Haß
Haß, hassen. Haß ist der höchste Grad des Widerwillens, der den widrigen Gegenstand nicht bloß meidet und von sich stößt, sondern in letzter Linie auf seine Vernichtung ausgeht. Darum wird er 1 Joh. 3,15 als im Gebiet der Gesinnung schon vollzogener Mord bezeichnet. Wenn die heilige Schrift den Haß, hassen unter den Früchten des Fleisches aufzählt, Gal. 5,20, so weist sie damit auf die gottwidrige Selbstliebe des natürlichen Menschen als seine Wurzel hin.
Den Nächsten zu hassen oder seinen Haß, hassen mit Haß, hassen zu erwidern, bezeichnet schon das Alte Testament. als unedel und Gott mißfällig, 2 Mo. 23,5; 3 Mo. 19,17 f., und noch entschiedener betont das Neue Testament die Unverträglichkeit des Hasses mit der Kindschaft Gottes und den Wandel in seinem Licht, Mt. 5,43 f.; Luk. 6,27; $$1 Joh. 2,9::Joh 2,9$$, 11; 4,20.
Da es keine Gegensätze in der Welt gibt, die sich so unbedingt zurückstoßen, wie Gut und Vöse, kann auch überall, wo das Vöse sich in einem Herzen befestigt hat, der Haß, hassen gegen das Gute nicht ausbleiben. So haßt der Gottlose den Gerechten, Ps. 34,22; 35,19 f., und Frommen, Spr. 29,10, ja das Gute selbst, Mi. 3,2, als das Licht, an welchem seine Bosheit offenbar wird, Joh. 3,20; die vollendete Gottlosigkeit ist der Haß, hassen gegen Gott, 2 Mo. 20,5; 5 Mo. 5,9; 7,10; 32,41; 2 Chr. 19,2; Ps. 21,9; 81,16; Spr. 8,36; Joh. 15,23. Darum muß auch Christus den Haß, hassen der Welt erdulden, Joh. 7,7, und seine Jünger ihm darin nachfolgen, Mt. 10,22; 24,9; Luk. 21,17; Joh. 15,18 f.; 17,14; 1 Joh. 3,13. Ist dieser Haß, hassen ein Ausfluß der gottentfremdeten Gesinnung und des bösen Gewissens, so gibt es umgekehrt auch einen berechtigten edlen Haß, hassen des Guten gegen das Böse. Darum wird vor allem Gott selbst ein heiliger Haß, hassen gegen das Böse zugeschrieben, so gegen Abgötterei, 5 Mo. 12,31; 16,22; Jer. 44,4; Sir. 15,13, Falschheit, Sach. 8,17, ungerechten Raub, Jes. 61,8, Hochmut, Lüge, Hader usw., Spr. 6,16. Wenn es heißt, daß Gott den Gottlosen hasse, Ps. 11,5, so gilt dieser Haß, hassen zunächst seiner Gottlosigkeit, seiner Person nur soweit als sie mit seiner bösen Gesinnung innerlich verwachsen ist. Demgemäß kann auch bei den Frommen die Liebe zum Guten nicht ohne die Kehrseite eines entschiedenen Hasses gegen das Böse sein, Am. 5,15; Ps. 97,10; Spr. 8,13; Röm. 12,9. Abgötterei, Sir. 17,24, Unrecht, Jes. 33,15, falsche, unlautere Wege, Ps. 119,104. 128, haßt auch er von ganzer Seele. Und wo von einem Haß, hassen des Frommen gegen die Person des Bösen die Rede ist, wie Ps. 26,5; 31,7; 139,21. 22, soll der Haß, hassen doch offenbar nicht der Person, sondern der Gesinnung gelten.
Wenn Christus von uns fordert, wir sollen um seinetwillen die liebsten Angehörigen, Luk. 14,26, ja unser eigenes Leben auf dieser Welt, Joh. 12,25, hassen, so will er damit energisch den Grundsatz aussprechen, daß gegen die Forderungen seiner Nachfolge auch die sonst berechtigtsten und heiligsten Pflichten zurückstehen müssen. Ebenso soll das Wort: Esau habe ich gehaßt, Mal. 1,3; Röm. 9,13, nur von einer vergleichsweisen Zurücksetzung Gsaus hinter Jakob reden, die auf dem freien Walten der göttlichen Gnade beruht.