Zum Inhalt

Man erntet, was man sät | Galater

Deine Investition bestimmt deinen Ertrag
27.10.2024Galater 5,26-6,10
Jeder Landwirt kennt das Prinzip: Wer Weizen sat erntet Weizen und keine Tomaten. Hast du dir schon einmal überlegt, dass dieses Prinzip auch in deinem Leben gilt? In unserer nächsten Predigt werden wir gemeinsam mit Paulus in Galater 5,26-6,10 erkunden, wie die Wahl unseres Saatguts unser Leben beeinflusst. Lass dich anleiten, wie du die richtigen Entscheidungen triffst, um am Ende das zu ernten, was wirklich zählt.

Gemeindegesang als Ausdruck des Glaubens und der Gemeinschaft

Ein neuer Tag beginnt. Bevor wir unseren Herrn mit diesem ersten Lied loben, möchte ich euch kurz einen Vers vorlesen: Kolosser 3,16.

Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade.

Ihr seht, hier vorne sind heute keine Sänger. Das werden wir in den nächsten Gottesdiensten ausprobieren. Nicht, weil die Sänger einen schlechten Job machen – ganz im Gegenteil – sondern weil es um uns als gesamte Gemeinde geht, beim Gemeindegesang.

Mein Wunsch ist, dass wir als Gemeinde diesen Auftakt, den Gott uns hier gibt, mit ganzem Herzen erfüllen. Dabei sollen wir in erster Linie auf ihn achten und auch aufeinander.

Wir sollen einander lehren und ermahnen mit geistlichen Liedern. Deshalb möchte ich euch ermutigen: Achtet auf euren Nebenmann, eure Nebenfrau. Wie singen sie? Mit welcher Inbrunst? Spornt euch gegenseitig an, lehrt und ermahnt einander mit diesen Liedern, ermutigt einander.

Lasst uns jetzt aufstehen und das erste Lied zusammen singen. Ein neuer Tag beginnt.

Begrüßung und Ablauf des Gottesdienstes

Einen wunderschönen guten Morgen an diesem neuen Tag, der beginnen durfte. Schön, dass ihr alle da seid und die Gemeinde so voll ist.

Heute haben wir viele Gäste, nämlich die Familie von Matthias und Deborah. Ich freue mich sehr, dass ihr hier seid.

Kurz zum Ablauf: Im ersten Teil werden wir die Predigt von Sebastian hören. Parallel dazu findet die Kinderstunde statt. Die Kinder üben, wenn ich richtig informiert bin, noch etwas für Weihnachten ein.

Im zweiten Teil werden wir dann zur Anbetung kommen, Gott loben und ihm danken. Außerdem gibt es noch etwas ganz Besonderes, aber das möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten.

Davids schwierige Zeit und seine Zuversicht auf Gott

David ist ein Teenager, als er zum König von Israel gesalbt wird. Dennoch muss er noch eine ganze Zeit warten, bis er tatsächlich als König eingesetzt wird, denn zu dieser Zeit regiert noch ein anderer König.

In dieser Zeit ist David oft auf der Flucht, und zwar vor König Saul. David klagt Gott sein Leid. Einerseits drückt er seine Klage aus, andererseits zeigt sich seine Hoffnung, denn David vertraut darauf, dass er einen wunderbaren Gott, Helfer und Heiland hat, der ihn durch schwierige Zeiten trägt. Er weiß, dass Gott treu ist.

Das Tragische an der Situation ist, dass Saul nicht nur Davids König ist, sondern sogar sein Schwiegervater. Es kommt so weit, dass Saul anordnet, Soldaten vor Davids Haus Wache halten zu lassen. Niemand darf hinein- oder herausgehen, und am nächsten Morgen soll David getötet werden.

Diese Ereignisse können wir in 1. Samuel 19 nachlesen. Die Geschichte geht so weiter, dass Michal, Davids Frau und Sauls Tochter, ihn beschützt und ihm zur Flucht verhilft.

Psalm 59: Davids Gebet in der Bedrängnis

Wir lesen in einem Psalm ein Gedicht von David über das, was er erfahren hat. Dieses möchte ich zu Beginn des Gottesdienstes ganz kurz mit uns lesen. Es steht im Psalm 59.

David schreibt dieses Gedicht, als Saul sein Haus umstellen ließ, um ihn zu töten. Er bittet: „Entreiss mich meinen Feinden, mein Gott! Schütze mich vor meinen Gegnern, befreie mich von diesen Verbrechern, rette mich, sie wollen mein Blut.“

Ab Vers 5 heißt es weiter: „Obwohl ich schuldlos bin, stürmen sie vor und stellen sich auf. Wach auf, komm mir entgegen und sieh, was geschieht! Jahwe, du allmächtiger Gott, Israels Gott, werde wach und rechne mit den Völkern ab. Hab kein Erbarmen mit diesen Verbrechern!“

Ab Vers 15 schreibt David: „Jeden Abend kommen sie zurück, heulen wie Hunde, umkreisen die Stadt. Sie streunen umher, gierig nach Fressen. Werden sie nicht satt, dann knurren sie.“

In Vers 17 heißt es schließlich: „Doch ich will singen von deiner Macht, frühmorgens deine Güte rühmen. Denn du bist eine Burg für mich, eine Zuflucht in Zeiten der Not. Dir, meiner Stärke, spiele ich ein Lied. Ja, Gott ist meine sichere Burg, ein Gott, der mir Gnade gewährt.“

David zeigt Zuversicht in dieser schwierigen Zeit auf seinen Gott. Dieser Gott gilt auch heute uns, dir und mir. Er trägt uns durch schwierige Zeiten. Wenn es uns gut geht, ist Gott bei uns.

Wir haben einen Gott, der uns an der Hand nimmt, der uns führt, an seiner Hand. Er trägt uns durch gute und durch schlechte Zeiten hindurch. In allen Situationen unseres Lebens dürfen wir uns auf diesen Gott verlassen.

Gemeinsames Lied und Gebet zum Beginn

Lasst uns gemeinsam aufstehen und das Lied singen: Dank für Gottes starke Hand! Sie steht über uns und über alle Welt. Gottes Segen widersteht allem, was gegen uns ist. Gottes Segen tritt in uns ein. Dankt für seine Hilfe in der Welt.

Ihr könnt gleich stehen bleiben, wir beten noch gemeinsam.

Herr himmlischer Vater, ich danke dir für diesen neuen Tag, den wir erleben dürfen. Danke, dass du bei uns bist, dass du damals schon bei David warst, ihn an deine Hand genommen, geführt und bewahrt hast. Danke, dass du derselbe Gott bist, auch heute, der uns an die Hand nimmt, uns führt, bewahrt und durch unser Leben trägt.

Danke, dass wir dich als großen, wunderbaren und starken Gott haben. Danke für diesen neuen Tag, den wir gemeinsam erleben dürfen.

Wenn wir jetzt dein Wort hören, möchte ich dich bitten, unsere Herzen weit zu öffnen, damit wir aufmerksam auf das hören, was du uns sagen möchtest. Ich bitte dich auch für die Kinderstunde, dass du die Herzen der Kinder mit deinem Wort erreichst. Segne alle Mitarbeiter, die heute dir dienen, und segne diesen Gottesdienst.

Ich danke dir dafür. Amen.

Jetzt dürft ihr euch setzen. Wir singen noch gemeinsam mit den Kindern ein Kinderlied. Danach gehen die Kinder in die Kinderstunde, und Sebastian, du darfst dann nach vorne. Jetzt die Kinder.

