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Römer 6-8 (Teil 2/6)

Blankenheim 2015 - Römer 6-8, Teil 2/6
06.01.2015Römer 6,6-23
SERIE - Teil 2 / 6Blankenheim 2015 - Römer 6-8

Überblick über den Römerbrief und Einführung in das Thema Heil und Rettung

Ja, wir wollen heute Abend wieder den Römerbrief betrachten. Ich habe die Gliederung von gestern auf die Folie gebracht, damit wir das vielleicht noch einmal kurz überblicken können. Morgen brauchen wir das dann nicht mehr, aber heute möchte ich es doch ein bisschen verwenden.

Ich habe ja gesagt, der Römerbrief hat fünf große Teile. Zuerst wird der heillose Zustand des Menschen dargestellt (Römer 1,18-23). Dann folgt das Heil in seinem Wesen, also die Frage: Was ist das Heil, was ist die Rettung?

Der dritte Abschnitt behandelt das Heil im Leben des Gerechtfertigten. Es geht darum, wie sich das Heil auswirkt und wie der Gläubige Sieg über die Sünde haben kann. Dieses Thema beschäftigt uns diese Woche.

In den Kapiteln neun bis elf geht es um die Frage, wie das Heil beziehungsweise die Rettung mit der Verwerfung Israels zusammenhängt. Gott hatte Israel verworfen, weil Israel den Messias verworfen hat. Aber wie sieht es jetzt aus? Hat Israel gar keine Chance mehr, oder wie geht es weiter? Dazu gibt es einige wichtige Aussagen in Römer 9-11.

In den Kapiteln zwölf bis fünfzehn geht es um den praktischen Wandel der Geretteten, also um ganz praktische Hilfen für das Glaubensleben der Geretteten. Außerdem gibt es eine Einleitung und einen Schluss, die beide das missionarische Anliegen des Apostels behandeln.

Das Thema ist das Heil, oder man kann auch sagen die Rettung. Heil und Rettung sind dasselbe. Man kann es auch ganz vereinfacht so ausdrücken: Erstens, Rettung – warum? Zweitens, Rettung – wie? Drittens, Rettung – wozu? Viertens, die Rettung Israels – wie steht es damit? Und fünftens, welches Verhalten sollen die Geretteten haben?

Das ist der Überblick über den Römerbrief, und wir sind jetzt in den Kapiteln sechs bis acht, gerade in der Mitte. Wir hatten gestern mit Römer 6,1-14 begonnen. Das heißt, wir sind noch nicht fertig, aber es ging um die große, wichtige Frage, warum ein Leben in der Sünde für einen Gläubigen nicht mehr in Frage kommt.

Dazu gibt es eine erste Antwort in den Versen 1 bis 14. In den Versen 15 bis 23 wird die Frage noch einmal gestellt: Warum kommt ein Leben in der Sünde für den Gerechtfertigten nicht in Frage? Das werden wir nachher noch betrachten.

Das neue Leben in Christus als Grundlage für den Sieg über die Sünde

Wir schauen uns jetzt noch einmal die Verse 1 bis 14 an. Ich habe gesagt, begonnen hat alles mit einer Frage: Sollen wir also weiterhin sündigen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit die Gnade zunimmt? Das sagt Paulus in Römer 6.

Dann haben wir die Verse 2 bis 10, die erste Antwort, gelesen. Dabei habe ich einige Punkte hervorgehoben. Die Antwort lautet: Wir sind der Sünde gestorben und haben jetzt ein neues Leben, das mit dem Alten nichts zu tun hat.

Paulus sagt hier einige Sätze, die ich jetzt ein bisschen zusammengefasst habe. In den Versen 2 bis 4 erklärt er, dass es unsinnig wäre, für etwas zu leben, obwohl man doch tot ist. Juristisch gesehen, rechtlich gesehen, sind wir tot, weil Christus an unserer Stelle gestorben ist. Jetzt gelten wir als tot. Das haben wir bei der Taufe bezeugt und gezeigt, denn die Taufe ist in gewissem Sinn eine Beerdigung. Sie macht öffentlich, was wir innerlich bei der Bekehrung getan haben. Das waren die Verse 2 bis 4.

Ein weiterer Satz lautet: Wir sind gestorben, wir wurden mitbegraben, damit wir nun in einem neuen Leben wandeln. Das sagt Paulus in Vers 4 in der Mitte. Er schreibt: „Auf dass wir in Neuheit des Lebens wandeln, gleich wie Christus von den Toten auferweckt wurde durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.“

Dann hatten wir gestern noch den Satz in Vers 5: „Wenn wir mit dem Tod Christi eins gemacht wurden, so folgt daraus, dass wir auch mit seinem Auferstehungsleben eins gemacht sind.“ Vers 5 lautet: „Denn wenn wir mit ihm verbunden worden sind in der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch in der seiner Auferstehung sein.“

Hier wird einfach ausgedrückt: Wenn wir mit dem Tod Christi eins gemacht wurden, also wenn wir in seinem Tod mitgestorben sind, so folgt daraus, dass wir auch mit seinem Auferstehungsleben eins gemacht sind. Und wenn wir ein neues Leben haben, dann sollen wir auch entsprechend wandeln, sagt Paulus.

Dann kamen wir gestern noch zu Vers 6. Vers 6 beschreibt das Ziel des Mitgekreuzigtseins: Es war die Befreiung unseres Leibes von einem Sklavendasein für die Sünde. Das heißt, der Grund, warum wir mit Christus mitgekreuzigt wurden, war, dass wir befreit werden. Unser Leib soll nicht mehr ein Sklave der Sünde sein müssen.

Ich lese Vers 6: „In der Erkenntnis, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt werde, damit wir der Sünde nicht länger Sklavendienst leisten müssen.“ Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt worden, der ist befreit worden von der Sünde.

Die doppelte Realität des alten und neuen Menschen im Gläubigen

Wenn wir aber zusammen mit Christus gestorben sind, glauben wir, dass wir auch zusammen mit ihm leben werden. Dabei wissen wir, dass Christus von den Toten auferweckt wurde und nicht mehr stirbt. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben – ein für allemal. Was er aber lebt, das lebt er für Gott.

In Vers 6 sagt Paulus, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt ist. Dazu möchte ich noch etwas zum alten Menschen sagen. Manche Christen haben hier Schwierigkeiten. Sie fragen: Ist der alte Mensch jetzt tot oder noch lebendig? Wie ist das eigentlich? Ich kenne mich nicht aus. Ich habe immer wieder Schwierigkeiten mit meinem alten Menschen. Wenn Paulus sagt, wir sollen den alten Menschen töten, ist er dann jetzt tot oder muss ich ihn noch töten? Solche Fragen sind bekannt.

Juristisch gesehen ist der alte Mensch tot. Das heißt, rechtlich ist meine alte Lebensweise gerichtet worden – am Kreuz. Gott, der Herr Jesus, hat die Strafe für diese Lebensweise getragen. Die Strafe war der Tod. Mein altes Leben, also die Art, wie ich früher gelebt habe, hat der Herr Jesus mit in den Tod genommen.

Die alte Lebensweise umfasst die alten Handlungen, Taten, das alte Reden und Denken – alles, was nicht so war, wie Gott es wollte. All das wurde am Kreuz auf Golgatha mit dem Herrn Jesus gekreuzigt. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht mehr so leben könnte wie früher. Das wissen wir alle: Wir könnten durchaus noch so leben wie früher, oder?

