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Man erntet, was man sät | Galater

Deine Investition bestimmt deinen Ertrag
Galater 5,26-6,1027.10.2024
Jeder Landwirt kennt das Prinzip: Wer Weizen sat erntet Weizen und keine Tomaten. Hast du dir schon einmal überlegt, dass dieses Prinzip auch in deinem Leben gilt? In unserer nächsten Predigt werden wir gemeinsam mit Paulus in Galater 5,26-6,10 erkunden, wie die Wahl unseres Saatguts unser Leben beeinflusst. Lass dich anleiten, wie du die richtigen Entscheidungen triffst, um am Ende das zu ernten, was wirklich zählt.

Einstieg mit einem alltäglichen Bild

Da war ich selbst gespannt, was da kommt. Karina gibt sich gerade echt Mühe und macht das Ganze ein bisschen episch, bevor es losgeht. Schön, dass ihr heute alle da seid. Ich freue mich, mit euch im Galaterbrief weiterzumachen.
Aber ich muss euch erst etwas erzählen. Diese Woche war bei uns ziemlich viel los draußen am Dorf. Die ganzen Bauern waren nämlich unterwegs, und die haben eigentlich etwas gemacht, was, wenn man es von außen anschaut, ziemlich bescheuert wirkt, finde ich. Die sind hergegangen und haben von ihrer Ernte, von dem Getreide, das sie haben, einiges genommen und das mit einem Riesenaufwand einfach in die Erde gepackt. Man könnte fast meinen, sie hätten es weggeschmissen.
Anstatt dass sie das irgendwie verkaufen oder es mahlen und sich Brot daraus machen und so weiter, haben sie das einfach draußen in die Erde gepackt. Also, die waren alle wie verrückt unterwegs, wahrscheinlich weil das Wetter irgendwie trocken war, um das dahin zu bringen. Warum tun die so etwas?
Und natürlich weiß jeder von euch Bescheid: Man nennt das Ganze Säen. Aber im ersten Moment könnte man meinen, die könnten doch etwas Besseres damit anfangen, als das einfach in die Erde reinzupacken. Und da passiert die nächsten Tage auch nicht viel, wenn du hinguckst. Aber die Bauern tun das, weil sie eine Hoffnung haben, nämlich nächstes Jahr im Sommer einen ziemlich hohen Ertrag von jedem einzelnen Korn zu bekommen, das sie in die Erde gepackt haben. Weil sie irgendwo wissen, vielleicht hat es ihnen jemand erzählt, oder sie haben das schon ein paar Mal in ihrem Leben erlebt, dass das Ganze Frucht bringt, und zwar gar nicht so wenig.
Aber beim Säen ist ziemlich entscheidend, dass man das Richtige sät. Wenn der Bauer Weizen sät, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit nächstes Jahr Weizen ernten und keine Tomaten. Wenn nicht, sollte er mit seinem Saatgutvertreter ins Gespräch gehen, dann hat etwas nicht gepasst. Wenn du keine Nvidia-Aktien gekauft hast vor zwei Jahren, dann hast du auch nicht von dem ganzen Profit mitgenommen, den Nvidia in den letzten Jahren gemacht hat. Es ist sehr simpel: Nur da, wo du rein investierst, wirst du auch etwas ernten.
Das Prinzip ist in der Landwirtschaft völlig klar. Das ist jedem Hobbygärtner klar, denn nur wenn er Zucchini sät oder pflanzt, wird er Zucchini ernten. Wenn er nur Rüben pflanzt, wird er keine Zucchini rausbekommen. Aber ist dir bewusst, dass dieses Prinzip auch für dein ganzes Leben gilt? Das, was du säst, worin du investierst, das wirst du ernten. Da, wo du deine Ressourcen, die du zur Verfügung hast, reinpackst, und wenn ich heute von Ressourcen rede, meine ich immer Zeit, Kraft und Geld, darauf kannst du das zusammenfassen, darin, wo du die investierst, wirst du auch die Ernte davon ertragen. Darauf, wo du sie einsetzt, davon wird dein Leben geprägt sein.
Und dieses Prinzip, von was ich säe, das werde ich ernten, darauf bezieht sich Paulus auch im Galaterbrief. Und wir wollen einen Abschnitt anschauen in Galater 5, ab Vers 26. Das ist der letzte Vers, der ist so ein bisschen ein Übergangsvers zwischen Kapitel 5 und Kapitel 6. Wir nehmen den heute hier noch mit rein bis in Kapitel 6, Vers 10. Ihr dürft das aufschlagen. Heute gibt es keine schönen KI-generierten Bilder, aber wir sind trotzdem multimedial unterwegs. Ihr dürft nämlich die Bibel vor euch offen haben und mitlesen und mitarbeiten.
 Galater 5,26: Lasst uns nicht prahlen, oder anders formuliert: keine Angeber sein, uns gegenseitig nicht herausfordern und gegenseitig nicht beneiden. Brüder, wenn auch einer zu einer Sünde verleitet wird, so sollt ihr, die ihr euch vom Geist Gottes leiten lasst, ihn wieder im Geist der Sanftmut zurechthelfen. Dabei gib auf dich selbst Acht, dass du nicht auch versucht wirst. Helft euch gegenseitig, eure Lasten zu tragen. Auf diese Weise werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen. Denn wenn jemand von sich meint, etwas zu sein, obwohl er nichts ist, betrügt er sich selbst. Jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird er für sich allein Ruhm haben und nicht vor den anderen. Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen. Wer im Wort unterwiesen wird, gebe dem, der ihn unterweist, Anteil an allen seinen Gütern. Täuscht euch nicht, Gott lässt nicht mit sich spotten, denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Wer auf das Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten. Wer aber auf den Geist sät, wird durch den Geist ewiges Leben ernten. Lasst uns aber nicht müde werden, das Gute zu tun, denn zur rechten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht schwach werden. Lasst uns also allen Gutes tun, wie wir noch Gelegenheit dazu haben, besonders aber den Hausgenossen des Glaubens.
So viel bis hierher. Und jetzt weiß ich, dass ein großer Teil da ist, der nicht in dem Kontext des Galaterbriefes voll mit drin ist. Deswegen ein ganz kurzer Abriss: Worum geht es im Galaterbrief?