Einführung in den Galaterbrief und das Prinzip von Saat und Ernte

Jetzt war ich selbst gespannt, was da kommt. Karina gibt sich gerade echt Mühe und macht das Ganze ein bisschen episch, bevor es losgeht. Schön, dass ihr heute alle da seid. Ich freue mich, mit euch im Galaterbrief weiterzumachen.

Aber ich muss euch erst etwas erzählen. Die Woche war bei uns im Dorf ziemlich viel los. Draußen waren die ganzen Bauern unterwegs, und sie haben eigentlich etwas gemacht, das, wenn man es von außen betrachtet, ziemlich bescheuert wirkt.

Sie sind hergegangen und haben von ihrer Ernte, von dem Getreide, das sie haben, einiges genommen und mit einem riesigen Aufwand einfach in die Erde gepackt. Man könnte fast meinen, sie hätten es weggeschmissen. Anstatt das Getreide zu verkaufen oder es zu mahlen, um sich daraus Brot zu machen, haben sie es einfach in die Erde gesteckt.

Die Bauern waren alle wie verrückt unterwegs, wahrscheinlich weil das Wetter trocken war, um das Getreide da hinzubringen. Warum tun sie so etwas? Natürlich weiß jeder von euch Bescheid: Man nennt das Ganze Säen.

Im ersten Moment könnte man meinen, sie könnten etwas Besseres damit anfangen, als es einfach in die Erde zu stecken. Und in den nächsten Tagen passiert auch nicht viel, wenn man hinschaut. Aber die Bauern tun das, weil sie eine Hoffnung haben: nämlich nächstes Jahr im Sommer einen ziemlich hohen Ertrag von jedem einzelnen Korn zu bekommen, das sie in die Erde gesteckt haben.

Sie wissen vielleicht, dass es ihnen jemand erzählt hat oder sie haben es schon ein paar Mal in ihrem Leben erlebt, dass das Ganze Frucht bringt – und zwar nicht zu wenig. Beim Säen ist es ziemlich entscheidend, dass man das Richtige sät. Wenn der Bauer Weizen sät, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit nächstes Jahr Weizen ernten und keine Tomaten.

Wenn nicht, sollte er mit seinem Saatgutvertreter ins Gespräch gehen, dann hat etwas nicht gepasst. Wenn du vor zwei Jahren keine Nvidia-Aktien gekauft hast, hast du auch nicht von dem ganzen Profit profitiert, den Nvidia in den letzten Jahren gemacht hat. Es ist sehr simpel: Nur da, wo du investierst, wirst du auch etwas ernten.

Das Prinzip ist in der Landwirtschaft völlig klar, das ist jedem Hobbygärtner bekannt. Nur wenn er Zucchini sät oder pflanzt, wird er Zucchini ernten. Wenn er nur Rüben pflanzt, wird er keine Zucchini bekommen.

Aber ist dir bewusst, dass dieses Prinzip auch für dein ganzes Leben gilt? Das, was du säst, worin du investierst, das wirst du ernten. Dort, wo du deine Ressourcen, die du zur Verfügung hast, einsetzt – und wenn ich heute von Ressourcen rede, meine ich immer Zeit, Kraft und Geld – darauf kannst du es zusammenfassen: Dort, wo du sie investierst, wirst du auch die Ernte einfahren. Darauf, wo du sie einsetzt, wird dein Leben geprägt sein.

Galater 5,26 bis 6,10: Aufruf zu gegenseitiger Ermutigung und Verantwortung

Und dieses Prinzip, „Von dem, was ich sehe, das werde ich ernten“, darauf bezieht sich Paulus auch im Galaterbrief. Wir wollen einen Abschnitt im Galater 5 ab Vers 26 anschauen. Das ist der letzte Vers in Kapitel 5 und zugleich ein Übergangsvers zwischen Kapitel 5 und Kapitel 6. Diesen Vers nehmen wir heute noch mit hinein bis Kapitel 6, Vers 10.

Ihr dürft die Bibel aufschlagen. Heute gibt es keine schönen, KI-generierten Bilder, aber wir sind trotzdem multimedial unterwegs. Ihr könnt die Bibel vor euch offen haben, mitlesen und mitarbeiten.

 Galater 5,26: Lasst uns nicht prahlen oder anders formuliert: keine Angeber sein. Uns gegenseitig nicht herausfordern und nicht beneiden.

Brüder, wenn auch einer zu einer Sünde verleitet wird, so sollt ihr, die ihr euch vom Geist Gottes leiten lasst, ihn im Geist der Sanftmut zurechtrücken. Dabei gib auf dich selbst Acht, dass du nicht auch versucht wirst.

Helft euch gegenseitig, eure Lasten zu tragen. Auf diese Weise werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Denn wenn jemand von sich meint, etwas zu sein, obwohl er nichts ist, betrügt er sich selbst. Jeder aber prüfe sein eigenes Werk, dann wird er für sich allein Ruhm haben und nicht vor den anderen. Denn jeder wird seine eigene Last tragen.

Wer unterwiesen wird, gebe dem, der ihn unterweist, Anteil an allen seinen Gütern.

Täuscht euch nicht: Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Wer auf das Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten. Wer aber auf den Geist sät, wird durch den Geist ewiges Leben ernten.

Lasst uns aber nicht müde werden, das Gute zu tun. Denn zur rechten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht schwach werden.

Lasst uns also jedem Gutes tun, so viel wir Gelegenheit dazu haben, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens.

So viel bis hierher.

Kontext und Hintergrund des Galaterbriefes

Und jetzt weiß ich, dass ein großer Teil nicht vollständig im Kontext des Galaterbriefes steht. Deshalb ein ganz kurzer Abriss.

Worum geht es im Galaterbrief? Paulus warnt dort eine Gemeinde mit allem, was er zur Verfügung hat, vor falschen Lehrern. Diese Lehrer führen die Galater nicht etwa in einen Liberalismus, sondern sie meinen, die Galater müssten das Gesetz weiterhin halten. Das zeigt sich vor allem an der Forderung nach der Beschneidung. Sie wollen, dass die Galater jüdisch leben, um gerettet zu werden.

Paulus betont und führt über mehrere Kapitel aus, dass Rettung allein durch das Vertrauen in das Werk Jesu – sein Sterben und Auferstehen – kommen kann. Gesetzestreue kann unter Umständen sogar in eine neue Abhängigkeit von eigener Leistung führen. Menschen, die das Gesetz tunlichst genau halten, können innerlich weit von Jesus und Gott entfernt sein.

Der Zweck des Gesetzes war nie, zu retten, sondern zu zeigen, dass man den Bedarf eines Erlösers hat. Dieser Erlöser wird in Jesus Christus Mensch und macht jeden, der sein Vertrauen auf ihn setzt, zu einem Kind Gottes.

Aufbauend auf diesen Rettungsplan Gottes ruft Paulus im Kapitel fünf dazu auf, nun in diesem neuen Leben zu leben. Sich vom Geist Gottes leiten zu lassen bedeutet nichts anderes, als Gottes Willen über sein Leben regieren zu lassen. Im Gegensatz dazu steht das Leben im Fleisch, das heißt, immer den eigenen Kopf durchzusetzen und nur das zu tun, worauf man Lust hat.

Das ist der Kontext, in dem er hier schreibt.

Erinnerung an die Früchte des Geistes und des Fleisches

In der letzten Predigt, an die ihr euch vielleicht erinnert, haben wir sehr intensiv darüber gesprochen, was die Früchte des Fleisches und die Früchte des Geistes sind. Wer das genauer wissen möchte, kann die Predigten gern noch einmal nachhören.

