Zum Inhalt

Herr

Herr ist der Name, den Unterwürfigkeit, Ehrfurcht oder auch nur Höflichkeit dem Höhergestellten gibt. So nennt der Knecht den, dem er zu eigen gehört (1 Mo. 24,12 und oft), so das Weib den Mann (1 Mo. 18,12, vgl. 1 Pe. 3,6), so der Mann aus dem Volke den König (1 Sa. 26,17 und oft), so nennt man den Fremden, den man ehren will (1 Mo. 23,6 ff.; 24,18). Nun ist Israel Gottes Eigentum geworden, indem er es erlöst hat aus Ägypten, darum nennt es ihn seinen Herrn, und weil zugleich die ganze Erde sein ist, darum ist er auch der Herr aller Welt (Jos. 3,13; Mi. 4,13; Sach. 4,14 usf.). Nach der Rückkehr aus dem Exile wurde dies die ausschließliche Benennung Gottes, weil die Schriftgelehrten verboten, den Namen Jehovah, oder wie ihn die Juden aussprachen, Jahveh zu gebrauchen, damit ihn ja niemand mißbrauche und so das Gebot 3 Mo. 24,11 ff. übertrete. Darum wird in der griech. Bibelübersetzung, im Neuen Testament und in der Weise, wie die Rabbinen die hebr. Bibel lesen, der Name Jahveh stets vermieden und dafür gesagt: der Herr. So hat es auch Luther in der deutschen Bibel gehalten. Daher wird nun gesagt: „Herr, Herr“ für Jahveh der Herr, und „der Herr Gott“ für Jahveh, welcher Gott ist. Der Name Jahveh ist in Israel durch die Offenbarung an Mose, wenn auch vielleicht nicht zum erstenmale ausgesprochen, so doch geheiligt und mit Inhalt und Bedeutung erfüllt worden. 2 Mo. 3,14 sagt, warum Gott sich so nennt und was deshalb Israel in diesem Namen finden soll. Die Bitte Moses: nenne mir deinen Namen, wird durch die göttliche Antwort: ich werde sein, der ich sein werde, zugleich abgewiesen und in ihrem Maße erfüllt. Er ist, der er ist, das heißt es gibt keinen Namen, darin der Mensch Gottes Wesen zusammenfassend aussprechen könnte. Zugleich ist aber damit die unwandelbare Festigkeit Gottes bezeugt, nicht nur in dem Sinne, daß seine Jahre kein Ende nehmen und er gestern und heute derselbe ist in der Unauflöslichkeit ewigen Lebens, sondern vor allem in dem Sinne, daß er sich allezeit vom Menschen finden läßt als der, der er ist in der Festigkeit seiner Gnade und in der Unwandelbarkeit seiner Verheißung. So ist der Jahvehname Zeichen und Unterpfand dafür, daß der verborgene Gott zugleich der treue Gott ist. Jesus wurde schon in den Tagen seines Fleisches von den Jüngern und ebenso von denjenigen, die aus der Mitte des Volkes mit ihren Bitten zu ihm kamen, beständig „Herr“ genannt und dieser Name wurde ihnen um so inhaltsreicher und vielsagender, je mehr die Erkenntnis in ihnen wuchs. Jesus hat ihnen auch ausdrücklich bestätigt, daß dieser Name nach Geist und Wahrheit ihm gebühre. Er sagt den Pharisäern im Tempel, daß Christus nicht nur Davids Sohn, sondern auch Davids Herr sei, damit sie erkennen, daß sie von seiner Herrlichkeit nichts verstehen und ihre Gedanken, die sie sich über das Kommen des Verheißenen machten, armselig und blind seien (Mt. 22,43 ff.). Er sagt den Jüngern, daß er nicht nur Herr heißen, sondern auch Herr sein wolle für sie, Joh. 13,13 ff. Nachdem er aber als der Auferstandene vor ihnen stand, da erst wurde ihnen vollends hell und gewiß, daß er „der Herr“ ist im höchsten Sinn des Worts. Nun spricht Thomas: „mein Herr!“ (Joh. 20,28) und Petrus sagt am Pfingsttage: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht (Apg. 2,36). Nunmehr stehen einander gegenüber die Rede der Juden: verflucht ist Jesus, er ist ja der Gekreuzigte! und die Rede der Glaubenden: Herr ist Jesus (1 Kor. 12,3)! In dies eine Wort faßt Paulus das ganze Christenbekenntnis: wenn du mit deinem Munde bekennest, daß Jesus der Herr sei (Röm. 10,9). Denn damit ist in der Tat die ganze Frucht des Werkes Christi genannt: er ist dazu gestorben und auferstanden, daß er Herr sei, und zwar über alle, Tote und Lebendige (Röm. 14,9). Darum wird im apostol. Gruß und auch sonst sehr oft in den Briefen „unser Herr“ von Jesus gesagt als das was ihn auszeichnet und unterscheidet: Gott unser Vater und Jesus Christus unser Herr Wie im Vaternamen alles genannt ist, was Gott für uns ist, so ist im Namen „Herr“ alles bezeichnet, was Jesus für uns ist. Darum ist das Bekenntnis zu Jesus als dein Herrn das Kennzeichen der Wirksamkeit und Gegenwart des h. Geistes; denn es ist der h. Geist, der uns zugleich beugt und aufrichtet zur Anerkennung des Anrechts und der Macht, die Jesus über uns und für uns hat, während da, wo man in jüdischer Weise Jesus verwünscht, welchen Ruhm man sonst haben mag, jedenfalls nicht Gottes Geist wirksam ist (1 Kor. 12,3). Und weil in Christo allein der unsichtbare Gott sein Bild hat für uns Menschen und seine Herrlichkeit ihren leuchtenden Glanz, so ergibt sich, daß auch das alttestamentliche „Herr“ der Sache und Wahrheit nach auf ihn zielt. Der Herr, der durch den Propheten spricht, daß vor ihm sich alle Kniee beugen sollen, ist Christus (Röm. 14,11); er ist der Herr, zu dem der Psalmist betet (Hbr. 1,10), und der Herr, den Jesaja sitzen sah auf hohem Thron (Joh. 12,41). Den Herrn des Sabbats (Mt. 11,8) hat sich Jesus genannt, als die Pharisäer ihn meistern und ihm zeigen wollen, wie er den Sabbat halten müsse, damit sie erkennen, daß nicht er von ihnen, sondern sie von ihm zu lernen haben, was Sabbat ist vor Gott. Herr ist er über ihn, weil er den Sinn und Willen Gottes kennt und darum an ihm und seiner Sabbatfeier offenbar wird, was das Gesetz mit diesem Gebot von uns will.

Zur Übersicht