ich denke, im Denken der Antike ist sie völlig folgerichtig: Ich muss dieses Volk verfluchen. Ich muss die Verbindung zwischen dem Volk und seinem Gott aufsprengen. Und dazu brauche ich einen professionellen Verflucher, der die unsichtbare Welt bewegen kann, der Zugang zu okkulten Kräften hat.
Und so ein Profiverflucher, anscheinend wirklich einer der Besten seines Faches, das war Biliam. Und jetzt merkt er schon: Das ist schon ein ungewöhnlicher Beruf. Ich bin hier der Verflucher vom Dienst. Aber das ist nicht das, was mich bei Biliam besonders fasziniert. Es ist auch gar nicht so ungewöhnlich für unsere Zeit. Das Übernatürliche wird wieder salonfähig.
Wer noch mitarbeiten möchte, kommenden Samstag oder Sonntag oder Montag bei dem Osterritterspektakulum, da gibt es dann immer so die Zelte der Wahrsagerinnen. Und da geht man dann vorbei und denkt sich: Da kann doch keiner drin sitzen. Es kann doch im 21. Jahrhundert sich niemand mehr vor eine Glaskugel setzen, ihm gegenüber eine ältere Frau, die ihm dann aus dieser Glaskugel heraus sagt, wie seine Zukunft aussieht. Dachte ich, bis ich mit schöner Regelmässigkeit bei meinen Spaziergängen bei den letzten zwei Veranstaltungen immer mal wieder einen Blick in die entsprechenden Zelte warf und feststellte: immer voll.
Es ist unglaublich, aber das Übernatürliche, das Okkulte wird salonfähig, und ich denke, wir sind auf dem Weg, dass uns auch so ein Profiverflucher irgendwann wieder seine Dienste anbieten wird. Im Kleinen gibt es das schon, also für Warzen und Ähnliches, da hat man schon so Leute, die das anbieten. So deutlich wie Biliam das hier so im grösseren Stil das ganze Völkermässig anbietet oder angefragt wird, haben wir das noch nicht. Aber wir sind auf dem Weg dahin.
Nochmal: Mich fasziniert nicht so sehr der Beruf, sondern mich fasziniert der Charakter von Biliam, weil sich in diesem Charakter etwas Zwiespältiges findet, etwas Zerrissenes findet, was ich selten so deutlich in der Bibel sehe. Er ist jemand, der auf der einen Seite nicht mit ganzem Herzen Gott folgt, der auf der anderen Seite aber genug Gottesfurcht besitzt, um im letzten Ende nicht öffentlich und in letzter Konsequenz gegen Gott Stellung zu beziehen.
Da ist Biliam anders als der Pharao, den wir letztes Mal hatten, der sich einfach hinstellt und sagt: Welcher Gott? Den kenne ich nicht, lass mich in Ruhe, hau ab! Das würde Biliam nie tun. Er ist einer, der Gott nicht zum Feind will, aber er ist aus Geldgier trotzdem bereit, mit den Feinden Israels gemeinsame Sache zu machen. Er lässt sich von Gott gebrauchen, so weit, dass er das Volk Israel segnet, aber er gibt seinem enttäuschten Auftraggeber dann doch den entscheidenden Tipp, wie man Israel vernichten kann.
Merkt ihr etwas? Das kann man gar nicht beschreiben. Was ist das für ein Typ? Und ich finde das sehr, sehr faszinierend, so jemanden euch heute vorzustellen und zu überlegen, wo auch wir manchmal in einer ähnlichen Zerrissenheit drinstehen.
Und ich glaube, es gibt eine kleine und es gibt eine grosse Lektion, von der wir lernen können. Die kleine, die einfache Lektion hat damit zu tun, dass Biliam zerrissen ist, innerlich zerrissen, weil er ein Problem mit Geld hat. Sein Herz hängt am Geld, und zwar mehr am Geld als an Gott.
Im zweiten Petrusbrief, Kapitel 2, Vers 15, werden Irrlehrer beschrieben, und da steht so ein bisschen, woran man einen Irrlehrer erkennt und was für Probleme Irrlehrer haben. Da heisst es dann, sie sind nachgefolgt dem Weg Biliams, des Sohnes Beors, der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte. Den Lohn der Ungerechtigkeit liebte.