Das ist der Kontext, in dem Paulus in Galater 5,16 sagt: „Ich sage aber, lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen.“ Oder anders ausgedrückt, in der Neuen Genfer Übersetzung:

Dann verstehen wir das heute vielleicht besser. Was will ich damit sagen? Lasst den Geist Gottes euer Verhalten bestimmen, dann werdet ihr nicht mehr den Begierden eurer eigenen Natur nachgeben.

Paulus baut also einen Kontrast auf: Leben, wie ich Lust habe, was kaputt macht, oder leben, wie Gott es sich gedacht hat, was am Ende Segen bringen wird.

Und genau das ist auch das Kernprinzip unseres heutigen Textes.

Das Prinzip von Saat und Ernte als Lebensgrundlage

Ich probiere heute etwas, das ich normalerweise eher nicht mache: Ich zäume das Pferd ein bisschen von hinten auf. Ob das eine gute Idee ist, weiß ich noch nicht, das sehen wir danach. Beim Pferd ist das in der Regel nicht sinnvoll, aber vielleicht klappt es hier für die Predigt. Paulus bringt dieses Prinzip in den Versen sieben und acht von Galater 6, wo er sagt:

„Täuscht euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten; denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten. Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten, wer aber auf den Geist sät, wird durch den Geist ewiges Leben ernten.“

Hier vielleicht ein ganz kurzer Einschub, bei dem ich nicht viel Zeit verwenden möchte: Paulus spricht von „ewigem Leben ernten“, und das könnte die Frage aufwerfen, ob man durch Werke gerettet wird, indem man eben die richtigen Dinge tut. Ich glaube, das ist nicht der Fall, denn der ganze Kontext des Galaterbriefes schließt das aus und macht es unwahrscheinlich. Paulus hat mehrere Kapitel zuvor argumentiert, dass genau das nicht passiert.

Ich bin deshalb sehr überzeugt, dass er hier nicht plötzlich auf die Rechtfertigung durch Werke abzielt. Vielmehr denke ich, dass er das Preisgericht im Blick hat, das im 2. Korinther 5 beschrieben wird. Dort heißt es in Vers 10:

„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat, sei es gut oder böse.“

Für die Gemeinde – wir hatten ja die Bibeltage über den 2. Korintherbrief, und Jürgen hat dort auch ausgeführt, dass es für jeden von uns diesen Moment geben wird, an dem abgerechnet wird. Es wird sichtbar, wo du in deinem Leben investiert hast, und wir bekommen von Gott unseren Lohn. Ich denke, genau das hat Paulus hier im Blick, wenn er die Frage stellt: Worauf sehen wir?

Er spricht zu einer Gemeinde von Gläubigen, den Galatern, und will sie dazu aufrufen, ihr Leben richtig zu investieren. Er beginnt mit einer klaren, harten Aussage in Vers 7: „Täuscht euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten.“

Ich glaube, dass bei den Galatern Leute unterwegs waren, die dachten: „Ich bin ja gerettet, Hauptsache gerettet, wie ich jetzt lebe, interessiert doch niemanden mehr.“ Paulus gibt ihnen eine deutliche Warnung. Und falls jemand denselben Gedanken hat – Hauptsache gerettet, egal wie ich lebe –, dann gilt diese Warnung auch für ihn.

Paulus fragt die Galater: Glaubt ihr wirklich, dass Gott sich mit sich spotten lässt? Ich formuliere das jetzt mal in unserer Sprache, entschuldigt bitte die Deftigkeit: Glaubst du wirklich, wenn du einfach weiterlebst, wie du Lust hast, dass Gott sich verarschen lässt? Genau das meint Paulus hier. Glaubst du, er lässt sich an der Nase herumführen? Glaubst du wirklich, dass es keine Auswirkung hat, wie du dein Leben lebst und worin du investierst?

Glaubst du, du könntest Gott am Nasenring durch die Manege führen oder Ähnliches? Das Prinzip, das für das ganze Leben gilt, das für die Landwirtschaft gilt, gilt auch für dich: Das, worin du investierst, wo du säst, wo du deine Ressourcen einsetzt, wird Auswirkungen haben. Es wird bestimmen, was du erntest. Dieses Prinzip ist zentral.

Die zwei Lebenswege: Leben im Fleisch oder Leben im Geist

Paulus stellt nun zwei Möglichkeiten gegenüber. Im Vers 8 sind diese Optionen für die Galater damals formuliert, doch sie gelten genauso für dein Leben heute. Sie stehen als Grundsatzfrage über deinem Leben und begegnen dir jeden Morgen, wenn du aufstehst. Es ist eine Entscheidung darüber, worin du deinen Tag investierst.

Es gibt zwei Wege: Entweder du stellst dich selbst ins Zentrum deines Lebens. Paulus meint damit ein Leben für das Fleisch, ein Leben, das sich auf das Fleisch ausrichtet. Du lebst dann nach dem, worauf du Spaß hast, worauf du Lust hast, worauf du Bock hast.

Oder du lebst ein Leben in Hingabe an Gott. Das bedeutet, eine bewusste Entscheidung zu treffen und zu sagen: Herr, ich will, dass du Herr über mein Leben bist. Ich möchte, dass du bestimmst, wie ich mein Leben lebe, wohin es geht und wie es verläuft.

Paulus formuliert es so: Das erste Leben wird Verderben hervorbringen und unter Umständen in einem kaputten Leben enden. Das andere Leben führt zum ewigen Leben. Die Wahl ist also ziemlich klar, oder?

Wenn wir das so vor Augen haben, ist die richtige Entscheidung eigentlich simpel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand diese Verse liest und denkt: „Oh cool, lass uns dem Fleisch folgen und richtig reinbuttern, sodass am Ende Verderben herauskommt und mein Leben kaputtgeht.“ Niemand wird später zurückblicken und sagen: „Boah, das habe ich so richtig gegen die Wand gefahren.“

Jeder wird doch sagen: „Ja klar, ich will in etwas investieren, das gute Frucht bringt, etwas Sinnvolles.“ Ich möchte am Ende meines Lebens zurückblicken und sagen können: Es hat sich gelohnt. Ich habe meine Ressourcen richtig eingesetzt, ich habe gesät und warte nun auf eine reiche Ernte.

Konkrete Beispiele für das Säen auf Fleisch und auf Geist

Die Frage ist nur: Wie sieht so ein Sehen auf Fleisch aus, und wie sieht ein Sehen auf Geist aus? Wie kann das konkreter werden? Das wollen wir uns anschauen, denn Paulus beschreibt genau das in den Versen vorher.

Das, was die Leute dort tun und wozu Paulus sie auffordert, ist ein Sehen. Das Erste im Vers 26 ist ein Sehen, wie wir es nämlich nicht tun sollen. Er stellt das Ganze in den Kontext der Gemeinde und spricht von Fleisch sehen und Geist sehen. Dabei gibt es noch viele weitere Bereiche. Diese werden wir heute nicht betrachten, sondern uns auf die Bereiche konzentrieren, die Paulus an dieser Stelle beschreibt. Ich glaube, sie bringen etwas Wichtiges mit sich und enthalten Dinge, die uns nicht sofort auffallen, über die wir aber nachdenken dürfen.

Wenn wir davon reden, auf Fleisch zu sehen und Verderben zu ernten, denken wir vielleicht an Personen wie Elvis Presley, Amy Winehouse und Ähnliche. Menschen, die ihr Leben auf Sex, Drugs und Rock'n'Roll aufgebaut haben und sehr früh auf tragische Weise ums Leben kamen. Ja, auch das ist ein Sehen auf Fleisch. Doch das passt nicht in den Kontext des Galaterbriefs.

