
Wir lesen im Römerbrief weiter. Dieser Brief ist gewissermaßen der Kern der biblischen Lehre und Theologie über das Evangelium. Wer das Evangelium wirklich grundlegend verstehen möchte, kommt am Römerbrief nicht vorbei. Amen!
Darf ich kurz anmerken: Könnte man auf der Empore das Licht einschalten? Warum ist es dort dunkel? Die Leute können ihre Bibeln oben nicht lesen. Das wäre sehr hilfreich. Ich kann euch alle nicht sehen, ihr seid auf der Empore so versteckt, als wärt ihr gar nicht da.
Darf ich die Empore bitten, kurz zu sagen: „Wir sind alle da“, dann machen wir das Licht an? Wunderbar!
Wir lesen nun Römer 2, sowie Römer 3, Verse 9 bis 11.
Die universelle Schuld aller Menschen vor Gott
Wie nun, haben wir etwas voraus? Ganz und gar nichts, denn wir haben ja vorhin sowohl Juden als auch Griechen beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde sind.
Wie geschrieben steht: Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Amen!
Nehmen wir Platz miteinander. Ich wollte heute eigentlich bis Vers 20 gehen, habe aber nur bis Vers 11 geschafft. Ich hoffe, dass ich das auch richtig mit euch bis zum Ende bringen kann.
Ihr erinnert euch: Paulus hat uns erklärt, dass alle Menschen schuldig vor Gott sind – Juden wie auch Heiden. Nun sagt er, sie sind alle unter der Sünde. Als Folge des Sündenfalls befinden sich alle Menschen in diesem Zustand. Wird jemand aus dem Glauben an Christus gerettet, dann wechselt er seinen Stand, nämlich in den Stand der Gnade.
In Römer 6,14 sagt Paulus, dass die Sünde über euch nicht mehr herrschen wird, weil ihr nicht mehr unter dem Gesetz, sprich unter der Sünde, sondern unter der Gnade seid.
Die Bibel teilt die Menschen nicht ein nach Mann und Frau, in reich oder arm, in schwarz oder weiß. Die Bibel kennt keine menschlichen Rassen. Der Begriff Rassismus ist in der Gemeinde Jesu überhaupt nicht bekannt. Es gibt keine unterschiedlichen menschlichen Rassen.
Wir haben alle einen Vater, von dem wir alle abstammen – egal ob Afrikaner, Asiaten, Europäer, Amerikaner, Grönländer, Eskimo oder sonst wer. Unser aller Blut ist rot, und es gibt zwischen uns überhaupt keinen Unterschied.
Die einzige Unterteilung, die die Bibel kennt, ist die zwischen unter der Gnade oder unter der Sünde.
Wie ist dein Stand? Stehst du unter der Herrschaft der Sünde oder unter der Herrschaft der Gnade? Das ist das, was der Apostel uns jetzt hier weiter zeigt.
Das biblische Menschenbild und die Realität der Sünde
Die Welt denkt nicht in diesen zwei Kategorien, die die Bibel verwendet. Paulus beschreibt nun ausführlich die Menschen, die von Natur aus unter der Sünde stehen. In den folgenden zehn Versen skizziert er das Menschenbild der Bibel – nicht das sogenannte christliche Menschenbild. Oft hört man den Satz: „Wir vertreten das christliche Menschenbild.“ Dabei sollte man vorsichtig sein, wenn Menschen das sagen. Meistens meinen sie das humanistische Menschenbild, das Bild des Gutmenschen.
Paulus zeigt uns hier jedoch nicht den humanistischen Menschen, sondern den Menschen, wie Gott ihn sieht und wie die Bibel ihn beschreibt. Diese Beschreibung ist, liebe Gemeinde, in der Tat vernichtend. Paulus zeichnet kein Bild vom guten Menschen und glaubt nicht an das berühmte Gute im Menschen. Stattdessen zeigt er uns, wie verdorben der Homo sapiens durch den Sündenfall geworden ist.
