Serie•Teil 1 / 2Einführung in das Buch des Propheten Micha
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung in das Buch und seine sprachliche Gestalt
Heute Nachmittag steht das Thema „Das Buch des Propheten Micha“ vor uns.
Wem fehlt noch ein Skript? Hand hoch. Da vorne gibt es noch welche, bitte kann man die kurz durchgeben, denn ohne Skript ist es schwierig zu folgen.
Auf dem Skript habe ich eine Übersetzung des ganzen Buches Micha hinzugefügt, die ich vor kurzem gemacht habe. Es ist eine ganz wörtliche Übersetzung, noch ein bisschen wörtlicher als die Elberfelder. Und was noch dazukommt: Ich habe die poetischen Verszeilen so ausgedruckt, dass man sie auf dem Blatt sofort erkennen kann.
Das ganze Buch ist eigentlich Poesie, so wie übrigens ein Drittel des Alten Testaments. Und wenn man die Verszeilen beachtet, hilft das sehr zum besseren Verständnis des Textes.
Ich lese gleich zu Beginn ein paar Verse: Micha 1,1. Das Wort des Ewigen, das geschah zu Micha, dem Moraschtiter, in den Tagen von Jotham, Ahas, Jehiskia, den Königen von Juda, dass er sah über Samaria und Jerusalem.
Stoppe hier, denn diese Überschrift, die noch nicht poetisch ist, sieht man jetzt auch sofort hier im deutschen Text. Dieser einleitende Satz hilft uns, das ganze Buch zeitlich einzuordnen. Hier werden die Könige Jotham, Ahas und Jehiskia erwähnt.
Auf Seite eins oben unter dem Zeitpunkt der Entstehung des Buchs habe ich hingeschrieben: Zeit von Jotham 758 bis 743 vor Christus, Ahas 742 bis 727 vor Christus und schliesslich Jehiskia 727 bis 698 v. Chr. Daraus folgt, dass also die Zeit Michas in die Jahre von 758, das ist das höchste mögliche Datum, bis 698, das ist das letzte mögliche Datum, das Todesjahr von Hiskia, fällt. In dieser Zeitperiode ist also das Buch des Propheten Micha verfasst worden.
Übrigens entsprechen diese Jahreszahlen der chronologischen Darlegung, die ich letztes Mal am Bibelstudentag gemacht habe. Ich habe hier noch eine Fussnote hingesetzt: Ich vergleiche die Chronologie des Alten Testaments. Das ist im Prinzip das Skript, das ich letztes Mal abgegeben habe. Danach habe ich aber noch ein weiteres Skript gemacht: Erliebe Chronologie der Könige von Israel und Juda, Excel-Tabelle.
Die kann man bei mir beziehen. Schickt ein Mail, und ich werde die Tabelle anhängen. Ich habe nämlich gesehen, es gab dann doch noch einige Fragen: Ja, aber wie ist das mit diesen Zahlen, wie bringt man die rein und so weiter? Da habe ich nun in dieser Tabelle jedes Königsjahr einzeln aufgeführt. Und da sieht man also mit der Excel-Tabelle sofort die Lösung all der vielen chronologischen Fragen, die auftreten können. Man sieht richtig grafisch, quasi, die Lösung, wie die ganze Chronologie wunderbar aufgeht.
Ja, also das zur Entstehung des Buches.
Das Grundthema: Gericht und Gnade
Nun, was ist das Thema? Mit einem Titel kann man sagen: Es geht um den gerechten Richter und den treuen Hirten Israels. Gott wird also vorgestellt als Richter, der die Ungerechtigkeit Israels bestraft, aber dann auch als derjenige, der seinem Volk Gnade bringt, als der treue Hirte. Beides, Gericht und Gnade, wird vorgestellt.
Etwas ausführlicher könnte man das Buch Micha so zusammenfassen: Gott hasst Sünde, Gesetzlosigkeit, Götzendienst und religiösen Formalismus. Wegen dieser Ungerechtigkeiten muss er sein Volk durch Gerichte hindurchführen. Doch er ist der Unvergleichliche, wie Micha 7,18 sagt: Wer ist ein Gott wie du? Doch er ist der Unvergleichliche. Als ein Gott der Vergebung ist er bereit, seinem Volk eine herrliche Zukunft des Friedens unter der Herrschaft des Messias zu schaffen.
Das ist, kurz gesagt, das ganze Panorama, das uns in diesen sieben Kapiteln des Micha-Buches dargestellt wird.
Nun, im ersten Vers haben wir die Erwähnung des Propheten: Das Wort des Ewigen, das geschah zu Micha. Unter charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten wird erklärt: Micha ist die Abkürzung von Michaja, was so viel bedeutet wie: Wer ist wie Jahwe, also wer ist wie der Herr. Nun, das entspricht genau dieser wunderbaren Frage aus Kapitel 7, Vers 18, die ich ja gerade eben zitiert habe, aber jetzt nochmals ausführlicher:
Wer ist ein Gott wie du, der die Schuld vergibt und vorübergeht an der Übertretung des Überrestes seines Erbteils? Er behält nicht auf ewig seinen Zorn, denn er hat Gefallen an Güte. Er wird sich wieder über uns erbarmen, er wird niedertreten unsere Verschuldungen, ja, er wird in die Tiefen des Meeres werfen alle ihre Sünden. Du wirst Wahrheit erweisen an Jakob, Güte an Abraham, die du geschworen hast unseren Vätern von den Tagen der Vorzeit her.