Wir sind nämlich nicht in Korinth unterwegs und auch nicht auf dem Weg zur nächsten Tempelparty. Nein, wir befinden uns im gutbürgerlichen Gemeindeleben der Galater. Das ist eine Gemeinde, die nach außen hin recht fromm wirkte und toll aussah. Dennoch stand sie möglicherweise in der Gefahr, vom Fleisch geprägt zu sein, also auf Fleisch zu sehen.

Die Gefahr von Stolz, Neid und Konkurrenz in der Gemeinde

Und wie wirkt sich das aus? Wir können das in Vers 26 ein wenig erkennen, denn Paulus beschreibt dort etwas, was die Galater nicht tun sollen. Offenbar bestand diese Gefahr. Er sagt nämlich: Lasst uns nicht voreinander angeben, uns nicht gegenseitig herausfordern und nicht beneiden.

Wer den Vers liest und die letzte Predigt über die Galater im Blick hat, erinnert sich vielleicht an Galater 5,15 oder schlägt diese Stelle nach. Ich lese sie aus der schönen Lutherbibel vor, weil Luther es einfach in so plastischen Worten fasst: „Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom anderen aufgefressen werdet.“ Das ist Luther.

Das klingt doch nach einer tollen Gemeinde, oder? Da hat man richtig Lust drauf – eine Gemeinde, die kurz davor ist, sich zu zerfleischen. Was ist das für eine Gemeinde? Ich glaube, es ist eine Gemeinde, in der sich die Mitglieder mehr als Konkurrenten denn als Familie verstehen.

Sie ist geprägt davon, dass jeder versucht, sich in den Vordergrund zu drängen und zu zeigen, wie heilig, perfekt und gut er doch eigentlich ist. Gleichzeitig nagt im Hintergrund der Neid an der Gemeinde – vielleicht darauf, dass das Leben und damit eigentlich sogar Gott dem anderen besser zuspielt als mir selbst.

Es kann aber auch Neid auf Dienste, Gaben, Fähigkeiten, Beliebtheit von anderen oder Ähnliches sein. Das Ganze führt dazu, dass es ständig Reibereien gibt, weil immer versucht wird, den anderen zu übertrumpfen und besser dazustehen. Genau das beschreibt Galater 5,26.

Paulus warnt hier davor, weil die Gemeinde leicht in diese Falle geraten kann. Es ist eine Gemeinde, in deren Zentrum das „Ich“ steht. Es geht darum, ein bisschen besser als die anderen zu sein. Es ist eine Gemeinde, in der man schnell dabei ist, die Schwächen und Fehler anderer auszunutzen, um selbst in einem besseren Licht zu erscheinen.

Man denkt dabei schnell an den Pharisäer, der in Lukas 18,11 beschrieben wird. Dort heißt es: Der Pharisäer stellte sich selbstbewusst hin und betete: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen. Ich bin kein Räuber, kein Betrüger, kein Ehebrecher, und ich bin auch nicht wie jener Zolleinnehmer dort.“

Es sind Gemeinden oder eine Gemeinde, die von Stolz geprägt sind. Das führt zu zwei Gruppen: Diejenigen, denen der Vergleich gut gelingt und die sich sagen: „Zum Glück bin ich kein Ehebrecher, Betrüger oder Räuber.“ Diese werden stolz und spielen sich gut im Vordergrund. Und diejenigen, die sich nichts mehr trauen, weil sie im Vergleich zu anderen ständig verlieren.

Eine Gemeinde mit dem Zentrum „Ich“ passt eigentlich ganz gut in unsere Zeit, oder? Eine Gemeinde, in der es immer ums „Ich“ geht. Eine Gemeinde, die zwar nach außen sehr fromm aussieht, aber innerlich von Stolz, Hochmut und Neid zerfressen ist.

Ich denke, dass das eine Gemeinde ist, die auf das Fleisch, also auf sich selbst, baut.

Selbstreflexion und Prüffragen für die Gemeinde

Und jetzt haben wir den Moment, in dem wir nicht mehr einfach nur den Ostausgang am Nürnberger Hauptbahnhof im Blick haben können. Früher konnten wir vielleicht sagen: „Ein Glück, dass ich nicht so bin wie die, die dort unterwegs sind.“ Doch jetzt richtet sich der Blick hier hinein – auf dich und mich, auf den Gottesdienst.

Die Frage lautet: Wo bist du hier und heute unterwegs? Wie prägst du die Gemeinde?

Ich habe ein paar Prüffragen für dich. Gibt es Momente, in denen dein Herz sagt: „Gut, dass ich nicht so bin wie xy“, wenn du über andere in der Gemeinde nachdenkst? Kennst du Gedanken wie: „Warum kann er das Leben so genießen und ich nicht? Warum geht es dem so gut?“ Vielleicht ergänzt du sogar: „Obwohl ich mich doch so sehr für Gottes Reich einsetze.“ Oder Gedanken wie: „Warum hat Gott mich nicht so begabt wie die anderen? Ich würde auch so schön Klavier spielen können, predigen können oder was auch immer.“

Komischerweise stellt sich wahrscheinlich niemand die Frage: „Ich würde auch so gut putzen können wie xy.“ Das ist meistens nicht das Thema.

 Galater 5,26 wird uns im Hintergrund ein bisschen begleiten. Denn die positiven Aufforderungen, die Paulus jetzt in Kapitel 6 bringt, zeigen eine Gemeinde, die im Gegenteil unterwegs ist. Diese Gemeinde ist nicht darauf aus, ständig selbst besser dazustehen. Sie will nicht, dass die Gemeinde ihr dient oder ihr eine Plattform bietet, um sich zu profilieren und Bestätigung zu holen.

Stattdessen zeigt Paulus Menschen, die Gemeinde als Dienstort sehen. Und wir wollen ja nicht zu so einer Gemeinde werden, denn ich glaube, es ist jedem bewusst, dass so eine Gemeinde kaputtgehen wird.

Dort wird passieren, was Paulus in Galater 5,15 schreibt: Dass sie sich untereinander beißen, fressen und untereinander aufgefressen werden. Das mag von außen vielleicht lustig aussehen, aber wenn du mittendrin bist, macht das keinen Spaß.

Dorthin will keiner von uns. Und niemand möchte am Ende seines Lebens diese Geschichte in seiner Biografie stehen haben.

Aufruf zur gegenseitigen Hilfe und Sanftmut

Wie können wir zu einer Gemeinde werden, die auf den Geist achtet? Wir sind uns alle einig: Wir wollen an einem anderen Ort ankommen, richtig investieren und von unserem Investment einen Gewinn zurückbekommen.

Nicht alles, was die Bibel über einen lebendigen Geist sagt, ist heute Teil der Predigt. Doch Paulus bringt einige Punkte, wie eine Gemeinde richtig leben kann und wie das richtige Saatgut gesät werden kann.

Das Erste ist Galater 6,1: „Brüder, wenn auch einer zu einer Sünde verleitet wird, so sollt ihr, die ihr vom Geist Gottes geleitet werdet, ihn im Geist der Sanftmut zurechtrichten. Dabei achtet auf euch selbst, damit ihr nicht auch versucht werdet.“

Ein kurzer Einschub: Ich denke nicht, dass es hier um ein Verharren in Sünde geht, wie es andere Bibelstellen fordern, die Gemeindezucht oder Ähnliches thematisieren. Es geht eher um jemanden, der sich hat hinreißen lassen, in die Sünde zu fallen. Jemanden, der gegen die Sünde kämpft, aber vielleicht nicht so gut damit klarkommt.

Es könnte auch sein, dass es nicht immer um schwere Sünden geht, sondern vielleicht um Charakterschwächen oder Ähnliches. Dinge, bei denen jemand nicht ganz dem Maßstab entspricht, aber bereit ist, sich helfen zu lassen.

