
Matthäus 2,13-1817.02.2018
Serie•Teil 4 / 90Das Matthäusevangelium mit Roger Liebi
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Lesung des Abschnitts
Wir stehen heute in Matthäus 2, und zwar ab Vers 13. Darf ich jemanden bitten, der am Mikrofon vorliest: Matthäus 2,13 bis zum Schluss des Kapitels, Vers 23?
Als sie aber hingezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Josef im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter zu dir und fliehe nach Ägypten. Bleibe dort, bis ich es dir sage. Denn Herodes wird das Kindlein suchen, um es umzubringen.
Er aber stand auf, nahm das Kind und seine Mutter des Nachts zu sich und zog nach Ägypten. Und er war dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der da spricht: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Da ergrimmte Herodes sehr, als er sah, dass er von den Weisen hintergangen worden war. Und er sandte hin und ließ alle Jungen töten, die in Bethlehem und in seinem ganzen Gebiet waren, von zwei Jahren und darunter, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erforscht hatte.
Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der spricht: Eine Stimme ist in Rama gehört worden, Weinen und viel Wehklagen. Rahel beweint ihre Kinder, und sie wollte sich nicht trösten lassen, weil sie nicht mehr sind.
Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Josef in Ägypten im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter zu dir und zieh in das Land Israel. Denn sie sind gestorben, die dem Kind nach dem Leben trachteten.
Und er stand auf und nahm das Kind und seine Mutter zu sich und kam in das Land Israel. Als er aber hörte, dass Archelaus über Judäa herrschte anstelle seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und als er im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatte, zog er hin in die Gegenden von Galiläa und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth, damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: Er wird ein Nazarener genannt werden.
Vielen Dank, mal bis dahin.
Die Weisen aus dem Osten und die Spur des Sterns
Nun haben wir letztes Mal gesehen, dass diese persischen Gelehrten, Astronomen, gekommen sind, um den Messias Israels kennenzulernen. Offensichtlich hatten sie also das Wissen: Sobald ein neuer Stern erscheint, kommt der Messias.
Und wir können da vielleicht noch einmal aufschlagen, in 4. Mose 24, diese Prophetie von Biliam im Blick auf einen Stern, der plötzlich erscheinen soll, im Zusammenhang mit dem Kommen des Messias. Liest uns jemand nochmals vor, 4. Mose 24,17? Ich möchte nicht mehr alles wiederholen, was wir schon früher dazu gesagt haben.
Ich sehe ihn, aber nicht jetzt.
Ich schaue ihn, aber nicht in der Nähe.
Ein Stern tritt hervor aus Jakob, und ein Zepter erhebt sich aus Israel.
Es wird die Schläfen Moabs zerschmettern und alle Söhne Seths zertrümmern.
Danke. Also da hat damals, im Jahr 1566 vor Christus, am Ende der Wüstenwanderung, so nach strenger biblischer Chronologie, Biliam das Kommen des Messias gesehen. Dieses Zepter, das aus Israel hervorkommen soll, das war ein Hinweis auf den Messias. Und in Verbindung mit diesem Kommen des Königs sagt er: Es tritt hervor ein Stern aus Jakob.
Und wir haben gesehen, offensichtlich bedingt durch die babylonische Gefangenschaft, wurde dieses Wissen aus der Tora von Juden in ihrem Umfeld weitergegeben an die Babylonier und dann an die Perser. Und diese Gelehrten hatten also einfach dieses Wissen: Wenn ein neuer Stern erscheint, dann kommt der Messias.
Und als das tatsächlich geschehen war, kommen sie nach Israel. Aber sie wussten ja nicht: Wo ist der Messias geboren? Und darum hatten wir letztes Mal ausführlich gesehen: Sie gehen in die Hauptstadt, sie fragen den König Herodes, wo ist der König, der geboren worden ist. Dieser ist entsetzt, will sich aber erkundigen bei den führenden Priestern und Schriftgelehrten, was grundsätzlich im Tanach steht, so sagt man im Judentum zum Alten Testament. Also im Gesetz, den Propheten und den Schriften zum Geburtsort des Messias. Die haben ihm das ganz klar erläutern können, Verse 5 und 6 in unserem Kapitel: Bethlehem.
Und darum wurden diese Weisen von Herodes gewiesen: Ihr müsst da ein paar Kilometer nach Süden gehen, nach Bethlehem. Dort ist der angekündigte Messias, wenn er denn geboren ist. Als Messias. Die gehen hin und waren natürlich mit Vorschussvertrauen zu Herodes gekommen, wussten ja nicht, was das für einer ist.
Träume als göttliche Wegweisung
Und darum haben wir hier diese Engelerscheinung im Traum, Vers 13: Ein Engel deckt alles auf. In Vers 12 kriegen sie in ihrem Traum eine göttliche Weisung, eben nicht mehr zu Herodes zu gehen, sondern direkt in ihr Land nach Persien, damals ins Paterreich, zurückzukehren.
Und jetzt sehen wir wieder eine göttliche Offenbarung durch einen Traum. Joseph wird angewiesen, mit dem Kind sofort nach Ägypten zu fliehen, um einem Massaker zu entgehen, das Herodes geplant hatte.
Wenn man Matthäus 1 und 2 so liest, hat man den Eindruck, dass man dauernd von Gott Träume und Weisungen bekommt. Wo hatten wir das schon früher in Matthäus? Kapitel 1, Vers 20, kann das jemand lesen? Da ging es um Joseph, der Zweifel hatte, ob er seine Verlobte Maria überhaupt heiraten soll oder nicht.
Während er dies aber überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk erretten von seinen Sünden.
Also auch eine Traumweisung, aber nicht irgendetwas Nebensächliches. Es ist nicht so, dass Joseph seinen Schreibgriffel verloren hat und dann eine Vision bekommt. Nein, das ist heilsgeschichtlich ganz grundlegend. Wir haben ja gesehen, warum es so wichtig war, dass Joseph genau Maria heiratete. Joseph war aus der königlichen Linie, aus der messianisch-königlichen Linie, und Maria war ein Nachkomme von König David, aber nicht über die königliche Linie.
Wir haben gesehen, warum es nötig war, dass genau diese beiden einander heirateten, nämlich damit Jesus Christus über Maria ein direkter biologischer Nachkomme von David war. Aber natürlich nicht über die Königslinie, denn die Königslinie, das haben wir früher gesehen, wurde ja verflucht in Jeremia 22. Kein Nachkomme des letzten Königs aus dieser Linie, Jechonia, sollte je einmal als König auf dem Thron sitzen.
Joseph hätte niemals auf dem Thron sitzen können. Aber dadurch, dass er Maria heiratete, wurde Jesus Christus als Mensch der rechtmäßige Inhaber der Königslinie, ohne dass er ein Same von Jechonia war. Über Maria war er eben ganz genau wirklich biologischer Nachkomme von David. Denn der Messias sollte nach Psalm 132 ein Same Davids sein.
Also: Die zwei mussten einander heiraten. Und als Joseph Zweifel hatte, ob er diese Frau heiraten soll, die unehelich schwanger ist, war das für ihn eine Frage: Was steckt dahinter? Da bekommt er diese Offenbarung im Traum von Gott. Das war also eine Schlüsseloffenbarung Gottes.
Und dann hier diese Perser in 2, Vers 12, die auch eine göttliche Weisung im Traum bekommen, damit sie eben auf keinen Fall mehr etwas mit Herodes und seinen bösartigen Plänen gegen den Messias zu tun haben. So wurden sie auf einem anderen Weg wieder nach Persien zurückgebracht, ohne dass Herodes sie irgendwie für seine Zwecke hätte einspannen können. Auch da ist diese Weisung ganz grundsätzlich wichtig.
Warum Gott Träume verwendet
Ja, Christoph? Warum spricht Gott in Träumen? Weil die Gefahr ist ja, dass man, also nicht heute meinst du, sondern auch damals schon hat ja Gott direkt zu Menschen gesprochen oder in verschiedenen Arten, weisst du. Und in Träumen ist doch die Gefahr, dass man vielleicht eben, weil ja Menschen fast jede Nacht träumen, dass man da auch...
Ach so, also warum genau Träume? Gott hätte ja auch anders sprechen können. Also ich nehme diesen Faden gleich auf. Aber um den Gedanken noch fertig zu führen, möchte ich noch vorher kurz darauf hinweisen: Wir haben also dann wieder einen Traum, Vers 13. Da geht es darum, dass der Messias nicht von Herodes getötet werden kann. Der Engel fordert Joseph im Traum auf, eben nach Ägypten auszuweichen. Also auch wieder eine ganz grundsätzliche Offenbarung, die für die Heilsgeschichte grundlegend ist.
Und schliesslich, als dann Joseph und Maria zurückkehren ins Land Israel, noch vorher Vers 19 natürlich, auch da wieder ein Traum in Ägypten mit der Weisung, jetzt sollen Joseph und Maria mit dem Kind, mit dem Messias, zurückkehren ins Land Israel. Also die Zeit in Ägypten ist vorbei, der Messias muss im Land Israel aufwachsen. Auch wieder, wie wir gleich sehen werden, heute eine ganz grundlegend wichtige Angelegenheit.
Und schliesslich kommen sie ins Land, Vers 22, und offensichtlich hatte Joseph die Idee: Wir könnten den Wohnsitz wechseln und nach Bethlehem gehen, denn das ist doch sehr passend zur Prophetie. Wenn schon Micha vorausgesagt hatte, der Messias soll in Bethlehem, in der Stadt Davids, geboren werden, ja, dann wäre es doch sicher gut, wenn wir jetzt in Bethlehem wohnen und der Messias in Bethlehem aufwächst. Aber wir werden noch sehen heute, es gab eine andere Prophetie. Der Messias sollte nicht Jesus der Bethlehemiter genannt werden, sondern Jesus der Nazaräer. Und darum war es ganz wichtig, dass sie eben nach Nazareth gingen. Und auch da war also diese Traumoffenbarung ganz wesentlich.