Hier wird verwiesen auf die Verheißungen Gottes in 1. Mose 12 und folgende an Abraham und an Jakob beziehungsweise an Abraham, Isaak und Jakob, unseren Vätern. Gott hat verheißen, dass er Israel segnen will. Und bei den Abraham-Verheißungen finden wir sogar eine bedingungslose Verheißung im Blick auf Israel. Diese Verheißungen umfassen ein Versprechen für das Land Israel, das Gott ihnen auch in der Endzeit gibt. Es umfasst den Segen, der kommen wird durch das Erscheinen des Erlösers, des Messias. All das vergisst Gott nicht, und das Micha-Buch endet damit, dass Gott sich an diese Versprechen vor viertausend Jahren erinnert und sie in der Endzeit umsetzen wird.
Darum wird Gott Israel in der Endzeit Vergebung schenken. Wir haben in diesen Worten den wunderbaren Vergleich: Ja, er wird in die Tiefen des Meeres werfen alle ihre Sünden. Unter charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten habe ich ganz am Schluss erwähnt, zu 7,19, wenn wir denken, der tiefste Ort in den Weltmeeren ist der Marianengraben mit 11.814 m. Also gehen die Meere tiefer hinunter, als die Berge hinaufgehen. Das ist ja deutlich höher als der Himalaya mit dem Mount Everest, dem höchsten Punkt der Welt, dem Dach der Welt.
Also ist Gott bereit, in die Tiefen des Meeres die Sünden zu werfen, um ihrer nie mehr zu gedenken. So beschreibt also Micha, dessen Name schon sagt: Wer ist wie der Herr? Er beschreibt zum Schluss: Wer ist ein Gott wie du? Dieser Gott, der Güte erweist, Gnade gibt, aufgrund der bedingungslosen Segensverheißungen an Abraham, Isaak und Jakob. Das im Namen Micha in Vers 1.
Herkunft des Propheten und Anerkennung seines Buches
Weiter wird erklärt: Micha, der Moraschtiter. Das ist seine Herkunft.
Unter charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten, Punkt zwei: Moraschtiza bedeutet, dass er von der Stadt Moreshet kommt. Das war ein Ort bei Gad, also ganz in der Nähe vom Gazastreifen. Damit wird deutlich, dass Micha ein Prophet aus dem Südreich war, aus den Stämmen Juda und Benjamin.
Ich habe ja schon früher erklärt, dass die kleinen Propheten so aufgebaut sind. Das ist immer abwechselnd: Hosea, ein Prophet des Nordreiches, und dann kommt einer aus dem Südreich, dann wieder Nordreich, dann Südreich und so weiter. Das zieht sich durch bis Micha und auch weiter, solange das Nordreich besteht. Schön ist diese Abwechslung. Nun haben wir wieder einen aus dem Südreich, aus der Nähe vom Gazastreifen.
Das Micha-Buch wird im Alten Testament bereits zitiert. In Jeremia 26,18, da sind wir also um 600 vor Christus, wie gesagt, das Buch Micha stammt aus der Zeit um 700 vor Christus, also hundert Jahre früher, sehen wir, dass dieses Buch bereits als prophetisches Buch und man kann sagen, als kanonisches Buch der Bibel anerkannt war.
Ich lese aus Jeremia 26. Es war ja so: Jeremia hat den bevorstehenden Untergang Jerusalems angekündigt. Das hat seine Feinde auf den Plan gerufen. Sie sagten: Das ist ein Verbündeter der Babylonier, der will uns moralisch schwächen, damit die Babylonier uns besiegen können. Aber dann hat man sich für ihn eingesetzt und gesagt: Nein, das ist gar nicht wahr. Schon frühere Propheten haben die gleiche Botschaft der Zerstörung Jerusalems gebracht. Das war ja schon bei Micha so. Also kann man nicht sagen, Jeremia ist ein falscher Prophet. Er ist absolut auf der Linie der früheren anerkannten Propheten.
Ich lese Jeremia 26,16: Und die Fürsten und alles Volk sprachen zu den Priestern und zu den Propheten: Diesem Mann gebührt nicht die Todesstrafe, denn er hat im Namen des Herrn, unseres Gottes, zu uns geredet. Und es erhoben sich Männer von den Ältesten des Landes, und sie sprachen zu der ganzen Versammlung des Volkes und sagten: Micha, der Moraschtiter, hat in den Tagen Hiskias, des Königs von Juda, geweissagt und zu dem ganzen Volk von Juda gesprochen und gesagt: So spricht der Herr der Heerscharen.
Jetzt kommt ein Zitat aus Micha: Zion wird als Acker gepflügt werden, und Jerusalem wird zu Trümmerhaufen und der Berg des Hauses zu Waldeshöhen werden. Das ist Micha 3,12. Haben denn Hiskia, der König von Juda, und ganz Juda ihn getötet? Hat er nicht den Herrn gefürchtet und den Herrn angefleht, so dass der Herr auch dieses sich des Übels geräuen ließ, welches er über sie geredet hatte? Und wir wollen eine so große Übeltat gegen unsere Seelen begehen?
Also: Jeremia wird gerechtfertigt durch das Buch Micha, das aber bereits anerkanntes Wort Gottes war. Das ist sehr wichtig im Zusammenhang mit dem Thema der Kanonbildung. Wie ging das, dass ins Alte Testament genau die Bücher kamen, die wir heute haben?