Dort, wo mein Leben im Mittelpunkt steht, wo Stolz und Neid mich prägen, werde ich bewusst oder unbewusst versuchen, die Fehler des anderen auszunutzen, um selbst besser dazustehen. Vielleicht spreche ich es nicht direkt aus, aber denke im Herzen: „Wie kann er denn nur?“ Besonders bei Themen, in denen du dich gut auskennst.

Ein Beispiel: Du bist das Finanzgenie schlechthin. Du lebst sparsam, ohne geizig zu sein. Deine Investmentstrategie ist solide, und über die letzten Jahre hast du kontinuierliche Rendite weit über der Inflationsrate erzielt. Jetzt bist du mit einem anderen Gemeindemitglied konfrontiert, das seine Finanzen nicht im Griff hat, regelmäßig zu viel ausgibt, vor sieben Jahren in Vapiano-Aktien investiert hat – nicht gerade glücklich – und oft Geld leiht, das er vergisst zurückzuzahlen.

Was ist deine Reaktion? Ganz ehrlich: Meistens denken wir im Herzen, warum kriegt der das nicht hin? Kann der nicht endlich mal seine fünf Euro zusammenhalten und schauen, dass es klappt? Wir schauen mit Hochmut auf die, die es nicht schaffen, und klopfen uns ein bisschen auf die Schulter, weil es bei uns selbst klappt. Das ist unsere natürliche Reaktion.

Aber Paulus hat eine andere Reaktion im Blick. Er sagt: Wenn du so jemanden siehst, bei dem du Sünde, Schwäche oder Charakterschwäche entdeckst, dann nutze das nicht aus, damit du dich besser fühlst. Fang nicht an, über den anderen zu tratschen. Da will ich heute gar nicht so intensiv drauf eingehen, aber lest mal Jakobus. Er hat ein großes Problem mit Tratscherei. Das steht auf einer Stufe mit Ehebruch und Mord, nur mal so zur Einordnung.

Stattdessen sagt Paulus: Geh an die Seite desjenigen und überlege, wie du ihm helfen kannst. Er sagt hier „zurechtbringen“, und das Wort, das verwendet wird, beschreibt auch das Einrenken eines Knochens. Es passt gerade etwas nicht, und es muss wieder in die richtige Position gebracht werden.

Paulus meint damit die, die geistlich sind. Wenn du in diesem Bereich fit bist, dann nutze deine Begabung, um dem zu helfen, der nicht so gut ist. Überlege, wie du ihn voranbringen kannst, damit er die Sache besser in den Griff bekommt. Wie du an seiner Seite stehen und ihn unterstützen kannst.

Und das Ganze mit Sanftmut. Was bedeutet Sanftmut? Ich habe mal Chet Chibiti gefragt und fand seine Beschreibung sehr gut: Besonnenheit und Behutsamkeit im Umgang mit anderen. Es bezieht sich auf eine Haltung der Milde und Freundlichkeit, selbst in schwierigen Situationen oder gegenüber herausfordernden Personen.

Sanftmut beinhaltet auch die Fähigkeit, Stärke und Entschlossenheit mit Nachsicht und Respekt zu verbinden, ohne Aggressivität oder Dominanz.

Jetzt wirst du vielleicht sagen: „Was ist mit Sanftmut?“ Das Zweite, was du mitbringen sollst, ist Demut. Das steht nicht direkt im Text, aber Paulus meint es, wenn er sagt: „Sei dir bewusst, dass du auch in Sünde fallen kannst. Pass auf, dass du nicht versucht wirst.“

Weißt du warum? Mach dir bewusst, dass es nur Gottes Gnade ist, dass du in diesem Punkt deines Lebens vielleicht nicht kämpfen musst.

Wisst ihr, wer mein Held ist? Er ist nicht hier, aber einige Geschwister kennen ihn: Jona Stecher. Wisst ihr warum? Das ist lange her. Wenn wir früher Fußball gespielt haben, oft in Schwabach, gab es dort viele, die gut Fußball spielen konnten. Sie wollten vor allem zeigen, wie toll und cool sie sind, besonders wenn ein paar Mädels auf der Tribüne standen.

Wenn du eher jemand bist, der mit seinen „zwei linken Füßen“ morgen mal zum Schmied zum Auswuchten gehen muss, hast du wenig Freude, mit solchen Leuten Fußball zu spielen. Die spielen nämlich nicht zu dir, weil sie sich dann nicht profilieren können. Überhaupt spielen sie in der Regel nicht ab.

Warum ist Jona mein Held? Weil Jona ein Superfußballer ist. Es gibt noch andere, die das können, aber er sticht für mich heraus. Bei solchen Spielen hat er eine Sache gemacht: Er hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und versucht, mit seiner Stärke die Schwäche der anderen auszugleichen und sie möglichst gut ins Spiel zu bringen.

Das Ergebnis: Wir haben immer wieder mal gewonnen, obwohl wir auf dem Papier viel schwächer waren als die anderen Mannschaften. Er hat seine Stärke nicht ausgenutzt und unsere Schwäche, um zu zeigen, wie toll er ist.

Natürlich kannst du, wenn du mit ein paar „Vollpfosten“ auf dem Platz stehst, zeigen, wie toll du bist – auch wenn du gar nicht so toll bist. Das geht ganz gut, wenn du dich profilieren willst.

Aber das, was Jona gemacht hat, war viel schöner: Er hat unsere Schwäche ausgeglichen und mitgenommen.

Übrigens, wer sich noch an das WM-Finale 2014 erinnert: Deswegen ist Schweinsteiger als Held herausgegangen und nicht Messi. Vielleicht hat Messi die größeren Fähigkeiten, aber es reicht nicht, ein bisschen vorne im Strafraum zu stehen und zu erwarten, eine coole Aktion zu zeigen.

Der wirkliche Held ist der, der sich für die anderen aufopfert und ihre Schwächen ausgleicht.

Das ist das Bild, das Paulus hier im Blick hat. Und das ist der erste Schritt, wenn du willst, dass wir als Gemeinde auf das Richtige sehen.

Wenn du feststellst, dass jemand eine Schwäche hat, wo du eine Stärke hast, dann geh hinein, gleiche diese Schwäche aus und hilf ihm! Wenn du siehst, dass jemand in Sünde lebt, wo du nicht so schnell versucht wirst, hilf ihm, damit er zurechtkommt.

Das ist übrigens genau das, was Jesus gelebt hat. Ihr erinnert euch alle an die Geschichte mit der Ehebrecherin, so wie ich sie glaube ich die meisten kenne: Die Pharisäer bringen sie, sagen, sie wurde beim Ehebruch erwischt, und sie muss gesteinigt werden.

Jesus stellt dann nur eine Frage: „Seht ihr in eurem Leben viel besser aus? Seid ihr ohne Sünde?“ Alle marschieren ab. Und dann sagt Jesus zu ihr: „Hat dich jemand verurteilt?“ Sie sagt: „Nein.“ Er sagt: „Ich verurteile dich auch nicht. Geh hin und sündige nicht mehr.“

Allerliebe, Sanftmut, Demut – ich glaube, ihr Leben wurde dadurch viel mehr verändert, als wenn irgendein Pharisäer mit ihr Gericht gehalten hätte.

Das ist der Blick, den wir haben sollen: uns gegenseitig weiterhelfen.

Lasten tragen und das Gesetz Christi erfüllen

Zweite Überlegung: Wie richtiges Sehen aussehen kann.

Vers 2: Helft euch gegenseitig, eure Lasten zu tragen. Auf diese Weise werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Das Wort, das hier für „Lasten“ verwendet wird – und ich betone das, weil wir es später von anderen Lasten abgrenzen müssen – meint überaus schwere Lasten, die man fast nicht alleine tragen kann.

