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Gewalt

Gewalt, gewaltig. Gewalt heißt die Fähigkeit, einen anderen dem eigenen Willen gemäß zu zwingen, sei’s durch körperliche Stärke oder sonstige Überlegenheit, sei’s durch den Einfluß einer angesehenen Stellung. Die höchste Gewalt, gewaltig in jedem Sinn hat Gott, der 1 Tim. 6,15 der allein Gewaltige heißt, vgl. Hi. 12,13; Dan. 4,14; Ps. 145,4. 11. 12. Gott braucht seine Gewalt, gewaltig in der Regierung der Welt, Luk. 1,51; Jer. 16,21, namentlich um die Stolzen zu demütigen. Alle Gewalt, gewaltig auf Erden stammt von ihm, und auch alles Recht, die Gewalt, gewaltig zu gebrauchen. Letzteres Recht hat Gott vor allem der Obrigkeit übergeben (Röm. 13,1 ff.; Mt. 20,25; Joh. 19,11). Aber er wacht auch mit großer Strenge darüber, daß dieses Recht nicht mißbraucht werde. Die Propheten rügen es immer als eine der schwersten Sünden, wenn „Gewalt, gewaltig über Recht geht“ (Hab. 1,3), wenn insbesondere gegen die Elenden und Armen Gewalt, gewaltig geübt wird von den Richtern (Jes. 10,2; Hes. 22,7). Ähnliche Warnungen und Drohungen ergehen gegen alle gewalttätigen Leute (Ps. 10,10; Jer. 6,7; Hes. 18,7; Mal. 3,5). Gott verheißt denen, die durch Gewalt, gewaltig Unrecht leiden, seinen Beistand, Ps. 146,7.

Die höchste Gewalt, gewaltig im Reich Gottes hat Christus (Mt. 28,18, vgl. Dan. 7,14); von ihm aus die Apostel (Luk. 9,1; 2 Kor. 10,8), eine Gewalt, gewaltig aber, zu der die innere Berechtigung nur errungen wird durch demütiges Dienen (Mt. 20,26-28). Der Ausdruck Mt. 11,12: „Von den Tagen Johannis an leidet das Himmelreich Gewalt“, soll nicht ein bedauerliches, sondern ein erfreuliches Gewaltleiden desselben bezeichnen, sofern, wie es weiter heißt, die Gewalt, gewaltig tun, es zu sich reißen; es entsteht ein wahres Wettlaufen, um hineinzukommen (vgl. Luk. 13,24). „Gewaltige“ heißen auch einigemal die Engel, die guten (Ps. 29,1, Grundtext: Söhne Gottes), und die Bösen (Kol. 2,15; Eph. 6,12).

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