Paulus sagt: Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr. Aber er könnte noch stehlen. Wer gelogen hat, der lüge nicht mehr. Aber er könnte noch lügen. Und so ist es auch mit vielen anderen Dingen. Wer zornig war, der soll nicht mehr zornig sein. Aber ich könnte noch zornig werden. Wir alle wissen, wie schnell das geht: dass wir zornig oder ungeduldig werden.

Paulus sagt an anderer Stelle, dass wir den alten Menschen ausziehen sollen wie ein Kleidungsstück. Zum Beispiel in Epheser 4, Vers 22: Wir sollen die frühere Lebensführung, den alten Menschen, ablegen. Ablegen bedeutet hier, die Taten des alten Menschen abzulegen, also das, was wir früher getan haben.

In Kolosser 3, Vers 8 heißt es: Legt nun auch das alles ab! Belügt nicht einander, da ihr doch den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen habt und den neuen angezogen habt.

Oder in Epheser 4, Vers 24: Zieht den neuen Menschen an, das heißt die Liebe, den Frieden, die Freude, die Geduld und so weiter.

Manchmal wird gesagt, wir sollen das Neue anziehen, den neuen Menschen. Und manchmal heißt es, wir haben doch schon den alten Menschen ausgezogen. Einmal wird die Stellung betont, was Christus für uns getan hat, also was wir juristisch, rechtlich sind: Wir sind tot.

Und einmal wird betont, dass wir deshalb auch entsprechend leben sollen. Paulus zeigt uns manchmal, was Christus für uns getan hat, und sagt: Wenn Christus für uns gestorben ist, dann sind wir mitgestorben und sind tot. Und dann sagt er: Weil wir tot sind, sollen wir unsere alten Glieder töten – den Zorn, die Ungeduld, die Lieblosigkeit und vieles mehr. Dazu gehören auch Geiz, Habsucht und verschiedene andere Dinge.

Das heißt also: Einerseits sind wir tot, rechtlich gesehen. Andererseits sollen wir das Alte im praktischen Leben ablegen. Das ist, als wenn ein König zu seinem Prinzen sagt: Du bist ein Prinz, und jetzt benimm dich auch wie ein Prinz. Versteht ihr? Du bist schon Prinz, aber du musst dich auch dementsprechend verhalten.

Du bist tot in Bezug auf die Sünde, aber bitte lebe auch entsprechend. Christus hat alles für dich getan. Er hat die Sünde auf sich genommen und die Strafe für die Sünde getragen. Er hat das alte Wesen mit in den Tod genommen. Aber jetzt musst du Ja dazu sagen. Und genau das wird Paulus im Weiteren noch sagen.

Die logische Konsequenz des neuen Lebens: Nein zur Sünde, Ja zu Gott

Also Vers 7 noch einmal, dann Vers 8 bis Vers 10. Vers 8 bis 10, aber ich möchte Vers 7 jetzt doch noch einmal erlesen.

Denn wer gestorben ist, ist befreit von der Sünde. Wer tot ist, der braucht nicht mehr zu sündigen, weil der alte Herr einem toten Menschen nichts befehlen kann. Paulus sagt: Die Sünde war der alte Herr, und dem alten Herrn bist du gestorben. Ein Toter gehorcht nicht, wenn man ihm Befehle gibt.

Wenn also der Herr zu dir kommt und dir befiehlt, du sollst jetzt sündigen, dann darfst du sagen: „Ich bin tot“ – oder du kannst so tun, als wärst du tot. Du brauchst einfach nicht darauf zu reagieren, sagt Paulus.

Er will hier zeigen, wie unlogisch es ist, wenn Christen sagen: „Jetzt, nachdem wir gerettet sind, können wir noch in der Sünde weitermachen.“ Nein, sagt er, das geht nicht! Ihr seid gestorben, was das alte Leben betrifft, und ihr seid befreit, um der Sünde nicht mehr dienen zu müssen.

Vers 8: Wenn wir aber zusammen mit Christus gestorben sind, glauben wir, dass wir auch zusammen mit ihm leben werden.

Ich habe es hier etwas verdeutlicht: Die Folge aus dem Mitgestorbensein ist das Mitleben mit dem Auferstehungsleben Jesu Christi. Der Herr Jesus ist auferstanden, und wir sollen jetzt mit diesem Auferstehungsleben Jesu Christi, entsprechend dem Auferstehungsleben Jesu Christi, ein neues Leben führen.

Über dieses Leben kann der Tod nicht mehr herrschen. Wir können also ungehindert für Gott da sein und uns jetzt ganz Gott zur Verfügung stellen.

Es geht hier einfach nur um die Logik: Warum es unlogisch wäre, jetzt noch der Sünde dienen zu wollen.

Vers 9: Wir wissen, dass Christus, der von den Toten auferweckt wurde, nicht mehr stirbt. Der Tod ist nicht mehr Herr über ihn, denn was er gestorben ist, ist er der Sünder gestorben – ein für allemal. Was er aber lebt, lebt er Gott.

Jesus Christus ist das Vorbild für uns, sagt Paulus. Schau, der Herr Jesus ist gestorben, und der Tod kann über ihn nicht mehr regieren und nicht mehr herrschen.

Was er gestorben ist, das ist er in Bezug auf die Sünde gestorben. Er dient nicht mehr der Sünde. Er hat nie der Sünde gedient, aber er ist in Bezug auf unsere Sünde gestorben. Also müssen wir der Sünde auch nicht mehr dienen.

Und wenn der Herr Jesus jetzt lebt, auferstanden ist, so lebt er für Gott. Wir sollen es auch so machen, wir sollen es genauso tun, sagt Paulus.

Deshalb kommen wir jetzt zur eigentlichen Anwendung in Vers 11 bis 14.

Praktische Aufforderungen zum Leben in der Freiheit von der Sünde

Aber bevor ich lese, ja gut, lese ich noch die Verse elf bis vierzehn.

So auch ihr: Rechnet euch selbst stets als solche, die für die Sünde tot sind, andererseits als solche, die für Gott leben. Und zwar in Christus Jesus, unserem Herrn.

Lasst also die Sünde nicht König sein oder nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, um in seinen Lüsten ihr zu gehorchen – also der Sünde zu gehorchen.

Stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten – also solche, die aus den Toten hervorgegangen sind und jetzt leben. Stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit Gott zur Verfügung.

Denn die Sünde wird nicht Herr sein über euch, denn ihr seid nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.

Paulus wird jetzt ganz konkret: Was soll der Gerechtfertigte konkret tun, um über die Sünde Sieg zu haben? Drei Aufrufe in den Versen 11 bis 14. Wir gehen sie jetzt nacheinander durch.

Vers 11: So auch ihr, rechnet euch selbst als solche, die für die Sünde tot sind.

Er sagt: Rechnet mit den Fakten, rechnet mit den Tatsachen. Du bist tot für den alten Herrn und lebst jetzt für den neuen Herrn. Du hast den Herrn gewechselt. Der alte Herr hieß Sünde, und du warst ein Knecht der Sünde. Du hast getan, was dein Leib wollte, was die Lüste deines Leibes wollten.

Jetzt brauchst du das nicht mehr zu tun. Du hast einen neuen Herrn. Du lebst für den neuen Herrn. Für den alten bist du gestorben.

Also sollst du rechnen: Rechnet euch als tot in Bezug auf die Sünde. Das ist Tatsache, du bist wirklich tot.