Paulus greift hier wahrscheinlich Galater 5,13 noch einmal auf, wo er sagt: „Geschwister, ihr seid zur Freiheit berufen, doch gebraucht eure Freiheit nicht als Vorwand, um die Wünsche eurer selbstsüchtigen Natur zu befriedigen, sondern dient einander in Liebe. Denn das ganze Gesetz ist in einem einzigen Wort zusammengefasst: Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst.“

Das meint er, denke ich, wenn er vom Gesetz Christi spricht: Nächstenliebe, Selbstaufgabe für den anderen.

Ich finde, das ist einer der einfacheren Verse in unserem heutigen Text, denn ehrlich gesagt muss ich euch dazu nicht viel erklären. Es ist doch klar, was Paulus meint: Wir sollen uns gegenseitig helfen, unsere Lasten zu tragen. Das ist kein Text, zu dem ich viele Parallelstellen anführen müsste, um zu erklären, was Paulus meint. Aber es ist trotzdem schwer zu leben.

Warum? Weil wir bequem sind. Eigentlich investieren wir unsere Zeit, Kraft und unser Geld lieber in uns selbst.

Wie kannst du das umsetzen? Es ist so simpel: Sei in Kontakt mit deinen Geschwistern, nimm wahr, was bei ihnen gerade los ist. Wenn du bemerkst, dass jemand im Leben gerade schwere Zeiten durchmacht – es reicht schon, montags in die Online-Gebetstunde zu gehen, kleiner Hinweis – dann spring an seine Seite.

Das kann ganz praktisch sein, indem du Kraft, Zeit oder Geld investierst. Du kannst für die Person beten, dir bewusst Zeit nehmen oder einfach nur für sie da sein. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Du musst meistens gar nicht intensiv überlegen, wie du jemandem helfen kannst. In den meisten Fällen liegt es einfach daran, dass es uns etwas kostet. Und deshalb haben wir im Kopf sofort eine lange Liste von Gründen, warum wir jetzt nicht helfen können. Manchmal sprechen wir diese Gründe auch aus.

Wir haben eine lange Latte von Ausreden, warum wir gerade nicht helfen können. Und nein, mir geht es nicht darum, dass du mit gebrochenem Bein auf der Couch liegst und dann der achtzigjährigen Witwe hilfst, ihren Ginsterbusch auszubuddeln. Das ist klar, dass das gerade nicht dein Job ist.

Mir geht es um die anderen Begründungen, die eher unter die Kategorie „kein Bock“ fallen – und jeder weiß, dass das eine faule Ausrede ist. Lass diese Ausreden beiseite und spring an die Seite derjenigen, die gerade ein ordentliches Paket zu tragen haben.

Und ja, das kostet etwas. Es bedeutet, Saatgut zu nehmen, einen Teil deiner diesjährigen Ernte, die du für dich verwenden könntest, um dir ein gutes Brot zu backen, in die Erde zu stecken und erst einmal wegzugeben, ohne direkt zu wissen, was du davon ernten wirst. Das ist hier gemeint.

Wenn wir die Lasten von jemand anderem tragen sollen, heißt das nicht, ihn einfach zu ignorieren. Es bedeutet, sich selbst zurückzunehmen. Nicht die Gemeinde ist für mich da, sondern ich bin für sie da – das ist der Gedanke dahinter.

John F. Kennedy hat es in einer seiner Antrittsreden gefragt, was bis heute bekannt ist: „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst.“

Diese Frage ist vielleicht auch heute mal wieder ganz sinnvoll. Aber wir können sie uns auch als Gemeinde stellen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir oft mit der Erwartung in die Gemeinde kommen: „Was bietet mir die Gemeinde?“ Das ist doch die Frage, nach der wir Gemeinde suchen, wenn wir ehrlich sind.

Hier wird das Prinzip umgekehrt: Die Frage lautet, was kann ich tun? Was kann ich tun, um den Geschwistern, die Gott mir an die Seite gestellt hat, zu helfen, dass ihre Last, die sie fast erdrückt, leichter wird? Dass ich sie stütze und trage.

Ich will es nicht zu konkret machen, weil ich glaube, dass für jeden etwas anderes dran ist. Aber nimm dir heute Nachmittag mal Zeit, darüber nachzudenken. Geh die Gemeinde gedanklich durch.

Ich bin überzeugt, jedem von euch fällt jemand ein, bei dem du mit einer kleinen Aktion eingreifen und helfen kannst.

Selbstprüfung und Verantwortung für das eigene Werk

Der nächste Punkt: Verse 3-5

Denn wenn jemand von sich meint, etwas zu sein, obwohl er nichts ist, bedrückt er sich selbst. Jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird er für sich allein Ruhm haben und nicht vor den anderen, denn jeder wird seine eigene Last tragen.

Ich lese noch einmal aus der Neuen Genfer Übersetzung, weil sie gut verständlich ist: Wer sich jedoch einbildet, er sei etwas Besonderes, obwohl er in Wirklichkeit nichts ist, der belügt sich selbst. Vielmehr soll jeder sein eigenes Tun überprüfen. Dann kann er sich mit dem rühmen, was er selber tut, und muss sich nicht mit anderen vergleichen. Jeder hat nämlich seine ganz persönliche Last zu tragen.

Paulus beschreibt hier etwas, das ein wenig auf Vers 26 in Kapitel 5 zurückgeht. Wenn ich mich mit anderen vergleiche, kann das zu zwei Ergebnissen führen. Das eine formuliert er hier sehr deutlich: Man kommt nämlich vielleicht ganz gut weg und hält sich deswegen für eine tolle Nummer. Ich kann dich beruhigen, wahrscheinlich bist du es nicht. Wenn du meinst, dass du viel weißt, weißt du vielleicht noch gar nichts. Paulus schreibt an die Korinther im 1. Korinther 8,2: Wenn sich jemand etwas auf sein Wissen einbildet, weiß er noch gar nicht, was es bedeutet, echtes Wissen zu haben.

Vielleicht hast du dir jemanden gesucht, gegenüber dem du ganz gut wegkommst? Das ist nämlich, was er meint, wenn man sich untereinander vergleicht. Das kann dein Selbstwertgefühl steigern und dir eine gute Position in der Gemeinde verschaffen. Es kann aber auch bedeuten, dass dein Selbstwertgefühl sinkt, wenn jemand anders kommt, der vielleicht ein bisschen gewiefter in der Gabe oder besser begabt ist. Dann kämpfst du vielleicht gegen diese Person, weil du sonst schlechter dastehst. Und du wirst immer jemanden finden, egal wie tief du die Messlatte legst, der noch darunter durchläuft und gegenüber dem du besser aussiehst. Glaub mir, wenn du so der Typ dafür bist.

Das ist das Ergebnis für die eine Seite: Wenn du dich immer mit anderen vergleichst, kommst du vielleicht ganz gut weg, wenn du dieser Typ Mensch bist. Das ist so ein bisschen der unrealistische Typ Mensch, der noch gar nicht kapiert hat, dass er noch nichts weiß, wie der Korintherbrief sagt.

Der zweite Typ Mensch, den Paulus nicht so deutlich beschreibt, aber der meiner Meinung nach klar ist, ist der, der im Vergleich mit anderen ziemlich schlecht wegkommt. Vielleicht, weil Gott ihn nicht mit derselben Ressourcenmenge ausgestattet hat, vielleicht aber auch, weil er realistischer oder ein bisschen zu pessimistisch ist.

Was passiert dort? Dieser Mensch hält sich für eine recht schwach begabte Nummer. Das ist irgendwie auch eine Aussage gegenüber Gott: Du hast mich nicht ausreichend begabt.

