Jachin und Boas
Jachin und Boas. So hießen nach 1 Kö. 7,21; 2 Chr. 3,17 die beiden ehernen Säulen, welche Salomo an der Vorhalle des Tempels aufrichten ließ. Das Erz, aus welchem sie von Hiram in der Jordanebene zwischen Suchoth und Zarthan (1 Kö. 7,46) gegossen wurden, hatte schon David in einem Kriege mit Syrien erbeutet, 1 Chr. 18,8. Bei der Zerstörung Jerusalems im Jahr 588 v. Chr. wurden sie von den Chaldäern in Stücke geschlagen und das Erz nach Babel geführt, 2 Kö. 25,13; Jer. 52,17. Aus den verschiedenen Beschreibungen dieser Säulen, 1 Kö. 7,15-22. 41 f.; 2 Kö. 25,17; 2 Chr. 3,15-17; Jer. 52,21-23, und ähnlicher Säulen bei Phöniziern und Ägyptern können wir uns kein ganz sicheres Bild von denselben machen. Sie standen wahrscheinlich frei vor der Halle, nicht so, daß der das Hallendach tragende Balken auf ihnen ruhte. Die Höhe des Schaftes war je 18 Ellen = 8 m 71 cm (2 Chr. 3,15: 35 Ellen), ihr Umfang 12 Ellen = 5 m 80 cm (also der Durchmesser 3,8 Ellen = 1 m 84 cm) und waren bei einer Dicke der Erzwandung von 4 Fingerbreiten = 8 cm innen hohl. Die Säulen waren gekrönt mit runden, 5 Ellen (2 Kö. 25,17: 3 Ellen) = 2 m 42 cm hohen Knäufen oder Kapitälen. Der untere, 1 Elle hohe Teil derselben bestand aus einem bauchigen Wulst, welcher oben und unten mit einer Reihe von je 100 rings herumlaufenden ehernen Granatäpfeln eingefaßt und ganz mit einem aus sieben kettenartig geflochtenen Schnüren bestehenden Flechtwerk überzogen war. Von den Granatäpfeln waren wohl vier an der Säule befestigt und zwischen ihnen hingen nach jeder Himmelsgegend wahrscheinlich freischwebend (nach Chr. u. Jerem. luftwärts), einem Blumengewinde vergleichbar, je 24 kettenartig verbundene Granatäpfel, im ganzen also 96, Jer. 52,23. Der obere, vier Ellen hohe Teil der Kapitäle stellte eine Lilie (Luther 1 Kö. 7,19. 22: Rose) dar und zwar entweder eine noch geschlossene Knospe oder einen offenen Blütenkelch. Die Bedeutung der Namen Jachin und Boas ist so unsicher wie die der Säulen selbst. Jachin, Name der rechts das heißt nördlich stehenden, kann bedeuten: „Er gründet“, Boas „In ihm ist Stärke“ (oder: mit Macht), könnte aber auch der Eigenname sein, so daß beide Wörter als ein Satz gelesen bedeuten würden: Boas ließ es herstellen. Bei den Phöniziern könnten die Säulen an Sonne und Mond oder an die Träger des Himmelsgewölbes (Säulen des Herkules) erinnert haben oder auch nur eine Veranstaltung zu festlicher Tempelbeleuchtung gewesen sein. [Die Namen Jachin (Jakîn) und Boas (Bô-‘az) bedeuten „feststehend = gerecht“ (so hieß die rechtsstehende, glückbedeutende) und „bei ihm ist Zorn“ (die linksstehende als Gegensatz hiezu, vergl. das babylonische ezzu Zorn, also etwa Huld und Grimm, lohnende und strafende Gerechtigkeit) und haben ihre Analogie in den an verschiedenen Stellen des alten Orients wiederkehrenden sog. paredroi des Sonnengottes, babyl. kittu (aus kîntu) und mîscharu Recht u. Gerechtigkeit, oder tiru und nanzazu (aus na‘zazu) Huld und Grimm, phön. Sydik (gerecht) und Misor, palmyrenisch Arzû (huldvoll) und ‘Azîzu (grimmig), ebenso in Edessa Monimos (arabisch mun‘im Huld erweisend) und Azizos usw. Wo wir im Altertum paarweise aufgestellte Säulen, Kegel oder Türme finden, gehen sie auf diesen uralten Dualismus zurück, der eine tiefe symbolische Bedeutung hat und den man dann auch am Himmel als zu- und abnehmenden Mond oder als den milden Abendstern (Venus als Liebesgöttin) und den kriegerischen Morgenstern (Venus als Kriegsgöttin) oder auch als Mond und Saturn (den bösen Planeten) zu erkennen glaubte.]