Nun, es war nicht so, dass es irgendwo nach dem letzten Propheten einmal ein Konzil gab und die hätten das bestimmt. Vielmehr hat man Propheten als echte Propheten erkannt, dann nämlich, wenn sie nicht ein einziges Mal eine Falschprophetie geäußert haben. Also mit anderen Worten: Eine Falschprophetie, darauf stand die Todesstrafe nach 5. Mose 18. Da würden viele Propheten heute nicht mehr leben, also sogenannte Propheten.
Und zweitens, das reicht ja auch noch nicht: Die Aussagen des Propheten mussten in Übereinstimmung mit der Tora sein, das heißt mit den ersten Büchern der Bibel, den fünf Büchern Mose. Mose war durch diese vielen Zeichen und Wunder in Ägypten und in der Wüste und durch die Gabe der Tora am Sinai eindeutig als Prophet Gottes anerkannt. Und alle späteren Propheten wurden anhand der Tora gemessen.
Wenn sie also irgendwelche Aussagen gebracht hätten, die in Widerspruch dazu waren, dann wären sie als Irrlehrer erkannt worden und hätten als falsche Propheten hingerichtet werden müssen. Und so hat man also auch bei Micha erkannt: Micha hat immer das Richtige vorausgesagt, und Michas Prophetie ist in Übereinstimmung mit den ersten fünf Büchern der Bibel. Somit müssen wir sein Buch als Gottes Wort anerkennen.
Die Gliederung des Buches durch wiederkehrende Signale
Nun, als nächster Punkt unter charakteristischen Ausdrücken: Es gibt immer wieder in den biblischen Büchern Markierungen, die uns helfen, die von Gott gewollte Einteilung der Bücher zu erkennen.
In Micha ist ganz besonders wichtig der Befehl: Hört! In 1,2 beginnt es: Hört, ihr Völker alle, nimm zu Ohren, du Erde und ihre Fülle! Dieses Hört! leitet in 3,1 einen neuen Teil ein: Und ich sprach: Hört doch, ihr Häupter Jakobs, ja, ihr Fürsten des Hauses Israels, ist es nicht an euch, das Recht zu kennen? Da beginnt ein neuer Teil, ein zweiter Teil. Und schliesslich markiert 6,1 den dritten, abschliessenden Teil: Hört doch, was der Ewige sagt: Steh auf, führe einen Rechtsstreit mit den Bergen, und lass die Hügel deine Stimme hören! Hört ihr Berge usw.
All dieser Ruf hilft uns, den Aufbau des Buches zu verstehen. Das ist gleich der nächste Titel auf Seite 1. Nach diesem einführenden Satz, 1,1, beginnt es mit Hört, das ist römisch eins: Gottes Gericht und Gnade.
Diesen ersten Hauptteil können wir dann wieder unterteilen in:
Erstens: Gericht über das Nord- und das Südreich, Kapitel 1.
Zweitens: Gericht über die unrechtmässig Reichen, 2,1-11.
Drittens: Gnade am Ende der Zeit, die Sammlung Israels, 2,12-13.
Das ist der erste Teil.
Und der zweite Teil beginnt eben wieder mit Hört, römisch zwei: Gottes Handeln mit Zion in Gericht und Gnade. Also, wie gesagt, der erste Hauptteil hat das Nordreich der zehn Stämme und das Südreich im Visier. Der zweite Hauptteil hat besonders Zion, Jerusalem, im Blickfeld.
Und schliesslich kommt der letzte Teil: Gottes Gerichtsverhandlung mit seinem Volk. Gottes Wege in Gericht und Gnade von Ägypten bis zum Messianischen Reich, das sind die Kapitel 6 bis 7. Also hier ruft Gott sein Volk auf. Sie sollen ihre Vorwürfe gegenüber Gott vorbringen, wie in einer Gerichtsverhandlung. Und dann zeigt Gott ihnen, dass sie die Schuldigen sind und nicht er. Er zeigt sein Handeln an Israel auf, von der Zeit nach dem Auszug aus Ägypten an, und wie er treu war bis zum Schluss. Und er wird es sein bis zur Wiederkunft Christi, bis zur Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches.
Und so zeigt dieser letzte Teil schliesslich ab 7,18, wie wunderbar Gott ist im Gegensatz zum treulosen Menschen: Wer ist ein Gott wie du? Und so weiter, was wir schon gesehen haben.
Also nochmals: Römisch eins zeigt Gottes Handeln mit dem Nord- und dem Südreich, römisch zwei zeigt Gottes Handeln mit der Stadt Jerusalem, Zion, und römisch drei zeigt Gottes Handeln überhaupt mit seinem auserwählten Volk.
Der erste Hauptteil: Gericht über das Land und seine Hauptstadt
Ja, jetzt gehen wir der Reihe nach durch.
In Vers 1 haben wir gesehen, dass es sich um eine Vision Michas handelt, um das, was er über Samaria gesehen hat. Das war die Hauptstadt des Nordreiches, der zehn Stämme, und über Jerusalem, das war die Hauptstadt des Südreiches, der zwei Stämme, Juda und Jerusalem, und all der Überläufer, die es aus den zehn Stämmen gab.
Ich lese ab Vers 2:
Hört, ihr Völker alle, nehmt zu Ohren, du Erde und ihre Fülle.
Hier sieht man schön, wie die hebräische Poesie meistens aufgebaut ist, nämlich in einem Parallelismus von zwei Verszeilen. Es gibt hier verschiedene Typen. Sehr häufig ist der synonyme Parallelismus, das heißt, die zweite Zeile drückt mit anderen Worten denselben Gedanken aus wie Zeile eins. Hört, ihr Völker alle, nehmt zu Ohren – das ist parallel zu: Hört, du Erde. Das ist ihr Völker, du Erde und ihre Fülle. Das ist ihr Völker alle. Man merkt: Das Gleiche wird nochmals gesagt, und das verleiht dem Ganzen noch mehr Gewicht.