Wir haben also hier eine Konzentration von fünf Träumen in Matthäus 1 und 2. Aber bitte, wann kommt der nächste Traum von Gott im Matthäusevangelium als Weisung? Also eben, das habe ich ja schon erwähnt, das gehört zu diesen fünf Träumen, ja? Also nochmals: 1,20; dann 2,12; 2,13; 2,19 und 20; und dann 2,22. Dann kommt nichts mehr bis zur Kreuzigung.
Und wer kriegt einen Traum? Die Frau von Pontius Pilatus lässt ihrem Mann sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten, denn viel habe ich seinetwegen im Traum gelitten. Matthäus 27, das ist noch das Letzte. Das war eine Chance für Pilatus, sich nicht an den Messias und an sein Blut zu verschulden. Dort hat Gott einen Traum gewirkt. Aber wir sehen, das ist nicht so das, was jetzt durch das ganze Matthäusevangelium hindurchgeht.
Und auch wenn wir weitergehen in der Apostelgeschichte, das war nicht einfach so, dass man irgendwann bei jeder Kleinigkeit wieder einen Traum bekam. Und da sind wir in der apostolischen Zeit, in der Apostelgeschichte, also in der grundlegenden Zeit der Gemeinde, wo Gott mit ganz besonderen Zeichen und Wundern gewirkt hat, die dann später aufgehört haben. Nach dem Abscheiden der Apostel.
Und der Apostel Paulus sagt in 2. Korinther 5 ganz grundsätzlich, und das schon in der apostolischen Zeit, liest uns jemand vor 2. Korinther 5, und zwar Verse 6 und 7:
Darum sind wir allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leib daheim sind, sind wir nicht daheim bei dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.
Wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen. Also das Normale war sogar in der apostolischen Zeit nicht, dass man ständig eine Vision sehen konnte, sondern das Normale war Wandeln durch Glauben, ohne dass man eine Vision hat.
Aber Gott hat an heilsgeschichtlich ganz entscheidenden Stellen auf eine übernatürliche Weise eine spezielle Offenbarung gegeben. Und wenn das schon für die apostolische Zeit gilt, wir wandeln nicht durch Schauen, sondern durch Glauben, dann erst recht für die nachapostolische Zeit bis heute.
Aber eben, die Frage stellt sich: Warum ist das jetzt durch einen Traum geschehen? Es ist so: Im Alten Testament sehen wir schon, dass Gott auf ganz verschiedene Arten zu Menschen gesprochen hat. Zu Abraham in Ur in Chaldäa hat er durch eine Vision geredet. Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, steht in Apostelgeschichte 7,2. Und er bekam eine Audition, Gott sagte zu ihm: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und geh in das Land, das ich dir zeigen werde.
Aber Gott hat später, sagen wir bei Pharao in Ägypten, wieder durch Träume gesprochen, nicht wahr? Und so finden wir durch das ganze Alte Testament ganz viele unterschiedliche Arten, wie Gott geredet hat. Wir können dazu aufschlagen: Hebräer 1,1-2. Das ist so zusammenfassend, wie Gott im Alten Testament gesprochen hat zu den Propheten. Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat.
Also hier wird gesagt, Gott hat sehr oft zu vielen Gelegenheiten gesprochen, früher im Alten Testament zu den Propheten. Das heisst: Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise, also auf alle möglichen Arten, gesprochen hat, hat er sich offenbart durch Träume, Visionen am Tag, Lieder, Psalmen, apokalyptische Bilder. Denken wir an Daniel 7 mit diesen Tieren aus dem Meer, mit mehreren Köpfen usw. Er hat sich offenbart durch Geschichtserzählung. Denken wir an 1. Mose, 2. Mose. Er hat sich geoffenbart durch Gesetzesoffenbarungen. Denken wir zum Beispiel an 3. Mose mit all diesen konkreten Anweisungen für Israel. Auf ganz, ganz vielerlei Weise hat Gott gesprochen. Und eine Möglichkeit ist eben der Traum.
Und bei den Persern ist das natürlich auch wieder etwas, was diesen Völkern besonders vertraut war. Darum hat er zu ihnen durch einen Traum gesprochen. Das sehen wir zum Beispiel auch bei König Nebukadnezar, Daniel 2. Für die Babylonier waren Träume überhaupt schon eine wichtige Sache. Und dann hat sich Gott auch durch einen Traum gegenüber dem König Nebukadnezar geoffenbart. Aber so, dass sie sofort merkten: Das ist etwas ganz anderes als das, was wir vom Heidentum kennen.
Und Nebukadnezar war ja so erschüttert über diesen Traum, dass er sich im Klaren war: Meinen Magiern darf ich gar nichts davon erzählen, sonst werden die mich betrügen mit ihrer Interpretation. Also er sagt: Wenn die das schon wüssten, dann müssten sie mir auch sagen können, also wüssten, wie man es interpretiert, dann müssten sie mir auch sagen können, was ich geträumt habe. Und so waren also diese Träume von der Art Gottes, dass sofort klar war: Das war kein normaler Traum.
Träumen ist ja schon etwas ganz Wichtiges. Wenn man etwas älter ist und dann zurückschaut, sagen wir auf achtzig Jahre Leben, muss man sich sagen: Ich habe ein paar Jahre im Traum verbracht. Ja, wenn man die ganzen Zeiten der Traumphasen zusammenrechnet, sind es ein paar Jahre. Nur so sinnlos kann ja das auch nicht sein. Warum gibt Gott uns überhaupt allen Träumen?
Also erstens mal sind wir sehr dankbar dafür. Man hat ja Untersuchungen gemacht mit Leuten, bei denen man jetzt an den Gehirnströmen messen kann, wann jemand in die Traumphase kommt, und dann hat man die Leute geweckt. Und das kann also seelische Schäden auslösen, die irreversibel sind, nicht mehr gutzumachen sind. Also Träumen ist schon sehr wichtig. Aber schlagen wir auf Prediger 5,3 auf. Ich glaube, bei mir steht es in Vers 2 mit den Träumen. Ja, ganz genau, bei mir ist es Vers 3:
Denn Träume kommen von viel Geschäftigkeit, und dummes Geschwätz von vielen Reden.
Jawohl. Also der weise König Salomon erklärt: Träume kommen durch viel Geschäftigkeit. Es ist also so, in der Traumphase verarbeiten wir Dinge, die wir am Tag erlebt haben. Und es ist auch ganz wichtig: Viele Dinge im Kurzzeitgedächtnis, die wichtig sind, werden dann verschoben, umgebaut ins Langzeitgedächtnis. Also geht auch beim Lernen sehr viel ab.
Während wir träumen, sind wir völlig passiv, und man kann also Dinge vom Tag verarbeiten. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Man kann das natürlich nicht so beeinflussen, und die Dinge werden miteinander verknüpft, und zwar oft sehr chaotisch, so dass man also ziemlich verrückte Dinge träumen kann. Um es auf den Punkt zu bringen: Man ist nachts ein bisschen verrückt, damit man am Tag wieder normal ist. Aber das ist schon eine wichtige Sache.
Ja, aber eben: Wenn Gott einen Traum gegeben hat im Alten und im Neuen Testament, dann hat er es so gegeben, dass für die Träumenden sofort klar wird: Das ist etwas ganz anderes. Und jetzt haben wir hier so eine Konzentration, Matthäus 1 und 2.
Der Traum als Zeichen göttlichen Handelns
Und jetzt die Frage von Christoph: Warum durch Träume?
Beim Träumen ist es so, dass der Mensch wirklich ganz passiv ist und nur Gott aktiv. Und hier geht es darum, dass der Retter in diese Welt kommt. Das ist Gottes Werk. Gott sendet den Erlöser, und wir haben davon gelesen: Er wird sein Volk von seinen Sünden retten. Da hat der Mensch eigentlich gar keinen Anteil. Und das wird hier auch deutlich. Gott teilt Menschen mit, was er tut, aber nicht sie sind die Handelnden, sondern Gott ist der Handelnde.
Also hier zeigt Gott: Er wirkt das Heil und nicht die Menschen. Und das wird mit dem Traum besonders hervorgestrichen. Gibt es noch eine Frage dazu?
Vision, das Wort kommt zum Beispiel vor in Jesaja 1. Es ist sogar das erste Wort im Propheten: Chazon Jeschajahu ben Amoz, also Vision, oder auf Deutsch Gesicht Jesajas, des Sohnes Amoz. Das heißt also, der Prophet schaut etwas. Es ist wie ein Film. Und Vision ist einfach das lateinische Wort. Es kommt von videre, sehen, und die Vision ist also das Gesehene.
Ja, und wenn wir schon bei diesem Begriff sind, fast wie im Film: Was wir hier gelesen haben, Matthäus 2, wie Herodes versucht, den Messias zu töten, das sieht Johannes in einer apokalyptischen Vision. Apokalyptisch heißt mit symbolischen Bildern ausgedrückt. Schlagen wir mal auf, wie das dann klingt, die gleiche Geschichte apokalyptisch beschrieben: Offenbarung 12. Liest uns jemand vor, Verse 1 bis 5.
Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und Schmerzen, weil sie gebären soll. Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte. Und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels fort und warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war zu gebären, um, wenn sie geboren hätte, ihr Kind zu verschlingen. Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron.
Ja, und dann vielleicht noch Vers 6 dazu:
Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1260 Tage.
Dieses männliche Kind, das geboren wird: Wer ist das? Jesus Christus, der Messias. Und zwar ist das eine Anspielung auf Psalm 2. Wenn wir das kurz aufschlagen: Das ist ein messianischer Psalm, der damit beginnt, dass gefragt wird, warum toben die Nationen dieser Welt gegen Gott und seinen Gesalbten. Und für Gesalbter steht im Hebräischen Maschiach, hebräisch Messias. Also es geht hier um den Messias.
Und dann sagt Gott in Psalm 2. Liest jemand ab Vers 6 bis 9:
Ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg. Ich will den Ratschluss des Herrn verkünden: Er hat zu mir gesagt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Er bitte von mir, so will ich dir die Heidenvölker zum Erbe geben und die Enden der Erde zu deinem Eigentum. Du sollst sie mit eisernem Zepter zerschmettern, wie Töpfergeschirr zerschmeißen.