Paulus warnt dort eine Gemeinde mit allem, was er zur Verfügung hat, vor falschen Lehrern. Aber nicht vor Lehrern, die sie irgendwie in den Liberalismus hineinführen wollen, sondern vor Lehrern, die meinen, die Galater müssten das Gesetz noch halten, was vor allem mit der Beschneidung zum Ausdruck kommt. Die also wollen, dass die Galater jüdisch leben, um gerettet zu werden. Und Paulus legt Wert darauf und führt es über mehrere Kapitel aus, dass Rettung allein durch das Vertrauen in das Werk Jesu, in sein Sterben und Auferstehen, kommen kann. Dass Gesetzestreue unter Umständen sogar in eine neue Abhängigkeit hineinführen kann, von eigener Leistung. Und dass Leute, die tunlichst genau das Gesetz halten, innerlich weit von Jesus und Gott entfernt sein könnten. Dass der Zweck des Gesetzes nie war, zu retten, sondern zu zeigen, dass man den Bedarf eines Erlösers hat. Dass aber dieser Erlöser in Jesus Christus Mensch wird und jeden, der sein Vertrauen auf ihn setzt, zu einem Kind Gottes macht.
Und aufbauend auf diesen Rettungsplan Gottes hat Paulus im Kapitel 5 dazu aufgerufen, nun in diesem neuen Leben zu leben. Sich vom Geist Gottes leiten zu lassen, was nichts anderes heißt, als Gottes Willen über sein Leben regieren zu lassen, anstelle im Fleisch zu leben, was nichts anderes heißt, als immer meinen eigenen Kopf durchzusetzen und nur zu leben, worauf ich Bock und Lust habe. Das ist der Kontext, in dem er jetzt hier schreibt.
In der letzten Predigt, die erinnert euch vielleicht, haben wir sehr intensiv darüber geredet, was Früchte des Fleisches und Früchte des Geistes sind. Wer das genauer wissen will, kann die Predigten gern noch mal nachhören. Und das ist der Kontext, wo Paulus in Galater 5,16 sagt: Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen. Oder anders aus der Neuen Genfer Übersetzung, dann verstehen wir das heute vielleicht besser: Was will ich damit sagen? Lasst den Geist Gottes euer Verhalten bestimmen, dann werdet ihr nicht mehr den Begierden eurer eigenen Natur nachgeben.
Er baut also einen Kontrast auf: Paulus, Leben, wie ich Lust habe, was kaputt macht, oder Leben, wie Gott es sich gedacht hat, was am Ende Segen bringen wird. Und das ist auch das Kernprinzip unseres Textes heute.
Und ich probiere heute etwas, was ich normalerweise eher nicht mache: Ich zäume das Pferd ein bisschen von hinten auf. Ob das eine gute Idee ist, weiß ich noch nicht, das sehen wir danach. Beim Pferd ist es das in der Regel nicht, vielleicht klappt das aber hier für die Predigt. Denn Paulus bringt dieses Prinzip in den Versen 7 und 8 von Galater 6, wo er sagt: Täuscht euch nicht, Gott lässt nicht mit sich spotten, denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten, der aber auf den Geist sät, wird durch den Geist ewiges Leben ernten.
Ja, da vielleicht ein ganz kurzer Einschub, wo ich nicht viel Zeit verwenden will, weil hier Paulus sagt: ewiges Leben ernten. Und es könnte die Frage aufwerfen: Werde ich doch durch Werke gerettet, indem ich eben die richtigen Dinge tue? Ich glaube nein, weil der ganze Kontext des Galaterbriefes das einfach durchstreicht und unwahrscheinlich macht. Paulus hat mehrere Kapitel davor argumentiert, dass genau das nicht passiert. Dann bin ich sehr überzeugt, dass er hier jetzt nicht auf einmal das im Blick hat.
Ich denke, was er im Blick hat, ist dieses Preisgericht, das in 2. Korinther 5 beschrieben wird, wo es heißt, in Vers 10: Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse. Für die aus der Gemeinde: Wir hatten ja die Bibeltage über 2. Korinther, und da hat Jürgen das auch ausgeführt, dass es für alle von uns diesen Moment gibt, wo abgerechnet wird, wo sichtbar wird, wo du in deinem Leben investiert hast, und wir Lohn von Gott bekommen. Und ich denke, das hat Paulus hier im Blick, wenn er die Frage stellt: Worauf säen wir?
Er spricht hier zu einer Gemeinde von Gläubigen, bei den Galatern, und er will sie aufrufen, die, die jetzt gläubig sind, ihr Leben richtig zu investieren. Und er fängt das Ganze an, indem er eine harte Aussage einbringt in Vers 7: Täuscht euch nicht, Gott lässt nicht mit sich spotten. Ich glaube, dass bei den Galatern Leute unterwegs waren, die gedacht haben: Ich bin ja gerettet, Hauptsache gerettet. Wie ich jetzt lebe, interessiert doch niemanden mehr. Und Paulus haut denen eine Warnung um die Ohren. Und falls du mit demselben Gedanken unterwegs bist, Hauptsache gerettet, es ist völlig egal, wie ich jetzt lebe, dann gilt diese Warnung auch dir.
Paulus fragt die Galater: Glaubt ihr wirklich, dass Gott mit sich Spott treiben lässt? Und ich formuliere das jetzt mal in unserer Sprache, entschuldigt mich bitte die Deftigkeit: Glaubst du wirklich, wenn du jetzt einfach weiterlebst, wie du Bock hast, dass Gott sich verarschen lässt? Das ist genau das, was Paulus hier meint. Glaubst du wirklich, dass er sich an der Nase herumführen lässt? Glaubst du wirklich, dass es keine Auswirkung hat, wie du dein Leben lebst und worin du es investierst? Glaubst du wirklich, dass du Gott irgendwie am Nasenring durch die Manege führen könntest oder Ähnliches?
Das Prinzip, was für das ganze Leben gilt, was für Landwirtschaft gilt, gilt auch für dich. Das, worin du investierst, wo du säst, wo du deine Ressourcen reinpackst, wird Auswirkung haben. Es wird bestimmen, was du erntest. Dieses Prinzip ist zentral.
Und Paulus macht jetzt etwas: Er stellt zwei Möglichkeiten gegenüber, in Vers 8, für die Galater damals, und die stehen heute genauso für dein Leben da. Die stehen als Grundsatzfrage über dein Leben, und die stehen jeden Morgen da, wenn du aufstehst, als Entscheidung, worin du den Tag investierst. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder du stellst dich ins Zentrum deines Lebens, was er mit Leben für das Fleisch meint und Säen auf das Fleisch meint, und lebst, worauf du Spaß hast, worauf du Lust hast, worauf du Bock hast. Oder du lebst ein Leben, das in der Hingabe für Gott gelebt wird, das eine Entscheidung trifft und sagt: Herr, ich will, dass du Herr über mein Leben bist. Ich will, dass du derjenige bist, der bestimmt, wie ich mein Leben lebe, wo es hingeht, wo es entlangläuft.