Dann sagen wir: Ja, aber wie bin ich denn tot? Ich bin doch ganz lebendig.

Rechtlich gesehen bist du tot, weil jemand an deiner Stelle gestorben ist.

Können Sie sich an das Beispiel von gestern erinnern? Von dem Landwirt in Amerika, der seinen Knecht in den Krieg geschickt hat. Dann ist der Knecht an seiner Stelle gefallen.

Als der Befehl kam, dass er jetzt auch in den Krieg ziehen soll, sagte er: Ich bin tot.

Rechnet euch für tot – genau das ist gemeint. Rechnet mit den Fakten, mit den Tatsachen. Du bist gestorben. Du brauchst dich nicht mehr so zu benehmen, wie du es früher getan hast, was das alte Leben betrifft, das alte sündige Treiben. Du bist tot.

Also mit den Fakten rechnen.

Die Sünde kommt wie eine Einladung zu uns. Die Versuchung kommt wie eine Einladung, etwas Unerlaubtes zu tun. Das ist eine Versuchung: die Einladung, etwas Unerlaubtes zu tun.

Jetzt sagt der Apostel Paulus: Wenn die Einladung kommt, brauchst du nicht nur zu sagen: Ich bin tot. Ich muss nicht sündigen, weil ich gestorben bin. Ich darf jetzt für Christus leben.

Er sagt: Rechnet euch für tot und für lebendig aus dem neuen Herrn. Ihr lebt jetzt für den neuen Herrn. Ich muss nicht sündigen, weil ich jetzt einen neuen Herrn habe. Für ihn lebe ich.

Rechnet euch als solche, die für Gott leben, und zwar in Christus Jesus, unserem Herrn, haben wir das in Vers 11 am Ende.

Vielleicht schauen wir in unsere Bibel hinein: Rechnet euch als solche, die für die Sünde tot sind, andererseits als solche, die für Gott leben, in Christus Jesus, unserem Herrn.

Was heißt das „in Christus Jesus“? Inwiefern sind wir als Christen in Christus?

Vielleicht sagen wir: Ich sehe gar nicht, dass ich in Christus bin. Ich bin da ganz alleine, ich sitze ganz alleine. Ich sehe das nicht.

Nein, ich sehe es nicht. Das ist auch eine rechtliche Tatsache. Ich bin in Christus versetzt. Gott hat mich herausgenommen aus der alten Welt und in eine neue Welt versetzt.

Die neue Welt heißt Christus. Für ihn bin ich jetzt da. Mit ihm lebe ich und in ihm. Ich bin in ihm – so ein Hinein – das ist wie ein neues Lebenselement. In ihn hinein bin ich in eine neue Welt versetzt.

Es gibt Tiere, die können im Wasser und in der Luft leben, zum Beispiel Frösche. Man kann sie von der einen Welt in die andere versetzen.

Ein Frosch lebt vielleicht im Entwicklungsstadium ganz im Wasser. Dann ist sein Lebenselement das Wasser. Aber dann kommt er ans Land, und dann ist sein Lebenselement das Land.

Man kann also von einem Lebenselement ins andere wechseln.

Genauso früher waren wir im Fleisch. Das heißt, wir taten, was unser Körper wollte, die Lüste unseres Fleisches. Wir taten, was wir wollten.

Jetzt hat der Herr Jesus uns genommen und uns hineinversetzt in Christus.

Das heißt: Ich muss nicht mehr für die Lüste des Fleisches leben. Ich darf jetzt für Christus leben. Er ist meine Welt.

Er sagt: Ihr seid jetzt lebendig für Gott. Ihr lebt für Gott in Christus Jesus, unserem Herrn – hier am Ende von Vers 11.

Wir haben Leben in Christus Jesus.

Vielleicht fragen Sie sich: Wie sieht das praktisch aus?

Da müssen wir noch ein bisschen warten. Paulus redet nämlich drei Kapitel über dieses Thema: Kapitel 6, 7 und 8.

Aber ich kann schon ein bisschen vorgreifen.

Wie sieht es aus, wenn Christus mein Leben ist? Dann richte ich mich nach Christus aus. Dann spreche ich mit ihm, dann bitte ich ihn, dass er mich erinnert, dass er da ist.

Dann nähre ich mich von ihm, dann lese ich in der Bibel und schaue und esse geistliche Speise für meinen inneren Menschen.

Das ist das Thema in Kapitel 8.

Aber jetzt will er nur grundsätzlich sagen: Wir sollen damit rechnen, dass wir tot sind für den alten Herrn und lebendig für den neuen Herrn.

Und dann in Vers 12, was steht da?

Lasst also die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, um in seinen Lüsten ihr zu gehorchen.

Das heißt: Nein sagen.

Es kann sein, dass ich hundertmal am Tag Nein sagen muss – Nein zu meinen Lüsten, die jetzt gerade verboten sind, oder Nein zu meinen Launen, oder Nein zu meiner Ungeduld, Nein zu meinem Zorn und meiner Wut, weil der andere mich so stört und ärgert, Nein zu meinem Egoismus – hundertmal Nein.

Lasst die Sünde nicht herrschen!

Die Sünde ist eine Einladung, die mich einlädt, ihr zu gehorchen.

Er sagt: Gehorcht nicht, gehorcht nicht der Sünde.

Die Sünde möchte gern über uns regieren, über unseren Körper und vielleicht sogar über unser Denken.

Aber da darf ich entscheiden und sagen: Nein, ich darf wählen, von wem ich mich heute regieren lasse, und ich darf wählen, von wem ich mich die ganze Zeit in meinem Leben regieren lasse – vom neuen König, Jesus Christus, oder vom alten König, der Sünde.

Lasst den alten König nicht herrschen!

Wir haben ja verschiedene Lüste. Wir wollen gerne etwas genießen, wir wollen gerne etwas haben, wir wollen gerne etwas sein. Jeder von uns möchte wichtig sein.

Das steckt in uns drin, und grundsätzlich ist das ja nicht falsch.

Das hat Gott uns schon von der Schöpfung in uns hineingegeben: dass wir etwas haben möchten, oder dass wir etwas genießen möchten.

Wenn das nicht wäre, würden wir gar nichts essen und vielleicht verhungern.

Gott hat uns gewisse Wünsche und Verlangen gegeben, auch gewisse Lüste, die erlaubt sind.

Aber es gibt auch Dinge, die nicht erlaubt sind.

Durch den Sündenfall ist in unserem Inneren etwas geschehen. Unser Wesen ist irgendwie kaputtgegangen. So wie es ursprünglich geplant war, ist es nicht mehr.

Durch den Sündenfall Adams ist etwas in unser Leben eingezogen.

Wir haben ein Verlangen, etwas Böses zu tun.

Unsere Lust ist stärker, als sie sein sollte.

Ich möchte mehr haben, als ich haben sollte.

Ich möchte mehr genießen und möglichst alles auf einmal gleichzeitig genießen und nichts verpassen – mehr, als ich genießen sollte.

Ich möchte wichtiger sein, als ich bin, und größer sein, als ich bin.

So haben wir es also zu schaffen mit unseren Lüsten: etwas zu genießen, etwas zu haben und etwas zu sein.

Und die gehen manchmal in die falsche Richtung.

Es ist nicht nur, dass wir mehr haben wollen, wir wollen auch etwas anderes haben, als Gott eigentlich möchte, dass wir haben.