Also hier spricht Gott über den Messias und nennt ihn „mein König“, von ihm eingesetzt. Und dann wird klargemacht: Der Messias wird als Mensch Gottes Sohn sein. Gott sagt: „Ich habe dich, du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“, Vers 7. Und das haben wir ausführlich gesehen in Matthäus 1, dass eben der Heilige Geist den Messias in Maria, der Jungfrau, zeugen würde. Das war alttestamentlich ganz klar vorausgesagt.
Und von diesem Messias, Sohn Gottes als Mensch, wird dann eben gesagt, dass er die Nationen beherrschen wird mit eisernem Zepter. Und genau darauf wird eben Bezug genommen in Offenbarung 12, Vers 5: ein männliches Kind, einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen weiden soll mit eiserner Rute. Das ist ein direkter Rückbezug auf Psalm 2. Also hier geht es um den Messias.
Und bei der Geburt soll er verschlungen werden von einem feuerroten Drachen. Wer ist dieser Drache? Der Teufel. Wo wird das erklärt? Man muss ein bisschen weiter lesen. Vers 9: Dort wird die Erklärung gegeben in Offenbarung 12. Ja, wer liest vor?
Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt. Geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen.
Ja, also hier wird ganz klar gesagt: Dieser große Drache, das ist der Teufel. Das ist der Satan.
Und die Frau, die da in Geburtswehen ist, wer ist das? Israel. Andere würden sagen, das ist Maria. Ja, Maria hat ja den Messias geboren. Aber warum sagt Garmine, es ist Israel und nicht Maria? Weil Maria nicht in die Wüste fliegt in der Zukunft. Ja, es ist ja so, darum haben wir weitergelesen. Vers 6: Da wird dann gesagt, die Frau floh in die Wüste und wird dort ernährt 1260 Tage. Und das ist eine Prophetie in der Offenbarung auf Israel. Der gläubige Überrest aus Israel wird gerade vor Beginn der großen Drangsal von dreieinhalb Jahren, 1260 Tagen, auf die Berge fliehen nach Matthäus 24 und dann eben nach Moab, so lesen wir in Jesaja 16, und wird dort dann eben dreieinhalb Jahre von Gott versorgt.
Also diese Frau hier, die ist die Frau, die den Messias hervorbringt und auch in der Zukunft Israel darstellt. Und das passt nicht auf Maria, nicht wahr? Philipp, du wolltest noch was sagen?
Es ist doch der gläubige Teil Israels, dieser Drittel, plus die 144 Tausend und die zwei Zeugen.
Nein, nicht ganz, aber fast. Es ist der gläubige Überrest, der fliehen wird vor der großen Drangsal. Der Drittel, den du erwähnt hast, nach Sacharja 13, Vers 8, der wird sich erst in der Drangsal, aber im Land bekehren, und der Teil, der eben ins Ausland geht, das sind grundsätzlich die 144.
Dieses apokalyptische Symbol, Frau, muss eben auf alles passen, und Maria passt nicht auf beides. Sie würde passen für die Geburt, und darum ist klar: Diese Frau mit den zwölf Sternen stellt Israel dar, das zwölfstämmige Volk Israel, aus dem der Messias kommen sollte.
Aber nun ist es für uns eben interessant zu sehen: Hier wird nichts von Herodes gesagt. Sondern es wird gesagt, dass der Satan selbst dieses Kind verschlingen will. Und das macht uns eben klar, was war hinter dieser politischen Schachfigur Herodes? Der Satan direkt, der diesen Strohmann einfach benutzte als ein Werkzeug, um den Messias umzubringen und so die Erlösung zu verhindern. Und darum brauchte er seinen Traum.
Joseph wird aufgefordert von einem Engel, jetzt nach Ägypten. Seht man, wie wichtig der Traum war. Das hilft uns aber auch, die Politik heute zu sehen. Da sind so Männer, aber auch Frauen an wichtigen Schaltstellen, die auch ganz Entscheidendes bewirken können oder könnten. Aber wer steckt hinter ihnen? Der Satan direkt kann solche Männer und Frauen benutzen.
Und zwar ist das Ganze in Übereinstimmung mit dem, was wir vielleicht gut kennen aus Epheser 6, Vers 10. Schlagen wir mal auf, was der Apostel Paulus dort uns über Weltgeschichte sagt. Epheser 6, Vers 10 und folgende beschreibt die Waffenrüstung der Gläubigen. Liest uns jemand vor, Vers 12:
Unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen.
Ja, also hier wird erklärt: Der Kampf der Gläubigen richtet sich nicht gegen Menschen, gegen Fleisch und Blut, sondern es ist ein geistlicher Kampf. Und zwar richtet er sich gegen Fürstentümer, Gewalten. Das sind Ausdrücke, die in der Bibel wiederholt verwendet werden für führende Engelmächte. Und dann wird hier noch hinzugefügt: gegen die Weltbeherrscher, die Kosmokratoren dieser Finsternis. Und das macht klar, dass also gefallene Engelmächte, die unter der Leitung von Satan stehen, eben hinter den Weltbeherrschern stehen und sie antreiben in ihrem Tun.
Darum liest man auch in Daniel 10 zum Beispiel von einem Engel, der einem Engel Gottes widerstanden hatte, der genannt wird der Fürst des Königreiches Persien, und dann der Fürst des Königreiches Griechenland. Das sind solche gefallenen Engelmächte, die an der Spitze der Nationen stehen. Jetzt, ohne das ausführlich behandeln zu wollen, macht Daniel 10 zum Beispiel klar: Wer steckt hinter dem Iran und seiner Revolution vor ein paar Jahren, 1979, als der Schah von Persien gestürzt wurde und Ayatollah die Macht ergriff damals, den islamischen Staat gründete? Ja, der Fürst des Königreiches Persien, das ist ein böser Engelfürst. Und ich habe nur angedeutet: Daniel 10 spricht auch von dem Fürsten von Griechenland. Ja, dann wissen wir auch, wer hinter dieser Finanzkrise steckt.
Ja, aber dann sieht man Politik ganz anders. Ja, und Matthäus 2 zeigt uns so die äußere Sicht: Dieser Herodes, und zwar damals, wie wir früher gesehen haben, durch den Senat von Rom eingesetzt, ernannt als König der Juden, und wie der versucht, den geborenen König der Juden wegzuschaffen. Aber Offenbarung zeigt uns, welche geistlichen Mächte dahinter stehen. Und so hilft uns das eben, die Welt mit ganz anderen Augen, mit biblischen Augen zu sehen.
Gibt es dazu noch Fragen, Ergänzungen? Ja, bitte. Bitte am Mikrofon, dann hören das auch die, die die Aufnahme hören werden.
Ja, es ist so, meine Frage lautet wegen der Geburt von Maria. Wir haben jetzt im ersten Kapitel erfahren, Jesus wurde durch den Heiligen Geist. Und in anderen Religionen, zum Beispiel beim Islam, sie sagen, das ist ein Hauch Gottes in Maria. Und wir haben gerade jetzt versucht zu erklären zwei Sachen: die biologische Richtung von Maria, die genetische Richtung von Joseph, die Samen von Maria. Maria stammt auch aus David, und wenn wir jetzt die Geschichte zurückklären, erste zehn Generationen, zweite zehn Generationen, dann bis Abraham und dann zu Maria, sind eigentlich alle belastet mit diesem Sündenfall. Also die Samen von Maria sind belastet von der alten Sünde, dann kann eigentlich die Samen von Maria nicht mitgespielt haben, oder?
Es ist eben so: Durch Adam kam die Sünde, die sündige Natur in die Welt, so sagt es Römer 5, Vers 12. Über die Linie des Vaters wird die sündige Natur des Menschen weitergegeben, und darum hat Gott bei Abraham im Bund mit Abraham eingesetzt, dass die Nachkommen Abrahams alle beschnitten werden sollten. Und die Beschneidung, das ist ja eine kleine Operation, bei der Blut fließt. Die sollte ausdrücken: Jeder Mann ist ein Sünder und hat Gottes Gericht verdient, und er kann immer nur einen Sünder zeugen. Und darum drückt eigentlich die Beschneidung das Urteil Gottes über den Mann aus. Die Beschneidung ist damit etwas sehr Demütigendes für den Mann, zu wissen: Man kann nichts anderes als auch wieder einen Sünder hervorbringen.
Aber das Besondere ist: Gott hat gewählt, der Messias wird kommen als der Same der Frau. 1. Mose 3,15. Er wurde nicht als der Same Adams angekündigt, sondern als der Same der Frau. Warum? Eben, weil er dann schließlich auch von einer Frau geboren werden sollte, aber ohne Mann. Und dann ist es so, dass auf diese Weise nichts von der Sünde Adams weitergegeben wurde, wie das sonst von Generation zu Generation eben durch den Vater geschieht. Und darum lesen wir in 1. Johannes 3 in Bezug auf den Herrn Jesus: „Sünde ist nicht in ihm.“ Und das ist das Zeugnis des Apostels Johannes. In 2. Korinther 5, Vers 21 sagt der Apostel Paulus: Den, der Sünde nicht kannte, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm. Und Petrus schreibt in 1. Petrus 2 von dem Messias, Jesus: den, der keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Mund erfunden.
Also Johannes: keine Sünde ist in ihm. Paulus: der Sünde nicht kannte. Und Petrus: der keine Sünde tat. Und das macht die Vollkommenheit des Herrn Jesus eben klar. Und darum war das eben so wichtig, dass der Messias von einer Jungfrau geboren wurde, und das ohne menschlichen Vater. Aber ein wirklicher Nachkomme, eben biologisch, von König David, das war wichtig. Es muss eine junge Frau sein, und zwar hat das eben Jesaja voraussagen müssen: Jesaja 7,14. Nein, nicht darum, denn der Mann überträgt nicht die Unreinheit der Sexualität, die Sexualität, die Sexualität, die Sexualität, die Sexualität, die Sexualität, die Sexualität, die Sexualität. Bei einer verheirateten Frau die Sünde auf die Frau, nein, aber es sollte eben so sein, dass die Mutter des Messias wirklich unberührt war. Das war Gottes Wille.