Das eine, so formuliert Paulus, wird Verderben hervorbringen, wird unter Umständen in einem kaputten Leben enden, und das andere ewiges Leben. Die Wahl ist recht klar, oder? Wenn wir das so vor Augen haben, dann ist doch eigentlich simpel, was die richtige Entscheidung ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand diese Verse von euch liest und sagt: Oh cool, lass uns Fleisch säen, lass uns mal so richtig da reinbuttern, dass wir am Ende Verderben rausbekommen, dass mein Leben so richtig kaputt endet, dass ich irgendwann mal darauf zurückschaue und mir denke: Boah, ja, das hast du so richtig gegen die Wand gefahren. Also da wird doch keiner von euch dasitzen. Das wird doch jeder sagen: Ja klar, ich will da rein investieren, wo ich eine gute Frucht bei rausbekomme, wo etwas Sinnvolles entsteht. Ich will am Ende meines Lebens darauf zurückblicken können und sagen können: Es hat sich gelohnt. Ich habe meine Ressourcen, die ich hatte, richtig investiert. Ich habe sie gesät, und ich warte auf eine reiche Ernte.
Die Frage ist nur: Wie sieht so ein Säen auf Fleisch aus, und wie sieht so ein Säen auf Geist aus? Wie kann das konkreter werden? Und das wollen wir uns anschauen, weil das Paulus nämlich in den Versen vorher beschreibt. Und das, was die Leute dort tun, zu was er sie auffordert, ist ein Säen. Und das Erste in Vers 26 ist ein Säen, wie wir es nämlich nicht tun sollen. Und er zieht das Ganze in den Kontext von der Gemeinde hinein. Klammer auf: Fleisch säen und Geist säen gibt noch viele, viele andere Bereiche. Die werden wir uns heute nicht anschauen, sondern wir schauen uns die an, die Paulus hier an der Stelle beschreibt, weil ich glaube, die etwas Wichtiges mitbringen und Dinge vielleicht sind, die uns nicht im ersten Moment auffallen und über die wir nachdenken dürfen.
Wenn wir davon reden, auch Fleisch zu säen und Verderben zu ernten, dann fallen uns vielleicht so Leute wie Elvis Presley, Amy Winehouse und Ähnliche ein, die ihr Leben auf Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll aufgebaut haben und sehr früh ziemlich tragisch ums Leben gekommen sind. Und ja, auch das ist ein Säen auf Fleisch, aber das passt nicht in den Kontext des Galaterbriefes. Wir sind nämlich nicht in Korinth unterwegs und auch nicht unterwegs zur nächsten Tempelparty. Nein, wir sind im gutbürgerlichen Gemeindeleben der Galater unterwegs, einer Gemeinde, die nach außen recht fromm gewirkt hat und toll aussah, aber die vielleicht in der Gefahr stand, vom Fleisch geprägt zu sein, auf Fleisch zu säen.
Und wie wirkt sich das aus? Wir können das in Vers 26 ein bisschen entdecken, weil Paulus dort etwas beschreibt, was die Galater nicht tun sollen, und scheinbar war die Gefahr da. Er sagt nämlich: Lasst uns nicht voreinander angeben, gegenseitig nicht herausfordern und gegenseitig nicht beneiden. Und wer den Vers liest und die letzte Galater-Predigt im Blick hat, erinnert sich vielleicht an Galater 5,15 oder schlägt das jetzt nach. Und die lese ich aus der schönen Lutherbibel vor, weil Luther das einfach so schön plastisch in Worte fasst: Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom anderen aufgefressen werdet. Das ist Luther. Das ist doch eine tolle Gemeinde, oder? Da hat man richtig Bock drauf. Eine Gemeinde, die so kurz davor ist, sich zu zerfleischen.
Was ist das für eine Gemeinde? Ich glaube, es ist eine Gemeinde, wo sich die Mitglieder mehr als Konkurrenten denn als Familie verstehen. Sie ist nämlich mehr davon geprägt, dass jeder versucht, sich etwas in den Vordergrund zu drängen und zu zeigen, wie heilig, perfekt und gut er doch eigentlich ist. Gleichzeitig frisst sich aber im Hintergrund der Neid durch die Gemeinde, vielleicht darauf, dass das Leben und damit ja eigentlich sogar Gott dem anderen besser zuspielt als mir selbst. Es kann aber auch der Neid sein auf Dienste, Gaben, Fähigkeiten, Beliebtheit von anderen und Ähnliches. Und das Ganze führt dazu, dass da so eine Reiberei da ist, dass ständig versucht wird, den anderen zu übertrumpfen, besser dazustehen. Das ist es, was Galater 5,26 beschreibt.
Paulus warnt hier davor, weil Gemeinde wohl da reinrutschen kann. Es ist eine Gemeinde, wo im Zentrum ich selbst stehe, wo es im Zentrum darum geht, dass ich ein bisschen besser als der andere bin. Es ist eine Gemeinde, wo ich ganz schnell dabei bin, die Schwächen und Fehler anderer auszunutzen, um selber in einem besseren Licht dazustehen. Es ist das, wo man ganz schnell an den Pharisäer denkt, der in Lukas 18,11 beschrieben wird. Da heißt es: Der Pharisäer stellte sich selbstbewusst hin und betete: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die übrigen Menschen. Ich bin kein Räuber, kein Betrüger, kein Ehebrecher und ich bin auch nicht wie jener Zolleinnehmer dort.
Es ist eine Gemeinde oder eine Gemeinde, die davon geprägt ist, dass man stolz ist. Und es bringt eben die zwei Gruppen hervor: die einen, wo es ganz gut gelingt, die in diesem Vergleich eher so auf der Linie sind: Ein Glück, dass ich kein Ehebrecher, Betrüger, Räuber oder sonst irgendetwas bin. Die stolz werden, die sich da gut im Vordergrund spielen können. Und es bringt auch mit sich, dass andere sich nichts mehr trauen werden, weil sie, wenn sie sich mit anderen vergleichen, ständig nur noch verlieren.
Gemeinde mit dem Zentrum Ich passt eigentlich ganz gut in unsere Zeit, oder? Wo es immer ums Ich geht. Gemeinde, die zwar nach außen unheimlich fromm aussieht, aber innerlich von Stolz, Hochmut und Neid zerfressen wird. Und ich denke, dass das eine Gemeinde ist, die auf Fleisch zielt, auf sich selbst zielt.
Und jetzt haben wir den Moment, wo wir nicht mehr einfach vielleicht den Ostausgang am Nürnberger Hauptbahnhof im Blick haben können und sagen können: Ein Glück, dass ich nicht so bin wie die, die dort unterwegs sind, sondern der Blick geht hier rein, der Blick geht auf dich und mich, der Blick geht hier in den Gottesdienst rein. Und die Frage ist: Wo bist du hier und heute unterwegs? Wie prägst du die Gemeinde?