Der Herr, hebräisch Adonai, der der Macht hat, der Ewige, hebräisch Yahweh, der Ewigseiende, der Unwandelbare, soll gegen euch zum Zeugen sein, der Herr aus seinem Tempel, seiner Heiligkeit.
Hier wird also dieser erhabene Gott als Zeuge gegen Israel angerufen. Das ist dieser Gott, der im himmlischen heiligen Tempel wohnt. Nach Offenbarung 11,19 gibt es ja einen Tempel im Himmel.
Nun Vers 3:
Denn siehe, der Ewige geht aus von seinem Ort, und er steigt herab und schreitet einher auf den Höhen der Erde.
Hier finden wir die Beschreibung der Wiederkunft Christi, wenn er erscheinen wird als Richter der Welt. Dann kommt er aus dem himmlischen Tempel heraus und wird auf die Erde herabkommen.
Reaktion, Vers 4:
Und es zerschmelzen die Berge unter ihm, und die Talebenen spalten sich, wie Wachs vor dem Feuer, wie Wasser ausgegossen am Abhang.
Es wird zu geologischen Katastrophen weltweit kommen. Es gibt viele Stellen im Alten Testament und auch im Neuen Testament, die die Wiederkunft Christi als Richter der Welt beschreiben, zum Beispiel auch Habakuk 3 oder Jesaja 63 und so weiter und so fort. Viele Stellen beschreiben so die Wiederkunft Christi oder Nahum 1, wie er aus dem Himmel kommt und eingreifen wird auf dieser Erde. Dann wird es zu diesen gewaltigen geologischen Umwälzungen kommen.
Interessant ist, was Paulus schreibt in seinem Testament. Der zweite Timotheusbrief ist ja sein letzter Brief aus der Todeszelle in Rom. Also die Verse 3 und 4 beschreiben die Wiederkunft Christi als Richter der Welt.
Paulus schreibt in seinem letzten Brief, das ist gewissermaßen sein Testament, 2. Timotheus 4,7:
Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, welche der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tag, nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben.
Paulus sagt, weil er treu war in seinem Glaubensleben bis zum Schluss, wird er eine Krone bekommen. Stephanos ist hier ein Siegeskranz eines Sportlers. Und da sagt er, das ist aber nicht nur für ihn so, sondern überhaupt für alle Gläubigen, die seine Erscheinung lieb haben. Erscheinung, Epiphania, meint das Kommen des Herrn Jesus sichtbar für diese Welt. Wenn man das liebt, bekommt man die Krone der Gerechtigkeit.
Warum? Ja, es gibt viele Stellen in der Bibel, die die Erscheinung Jesu als Richter beschreiben. Und wer das lieb hat, der bekommt eine Belohnung. Warum? Man kann ja diese Beschreibungen nicht lieben, wenn man in seinem eigenen Leben Sünde stehen lässt. Wie kann man das lieben, wenn der Herr kommt, um Ungerechtigkeit in dieser Welt zu richten, und man in seinem eigenen Leben Ungerechtigkeit stehen lässt?
Also der Gläubige, der einmal die Krone der Gerechtigkeit bekommen wird, der liebt Gerechtigkeit. Und wenn in seinem Leben Ungerechtigkeit aufkommt, dann bereut er es und bekennt es nach 1. Johannes 1,9 und nimmt auch immer wieder neu die Vergebung in Anspruch. Nur so jemand, der im Selbstgericht lebt, kann die Erscheinung des Richters lieben.
Und darum bekommen die die Krone der Gerechtigkeit, die eben nach dieser Gerechtigkeit ganz praktisch in ihrem Leben streben. Und die müssen auch nicht Angst haben vor dem Richter, weil sie die gleiche Überzeugung haben wie der Richter. Wir werden sehen, was er an Ungerechtigkeiten bestrafen wird: Hochmut, Hass und so weiter und so fort. Und wenn wir eben diese Dinge in unserem Leben richten, dann können wir diese Erscheinung lieb haben.
Also hier haben wir so eine schöne, eindrückliche poetische Beschreibung.
Das Gericht über Samaria und Juda
Vers 5: Wegen Jakobs Abfall geschieht dies alles, ja, wegen der Sünden des Hauses Israel. Auch hier sind die Verszeilen parallel; Jakob ist ein anderer Name für Israel, also für die zehn Stämme. Ihre Sünden fordern Gottes Gericht heraus.
Dann wird weiter gefragt: Wer ist die Ursache für den Abfall Jakobs? Ist es nicht Samaria, die Hauptstadt der zehn Stämme? Und wer ist die Ursache für die Höhen Judas, also für diese götzendienerischen kanaanitischen Kultstätten auf den Hügeln im Südreich Juda? Wer ist die Ursache für die Höhen Judas? Ist es nicht Jerusalem?
In den Hauptstädten konzentriert sich das Böse. Das ist ganz ähnlich wie in allen Ländern: In den Großstädten entfaltet sich die Sünde in besonderer Weise und hat dann auf das Land, auf das Hinterland, ihren Einfluss.
Nun beschreibt der Prophet das Gericht über die zehn Stämme: Und so werde ich Samaria machen zu einem Steinhaufen des Feldes, zu Weinbergpflanzungen. Ich werde ihre Steine ins Tal hinabstürzen und ihre Fundamente aufdecken. Und alle ihre Götzenkulturen werden zerschlagen werden, und all ihr Hurenlohn wird mit Feuer verbrannt werden.
