Kammer
Kammer.
1) Über die Einrichtung des orientalischen Hauses, siehe Haus. In jedem Hause war mindestens eine Kammer (hebr. cheder, griech. tamieion), das heißt ein verschließbares, den Fremden nicht zugängliches Gemach, 1Mo 43,30; Mt 24,26; Luk 12,3 (in den Häusern der Reichen, besonders der Könige, gab es deren mehrere), wohin man sich zurückziehen konnte, um zu weinen. 1Mo 43,30, zu beten, Tob 3,12. Auch Jesus empfiehlt das Gebet im Kämmerlein so angelegentlich, Mt 6,6, weil der Beter dort ungestört mit dem himmlischen Vater allein sein kann und nicht in Gefahr kommt, sich vor den Leuten mit seiner Frömmigkeit sehen zu lassen. Außerdem dienten diese Gemächer zum Versteck in der Zeit der Gefahr, 1Kö 20,30; 22,25; 2Chr 18,24; Hes 21,19, meist auch als Schlafgemach, 2Mo 7,28; Ps 105,30; 2Sa 4,7; 13,10, als Gemach des Bräutigams oder der Braut, Joel 2,16; Hohel 1,4; 3,4; Ri 15,1, als Schlafzimmer der Eheleute, Ri 16,9. 11. 12; 1Kö 1,15. Auch zu geheimem Götzendienst wurden solche verborgene Zimmer gebraucht (Hes 8,12, „Bilderkammer“, das heißt eine Kammer, in welcher entweder Götzenbilder aufgestellt oder deren Wände mit solchen bemalt waren), oder endlich als Vorratskammern, Spr 24,4. Sonst heißen die Vorratskammern mesavim, Ps 144,13, die Schatzhäuser der persischen Könige bothe gesanim, Esra 7,20; Esth 3,9; 4,7; die Kammer oder Zellen der Arche kinnim (Nester), 1Mo 6,14. Gerne wurde ein verborgenes Gemach auf dem ebenen Dach des Hauses errichtet (alijah), weil es dort kühler war (die Kammer der Sommerlaube, Ri 3,24). Auch die mit gemauerten Wänden versehene Kammer, welche die Sunamitin dem Propheten Elisa als Wohn- und Schlafzimmer erbauen ließ, war auf dem Dach (2Kö 4,10 f.), ebenso das Betkämmerlein der Judith 8,5; 9,1. —
2) Kammer (cheder, lischka) heißen auch die Seitengemächer des Tempels, welche zur Aufbewahrung heiliger Geräte oder zum Aufenthalt für die diensttuenden Personen dienten, Esra 10,6; 1Chr 28,11. —
3) Bildlich wird Spr 7,27 von Kammer des Todes geredet, um das geheimnisvolle Dunkel, in welches der Tod für uns gehüllt ist, anzudeuten. —
4) Jes 57,2: „Sie ruhen in ihren Kammer“ heißt wörtlich: „Sie ruhen auf ihren Lagern.“ Es geht dies wohl auf das friedliche Ruhen der Gerechten im Tod. Jes 26,20: „Mein Volk, gehe in deine Kammer“ Die. Gerechten werden zur Zeit des Gerichts in sicherem Gewahrsam geborgen. Ob das Grab oder ein anderer Bergungsort damit gemeint ist, wird sich nicht sicher entscheiden lassen. —
5) Röm 13,13, Kammern (komoi) heißt eigentlich Freudengelage, Nachtschwärmereien, wie sie von den Heiden bei festlichen Gelegenheiten gehalten wurden. Dieselben waren meist mit Unmäßigkeit und Unzucht verbunden.