Wir meinen, es besser zu wissen als Gott.

Aber wir wissen es nicht besser.

Wir sollten lernen zu sehen, dass er uns liebt und dass er das, was er uns gibt, genau zur richtigen Zeit und im richtigen Maß gibt.

Aber da haben wir Probleme.

Die Sünde als Macht, als König kommt und sagt: Legt uns ein, etwas Unerlaubtes zu tun.

Deshalb sollen wir jetzt lernen, Nein zu sagen – hundertmal Nein.

Du sagst: Ja, woher soll ich die Kraft nehmen?

Die Kraft kommt schon.

Kapitel 8 wird davon sprechen, dass der Heilige Geist gekommen ist und dass wir die Kraft haben.

Aber ich muss zuerst überhaupt wollen.

Überall muss ich mich fragen: Was ist der Wille Gottes? Was will Gott eigentlich?

Es ist heutzutage ein großer Kampf unter Christen, weil sie sich nicht mehr einig sind, was Gott eigentlich will und was er nicht will.

Bei Gott gibt es kein Neutrales, bei Gott gibt es Gut und Böse.

Zum Beispiel das Thema Kultur.

Jemand hat mal gesagt: Wir haben heute ein großes Problem, Kultur ist heute neutral geworden in der Welt.

Man sagt: Ja, jedem seine Kultur, jeder soll so tun, wie er es halt gewohnt ist.

Aber Kultur ist etwas, was man regelmäßig tut, man pflegt es: wie man sich kleidet, wie man sich anzieht, wie man sich beim Essen benimmt – das ist die Esskultur, das ist die Kleidungskultur, das ist die Redekultur.

Es gibt verschiedene Kulturen.

Jetzt ist die Frage: Gibt es gute oder böse Kultur?

Die Welt sagt: Das ist alles neutral.

Musik ist auch Kultur, Zeichnen und Kunst und alles Mögliche, was die Leute so tun, ist Kultur, was man pflegt zu tun.

Aber die Bibel sagt: Es gibt böse Kultur und es gibt gute Kultur. Es gibt Dinge, die böse sind, und Dinge, die gut sind.

Gott ist an allem interessiert, auch an unserer Haartracht, auch an unserer Kleidung, auch an der Musik, die wir hören und machen, auch an der Art, wie wir essen, wie wir uns benehmen und wie wir in die Versammlung kommen.

Gott ist an allem interessiert.

Heute sagt man: Gott sei das gar nicht interessiert, Hauptsache dein Herz ist richtig.

Ja, aber wenn dein Herz richtig ist, dann wird sich das irgendwie in deiner Kultur auswirken.

Das ist nur ein Beispiel.

Ein Christ muss sich heute immer wieder fragen und überlegen: Was möchte eigentlich der Herr? Was ist der Wille Gottes?

Wenn er erkannt hat, was der Wille Gottes ist, muss er sagen: Okay, dann will ich so leben.

Und er muss Ja sagen zum Willen Gottes und Nein sagen zur Sünde.

Er soll die Sünde nicht herrschen lassen in seinem Leibe, nicht der Sünde gehorchen durch ein Leben nach den Lüsten des Leibes.

Das Dritte, Vers 13: Stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten.

Also Ja sagen: Unsere Glieder Gott zur Verfügung stellen.

Zuerst Nein sagen: die Sünde nicht herrschen lassen.

Jetzt Ja sagen: Unsere Glieder Gott zur Verfügung stellen, nicht dem Sünder, sondern dem Herrn, als Waffen der Gerechtigkeit.

Wir wollen dem Herrn dienen und unsere Glieder wie Waffen ihm zur Verfügung stellen.

Manche Übersetzungen haben Werkzeuge. Das eigentliche Wort kann beides bedeuten.

Damals, in der damaligen Zeit, als das hier geschrieben wurde, bedeutete es eher Waffen als Werkzeuge.

Das ist jetzt nicht so wichtig.

Wichtig ist, dass wir unsere Glieder nicht der falschen Stelle zur Verfügung stellen, dass wir sie nicht dem alten Herrn, dem König der Sünde, zur Verfügung stellen, sondern Gott.

Ich habe noch etwas vergessen bei Vers 12 am Ende.

Da ist ein etwas schwieriger Satzteil:

Lasst die Sünde nicht König sein in eurem sterblichen Leibe, um in seinen Lüsten ihr zu gehorchen.

Wir sollen nicht den Lüsten des Leibes gehorchen, und zwar der Sünde als König.

Besonders wenn die Sünde uns etwas befiehlt, etwas zu tun nach den Lüsten unseres Leibes, dann sollen wir nicht gehorsam sein.

Der Leib ist noch nicht wiedergeboren.

Der Leib wird nicht wiedergeboren im Sinne von: Der Leib ist derselbe vor und nach der Bekehrung. Im Grunde ist alles das Gleiche.

Aber was neu ist, das ist, dass Christus in mein Leben hereingekommen ist.

Das Neue ist, dass ich den Heiligen Geist jetzt besitze.

Wenn ich den Heiligen Geist besitze, habe ich eine neue Kraft in meinem Leben.

Davon spricht Paulus in Römer 8.

Der Leib an sich macht uns oft zu schaffen.

Er ist müde, wenn er wach sein soll.

Er will schlafen, wenn er beten soll.

Er will Lust haben, wenn er gerade keine haben soll.

Wenn er diszipliniert sein soll, ist er manchmal nicht diszipliniert.

Er will einfach selbständig etwas tun.

Da müssen wir hergehen und sagen: So, mein lieber Freund, du stehst jetzt auf, jetzt ist Aufstehzeit, raus aus dem Bett, und du gehorchst jetzt, und zwar sofort.

Was macht der Leib? Er will nicht gehorchen.

Dann müssen wir ihm einen Schubs geben, damit er aus dem Bett steigt.

Manchmal müssen wir ein bisschen hart mit ihm umgehen.

Gut, manchmal braucht er den Schlaf, wenn er zu wenig hatte.

Dann sind wir wahrscheinlich selbst schuld, weil wir zu spät ins Bett gegangen sind.

Aber manchmal muss man schon ein bisschen hart mit ihm verfahren.

Man darf nicht einfach nach den Launen und Lüsten des Leibes leben.

Wir wurden nicht zum Sündigen geschaffen.

Wir wurden nicht geschaffen, um ungeduldig zu sein.

Wir wurden nicht geschaffen, um unfreundlich zu sein.

Wir wurden nicht geschaffen, um nach Lust und Laune zu leben und egoistisch zu sein, maßlos zu essen und zu trinken.

Wir leben nicht für das Essen, sondern wir essen, um zu leben.

Wir wurden nicht geschaffen, böse Laute von uns zu geben, wie ein Hund oder Ähnliches.

Wir wurden nicht geschaffen zur Habsucht.

Wir wurden geschaffen, um für Gott zu leben, für ihn da zu sein.

Deshalb sollen wir unsere Glieder ihm zur Verfügung stellen, so dass sie ihm dienen als Waffen der Gerechtigkeit.

Wir sollen unsere Glieder einsetzen.

Das sollten wir ganz konkret tun.

Da sollen wir sagen: Herr, bitteschön, hier ist meine Zunge, nimm sie, nimm meine Zunge, die soll für dich sprechen.

Hier sind meine Organe, hier sind meine Hände, hier sind meine Füße, die sollen jetzt für dich unterwegs sein.