Ich habe ein paar Prüffragen: Hast du Momente, wo dir dein Herz sagt: Gut, dass ich nicht so bin wie XY, wenn du über andere in der Gemeinde nachdenkst? Kennst du Gedanken wie: Warum kann er das Leben so genießen und ich nicht? Warum geht’s dem so gut? Und vielleicht ergänzt du dabei sogar noch: Obwohl ich mich doch so sehr für Gottes Reich einsetze? Oder Gedanken wie: Warum hat Gott mich nicht so begabt wie die anderen? Ich würde auch gern so schön Klavier spielen können, predigen können oder was auch immer. Komischerweise stellt sich wahrscheinlich niemand die Frage: Ich würde auch gern so gut putzen können wie XY. Das ist meistens nicht das Thema.
 Galater 5,26 wird uns im Hintergrund ein bisschen begleiten, denn die positiven Aufforderungen, die Paulus jetzt in Kapitel 6 bringt, zeigen eine Gemeinde, die im Gegenteil unterwegs ist. Die eben nicht darauf aus ist, ständig selbst besser dazustehen. Die nicht darauf aus ist, dass Gemeinde mir dient, mir eine Plattform bietet, um mich zu profilieren, meine Bestätigung zu holen. Sondern es zeigt Leute, die Gemeinde als Dienstort sehen.
Und wir wollen ja nicht zu so einer Gemeinde hin, weil ich glaube, dass es jedem bewusst ist, dass so eine Gemeinde kaputtgehen wird. Da wird passieren, was Paulus da in Galater 5,15 schreibt, dass sie sich untereinander beißen, fressen und untereinander aufgefressen werden. Das ist vielleicht lustig von außen anzusehen, aber wenn du da drinsteckst, macht das keinen Spaß. Da will keiner von uns hin, und keiner will irgendwann am Ende seines Lebens das als Geschichte in seiner Biografie stehen haben.
So, wie können wir dann zu einer anderen Gemeinde werden, die auf Geist sät? Wir sind uns da alle einig, wir wollen woanders landen, wir wollen richtig investieren, und wir wollen von unserem Investment einen Gewinn zurückbekommen. Nicht alles, was die Bibel zu einem Leben im Geist zeigt, ist Bestandteil eben heute der Predigt, aber ein paar Dinge bringt Paulus jetzt, wie Gemeinde richtig leben kann, wie das richtige Saatgut gesät werden kann.
Und das Erste ist Galater 6,1: Brüder, wenn auch einer zu einer Sünde verleitet wird, so sollt ihr, die ihr euch vom Geist Gottes leiten lasst, ihn wieder im Geist der Sanftmut zurechthelfen. Dabei gib auf dich selbst Acht, dass du nicht auch versucht wirst.
Kurzer Einschub: Ich denke nicht, dass es hier um ein Verharren in Sünde geht, wo andere Stellen in der Bibel durchaus Gemeindezucht oder Ähnliches fordern würden. Es geht hier eher um jemanden, der sich hinreißen hat lassen, in die Sünde zu fallen, jemanden, der gegen Sünde kämpft und damit vielleicht nicht so gut klarkommt. Es könnte auch durchaus sein, dass es gar nicht immer um harte Sünden geht, sondern vielleicht auch um Charakterschwächen und Ähnliches, also Dinge, wo jemand nicht ganz dem Maßstab entspricht, aber vielleicht willens ist, sich weiterhelfen zu lassen.
Dort, wo mein Leben mich im Zentrum hat, wo Stolz und Neid mich prägen, werde ich bewusst oder unbewusst versuchen, die Fehler des Anderen auszunutzen, um selber besser dazustehen. Vielleicht spricht man es nicht direkt aus, aber denkt in seinem Herzen: Wie kann er denn nur? Vielleicht gerade bei den Themen, wo du recht fit bist.
Beispiel: Du bist das Genie schlechthin für Finanzen. Du lebst sparsam, ohne dabei geizig zu sein. Deine Investmentstrategie ist solide, und über die letzten Jahre hast du kontinuierliche Rendite erarbeitet, weit über die Inflationsrate hinaus. Und bist jetzt mit einem anderen Gemeindemitglied konfrontiert, das seine Finanzen eher nicht so im Griff hat, regelmäßig zu viel ausgibt, vor sieben Jahren in Vapiano-Aktien investiert hat, auch nicht so glücklich, und regelmäßig muss er sich Geld leihen und vergisst, es zurückzuzahlen. Was ist deine Reaktion? Ganz ehrlich, meistens denken wir uns doch im Herzen: Warum kriegt’s der nicht hin? Kann der nicht endlich mal seine fünf Euro zusammenhalten und schauen, dass das klappt? Wir schauen doch mit Hochmut auf die Runder, die das nicht so hinkriegen, und klopfen uns ein bisschen auf die Schulter: Gut, dass das bei mir selber klappt. Das ist unsere natürliche Reaktion.
Aber Paulus hat hier eine andere Reaktion im Blick. Er sagt: Wenn du so jemanden siehst, wenn du Sünde, Schwäche, Charakterschwäche bei jemandem entdeckst, dann nutze das nicht aus, damit du dich besser fühlst. Dann geh nicht her und fang an, über den anderen zu tratschen. Da will ich heute gar nicht so intensiv reingehen, aber lest mal Jakobus, der hat ein Riesenproblem mit Tratscherei. Das ist auf einer Stufe mit Ehebruch und Mord, gell, nur mal so, um das zu skizzieren. Sondern er sagt: Spring an die Seite von demjenigen und überleg, wie du ihm helfen kannst.
Er sagt hier zurechtbringen, und das Wort, das da verwendet wird, wird auch verwendet, um das Einrenken von einem Knochen zu beschreiben. Also da passt gerade etwas nicht, und es muss wieder in die richtige Position. Und Paulus sagt jetzt, das meint er mit: die ihr geistlich seid. Also wenn du derjenige bist, der in dem Bereich fit ist, der gut ist, ja, weißt du, was du dann machst? Dann nutzt du deine Begabung hier, um dem zu helfen, der nicht so gut ist. Überleg dir, wie du ihn vorwärtsbringen kannst, dass er die Sache vielleicht besser in den Griff bekommt, wie du an seiner Seite stehen kannst, ihn unterstützen kannst. Und das Ganze mit Sanftmut.
Was meint Sanftmut? Ich habe mal ChatGPT gefragt und fand die Beschreibung ganz gut: Besonnenheit und Behutsamkeit im Umgang mit anderen. Es bezieht sich auf eine Haltung der Milde und Freundlichkeit, selbst in schwierigen Situationen oder gegenüber Personen, die herausfordernd sein können. Sanftmut beinhaltet auch die Fähigkeit, Stärke und Entschlossenheit mit Nachsicht und Respekt zu kombinieren, ohne Aggressivität oder Dominanz. So, jetzt weißt du, was Sanftmut ist.
Und das Zweite, was du mitbringen sollst, ist Demut. Das steht so nicht direkt im Text, aber das meint er, wenn er sagt: Sei dir bewusst, dass du auch in Sünde fallen kannst. Pass auf, dass du nicht selber versucht wirst. Warum? Mach dir bewusst, dass es nur Gnade Gottes ist, dass du in dem Punkt in deinem Leben vielleicht nicht zu kämpfen hast.