Genauso wie er für das Ende des Lebens musste der Messias in einem Grab sein, wo noch nie jemand gelegen hatte, im Grab eines Reichen. Darum hat Gott dafür gesorgt, dass Joseph von Arimathia sein Grab, sein unbenutztes neues Grab, dem Messias zur Verfügung stellte. Also das unterstreicht einfach die Herrlichkeit und Einzigartigkeit des Messias. Und es musste eine Jungfrau sein, denn Gott hat das so durch Jesaja sagen lassen, das ist klar.
Gut, jetzt gehen wir weiter. Oder war noch eine Frage, die ich übersehen hatte? Nein, gut.
Rückkehr aus Ägypten und die Erfüllung der Schrift
Sie gehen nach Ägypten, und Matthäus erklärt sofort: Das hat zur Erfüllung geführt, was von der Prophetie, die in Hosea 11 vorausgesagt ist: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Schlagen wir Hosea 11 auf, das ist der erste der kleinen Propheten. Und da sehen wir, warum man sagen kann, dass Matthäus ganz besonders für Juden geschrieben worden war. Matthäus betont am meisten: Schaut diese Stelle, diese Stelle, jene Stelle aus dem Alten Testament, die sich in Jesus Christus erfüllt hat, um Juden gegenüber anhand des Alten Testaments zu beweisen, dass der Herr Jesus wirklich der Messias ist. Das geschieht bei Matthäus eben viel mehr als bei Markus, Lukas und Johannes.
Wir haben bereits gesehen: In Kapitel 1, im Zusammenhang mit der Jungfrauengeburt, hat er auf Vers 23 aus Jesaja 7 hingewiesen: Die Jungfrau wird schwanger werden und Immanuel, Gott mit uns, gebären. Dann in Kapitel 2 das Zitat aus Micha 5,1: Aus Bethlehem wird der Messias kommen, bei seiner Geburt. Und jetzt eben hier: Er kommt aus Ägypten.
Liest jemand Hosea 11,1?
Als Israel jung war, gewann ich es lieb, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Jawohl, da haben wir zwei Verszeilen. Das meiste, was wir in den zwölf kleinen Propheten finden, ist ja poetisch geschrieben. Poesie heißt im Hebräischen auch, dass man die Sätze in Verszeilen aufschreibt. Hier die erste Verszeile: Als Israel jung war, da liebte ich es. Und dann: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Warum wird zuerst Israel erwähnt? Wegen dieser schönen Anfangszeit. Gott erinnert sich zurück, wie es war, als Gott Israel aus Ägypten holte. Und dieser Bundesschluss am Sinai wird in der Bibel als Ehebund vorgestellt. Also Gott hat Israel geheiratet. Das wird zum Beispiel klar, wenn in Jeremia 31 vom neuen Bund gesprochen wird, im Kontrast zum alten Bund. Dann heißt es dort in Jeremia 31,31: Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund machen werde.
Und dann wird gleich erklärt: Dieser neue Bund wird ganz anders sein als der Bund nach dem Auszug aus Ägypten, nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, an dem ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen, welchen meinen Bund sie gebrochen haben, und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt. Sieht man: Also dieser Bund am Sinai wird hier gesehen als Ehebund. Aber Jeremia 31 sagt auch: Sie sind diesem Bund nicht treu geblieben. Das heißt, Israel war Gott untreu und hat die Ehe gebrochen.
„Gott erinnert sich zurück, als Israel jung war, da liebte ich es“ – und dann diese Enttäuschung des Ehebruchs. Das begann ja gerade sofort, nicht wahr? Die Sache mit dem goldenen Kalb im 2. Mose, das war gerade nach dem Bundesschluss. Sie hatten noch nicht einmal den Vertrag schriftlich in Händen, ja? Mose musste ja auf den Berg hinaufgehen, um die Vertragstafeln des Bundes herunterzubringen, und schon war der Bund gebrochen.
Man muss eben wissen: Der Bund war geschlossen, als er mündlich vollzogen wurde. Gott hat in 2. Mose 20 die Zehn Gebote, die Zusammenfassung des Bundes, mündlich verkündigt. Man hat das akustisch damals am Sinai gehört, das ganze Volk hat das gehört. Und 2. Mose 19 sagt: Das ganze Volk sagte, alles, was der Herr gebietet, wollen wir tun. Und so ist es, mindestens nach Schweizer Recht, deutschem Recht – das ist für mich Glatteis. Schweizer Recht: In dem Moment, wo der Mann vor dem Standesamt sagt „ja“ und die Frau vor dem Standesamt „ja“, sind sie verheiratet. Natürlich, nachher kommt die Unterschrift, aber das ist nur die juristische Bestätigung des bereits vollzogenen Vertrags. Also in dem Moment ist Mann und Frau verheiratet, das gilt.
Und das war so bei Israel. Gott hatte verkündigt, und sie haben ja gesagt. Die Heirat war da. Und dann kam die Sache mit dem goldenen Kalb. Welche Enttäuschung war Israel für Gott! Und darum hier in der zweiten Verszeile: Und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Das ist der Kontrast zu Israel, dem Messias, der auch einmal aus Ägypten kommen würde, so wie Israels Nation aus Ägypten kam, aber der Gott nie enttäuschen würde.
So sehen wir, wie der Herr Jesus am Jordan war, Matthäus 3, wir kommen dann noch darauf: Der Himmel öffnet sich, und Gott sagt: Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe. Und dann später, gegen Ende des Dienstes, auf dem Berg der Verklärung: „Dieser ist mein geliebter Sohn.“ Und darum sind eben diese zwei Verszeilen als Kontrast ganz, ganz wichtig: Israel die große Enttäuschung, aber aus Israel die vollkommene Freude, der Messias. Aus Ägypten habe ich ihn gerufen.
Und so erklärt uns Matthäus: Das hat sich auf diese Weise erfüllt. Da hat dieser Herrscher von Roms Gnaden getobt, und das hat dazu geführt, dass die Eltern mit dem Kind nach Ägypten ausweichen mussten. Aber das hat dann dazu geführt, dass sich bei ihrer Rückkehr die Prophetie erfüllt hat: aus Hosea 11, aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Wenn man bei Hosea weiterliest, dann vergleicht Gott Israel aber auch als Kind. Das heißt ja zum Beispiel, dass er sie gehen lehrte, sie auf seinen Armen nahm, dass er ihnen Nahrung gab. Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen, bezieht sich jedoch auch auf Israel. Nein, sondern das bezieht sich auf den Messias, und das macht der Heilige Geist selber klar in Matthäus 2. Also der Autor erklärt uns, wie man sein Buch verstehen muss.
Nein, aber es ist eben doch wichtig, dass nachher Israel auch als Sohn beschrieben wird, weil damit klargemacht wird, dass eben der Messias der wahre Sohn ist, im Gegensatz zu Israel als dem missratenen Sohn. Und dieser Kontrast ist zum Beispiel auch sichtbar in Jesaja 40 und folgende. Da findet man fünf Gedichte über den Messias, die man die Gottesknecht-Gedichte nennt. Das ist Jesaja 42, dann Jesaja 49, Jesaja 50, Jesaja 53 und dann Jesaja 61. Da wird der Messias als Gottesknecht vorgestellt. Aber in diesen Kapiteln wird auch Israel als Gottesknecht vorgestellt, und es wird gesagt: Israel ist ein Knecht Gottes, aber blind.
Also gerade im Gegensatz zu dem Knecht Gottes in diesen fünf messianischen Abschnitten, der vollkommen ist, der die Freude Gottes ist und all den Willen Gottes erfüllt. Der Knecht, der versagt hat, aber aus Israel kommt der Knecht, der vollkommen ist.
Und dann noch etwas, auch auf dieser Linie: in Psalm 80. Da wird jetzt in einem Lied beschrieben, wie Gott Israel als Weinstock aus Ägypten geholt hat und ihn dann im Land Kanaan gepflanzt hat. Und er hat nichts gebracht, außer unreife Trauben, unbrauchbare Trauben. Und dann sagt der Herr Jesus in Johannes 15: Ich bin der wahre Weinstock. Warum der wahre? Im Gegensatz eben zu dem Weinstock, der keine Frucht gebracht hat.
Also auch da wieder der Kontrast: Israel ist der Weinstock, der keine Frucht brachte, aber der Messias ist der wahre Weinstock. Israel der Knecht Gottes, der blind ist, aber der Messias ist der gottwohlgefällige Knecht. Und eben in Hosea 11: Kind und Kind, Sohn und Sohn.
Der Kindermord und die Klage Rahels
Ja, dann fahren wir weiter in Vers 16 von Matthäus 2. Da sehen wir also, wie Herodes ergrimmt und die Kinder in seinem ganzen Herrschaftsgebiet umbringen lässt, und zwar mit einer deutlichen Sicherheitsmarge, also zwei Jahre und jünger, so dass wirklich sicher sein sollte, dass darunter dieses Kind von Bethlehem umgebracht wird.
Dieser Kindermord, dieser Grimm, wir haben gesehen, wird in Offenbarung 12 klar. Das ist Satans direktes Wirken in diesem Mann. Der rote Drache, der eben seine Farbe rot hat vom Blut, also ist es gewissermaßen der blutrote Drache. Jesus nennt den Satan in Johannes 8,44 den Menschenmörder von Anfang. Er wollte die ersten Menschen schon umbringen, indem sie das Gebot brachen, um dann sterben zu müssen. Und die ganze Menschheitsgeschichte ist eine Geschichte von Blut und Tränen, weil der feuerrote Drache die ganze Menschheit hasst.
