
Polizisten im Dienst des Friedens
Persönliche Verbindung und erste Gedanken zur Weihnachtsgeschichte
Herzlichen Dank, es ist mir natürlich eine Ehre, diese Einladung hier zu erhalten. Mich verbindet manches mit der christlichen Polizeivereinigung. Das habe ich ja im Vorfeld schon gesagt, vor allem bei den Großveranstaltungen von Pro Christ. Dort müssen die Organisatoren mit allerlei Unwägbarkeiten rechnen und fertig werden. Dabei haben uns die Fachleute aus der CPV immer sehr, sehr geholfen. So sind auch viele persönliche Freundschaften entstanden.
Natürlich habe ich mich gefragt: Was soll ich als Nicht-Polizist sagen? Ich bin ja nur ein Nutznießer des Schutzes, den Sie mir in vielerlei Weise dauernd zukommen lassen. Wie könnte ich etwas sagen, das für Ihre berufliche Tätigkeit bedeutungsvoll ist? Dann habe ich aber an das Weihnachtsthema gedacht. Das ist eigentlich gar nicht schwer. Man muss einfach die Weihnachtsgeschichte lesen.
Das eine, was überhaupt in der Weihnachtsgeschichte nicht vorkommt, ist sentimentales, süßliches Gesäusel. Stattdessen geht es dort sehr, sehr, ich sage mal, gefährlich zu. Manchmal auch ruppig und hart. Jedenfalls das Milieu, das wir in Lukas 2 in der Weihnachtsnacht lesen, sollte sehr nah dran sein an dem herausfordernden beruflichen Alltag vieler Polizisten.
Also ließ ich mir die Geschichte einfach vor Augen führen: Die Geburt passiert. Politisch war die Geschichte damals schon aufregend und schwierig. Maria und Joseph kommen nach Bethlehem und bekommen kaum eine Unterkunft. Dann sind sie in so einem Verschlag, wahrscheinlich war das ein Verschlag oder Stall, wie man es nennt. Dort passiert die Geburt unter unsäglich unhygienischen Zuständen.
Und dann wird es ja spannend.
Die Hirten in der Weihnachtsnacht: harte Realität statt süsser Idylle
In Lukas 2, Vers 8, steht in der Lutherbibel: „Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr.“
Das ist zunächst die Situation.
Bei uns hat das mit den Hirten oft einen süßlichen Beigeschmack. Man muss aber zur Kenntnis nehmen, was Hirten eigentlich für Leute waren – das weiß man aus der Bibel und aus der Geschichte. Hirten hatten einen gefährlichen Beruf und eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Meist waren sie verantwortlich für die kommunale Schafherde, also für die Herden von verschiedenen Eigentümern aus der ganzen Region.
Die gefährlichste Zeit war die Nacht.
Ich war als junger Pastor und Vikar ein Jahr lang auf der Westbank bei Bethlehem. In Bejala habe ich gewohnt und kenne die Gegend daher sehr gut. Ich habe dort viele Fußspuren gesehen. Es ist eine Grenzgegend auf dem Bergland hin zur jüdischen Wüste. Die gefährlichsten Tiere dort sind Hyänen. Die Hyänen sind nachtaktiv, und das ist das Problem.
Wenn es hier heißt, die Hirten waren nachts und hüteten die Schafherden von Bethlehem, Bezerhur und Umgebung, dann bedeutet das nicht, dass sie einfach so vor sich hindösten. Es war die Zeit, in der die Hyänen angriffen.
Wer sich schon einmal im Orient aufgehalten hat und solche Tiere gesehen hat, weiß, dass Hyänen hässlich und gefährlich sind. Die Hirten waren bewaffnet mit einem anständigen Knüppel. Leider durften sie im Dienst keine Schusswaffen tragen und konnten diese auch nicht ziehen, wenn es darauf ankam. Das wäre hilfreich gewesen gegen diese Tiere. Sie mussten die Hyänen mit normalen Knüppeln bekämpfen – das war lebensgefährlich.
Das war das Kaliber dieser Menschen. Es waren Männer, die ihr Leben riskierten.
Damals galt: Wenn ein Schaf, eine Ziege oder anderes Vieh von Raubtieren gerissen oder gestohlen wurde, musste der Hirte den Verlust ersetzen. Es sei denn, er konnte ein Stück Fell oder Fleisch des getöteten Tieres vorweisen, das er dem Raubtier aus dem Maul gerissen hatte. Dann konnte er sagen: Ich habe gekämpft, ich habe mein Leben eingesetzt, aber ich habe verloren.
