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Gnadenstuhl

Gnadenstuhl ist das im israelit. Gottesdienst wichtigste und heiligste Geräte, der Deckel der Bundeslade, über dem die zwei Cherubim sich erhoben. Er war eine Platte von gediegenem Gold, von derselben Länge und Breite wie die Bundeslade, 2 Mo. 25,17; 26,34; Hbr. 9,5. Über seine Bedeutung gibt es zwei verschiedene Ansichten: Das hebr. Wort Kapporet heißt wörtlich: Deckgeräte. Es wird nun gesagt: in der Bundeslade sind die Gesetzestafeln aufbewahrt, welche Gottes heilige Forderungen an das Volk enthalten. Da das Volk aber den göttlichen Forderungen nicht entspricht, so könnte streng genommen der h. Gott nicht unter dem sündigen Volk Wohnung haben, er müßte es ja verzehren und vernichten. Daher läßt der h. Gott diese seine Forderungen durch das Deckgeräte, gleichsam vor seinen Augen zugedeckt sein, und so kann er dann unter seinem Volk Wohnung nehmen, was durch die auf der Kapporet stehenden Cherubim versinnbildlicht ist.

Die andere, wohl richtigere Erklärung faßt (im Anschluß an die Übers. der LXX hilasterion) diese Deckgeräte als Sühngeräte. Das Wort „Decken“ drückt nämlich nicht sowohl das Decken im Sinn von: „mit einem Deckel verschließen“ aus, sondern das Decken durch Überstreichen (vgl. 1 Mo. 6,14 Grundtext) und hat den Sinn von deckend tilgen, das heißt sühnen (vgl. 3 Mo. 17,11 Grundtext). Das Geräte heißt nun: Sühngeräte, weil der Hohepriester das sühnende Blut des Opfers an dasselbe brachte. Die Cherubim, die auf der Kapporet sich erheben, sind das Symbol der Gnadennähe Gottes. Vor diese Gegenwart Gottes wird in der Opferhandlung des Hohepriesters das Blut zur Sühne, zur Erlangung der Vergebung gebracht, 3 Mo. 16,14, und so ist die Bezeichnung Gnadenstuhl oder Gnadenthron eine ganz passende für die Bedeutung dieses h. Gerätes.

 Röm. 3,25 wird in übertragener Weise Christus selbst von Paulus als Gnadenstuhl bezeichnet, der besprengt mit dem eigenen Blut und öffentlich ausgestellt die Sühne wirklich und allgemein leistet, welche das Alte Testament. vorgebildet hatte. In Hbr. 4,16 übersetzt Luther gleichfalls Gnadenstuhl, hier hat aber der Grundtext ein anderes Wort und will besagen, daß Gottes Richterthron und Königsthron durch Christus zu einem Thron der Gnade geworden sei; vgl. Artt. Bundeslade, Opfer, Sühne.

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