Und jetzt merkt ihr: Lässt sich das Leben eines Menschen auf die Frage reduzieren, wen oder was hast du lieb? Wen oder was hast du lieb? Und Biliam ist das Beispiel eines religiösen Menschen mit einer aussergewöhnlichen Beziehung zu Gott, was die Erfahrungen mit Gott angeht, meine ich, der aber trotzdem in seinem Herzen nicht ehrlich ist. Es ist die Geschichte eines Mannes, der fromm tut, der betet, der Gott nicht offen widerspricht oder Gott leugnet, aber dessen Herz trotzdem nicht Gott gehört.
Man kann sagen, er wird von zwei Kräften angetrieben: auf der einen Seite Gottesfurcht und auf der anderen Seite Habgier. Und in dem Moment, wo in seinem Leben niemand es mitbekommt, da gilt für ihn das Prinzip, und das ist ja auch Titel der Predigt: Nur Wahres ist Wahres.
Was liebt Biliam über alles? Den Lohn der Ungerechtigkeit, die Bezahlung für Sünde. Und deswegen wollen wir uns die Geschichte von Biliam gemeinsam anschauen. Wer eine Bibel braucht, ist jetzt mit einer Hand oben erreichbar dafür. Wir haben Flo braucht eine hier vorne, da ist noch eine. Und wir wollen gemeinsam das vierte Buch Mose aufschlagen, also am Anfang der Bibel: 4. Mose.
4. Mose Kapitel 22. Ich möchte euch einen längeren Abschnitt vorlesen, damit wir reinkommen in dieses Thema. 4. Mose 22, ab Vers 3.
Und Moab fürchtete sich sehr vor dem Volk Israel, weil es gross war. Und es graute Moab vor den Söhnen Israel, und Moab sagte zu den Ältesten von Midian: Jetzt wird dieser Haufe unser ganzes Land ringsum abfressen, wie das Rind das Grüne des Feldes abfrisst. Balak aber, der Sohn Zippors, war zu jener Zeit König von Moab, und er sandte Boten zu Biliam, dem Sohn Beors, nach Petor, das am Strom liegt, in das Land der Söhne seines Volkes, um ihn zu rufen. Und er liess ihm sagen: Siehe, ein Volk ist aus Ägypten ausgezogen, siehe, es bedeckt die Fläche des Landes.
Ich fange noch mal an bei Vers 5: Und er sandte Boten zu Biliam, dem Sohn Beors, nach Petor, das am Strom liegt, in das Land der Söhne seines Volkes, um ihn zu rufen, und er liess ihm sagen: Siehe, ein Volk ist aus Ägypten ausgezogen, siehe, es bedeckt die Fläche des Landes, und es liegt mir gegenüber. Und nun komm doch, verfluche mir dieses Volk, denn es ist stärker als ich. Vielleicht gelingt es mir, dass wir es schlagen und ich es aus dem Land vertreibe. Denn ich habe erkannt: Wen du segnest, der ist gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht.
Und die Ältesten von Moab und die Ältesten von Midian zogen hin mit dem Wahrsagerlohn in ihrer Hand. Und sie kamen zu Biliam und sagten ihm die Worte Balaks. Und er sagte zu ihnen: Übernachtet hier diese Nacht, und ich werde euch Antwort bringen, wie der Herr zu mir reden wird. Und die Obersten von Moab blieben bei Biliam.
Und Gott kam zu Biliam und sprach: Wer sind diese Männer bei dir? Und Biliam sagte zu Gott: Balak, der Sohn Zippors, der König von Moab, hat sie zu mir gesandt. Siehe, das Volk, das aus Ägypten ausgezogen ist, bedeckt die Fläche des Landes. Komm jetzt, verfluche es mir, vielleicht bin ich dann imstande, gegen es zu kämpfen und es zu vertreiben.
Und Gott sprach zu Biliam: Du sollst nicht mit ihnen gehen, du sollst das Volk nicht verfluchen, denn es ist gesegnet. Und Biliam stand am nächsten Morgen auf und sagte zu den Obersten von Balak: Geht wieder in euer Land, denn der Herr hat sich geweigert, mir zu gestatten, mit euch zu gehen. Und die Obersten von Moab machten sich auf und kamen zu Balak und sagten: Biliam hat sich geweigert, mit uns zu gehen.