Die Bibel sagt, dass wir alle in Sünden geboren sind. Was uns allen fehlt, ist ein gerechtes Leben vor Gott. Deshalb folgen nun die Worte: „Wie geschrieben steht: Es ist keiner gerecht, auch nicht einer.“ Daraus erkennen wir, dass Paulus das Bild vom Menschen nicht selbst erfunden hat, sondern es aus dem Alten Testament bezieht.
Die gesamte Reihe von Aussagen, die nun genannt werden, stammt nicht von Paulus, sondern sind Texte aus dem Alten Testament. Er zitiert zum Beispiel Psalm 14, der nur eine der Stellen ist, auf die sich Paulus bezieht. Dort heißt es: „Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob es einen Verständigen gibt, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, allesamt verdorben. Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen einzigen.“
Es ist keiner gut, keiner gerecht.
Die Gerechtigkeit vor Gott und die Realität des menschlichen Herzens
Dagegen wehren sich viele Menschen. Jemand sagte einmal zu mir: „Aber, Pastor, wir sind doch nicht alle Verbrecher.“ Nein, wir sind nicht alle Verbrecher, zumindest nicht in dem Sinne, wie wir es oft verstehen. Es gibt doch auch viele anständige und ehrenwerte Leute, oder?
Ich muss wirklich sagen, ich habe sehr viele nichtgläubige Menschen getroffen, und das sind wunderbare Menschen. Ich wünschte, dass Christen manchmal genauso edel wären wie diese Menschen in der Welt.
Wie kann Paulus – und auch der Psalm und das Alte Testament – sagen, dass keiner gerecht ist und keiner gut ist? Paulus spricht hier nicht vom allgemeinen Benehmen der Menschen untereinander. Da gibt es gewiss Gerechtere und Ungerechtere, das verneint die Bibel nicht.
Es geht hier um unsere Gerechtigkeit in Bezug auf Gott: Wie stehen wir ihm gegenüber? Und das Urteil lautet: schuldig. Kein einziger Mensch, der je auf der Erde lebte, war oder ist aus sich selbst vor Gott gerecht.
Aber was ist mit Mutter Teresa, dem Engel der Armen? Sie hat ihr ganzes Leben für andere gelebt. Aufgrund ihres edlen Lebensstils müsste sie doch in Ordnung sein. Die Bibel sagt: Nein, da ist keiner, der vor Gott gerecht ist. Auch nicht Henoch, Abraham oder Samuel, auch nicht der liebe Johannes, der an der Brust Jesu lag.
Auch die besten und nobelsten Menschen stehen unter dem göttlichen Urteil als ungerecht vor Gott.
Die tiefere Ursache der Sünde: Die gefallene Natur des Menschen
Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, den wir lernen müssen. Was uns unter Christen oft unklar ist, liegt daran, dass wir von den Einflüssen und Denksystemen dieser Welt eingenommen sind. Deshalb sind wir manchmal selbst nicht klar als Christen.
Was wir lernen müssen: Es geht nicht darum, wie viele böse Dinge Menschen getan haben und wie viele gute Taten sie dagegenrechnen können. Menschen haben sicherlich unterschiedliche Bilanzen. Bezogen auf die Menge unserer Taten gibt es gewiss bessere und auch schlechtere Menschen. Das beantwortet jedoch nicht unser eigentliches Problem.
Hört jetzt gut zu: Unser Grundproblem sind nicht die sündigen Taten, sondern die sündige Natur. Wir sind nicht neutral auf die Welt gekommen, so dass sich jeder erst einmal für das Böse entscheiden müsste, bevor er ein Sünder wird. Jeder Mensch muss nicht erst seinen persönlichen Sündenfall erleben, um ein Sünder zu werden. Die Bibel lehrt uns: Durch den Fall der ersten Menschen kommt jeder Mensch bereits als Sünder auf die Welt, ohne dass er je etwas Gutes oder Schlechtes getan hat.
