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Gewinn

Gewinn, gewinnen. Gewinn bezeichnet bei Luther ganz allgemein einen Vermögensvorteil, ob er nun durch ehrliche Arbeit erworben oder seinem Besitzer mühelos zugefallen ist, während wir heutzutage bei g. vorzugsweise an das letztere denken. So steht g. von redlichem Erwerb, 1 Mo. 12,5; Sir. 42,4; Mt. 25,16 ff.; Jak. 4,13, aber auch von unrechtmäßigem Vorteil, Weish. 15,12. In andern Stellen bezeichnet g. das kriegerische Einnehmen einer Stadt oder eines Landes, 4 Mo. 32,39. 41; Jos. 10,1; 2 Sa. 5,7; Spr. 16,32; 21,22. Geht das Trachten des irdisch Gesinnten auf zeitlichen Gewinn, gewinnen, so soll dem Christen, der sein himmlisches Ziel vor Augen hat, der höchste Gewinn, gewinnen auf dem Gebiet des Geistigen und Ewigen liegen. Kann der Gewinn, gewinnen der ganzen Welt den Ausschluß der Seele vom ewigen Leben nicht ersetzen, Mt. 16,26; Luk. 9,25, so kann dafür die Gewißheit des christlichen Heils die Hingabe irdischer Vorteile gar wohl aufwiegen. So sagt Paulus von sich, daß er alles, was ihm früher — in seiner pharisäischen Zeit — als Gewinn, gewinnen und Vorzug erschienen sei, nicht bloß für nichtig, sondern für Schaden achte, sofern es ihn hindern wollte, Christum, das heißt Anteil an seiner Erlösung zu g., Phi. 3,7. 8. So kann er auch Phi. 1,21 das Sterben als den Weg zur Vollendung des Heils einen Gewinn, gewinnen nennen. Ist dies die Gesinnung des wahren Christen, so kann es einem rechten Gemeindevorsteher oder einem Lehrer des wahren Evangeliums unmöglich um schändlichen Gewinn, gewinnen zu tun sein, Tit. 1,11; 1 Pe. 5,2. Der Unlauterkeit, welche aus der Gottseligkeit eine Erwerbsquelle macht, tritt auch 1 Tim. 6,5 entgegen, worauf in V. 6 solcher Gewinnsucht die wahrhaft christl. Auffassung gegenübergestellt wird mit den Worten: es ist aber in der Tat ein großes Erwerbsmittel (Luther: großer Gewinn, gewinnen) Gottseligkeit mit Genügsamkeit; nur freilich nicht in dem niedrigen irdischen Sinn, in welchem jene sie heuchlerisch mißbrauchen, vgl. 1 Tim. 4,8.

Menschen für Christum zu g. ist die Aufgabe, welcher Paulus mit aller Selbstverleugnung sich hingibt, 1 Kor. 9,19 ff. Dieselbe Aufgabe gilt aber jedem Christen und wird 1 Pe. 3,1 besonders christlichen Frauen ihren heidnischen Männern gegenüber geltend gemacht. Wer seinen Bruder durch Zurechtweisung unter vier Augen zur Erkenntnis seines Fehlers bringt, der hat ihn gewonnen, das heißt vor Abfall bewahrt, Mt. 18,15.

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