Das ist das Ergebnis, wenn wir unser Selbstwertgefühl und unseren Stand im Reich Gottes vom Vergleich mit anderen abhängig machen. Der Punkt ist: Darum geht es gar nicht. Es geht an keiner einzigen Stelle darum, wie gut du im Vergleich zu anderen aussiehst. Es geht einzig und allein darum, was du aus dem machst, was Gott dir gegeben hat.

Paulus sagt: Prüfe dich selbst. Überlege, was dir Gott anvertraut hat – an Zeit, Geld, Kraft und Begabungen – und was du daraus machst. Das ist die einzige Frage, die zählt. Du bist nicht verantwortlich für den neben dir. Ich habe keinerlei Verantwortung für das, was Imi aus seinen von Gott anvertrauten Dingen macht. Ich habe es nicht für Friedrich, ich habe es nicht mal für meine Frau. Ich habe es für mich.

Wie das aussieht, beschreibt Paulus hier, wenn er sagt: Jeder hat seine eigene Last zu tragen. Wir könnten meinen, dass das ein Widerspruch zu dem vorherigen Satz ist, in dem er sagt: Tragt einander die Lasten. Aber im Griechischen sind hier zwei unterschiedliche Wörter verwendet. Während das eine eine unheimlich schwere Last meint, die man nicht alleine tragen kann, meint das hier eher eine Art Rucksack.

Im ganzen Kontext denken viele Ausleger, und ich würde da mitgehen, dass hiermit eben deine Dinge gemeint sind, die Gott dir anvertraut hat: Zeit, Geld, Kraft, Begabungen und die Verantwortung, die du hast. Was machst du damit? Das kann dir niemand abnehmen.

Hier kommt uns das Gleichnis von den Talenten in den Sinn, das Jesus in Matthäus 25 schildert. Dort zieht ein Herr weg und gibt seinen Knechten eine bestimmte Menge Geld. Die einen wirtschaften damit, der andere verbuddelt es in der Erde, und es kommt nichts bei heraus. Sie sind nicht verantwortlich für das, was die anderen daraus gemacht haben. Es kommt auch nicht auf die Menge an, die sie bekommen haben, sondern darauf, was sie damit tun.

Deshalb ist die Frage an dich: Was machst du aus dem, was Gott dir gegeben hat?

Drei Beispiele für den Umgang mit Begabungen und Verantwortung

Drei Geschichten, um das zu verdeutlichen.

Ein junger Mann ist vielleicht begabt zum Predigen. Da es in der Gemeinde eine große Lücke in diesem Dienst gibt, wird er schnell zum Überflieger. Das Ergebnis: Er ruht sich auf seinem Erfolg, seiner Begabung und seinem Stolz aus, weil alle dankbar sind, dass endlich jemand da ist, der predigen kann.

Die Realität sieht anders aus. Eigentlich wäre viel mehr möglich, denn Gott hat ihn für viel mehr begabt. Er nutzt das, was Gott ihm gegeben hat, nicht aus. Im Gegenteil: Er wird stolz. Vor Gott sieht das Ergebnis anders aus, als es nach außen hin wirkt. Vielleicht schneidet er im Vergleich zu anderen, die ebenfalls in diesem Dienst unterwegs sind, ganz gut ab. Aber nicht vor Gott.

Richtig wäre es, vor Gott die Frage zu stellen: Wo setze ich meine Begabung noch ein? Wo kann ich besser werden, wo stärker? Was willst du, dass ich weitergehe? Dabei geht es nicht darum, sich mit anderen zu vergleichen.

Die zweite Geschichte ist das Gegenteil.

Eine junge Frau ist in der Gemeinde begabt, Gitarre zu spielen, aber nicht so wie David, der Gitarrenprimus der Gemeinde. Weil sie eben nicht so gut ist wie er, will sie nicht groß spielen. Aus ihrer Sicht genügt sie nicht dem Maßstab, der in der Gemeinde gesetzt ist.

Das Ergebnis: Sie zieht sich zurück und vernachlässigt vielleicht das Üben und den Einsatz. Doch wie sieht die Realität aus? David kann nicht immer Gitarre spielen. Er hält das gar nicht durch. Wie soll er das schaffen? Irgendwann brennt er wegen Überlastung aus und ist komplett weg.

Es gibt genügend Lücken, in denen der Dienst und die Begabung anderer wichtig sind. Es zählt nicht, dass man so gut ist wie der, der vielleicht die stärkere Begabung bekommen hat. Es zählt, was du daraus machst, wo Gott dich hingestellt hat.

Und noch eine dritte Geschichte, die uns etwas verdeutlicht.

Ein junger Mann ist vielleicht super begabt für Seelsorge. Er kann gut zuhören und auch mit der Weisheit Gottes Wort ins Leben hineinsprechen. Aber in der Gemeinde zählt vor allem die Predigt. Er versucht krampfhaft, in diesen Dienst hineinzukommen. Das kostet ihn und der Gemeinde viele Tränen und Schmerzen, weil jeder merkt: Nee, das ist es nicht.

Man kann auf eine falsche Karte setzen, weil man denkt, das wäre die super Nummer. Aber Gott hat dich dort nicht vorgesehen. Deshalb zählt nicht, was im Vergleich zu anderen da ist, sondern wo Gott dich hingestellt hat. Es zählt, was du daraus machst und wie du die Verantwortung, die Gott dir gibt, lebst.

Unterstützung der Lehrenden als Teil des Saat-und-Ernte-Prinzips

 Galater 6,6: Wer unterwiesen wird, soll dem, der ihn unterweist, Anteil an allen Gütern geben.

Ich habe vorhin zum Markus im Spaß gesagt, er solle diesen Vers jetzt bitte predigen, und ich komme dann mal nach Schwabach. Dabei haben wir das Ganze umgedreht, denn das ist ein Vers, über den man eigentlich kaum richtig predigen kann. Er wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper, und es ist immer unangenehm für denjenigen, der sich damit beschäftigt.

Ein paar Anmerkungen dazu: Dieser Vers ist direkt mit dem Prinzip von Saat und Ernte verbunden, das in Vers 7 genannt wird. Es geht um ein Prinzip, das an vielen anderen Stellen in der Bibel auftaucht, nämlich die Versorgung derjenigen, die Gottes Wort verkünden, damit sie genug Zeit dafür haben. Wer dazu Stellen sucht, findet sie unter anderem in 1. Korinther 9,14, Lukas 10,7, 1. Timotheus 5,18, Matthäus 10,10 und so weiter.

Es ist völlig klar, dass das in der Praxis unterschiedlich aussehen kann, etwa durch unterschiedliche Formen der Unterstützung oder durch die Entlastung von anderen Aufgaben. In der Regel ist mit diesen Stellen jedoch eine finanzielle Unterstützung gemeint, so wie sie tatsächlich im Text steht.

So wie der Lehrer, der verpflichtet ist, aus den vorhergehenden Versen die geistlichen Güter, die Gott ihm gegeben hat, mit den Schülern zu teilen, so hat der Schüler die Verpflichtung, seine finanziellen Güter, die er von Gott bekommen hat, mit den Lehrern zu teilen.

Ein Zitat von Timothy Keller bringt das gut auf den Punkt. Es ist nicht die Zeit, das Thema hier vollumfänglich zu behandeln – das möchte ich nicht. Spannend ist aber, dass dieser Vers direkt vor dem Prinzip von Saat und Ernte steht.

Ich habe die tiefe Überzeugung, dass das Missachten dieses Verses letztlich Ernte und Segen vorenthält – sowohl der Gemeinde als auch dem Einzelnen. Die Frage ist: Welche Priorität hat das als Gemeinde?