Sünde ist sein Charakter. Sünde ist nicht in erster Linie eine Tat, sondern unsere Natur. Darum sagt David, er klagt es regelrecht: „Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“ (Psalm 51,5)
Die Not, die David erkennt, ist: Ich bin als Sünder geboren. Das heißt – und das habe ich mir besonders unterstrichen – wir sind nicht Sünder, weil wir sündigen, sondern wir sündigen, weil wir Sünder sind.
Habt ihr das verstanden? Das klingt vielleicht ein bisschen philosophisch, aber es ist ganz wichtig, dass wir das festhalten: Wir sind nicht Sünder, weil wir sündigen, sondern wir sündigen, weil wir Sünder sind. Selbst wenn wir schlafen und keine Sünde tun, sind wir Sünder. Darin besteht unsere Not.
Die Unveränderlichkeit der sündhaften Natur und ihre Folgen
Ein Kind ärgert sich darüber, dass die Kohlen so schwarz sind. Es holt Wasser und versucht, sie zu waschen.
Was kommt aber dabei heraus? Die Kohlen werden nicht sauberer, sondern das Wasser wird auch noch schwarz. Warum? Weil die Kohlen eben Kohlen sind, durch und durch. Sie sind nicht nur schwarz angemalt. Man kann ihre Schwärze nicht entfernen, weil sie nicht nur äußerlich ist, sondern sie sind von innen her schwarz.
Und so ist es mit uns: Wir versuchen, uns äußerlich zu bessern und abzuwaschen, aber wir werden immer schlechter, immer schwärzer. Das zeigt sich im Verlauf der Menschheitsgeschichte. Früher konnte ein Mensch nur einen anderen töten, wie Kain den Abel. Heute kann er innerhalb von Sekunden Tausende umbringen – und er tut es auch, wie wir jeden Tag sehen.
Wir dachten, unsere ethischen Werte, an die wir glauben, würden uns besser machen. Darum riefen wir nie wieder Krieg aus. Aber schaut euch die Spur der Verwüstung an, die der ach so friedliebende Mensch gerade in jüngster Zeit hinterlässt. Wir dachten, die Zeiten des Kolonialismus, des Mittelalters und des barbarischen Wesens seien vorbei. Wir seien jetzt zivilisiert und gebildet. Wir seien bessere Leute.
Guckt euch den Schlamassel an! Ihr braucht nur jeden Tag die Zeitung aufzuschlagen, dann seht ihr, was los ist: schwarz, schwarz, schwarz, schwarz, wie die Kohlen. Schaut unsere Familien an. Warum wird es nicht besser? Weil wir es nicht wollen? Doch, wir wollen. Aber wir können nicht.
Unsere guten Absichten sind nicht in der Lage, unsere sündhaften Gene zu beseitigen. Die Wurzel des Übels liegt in unserem Herzen, tief in unserer charakterlichen Grundveranlagung. Der bekannte Evangelist Billy Graham verglich unsere sündhafte Natur – ich tue das nicht, aber er hat es getan – mit einem Schwein, das man bürstet, wäscht und parfümiert, ihm eine rote Schleife anlegt und es auf das Sofa im Wohnzimmer setzt.
Graham meinte, dass das Wohnzimmer nach kurzer Zeit wahrscheinlich eher ein Schweinestall als ein Wohnzimmer wäre. Warum kann ein Schwein nicht wenigstens einen Tag lang anständig sein? Nein, kann es nicht. Seine Natur lässt es nicht zu, seine Gene lassen das nicht zu. Selbst wenn du es dressieren und ihm ein paar gute Züge beibringen könntest, bliebe es doch, was es ist.
Selbst wenn alle Besserungs- und therapeutischen Maßnahmen zur Verfeinerung unseres Charakters und Benehmens an uns angewandt werden, blieben wir, was wir sind: Unsere Gene sind sündhaft. Wenn ein Mensch dazu erzogen wird, viele gute Taten zu tun, bleibt er dennoch, was er ist: ein Sünder von Jugend auf.