Das ist der Einstieg. Also Biliam wird angefragt, und Biliam weigert sich. Und eigentlich kann man denken: Es ist doch alles gut, super, ja. Sie kommen, er fragt dort, er weiss, was Sache ist, und dann wird an der Stelle einfach abgelehnt.
Es ist klar, dass ein Balak nicht Balak König wäre, wenn er sich mit einem Nein zufriedengeben würde. Also schickt er noch einmal eine Delegation, Vers 15: Da sandte Balak noch einmal Oberste, mehr und angesehener als jene, und sie kamen zu Biliam und sagten zu ihm: So spricht Balak, der Sohn Zippors: Lass dich doch nicht abhalten, zu mir zu kommen. Denn sehr hoch will ich dich belohnen, und alles, was du mir sagen wirst, will ich tun. So komm doch, verfluche mir dieses Volk!
Und Biliam antwortete und sagte zu den Knechten Balaks: Wenn Balak mir sein Haus voller Silber und Gold gäbe, könnte ich nicht dem Befehl des Herrn, meines Gottes, übertreten, um etwas Kleines oder Grosses zu tun. Und nun bleibt doch auch ihr hier diese Nacht, und ich werde erkennen, was der Herr weiter mit mir reden wird.
Da kam Gott nachts zu Biliam und sprach zu ihm: Wenn die Männer gekommen sind, um dich zu rufen, mach dich auf, geh mit ihnen, aber nur das, was ich dir sagen werde, darfst du tun.
Mehr Ehre, mehr Geld, und im Moment gibt es überhaupt nichts, was darauf hindeutet, dass es irgendein Problem geben könnte. Vers 21: Und Biliam machte sich am Morgen auf und sattelte seine Eselin und ging mit den Obersten von Moab. Da entbrannte der Zorn Gottes, dass er ging, und der Engel des Herrn stellte sich in den Weg, um ihm entgegenzutreten, wörtlich als sein Widersacher und sein Gegner.
Ich weiss nicht, ob ihr das nachempfinden könnt, das ist für mich antike Erzählkunst. Du hast eine Geschichte, und dann von null auf hundert: Du stehst da, liest das und sagst: Hey, was ist denn hier los? Und genau das ist gewollt. Von null auf hundert in einem Vers. Warum ist Gott sein Feind? Was hat Biliam falsch gemacht? Ich denke, eben hat doch Gott noch gesagt: Mach dich auf, geh mit ihnen. Richtig. Aber er hat ihm eine Einschränkung mitgegeben: Aber nur das, was ich dir sagen werde, darfst du tun.
Und jetzt merken wir das erste Mal etwas von der Zerrissenheit des Charakters von Biliam, das allererste Mal. Und ich muss mir die Frage stellen: Kann es sein, dass Biliam das ganze Absurde seines Verhaltens verdrängt? Kann es sein, dass er sich wünscht, und zwar so sehr wünscht, reich belohnt zu werden, dass er gar nicht merkt, worauf er sich einlässt? Wie kann es sein, dass Gott ihm auf der einen Seite sagt: Du sollst das Volk nicht verfluchen. Und dann nimmt er auf der anderen Seite einen Job an, wo es worum bitteschön geht? Genau darum, dieses Volk zu verfluchen.
In der Bergpredigt sagt Jesus einmal: Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein. Und wir merken hier das erste Mal, dass Biliams Herz dem Geld gehört. Er will Gott nicht zum Gegner, keine Frage, aber er will eine Sache noch mehr: Er möchte Gold und Silber. Und das Witzige ist, oder eigentlich ist es nicht witzig, es ist eigentlich furchtbar, aber es ist halt so: Das, was ich am meisten liebe, das wird mein Denken, mein Handeln und mein Schicksal bestimmen.
