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Jungfrau

1) Die gewöhnliche Bedeutung

Es ist besonders 1 Kor. 7,25 ff. zu berücksichtigen. Der Apostel hat über die dort von ihm besprochene Frage „kein Gebot des Herrn“, aber er selbst gibt seine Meinung dahin ab — und er darf auch von sich denken, daß er den Geist der Wahrheit empfangen habe (7,40), sein Rat also der Beachtung wert sei —, der jungfräuliche Stand sei gut, „um der gegenwärtigen Not willen“. Diese läßt es ihm rätlich erscheinen zu sagen, daß das Ledigbleiben besser sein werde; aber er will weder einen besonderen Vorzug der Heiligkeit den jungfräulich, das heißt ledig Bleibenden zusprechen, noch einen Vorwurf erheben gegen diejenigen, welche bereits verehelicht sind oder in die Ehe treten wollen; er stellt nur diesen letzteren die besonderen Sorgen in Aussicht, welche das Familienleben mit sich bringt.

2) Übertragener Sinn

Es werden unbezwungene Festungen auch bei den Juden mit Jungfrauen verglichen (2 Kö. 19,21; Jes. 37,22; vgl. das Gegenteil, Jes. 23,12). Hauptsächlich aber wird gerne im Alten Testament die Tochter Zion, das erwählte Volk Gottes, als Jungfrau bezeichnet. Freilich „die Jungfrau Israel ist gefallen“ (Am. 5,2), gar zu oft hat das Volk sich untreu, unrein, abfällig und ungehorsam bewiesen; aber Gottes Langmut sagt doch auch, daß er die Jungfrau Israel wieder bauen und fröhlich machen wolle, Jer. 31,4; und im Neuen Bund, da diese Weissagung im geistigen Sinn erfüllt wird, ist es des Apostels Bemühen und Wunsch, das wahre Volk Israel, die Gemeinde des Herrn, als eine reine Jungfrau Christo, ihrem Herrn, zuzuführen, 2 Kor. 11,2. In Offb. 14,3 ff. scheint nach dem Wortlaut Ehelosigkeit gemeint zu sein (1 Kor. 7,25 ff.), andere denken an die jungfräuliche Herzensreinheit, die sich nicht in die Weltlust ziehen läßt (vgl. 2 Kor. 11,2; Offb. 2,14).

Die Psalmüberschrift „nach Jungfrauenmeise“ (Ps. 9,1; 46,1), bezeichnet vielleicht die Jungfrauenstimme (Sopran).

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