Wenn er das nicht konnte, musste er den Schaden selbst bezahlen.
Man muss sich das einmal vorstellen – das war eine große Verantwortung.
Das waren harte Burschen, die eine anstrengende Nachtwache hielten. Es gab keine großen Beleuchtungskörper, mit denen man die Gegend schützen konnte. Es war eine richtig finstere und gefährliche Nacht.
Gott wird Mensch inmitten von Härte und Gefahr
So, das ist die Situation, in der Gott Mensch wird. Er kommt auf unser Niveau, wird geboren unter den miesesten Verhältnissen, politisch in den schwierigsten Umständen. Damit zeigt er, dass Gott ins Elend dieser Welt kommt.
Die Ersten, die diese Botschaft erhalten, sind nicht die Pfarrer, Priester, Lehrer oder andere, die man vielleicht erwarten würde. Es sind die harten Männer auf der Nachtschicht, die sich in einer gefährlichen Situation befinden. Dort heißt es: Die Herrlichkeit des Herrn leuchtete auf.
Der Lichtglanz bedeutet in der Bibel das Offenbaren Gottes. Plötzlich ist blendendes Licht da. Von den Hirten wird auch berichtet, dass sie sich sehr fürchteten. Der Bote Gottes, der ihnen erscheint, sah sicherlich nicht aus wie die Engelchen, die heute oft dargestellt werden – kleine Putten, die süß herumfliegen.
Das Ganze war eine Erfahrung für hartgesottene Männer, die eigentlich auf gefährliche Situationen eingestellt waren. Mitten in der Nacht eine solche Begegnung zu haben, führte dazu, dass sie sich sehr fürchteten. Das möchte ich zum ersten Mal betonen: Das gehört zur Weihnachtsbotschaft.
Denn auch heute wissen manche Christen nicht, dass eine Begegnung mit Gott immer erschreckt. Wer der Wirklichkeit Gottes begegnet, fürchtet sich. Von den Hirten heißt es, sie fürchteten sich sehr. Die Herrlichkeit, das Licht, der Lichtglanz Gottes geht auf sie, und sie fürchten sich sehr.
Der Bote Gottes muss ihnen dann sagen: Fürchtet euch nicht! Gottesbegegnung an Weihnachten bedeutet also, dass man sich darauf einstellen muss, einer Wirklichkeit zu begegnen. Das ist nicht der liebe Gott, den wir uns ausgedacht haben. Es hat nichts mit dem Weihnachtsmann oder dem Christkind zu tun.
Das ist das Erste. Gott sucht sich diese Situation von extrem hartem Berufsleben in der Nachtschicht, in einer gefährlichen Lage aus. Diese Männer sollen als Erste die Botschaft hören: Gott wird Mensch, der Retter kommt, um Menschen zu helfen. Das ist das Erste.
Die Botschaft der Rettung und ihre Bedeutung für den Alltag
Und dann lese ich weiter: Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Ich sage es im Reich: Retter ist ein sehr schönes altes Wort. Im griechischen Urtext steht hier ein Wort, das jeder versteht – Der Retter. Euch ist heute der Retter geboren. Ich komme noch einmal darauf zurück.
Und das hat zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegend. Und sofort war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Herrscharen, die Gott lobten und sprachen. Das war ein Sprechchor. Es wird immer gesagt, sie hätten gesungen, aber hier steht „sie sprachen“. Das waren himmlische Chöre. Als Rapper würden wir heute sagen, sie sprachen und lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“
Stopp hier zunächst mal und ich sage: Warum betone ich, dass hier „Retter“ steht, wo Luther „Heiland“ übersetzt? Nichts gegen das wunderschöne alte Wort, aber Rettung – das wissen Sie – ist etwas anderes. Ich meine, die Polizei ist ein Freund und Helfer. Sie hilft auch Leuten in Situationen, die vielleicht nicht lebensbedrohlich sind, wenn jemand fragt: Können Sie mir sagen, wo es hier irgendwo hingeht? Die Polizei ist ja auch manchmal wirklich freundlich und hilfsbereit.
Solchen Einsatz würden Sie wahrscheinlich nicht als Rettungseinsatz beschreiben. Ein Rettungseinsatz ist immer dann, wenn es um Tod und Leben geht. Ich wohne hier nicht weit von einer ziemlich großen, belebten Kreuzung. Auf der anderen Seite, etwa einen Kilometer oder ein paar hundert Meter entfernt, ist eine der Hauptfeuerwachen von Kassel.