Wenn Jesus sagt, du kannst nicht zwei Herren dienen, ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon, dann meint er das so. Und genau das ist es, was Biliam will. Er möchte so viel Gott wie nötig und so viel Mammon wie möglich. Ja, so viel Gott wie nötig und so viel Mammon wie möglich. Und das geht nicht. Und ich glaube, weil das in seinem Herzen tief drin ist, kriegt er gar nicht mit, in was für eine absurde Situation er sich begibt.
Im Judasbrief heisst es über Biliam einmal, dass, oder über Menschen, die sich so verhalten wie Biliam, dass sie sich für Lohn dem Irrtum Biliams völlig hingegeben haben. Eine sehr markante Formulierung: dem Irrtum Biliams. Biliam lebt eine Lüge. In seinem Kopf ist ein Denkfehler, er irrt sich einfach. Er schätzt die Situation völlig falsch ein und er lebt sie einfach aus. Er denkt: Ich kann natürlich Gott und dem Mammon irgendwie leben, das wird schon irgendwie gehen. Aber das geht nicht.
Und deswegen ist die Frage nach dem Herzen auch so wichtig. Diese Frage: Wem gehört eigentlich dein Herz? So ein Biliam, der sieht doch von aussen total fromm aus, oder? Ich habe mir gedacht, stellt euch mal vor, so jemand würde hier im Gottesdienst sitzen. Der macht religiöse Erfahrungen, ja, gestern Nacht ist mir Gott wieder begegnet. Boah, der hat Gebetserhörungen! Wenn du den zum Thema Theologie ansprichst, der weiss was über Gott. Der kann sogar sagen: Ich weiss, wozu Gott mich berufen hat.
Also wie viele hier würden sich hinstellen und sagen: Klar, meine Berufung ist deutlich und sicher für mich. Viele, viele straucheln an der Stelle. Und ich habe mir die Frage gestellt: Wenn so jemand wie Biliam heute hier sitzen würde, wer von uns würde erkennen, dass Biliam ein Riesenproblem hat, ein Riesenproblem? Wer würde mitbekommen, dass Gott nicht sein Freund ist, sondern sein Feind? Wer würde ihn auf seine falschen Motive ansprechen? Und wenn ich ehrlich bin, glaube ich: keiner.
Wir wissen alle, dass Habsucht eine ganz üble Sünde ist. Wir wissen, dass Habsucht eine Sünde ist, die sogar zu einem Ausschluss aus der Gemeinde führen kann. Aber ich kenne jemanden, der jemals dafür ausgeschlossen worden wäre, irgendwie komisch. Zum Glück schaut Gott tiefer. Das heisst in 1. Samuel 16: Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der Herr sieht auf das Herz.
Und deshalb lässt Gott den Biliam auch nicht einfach ziehen und sagen: Komm, mach doch dein Ding zu Ende, sondern er tritt Biliam entgegen, und er geht noch einen Schritt weiter. Er rettet ihn auf eine ganz lustige Weise, nämlich dadurch, dass eine Eselin anfängt zu sprechen und mit dem, was sie sagt, dem Biliam deutlich macht: Ich Eselin bin klüger als du Esel. Und er öffnet ihm die Augen für die Gefahr, in der er drinsteht.
Da heisst es dann in 4. Mose 22, Vers 31: Da enthüllte der Herr die Augen Biliams, und er sah den Engel des Herrn mit seinem gezückten Schwert in seiner Hand auf dem Weg stehen. Und Vers 34: Und Biliam sagte zu dem Engel des Herrn: Ich habe gesündigt. Es ist nicht so, dass Biliam sagt: Oh, ich weiss gar nicht, wo das Problem liegt. Er weiss genau, wo das Problem liegt: Ich habe gesündigt. Denn ich habe nicht erkannt, dass du mir auf dem Weg entgegentratest, und nun, wenn es böse ist in deinen Augen, dann will ich umkehren.
Jetzt kommt noch einmal das, was Gott vorhin schon sagte, und der Engel des Herrn sprach zu ihm: Geh mit den Männern, aber nur das, was ich dir sagen werde, sollst du reden. Und Biliam zog mit den Obersten des Balak. Es sieht so aus, als hätte Biliam jetzt seine Lektion gelernt. Sein Herz gehört dem Mammon, das ist kein Thema, das wird auch noch eine Weile so bleiben, aber dafür sein Leben aufs Spiel zu setzen, dafür ist er doch nicht bereit.