Nur ein Gedanke dazu: In der Bibel finden wir nirgends eine Aufforderung, große Summen in Gebäude zu investieren. Natürlich ist es irgendwo notwendig, ein Dach über dem Kopf zu haben, aber die Zeit des Tempels ist vorbei. Dagegen gibt es viele Aufforderungen, in gute Lehre zu investieren.

Für dich persönlich, vielleicht auch abseits von Gemeinden, darfst du gerne darüber nachdenken. Es hat sich sehr verbreitet, dass viele online gute Vorträge konsumieren. Unterstützt du die Menschen, von denen du profitierst? Hörst du dir jede Woche Podcasts oder gute Predigten an und hast noch nie an diejenigen gespendet, die dort ihre Zeit, Kraft und Geld investieren?

Zweite Frage: Wenn du auf christlichen Konferenzen, Vorträgen oder Ähnlichem unterwegs bist, unterstützt du diese Arbeit? Dürfen diese Dinge vielleicht sogar etwas kosten, oder erwartest du, dass alles im Reich Gottes kostenlos sein muss?

Um eines vorwegzunehmen: Es geht hier nicht um Evangelisation, sondern darum, dass Gläubige gelehrt werden. Es geht nicht darum, dass solche Dinge auch missbraucht werden können – das ist völlig klar. Es geht vielmehr darum, dass Gott hier im Prinzip zeigt, wo wir uns selbst berauben können, nämlich im Prinzip von Saat und Ernte.

Ich möchte dich ermutigen, darüber nachzudenken, ob du vielleicht eine traditionelle Einstellung in diesem Punkt abschütteln musst. Vielleicht ist es nötig, ein Investment zu tätigen, um zu profitieren und zu ernten.

Das ist die Frage hier – mehr nicht von meiner Seite dazu.

Nachfolge Jesu als Vorbild für Sanftmut, Demut und Hingabe

Wenn wir all diese Dinge betrachten, wird eines ganz klar: Das Zurechtbringen von Sündern, das Hingeben für andere und das Investieren meiner Ressourcen in andere ist letztlich nur das Nachfolgen von jemandem, der dies längst für dein Leben getan hat.

Wir folgen dem, dessen ganzes Leben von Sanftmut und Demut geprägt war. Er begegnete jedem kaputten Leben mit vollkommener Liebe und investierte alles, um dieses Leben zurechtzubringen und in Ordnung zu bringen.

Er hat alles gegeben, um dich und mich zum Leben zurückzuführen. Er hat alles aufgegeben für dich und mich. Gleichzeitig hat er dich ausgerüstet und dir Dinge anvertraut, damit du sie in deinem Leben weiterinvestierst.

Konkrete Aufforderung zum guten Tun in der Gemeinde

Wie kann das aussehen?

Vers 10 sagt: Lasst uns also jedem Gutes tun, so viel wir Gelegenheit dazu haben, besonders aber den Hausgenossen des Glaubens. Wir haben eine Verantwortung, allen Gutes zu tun. Paulus schränkt dies jedoch auf zwei Dinge ein: Wo wir Gelegenheit dazu haben und vor allem zuerst bei denen um uns herum, bei unserer Gemeinde.

Du kannst nicht die ganze Welt retten. Du kannst nicht allen Menschen alle ihre Lasten tragen. Aber du kannst bei den Menschen in deinem direkten Umfeld anfangen. Du kannst dort beginnen, Menschen voranzubringen, ihre Lasten zu tragen, in sie zu investieren und Veränderung zu bewirken.

Lass uns das konkret machen: Worin können deine Ressourcen aussehen, um Ernte zu empfangen?

Ich glaube, das Erste ist, dass du über deine Einstellung nachdenkst. Prüfe nicht mehr im Vergleich zu anderen, wo du stehst, sondern kläre in der Verantwortung vor Gott, was du zur Verfügung hast und wie du es einsetzen willst.

Wenn du richtig investierst, habe ich ein paar Anregungen für dich:

Wo ärgerst du dich aktuell über jemanden, weil er sein Leben scheinbar nicht im Griff hat? Wer hat dich in den letzten Wochen besonders beschäftigt und über wen regst du dich auf? Überlege dir, wie du ihm in aller Sanftmut und Demut noch einmal nachhören kannst, was das bedeutet, wie du helfen kannst, und geh konkret auf ihn zu.

Ja, nicht jeder wird bei jedem helfen können, aber grundsätzlich: Wer regt dich auf, weil er ganz anders ist als du? Wie kannst du ihm vielleicht weiterhelfen?

Nimm dir heute Nachmittag Zeit, darüber nachzudenken, wer in der Gemeinde gerade ein ordentliches Paket zu tragen hat. Wie kannst du ihm helfen, diese Last zu tragen? Sei kreativ!

Welches Opfer kannst du bringen, das dem anderen in seiner Situation wirklich hilft? Vielleicht ist es nur eine kurze Nachricht, die schon total ermutigt. Vielleicht ist es aber auch ein konkretes Tätigwerden. Ich bin mir sicher, jedem von euch fällt etwas ein.

Und zum Schluss: Wo profitierst du und solltest deshalb unterstützen? Wer sind die Menschen, von denen du profitierst, und wie kannst du ihnen weiterhelfen? Denk darüber nach.

Ermutigung zum Durchhalten im guten Tun

Einen Vers habe ich ausgelassen: Galater 6,9.
Lasst uns aber nicht müde werden, Gutes zu tun, denn zur rechten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht schwach werden.

Wenn du schon lange dabei bist und versuchst, diese Dinge zu leben, dann ist das Risiko groß, dass du müde wirst – im guten Tun, im Investieren. Vielleicht bist du kurz davor, aufzugeben.

Das Erste, was ich dir sagen will: Es ist normal, solche Phasen zu haben. Paulus beschreibt hier, dass wir müde werden. Es kostet etwas, dran zu bleiben. Es bedeutet ein Aufgeben von Ressourcen, die du in dem Moment nicht mehr für dich selbst nutzen kannst.

Aber das Zweite, was ich dir sagen will: Bleib dran, die Ernte kommt. Auch dem Landwirt, der letzte Woche gesät hat, kostet es viel Geduld, bis er den Profit dafür einräumen kann. Wir haben eine lange Wartezeit vor uns, und das passt nicht so ganz in unsere Zeit. Denn wir wollen einen schnellen Return on Investment, wir wollen schnell den Gewinn haben.

Aber der Bauer kann sich sicher sein, dass der Samen nächstes Jahr Ernte bringen wird. So können auch wir sicher sein. Das beschreibt Paulus hier: Wir werden eines Tages ernten. Es kommt der Moment, wo wir die Ernte einfahren, wenn wir in die richtigen Dinge investiert haben. Und dafür lohnt es sich.

Ich habe mal nachgeschaut: Ein Weizenkorn, ein einzelnes Korn, bringt durchschnittlich zwanzig bis fünfzig Weizenkörner hervor. Das heißt ein durchschnittlicher Gewinn von zwanzig bis fünfzig Prozent jedes Jahr. Boah, das ist eine gute Sache! Selbst in Zeiten von Missernte hast du da wahrscheinlich noch zehn Prozent oder so. Da wärst du bei deinem Aktiendepot schon ganz zufrieden, wenn das klappen würde.

Hey, dieses Investment lohnt sich, und ich glaube, dass wir noch viel mehr ernten werden – vielleicht hundertfältig. Investiere, investiere in das Richtige. Sieh zu, dass du deine Ressourcen, die dir Gott gegeben hat, in der Hoffnung und in der Sicherheit von einer großen Ernte streust.

Amen.