Wisst ihr, wer mein Held ist? Er ist nicht hier, aber ein paar Geschwister wissen es: Jona, Jona Stecher. Wisst ihr warum? Das ist lange her, wenn wir früher Fußball spielen waren, ganz oft in Schwabach, dann gab es da ziemlich viele, die gut Fußball spielen konnten, und die haben genau eine Sache machen wollen, vor allem wenn da noch ein paar Mädels auf der Tribüne standen: zeigen, wie toll und wie cool sie sind und wie sie es drauf haben. Wenn du eher jemand bist, der mit seinen zwei linken Füßen morgen mal zum Schmied zum Auswuchten gehen muss, dann hast du nicht viel Freude, wenn du mit solchen Leuten zusammen Fußball spielst. Die spielen nämlich nicht ab zu dir, weil sie sich dann nicht profilieren können. Überhaupt spielen die in der Regel nicht ab.
So, warum ist Jona mein Held? Weil Jona ein Superfußballer ist. Es gibt auch noch andere, die das können, aber der sticht da für mich ein bisschen heraus. Und der hat bei solchen Spielen eine Sache gemacht: Er hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und hat versucht, dass er mit seiner Stärke die Schwäche von uns anderen ausgleicht und uns möglichst gut mit ins Spiel bringt. Ergebnis: Wir haben immer wieder mal gewonnen, obwohl wir eigentlich viel schwächer waren als die anderen Mannschaften auf dem Papier. Er hat seine Stärke nicht ausgenutzt und unsere Schwäche, um zu zeigen, wie toll er ist.
Natürlich kannst du, wenn du mit ein paar Vollpfosten am Platz stehst, zeigen, wie toll du bist. Auch wenn du gar nicht so toll bist, das geht dann ganz gut. Ich bin geeignet dafür, wenn du dich da profilieren willst. Aber das, was Jona da gemacht hat, war etwas viel Schöneres. Er hat nämlich unsere Schwäche ausgeglichen und mitgenommen.
Übrigens: Wer sich noch an das WM-Finale 2014 erinnert, deswegen ist Schweinsteiger als der Held rausgegangen und nicht Messi. Vielleicht hat Messi die größeren Fähigkeiten. Aber es reicht nicht, ein bisschen vorne im Strafraum rumzustehen und zu warten, dass man eine coole Aktion zeigen kann, sondern der wirkliche Held ist der, der sich aufopfert für die anderen und ihre Schwächen ausgleicht. So, das ist das Bild, was Paulus hier im Blick hat.
Und das ist der erste Schritt, wenn du willst, dass wir als Gemeinde auf das Richtige sehen und du feststellst, dass da jemand eine Schwäche hat, wo du eine Stärke hast. Dann geh rein, gleiche diese Schwäche aus, hilf ihm! Wenn du siehst, dass jemand Sünde hat, wo du nicht so schnell versucht wirst, hilf ihm, dass er da zurechtkommt. Es ist übrigens genau das, was Jesus gelebt hat.
Ihr erinnert euch alle an die Geschichte mit der Ehebrecherin, so bibelfest seid ihr, glaube ich, die meisten, wo die Pharisäer sie bringen: Boah, werden sie beim Ehebruch erwischt, die muss gesteinigt werden. Und Jesus stellt dann mal nur die Frage: Sieht es bei euch in eurem Leben viel besser aus? Seid ihr ohne Sünde? Alle marschieren ab, und dann sagt Jesus zu ihr: Hat dich jemand verurteilt? Sie sagt: Nein. Er: Ich verurteile dich auch nicht. Geh hin und sündige nicht mehr. Allerliebe, Sanftmut, Demut. Ich glaube, deren Leben war zehnmal mehr verändert, als wenn irgendein Pharisäer mit ihr Seelsorge getrieben hätte. Das ist der Blick, den wir haben sollen: uns gegenseitig weiterhelfen.
Zweite Weise, wie richtiges Säen aussehen kann: Vers 2: Helft euch gegenseitig, eure Lasten zu tragen. Auf diese Weise werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen. Das Wort, das hier für Lasten verwendet wird, und ich betone das, weil wir später gegen andere Lasten abgrenzen müssen, ist eins für überaus schwere Lasten, die man fast nicht alleine tragen kann. Und Paulus greift hier wahrscheinlich Galater 5,13 noch mal auf, wo er sagt: Geschwister, ihr seid zur Freiheit berufen. Doch gebraucht eure Freiheit nicht als Vorwand, um die Wünsche eurer selbstsüchtigen Natur zu befriedigen, sondern dient einander in Liebe. Denn das ganze Gesetz ist in einem einzigen Wort zusammengefasst, in dem Gebot: Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst. Und das meint er, denke ich, wenn er von Gesetz Christi spricht: Nächstenliebe, Selbstaufgabe für den anderen.
Ich finde, das ist einer der einfacheren Verse heute in unserem Text, weil ganz ehrlich, ich muss euch nicht viel dazu erklären. Es ist doch klar, was Paulus hier meint: Wir sollen uns gegenseitig helfen, unsere Lasten zu tragen. Das ist kein Text, wo ich jetzt irgendwo viele Parallelstellen bringen müsste oder Ähnliches, um zu sagen, was Paulus meint. Aber der ist richtig schwer zu leben. Warum? Weil wir bequem sind. Wir haben doch eigentlich lieber unsere Zeit, Kraft und Geld für uns investieren wollen.
Wie kannst du es umsetzen? Es ist so simpel: Sei in Kontakt mit deinen Geschwistern, bekomm mit, was bei ihnen gerade los ist, und wenn du mitbekommst, dass bei jemandem im Leben gerade schwer läuft, es reicht montags in die Online-Gebetsstunde zu gehen, kleiner Hinweis, dann spring an seine Seite. Das kann ganz praktisch sein, indem du eben Kraft, Zeit, Geld investierst. Das kann sein, dass du für die Person betest, dir da Zeit nimmst. Das kann auch simpel vielleicht sein, dass du nur da bist für die Person. Es gibt so viele Möglichkeiten. Du brauchst da meistens gar nicht so intensiv überlegen, wie du jemandem helfen kannst. In den meisten Fällen liegt es auf der Hand. Der Punkt ist doch mehr, dass es uns etwas kostet und dass wir deswegen in unserem Kopf sogar sofort einen riesigen Begründungskatalog haben, warum ich jetzt nicht helfen kann. Manchmal sprechen wir ihn dann auch aus. Wir haben eine lange Latte, warum ich das jetzt gerade nicht sein kann.