Und er hasst alle Menschen, sogar die, die sich ihm zur Verfügung stellen, nicht wahr? Nur so ein Beispiel: die Beatles, damals in den Sechzigerjahren. Schon ganz früh, bevor sie wirklich berühmt geworden waren, hatte John Lennon seine Seele dem Teufel verkauft, das hat er dann später ja öffentlich verkündigt. Und er sagte: Wir wussten, dass wir berühmter werden als Jesus, aber dafür habe ich meine Seele dem Teufel verkauft. Ja, sie sind berühmt geworden, aber schließlich hat jemand John Lennon erschossen, und er hat gesagt, der Teufel hat mich dazu gedrängt. Und die Leute denken: Ja, der war ein bisschen verrückt. Natürlich war er verrückt, aber der Teufel hat ihn verrückt gemacht. Und er hat sie zu Ruhm gebracht, aber er hat nicht John Lennon geliebt, sondern gehasst. Es war nur eine Frage der Zeit, wann er ihn dann umbringt. So ist der Teufel.
Und hier, dieser Grimm von Herodes, das ist gleichzeitig der Grimm des Teufels. Und da werden also die Kinder massenweise umgebracht. Und Matthäus sagt: Und da hat sich die Prophetie erfüllt aus Jeremia. Liest nochmals jemand 2,17 und 18?
Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia gesagt ist, der spricht: Eine Stimme ist in Rama gehört worden, viel Jammern, Weinen und Klagen. Rahel beweint ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen, weil sie nicht mehr sind.
Ja, das war vorausgesagt in Jeremia 31, Jahrhunderte zuvor. Also für Gott ist die ganze Weltgeschichte keine Überraschung. Er hat es im Voraus gewusst und hat es auch den Propheten mitgeteilt.
Nun, die poetische Beschreibung von Jeremia ist sehr beeindruckend. Wer klagt hier in diesem Text über die Kinder, über die toten Kinder? Rahel. Und Rahel steht hier gewissermaßen für diese Frau mit der Sternenkrone in Offenbarung 12.
Nun, natürlich hatte Jakob ja vier Frauen, aber wir müssen bedenken: Rahel war eigentlich die einzige, die er wirklich heiraten wollte. Alles andere kam durch diese schreckliche Geschichte. Er wollte Rahel heiraten, aber ihm wurde die Schwester, die er gar nicht heiraten wollte, untergejubelt. Und so kam es zu dieser schlimmen Polygamie im Leben von Jakob. Und dann, als er diese zwei Frauen hatte, dann hatte er auch noch die Mägde dazu geheiratet, je eine von diesen zwei Frauen. Und so hatte er schließlich eine Polygamie von vier Frauen. Das war aber nicht Gottes Wille, sondern das war Eigenwille des Menschen.
Polygamie im Alten Testament ist von Anfang an Sünde. Gott hat in der Schöpfungsordnung klar einen Mann und eine Frau zusammengesetzt, zu einer Einheit, ein Fleisch. Und wir sehen: Der Erste, der dieses göttliche Gesetz durchbrochen hatte, war Lamech, dieser gottlose Nachkomme von Kain, ein Mörder. Von ihm heißt es: Lamech nahm sich zwei Frauen, der Name der einen war Ada und der anderen Zilla. Und schon war Polygamie da. Aber das führt schließlich zur Sintflut, zusammen mit all der weiteren Bosheit der Menschheit.
Nach der Sintflut: Wer ist der Erste, der Polygamie betreibt, beschrieben in der Bibel? Nein, Loths Weib, das ist Singular. Wie? Lot, es wird gesprochen von Loths Frau, Loths Weib, er hatte nur eine Frau. Polygamie, also dass eine zweite Frau dazu geheiratet wird. Abraham heiratet Hagar, aber die ist ganz klar aus Unglauben. Gott hatte Abraham versprochen, er werde ihm einen Sohn geben, und das dauerte Jahre, und der Sohn kam nicht. Und dann hat er sich überlegt, und Sara hat sich überlegt: Vielleicht muss man das alles nicht so ganz wörtlich nehmen. Es gab ein heidnisches Gesetz: Eine unfruchtbare Herrin kann zulassen, dass ihre Magd als Zweitfrau dem Ehemann zugeführt wird, und dann wird das Kind der Herrin zugerechnet. Aber das war heidnisches, gottloses Gesetz, und so hat Abraham sich überreden lassen, Hagar als Zweitfrau zu nehmen. Die Folge: Ismael wird geboren, woraus später der Islam hervorkommt.
Aber 1. Mose 16, das Kapitel der Heirat mit Hagar, sagt, Abraham war 86 Jahre alt. Und dann beginnt Kapitel 17, als Abraham 99 Jahre ist. Dreizehn Jahre Schweigen. Gott spricht gar nicht mehr mit Abraham.
Und dann später, in 1. Mose, kommt diese Polygamie von Jakob, und manche Bibelleser fragen sich vielleicht: Da wird ja gar nicht genau gesagt, dass das Sünde war. Nein, wir müssen die biblischen Geschichten so lesen. Es ist vorgestellt wie eine Strichzeichnung. Man muss jeden Strich genau beachten, und da wird erklärt, wie es überhaupt zu dieser Polygamie kam. Jakob hatte seinen Vater so brutal und gemein betrogen, und dann lernte er im fremden Land, was es heißt, brutal betrogen zu werden. Er heiratet, und am Morgen, siehe, es war Lea. Das ist Wahnsinn. Heute würde jeder in die Klinik kommen und bleiben, geschlossen. Aber der musste weiterleben. Und dann heiratete er eben eine nach der anderen, insgesamt vier.
Und was ist das für eine Familie? Ständig nur Streit und Eifersucht, also wirklich nichts Ermutigendes für junge Leute, um zu heiraten. Und dann hassen zehn Brüder Joseph und verkaufen ihn nach Ägypten. Bitte, was ist das für eine Familie, wo ein Kind verkauft wird als Sklave nach Ägypten? Und so machen all diese Kapitel klar: Das war die Folge dieses falschen Weges.
Aber eben, der langen Rede kurzer Sinn: Die eigentliche Frau als Mutter Israels, das war im Prinzip Rahel, und die wird hier erwähnt. Rahel weint über ihre Kinder. Und Rahel hatte zwei Söhne, welche? Benjamin und davor Joseph. Ja, und Joseph wurde ja der führende Stamm des Zehnstämmereiches. Und so repräsentiert Joseph eben die zehn Stämme, und Benjamin repräsentiert zusammen mit Juda das Südreich, Juda. Also: Rahel beweint ihre Kinder. Sie hat gewissermaßen Anteil am Nordreich und am Südreich, also das ist ganz Israel.
Man muss daran denken: Herodes hatte ein unglaubliches Herrschaftsgebiet. Sein Herrschaftsgebiet war annähernd so groß wie das Reich von Salomo. Nach Salomo war das nie mehr in diesem Ausmaß, als dann wieder unter Herodes. Also unglaublich. Und übrigens, nebenbei gesagt, der Gaza-Streifen war drin, das Westjordanland war drin, ja, also das war das Land Israel, ja.
Und jetzt wird hier gesagt, man hört eine Stimme, Rahel weint wo? In Rama. Und Rama war eben eine Grenzstadt von Benjamin zu Ephraim, Sohn von Joseph, ja. Also Rama ist gewissermaßen gerade der wichtige geografische Grenzbereich, das kann man nachlesen in 2. Chronika 16, Grenzstadt zwischen Nord- und Südreich. Und darum beweint Rahel ihre Kinder in Rama. Das heißt gewissermaßen: Israel als Nation weint über die toten Kinder.
Eine ganz ergreifende Skulptur, eine Frau, die weint um ihre Kinder, das ist Anspielung darauf. Im Zusammenhang mit der Judenvernichtung im Dritten Reich wird das dort künstlerisch nochmals aufgenommen. Aber hier bezieht er sich also wirklich auf Israel damals und auf dieses Großreich von Herodes, der da im ganzen Reich die Kinder von zwei Jahren und darunter vernichtet hat. Sie will sich nicht trösten lassen, weil sie nicht mehr sind.
Und nach der Pause fahren wir an dieser Stelle weiter und gehen dann zum Text in Jeremia, um noch mehr Details da herauszuholen.
Trost, Auferstehung und die Hoffnung für die Kleinen
In Matthäus 2,18 wird dieses Zitat aus Jeremia angeführt. Aber lasst uns das in Jeremia direkt nachlesen, mit der Fortsetzung dort, die hier nicht zitiert wird. Darf ich bitten, dass jemand Jeremia 31,15-17 liest? Da kommt nämlich Gottes Trost an Israel, an Rahel.
So spricht der Herr: Horch, in Rama hört man Totenklage, bitteres Weinen. Rahel beweint ihre Kinder, sie will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder, weil sie nicht mehr da sind. So spricht der Herr: Halte deine Stimme zurück vom Weinen und deine Augen von Tränen, denn es gibt Lohn für deine Mühe, spricht der Herr. Sie werden aus dem Land des Weines zurückkehren, und Hoffnung ist da für deine Zukunft, spricht der Herr, und deine Kinder werden in ihr Gebiet zurückkehren.
Ja, interessant ist eben zu sehen, in welchem Zusammenhang das steht. Jeremia 30 bis einschließlich Kapitel 33 ist eine zusammenhängende Prophetie, die sich ganz stark auf den Segen des messianischen Friedensreiches in der Zukunft konzentriert. Israel wird aus allen Völkern gesammelt und in das Land der Väter zurückgeführt. Dann wird der Messias über Israel regieren und den vollkommenen Frieden bringen.
In diesem Zusammenhang wird in Jeremia 31 auch der neue Bund angekündigt, den Gott, man beachte es genau, mit Israel schließen wird, nicht mit der Menschheit, auch nicht mit der Gemeinde, sondern mit dem zwölfstämmigen Volk Israel, Jeremia 31,31 und folgende.