Da können Sie sich vorstellen: Es ist eine große vierspurige Straße, eine große Ampelkreuzung, die nur etwa 50 Meter von meiner Wohnung entfernt ist. Bei Tag und Nacht sind die Ausfahrten dort ständig in Betrieb. Dann müssen sie immer ihre Martinshörner einschalten, und das heult die ganze Nacht durch. Da fragt keiner: „Schlafen die alle ringsherum?“ Ich meine, die wohnen ja schon 40 Jahre dort, man gewöhnt sich an alles. Aber das ist gar nicht so schlimm.
Das heißt: Wenn Rettung ist, wenn es um Tod und Leben geht, dann sagen sie nicht: „Aber jetzt müssen wir leise sein, können wir vielleicht Mozart spielen?“ Nein, es muss laut und schrill sein, denn jetzt müssen sie auch bei Rot über die Ampel. Das ist lebensgefährlich, aber sie müssen darüber, damit möglicherweise Leben gerettet wird.
Wenn man an Weihnachten denkt, dann muss man immer an Blaulichtaktionen denken. Das, was Sie mit der Polizei als Rettungseinsätze in Gefahrensituationen fahren, ist ein angemessener Vergleich zu der Aktion der Weihnachtsnacht. Die himmlische Botschaft kommt mit einem Lichtglanz, der die hartgesottenen Männer in Furcht versetzt und erschreckt. Und mit dieser Botschaft: Rettung, Rettung, es gibt Rettung!
Ja, hier haben wir und unsere Nachbarn uns nie darüber beschwert, dass es hier diesen Dauerkrach gibt, weil wir wissen, dass wenn die Feuerwehr und die Rettungsfahrzeuge hier ausrücken, es um die Rettung von Menschenleben geht. Wir wissen, das ist dann Lebensmusik, auch wenn es keine Unterhaltungsmusik ist, auch wenn sie stört, auch wenn sie den Schlaf stört. Sie muss sein!
Das ist es für mich als jemanden, der das Evangelium sein Leben lang gepredigt hat und jetzt auch wieder. Ich bin jetzt auch an der Weihnachtszeit heftig unterwegs. Morgen gehe ich in die Karlsruher Gegend und werde am Weihnachtstag predigen und danach hier in Kassel. Es ist mir immer eine Freude, wenn ich diesen Text in der biblischen Geschichte im Lukasevangelium auslege. Ich sage: Das ist die raue Wirklichkeit. Es geht um Rettung.
Allerdings ist das auch das Problem, weil die meisten Zeitgenossen heute sagen: Wieso Rettung? So schlimm ist es nicht. Ja gut, wir haben Probleme, Hilfe können wir alle gebrauchen, ein Trösterchen können wir auch gebrauchen, aber Rettung?
Doch, und das ist die Wahrheit: Dass Jesus gekommen ist, heißt, er ist nicht gekommen, damit wir frommer, religiöser, netter werden, sondern weil wir getrennt sind von Gott. Auf unserem eigenmächtigen, selbstherrlichen Weg – die Bibel nennt das Sünde – sind wir getrennt. Das durchtrennt die Lebenslinien, die Lebensverbindung zu Gott. Und unser Leben geht in Zeit und Ewigkeit kaputt, verloren in die Verdammnis.
Wir zerstören unser Leben jetzt in der Zeit – das haben wir vor Augen. Und ihr im Polizeidienst habt das ja auch. Aber das betrifft mich als Seelsorger natürlich auch. Denn ich sehe ja die kaputten Familien, ich sehe den Hass, die geschundenen Frauen und Kinder. Und ihr werdet gerufen, wenn es um Tod und Leben geht. Ihr wisst genau, was in dieser Welt los ist.
Und an Weihnachten ist es nur derjenige kapiert, der weiß, was Weihnachten passiert ist. Der weiß, es geht um Tod und Leben. Nur wenn unser Leben verändert wird und wir mit Gott versöhnt werden, der Hass und die Lüge, die Habgier und der Ehebruch aus unserem Leben ausgerottet werden, und wir Vergebung unserer Schuld bekommen – das kann keiner selber machen, das kann nur Gott selber machen.
Er kommt in Jesus und schickt den Retter. Die Krippe ist ja nur der Start. Es endet ja dann am Kreuz, wo er das Gericht Gottes, das wir alle verdient haben, trägt und so unser Retter wird.
Die Botschaft verbreiten: Eile und Verantwortung der Hirten
Die Ersten, die die Nachricht erhalten, verkünden: Wir haben eine gute Nachricht. Diese ist eine Freudenbotschaft für alle, für das ganze Volk. Jeder soll sie erfahren können: Euch ist heute der Retter geboren, der Messias, Jesus heißt er.