Und so wird Biliam in der Folge, wenn ihr weiterlest, zum Albtraum für seine Auftraggeber, weil er das Volk Israel nicht etwa nur nicht verflucht, sondern er segnet es. Und er segnet es nicht einmal, sondern er segnet es insgesamt vier Mal. Und man liest das und man könnte den Eindruck gewinnen: Super, so wie es im Volksmund heisst, vom Saulus zum Paulus, da hat jemand wirklich was gelernt, könnte man meinen. Aber leider stimmt das nicht. Im tiefsten Inneren seines Herzens hat Biliam nichts dazugelernt. Und diese Zwiespältigkeit und die Zerrissenheit seines Charakters, die bleibt bis zum Schluss.
Ja, er stellt sich nicht in letzter Konsequenz gegen Gott, er verflucht das Volk nicht, aber sein Herz gehört nicht Gott. Er will Gott nicht zum Feind, und da, wo Gott mit dem Schwert ihm entgegentritt, sagt er nicht: Jetzt mache ich dich den Kopf kürzer. Entschuldigung, ja, wollte ich jetzt auch nicht. Aber er gibt seinem enttäuschten Auftraggeber doch noch den entscheidenden Tipp, wie man Israel vernichten kann.
Ganz interessant: 4. Mose 24 am Ende reisst Biliam ab, und Kapitel 25 am Anfang heisst es: Und Israel blieb in Schittim, und das Volk fing an, Unzucht zu treiben mit den Töchtern Moabs, und diese luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter ein, und das Volk ass und warf sich nieder vor ihren Göttern. Es hing sich an den Baal-Peor, das ist so ein Götze, da entbrannte der Zorn des Herrn gegen Israel.
Eine ganz geniale Strategie. Ich kann Israel nicht verfluchen, irgendwie schade, aber ich kann dafür sorgen, dass Gott selber auf sein Volk zornig wird, und es braucht dafür nicht mehr als ein bisschen Götzendienst, ein bisschen freie Liebe und am besten das Ganze im Doppelpack. Und das ist das, was hier passiert. Und wisst ihr, von wem dieser Tipp kam, so nach dem Motto: Also ich hätte da noch eine Idee, das mit dem Verfluchen klappt nicht, aber wenn du das Volk erledigen willst, ich habe dann noch einen Tipp. Weiss der, wer den Tipp gegeben hat, das zu tun, diese Strategie zu wählen? Das war Biliam. Und das Nachlesen: 4. Mose 31, Vers 16.
Er wird dann doch zum Helfershelfer der Moabiter. Anscheinend kann er sich in letzter Konsequenz nicht damit abfinden, dass er das Volk Israel nicht verfluchen darf, seinen Auftrag nicht erfüllen kann. Er segnet Israel, weil er sich nicht bewusst gegen Gott stellen will, aber hinten herum, da wo es keiner so richtig mitkriegt, in seinem persönlichen Graubereich, der natürlich genauso schwarz ist wie alles andere, aber in seinem persönlichen, empfundenen, emotionalen Graubereich, da gibt er den entscheidenden Tipp, der zu einer Plage und zum Tod von 24 Israeliten führt.
Und deswegen ist Biliam für mich so eine traurige Gestalt in der Bibel, weil es kein ferner Heide ist, der noch nie etwas von Gott gehört hat. Es ist jemand, der dem lebendigen Gott begegnet war, der den Willen Gottes für sein Leben kannte, der von Gott korrigiert wird, gewarnt wird und der sich im letzten Ende nicht zurechtbringen lässt. Biliam ist einer, der an eine Lüge glaubt, und es ist die Lüge, dass ein bisschen Gottesfurcht und ein bisschen Geldgier in einem Leben gut Platz haben. Diese Fehleinschätzung prägt sein ganzes Denken und sein Tun.
Was können wir von Biliam lernen? Ich denke, es sind zwei Lektionen. Es ist eine ganz naheliegende Lektion. Wir können etwas lernen über die zerstörerische Kraft des Geldes, dass es ein schlimmer Fluch ist, wenn man immer mehr haben will. Nicht umsonst schreibt der Apostel Paulus im ersten Timotheusbrief: Eine Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe. Wer, wie Biliam, immer mehr haben will, nie zufrieden ist, der kann darauf warten, dass sein Leben untergeht.