Nun, in diesem Zusammenhang wird erwähnt, dass Rahel die Kinder beweint. Und der Heilige Geist erklärt selbst in Matthäus 2, wie man das verstehen muss, auf welche Zeit sich das bezieht. Das ist ja auch wichtig, sagen wir in der Germanistik. Irgendein Germanistikprofessor interpretiert, sagen wir, einen bewunderten Roman der deutschen Literatur. Ja gut, wer entscheidet, ob die Interpretation richtig ist? Wenn der Autor noch lebt, ist es ideal, und er kann sagen: Nein, so war das überhaupt nicht gemeint, und ich hatte gar nicht daran gedacht und hatte auch nicht diese Verknüpfung der Personen so und so gesehen, sondern meine Absicht war das und das. Wer hat Recht, der Germanistikprofessor oder der Autor? Der Autor sagt, wie man es verstehen muss.
Und so ist das übrigens mit noch ganz vielen Stellen aus dem Alten Testament, die vom Heiligen Geist im Neuen Testament zitiert und erläutert werden. Das ist sehr wichtig. Und eben hier auch. Wenn man so die Kommentare durchliest, die Widl-Kommentare, da wird ständig gesagt: Eigentlich bezieht sich diese Stelle auf die Zeit von Jeremia, als die Juden weggeführt wurden nach Babylon. Und tatsächlich wird Rama erwähnt in Jeremia 40 als eine Sammelstelle, wo Kriegsgefangene gelagert wurden, um dann nachher nach Babylon transportiert zu werden. Aber dann wird in diesen Auslegungen gesagt: Auf diese Zeit bezieht sich das, und die Kinder, die eben weggeführt werden in die Verbannung. Aber hier wird nicht gesagt, die werden in die Verbannung weggeführt, sondern es heißt hier: Sie sind nicht mehr. Sie sind tot.
Das bezieht sich nicht auf die Wegführung nach Babylon, sondern es ist wirklich eine Prophetie auf die Vernichtung der Kinder durch Herodes. Aber natürlich hat man ein Problem, vielleicht wenn man Vers 16 liest, wo Gott tröstet: Haltet eure Stimme zurück vom Weinen. Und dann sagt er: Es gibt Lohn für deine Arbeit. Und schließlich: Sie werden aus dem Land des Feindes zurückkehren. Und schließlich auch: Deine Kinder werden in ihr Gebiet zurückkehren. Heißt das jetzt, zurückkehren aus der Gefangenschaft in Babylon? Ja, aber hier geht es wirklich um Kinder, die tot sind, und die kehren zurück. Das ist ein Text, der von Auferstehung spricht, das ist der Punkt.
Das Thema Auferstehung im Alten Testament, das ist ein großartiges Thema an verschiedenen Stellen und eben auch hier. Ja gut, aber was ist dann gemeint mit dem Land des Feindes? Ja, Feindesland. Natürlich war Babylon Feindesland, aber auch andere Länder waren Feindesland. Aber der Tod wird genannt in 1. Korinther 15. Der letzte Feind ist der Tod. Ja, schlagen wir das auf: 1. Korinther 15,26. Kann uns das jemand am Mikrofon vorlesen? Als letzter Feind wird der Tod beseitigt.
Feind genannt in der Bibel, übrigens in Hiob 18,14 wird er genannt „der König der Schrecken“, ein schrecklicher Name für den Tod, ja? Und jetzt noch das Problem Land des Feindes. Ja, in Jesaja 9 wird bildlich gesprochen von dem Land des Todesschattens gesprochen, in das der Messias einmal sein Licht hineinleuchten lassen wird. Aber hier, dieser Begriff von Land, mit dem Begriff zusammen Todesschatten, und so macht das eben deutlich: Wenn hier gesprochen wird von dem Land des Feindes, ist wirklich der Scheol, das Totenreich, gemeint als Land des Feindes, und die Kinder werden zurückkehren, in ihr Gebiet zurückkehren.
Nun, in Offenbarung 20 sehen wir, dass während des Tausendjährigen Reiches auch Märtyrer noch vorher auferweckt werden. Können wir das kurz aufschlagen? Offenbarung 20. Lest uns jemand Offenbarung 20,4? Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben. Und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Mahlzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten. Und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung; über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen die tausend Jahre.
Danke! Also, hier wird gesprochen über die Märtyrer, die nach der Entrückung der Gemeinde zum Glauben kommen werden, durch die Zeit der Gerichte und dann sogar durch die Drangsalzeit hindurchgehen werden und die da umkommen. Aber die werden, so sagt Offenbarung 20, keinen Nachteil haben im Blick auf das messianische Friedensreich, von dem Jeremia 30 bis 33 spricht. Die werden am Anfang der Herrschaft des Herrn Jesus auferstehen und werden mitherrschen in diesem Reich.
Nun, das wird hier genannt die erste Auferstehung, die Auferstehung zum Leben, im Kontrast zur zweiten Auferstehung, das ist die Auferstehung zum ewigen Gericht. Die erste Auferstehung hat mehrere Phasen. Phase eins ist die Auferstehung des Herrn Jesus selbst, am dritten Tag nach der Kreuzigung. Die zweite Phase ist die Entrückung der Gemeinde, und da werden alle Verstorbenen, die zur Gemeinde gehört haben, von Pfingsten bis zur Entrückung auferstehen. Eben nicht nur sie, sondern auch alle alttestamentlich Gläubigen werden auch dann auferweckt werden, denn Hebräer 11 sagt von den Gläubigen des Alten Testaments, von den Glaubenshelden: Sie haben bis jetzt die Vollendung noch nicht erreicht. Die sind zwar im Himmel, ihre Seele, ihr Geist, aber sie haben noch keinen Körper. Und die Vollendung ist dann, wenn sie ihren Körper bekommen. Und wann soll das geschehen? Die sollen nicht vollendet werden „ohne uns“ oder getrennt von uns, wie sie von der Gemeinde sagen. Ich gebe die Stelle genau an: Hebräer 11. Kann jemand Verse 39 und 40 lesen?
Und diese alle, obgleich sie durch den Glauben ein gutes Zeugnis empfingen, haben das Verheißene nicht erlangt, weil Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet würden.
Ja, also, er spricht, Herr Breabrev, von den Gläubigen des Alten Testaments. Die haben durch den Glauben Zeugnis erlangt, aber sie werden nicht getrennt von uns, den Gläubigen des Neuen Testaments, vollkommen gemacht werden. Nicht ohne uns, choris auf Griechisch heißt getrennt von uns. Das heißt, die werden zusammen mit den Gläubigen des Neuen Testaments, der Gemeinde, auferweckt werden im Moment der Entrückung, 1. Thessalonicher 4,13-18. Und dann werden sie eben mit den Gläubigen der Gemeinde entrückt werden, um dann auch später, wenn der Herr Jesus in Macht und Herrlichkeit kommen wird, ihn zu begleiten.
Und das wussten die alttestamentlich Gläubigen schon, denn in Sacharja 14 heißt es: Kommen wird der Herr und alle Heiligen mit dir. Und schon Henoch hatte das vorausgesagt. Das wurde neben der Bibel überliefert und dann im Judasbrief in Gottes Wort eingebaut. Es ist Judas 14, aber Judas, der siebente von Adam, hat von diesen geweissagt und gesagt: Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausenden, um Gericht auszuüben über die Gottlosen. Der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Tausenden. Schon Henoch, vorsintflutlich, wusste, dass die Gläubigen einmal mit dem Messias in Macht und Herrlichkeit erscheinen würden. Und das ist eben Phase zwei der ersten Auferstehung.
Und Phase drei, Offenbarung 11: Die zwei Zeugen werden nach den ersten dreieinhalb Jahren umgebracht, aber nach dreieinhalb Tagen werden sie auferstehen und entrückt werden in den Himmel. Das ist immer noch erste Auferstehung. Und dann, nach dreieinhalb Jahren Drangsalzeit, werden all die Märtyrer dann auferstehen nach Offenbarung 20. Das ist die vierte Phase der ersten Auferstehung. Und dann werden eben auch diese Kinder mit dabei sein im Tausendjährigen Reich, werden zurückkehren in ihr Gebiet. Die werden dieses Reich erleben wie alle alttestamentlichen Gläubigen.
Aber bevor ich weiterfahre, da hatte jemand eine Frage, Philipp, glaube ich. Wichtig zu erwähnen: Die alttestamentlichen Gläubigen gehören nicht zur Braut Christi, der Gemeinde.
Ja, das ist wichtig. Die alttestamentlichen Gläubigen gehören nicht zur Gemeinde, aber die werden mit der Gemeinde zusammen auferweckt werden bei der Entrückung. Das sind dann im Himmel die Eingeladenen, Offenbarung 19: Glückselig die Geladenen, im Kontrast zu der Braut des Lammes, das ist die Gemeinde.
Korrekt, genau. Aber eben, was wichtig ist, zu sehen: Wann werden die alttestamentlich Gläubigen auferweckt? Es gibt da diese verschiedenen Phasen, die man unterscheiden muss. Aber jetzt hier ist das natürlich hochinteressant in Verbindung mit Kindern unter zwei Jahren. Da macht Gott diese Verheißung: Die kehren zurück aus dem Land des Feindes. Die werden in ihr Gebiet zurückkehren. Die werden den Segen des Tausendjährigen Reiches miterleben. Das hat natürlich enorme Konsequenzen.
Ja, was ist mit kleinen Kindern, wenn die sterben? Und die Mütter sagen sich: Das war so ein Aufwand. Je nachdem, diese neun Monate, das ist ja nicht bei allen so eine flotte Schwangerschaft, ja? Und dann eine Totgeburt, das ist so eine Enttäuschung, nicht wahr? Was manche schon erlebt haben. Und der Herr sagt: Es gibt Lohn für deine Mühe. Oder man hat ein Baby aufgezogen, sagen wir bis anderthalb, und dann musste man es abgeben. Es gibt Lohn für deine Mühe. Das ist der Trost von Jeremia 31.