Dann wird beschrieben, wie ihr das Kind finden werdet: in einem Verschlag, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe, dem Fressnapf für das Vieh. Mir kommt es so vor, als wolle Gott sagen: Ihr kennt doch Bertolt Brecht, der sagte: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral.“ So ist unsere Welt. Erst kommt das Fressen, dann die Moral.
Das ist der Grund, warum Gott als Ort seines Kommens in diese Welt gerade die Futterkrippe wählt. Das scheint mir das Symbol mit dem Signal zu sein. Er kommt direkt in die raue Wirklichkeit, mit der wir beruflich und ich als Seelsorger auch ständig konfrontiert sind.
Wir gehören zu der Gruppe von Menschen, die sich eigentlich von der Lebenslüge unserer Gesellschaft lösen. Diese Lebenslüge besagt, dass wir im Grunde alles im Griff haben, dass alles nicht so schlimm ist und wir uns schon selbst helfen können. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ – so heißt es. Wir brauchen keinen Retter, nur Hilfe. Es geht nicht um Tod und Leben.
Nein, das ist eine Lebenslüge! Wer mit der Wirklichkeit des Lebens zu tun hat und die Bibel liest, weiß, worum es wirklich geht. Die Weihnachtsbotschaft ist eine Botschaft des Lebensretters. In den schönsten Weihnachtsliedern, wie „O du fröhliche“, klingt die Rettungsbotschaft an: „Welt ging verloren, Christus ist geboren, freue dich!“
So ist Christus, der Retter, da. Das ist die Botschaft, die die Hirten erfahren. Und zum Schluss möchte ich noch kurz darauf eingehen, wie es weitergeht: In Lukas 2, ab Vers 15 heißt es, als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, also zurückkehrten in die unsichtbare Welt Gottes, sprachen die Hirten untereinander: „Lasst uns nach Bethlehem gehen und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“
Sie kamen eilends und fanden Maria und Joseph sowie das Kind in der Krippe liegen. Nachdem sie das gesehen hatten, verbreiteten sie das Wort, das ihnen über das Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, wunderten sich über die Rede der Hirten.
Zum Schluss heißt es: „Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie es ihnen gesagt worden war.“
Die Dringlichkeit der Botschaft und die Rolle der Gläubigen
Alle sagen zu Weihnachten: „Ich wünsche Ihnen besinnliche, ruhige Tage.“ Doch wenn ich die Weihnachtsgeschichte lese, finde ich darin weder Besinnlichkeit noch Ruhe, und von Stille ist auch nichts zu spüren – nur Hektik.
Es heißt, die Hirten sagten: „Lasst uns gehen!“ und sie kamen eilends. Sie sagten sich also nicht: „Das hat ja Zeit, morgen können wir immer noch.“ Nein, sie kamen schnell und brachen auf. Das war auch ein bisschen grenzwertig. Ich meine, sie hatten eine Herde zu versorgen, und ich habe ja gesagt, Nachtschicht mit hygienischen Herausforderungen und nachtaktiven Raubtieren – das war schon riskant. Ich weiß nicht, ob Polizisten nachts ihren Posten verlassen dürfen. Also, beruft euch nicht auf Lukas 2, wenn ihr euch so verhaltet. Das geht so nicht, das ist für die Aktiven im Dienst.
Aber es zeigt die Hektik, die Eile, die hier drinsteckt. Die Eile darin, dass sie jetzt wirklich sehen wollen, was passiert ist. Sie hatten eine großartige Botschaft vom Engel bekommen, aber jetzt wollten sie auch die Realität sehen. Sie finden das Kind in der Krippe und treffen Maria und Josef. Später heißt es, dass sie das Wort verbreiteten, das ihnen von diesem Kind gesagt worden war. Wir würden so gerne wissen, wie sie das gemacht haben. Haben sie nachts in Bethlehem geklingelt? Haben sie an Fensterläden geklopft? Wie auch immer.
Aber das gilt natürlich auch für euch in eurem Dienst. Eigentlich war das völlig unpassend. Es war doch gar nicht die Aufgabe der Hirten, so etwas zu tun. Das ist die Aufgabe der Pastoren, die christliche Botschaft zu verkünden. Nein, Gott sucht als Erste eine Gruppe Männer von der Nachtschicht aus, sagt ihnen, was Sache ist: Der Retter ist da! Geht hin und schaut euch ihn an! Sie gehen schnell, sie haben es eilig, Gewissheit zu bekommen.