Hier sind die Finger, die sollen für dich schreiben.

Und die Ohren, die sollen für dich hören.

Der Herr ruft uns zum Dienst auf.

Viele Christen hätten weniger Schwierigkeiten mit Versuchungen, wenn sie mehr für den Herrn tätig wären, weil sie dann keine Zeit mehr hätten oder nicht mehr so viel Zeit hätten, um auf mögliche Versuchungen einzugehen.

Ein Bruder hat mir gesagt: Wenn Christen Urlaub machen, muss man mehr für sie beten als wenn sie in der Arbeit sind.

Im Urlaub kommen sie auf alle möglichen Ideen.

Also für den Herrn tätig sein, das ist schon eine große Hilfe.

Wenn man leicht versucht wird, etwas Böses zu tun oder einem dumme Dinge einfallen, dann...

Es heißt einmal in Prediger 9, Vers 10: Alles, was deine Hand zu tun findet, das tu mit deiner Kraft.

Tu etwas für den Herrn, stell dich ihm zur Verfügung.

Müssigkeit ist aller Laster Anfang – kennen Sie den Spruch?

Wer dem Herrn dient, hat weniger Zeit, Kraft und Energie zum Sündigen.

Also die Minuten des Tages dem Herrn geben.

Wenn wir ein paar Minuten Zeit haben, was machen wir mit ihnen?

Schnell in YouTube oder schnell ins Gebet?

Stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit Gottes zur Verfügung.

Die Geschlechtlichkeit: „Herr, hier ist meine Geschlechtlichkeit, die soll für dich da sein.

Ich möchte nicht meinem Leib der Unzucht geben.

Und meine Gedanken: Was ist der Dienst, den du tust? Welchen Dienst tust du für den Herrn?

Wir sollen einander mal fragen: Was tust du für einen Dienst? Was ist dein Dienst?

Oder vielleicht hast du mehrere Dienste.

Was sind deine Dienste?

Viele Christen haben keinen Dienst, sie tun nichts.

Ich meine nicht einen Dienst, den alle wissen, so einen eingetragenen Dienst oder einen verordneten Dienst, sondern etwas, was man sich vor dem Herrn einfach entschieden hat.

Dem Herrn zu dienen: Ja, Herr, das mache ich jetzt für dich.

Die Gemeinde Jesu ist nicht wie ein Fußballspiel.

22 Leute laufen hinter einem Ball her, die bräuchten unbedingt Erholung.

Und 22 Menschen sitzen rundherum und bräuchten unbedingt Bewegung.

So ist es nicht.

Gemeinde Jesu ist ein Leib, in dem alle Glieder für die anderen da sind.

Einer ist für den anderen da.

Dann wollen wir unsere Glieder dem Herrn zur Verfügung stellen.

Vers 14 kommt die Motivation, der Beweggrund.

Vers 14 heißt es: Denn die Sünde wird nicht Herr sein über euch, denn ihr seid nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.

Unter dem neuen Herrn haben wir Gnade.

Was heißt das?

Gnade heißt, dass der Herr uns beschenkt mit Kraft und Hilfe.

Unter dem neuen Herrn geht es uns gut.

Unter dem alten Herrn war es ein Sklaventreiber, der uns gepeitscht hat.

Wir mussten ihm gehorchen, wir mussten nach unserer Lust und Laune leben.

Wir mussten böse handeln.

Aber unter dem neuen Herrn haben wir Gnade.

Daher können wir über die Sünde siegreich sein.

Er sagt: Denn die Sünde wird nicht über euch Herr sein, nicht über euch herrschen.

Denn ihr seid nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.

Wann wird die Sünde nicht über uns Herr sein?

Dann, wenn wir das tun, was er gerade vorher gesagt hat.

Wenn wir unsere Glieder Gott zur Verfügung stellen, wenn wir Nein sagen zur Sünde und Ja sagen zu Gott und ihm die Glieder zur Verfügung stellen.

Dann merken wir, dass die Sünde uns gar nicht beherrschen wird.

Wenn wir unsere Glieder Gott zur Verfügung stellen, dann wird die Sünde nicht Herr sein können, weil dann der Herr, Jesus Christus, Herr ist.

Dann ist eine andere Kraft da, die uns motiviert und beschenkt.

Er sagt: Ihr seid nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.

Was heißt das?

Früher waren wir unter dem Gesetz.

Das Gesetz hat gesagt: Du sollst, du sollst, du sollst.

Zehnmal: Du sollst.

Aber das Gesetz war ja gut, oder?

Das Gesetz hat gute Dinge gesagt: Du sollst nicht lügen, du sollst nicht stehlen, du sollst Gott lieben von ganzem Herzen.

Das ist wunderbar.

Aber was hilft es, wenn ich keine Kraft habe?

Allein „Du sollst“ ist zu wenig.

Der neue Herr gibt mir auch die Kraft dazu.

Der neue Herr nimmt mich mit und sagt: Komm, ich schlüpfe in deinen Arm hinein.

Borg mir deinen Arm und gib mir deine Zunge.

Ich schlüpfe hinein, und es kommen freundliche Worte heraus.

Der neue Herr rüstet mich aus mit dem, was ich brauche.

Darüber wird er in Kapitel 7 und 8 noch sprechen.

Also: Ihr seid nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.

Ihr seid nicht mehr unter dem Gesetz Mose.

Mose war der alte Herr, durch den die Sünde herrschen konnte.

Das heißt, durch das Gesetz Mose wurde die Sünde offenbar.

Das Gesetz hat gesagt: Du sollst nicht begehren, du sollst nicht unzüchtig sein, du sollst deinen Eltern gehorchen.

Das Gesetz hat mir meine Sünden aufgedeckt.

Aber er sagt: Ihr seid jetzt nicht mehr unter dem Gesetz Mose.

Mose ist nicht mehr unser Chef.

Unser neuer Herr heißt Jesus Christus.

Durch das Gesetz Mose wurde offenbar, dass wir Sünder sind.

Aber durch Christus bekommen wir Kraft für ein neues Leben.

Wir sind nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.

Hier geht es also um zwei Regime: die Regierung des Gesetzes und die Regierung der Gnade – Mose oder Jesus Christus.

Wenn ich nach Regeln ausgerichtet bin, nach „Du sollst, du sollst, du sollst“, dann bin ich unter dem Gesetz.

Dann lebe ich nach Regeln.

Dann lebe ich nicht aus der Liebe zu Christus.

Dann habe ich ein furchtbares Leben.

Ich kenne solche Christen.

Sie leben nur nach Regeln.

Sie sind ganz konzentriert auf die Regeln und das Gesetz, statt auf Christus.

Wenn ich auf Christus konzentriert bin, liebe ich das Gesetz.

Warum?

Weil ich das Gesetz mit anderen Augen sehe.

Dann kann ich mit der Hilfe von Jesus Christus das tun, was er gerne hat.

Wenn ich Christus aus den Augen verliere, ist alles mühsam.

„Meine Gnade reicht aus für dich“, 2. Korinther 12, Vers 9.

Denn „meine Kraft ist an der Stelle der Schwachheit vollkommen, meine Gnade reicht dir aus, weil meine Kraft vollkommen ist.“

Bei Luther heißt es: „Lass dir an meiner Gnade genügen.“

Kennen Sie den Spruch? „Lass dir meiner Gnade genügen!“

Im Griechischen heißt es genau genommen: „Meine Gnade genügt dir.“

Es ist eine Verheißung.