Nun, wie ist das mit den kleinen Kindern? Es gibt Hinweise in Matthäus 18. Also wir greifen ein bisschen voraus, und da ist es sehr wichtig zu sehen: Der Jesus nimmt da ein kleines Kind, das griechische Wort heißt wirklich Kindlein, nicht nur Kind, auf die Arme und er erklärt den Jüngern: Ihr müsst so werden wie dieses Kindlein. Liest uns jemand vor aus Matthäus 18,1?
In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist denn der Größte im Reich der Himmel? Und als Jesus ein Kind herbeigerufen hatte, stellte er es in ihre Mitte und sprach:
Darf ich schnell unterbrechen, und dann fährst du gleich weiter. Du hast in deiner Übersetzung ein Kind, aber es ist effektiv das griechische Wort, eine Verkleinerungsform, so dass man mit Fug und Recht übersetzen sollte: ein Kindlein. Damit wird wirklich klar, das ist also nicht ein größeres Kind, sondern ein Kindlein. Aber das kann also bereits gehen, ja? Der Herr ruft das Kindlein zu, und es kommt. Und er nimmt dieses Kindlein auf die Arme. Weiter.
Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen.
Also auch da wieder Kinder, Kindlein eigentlich, ja? Darum, wenn jemand sich selbst erniedrigen wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel. Und wenn jemand ein solches Kind aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt er mich auf.
Ja, also auch sehr schön im Blick auf das Thema Adoption. Bleiben nur, ich brauche unbedingt noch mehr. Ja, also das war ein großes Wort, sehr kurz ausgesprochen im Blick auf Adoption: Wer ein Kindlein aufnimmt, solches Kindlein nimmt mich auf. Und dann Vers 10:
Seht zu, dass ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet, denn ich sage euch, dass ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist. Was meint ihr, wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins von ihnen sich verirrte, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen und geht hin und sucht das Irrende? Und wenn es geschieht, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch, er freut sich mehr über dieses als über die neunundneunzig, die nicht verirrt sind. So ist es nicht der Wille eures Vaters, der in den Himmeln ist, dass eines dieser Kleinen verloren gehe.
Jawohl, jetzt hast du mir einen Vers ausgelassen. Hast du gemerkt, welchen?
Nach elf.
Also genau Vers 11, ja? Da steht beispielsweise, der ist halt bei mir in Flammern, und das ist unten angefügt. Und zwar liest du aus der revidierten Elberfelder Brockhaus, korrekt?
Ja, es muss so sein.
Ja, gerne, lies vor die Fußnote.
Genau, Fußnote: Mehrere Handschriften fügen hier ein: Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu retten.
Jawohl, und dann hattest du bereits gelesen bis Vers 14?
Ja, genau, also ist es nicht der Wille eures Vaters, der in den Himmeln ist, dass eines dieser Kleinen verloren gehe, Vers 14.
Ja, jetzt wurde das weggelassen, und zwar aus dem Grund: Im Minderheitstext, für die, die wissen, was das ist, lässt der sogenannte Nestle-Aland-Text Vers 11 weg. Und viele, die Bibelschule oder theologische Seminare besucht haben, die lernen einfach so: Nestle-Aland, das ist der beste Text, den es heute gibt, wissenschaftlich. Aber der Mehrheitstext, also ein Text, der die Masse der etwa 5860 Handschriften, die wir heute haben, umfasst, das ist der schlechtere Text.
Ja, aber das ist nicht unser Thema. Es gibt so starke Argumente, um zu zeigen, dass der Mehrheitstext der ursprüngliche Text ist. Und da ist Vers 11 eben mit dabei. Also nicht nur mehrere Handschriften, man hätte schreiben müssen: die Masse der Handschriften enthält Vers 11: Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu erretten.
Und was hier beachtlich ist: Das klingt ja fast wie in Lukas 19. Sonst haben wir doch die Geschichte von diesem verlorenen Menschen, Zachäus. Und der Herr Jesus begegnet ihm und lädt sich bei ihm ein. Und dieser Mann kommt zum Glauben. Und schließlich sagt der Herr Jesus in Lukas 19,10: Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist. Merkt man den Unterschied? Hier bei den kleinen Kindern sagt der Herr: Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu erretten. Zu suchen wird nicht gesagt, nur zu erretten. Aber bei einem Menschen, der das Alter der Verantwortung schon längst erreicht hatte, Zachäus, dort sagt der Herr: Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist.
Und das sind so feine Hinweise im Blick eben auf die Kleinkinder, die das Alter der Verantwortlichkeit, wo sie sich bekehren könnten, noch nicht erreicht hatten, dass die offensichtlich errettet werden. Und der Sohn des Menschen ist gekommen, sie zu retten. Und der Herr sagt: Es ist nicht der Wille eures Vaters, dass eines dieser Kleinen verloren gehe. Und das wieder kombiniert mit Matthäus 2 beziehungsweise Jeremia 31: Weine nicht, es gibt Lohn für deine Mühe. Diese Kinder, die nicht mehr sind, sie werden zurückkehren aus dem Land des Feindes, sie werden zurückkehren in das Land.
Und so ist das hier ein Trost in Matthäus 2 im Blick auf diese Katastrophe, der Vernichtung dieser Babys. Gott hat einen Plan. Und wenn man sich das überlegt, dann hat das natürlich eine enorme Bedeutung, gerade im Blick auf die schrecklichste Tötung der ganzen Menschheitsgeschichte. Seit der Liberalisierung der Abtreibung ab den 1968er Jahren sind über eine Milliarde Babys weltweit umgebracht worden im Mutterleib. Und die WHO spricht von einer Größenordnung von weit über 40 Millionen pro Jahr, wenn man sich das überlegt. Im Ersten Weltkrieg kamen 18 Millionen um, im Zweiten Weltkrieg schätzungsweise 70 Millionen, aber das war nicht nur ein Jahr Zweiter Weltkrieg. Aber heute jährlich weit über 40 Millionen Babys. Und was ist mit denen? Nun, wir werden einmal überwältigt sein, diesen Jubel zu hören, wenn diese Babys mit dabei sein werden, als vollwertige Personen, und auch das Tausendjährige Reich miterleben werden. Das gibt ganz neue Dimensionen, eine ganz neue Sicht auf diese schreckliche Sache der Abtreibung in der heutigen Zeit.
Und eben, wir sehen diesen Herodes, der überzeugt war: Jawohl, es ist recht, dass diese Kinder gehen. Und Gott sagt: Sie werden zurückkehren aus dem Land des Feindes. Und das gibt natürlich dieser Stelle in Matthäus 2 ein ganz anderes Gewicht, wenn man sich im Klaren ist: Diese Jeremia-Stelle hatte sich damals erfüllt. Das ist nicht so ein bisschen ähnlich, und darum hat Matthäus das genommen von Jeremia, aber eigentlich geht es da um die wegführten Kinder nach Babylon. Nein, es meint wirklich diesen Kindermord von Herodes.
Die alten Rabbiner hätten was wissen können, dass diese Stelle sich erfüllt, wenn der Messias zum ersten Mal kommt. Ja, das hätte man. Ja gut, ob es sich auf das erste oder auf das zweite Kommen bezieht, das ist schwierig in Jeremia, weil im Textzusammenhang der Hauptakzent auf das zweite Kommen des Messias als König ist. Und da in dem Zusammenhang wird plötzlich diese Stelle erwähnt, und da ist es sicher alttestamentlich schwierig gewesen zu wissen, auf welche Zeit bezieht sich das. So war das aber oft für alttestamentliche Leser. Petrus sagt ja in 1. Petrus 1, die Propheten selber haben nachgeforscht, auf welche oder welcherlei Zeiten der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er von den Leiden sprach, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach. Aber merkt man dieses danach? Man hat alttestamentlich bereits sehen können, dass der Messias zuerst leiden muss und später als der Herrscher kommt. Man kann das aus den alttestamentlichen Texten wirklich klar beweisen, aber es ist schwierig und war bestimmt schwierig für alttestamentliche Leser, die genaue Einordnung.
Noch eine Frage, ja, Kamine?
Was geschieht mit dem Kindlein bei der Entrückung der Gemeinde?
Was geschieht mit dem Kindlein bei der Entrückung der Gemeinde? Die Bibel sagt es nicht, und darum dürfen wir auch nichts sagen. Also, es ist so: Wir müssen all das, was die Bibel lehrt, sollten wir lehren. Und es ist oft ein Problem, dass viele Bibellehrer Dinge gar nicht sagen, die in der Bibel stehen. Sie sagen, das versteht man nicht, zum Beispiel Offenbarung, das versteht man nicht, da soll man auch nicht so viel darüber predigen. Ja, aber das ist eine Unterschlagung. Das, was Gott uns gegeben hat, der ganze Ratschluss Gottes, das sollen wir predigen. Aber dort, wo Gott etwas nicht sagt, sollen wir nicht irgendetwas behaupten.
Jetzt ist es natürlich so: Wir wissen, Gott ist gerecht, er ist vollkommen gütig. Also deine Frage bezieht sich ja auf die kleinen Kinder von den Gläubigen, zum Beispiel. Man könnte dann fragen: Was ist mit all den anderen? Aber bei den Gläubigen, was geschieht, wenn die Eltern entrückt werden? Die Bibel sagt nicht, was geschieht, aber wir können sicher sein, dass Gott einen guten Plan hat. Aber jetzt zu behaupten: Ja, natürlich, die werden entrückt, das wäre vermessen, weil die Bibel diesen Punkt nicht sagt.
Roger, noch eine Frage wegen den Kindern. Du sagst, die Kinder, die im Mutterleib sterben, die kehren zurück, und nach dem Himmel sind sie eine vollwertige Person. Aber im Mutterleib haben sie ja die sündige Natur, streng genommen. Das heißt, sie bekehren sich im Himmel. Also wenn sie dann schon bei Gott sind und dann Gott ja nicht kennen, weil kein Mensch Gott von sich aus sucht, und wenn er nicht ist, heißt das, sie entscheiden sich für Gott dann automatisch.