Damit beschäftigt sich Paulus hier. Er versucht uns das zu erklären. Er sagt nicht, dass es keine guten Menschen gibt, die gerecht erscheinen. Nein, das greift zu kurz. Es kommt auf den Kern an. Das wahre Problem der Menschen sind also nicht ihre mehr oder weniger bösen Taten, unter denen auch viele gute und edle sein können. Sondern das wahre Problem ist ihre von Adam her gefallene Natur.
Sie sind unter der Sünde, unter die Sünde verkauft. Das ist ihr Zustand – und zwar aller Menschen. Keiner ist gerecht. Das ist die Ausgangsbasis, die Grundwahrheit, die wir den Menschen niemals verschweigen dürfen. Damit fängt Evangelisation an.
Die ehrliche Diagnose als Anfang des Evangeliums
Das Evangelium beginnt nicht damit, zu sagen, wie fein der Mensch doch ist, wie sehr Gott ihn mag und wie großartig es sein wird, wenn er Jesus in sein Leben aufnimmt. Nein, das Evangelium startet mit einer ehrlichen Diagnose. Diese sagt dem Menschen, dass er von Grund auf krank ist – von Krebs befallen – auch wenn er sich selbst noch für ziemlich gesund hält.
Viele Menschen sagen: „Pastor, ich bin doch kein Sünder! Wo habe ich denn gesoffen? Wo habe ich Drogen genommen? Wo habe ich einen anderen Menschen umgebracht? Ich bin ein guter Mensch.“ Ein Psychologe würde ihnen Recht geben und ihr Selbstwertgefühl stärken. Doch wenn sie zum Evangelium kommen, hören sie keine Schmeichelei. Stattdessen hören sie die niederschmetternde Nachricht: Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Das beschreibt unseren hoffnungslosen Zustand.
Du bist auch verloren, auch du bist keine Ausnahme. Dein Herz ist falsch, deine Wesensanlage ist verdorben. Nun schau auf das Kreuz. Weil deine Lage so verzweifelt ist, hat sich Jesus auf den Weg gemacht, ans Kreuz zu gehen. Er hätte dort nicht gelitten, wenn deine Sache nur eine Kleinigkeit gewesen wäre. Für Peanuts wäre Jesus niemals ans Kreuz gegangen, um zu leiden.
Jesus ist diesen bitter schweren Weg gegangen. Im Garten Gethsemane hatte er selbst Angst und Sorge. Er sagte: „Mein Vater, wenn es möglich ist, dann lass diesen furchtbaren Kelch an mir vorübergehen.“ Doch er fügte hinzu: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Warum ist Jesus bereit, so ein Opfer zu bringen? Weil unsere Lage verzweifelt schrecklich ist, weil wir keine Hoffnung mehr haben. Sie ist aussichtslos. Wir können uns selbst nicht mehr helfen.
Darum wagte der Sohn Gottes alles, um uns Erlösung zu schaffen. Unser Herz ist von Jugend an durch und durch böse. Deshalb reicht nicht ein bisschen mehr Kultur oder ein bisschen mehr Zivilisation. Nein, du brauchst einen Eingriff an deinem tiefsten Innern. Du brauchst eine innere Verwandlung, eine Metamorphose, eine Wiedergeburt, eine neue Kreatur, eine neue Schöpfung.
Wenn das nicht geschieht, dann bleiben wir unter der Sünde. Wie Paulus es hier in unserem Vers sagt: Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer (Römer 3,10).
Die geistliche Blindheit und Unfähigkeit des Menschen
Um die totale Verdorbenheit des Menschen zu zeigen, geht der Apostel Paulus nun einen Schritt weiter. Er sagt in Vers 11: Es ist keiner, der verständlich ist, der nach Gott fragt.
Hier geht es nicht darum, dem Menschen jegliches Weisheitsvermögen abzusprechen, zum Beispiel in den Bereichen Wissenschaft und Technik. Nein, Gott hat dem Menschen Weisheit gegeben, um zu rechnen, zu schreiben, zu erfinden und zu entwickeln. Es ist erstaunlich, was der Mensch im Laufe seiner Geschichte für wunderbare Dinge zustande gebracht hat.