Und nein, mir geht es nicht darum, wenn du gerade mit gebrochenem Bein auf der Couch liegst, dass du dann der achtzigjährigen Witwe hilfst, ihren Ginsterbusch auszugraben. Das ist klar, dass das vielleicht gerade nicht dein Job ist. Mir geht es um die anderen Begründungen, die eher unter die Kategorie „kein Bock“ fallen und jeder weiß, dass es eine faule Ausrede ist. Lass sie sein, spring an die Seite derer, die gerade ein ordentliches Paket zu tragen haben. Und ja, das kostet etwas. Es bedeutet, Saatgut zu nehmen, es bedeutet, einen Teil deiner diesjährigen Ernte zu nehmen, die du für dich verwenden könntest, wo du dir ein gutes Brot draus backen könntest, es in die Erde zu packen und erst mal wegzugeben, nicht direkt zu wissen, was du davon ernten wirst. Das ist gemeint hier.
Wenn wir die Lasten von jemand anderem tragen sollen, heißt das: die anderen nicht einfach ignorieren, es heißt mich selbst zurücknehmen. Nicht die Gemeinde ist für mich da, sondern ich bin für sie da. Der Gedanke dahinter: Kennedy hat es in einer seiner Antrittsreden gefragt, das ist bis heute bekannt. Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst. Die Frage ist vielleicht heute auch mal wieder ganz sinnvoll, aber die können wir uns auch als Gemeinde stellen. Wir sind in einer Gesellschaft unterwegs, wo ich in Gemeinde reinkomme und meine Erwartungshaltung ist: Was bietet mir Gemeinde? Das ist doch die Frage, nach der wir Gemeinde suchen, oder wenn wir ehrlich sind. Und hier wird das Prinzip umgekehrt, die Frage zu stellen: Was kann ich tun? Was kann ich tun, um den Geschwistern, die Gott mir an die Seite gestellt hat, zu helfen, dass ihre Last, die sie fast erdrückt, leichter wird, dass ich sie irgendwie stütze und trage?
Ich will es nicht zu konkret machen, weil ich glaube, für jeden ist da etwas ganz anderes dran. Aber nimm dir heute Nachmittag da mal Zeit, darüber nachzudenken. Geh die Gemeinde mal durch, ich bin überzeugt, jedem von euch fällt irgendjemand ein, wo du mit einer kleinen Aktion reingehen und helfen kannst.
Der nächste Punkt, Vers 3-5: Denn wenn jemand von sich meint, etwas zu sein, obwohl er nichts ist, betrügt er sich selbst. Jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird er für sich allein Ruhm haben und nicht vor den anderen, denn ein jeder wird seine eigene Last tragen. Und ich lese noch mal aus der Neuen Genfer, weil das greifbar ist: Wer sich jedoch einbildet, er sei etwas Besonderes, obwohl er in Wirklichkeit nichts ist, der belügt sich selbst. Vielmehr soll jeder sein eigenes Tun überprüfen, dann kann er sich mit dem rühmen, was er selber tut, und muss sich nicht mit anderen vergleichen. Jeder hat nämlich seine ganz persönliche Last zu tragen.
Paulus beschreibt etwas, was wieder ein bisschen zurückspringt auf diesen Vers 26 in Kapitel 5. Wenn ich mich mit anderen vergleiche, kann das zu zwei Ergebnissen führen, und das eine formuliert er hier sehr deutlich. Man kommt nämlich vielleicht ganz gut weg und hält sich deswegen für eine tolle Nummer. Ich kann dich beruhigen: Wahrscheinlich bist du es nicht. Wenn du meinst, dass du viel weißt, weißt du vielleicht noch gar nichts. Paulus schreibt an die Korinther mal in 1. Korinther 8,2: Wenn sich jemand etwas auf sein Wissen einbildet, weiß er noch gar nicht, was es bedeutet, echtes Wissen zu haben.
Vielleicht hast du dir irgendjemanden gesucht, gegenüber dem du ganz gut wegkommst? Das ist nämlich, was er meint, wenn man sich untereinander vergleicht. Das kann dein Selbstwertgefühl steigern, das kann dir eine gute Position in Gemeinde beziehen. Es kann auch bedeuten, wenn dann jemand anders mal ums Eck kommt, der vielleicht ein bisschen gewiefter in der Gabe ist oder besser begabt ist, dass dein Selbstwertgefühl sinkt und du vielleicht gegen die Person sogar kämpfst, weil du so einen schlechten Stand hast. Und du wirst immer jemanden finden, egal wie tief du die Messlatte legst, der dann noch unten drunter durchläuft und gegenüber dem du dann besser aussiehst. Glaub mir, wenn du so der Typ dafür bist.
Das ist das Ergebnis für die eine Seite. Wenn du dich immer mit anderen vergleichst, kommst du vielleicht ganz gut weg, wenn du der Typ Mensch bist. Das ist so ein bisschen der unrealistische Typ Mensch, der hat nämlich noch gar nicht kapiert, dass er noch nichts weiß, wie der Korintherbrief sagt. Der zweite Typ Mensch, den beschreibt Paulus nicht so deutlich, aber ich glaube, das ist klar, ist der, der im Vergleich mit anderen ziemlich schlecht wegkommt. Vielleicht, weil Gott ihn nicht mit derselben Ressourcenmenge ausgerüstet hat, vielleicht aber auch, weil er realistischer ist, vielleicht auch, weil er ein bisschen zu pessimistisch ist. Und was passiert dort? Der hält sich für eine recht schwach begabte Nummer, was irgendwie ja auch eine Aussage Richtung Gott ist: Du hast mich nicht ausreichend begabt.
So, das ist das Ergebnis, wenn wir unseren Selbstwert und wie gut wir dastehen im Reich Gottes vom Vergleich mit anderen abhängig machen. Der Punkt ist: Darum geht es gar nicht. Es geht an keiner einzigen Stelle darum, wie gut du im Vergleich zu anderen aussiehst. Es geht einzig und allein darum, was du aus dem machst, was Gott dir gegeben hat. Es geht einzig und allein darum, was du aus dem machst, was Gott dir gegeben hat. Das, was Paulus nämlich sagt, wenn er sagt: Prüf dich selbst. Überleg: Was hat dir Gott anvertraut an Zeit, Geld und Kraft und Begabungen, und was machst du daraus? Das ist die einzige Frage, die zählt.
