Kidron
Kidron (Schwarzbuch). Das Kidrontal ist die Bodensenkung, welche im Nordwesten der Stadt beginnt und zuerst nach Osten zieht, dann aber, nach Süden umbiegend, Jerusalem im Osten begrenzt. Hier heißt es im Alten Testament Kidrontal; es trennt den Ölberg von dem östlichen Teil der Stadt und mußte auf dem Wege nach Bethanien oder Jericho überschritten werden. 2 Sa. 15,23. Jetzt heißt es diesem Teil östlich von der Stadt Marienthal (Wadi Sitti Mariam), weil die Tradition mit vielen Stätten Erinnerungen an die Mutter Jesu verbindet. Nach Süden vertieft und verengert es sich immer mehr. Der Tempelberg fiel einst schroff gegen diese Schlucht ab, die früher viel tiefer war als heutzutage, da eine mächtige Schichte von Schutt jetzt über der Talsohle liegt, an einer Stelle 11, 6 m tief. Daß je ein beständiger Bach durch dieses Tal floß, ist kaum anzunehmen. Nur nach anhaltenden Regengüssen wird er zum schmutzigen „Schwarzbach“. Im obern Teil hat das Tal frischen Pflanzenwuchs; da, wo das Hinnomtal einmündet, zeigt sich eine „liebliche, mitten in der allgemeinen Dürre frisch grünende Gartenaue“, an vielen Stellen ist es mit Getreide besät. Von dem Kidrontal wurde früh, aber mit Unrecht, die Weissagung Joel 4,12 vom Tale Josaphat als Ort des künftigen Weltgerichts verstanden (vgl. Art. Josaphat). Manche Götzenbilderwurden von frommen Königen hier verbrannt, zum Beispiel von Asa, 1 Kö. 15,13, von Hiskia, 2 Chr. 29,16, von Josia, 2 Kö. 23,4. Auch manche Grabkammern und Beerdigungsplätze fanden sich hier, 2 Kö. 23,6. Noch manche sind hier zu sehen, zum Beispiel das Absalomsgrab (2 Sa. 18,18), das jedenfalls in seiner jetzigen Gestalt jüngeren Ursprungs ist, und das Grabmal des Zacharias. In der kleinen Ebene, wo die drei Täler, Hinnom-, Tyropöon- und Kidrontal sich vereinigten, lagen wahrscheinlich die Königsgärten, 2 Kö. 25,4. Weiter abwärts treffen wir den Hiobsbrunnen (Rogel) und dann zieht das Tal mit verändertem Namen (Rabab) als schauerliche Felsenschlucht, an dem Felsenkloster Mar Saba vorbei, dem Toten Meer zu. (Das Kloster, Abb. 189. dessen Anfang ins 5. Jahrhundert hinaufreicht, wird von griechischen Mönchen bewohnt, deren Fleiß in die kahle Kidronschlucht ein kleines Paradies hineingezaubert hat. „Wie ein Schwalbennest hängt es an der südlichen Seite der Kluft; Häuser, Kirchen, Kapellen, Befestigungstürme sind dachziegelartig übereinander gechichtet und an dem schrossen Felsen hinaufgebaut, eine Menge Zellen in den Felsen gehauen. Jede Ecke, wo sich etwas von Erde anbringen ließ, ist zur Anpflanzung eines Obstbaumes oder eines Blumengärtchens benützt.“)