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Gewohnheit

Gewöhnen, Gewohnheit. Es ist ein Gesetz des menschl. Seelenlebens, daß die häufige Wiederholung derselben Handlungen in unserer Seele eine Neigung begründet, sie auch in Zukunft bei gegebener Gelegenheit wieder zu wählen. Haben wir keine Zeit oder keine Lust, unsere Handlungsweise erst besonders zu überlegen, so werden wir immer beobachten, daß wir in den Bahnen der Gewohnheit weiter gehen. Die Gewöhnen, Gewohnheit bildet so unter den vielen Wegen, die wir einschlagen könnten, gleichsam die feste Heerstraße, die uns der Mühe überhebt, bei jedem Schritt aufs neue eine Entscheidung zu treffen. Es ist klar, daß dieses Gesetz der Gewöhnen, Gewohnheit ebensosehr dem Bösen wie dem Guten zu statten kommt. Ohne feste Gewöhnen, Gewohnheiten gibt es keine Stetigkeit und Fertigkeit des guten Handelns; gar oft ist aber auch die Gewöhnen, Gewohnheit die Fessel, die den Menschen in der Gewalt der Sünde festhält. Bei dem Kind ist es darum eine Aufgabe der Erzieher, bei dem Erwachsenen eine Aufgabe der Selbsterziehung, die Macht der Gewöhnen, Gewohnheit in den Dienst des Guten zu stellen. Das Sprichwort: „Jung gewohnt, alt getan“ hat in Spr. 22,6 sein biblisches Vorbild. Jer. 13,23 schildert die Macht der gewohnheitsmäßigen Sünde, wobei die böse Gewöhnen, Gewohnheit (wie die Haut des Mohren oder das gefleckte Fell des Panthers) zum bleibenden Kleid der Seele, zu einem Stück der eigenen Natur geworden ist. Im Neuen Testament findet sich das Wort Gewöhnen, Gewohnheit im Sinn einer bestehenden Sitte und Ordnung, Mt. 27,15; Luk. 1,9; 2,42; 4,16; 22,39. Ist gleich nicht ein bloß gewohnheitsmäßiges, sondern ein bewußtes, freies Tun des Guten das Ziel der christl. Sittlichkeit, so kann doch ein durch Gottes Gnade fest gewordenes Herz, Hbr. 13,9, auch nicht ohne feste Gewöhnen, Gewohnheiten des Lebens und Handelns gedacht werden. Auch wäre ein Wachstum im Guten gar nicht möglich, wenn nicht die erreichte Stufe durch die Gewöhnen, Gewohnheit zu bleibendem Besitz würde.

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