Du bist nicht verantwortlich für den neben dir. Ich habe keinerlei Verantwortung für das, was Imi aus seinen von Gott anvertrauten Dingen macht. Ich habe es nicht für Friedrich, ich habe es nicht mal für meine Frau, ich habe es für mich. Wie beschreibt Paulus hier, wenn er sagt, jeder hat seine eigene Last zu tragen? Und wir könnten meinen, in dem Moment vorher hat er gesagt, tragt einander die Lasten, und hier jetzt jeder seine eigene. Der Punkt ist der: Im Griechischen sind hier zwei unterschiedliche Worte. Während das eine eine unheimlich schwere Last meint, die man nicht alleine tragen kann, meint das hier eher so eine Art Rucksack. Und in dem ganzen Kontext denken recht viele Ausleger, und ich würde da mitgehen, dass hiermit eben deine Dinge gemeint sind, die Gott dir anvertraut hat: Zeit, Geld, Kraft, Begabungen und die Verantwortung, die du hast. Was machst du damit? Sie kann dir niemand abnehmen. Es ist das, wo uns das Beispiel, das Gleichnis von den Talenten, in den Sinn kommt, wo Jesus in Matthäus 25 schildert, wo einer wegzieht und seinen Knechten eine bestimmte Menge an Geld gibt, und die einen wirtschaften damit und der andere verbuddelt sie in der Erde und kommt nichts bei rum. Sie haben nicht die Verantwortung für das, was die anderen daraus gemacht haben. Es kommt auch nicht auf die Menge an, die sie bekommen haben, sondern es kommt darauf an, was sie damit tun.
Und deshalb ist die Frage an dich: Was machst du aus dem, was Gott dir gegeben hat?
Drei Geschichten, um das zu verdeutlichen:
Ein junger Mann, vielleicht begabt zum Predigen, und weil es in der Gemeinde eine große Lücke in dem Dienst gibt, würde er vielleicht schnell zum Überflieger. Ergebnis: Er ruht sich aus auf dem Erfolg und der Begabung und dem Stolz, was er kann, weil alle ja dankbar sind, dass da endlich mal jemand ist, der predigen kann. Die Realität: Eigentlich wäre viel mehr möglich, Gott hat ihn noch für viel mehr begabt. Und er nutzt nicht das aus, was Gott ihm gegeben hat, im Gegenteil, er wird stolz. Vor Gott sieht das Ergebnis anders aus, als es nach außen aussieht. Vielleicht kommt ein Vergleich zu den anderen, die bei ihm damit unterwegs sind, ganz gut weg, aber nicht vor Gott. Was wäre richtig? Vor Gott die Frage zu stellen: Wo setze ich das noch ein, wo kann ich da besser werden, wo stärker werden, was willst du? Da weiterzugehen und sich nicht mit anderen zu vergleichen.
Story zwei, das Gegenteil: Eine junge Frau ist in der Gemeinde begabt, Gitarre zu spielen, aber nicht so wie David, der Gitarrenprimus der Gemeinde. Und weil sie eben nicht so gut ist wie er, will sie nicht groß spielen. Aus ihrer Sicht genügt sie nicht dem Maßstab, der gesetzt ist in der Gemeinde. Ergebnis: Sie zieht sich zurück, vernachlässigt vielleicht das Üben, das Einsetzen. Was ist aber die Realität? David kann gar nicht immer Gitarre spielen. Der hält das gar nicht durch, wie soll er das denn schaffen? Irgendwann brennt er wegen Überlastung aus und ist komplett weg. Es sind genügend Lücken da, wo der Dienst, die Begabung des Anderen wichtig ist. Und es zählt nicht, dass man so gut ist wie der, der da vielleicht die stärkere Begabung bekommen hat. Es zählt, was du aus dem machst, wo Gott dich hingestellt hat.
Und noch eine dritte Sache, die uns etwas verdeutlicht: Ein junger Mann ist vielleicht super begabt für Seelsorge, kann gut zuhören und auch mit Weisheit Gottes Wort ins Leben hineinsprechen. Aber weil in der Gemeinde vor allem Predigen zählt und der Dienst es versucht, er krampfhaft in den Dienst hineinzukommen, und es kostet ihn und die Gemeinde ziemlich viele Tränen und Schmerzen, weil jeder merkt: Nee, das ist es nicht. Du kannst auf eine falsche Karte setzen, weil du denkst, das wäre die super Nummer, aber Gott hat dich da nicht vorgesehen. Deswegen: Nicht, was im Vergleich der anderen da ist, zählt, sondern wo Gott dich reingestellt hat, zählt, was du daraus machst, was du in der Verantwortung von ihm lebst.
So, das Letzte: Galater 6,6: Wer im Wort unterwiesen wird, gebe dem, der ihn unterweist, Anteil an allen Gütern. Ich habe vorhin zum Markus im Spaß gesagt, das soll er jetzt bitte predigen, und ich komme da mal nach Schwabach, und dann drehen wir das rum, weil das ist so ein Vers, da kannst du eigentlich nicht richtig drüber predigen. Der wirkt auch ein bisschen als Fremdkörper, und es ist immer blöd für den, der es macht.
Ein paar Anmerkungen: Er ist direkt gekoppelt mit dem Saat-und-Ernte-Prinzip, was in Vers 7 genannt wird. Und es geht um ein Prinzip, das auch an ziemlich vielen anderen Stellen in der Bibel auftaucht, nämlich Versorgung für diejenigen, die Gottes Wort verkünden, damit sie genug Zeit dafür haben. Wer da Stellen braucht: 1. Korinther 9,14, Lukas 10,7, 1. Timotheus 5,18, Matthäus 10,10 und so weiter. Und es ist völlig klar, dass das in der Praxis unterschiedlich aussehen kann mit unterschiedlicher praktischer Unterstützung, Abnahme von anderen Aufgaben, aber in aller Regel ist mit den Stellen eine finanzielle Unterstützung gemeint, was da tatsächlich dasteht. Und so wie der Lehrer die Verpflichtung hat, aus den vorhergehenden Versen kommend die geistlichen Güter, die Gott ihm gegeben hat, mit den Schülern zu teilen, so hat der die Verpflichtung, seine finanziellen Güter, die er von Gott bekommen hat, mit den Lehrern zu teilen. Zitat von Timothy Keller, das trifft das ganz gut.
Es ist nicht die Zeit, das Thema vollumfänglich zu behandeln, das will ich nicht. Spannend ist aber, dass es eben direkt vor dem Saat-und-Ernte-Prinzip steht. Ich habe die tiefe Überzeugung, dass ein Missachten dieses Verses einem letztendlich Ernte und Segen vorenthält, als Gemeinde, aber auch als Einzelner. Die Frage ist: Welche Priorität hat das als Gemeinde?
Nur ein Gedanke dazu: Wir lesen in der Bibel nirgends eine Aufforderung, dass wir großartig Geld in Gebäude investieren sollen. Ja, klar, es ist irgendwo notwendig, dass man ein Dach über dem Kopf hat, aber die Zeit des Tempels ist vorbei. Aber es gibt ziemlich viele Aufforderungen, dass wir in gute Lehre investieren sollen. Für dich persönlich, vielleicht sogar abseits von Gemeinde, da darfst du gerne nachdenken, weil sich das sehr verbreitet hat. Wenn du online gute Vorträge konsumierst, unterstützt du die Leute, von denen du dort profitierst? Ziehst du dir jede Woche Podcasts rein oder gute Predigten und hast noch nie an diejenigen gespendet, die dir da ihre Zeit, Kraft und Geld investieren? Zweite Frage: Wenn du auf christlichen Konferenzen, Vorträgen oder Ähnlichem unterwegs bist, unterstützt du diese Arbeit? Dürfen diese Dinge vielleicht sogar etwas kosten, oder ist es deine Erwartung, dass alles im Reich Gottes kostenlos sein muss?