Ich habe schon erklärt, als wir das Thema der kanaanitischen Religion und Israel durchgenommen haben, dass der Baalskult besonders mit Prostitution verbunden war. Darum wird das hier so gesagt: Und all ihr Hurenlohn wird mit Feuer verbrannt werden. Und ich werde alle ihre Götzenbilder zu einer entsetzlichen Wüste machen, denn sie hat sie durch Hurenlohn gesammelt, und so sollen sie wieder zum Hurenlohn werden.
Hier wird also das Gericht über die zehn Stämme angekündigt, das sich dann durch die Zerstörung des Nordreiches durch die Assyrer um 721 wortwörtlich erfüllt hat. Aber sehen wir: Die Wiederkunft Christi wird zuerst erwähnt, als das Endgericht. Und dann wird das Gericht beschrieben, das zur Zeit des Propheten in Erfüllung gehen sollte. Das zeigt uns: Alle Gerichte, die früher geschehen sind, sind eigentlich nur ein Vorgeschmack auf das endgültige Gericht, das weltweit eintreten wird bei der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus als Richter der Welt.
Nun, was ist die Reaktion des Propheten? Er liebt sein Volk. Er sagt nicht hämisch: Jetzt kommt es halt.
Vers 8: Darum will ich klagen und heulen, will ausgezogen und entblößt einhergehen. Das heißt übrigens, dass man das Oberkleid auszieht. In Israel war es normal: Wenn man nach draußen ging, zog man noch ein Oberkleid über das Unterkleid an. Zuhause war es viel gemütlicher, einfach mit dem Unterkleid, aber es war eine anständige südliche Kleidung. Man könnte sagen, etwa so wie ich da stehe, ohne Kittel, ja? Das ist Bekleidung mit dem Unterkleid, und dann entspricht der Kittel etwa dem Oberkleid.
Aber der Prophet geht nach draußen und sieht diese normale, schöne Kleidung mit dem Oberkleid aus, will ausgezogen und entblößt einhergehen. Ich will eine Wehklage halten, gleich den Schakalen, und eine Trauer, gleich den Straußen.
Wer schon in Israel nachts die Schakale gehört hat, der weiß, wie sie heulen können. Ja, so vergleicht sich der Prophet mit den Schakalen. Er weint, er heult über das Gericht, das sein Volk trifft. Das ist so schön. Das zeigt, er war nicht einfach ein Prophet, der gerne und freudvoll das Gericht verkündigte, sondern der auch mitlitt mit seinem Volk, wenn das Gericht in Gottes gerechter Entscheidung schließlich eintreten muss.
Vers 8 erinnert auch an die Stelle, wo David, als er den Höhepunkt seines Lebens erreicht hatte und die Bundeslade nach Jerusalem kommen sollte, entblößt vor der Bundeslade tanzte. Das hieß ohne Oberkleid, also ähnlich wie wenn ein Bundesrat ohne Kittel bei einem Volksumzug hüpfen würde. Ja, und seine Frau, Michal, hat ihn dann verachtet: Wie kann ein so großer Mann, ein König, sich so in der Öffentlichkeit gefühlsmäßig ausdrücken? Aber das hat er nicht so jedes Wochenende gemacht, um sich raufzuputschen, sondern das war wirklich der Höhepunkt seines Lebens. Da hat er die Gefühle des ganzen Volkes gezeigt und wollte keine besondere Ehre durch die rein staatliche Kleidung zeigen.
Vers 9: Denn bösartig sind ihre Schläge, denn es kommt bis nach Juda, es gelangt bis vor das Tor meines Volkes, bis an Jerusalem heran. Nun zeigt der Prophet hier: Das Gericht kommt nicht nur über das Nordreich der zehn Stämme, es wird auch weitergehen und Juda erreichen, aber nicht vollständig, nur bis an Jerusalem heran. Ich habe heute Morgen schon etwas angedeutet im Blick auf dieses Thema. Das heißt also: Es gelangte bis vor das Tor meines Volkes.
Und effektiv: Nachdem die Assyrer das Nordreich zusammengeschlagen hatten und die zehn Stämme nach Assyrien deportiert hatten, gab es auch eine militärische Invasion im Süden. Eine Stadt nach der anderen wurde erobert als Gericht Gottes über den Götzendienst, ganz besonders noch unter dem Vater von Hiskia, Ahas, der die assyrische Religion nach Juda bis in den Tempel gebracht hatte.
Aber Gott sah auch die Bußfertigkeit von Hiskia und vielen anderen, und darum sollte das Gericht nur kommen bis an das Tor. Und wir wissen aus Jesaja 36 bis 39: Nach der Invasion Judas sind sie gekommen und haben Jerusalem belagert. Aber dann hat Gott 185 Soldaten in einem Schlag in einer Nacht vernichtet, und die ganze assyrische Armee ist abgezogen, unverrichteter Dinge. So kam das Gericht bis an das Tor, aber nicht weiter. Hiskia wurde in der Stadt verschont, bis an Jerusalem heran.
Wortspiele und Ortsnamen als Zeichen des kommenden Gerichts
Und nun folgt eine eindrückliche prophetische Darlegung, wie die Städte Judas durch die Assyrer erobert werden sollten.