Mein Vater ist 1959 an einem Herzinfarkt gestorben. Damals gab es keine blutdrucksenkenden Mittel. Die Ärzte haben ihm geraten, Mate-Tee zu trinken. Schon in meiner Jugend sagte der Arzt zu mir: „Herr Weghardt, Ihr Blutdruck ist zu hoch. Sie müssen dringend etwas tun, Sie müssen dagegen steuern, sonst sterben Sie noch früher als Ihr Vater.“ Als ich das hörte, gab es allerdings schon blutdrucksenkende Mittel. Dass ich heute noch lebe, habe ich Jesus zu verdanken und nicht dem Blutdrucksenker.
Und doch ist das unglaublich: Ich bin heute schon zehn oder dreizehn Jahre älter als mein Vater, als er starb. Der Mensch ist weise, fantastisch, Gott sei Dank. Aber jetzt sagt Paulus, es ist keiner, der verständlich ist.
Paulus spricht hier nicht von einer intellektuellen Verständlichkeit, sondern von der geistlichen. Dem gefallenen Menschen fehlt die Fähigkeit, die Dinge Gottes und seine geistliche Welt wahrzunehmen. Er ist geistlich tot, wie es in Epheser 2,1 heißt, „in Übertretungen und Sünden“. So wie eine körperliche Leiche die materielle Welt nicht wahrnehmen kann, so kann eine geistliche Leiche die geistliche Welt nicht wahrnehmen.
Daher kommt es, dass nichtgläubige Menschen in einer Predigt, wie man so schön sagt, „nur Bahnhof verstehen“. Es kann sein, dass Menschen heute hier rausgehen und mit dem Kopf schütteln und sagen: „Was ist das bloß für ein Blödsinn gewesen, was der Mann da geredet hat.“
Ich danke, herzlichen Dank. Woher kommt das? Er ist nicht blöd, aber er hat kein geistliches Verständnis. Er kennt die Dinge Gottes nicht, die geistlichen Dinge. Kennt er nicht. Und wie soll er denn? Wie soll eine Leiche verstehen? Sie ist tot.
Deshalb ist es verwunderlich, wenn Prediger sagen, dass sich jeder Mensch frei für Gott entscheiden könne. Wie soll er denn? Er ist doch tot! Wie soll er sich entscheiden? Wenn trotzdem jemand sagt, ein natürlicher Mensch könne frei Gott wählen, dann zeigt das, dass er den wahren Zustand des Sünders überhaupt nicht erkannt hat.
Erst wenn er geistlich lebendig geworden und wiedergeboren ist, wenn er geistliche Augen bekommen hat und das Heil Gottes erkennen kann, dann kann er sagen – und dann sagt er auch: „Oh ja, ich will ein Kind Gottes werden“, weil er sieht, weil er schaut, weil ihm etwas offenbar geworden ist.
Aber vorher hat er keinerlei Verständnis und keinerlei Verstehen, da ist niemand verständig. Diese grundlegende Wahrheit betont die Heilige Schrift immer wieder.
In Epheser 4,18 heißt es: „Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben Gottes.“
Im ersten Korintherbrief Kapitel zwei Vers 14 steht: „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, Luther übersetzt: vernimmt nichts, was vom Geist Gottes ist, denn sie ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen.“ Warum nicht?
Paulus setzt fort und sagt: „Es muss geistlich beurteilt werden.“
In Römer 8,7 heißt es: „Das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, denn es unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht und kann es auch nicht.“
Der natürliche Mensch kann nicht, er ist verloren.
Die Unfähigkeit des Menschen und die Gnade Gottes
Wer trotz dieses eindeutigen Zeugnisses der Bibel behauptet, dass der Mensch einen freien Willen habe und sich frei für Christus entscheiden könne, der hat, wenn ich das so sagen darf – nein, ich entschuldige mich nicht, das ist Fakt – das AWC vom Evangelium noch nicht verstanden.