Ja, wir brauchen Nahrung, wir brauchen Kleidung, wir brauchen ein Dach über dem Kopf, aber wir brauchen nicht immer noch mehr. Paulus schreibt an fast der gleichen Stelle, wo das Zitat eben her war, 1. Timotheus 6, da schreibt er: Was ist ein grosser Gewinn? Was ist wirklich ein grosser Gewinn für das Leben eines Menschen? Und seine Antwort lautet: Gottseligkeit, das ist Leben mit Gott, Gottseligkeit mit Genügsamkeit, da wo ich mit Gott leben darf und mit dem zufrieden sein darf, was Gott mir gibt. Das ist ein grosser Gewinn.
Und wisst ihr, die Dinge, die ein Leben wirklich reich und froh machen, die kosten fast nichts. Ist euch das mal aufgefallen, was es so fast für nichts gibt? Vergebung, Frieden mit Gott, gute Freunde, die Freude an Gottes Wort, in meinem Fall ein Waldspaziergang, eine liebe Frau, ein gutes Buch, ein schönes Weekend-Chillout – alles Dinge, die im letzten Ende kein Vermögen kosten, aber sie machen uns wirklich froh und glücklich.
Es ist so die einfache Lektion, die man bei Biliam lernen kann, das ist das, was nur Wahres ist Wahres, was sich so dahinter verbirgt. Pass auf, dass du dein Herz nicht an den Mammon verlierst und immer mehr haben möchtest. Warum? Du kannst nicht Gott und dem Mammon dienen, es geht einfach nicht. Mach doch nicht den gleichen Denkfehler wie Biliam, ein Bad Boy reicht doch.
Das ist die einfache Lektion, und viele lehnen sich zurück und sagen: Na ja, bei meinem Einkommen ist das ein leichtes Gebot. Ja, einverstanden, gut.
Jetzt möchte ich eine zweite Lektion, eine Lektion, die über das Geld hinausgeht, noch von Biliam lernen. Nett formuliert würde man ja sagen: In Biliams Brust, da schlagen zwei Herzen. Weniger nett würde man sagen: Er eiert ein Leben lang rum und kommt nie wirklich irgendwo an. Er trifft nie wirklich eine klare Entscheidung für Gott. Er ist nie wirklich bereit, im letzten Ende den Preis für eine konsequente Nachfolge zu zahlen.
Und wisst ihr was, er verdrängt diese Tatsache. Er verdrängt sie und verdrängt sie, bis es zu spät ist. Und wisst ihr was, an der Stelle, als ich so über diesen Text nachdachte, dachte ich mir: Das kenne ich, das kenne ich irgendwo. Da gibt es irgendeine Sünde, das muss nichts Schlimmes sein, irgendwas, wobei ich mich selber ertappe. Und ich brauche mich gar nicht anzustrengen, kaum finde ich da in meinem Leben so einen Bereich, wo ich einfach nur weiss: Das läuft nicht richtig. Da starten sofort die Verdrängungsmechanismen.
Vielleicht seid ihr heiliger als ich, aber in meinem Leben ist das so. Ich muss mich nicht anstrengen, um gleich ein paar Ideen zu haben, warum das nicht so schlimm ist und warum das im Moment gar nicht anders geht und und und und und. Und ich bin erschrocken, wie schnell ich versuche, der Realität auszuweichen, wie schnell ich Christsein dann auf einen Verhaltenskodex reduziere. Und wie ich der zentralen Frage des Christseins ausweiche.
Wisst ihr, was die zentrale Frage im Christsein ist? Es ist die Frage, die Petrus nach der Auferstehung gestellt bekommt. Genau der Petrus, der Jesus dreimal verleugnet hat. Da trifft Jesus auf diesen Petrus in dem Moment nur so ein kleines Häufchen Elend. Und dann sagt er nicht: Du, Petrus, hast du dich an meine Regeln gehalten? Nein, das fragt er nicht. Was er fragt, und zwar auch dreimal, ist die im christlichen Leben alles entscheidende und alles definierende und alles ins rechte Lot bringende Frage. Es ist die Frage: Simon, hast du mich lieb?