In Gad erzählt es nicht. Wenn man die Fußnote anschaut, heißt es in Fußnote 11, die Verse 10 bis 15 sind volle Wortspiele. Hier in dieser Verszeile klingt der Ortsname Gad an in Tagid, Tagiddu, erzählt. Also: In Gad, Tagiddu, erzählt es nicht. Gad, Gid, ja, dieser Klang ist hier wichtig. Dann weint nur nicht. In Bet-Ljafra wälze ich mich im Staub. Bet-Ljafra kann man gut ins Deutsche übersetzen mit Staubhausen. Also: In Staubhausen wälze ich mich im Staub.
Vers 11: Ich ziehe fort, ziehe fort in eurem Interesse, o Bewohnerin von Schafir, in Entblößung der Schande. Schafir heißt Schönstadt, also: Ziehe fort, o Bewohnerin von Schönstadt, in Entblößung der Schande. Auch wieder eine Anspielung auf den Namen dieser jüdischen Stadt. Weiter: Nicht ist ausgezogen die Bewohnerin von Auszug Saanan. Auch da wieder ein Wortspiel im Hebräischen. Die Weglage von Bet-Haetzel nimmt von euch weg seinen Standort. Bet-Haetzel bedeutet Haus an der Seite. In Fußnote 18 erkläre ich Bet-Haetzel, das Haus an der Seite, gut deutsch Seitenheim. Die Bedeutung des Verses ist: Wegen der schlimmen Not in Bet-Haetzel können ihre Bewohner nicht in ihrem Stand als Hilfe auf der Seite der anderen Städte Judas einstehen. So wird angespielt auf den Namen. Die Wehklage von Seitenheim: „Nimmt von euch weg seinen Standort an der Seite von euch“, ja?
Denn es windet sich vor Sehnsucht nach Gutem die Bewohnerin von Bitterkeiten Marot, denn Unglück ist herabgekommen vonseiten des Ewigen bis an das Tor von Jerusalem. Auch hier wieder Fußnote 19, sie erklärt: Das Schlimme macht Halt vor den Stadtmauern von Jerusalem. Die Stadt Jerusalem selbst wird von dem Gericht Gottes nicht betroffen.
Spanne die Pferde vor den Wagen, o Bewohnerin von Lachisch! Hier hat man wieder ein Wortspiel, denn das Wort für Pferd, Rechesch, klingt im Hebräischen an den Städtenamen Lachisch an. Also: Spanne Rechesch vor den Wagen, o Bewohnerin von Lachisch! Der Anfang der Sünde ist dies für die Tochter Zion. Das heißt, die Stadt Lachisch hat eine ganz besondere Bedeutung, dass es eben zum Abfall, zum Götzendienst gekommen ist. Denn in dir, Lachisch, sind die Übertretungen Israels gefunden worden. Darum musst du ein Entlassungsgeschenk geben an Moreschet-Gat. Diese Stadt bedeutet Besitztum von Gat. Also: Da, wo man etwas hat, da muss man etwas geben, ein Entlassungsgeschenk.
Die Häuser von Achzib, gleich Lüge, sind zu einem Lügenbach geworden. Also die Häuser von Lügenstadt sind zu einem Lügenbach geworden für die Könige von Israel. Ein Lügenbach muss ich noch erklären: Das ist ein Wadi. Das sind diese Trockentäler in Israel, die nur im Winter dann plötzlich Wasser führen können. Auf die ist kein Verlass, dass man dort Wasser findet, in den Wadis. Darum sind es Lügenbäche. Also werden hier die Häuser der Lügenstadt mit einem unzuverlässigen Lügenbach verglichen.
Vers 15: Noch werde ich den Besitzeroberer über dich bringen, o Bewohnerin von Morescha. Morescha heißt Besitz, wieder eine Anspielung auf diesen Städtenamen. Also da kommt ein assyrischer Eroberer und nimmt den Besitz von Morescha, von der Besitzstadt, weg. Bis nach Adullam wird gehen der Adel Israels. Fußnote 24 erklärt: Das heißt, die Edlen Israels werden nach Adullam fliehen, um sich dort zu verbergen, nämlich so wie früher der König David, 1. Samuel 22,1. David musste fliehen und sich verstecken in der Höhle Adullam, ein Ort im Südreich. Er hat das klärt: Bis nach Adullam wird gehen der Adel Israels.
Mache dich kahl und schere dich geiergleich wegen der Kinder deines Wohlgefallens. Mach deine Glatze weitausgedehnt geiergleich, denn sie sind von dir weg in die Gefangenschaft weggeführt worden. Der Geier hat ja bekanntlich am Kopf kaum Federn und am Hals. Das ist gut so, denn wenn der Geier in das Innere von verwesenden Tieren hineingeht, das ist eine sehr klebrige Angelegenheit, dann würden ja die Federn des Kopfes und des Halses völlig verkleben. Und darum hat der Schöpfer eben Geier zu Kahlköpfen gemacht. Aber Haare sind ein Schmuck von Gott, ganz besonders für die Frau, nach 1. Korinther 11. Und wenn man sich dann diesen Schmuck abschert, geiergleich, ist es der Ausdruck der völligen Hoffnungslosigkeit und des am Boden zerstörten, des tiefsten Trauers. Darum werden sie hier aufgefordert, sich kahl zu scheren, so wie die Geier kahl sind. Und eben: Sie müssen in die Gefangenschaft weggeführt werden.
Gericht über die ungerechten Reichen und die Verwerfung falscher Stimmen
Wir kommen zu Kapitel 2: Wehe denen, die Unheil planen. Bisher hatten wir in Kapitel 1 das Gericht über das Nord- und das Südreich. Jetzt kommt der zweite Unterteil: das Gericht über die unrechtmäßig Reichen, Verse 1 bis 11.
