Jüngstes Gericht
Jüngstes Gericht, jüngster Tag, das heißt letztes Gericht, letzter Tag. Gott hat alles in bestimmte, geordnete Zeiten gefaßt, es kommt darum auch für die sichtbare Welt ein letzter Tag. Nicht als brächte er eine absolute Zerstörung, ein Zerfallen der Dinge in ein leeres Nichts. Gottes Wege enden nicht in einer öden Todesnacht, sondern in ewigem Leben. Der letzte Tag bringt der Welt vielmehr den Übergang aus der zeitlichen Wandelbarkeit in den Vollendungszustand, der nun Unwandelbarkeit und Ewigkeit besitzt, weshalb nicht mehr neue Tage und Jahre folgen werden: es wird keine Zeit mehr sein, Offb. 10,6. Als Jesus sich als das Brot des Lebens bezeugte, hat er nachdrücklich betont, er werde die Glaubenden auferwecken am letzten Tage (Joh. 6,39. 40. 44. 54); dann, wenn alles andere sein Ende findet, steht er da als der Leben-Gebende und schafft, daß für die Seinigen der letzte Tag der Anfang eines neuen, ja erst des wahrhaftigen Lebens wird. Wie er für uns der Mittler ist zwischen Gott und Mensch, so ist er auch Mittler zwischen Zeit und Ewigkeit, der Weg, der uns hinausführt über das Ende der Zeit zu dem, was nachher folgt. Als aber Martha ihm sagt: am jüngsten Tag wird Lazarus auferstehen, als hätte er jetzt seine den Tod überwindende Macht noch nicht, antwortet er: ich bin die Auferstehung, nicht nur: ich werde es sein (Joh. 11,24), damit wir beides wissen, daß er wie einst, so auch heute, und wie heute, so auch am jüngsten Tage seine ganze Heilandsmacht besitzt. Dieser jüngste Tag ist zugleich der Tag des Gerichts. Der Übergang der Welt in ihren ewigen Bestand geschieht durch die vollkommene Offenbarung der göttl. Gerechtigkeit. Alles wird hell; der falsche Schein ist vorbei; das innere Wesen wird überall offenbar; es stellen sich die Resultate des Lebens heraus im Guten und im Schlimmen; alles erhält nun seine reife, endgültige Gestalt und die untergeordnete Mischung des Guten mit dem Bösen, des Göttlichen mit dem Widergöttlichen im gegenwärtigen Weltlauf hat dann ein Ende. Jesus heißt uns auf die Ernte merken als auf ein Bild des göttl. Richtens und Scheidens, kraft dessen das Endergebnis, mit dem der ganze Weltlauf abschließt, dies sein wird: Gott ist gerecht.