Und das ist das eigentliche Problem von Biliam. Biliam hat Gott nicht wirklich lieb. Gott ist für ihn der grosse Aufpasser, der Polizist. Und immer, wenn man Gott so ein bisschen mit flammendem Schwert und deutlich begegnet, so wie der typische deutsche Autofahrer. Ich bin heute Morgen wieder nach Schwante gefahren, und dann muss ich hier die Schönwalder Chaussee durch, ja, zwei Kilometer dreissig durch den Wald, und du denkst dir: Warum soll ich hier dreissig fahren? Ja, das ist einfach, keiner fährt hier dreissig. Doch, alle fahren dreissig, wenn ein Auto an der Seite steht und du nicht genau weisst, ob das nicht ein Blitzer sein könnte.
Und es gibt Menschen, und Biliam ist so einer, der geht mit Gott genau um wie wir mit der Polizei. Wenn wir sie da sehen und Angst haben, da könnte nicht einer blitzen, dann haben wir überhaupt kein Problem, dreissig zu fahren. Das ist ja selbstverständlich, logisch. Wenn vor mir der Engel des Herrn mit einem flammenden Schwert steht, gar keine Frage, ich werde es nur segnen, logisch, ja. Aber wehe, da steht kein Auto an der Strasse. Rim! Gleich passiert uns das Gleiche im Blick auf Gott.
Wenn wir den Blick auf Gott verlieren, und dann plötzlich, und ich denke, an dieser Stelle da kommt mir Biliam sehr bekannt vor, und ich muss mir selber immer wieder die Frage stellen: Wie ist das eigentlich um mein Herz bestellt? Bin ich einer, der vor seinem geistigen Angesicht die Gebote hat, so die deutlichen Gebote, er soll es nicht töten und soll es nicht lügen und soll es nicht klauen und soll es dem anderen keine runterhauen und so. Also diese Sachen, und da halte ich mich auch dran. Aber wenn das mal nicht so klar da steht, dann ziehe ich eigentlich so, wenn es keiner sieht, mein Ding durch. Das ist Biliam.
Und wisst ihr was, ich ertappe mich dabei, dass diese Haltung so hin und wieder in mein Leben reinkommen will, immer wieder da, wo ich mich bei irgendwas ertappe, so dieses: Ey Jürgen, das ist doch nicht so schlimm, hat doch keiner gesehen. Und mit einem Mal geht es nicht mehr um die Frage: Jürgen, hast du mich lieb? Sondern es geht nur noch um die Frage: Jürgen, hältst du dich an meine Regeln so im Grossen und Ganzen? Aber das ist nicht Christsein, das ist nicht Christsein. Und ich möchte das immer wieder von hier vorne betonen: Das ist nicht Christsein.
Es kann sein, dass die Regeln Gottes, die eine Hilfe sind, lerne sie auswendig und wende sie an, ja, ja, ja. Aber reduziere dein Christsein bitte nicht auf das Halten von Regeln. Und wenn du in deinem Leben feststellst, ich habe auch ein Herzproblem, dann möchte ich dir abschliessend heute sagen: Willkommen im Club. Ich habe eine frohe Nachricht für dich. Ich habe die frohe Botschaft, ich habe das Evangelium Gottes für dich, das auch dafür, für diese Momente, wo du zögerst, Gott zu folgen und wo du womöglich auf der einen Seite sagst: Ich liebe Gott, und es mit deinem Alltag durchstreichst.
Ich kann dir sagen, dass auch für diese Sünden Jesus am Kreuz gestorben ist. Und dass Jesus dich so sehr liebt, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als wenn es solche Momente in deinem Leben gibt, wo wir ihn zum Polizisten machen und wo wir völlig vergessen, dass wir einen liebenden Vater im Himmel haben, dass das die Momente sind, wo er uns immer wieder einlädt und sagt: Hey, das kann passieren, aber ich habe dich noch viel mehr lieb, als du dir irgendwie vorstellen kannst.