Also auch hier: Wie ist das jetzt mit den Kindern, die das verantwortliche Alter nicht erreichen, wann geschieht in ihrem Fall die Entscheidung, nicht wahr? Und da gilt auch wieder: Ich habe bewusst gesagt, Matthäus 18 ist so eine feine Andeutung, ja? Und darum ist es im Prinzip auch ein Thema, wo wir nicht mehr sagen dürfen, als was die Schrift sagt. Aber die Schrift sagt uns doch so viel, dass uns klar wird: Ja, da tut Gott ein gewaltiges Rettungswerk. Der Menschensohn ist gekommen im Blick auf die Kindlein, das Verlorene zu retten. Aber wie das jetzt genau geht, in welchem Moment ihre Entscheidung fällt, das überlassen wir Gott. Wir können nicht mehr sagen, das wäre wieder ein Behaupten von etwas, was die Heilige Schrift nicht ausdrücklich sagt. In diesem Rahmen müssen wir bleiben. Aber nur schon dieses Wissen ist ein gewaltiges Wissen. Und eben, wenn wir einmal diesen Jubelruf von all diesen Abermillionen hören werden, das ist schlichtweg ergreifend.
Da hinten noch? Vielleicht hier am Mikrofon, dann hören es eben auch die, die die Aufnahme nachher anhören.
Ja, also mir ist ja immer unklar gewesen, wie das ist. Die Gläubigen, also jetzt zur Zeit, wird ja jemand, der jetzt zum Herrn geführt wird, dadurch dass Gott ihn zieht. Der Heilige Geist lehrt uns, und wir erkennen, dass wir Christus brauchen. Wenn die Gemeinde entrückt ist, habe ich das so richtig verstanden, ist der Heilige Geist weggenommen? Er ist der, der entfernt werden muss, damit wir entrückt werden können. Er wird auch von der Erde genommen mit der Gemeinde. Wie entscheidet sich Israel nachher ohne den Heiligen Geist?
Es ist eben nicht so, dass der Heilige Geist dann nach der Entrückung nicht mehr da wäre. Der Heilige Geist ist Gott, und Gott ist allgegenwärtig. Jetzt stellt sich die Frage: Was bedeutet das, dass der Heilige Geist am Pfingsten ausgegossen wurde und auf die Erde kam, um in der Gemeinde zu wohnen? Das ist der Punkt.
Es ist vergleichbar im Alten Testament: Gott war immer allgegenwärtig, und trotzdem heißt es, dass er in der Stiftshütte wohnte. Was bedeutet das, dass Gott an einem bestimmten Punkt wohnte, der allgegenwärtige Gott? Wohnen bedeutet, dass Gott seine Gegenwart auf eine ganz besondere Weise offenbart. Auch später in Jerusalem, im Salomotempel, wohnte Gott, und da war Gott in Jerusalem auf besondere Weise zu erkennen. Denken wir an die Königin von Saba. Sie kam aus dem heutigen Jemen, das war Saba, sagen wir tausend Kilometer nach Jerusalem. Und was sagt sie in Jerusalem? Sie ist so überwältigt. Da, wo die Schechina über dem Salomotempel war, sagt sie: Nicht die Hälfte hat man mir in meinem Land gesagt, du hast das Gerücht sogar übertroffen. In Jerusalem wird ihr einfach alles klar, ja, warum? Weil Gott eben in Jerusalem wohnte. Aber Gott war überall, er war auch im Jemen, und er war einfach überall da.
Und so ist das eben auch: Der Heilige Geist kam an Pfingsten, um in der Gemeinde zu wohnen. Und das bedeutet, dass Gott in diesen vergangenen zweitausend Jahren sich in der Gemeinde auf ganz besondere Weise offenbart hat. Und so wurde also Gott ganz speziell durch die Gemeinde erkennbar. Und darum sehen wir, die meisten Menschen, die sich bekehren, die sagen nicht: Ich habe nur ein Buch gelesen, und das war es, und ich habe mich bekehrt. Meistens spielt der persönliche Kontakt mit wirklichen Christen eine Rolle, und eine entscheidende Rolle, weil Gott sich ganz speziell durch Gläubige, in denen der Heilige Geist wohnt, mitteilt. Ich sage das nicht absolut, anders wäre es nicht möglich. Aber so geschieht es meistens, dass also irgendwelche Personen eine Rolle spielen im Leben eines Menschen, der dann zum Glauben kommt.
Also durch die Gemeinde gibt sich Gott auf ganz spezielle Art in der heutigen Zeit zu erkennen. Nun, nach der Entrückung wird der Heilige Geist nicht mehr in dieser speziellen Art wohnen, aber er ist da und wirkt überall. Und darum Offenbarung 5: Da wird gesagt, das Lamm Gottes, sieben Augen, und die Augen werden erklärt, das sind die sieben Geister Gottes, die ausgesandt sind über den ganzen Erdkreis. Diese sieben Geister Gottes stellen dar den Heiligen Geist in seiner vollkommenen Fülle, Jesaja 11,2, sieben Namen des Heiligen Geistes. Und da wird ausdrücklich gesagt, dass gerade im Blick auf die Zeit der Gerichte der Heilige Geist eben weltweit wirken wird. Aber er wird nicht mehr wohnen in dieser Art und Weise, wie er in der Gemeinde gewohnt hat.
Und vor Pfingsten, wie war das? Der Heilige Geist hat auch gewirkt, aber vor Pfingsten hat er nicht auf diese Art gewohnt hier auf Erden, wie er das in der Gemeinde getan hat. Ja, noch eine Frage, und dann müssen wir zum Schluss kommen.
Herr Präsident! Meine Frage lautet ja, und zwar: Wir haben in Markus 1,15 und in Galater 4,4 die Sache mit der Geburt Jesu Christi, das heißt, als die Zeit erfüllt war. Und wir haben jetzt angefangen mit der Geburtsgeschichte Jesu Christi, und die Geburt ist erst seit zweitausend Jahren, und die Geschichte der Menschheit eigentlich fängt mit Adam an bis Jesus, das sind Tausende eigentlich von Jahren. Warum heißt eigentlich erst: Als die Zeit erfüllt war? Was hat sich erfüllt genau vor zweitausend Jahren, dass Jesus geboren worden ist?
Ja, es ist eben wichtig: In Galater 4, als die Zeit erfüllt war, da steht für Zeit das Wort chronos. Es gibt auf Griechisch im Neuen Testament auch das Wort kairos, und beides bedeutet nach Wörterbuch Zeit, aber chronos meint Zeit in ihrem Ablauf, also die Zeit in ihrem Ablauf als Epoche. Kairos meint speziell den Zeitpunkt, ja, auch ein bestimmtes Ereignis ist kairos.
Und Galater 4 sagt: Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, auf dass er usw. Das bedeutet, Gott hatte also eine ganz bestimmte Zeit von Jahrtausenden vorgesehen, die von Adam her zuerst verlaufen sollte, bis der Messias kam. Der Messias kam nicht gleich nach dem Sündenfall, dort hat Gott ihn angekündigt: Der Same der Frau wird der Schlange den Kopf zertreten und so weiter. Da war klar, eines Tages wird der Messias kommen und uns von der Macht des Bösen befreien. Aber das ging dann weiter bis zur Sintflut. Gut, der Vater von Noah dachte, das ist der Messias und nannte ihn Noach, Trost, Ruhe, und sagte: Dieser wird uns trösten über all den Fluch und die Mühsal, die die Sünde gebracht hat. Aber Noah wurde zwar ein gerechter Mann, aber der dann auch versagt hat mit Alkohol. Und so ging das Warten weiter, Jahrtausende, und schließlich wurde der Herr Jesus geboren, Matthäus 1.
Und so war diese Zeitepoche, die Gott aber ganz genau festgelegt hatte, so lange sollte es dauern, wurde erfüllt, und der Messias kam. Ja, dann würden wir nächstes Mal weiterfahren mit Matthäus 2,19-23, und dann geht es eben darum, dass der Messias Nazaräer genannt wird. Und das wird sehr interessant sein, wenn wir das in der Zusammenfassung sehen: Der Messias sollte aus Bethlehem kommen, Micha 5. Der Messias sollte aus Ägypten kommen, Hosea 11. Der Messias sollte Nazaräer genannt werden. Ja, bitte, was jetzt? Kommt der Messias aus Bethlehem, oder kommt er aus Ägypten, oder kommt er aus Nazareth? Nun, wir werden dann zusammenfassend sehen, aber verbunden mit noch einigen weiteren überraschenden Details, die ich jetzt nicht sagen möchte.
Er sollte in Bethlehem geboren werden, aus Ägypten gerufen werden und Nazaräer genannt werden. Dann nicht das Gleiche: geboren, gerufen, genannt. Aber das war alles im Plan Gottes, in der messianischen Prophetie so vorgezeichnet, und jetzt sehen wir das Panorama in Matthäus gezeichnet, wie sich alle diese Punkte historisch einordneten. Und wir werden dann auch sehen: Herodes hatte im letzten Moment vor seinem Tod in einem Wutanfall noch das Testament geändert und hatte diesen blutrünstigen Archelaus eingesetzt, anstatt eines etwas gemäßigteren Sohnes. Das hat dazu geführt, dass Joseph effektiv dachte: Wir gehen nach Bethlehem. Aber wenn jetzt dieser Blutrünstige über Judäa regiert, gehe ich lieber nach Galiläa. Und so kam es aufgrund dieses Zornausbruches, Wutanfalles von Herodes dazu, dass er nicht nach Bethlehem ging, sondern nach Nazareth, und der Messias wurde allgemein Jesus der Nazaräer genannt und nicht Jesus der Bethlehemiter, weil er so genannt werden sollte.
Nazaräer werden wir sehen, in welchen Stellen im Alten Testament, und so hat sich das erfüllt aufgrund eines Wutanfalls. Und wir werden dann zusammen die Stelle in den Psalmen noch lesen, wo es heißt, dass sogar der Zorn des Menschen Gott verherrlicht. Also wie Gott das Böse benutzen kann, um schließlich sein Wort, seinen Plan zu erfüllen.
Ja, wir wollen noch zusammen beten.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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