Um eins vorwegzunehmen: Es geht hier nicht um Evangelisation, sondern es geht hier darum, wo Leute, die gläubig sind, gelehrt werden. Und es geht nicht darum, dass die Dinge auch missbraucht werden können, völlig klar. Es geht aber darum, dass Gott hier ein Prinzip aufzieht, wo wir uns selbst vielleicht berauben können, nämlich im Prinzip von Saat und Ernte. Und ich möchte dir Mut machen, darüber nachzudenken, ob du vielleicht eine traditionelle Einstellung in dem Punkt abschütteln musst und ein Investment tätigen musst, um zu profitieren und zu ernten. Das ist die Frage hier, mehr nicht von meiner Seite dazu.
Wenn wir diese ganzen Dinge anschauen, dann ist eines völlig klar: Dass dieses Sünder zurechtbringen, hingeben für andere, meine Ressourcen in andere investieren, nur das Hinterhergehen von jemand anderem ist, der das längst für dein Leben getan hat. Wir folgen dem nach, dass ein ganzes Leben davon geprägt war, dass ein ganzes Leben Sanftmut und Demut war, der jedem kaputten Leben mit völliger Liebe begegnet ist und alles investiert hat, um dieses Leben zurechtzubringen, in Ordnung zu bringen, der alles investiert hat, um dich und mich zum Leben zurückzubringen, der alles aufgegeben hat für dich und mich und der dich ausgerüstet hat, der dir Dinge anvertraut hat in deinem Leben, dass du sie wieder investierst.
Wie kann das aussehen? Vers 10: Lasst uns also allen Gutes tun, wie wir noch Gelegenheit dazu haben, besonders den Hausgenossen des Glaubens. Ja, wir haben eine Verantwortung, allen Gutes zu tun. Aber Paulus schränkt es auf zwei Dinge ein, wo wir Gelegenheit dazu haben, und zuallererst bei denen um dich herum, bei deiner Gemeinde. Du kannst nicht die ganze Welt retten. Du kannst nicht allen Menschen alle ihre Lasten tragen, aber du kannst hier bei den Leuten um dich herum damit anfangen. Du kannst in deinem direkten Umfeld beginnen, dass du Menschen vorwärtsbringst, dass du ihre Lasten trägst, dass du in sie investierst und dort Veränderung bewirkst.
Lass es uns konkret machen: Worin kannst du deine Ressourcen säen, um Ernte zu empfangen? Ich glaube, das Erste ist, dass du über deine Einstellung nachdenkst, dass du nicht mehr im Vergleich der anderen prüfst, wo du bist, sondern dass du in der Verantwortung von Gott klärst, was du zur Verfügung hast und wie du es einsetzen willst.
Und wenn du richtig investieren willst, dann habe ich ein paar Dinge dabei: Wo ärgerst du dich aktuell über jemanden, weil er sein Leben hier scheinbar nicht im Griff hat? Wer hat dich die letzten Wochen so richtig in deinem Kopf beschäftigt, und über wen regst du dich auf? Überleg dir, wie du ihm in aller Sanftmut und Demut, kannst noch mal nachhören, was das bedeutet, helfen kannst, und geh konkret auf ihn zu. Ja, nicht jeder wird es bei jedem tun können, aber so ganz grundsätzlich mal: Wer regt dich auf, weil er so ganz anders ist als du, und wie kannst du ihm vielleicht weiterhelfen? Nimm dir heute Nachmittag Zeit, darüber nachzudenken, wer in der Gemeinde gerade ein ordentliches Paket zu tragen hat, und wie kannst du ihm helfen, dies zu tragen. Sei kreativ! Was für ein Opfer kannst du bringen, das dem anderen in seiner Situation gerade echt hilft? Vielleicht ist auch nur eine kurze Nachricht, was schon total ermutigt, vielleicht ist es aber auch wirklich tätig werden. Ich bin mir sicher, jedem von euch fällt etwas ein.
Und das Letzte: Wo profitierst du und solltest deshalb unterstützen? Wer sind Leute, von denen du profitierst, und wie kannst du ihnen weiterhelfen? Denk drüber nach.
Einen Vers habe ich ausgelassen, Galater 6,9: Lasst uns aber nicht müde werden, das Gute zu tun, denn zur rechten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht schwach werden. Wenn du schon lange dabei bist und diese Dinge versuchst zu leben, dann ist das Risiko groß, dass du müde wirst im guten Tun, im Investieren. Vielleicht bist du kurz davor, aufzugeben.
Das Erste, was ich dir sagen will: Es ist normal, diese Phasen kommen. Paulus beschreibt sie hier, dass wir müde werden. Es kostet etwas zu säen. Es ist ein Aufgeben von Ressourcen, die du in dem Moment nicht mehr für dich selbst nutzen kannst. Aber das Zweite, was ich dir sagen will: Bleib dran, die Ernte kommt. Das kostet auch dem Landwirt, der letzte Woche gesät hat, viel Geduld, bis er den Profit dafür einfahren wird. Wir haben eine lange Wartezeit vor uns, und es passt nicht so ganz in unsere Zeit, denn wir wollen einen schnellen Return on Investment, wir wollen schnell den Gewinn haben. Aber der Bauer kann sich sicher sein, dass der Samen nächstes Jahr Ernte bringen wird, und so können wir sicher sein, das beschreibt Paulus hier, dass wir eines Tages ernten werden. Es kommt der Moment, wo wir die Ernte dafür einfahren, wenn wir hier in die richtigen Dinge investiert haben, und dafür lohnt es sich.
Ich habe mal nachgeschaut: Ein Weizenkorn, ein einzelnes Korn, bringt durchschnittlich 20 bis 50 Weizenkörner hervor. Das heißt, ein durchschnittlicher Gewinn von 20 bis 50 jedes Jahr. Boah, das ist eine gute Sache. Selbst in Zeiten von Missernte hast du da wahrscheinlich noch zehn Prozent oder so stehen, da wärst du bei deinem Aktiendepot schon ganz zufrieden, wenn das klappen würde. Hey, dieses Investment lohnt sich, und ich glaube, dass wir noch viel mehr ernten werden, vielleicht hundertfältig. Investier, investier in das Richtige, säe aus, streu deine Ressourcen, was dir Gott gegeben hat, in der Hoffnung und in der Sicherheit von einer großen Ernte. Amen.