Und wenn es in deinem Leben diesen Moment gibt, wo du sagst: Stimmt, eigentlich bin ich so ein kleiner Biliam gewesen, so einer, der so in seiner Halbherzigkeit auf der einen Seite sein eigenes Ding gedreht hat, aber auf der anderen Seite nie so schlimm war, dass man ihm jetzt einen Strick hätte draus drehen können, ja, aber unterschwellig, unterschwellig war Gott aus meinem Leben so ein Stückchen draussen. Und eigentlich war er nur der Polizist.
Wenn das so ist, dann möchte ich dich wirklich einladen, das mit Gott ins Reine zu bringen und ihm neu zu sagen, wie sehr du ihn lieb hast, einfach neu Busse zu tun, zu sagen: Hey, das ist alles am Kreuz bezahlt, bring es da hin und fang einfach neu an, ihm wirklich zu folgen und da, wo Halbherzigkeit in deinem Leben ist, das wirklich abzulegen am Kreuz, zu sagen: Herr, es tut mir leid, hilf mir einfach, in der nächsten Woche wieder ganz für dich da zu sein.
Ich denke, das ist die zweite Lektion, wo Biliam in seiner Zerrissenheit ein Bild für uns wird, wo wir auch manchmal zerrissen sind. Ich möchte euch einladen, dem zu begegnen, der gesagt hat: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Das ist das Angebot Jesu. Ich gebe euch nicht noch mehr Last obendrauf. Ich will euch Ruhe geben. Bei mir könnt ihr eure Last loswerden, bei mir kannst du Versagen abladen.
Und ich möchte gern, dass wir eine Minute still sind. Und wenn euch das irgendwo berührt, wenn der Heilige Geist euch anspricht an der Stelle, wenn dir deutlich wird, dass es solche Dinge in deinem Leben gibt, dann gib es doch jetzt ab. Und dann werde ich noch abschliessend ein Gebet sprechen.
Herr Jesus, wir danken Dir dafür, dass Du für unsere Halbherzigkeit, für unsere Notlügen, für unsere Unaufrichtigkeit gestorben bist. Wir danken Dir dafür, dass Du uns immer wieder das Kreuz zeigst, wo wir hingehen dürfen, um Mut zu schöpfen, um Kraft zu schöpfen für unseren Alltag. Wir wollen dir dafür danken, dass wir uns Liebe nicht erarbeiten müssen, sondern dass du sie verschenkst, dass wir ja nichts tun können, damit du uns mehr liebst, aber dass du im Gegenzug auch zurückgeliebt werden möchtest.
Ich möchte dir das bekennen, Herr Jesus, dass das ein unglaubliches Prinzip ist, dass du uns nicht einfach zehn Regeln gibst und dann ist gut, sondern dass du uns mit deiner Liebe konfrontierst, einer sich verschenkenden, alles gebenden Liebe, und dass du auf diesem Niveau zurückgeliebt werden möchtest. Herr, das würde uns immer wieder an unsere Grenzen führen, und das wollen wir dir bekennen. Wir wollen dir bekennen, dass wir am letzten Ende immer hinter dem Standard zurückbleiben, den du mit deinem Leben gesteckt hast, und wir wollen dir danken dafür, dass das bei alledem Freiheit ist, die wir ausleben, dass du uns nämlich nicht liebst, weil wir etwas bringen, sondern weil du es dir einfach vorgenommen hast, weil du lieben willst.
Und so wünschen wir uns, Herr, dass wir eine Gemeinschaft von Sündern werden, wo wir unsere Sünde und unsere Unvollkommenheit nicht verstecken müssen, so eine Gemeinschaft werden, wo wir einander aufhelfen, wo wir einander bekennen dürfen, wie es uns wirklich geht und wie wir einander nicht achten und schätzen nach dem, was zu Wege bringen, sondern vielleicht nach der Ehrlichkeit, dass unter uns ein Biliam tatsächlich keine Chance hat, dass es unter uns solche gibt, die ihn angesprochen und auf seine Halbherzigkeit hingewiesen hätten, dass unter uns kein Biliam verloren geht, weil wir geöffnete Augen des Herzens haben, genug Unterscheidungsvermögen, um einander auf diesem Weg wirklich zu begleiten.
Darum möchte ich dich anflehen, Herr.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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