Wer dem gefallenen, natürlichen, geistlich toten Menschen zuschreibt, dass er sich für Gott entscheiden könne, der sagt damit, dass eine Leiche sich entscheiden kann. Auch wenn das große Theologen sagen, ist das nicht wahr. Es gibt niemanden, der verständig ist. Wenn jemand verständig wäre, dann könnte er sich für Gott entscheiden und würde es auch tun. Aber er ist nicht verständig.
Paulus zeigt uns weiter, worin diese Verständnislosigkeit liegt. Liebe Gemeinde, sie liegt, wie wir gesehen haben, nicht nur darin, dass ein Mensch unfähig ist, das Reich Gottes zu erkennen und es anzunehmen, sondern auch darin, dass noch nicht einmal einer da ist, der nach Gott fragt. Es ist keiner da, der verständig ist und nach Gott fragt.
Sie alle sind so unverständlich, dass sie nicht einmal nach Gott fragen. Oft wird gesagt, dass alle Menschen auf der Suche seien und alle Menschen nach Gott fragen würden. Dem widerspricht die Bibel eindeutig: Kein ungläubiger Mensch fragt nach Gott, er will ihn loswerden und er hasst ihn. Seine Natur ist Feindschaft gegen Gott, und deswegen fragt er nicht nach ihm.
Es gibt keinen Menschen, der von Natur aus Verlangen, Sehnsucht oder Hunger nach Gott oder nach Christus hat. Er ist nicht interessiert. Erst wenn Gott von sich aus aktiv in das Leben eines hoffnungslos verdorbenen und verlorenen Menschen eingreift, fängt dieser an zu suchen. Er braucht das Wunder der Wiedergeburt.
Erst dann sehnt sich ein Mensch nach Gott, erst dann empfängt er den Heiligen Geist, und erst dann beginnt er zu suchen. Wie Jesus sagt: „Sucht, so werdet ihr finden.“ Erst wenn der Heilige Geist in das Herz eines Menschen eingezogen ist, fragt dieser nach dem lebendigen Gott.
Wie sagt der Psalmist: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, o Gott, nach dir.“ Das tut kein gottloser Mensch, das tun die Kinder Gottes, die Jesus ergriffen hat. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.
Gottes Initiative in der Suche nach dem Menschen
Liebe Gemeinde,
wieder ein wichtiger Satz von mir: Wir sind nicht Christen geworden, weil wir nach Gott gefragt oder ihn gesucht haben. Wir sind Christen geworden, weil er uns gesucht hat. Hast du das verstanden? Das ist so wichtig, das ist die Basis des Evangeliums.
Ja, das ist wahr. Wenn wir das nicht im Sinn und im Herzen haben, dann ist es wie mit einem Mantel – einem wunderschönen Mantel. Wenn du ihn vom ersten Knopf und Loch an falsch zuknöpfst, kannst du knöpfen, wie du willst, irgendetwas ist immer verkehrt an dem Mantel.
So ist es bei vielen Menschen, die vom Evangelium reden oder es hören. Das passt hier nicht und passt da nicht, und sie sagen: „Ja, das ist komisch, da ist ein Widerspruch in der Bibel“ und so weiter. Nein, mein Freund, das Problem ist: Du hast den ersten Knopf mit dem falschen Loch verknüpft.
Die Bibel sagt, wir sind nicht Christen geworden, weil wir Gott gesucht haben, sondern weil er uns gesucht hat. Wer hat wen im Gleichnis vom verlorenen Schaf gesucht? Ging das Schaf seinem Hirten nach oder der Hirte seinem Schaf?
