Golgotha
Golgatha oder Golgotha (das heißt Schädel, Felsplatte), im Nordwesten der Stadt Jerusalem, außerhalb der Stadtmauer gelegen, die Stätte, da Christus gekreuzigt wurde, Mt. 27,33; Mk. 15,22; Joh. 19,17. Es lag jedenfalls an einer besuchten Straße, in der Nähe des späteren Felsengrabs des Heilands, Joh. 19,41. Die eigentliche Kreuzigungsstätte läßt sich nicht mehr sicher nachweisen. Konstantin ließ über der gefundenen Grabesstätte eine Rotunde erbauen, in deren Mitte sich das h. Grab befand. Die prachtvolle Grabeskirche wurde 614 bei dem Einfall der Perser durch Feuer gänzlich zerstört. Aber 616-626 wurde die Kirche wieder aufgebaut. Im Jahre 936 und öfter wurde die Kirche von neuem durch Feuer zerstört. Die Kirche, in die die Kreuzfahrer 1099 triumphierend einzogen, schien ihnen wenig würdig. 1140-1149 wurde an die Grabrotunde im O. sich anschließend, eine einzige große Kirche im romanischen Stil erbaut, deren Mauern in der Hauptsache bis heute erhalten geblieben sind. 1808 brannte fast der ganze Komplex ab, nur der östliche Teil blieb stehen. 1810 wurde von den Griechen und Armeniern die Kirche neu aufgebaut. Das Nähere über die einzelnen Teile siehe in Bädeker, Reisehandbuch, auch Bibl. Geographie, S. 101 f. Den Lateinern gehört die Kapelle, das heißt der Ort, wo Christus ans Kreuz genagelt worden sein soll, sowie die Kapelle Mariä oder die Schmerzenskapelle. In der Hauptkirche selbst, die den Griechen gehört, strahlt alles von Edelsteinen, Gold u. Malereien. Die heiligsten Orte sind die Golgathakapelle, deren Boden 4, 5 m über dem der Grabeskirche liegt, mit der Kapelle der Kreuzerhöhung, und die Rotunde des heiligen Grabes, über der sich eine 1868 von Napoleon III. im Einvernehmen mit Rußland erneuerte Kapelle erhebt (). In der Grabkammer selbst, die ganz mit weißem Marmor belegt ist, hängen von der Decke der Grotte 43 goldene und silberne, den verschiedenen Konfessionen gehörige Lampen herab, die Tag und Nacht brennen. Die Frage, ob die Tradition die richtige Stelle bezeichnet, ist schwer zu entscheiden. Die Antwort hängt vor allem von der Bestimmung des Laufes der zweiten Mauer ab. Da die Richtstätte jedenfalls außerhalb der Stadt lag (Joh. 19,17 ff.; Hbr. 13,12), die dritte Mauer aber erst später gebaut wurde, lag die Richtstätte jedenfalls außerhalb der zweiten Mauer. Manche Neuere setzten das Tor Gennath, wo die erste und zweite Mauer zusammentrafen, weit im Westen an und ließen die zweite Mauer den jetzigen Hiskiateich und die Grabeskirche einschließen (Robinson, Tobler): dann könnte die Stelle nicht die richtige sein. Andere (Furrer, Menke) setzten das Tor weiter östlich an, so daß der Hiskiateich u. die Grabeskirche ausgeschlossen wurden, letztere also an der rechten Stelle liegen könnte. Nach den neuesten Ausgrabungen der russischen Palästinagesellschaft von 1883 haben beide Ansichten unrecht, sofern die Mauer ganz im W. begann, den Hiskiateich einschloß, dann aber so nach O. und in scharfem Winkel umbiegend nach N. zog, daß die Stätte der Grabeskirche jedenfalls ausgeschlossen blieb. Demnach kann die bezeichnete Stelle die richtige sein. Mehr läßt sich nicht erweisen.