Ich sage das, weil ich viele Gespräche mit Leuten habe, die Zweifel haben. Sie fragen: „Kann man Gott glauben? Wie ist das mit Jesus? Stimmt das alles bei diesen Weihnachtsgeschichten? Ist das nicht alles Märchen?“ In Kassel heißt der Weihnachtsmarkt „Märchenmarkt“, und so denken viele: Weihnachten ist für die meisten Märchen, hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun.
Doch die Hirten sind hier Botschafter, die den Leuten sagen müssen, was tatsächlich passiert ist. Gott hat Licht darauf geworfen, und wir haben das Kind in der Krippe gesehen – den Retter. Jetzt fängt die Geschichte an. Und sie erzählen das, obwohl es ja noch gar nicht richtig losgegangen ist. Sie konnten es ja noch gar nicht erklären.
Wir hören noch nicht viel über die Reaktion der Menschen, denn es konnte ja noch nicht viel Reaktion geben. Sie konnten ja noch nicht viel erzählen. Aber gleich am Anfang steht, dass diejenigen, die sich das eigentlich nicht vorgestellt hatten, dass das ihre Aufgabe wäre, von Gott beauftragt werden. Erstens: Ihr sollt gewiss sein, der Retter heißt Jesus. Zweitens: Guckt euch das an, ihr sollt selbst Gewissheit finden. Und dann geht und sagt es allen! Alle Menschen sollen es hören, ganz egal.
Damals waren es Leute, die kein Interesse daran hatten, die nicht gestört werden wollten. Niemand erwartete das. Jeder Mensch, den Gott geschaffen hat – auch alle, die Gott vergessen haben oder verdrängen – haben ein Geburtsrecht darauf, von uns Jesusnachfolgern zu erfahren, dass Jesus der Retter ist.
Wir Pastoren erreichen nur wenige in unserem Land. Wartet bitte nicht darauf, bis Pfarrer und Pastoren die Botschaft sagen. Jeder von euch hat beruflich bestimmte Menschen, die sonst niemand erreicht. Für diese hat Gott uns verantwortlich gemacht. Geht hin und sagt ihnen, was Sache ist!
Es geht um Tod und Leben in Zeit und Ewigkeit. Versöhnung mit Gott ist das Wichtigste, was ein Mensch braucht. Die Vergebung unserer Sünden ist das Wichtigste, was wir brauchen. Jesus, das Kind in der Krippe, der Mann am Kreuz, allein ist der Retter. Es braucht Menschen, die es gesehen und erlebt haben, die dann die Scheu verlieren und verstehen, dass es dringend ist. Es ist eine Blaulichtaktion.
Hier fragt man nicht, ob es den Leuten gefällt oder schön klingt. Wir müssen bei Rot über die Ampel gehen, denn es geht darum, Leben zu retten. Weihnachten ist eine Blaulichtaktion.
Daher schlägt mein Herz dafür, dass wir innerhalb der christlichen Gemeinden, die sich nach Jesus benennen und die Botschaft kennen, begreifen, dass Weihnachten eine Blaulichtaktion Gottes ist. Dann würden wir nicht so sehr unsere Hemmungen pflegen, sondern unverschämter, deutlicher und klarer diese lebensrettende Botschaft sagen.
Ich bete und höre nicht auf zu beten, dass das in diesen Tagen passiert und dass die Retterbotschaft von Jesus nicht im Gesäusel der Lügen untergeht.
Hirten als Symbol für Verantwortung und Suche nach Zeugen
Ich sehe viel Verbundenheit, wenn ich an diese harten, tüchtigen Hirten denke. Übrigens war der Begriff „Hirte“ damals auch der Begriff für den König in Israel. Da die Könige in Israel oft ihrer Hirtenverantwortung nicht gerecht wurden, hat Gott gesagt: „Ich bin der Hirte, ich will mich meiner Herde selbst annehmen.“ Jesus hat gesagt: „Ich bin der gute Hirte.“
Denkt bei Hirten immer an diese harten Kerle, die mit dem Knüppel in der Hand auf Nachtschicht waren und gefährliche Hyänen abwehren mussten, die ihre Schafe reißen wollten. Das sind Hirten.
Solche Mitarbeiter sucht Jesus, und er sucht sie in allen Berufen. Er sucht sie bei den Polizisten und bei der Feuerwehr. Er sucht sie auch bei allen Verwaltungsbeamten und hofft, dass die Pastoren solche Zeugen sind.
Aber ihr solltet wissen: Er sucht Polizisten besonders.