Jetzt habe ich viel geredet.

Wenn Fragen aufgetaucht sind, dürfen Sie ruhig fragen.

Das soll jetzt nicht nur ein Einbahn-Gespräch sein.

Sind zu diesen Versen noch Fragen aufgetaucht?

Vielleicht habe ich zu schnell gefragt.

Sie müssen sagen: Warten Sie einmal, ich müsste erst einmal nachdenken über das, was Sie gesagt haben.

Dann kommen schon die Fragen.

Ich gebe Ihnen noch Zeit, Sie können noch nachdenken.

Inzwischen lese ich noch etwas.

Die Sklaverei der Sünde und die Freiheit in Christus

Im Kapitel 6, Verse 15 bis 23, möchte ich gerne noch einige Verse mit Ihnen lesen. Danach können wir uns Zeit für Fragen nehmen. Schauen wir uns nun den nächsten Abschnitt an. Ich suche ihn gerade hier.

Wir kommen zurück: Ich habe hier den ersten Punkt, der war Kapitel 6, Verse 1 bis 14, und behandelt, warum ein Leben in Sünde nicht in Frage kommt. Erstens, weil wir gestorben sind (Kapitel 6, Verse 1 bis 14). Zweitens, in Kapitel 6, Verse 15 bis 23, wird erklärt, warum ein Leben in Sünde nicht in Frage kommt: weil wir von der Sünde befreit sind und nun Sklaven Gottes sind.

Was Paulus jetzt in Kapitel 6, Verse 15 bis 23 sagt, ist viel einfacher als das, was er bisher in den ersten Versen ausgeführt hat.

Vers 15: „Was also, werden wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz sind, sondern unter der Gnade? Sollen wir also weiter sündigen, weil wir ja unter der Gnade sind und es ist ja alles geschenkt?“ Wunderbar, sagt er, das sei ferne! Sündigen ist nicht erlaubt, denn es geht um Gehorsam und um ein Ziel, das wir erreichen wollen.

Vers 15: „Was also, werden wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz sind, sondern unter der Gnade? Das sei ferne!“

Vers 16: „Wisset ihr nicht, dass, wem ihr euch als Knechte zum Gehorchen zur Verfügung stellt, ihr dessen Knechte seid, dem ihr gehorcht? Ob Knechte der Sünde zum Tode oder Knechte des Gehorsams zur Gerechtigkeit.“

Vers 17: „Aber Gott sei Dank, dass ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber von Herzen gehorchtet, gehorsam geworden seid dem Muster der Lehre, dem ihr übergeben wurdet. Nachdem ihr aber von der Sünde freigemacht wurdet, wurdet ihr der Gerechtigkeit dienstbar.“

Was sagt Paulus hier? Er sagt: Schaut einmal, wenn wir das Thema haben, ob ein Christ noch sündigen soll, möchte ich euch ganz einfach fragen: Wofür sind wir denn Knechte? Sündigen heißt ja, nicht zu gehorchen, und das führt zum Tod. Gehorchen führt zur Gerechtigkeit, also ungehorsam zu sein führt zum Tod und gehorsam zu sein führt zur Gerechtigkeit, zu einem schönen, gerechten Leben, zur Heiligkeit.

Er sagt: Schaut, ihr habt euch früher der Sünde zur Verfügung gestellt. Wisset ihr nicht, wem ihr euch als Knechte zum Gehorsam gegeben habt? Wenn ihr euch zum Gehorsam zur Verfügung stellt, seid ihr dessen Knechte, dem ihr gehorcht, entweder Knechte der Sünde zum Tode oder Knechte des Gehorsams zur Gerechtigkeit. Also: Wessen Knecht willst du sein? Willst du ein Knecht der Sünde sein, das führt dich aber zum Tode, oder willst du ein Knecht des Gehorsams sein, das führt dich zur Gerechtigkeit?

Er sagt, seien wir dankbar, dass es vorbei ist. Seien wir dankbar, dass wir Knechte der Sünde gewesen sind – das ist Vergangenheit – und dass wir jetzt gehorsam geworden sind dem Muster der Lehre, dem wir übergeben wurden. Nachdem ihr aber von der Sünde freigemacht wurdet, wurdet ihr der Gerechtigkeit als Knechte dienstbar. Also ihr seid jetzt Knechte der Gerechtigkeit geworden.

Sünde, Sündigen führt zum Tode, Gehorsam führt zur Gerechtigkeit. Also bedeutet die Tatsache, dass wir nicht unter dem Gesetz sind, nicht, dass wir nicht unter einem Gebot stehen. Wir haben trotzdem einen Herrn.

Manche Christen meinen, na ja, als Christen sind wir nicht mehr unter dem Gesetz und deshalb können wir tun, was wir wollen. Die haben es nicht verstanden. Wir sind nicht mehr unter Mose, sondern unter Christus. Es ist nicht so, dass ihr sagt: Ihr seid nicht mehr unter Mose, weg mit Mose, ihr seid jetzt frei, ihr könnt tun und lassen, was ihr wollt. Nein, ihr seid Knechte Jesu Christi geworden. Und der zweite Herr ist ein guter Herr. Er liebt dich, dieser zweite Herr.

Gott sei Dank, dass ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber jetzt von Herzen gehorsam geworden seid dem Muster der Lehre, dem ihr übergeben wurdet (Vers 17).

Die Römerchristen hatten ein Muster der Lehre. Das Muster war das Evangelium. Das Evangelium war ihnen verkündigt worden, das neue Wort Gottes, das Evangelium, das Wort der Apostel. Das war das Muster der Lehre, und dieses Muster der Lehre haben sie gehört und angenommen. Und es wurde ihnen übergeben.

Hier sagt Paulus sogar nicht nur, dass das Wort euch übergeben wurde, sondern: Ihr wurdet dem Muster übergeben. Steht das bei Ihnen auch so? Das Muster, dem ihr übergeben wurdet, oder steht da: das Muster, das euch übergeben wurde?

Vers 18, Vers 17 am Ende: „Der ihr der Lehre, der ihr ergeben seid, ja, oder übergeben seid“, noch besser. Also ihr wurdet der Lehre übergeben.

Wissen Sie, was das heißt? Das ist so: Hier ist die Bibel, und er sagt nicht: Ich gebe dir die Bibel, nein, er sagt: Hier ist die Bibel, und ich gebe dich der Bibel. Das ist jetzt dein Lebenselement. Darin kannst du dich jetzt austoben. Bitteschön, ich nehme dich und stelle dich da in die Bibel hinein, und jetzt lass dich bearbeiten von dem Wort Gottes.

Das ist gemeint: Du bist jetzt dem Muster des Wortes Gottes übergeben. Paulus sagt in der Apostelgeschichte 20, Vers 32: „Ich übergebe euch dem Wort, nicht ich gebe euch das Wort, sondern ich übergebe euch dem Wort.“ Das heißt: Bitteschön, ich überlasse euch jetzt dem Wort Gottes und beschäftigt euch damit. Lasst euch prägen und lehren vom Wort Gottes. Lasst euch von diesem Wort den Rest eures Lebens füllen!

Vers 18: Übrigens, die Stelle war Apostelgeschichte 20, Vers 32: „Brüder, ich übergebe euch Gott und dem Wort seiner Gnade, das Kraft hat, euch aufzubauen und ein Erbe zu geben unter allen Geheiligten.“

Jetzt zurück zu Römer 6, Vers 18: „Nachdem ihr aber von der Sünde freigemacht wurdet, wurdet ihr der Gerechtigkeit dienstbar.“ Also ihr seid jetzt Sklaven der Gerechtigkeit geworden.