Wehe denen, die Unheil planen und Böses vorbereiten auf ihren Lagern! Beim Licht des Morgens wollen sie es ausführen, weil es in der Macht ihrer Hand steht.
Es geht hier also um die Reichen, die nachts im Bett nicht unbedingt schlafen, sondern schon planen, wie sie am nächsten Morgen ihren Besitz vergrößern können. Ein großer Teil der Kapitalisten in der heutigen Zeit könnte sich dann angesprochen fühlen.
Vers 2: Und sie begehren nach Feldern und rauben sie, und nach Häusern nehmen sie sie weg. Sie verüben Gewalttat an dem Mann und an seinem Haus, ja, an dem Menschen und an seinem Erbteil.
Also geht es um die unrechtmäßig Reichen, die die Armen berauben und ihnen auch mit ungerechten Gerichtsverhandlungen ihren Besitz wegnehmen.
Nun kommt die Antwort Gottes. Die Ungerechtigkeit des Kapitalismus wird in der Bibel an vielen Stellen gegeißelt. Also nicht der Kapitalismus an sich, sondern es geht um den ungerechten Kapitalismus, wohl verstanden. Darum spricht der Ewige:
Siehe, ich plane ein Unglück über dieses Geschlecht, aus dem sie nicht herausziehen können ihre Hälse.
Ihre Hälse ist eine eigene Verszeile, ja? Das betont es noch mehr. Und ihr werdet nicht in die Höhe einhergehen. Das heißt, so stolz nach oben schauen: Wenn man das Joch auf dem Hals hat, kann man nicht mehr so stolz nach oben schauen. Ihr werdet nicht in die Höhe einhergehen, denn dies ist die Zeit des Unglücks.
An jenem Tag wird man über euch einen Spruch anheben und eine Totenklage halten: Es ist geschehen, wird man sagen, wir sind verwüstet. Das Erbteil meines Gottes hat er vertauscht.
Das heißt, Gott hat das Erbteil einem anderen Besitzer übergeben. Die Assyrer nehmen alles weg, auch den Reichen. Wie ist es mir entwichen? Das heißt: Wie ist mir das Erbteil abhandengekommen? Da hört man also die Stimme eines Israeliten.
Es ist sehr typisch in Micha, dass die Redner ständig wechseln, also sehr, sehr lebendig geschildert. Man muss immer wieder fragen: Wer spricht jetzt? Ist es der Prophet? Ist es Gott? Ist es einer, der unter das Gericht kommt? Wie ist es mir entwichen?
Dem Abtrünnigen teilt er unsere Felder zu. Ja, die Assyrer waren selber Abtrünnige, aber jetzt bekommen sie als Gerichtsrute über Israel das israelitische Land. Darum wirst du niemanden haben, der die Messschnur wirft durch das Los in der Versammlung des Ewigen.
Weisssage nicht, weiss sagen sie. Also spricht jetzt ein falscher Prophet, der sagt zu Micha, er soll schweigen. Weisssage nicht, weiss sagen sie. Weiss sagt man jenen nicht, damit ist gemeint: diese bösen Reichen, die in Vers 1 beschrieben wurden. Weiss sagt man jenen nicht, so wird die Schande nicht weichen.
Also liegt in der Weissagung, die das Böse eben aufdeckt, beim Namen nennt und zur Buße aufruft, ein Hoffnungsschimmer, dass es eventuell möglich wird, dass diese ungerechten Reichen doch noch Buße tun, umkehren und ihr Unrecht ordnen. Weiss sagt man jenen nicht, so wird die Schande nicht weichen.
Vers 7: Du, der du Haus Jakob genannt bist, ist der Ewige ungeduldig? Oder sind dies seine Taten? Sind nicht meine Worte gütig oder freundlich gegenüber dem, der aufrichtig wandelt?
Gott ist also nicht unbedingt auf das Gericht aus. Denn gegenüber denjenigen, die sich unter sein Wort stellen, zeigt Gott seine Güte.
Aber: Noch gestern, mein Volk, stellte es sich als Feind auf. Es war noch die jüngste Tatsache, dass das Volk Israel, mein Volk, gegen Gott aufstand.
Vom Oberkleid weg pflegten sie den Mantel auszuziehen, von denen, die sorglos vorüberzogen, die vom Krieg abgewandt waren. Also Leute, die überhaupt nicht auf Selbstverteidigung und auf Krieg aus waren, ganz gewöhnlich arglosen Leuten, die vorübergingen, wurde das Oberkleid geraubt. Man hat ihnen sogar das Oberkleid gestohlen.
Vers 9: Die Frauen meines Volkes vertreibt ihr aus dem Haus ihrer Wonnefreuden. Von ihren Kindern nehmt ihr weg meinen Schmuck auf ewig.
Die Familie wird hier als das Haus ihrer Wonnefreuden genannt. Das ist ein schöner Ausdruck für den Wert der Familie und des Familienlebens.
Vers 10 steht: Steht auf und geht, denn dies ist kein Ruheort. In Fußnote 36 habe ich erklärt, dass das verheißene Land ein Ruheort sein sollte, nach 5. Mose 12,9-10. Gott wollte Israel dort im Land Ruhe geben.
Aber jetzt sagt der Prophet: Steht auf und geht, denn dies ist kein Ruheort! Jetzt kommt das Gericht über euch. Ihr müsst deportiert werden. Ihr könnt in diesem Land nicht ruhen, weil ihr dem Wort Gottes ungehorsam seid, wegen der Verunreinigung, die Verderben bringt, und zwar heilloses Verderben.