Bitte! Es war nicht das Schaf, das suchte und fand, sondern der Hirte, der suchte und fand. Und als er mit seinem Schäfchen auf der Schulter nach Hause kam, da rief er seinen Nachbarn zu: „Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“
Deshalb sagt Jesus nicht: „Wenn ihr zu mir kommen wollt, dann müsst ihr mich schon suchen.“ Nein, Jesus hat gesagt: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Der große Sucher bist nicht du, der große Sucher ist Jesus. Ihm allein gehört alle Ehre, soli Deo gloria. Wir waren tot in Übertretungen und Sünden, hoffnungslos verloren und konnten uns nicht helfen. Wir wussten den Weg nicht, kannten Gott nicht und haben nicht nach ihm gefragt.
Aber dann erbarmte er sich über uns und suchte uns so lange, bis er uns gefunden hat. Halleluja! Jetzt werde ich richtig glücklich hier. Sag doch mal Amen dazu: Jesus hat uns gefunden. Er ist unsere Erlösung.
Das Heil ist von A bis Z des Herrn, und nicht das Schwarze unterm Fingernagel ist von uns. Gar nichts, gar nichts, gar nichts! Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer, da ist keiner, der verständig ist und keiner, der nach Gott fragt.
Darum heißt es schon bei Hesekiel: „Denn so spricht der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.“
Einladung zur Umkehr und Hoffnung auf Erlösung
Mein lieber Freund, zum Schluss bete ich für dich. Ich bete, dass Gott dich heute findet, dass du heute unter dem Wort Gottes bist – hier oder draußen am Bildschirm.
Ich habe den starken Verdacht, dass gerade du heute diese Predigt hörst. Ich glaube, da steckt mehr dahinter: Gott ist auf der Suche nach dir. Er hat eine große Suchaktion gestartet und darum hat er dich hierhergebracht, damit du das Wort Gottes hörst, das Evangelium.
Gott will dir Buße schenken, ein neues Leben. Wenn das geschehen ist, fängst du an, Gott zu suchen. Dann hast du Hunger nach ihm. Du suchst ihn in der Bibel, im Gebet, in der Predigt, in der Gemeinschaft der Gläubigen, in der Taufe und im Abendmahl. Dann rufst du, wie jene Sulamith im Hohen Lied: „Ich suche den, den meine Seele liebt.“
Solange das Wunder der göttlichen Erneuerung in deinem Leben noch nicht stattgefunden hat, fragst du nicht wirklich nach Gott. Was man allgemein als Gottessuche bezeichnet, ist oft nur die Suche nach Religiosität.
Versteht ihr, es gibt religiöse Menschen, aber sie suchen nicht Jesus, um sich vor ihm zu beugen und Buße zu tun. Sie suchen nicht den Gott der Bibel. Sie suchen die Religionen dieser Welt, den Mystizismus, Spiritualität, innerweltliche Meditation, das Hineinhören in sich selbst – all das ist angesagt.
Der Mensch ist auf der Suche. Er sucht nach Glück und Ehre, nach Ruhm, nach Erfolg, nach Geld, nach Sex. Der Mensch ist ein Sucher, ja, ja, ja, er sucht. Aber er fragt nicht nach Gott.
Deshalb findet hier heute etwas Besonderes statt: Hier sind Menschen, die nicht zufällig zuhören. Sie sind hier, weil Gott sie sucht. Du bist hier, weil der lebendige Gott, dein guter Hirte, eine Suchaktion nach dir gestartet hat. Er packt dich, er ergreift dich heute und führt dich zur Buße.
Wie wunderbar ist das! Ich würde solche Leute heute gerne noch nach dem Gottesdienst treffen, um für dich zu beten, mit dir zu beten. Stell dich heute deinem Gott! Er hat dich gefunden. Kapituliere, lass dich erretten, lass dir die Gerechtigkeit Christi schenken, mit der allein du vor Gott bestehen kannst.
Wie nun? Haben wir etwas voraus? Ganz und gar nicht! Denn wir haben ja vorhin sowohl Juden als auch Griechen beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde sind.
Wie geschrieben steht: „Es ist keiner gerecht, auch nicht einer, es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt.“
Aber Gott macht Menschen heute durch seinen Geist und seine Liebe verständig, dass sie nach dem Herrn fragen – in Jesu Namen.