Wir sind immer Sklaven. Die Menschen sind immer Sklaven, entweder Sklaven der Sünde oder Sklaven Gottes. Wir sind nicht selbständig, wir sind nie selbständig. Wir sind nicht das Maß aller Dinge. Wir sind immer: Entweder lassen wir uns prägen von der Sünde und lassen uns steuern von der Sünde, oder wir lassen uns steuern von Gott.

Es gibt nur diese zwei Möglichkeiten. Wer sich von Gott nicht steuern lässt, lässt sich automatisch von der Sünde steuern. Auch wenn er noch so viel sagt: „Ich lasse mich nicht“, doch er lässt sich steuern.

Es gibt Leute, die sagen: „Ich lasse mich von niemandem beeinflussen.“ Die sind schon beeinflusst, schon längst von dem Leben dieser Welt, von dem Treiben dieser Welt, wo der Fürst dieser Welt herrscht und wo die Sünde herrscht.

Also wir sind immer Knechte. Und wir sollen nicht fragen: „Was will die Sünde?“, sondern: „Was will der Herr? Was ist gut in den Augen des Herrn?“

Vers 19: „Ich spreche auf menschliche Weise wegen der Schwachheit eures Fleisches: Denn so, wie ihr eure Glieder als Knechte zur Verfügung gestellt habt der Unreinigkeit und der Gesetzlosigkeit zur Gesetzlosigkeit, so stellt nun eure Glieder als Knechte zur Verfügung der Gerechtigkeit zur Heiligung.“

Er sagt: Wenn ihr schon beim Sündigen so treu wart, dann seid jetzt treu an Gerechtigkeit. Tutlich, dann seid jetzt treu gegenüber dem Herrn Jesus. Wenn ihr euch schon früher der Sünde so treu zur Verfügung gestellt und hingegeben habt, so stellt euch jetzt dem Herrn Jesus zur Verfügung und gebt euch ihm hin.

Vers 20: „Denn als ihr Knechte der Sünde waret, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit.“

Als ihr Knechte der Sünde wart, früher, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. Da war die Sünde euer Chef, die Gerechtigkeit war nicht euer Herr. Und jetzt ist die Gerechtigkeit euer Herr, und die Sünde ist nicht mehr euer Herr. Aber Sklaven seid ihr immer, entweder Sklaven der Sünde oder Sklaven der Gerechtigkeit.

Als ihr Knechte der Sünde wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr denn damals für Frucht? Dinge, über die ihr euch jetzt schämt. Man schämt sich, wenn man darüber nachdenkt, dass man früher alles für Werke hervorgebracht hat.

Er sagt: Schau, das war das Ergebnis. Es war kein schönes Ergebnis früher, oder? Nein, es war nicht schön. Ich schäme mich.

Das Ende dieser Dinge ist der Tod. Sündigen führt immer zum Tod. Und wenn man nicht Buße tut, landet man dort beim ewigen Tod.

Sündigen ist immer Richtung Tod, egal ob Christ oder Nichtchrist. Wenn man anfängt zu sündigen, geht man einen kleinen Schritt Richtung Tod. Würde man da weitergehen und nicht Buße tun, würde man im Tod landen, im ewigen Tod.

Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod.

Vers 21: „Was hattet ihr damals für Frucht? Dinge, über die ihr euch nun schämt, denn das Ende derjenigen ist der Tod.“

Vers 22: „Nun aber von der Sünde frei gemacht, aber Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht hin zur Heiligung.“

Also jetzt seid ihr frei von der Sünde, jetzt seid ihr Knechte des Herrn. Und was ist die Frucht? Ein Leben in Richtung Heiligung, nicht in Richtung Sünde und Tod, sondern in Richtung Heiligwerden und noch heiliger.

Heiligkeit ist eigentlich rein und abgesondert, so wie Gott selber rein ist und abgesondert vom Bösen, zugeordnet zu Gott. Mit Sünde nicht mehr in Berührung. Heilig ist alles, was nicht mit Sünde in Berührung ist. Es ist rein, es ist sauber, und es gehört Gott, es gehört auf die Seite Gottes.

Gott ist der einzige, der wirklich im Wesen heilig ist, und wir sind im Wesen sündig. Und wenn wir jetzt Gott zum Herrn bekommen, dann wird unser Wandel mehr und mehr heilig werden. Wieso? Weil Gott uns in seine Schule nimmt, weil er uns erzieht, weil er uns vom Bösen absondert und zu sich hin zuordnet, weil er uns die Sünden vergibt und uns reinigt.

Dann geschieht tatsächlich etwas in unserem Leben. Dann wird es etwas anderes. Gottgeweihte Menschen werden wir.

Vers 23: „So habt ihr eure Frucht zur Heiligung. Das Ende aber ewiges Leben.“

Da geht es in diese Richtung: ewiges Leben. Dort werdet ihr landen, wenn ihr da weitermacht.

Vers 23: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod.“

Sünde zahlt nie gut. Sünde ist ein schlechter Herr. Sie zahlt immer mit Tod. Das ist der Lohn, den die Sünde zahlt.

Aber das Geschenk Gottes, die Gnadengabe Gottes, ist ewiges Leben – nicht Leistung, nicht Leistung.

Es geht im Christentum nicht um Leistungen. Manche von uns sind Leistungsmenschen. Wir meinen, das war nur dann ein guter Tag, wenn ich zehn Dinge oder zwanzig Dinge abgehakt habe. So habe ich heute etwas geleistet, jetzt bin ich ein guter Mensch.

Es geht nicht immer um Leistung. Vielleicht bist du einfach nur da gewesen, aber allein die Tatsache, dass du da warst für deine Kinder, das war sehr wichtig. Vielleicht hat man nicht viel leisten können, aber man hat gelebt für den Herrn Jesus.

Es muss nicht immer eine großartige Leistung sein. Die Gnadengabe Gottes ist ewiges Leben, nicht Leistung, sondern Gnade.

Paulus sagt mal: „Ich habe mehr gearbeitet als sie alle, aber nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir war.“ Es war die Gnade des Herrn.

Jeden Dienst, den ich tun durfte, habe ich als Geschenk betrachtet, als Geschenk von Gott.

Denn der Lohn der Sünder ist der Tod, aber die Gnadengabe Gottes ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.

Wo ist das Leben? In Christus, denn er ist das Leben, er ist das ewige Leben.

Und wenn ich einmal am Ziel angekommen bin, dann bin ich bei Christus ganz praktisch. Dann bin ich zu Hause beim Herrn.

Heute habe ich schon Leben in Christus Jesus, aber ich kann es noch nicht ganz genießen. Bis zu einem gewissen Maß kann ich es genießen, Herr Christ zu sein.

Ich darf beten und mich freuen mit dem Herrn Jesus und vielleicht einige Gebetserhörungen erleben, und er ermutigt mich.

Aber ich kann den Herrn Jesus nicht sehen, und ich kann dieses neue Leben nicht in vollem Maße auskosten und genießen.

Eines Tages werde ich bei ihm sein, in der Ewigkeit. Wenn dieser Lauf zu Ende ist in diesem Leben, dann bin ich bei ihm.