Wenn ein Mann hinginge dem Wind nach und mit Betrug lügen würde: Ich will dir weissagen zu Wein und zu starkem Getränk, der würde ein Prophet dieses Volkes sein.
Also Leute, die da herumtorkeln und sich als Propheten aufführen, solche Leute konnten akzeptiert werden. Aber ein Micha, der Klartext redete und nicht einfach von Frieden sprach, der wurde abgelehnt. Solche Leute aber, die sagen: Ich will dir weissagen, und zwar unter dem Einfluss von Alkohol, so einer wird akzeptiert.
Sammlung des Überrests und die Hoffnung auf den kommenden Hirten
Und jetzt, nach dieser Gerichtsverkündigung, kommt plötzlich Gottes Gnade, wie sie am Ende über Israel kommen wird. Vers 12: Sammelnd werde ich dich gänzlich sammeln, o Jakob; versammelnd werde ich den Überrest versammeln.
Natürlich ist das kein gutes Deutsch, das ist mir schon klar. Ich bin mit der Übersetzung wirklich an die Grenze des Erträglichen gegangen. Aber es gibt doch ein wenig einen Eindruck davon, wie hebräische Poesie klingt. „Sammelnd werde ich sammeln“ heißt: Ich werde Israel ganz bestimmt zurückführen ins Land der Vorväter. „Sammelnd werde ich dich gänzlich sammeln, o Jakob; versammelnd werde ich den Überrest Israels versammeln.“ Zusammenbringen werde ich ihn wie Kleinvieh von Bozra.
Bozra ist eine Ortschaft in Südjordanien, in Edom, offensichtlich bekannt für Kleinviehzucht. So wird Israel verglichen mit einer zahlreichen Kleinvieh-, mit einer Schafherde, die Gott eben zurückführt nach Hause, ins Land der Vorväter. Wie eine Herde inmitten ihrer Weide werden sie wimmeln vor Menschenmenge. Der Durchbrecher wird vor ihnen hinaufziehen; durchbrechen werden sie und durch das Tor ziehen, ein Heer ziehen und durch dasselbe hinausziehen. Und ihr König wird vor ihnen herziehen, ja, der Ewige an ihrer Spitze.
Wir haben gesehen: Dieser erste Teil begann mit der Wiederkunft Christi als Richter, und dieser Teil endet jetzt mit der Wiederkunft Christi als Hirte, der in der Endzeit Israel zurückbringt ins Land der Väter und schließlich König sein wird über sein Volk. Eine wunderbare Beschreibung. Da sieht man diese Spannung zwischen Gericht und Gnade: der Richter und der Hirte, der am Schluss sein Volk im Land der Vorväter versammeln wird.
Wichtig ist noch Folgendes: Hier wird es einfach so ganz kurz in zwei Versen beschrieben, wie das geht. In zum Beispiel Hesekiel 33 bis 48 wird das Ganze viel ausführlicher beschrieben, die Rückkehr Israels am Ende der Zeit. Und da wird in Hesekiel 36 erklärt: Gott wird sein Volk sammeln aus allen Nationen der Welt und sie zurückführen ins Land. Aber er wird sie zurückbringen unrein. Das ist das, was wir heute sehen: drei Millionen Juden aus allen fünf Kontinenten, zurückgekehrt seit 1882 bis 2006. Und sie sind gekommen aus über hundert Ländern, aber der größte Teil ist im Unglauben, im Unglauben im Blick auf den Messias und viele sogar im Blick auf Gott.
Aber dann sagt Hesekiel 36, dass die Zeit kommen wird, wo ich euch reinigen werde im Land. Und dann wird Gott einen Überrest durch die Not, durch die Gerichte hindurch, die sie im Land erleben werden, herausrufen, herausholen. Und dieser Überrest, Vers 12: „versammelnd werde ich den Überrest Israels versammeln“, das ist bereits dieser gereinigte Überrest aus Israel, den Gott schließlich ins tausendjährige Reich führen wird.
Zwei Drittel der Bevölkerung Israels wird umkommen in der großen Drangsalszeit, in den dreieinhalb Jahren vor der Wiederkunft Christi. So steht es in Sacharja 13, Vers 8. Aber dieser Drittel, der sich schließlich bekehren wird, das ist der Überrest, gesammelt aus allen Völkern, der dann hinter dem König, der Hirte sein wird, nachfolgen wird. Und ihr König wird vor ihnen herziehen, ja, der Ewige an ihrer Spitze.
Das erinnert so schön an Johannes 10, Verse 4 und 9. Das sind solche Anspielungen des Herrn Jesus auf solche Stellen, wenn er sich vorstellt als Hirte Israels, als der gute Hirte. Ich lese nur noch zum Schluss vor der Pause Johannes 10, Vers 4: „Wenn er seine eigenen Schafe alle herausgebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen.“
Dann Vers 9: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ Das ist der gute Hirte für Israel. Aber in Johannes 10 zeigt er, dass er eben auch der gute Hirte sein wird für all die aus den Völkern, die sich zu ihm, dem Erlöser, wenden werden. Aber es ist wichtig, einfach den Bezug zu Johannes 10 zu erkennen.
Ja, jetzt ist Kuchenzeit! Eine halbe Stunde machen wir richtig die große Pause, und dann geht’s weiter.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Noch mehr Inhalte von Roger Liebi gibt es auf seiner Webseite unter rogerliebi.ch