Dann kann ich genießen in vollen Zügen. Dann darf ich essen vom Baum des Lebens und trinken vom Wasser des Lebens ohne Maß – maßlos.

Heute kann ich auch essen von der Bibel, geistlich trinken, mich ernähren, aber es ist immer nur begrenzt.

Ich genieße noch nicht alles das Geistliche. Es stört mich noch viel auf dem Weg, ich habe eine Umwelt, die mich stört, ich habe Schwierigkeiten und einen Leib, der mich zur Sünde verführen möchte, oder die Sünde möchte herrschen über mich.

Ich habe Schwierigkeiten, das macht das Leben auch ein bisschen schwierig.

Aber ich komme dann wieder zum Herrn Jesus und ich bete: „Herr Jesus, hilf mir, ich kann nicht ohne dich.“ Und dann hilft er mir wieder.

Das ist eine gewisse Spannung, in der wir leben, bis wir beim Herrn sind.

Wir sagen hundertmal Nein zur Sünde, und das ist ein Kampf, aber es lohnt sich.

Eines Tages werde ich ganz bei Christus sein.

Die Gnadengabe Gottes, das Geschenk Gottes, ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.

Für Sünder gibt es Lohn nach den Werken, für die Glaubenden, die an den Herrn Jesus glauben, gibt es ein Geschenk: ewiges Leben in Christus Jesus.

Jetzt können wir noch ein bisschen Zeit nehmen. Sind da jetzt Fragen aufgetaucht in Römer 6? Ich habe jetzt ziemlich schnell den zweiten Teil durchgelesen, aber es sind sicher Fragen da, auch im ersten Teil.

Wir haben ja morgen und übermorgen Kapitel 7, und dann noch zwei Abende für Kapitel 8, oder je nachdem, wie weit wir morgen kommen.

Vielleicht morgen ein bisschen weiter, wir sehen das dann.

Die Spannung im Christenleben und die Lösung durch den Heiligen Geist

Paulus spricht manchmal etwas schwierig oder ungewohnt für uns, zum Beispiel in Römer 6 und auch in Römer 8. Wenn man sich jedoch mehr Zeit nimmt und die Verse mehrmals liest, vielleicht sogar in verschiedenen Übersetzungen, wird es leichter. Auch diese Abende, an denen wir den Text gemeinsam besprechen, sind dazu gedacht, uns beim Verstehen dessen zu helfen, was der Apostel Paulus gesagt hat. So erhalten wir praktische Hilfe.

Paulus sagt ja auch in Kapitel 7: „Das Böse, das ich nicht will, das tue ich, und das Gute, das ich tun will, das tue ich nicht.“ Das macht ihm zu schaffen. Er beschreibt dort diese innere Spannung, die entsteht. In Römer 7 gibt er jedoch keine Antwort, sondern beschreibt nur, was los ist. Die Antwort finden wir in Kapitel 8.

In Kapitel 8 zeigt Paulus uns, dass Gott nicht nur den Herrn Jesus ans Kreuz geschickt hat, sondern noch mehr getan hat. Nachdem er den Herrn Jesus auferweckt hat und dieser in den Himmel gegangen ist, hat er den Heiligen Geist gesandt. Der Heilige Geist ist die Lösung für genau dieses Problem: Wir kämpfen mit Sünden, die wir eigentlich nicht tun wollen, und doch tun wir sie.

Wer ist der Heilige Geist? Der Heilige Geist ist der Herr Jesus. Der Geist Gottes ist der Geist Christi. Das ist die Lösung für das ganze Christenleben. Der Herr Jesus hätte hundertmal am Kreuz sterben können für mich, das hätte mir nichts geholfen, wenn der Heilige Geist nicht gekommen wäre.

Der Heilige Geist ist Jesus Christus, der jetzt in unser Leben hineinkommt – bei der Wiedergeburt. So lerne ich, mit einem unsichtbaren Geist zu leben, der in mir wohnt: Jesus Christus Geist.

Wie tut man das? Wie macht man das? Wie bekomme ich Kraft von diesem Geist? Das behandelt Paulus in Kapitel 8. Er sagt, wer geistlich ausgerichtet ist, also wer sich auf den Heiligen Geist konzentriert, beschäftigt seine Gedanken mit den Dingen der geistlichen Welt.

Wenn jemand sich nach den fleischlichen Dingen richtet und seine Gedanken mit den Dingen des Fleisches beschäftigt, was geschieht dann? Die Lust des Fleisches wird wach. Je mehr ich mich auf die Lust des Fleisches konzentriere, desto stärker wird sie. Ich merke, es zieht mich immer mehr, und ich kann fast nicht mehr loslassen.

Wenn ich mich mit irdischen Dingen, Launen und Lüsten meines Fleisches beschäftige und viel darüber nachdenke, füttere ich sie vielleicht noch, indem ich meine Gedanken mit allerlei Schund füttere. Dann darf ich mich nicht wundern, dass ich Probleme habe und mit gewissen Sünden nicht fertig werde.

Wenn ich mir ständig im Fernsehen oder in Filmen anschaue, wie Menschen böse miteinander reden, darf ich mich doch nicht wundern, dass auch aus meinem Mund etwas Böses herauskommt. Ich habe mich ja ständig mit solchen Dingen gefüttert, und dann wird das auch herauskommen.

Der Hund, den du fütterst, wird stärker. Ein Mann hatte mal zwei Kampfhunde. Er stellte sie einander gegenüber, und sie waren gleich stark. Dann fragte er: Was passiert, wenn ich dem einen Hund drei Tage lang nichts zu essen gebe und den anderen gut füttere? Natürlich wird der gefütterte Hund stärker sein. Genau so war es dann auch.

Ich habe in mir zwei Kräfte: die Kraft, die mich zum Sündigen zieht, und die Kraft des Heiligen Geistes, die mich zu einem Leben in Heiligung und Gerechtigkeit führt. Nun stellt sich die Frage: Was füttere ich?

Wenn ich mich mit Dingen füttere, die das Fleischliche fördern, darf ich mich nicht wundern, dass dieser Zug stärker wird. Wenn ich aber lerne, mich auf Christus zu verlassen, ihn in meinen Gedanken habe und mich geistig füttere, dann verändert das mein Leben.

Auch die Gesellschaft, in der ich mich bewege, macht einen Unterschied. Ich meine nicht, dass wir nicht in der Welt sein sollen – wir sind sowieso in der Welt. Aber was tue ich in meiner Freizeit? Womit füttere ich meine Augen? Was sehe ich mir an? Was lese ich? Was höre ich? Was lasse ich in meine Ohren hineinkommen? Das macht viel aus.

Paulus schreibt in seinen Briefen, auch Petrus und Jakobus schreiben in ihren Briefen immer wieder an die Christen und zeigen ihnen, womit sie sich beschäftigen sollen: „Sinnet auf das, was droben ist, wo Christus ist.“ Denkt an die Dinge, die oben sind, richtet eure Gedanken dorthin und auch eure Sehnsüchte und Verlangen.

Wir Menschen sind so gebaut: Woran wir denken, danach sehnen wir uns. Womit wir uns beschäftigen, das nährt unsere Wünsche oder wir können sie auch zurückstellen. Wir sind so gemacht, und das macht viel aus.

Der Herr Jesus möchte uns Kraft geben. Darüber werden wir uns in Römer 8 noch einiges anschauen. Wollen wir hier vielleicht schließen und noch eine kurze Frage stellen?